Ein Buch zur Mücke

“ohne Eier, keine Moskitos” – Die Stadt Buenos Aires, in der ich mich gerade befinde, klärt ihre Bewohner mit solchen Plakaten über Präventionsmassnahmen auf, um die Verbreitung von Krankheiten wie Dengue und Zika einzudämmen.

Mücken nerven. Jeder hat wohl schon eine Nacht damit verbracht dem schlafraubenden Sirren aufzulauern – um schließlich nach dem beherzt Schlag mit der Waffe seiner Wahl, einen unschönen Blutfleck auf der Tapete zu hinterlassen. Die Biester übertragen aber auch Krankheiten. Kein Wunder also, versuchen Menschen seitdem dieser Zusammenhang bekannt ist, die Insekten zu bekämpfen. Die Mücke ist eine der fatalsten Vektoren (Tiere, die Krankheit übertragen) für den Menschen: ihre Stiche verursachen über 700 000 Tote jedes Jahr und übertragen über 100 verschiedene Krankheiten. Dabei geht es nicht darum unsere heimische Culex Arten loszuwerden, die uns surrend den Schlaf rauben ansonsten aber relativ harmlos sind, sondern vielmehr darum Aedes und Anopheles – den Überträgern von Malaria und Dengue – den Garaus zu machen. Der Mensch ist doch so gut im Tierarten vernichten: Könnte man die Mücke nicht einfach ausrotten?

Ihr habt es erraten: Leider wären die Konsequenz nicht leicht einzuschätzen. Denn die Mücke ist in ein Ökosystem verstrickt, zu dem wir auch gehören. Vögel, Amphibien – ganze Nahrungsketten hängen von den Insekten und ihren Larven ab. Unsere Beziehung zu diesen Tieren wird zudem immer komlizierter: Die tropischen Mücken verbreiten sich – höhere Temperaturen, weltweiter Warentransport, Reisen… die Bekämpfung von Dengue, Malaria und von den Mücken, die sie verbreiten, lässt sich nur planen, wenn wir verstehen, wie sie mit unserer globalisierten Gesellschaft zusammenhängen.

Der französische Schriftsteller Eric Orsenna hat sich schon oft mit dem Thema Globalisierung auseinandergesetzt: Ein Buch zu Papier, eins zu Baumwolle, eins zu Wasser und nun zur Mücke. Mit seiner Frau der Ärztin Isabelle de Saint Aubin hat er nun ein Buch „Geopolitique des moustiques“ verfasst das hervorragend die Zusammenhänge zwischen Mensch, Mücke und Krankheiten beschreibt. Er tritt dabei als “Ambassadeur” des Institut Pasteur in Paris auf und besuchte verschiedene Standorte der Insekten- und Pathogenenforschung weltweit. Das Buch fasst sehr unterhaltsam zusammen was wir wissen und wo es hakt – wo die Forscher dran sind und wo sie scheitern. Oft wirkt es eher wie ein exotischer Reisekrimi und doch kehrt Orsenna immer wieder nach Paris zurück – zu den medizinischen Entomologen und porträtiert sie als die schwer unterschätzte Sperrspitze der Forschung in der Bekämpfung von Infektionskrankheiten weltweit.

Orsenna selbst ist in Frankreich ein berühmter Mann. Er ist Teil der Akademie Française – ein sehr elitärer Gelehrtengesellschaft, die als Aufgabe hat, die französische Sprache zu pflegen und vom Cardinal Richelieu 1635 gegründet wurde. Wer einen der 40 Sitze erhält, behält ihn auf Lebenszeit und ist nun einer der „immortels“ ­– der Unsterblichen – Ein Spitzname der sich auf die Unsterblichkeit der französischen Sprache bezieht. So kam wohl die Verbindung zu Louis Pasteur zu Stande, denn auf Orsennas Sitz, die Nummer 17, nahm auch schon Pasteurs „derrière“ Platz.

Seine Recherche führt ihn nach Kambodscha, Laos, Guyana, nach Senegal und Congo. Aber auch an die Mittelmeerküste Frankreichs. Auch hier kämpfen die Forscher gegen die Mücken – die Camargue galt lange Zeit als unbewohnbar: Zu dicht waren die Mückenschwärme im Sommer und Dengue und Malaria bedrohten die Bewohner der Region. Vergessen wir nicht: Auch an Flussläufen und Marschgebieten in unseren Breiten war Malaria (meist malaria tertiana) einmal eine verbreitet Krankheit. Flussbegradigungen und Trockenlegung machten dem ein Ende – mit der Ankunft der Tigermücke regt sich aber die Angst vor den fliegenden Vektoren auch hier zu Lande wieder. Dengue, Gelbfieber und Zika sollen nun durch Sterilisierung der asiatischen Mücken aus Deutschland verbannt werden. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/tigermuecken-in-deutschland-tausende-sterile-maennchen-ausgesetzt-a-1158263.html

Die Ursachen, der Verlauf und Auswirkungen der Krankheiten, außer dem Chikungunya, erklären die Autoren ausführlich – noch mehr Informationen bekommt man auf der Seite des Institut Pasteurs dazu. Dabei stimmen sie eine regelrechte Lobeshymne auf die Entomologen, insbesondere die Moskitoforscher, an. Mehr den je würden sie gebraucht. Die Autoren zeichnen ein Bild von einer Zunft von verkannten Abenteurerinnen und Abenteurern, die der Forschung noch ihr eigenes Blut zur Verfügung stellen.

Auch die alten und neuen Kampfsstrategien gegen die Mücken – von DDT bis zum Gene Drive – beschreiben die Autoren mit Genauigkeit und einem großen Feingefühl für die vielseitigen Für und Wider der Technologien. Wie schafft man es, den Vektor gefährlicher Krankheiten einzudämmen ohne ihre Rolle im Ökosystem und die Umwelt zu gefährden? Eine Lösung präsentieren sie nicht. Die Frage ist auch nicht neu: Rachel Carson’s „Silent Spring“ hatte schon mit dieser Bekämpfung zu tun und führte schließlich zum Verbot des Giftes DDT in den meisten Industriestaaten – außer zur Bekämpfung der Vektoren. Hier fehlt uns immer noch eine effektive und günstige Alternative. Sind die Genscheren als Methode zur Sterilisierung/Veränderung von Mücken die Lösung? Mit der „Gene drive“ Methode ließen sich – theoretisch – ganze Landstriche von Mücken befreien.  Mit dieser Technik lassen sich mit Genscheren veränderte Merkmale besonders schnell in einer Population von Tieren verbreiten.Orsenna und Saint Aubin scheinen davon nicht überzeugt. Wer über Globalisierung nachdenkt wird sich wahrscheinlich eh nicht dazu verleiten lassen, an eine einzige Lösung zu glauben.

Zu komplex, zu unterschiedlich sind die Verquickungen von soziokulturellen, ökologischen, epidemiologischen und nicht zu vergessen wirtschaftlichen Bedingungen an jedem Standort, für jeden Erreger.

« Jeder weiß, die Prävention (…) ist das effektivste Mittel um Krankheiten zurückzudrängen. (…) Aber die Prävention hat einen Nachteil: Sie ermöglicht nicht die Entwicklung neuer Produkte – und wer interessiert sich für ein Geschäftsfeld ohne Umsatz.» (von mir frei übersetzt, S. 264)

Die Autoren zitieren hier Frederic Simard vom Institut de Recherche pour le Dévelopment. Er leitet in Montpellier eine Forschergruppe zum Thema Infektionskrankheiten und Vektoren mit 56 Forschern und großem Insektarium. Nach den vielen Reisen und Abenteuern in fernen Ländern kommen die Autoren mit ihm zusammen zum Schluss: die Silberkugel ist nicht in Sicht. Kohabitation mit den Vektoren sollte das Ziel sein.

Als quasi Auftragsarbeit geht das Buch mit der Forschung des Institut Pasteur nicht sehr hart ins Gericht und stellt mit großer Ehrerbietung die Mücken, Malaria- oder Dengueforscherinnen und Forscher vor. Trotz diesem Wermutstropfen an Neutralität wirkt deren Arbeit sehr informativ und es fällt einem nicht schwer die vielen Informationen als glaubwürdig anzuerkennen. Das Buch ist in Frankreich im Verlag Fayard erschienen und eine Deutsche Überstetzung steht wohl nicht an. Daher bleibt es den Frankophonen unter euch überlassen, diese schöne Buch zu lesen. Zu hoffen wäre, dass wenigstens es auf Englisch erschient.

Weitere Infos zum Thema und zum Buch auf Englisch findet ihr auf der Website des Institut Pasteur unter: https://www.pasteur.fr/fr/geopolitique-moustique

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Mit einem Diplom in Biologie in der Tasche, einer halben Doktorarbeit und viele Ideen will ich meinen Senf dazugeben. Meine irrsinnige Begeisterung für Lebewesen und des Lebens Wesen, möchte ich weitervermitteln. Und das an JEDEN. Jeder soll wissen, wie unglaublich Grottenolme sind und warum auch Gliazellen unserer Aufmerksamkeit bedürfen, dass Ratten nicht nur ekelig sind und die heimische Topfpflanze vielleicht bald schon die Nachttischlampe ersetzt. In Tübingen habe ich studiert, in Bern der Forschung den Rücken gekehrt. In Berlin bin ich nun auf der Suche nach Alternativen im Feld der Biologie und Kommunikation. Ganz besonders nach meinem Geschmack sind verrückte, unglaubliche oder einfach nur lustige Geschichten aus Ökologie, Evolution, Medizin und Technik. Schmeckt euch der Senf? Sonst mischt doch mal mit! Mathilde Bessert-Nettelbeck

16 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Mückenreduktion wird auch in den Entwicklungsländern die wichtigste Massnahme sein um die Verbreitung der von ihnen übertragenen Krankheiten zu reduzieren – denn Mückenreduktion/-elimination war auch schon in Europa dafür verantwortlich, dass Krankheiten wie Malaria aus Küsten- und Flussregionen verschwanden. In Brasilien – einem Entwicklungsland – gibt es heute 3 Millionen Dengue-Kranke, nachdem die Krankheit 1980 vorübergehend verschwunden war. Jetzt laufen in mehreren brasilianischen Staaten Programme zur Mückenbekämpfung mit allen nur denkbaren Mitteln inklusive dem Aussetzen von genmanipulierten oder sterilisierten Mückenmännchen. Darüber berichtet beispielsweise der SPON-Artikel Brasiliens Kampf gegen Tigermücken – Barsiliens Stastsfeind Nummer 1. Staaten, die nichts gegen durch Mücken übertragene Krankheiten unternehmen sind in meinen Augen noch nicht zivilisiert und es ist ja auch kein Zufall, dass beispielsweise China heute kaum noch Malariafälle hat, aber Laos in seinem Landesinnern sehr wohl. Laos ist eben weitgehend rückständig geblieben und dass sich die ändert wird man daran erkennen, dass die Malaria und andere durch Mücken übertragene Krankheiten wegen entsprechenden staatlichen Programmen zurückgehen. Für mich ist auch typisch, dass hier in Europa oder den USA Bedenken bezüglich Mückenreduktion aufkommen und man sich hier mehr um das Schicksal der Mücken und ihrer Ökosysteme kümmert als um die erkrankten Menschen. Das liegt letzlich daran, dass es ja nicht die eigenen Menschen sind sondern eben Brasilianer oder Laoten – mithin Geschöpfe, die für viele hier gleich schützenswert sind wie die Mücken, die sie plagen.

  2. Sind die Genscheren als Methode zur Sterilisierung/Veränderung von Mücken die Lösung? Mit der „Gene drive“ Methode ließe[] sich – theoretisch – ganze Landstriche von Mücken befreien.

    Ist ein “heißes Eisen”, wenn der Mensch, ohne umfänglich zu verstehen, zum Mitdenker und Konstrukteur des Tiers wird, sozusagen.
    Ein liebevoll-professioneller Text liegt vor, wie sich Dr. Webbaer erlaubt einzuordnen.

    Es könnte auch mechanisch versucht werden, Insekten-Gitter und ähnliche Apparatur meinend, Ameisen und Läuse, Katzen-Läuse im Speziellen, versucht bspw. der Schreiber dieser Zeilen bestmöglich aus dem Haus zu halten.
    Die Adaption i.p. Medizin bspw. bliebe eine Möglichkeit.

    MFG
    Dr. Webbaer (der hier allerdings nicht so schnell eine e-sprachige Version gefunden hat)

      • Bon appétit, wenn es mal mit dem Insekten-Nachwuchs nicht so klappt, wie von Erkenntnissubjekten vorgesehen, sogenannte ‘ „Gene drive“ Methode ‘ meinend.

        Anzulegen ist hier, wie viele finden, Risk-Reward-Überlegung.
        Es darf in die definitorisch angelegte Lebenswelt eingegriffen werden, die bekannte Erbdatenhaltung von Lebewesen meinend, und wenn nicht letztlich gewusst, was getan wird, darf auch mal längere Zeit (und hier sind “wirklich” längere Zeiten gemeint) abgewartet werden, ob das Vorhaben, wie gemeint, i.p. Leben gegriffen hat.

        Anders vorzugehen wäre hoch riskant und die mögliche, vielleicht auch direkt absehbare Belohnung sehr ungünstig überschätzend.
        Wie einige finden.

        MFG + schöne Woche noch,
        Dr. Webbaer

        • Dr. Webbaer: Unnötige Risiken beim Einsatz von Gentechnik muss man nicht eingehen, denn es gibt heute viele Optionen, bestimmte Mücken zu bekämpfen – auch ohne Gene Drive. Oxitec’s genetisch modifizierte Aedes aegypti – Männchen beispielsweise zeugen Mückennachkommenschaft, welche früh abstirbt. Im konkreten Einsatz züchtet man kiloweise solche genmodifizierten Mückenmännchen und hofft, dass sie aufgrund ihrer Überzahl mehr Chancen auf Nachwuchs haben als ihre “natürlichen” Konkurrenten. Weil das nicht 100% funktioniert, überleben einige der bekämpften Mücken – aber man kann das Ganze ja nächstes Jahr wiederholen. Das Ziel auf einen Schlag alle Mücken zu eliminieren mittels beispielsweise Gene Drive wäre zwar schön zu erreichen, aber wenn es nur darum geht die Mückenpopulation stark zu reduzieren, dann genügt auch das risikolose Oxitec-Verfahren. Risikolos ist dieses Verfahren, weil es nur einen einzigen Organismus – die männliche Aedes aegypty -Mücke – modfiziert und damit hochspezifisch wirkt. Insektizide dagegen sind im Vergleich dazu sehr riskant wirken sie doch auf sehr viele Insekten – auch auf Honigbienen etc.

  3. Es sind nur wenige Stech-Mückenarten, die eine ausgeprägte Affinitiät zum Menschen haben und die gleichzeitig eine Fülle von Infektionskrankheiten übertragen. Aedes aegypti beispielsweise überträgt Chikungunya, Dengue, Gelbfieber und Zika und gleichzeitig bevorzugt Aedes aegypti Menschen über andere Säugetiere indem es auf menschliche Düfte deutlich stärker reagiert als auf Düfte anderer Säugetiere. Auch Anopheles (Anopheles gambiae and Anopheles coluzzii) bevorzugen Menschen und erkennen Menschen am Geruch (primär besitzen beide einen CO2-Rezeptor, der aber auch auf bestimmte Gerüche zusätzlich anspricht). Der Artikel Genes and odors underlying the recent evolution of mosquito preference for humans beschreibt diese parallele Evolution sowohl bestimmter Anopheles als auch Aedes-Arten. Grund für die Spezialisierung auf Menschen (Zitat, übersetzt von DeepL: Es ist daher außergewöhnlich, dass sich eine Handvoll Mückenarten entwickelt haben, die sich darauf spezialisiert haben, Menschen zu beißen.) ist wohl einfach der, dass es so viele von uns Menschen gibt. Menschen sind lohnende Blutmahlzeiten.
    Diese wenigen auf Menschen spezialisierte Mücken auszurotten scheint mir gerechtfertigt und hat wohl auch keine katastrophen Auswirkungen auf die Ökosysteme zu denen diese Mücken gehören. Die Rechtfertigung dafür findet sich in folgender Aussage aus dem verlinkten Artikel (übersetzt von DeepL): Zusammen sind sie [bestimmte Aedes und Anopheles-Arten] verantwortlich für Hunderttausende von Todesfällen und Hunderte von Millionen von nicht-tödlichen Krankheitsfällen pro Jahr.

    • Ergänzung. Hier in Europa wurde Anopheles mehr oder weniger ausgerottet. Doch bestimmte Europäer wie die obige Autorin Mathilde Bessert-Nettelbeck wollen nicht, dass das auch in den Entwicklungsländern geschieht, schreibt sie doch:Könnte man die Mücke nicht einfach ausrotten? Ihr habt es erraten: Leider wären die Konsequenz nicht leicht einzuschätzen. Denn die Mücke ist in ein Ökosystem verstrickt, zu dem wir auch gehören.
      Damit meint die Autorin wohl: Die Menschen würden mit der Elimination der auf den Menschen spezialisierten Mücken auch ein Ökosystem ändern und besonders schlimm ist das, wenn es in den Entwicklungsländern passiert, denn dort gibt es – anders als in Europa – noch intakte Ökosysteme in denen unter anderem Menschen und ihre Mücken prima koexistieren.
      Da wird die Autorin gar nichts halten etwa von Bill Gates, der den Moskitos einen eigentlichen Kampf angesagt hat.

      • Meine Einstellung ist nicht so dogmatisch wie Sie sie darstellen. Auch die Autoren des Buches sehen das durchaus differenziert. Da ich auch schon in Malariaendemie Gebieten gelebt habe, weiss ich sehr wohl zu schätzen, dass wir diese Probleme in Europa kaum haben. Am liebsten wäre mir, mann könnte ein Impfstoff entwickeln oder eine wirksame und ungefährliche Behandlung finden. Dabei finde ich aber, dass die Folgen für Ökosysteme bei der Bekämpfung von Mücken manchmal übersehen werden. Es kommt nicht ohne Preis und es ist durchaus nicht so, dass es Menschen aus den Endemiegebieten egal ist, was mit ihren natürlichen Ressourcen geschieht. Gezielt genetische Veränderungen zu entwicklen, die die Übertragung der Pathogenen in den Mücken verhindert, wäre für mich am sinnvollsten.

        • Ja, Mücken, die zwar immer noch den Menschen bevorzugen, aber keine Krankheiten übertragen, wären eine Lösung. Solcherarten genetisch veränderte Mücken müssten sich aber gegenüber ihren natürlichen Analoga durchsetzen. Zudem dürfte dies auch so kaum realisierbar sein, denn es sind eine Vielzahl von Krankheiten (bis zu 100), die von Aedes aegypti und Anopheles übertragen werden. Interessanterweise gibt es aber nur eine handvoll für den Menschen gefährliche Mücken. Wenn diese eliminiert sind ändert sich insgesamt nicht viel. Schon heute wird ja in Brasilien und andernorts angestrebt, dass die Zahl der Aedes aegypti-Mücken auf einen Bruchteil der heutigen reduziert wird. Schon das müsste die Oekosysteme verändern. Habe darüber aber nichts gelesen. Ich kenne kein Oekosystem, das auf Aedes aegypti angewiesen wäre – ausser das Oekosystem der Krankheitserreger, die von Aedes aegypti übertragen werden, etwas was wir sicher nicht erhalten wollen.

          • Aedes aegypti und Aedes albopictus sind hochgradig auf den Menschen spezialisiert und sie sind selbst oder gerade in städtischen Gebieten eine Gefahr für Menschen wie ein Beispiel aus Tokio zeigt (aus Who needs Aedes mosquitoes?, übersetzt von DeepL): Tokio in Japan war 70 Jahre lang denguefrei. Dann, im Jahr 2014, wird vermutet, dass jemand, der das Fieber im Ausland erworben hat, einen der beliebtesten Parks der Hauptstadt besucht hat. Aedes albopictus biss diese Person und verbreitete Dengue auf fast 200 Einwohner.
            Ich denke nur sehr wenige würden einen Trauertag einlegen weil Aedes aegypti und Aedes albopictus eliminiert wurden.

  4. SPON berichtet über eine kürzlich veröffentlichte Ernährungsstudie, welche unter jungen Nutzern hochverarbeiteter Lebensmitteln eine erhöhte Zahl von Krebserkrankungen feststellte. Steigern stark verarbeitete Lebensmittel das Krebsrisiko? stellt unter anderem fest:
    In den bisher acht Jahren der Studie erkrankten 2228 Teilnehmer [insgesamt 104.980 Teilnehmer, die zu Studienbeginn keinen Krebs hatten] an Krebs, also rund zwei Prozent. Das Risiko für Krebs allgemein stieg relativ um etwa zehn Prozent an (absolut also etwa um 0,2 Prozent an), wenn sich der Anteil der stark verarbeiteten Lebensmittel um zehn Prozent erhöhte. Das gilt auch für Brustkrebs. Der Zusammenhang zeigte sich dagegen nicht bei Prostata- oder Darmkrebs.
    Als stark verarbeitete Lebensmittel galten etwa süße und herzhafte verpackte Snacks, Süßigkeiten und Desserts, Limonaden, Fleischklöße, Fleischprodukte mit Nitritpökelsalzen, Fertiggerichte oder Tütensuppen.

    Ein Beweis liefert die Beobachtungsstudie nicht, jedoch bleibt der Verdacht der krebserregenden Wirkung stark verarbeiteter Lebensmittel auch wenn man das übrige Verhalten der Studienteilnehmer wie Rauchen, etc. miteinbezieht.
    Der Originalartikel heisst: Consumption of ultra-processed foods and cancer risk: results from NutriNet-Santé prospective cohort Dort liest man in der Zusammenfassung (übersetzt von DeepL): Unserer Kenntnis nach war diese Studie die erste, die eine Erhöhung des Krebsrisikos allgemein und von Brustkrebs im speziellen im Zusammenhang mit der Aufnahme ultra-verarbeiteter Nahrungsmittel untersuchte und hervorhob.

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