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In der Psychologie/Verhaltensbiologie kennt man den Effekt des „uncanny valley“. Dieser beschreibt den Umstand das künstlich produzierte Figuren, wie beispielsweise digitale Nachbildungen von Menschen oder auch Roboter, für den Betrachter bis zu einem gewissen Grad als immer positiver wahrgenommen werden je realistischer die Darstellung ist.

Doch das stimmt nur bis zu einem gewissen Maße. Wie man in der Grafik erkennt schlägt die Akzeptanz bei einem recht hohen Grad an Realismus stark um und die Betrachter fühlen sich weniger wohl. Wer seine Zeit mit PC-Spielen verbringt, oder animierte Filme wie den Polarexpress oder Final Fantasy gesehen hat wird das vielleicht schon selbst festgestellt haben.

Die genauen Ursachen für diesen Effekt sind bislang recht unbekannt. Die Erklärung könnte – wie so oft – in der Evolution zu suchen sein. Über die Zeit könnten wir daher eine Abneigung gegenüber krank wirkenden Mitmenschen entwickelt haben. Schlicht um für die eigene Gesundheit zu sorgen. Und semi-realistische Darstellungen von Menschen könnten unter Umständen von uns als krank klassifiziert werden.

Eine andere Erklärungsmöglichkeit wäre, dass unser Hirn viel mehr auf kleine Fehler in der Darstellung von Gesichtszügen etc. achtet je näher man der Realität kommt. Und, dass diese dadurch als viel schwerwiegender einzustufen sind, da die Nachbildungen die Erwartungen nicht erfüllen kann.

Diese evolutionären Hypothesen zum Uncanny Valley sind bislang jedoch noch nicht wirklich überprüft worden. An der Princeton Universität wurde jetzt allerdings ein Versuch unternommen der sich damit beschäftigt. Denn die Forscher testeten Makaken darauf ob auch diese ein ähnliches Verhalten zeigen wenn es um künstliche Figuren geht. Dazu bildeten sie verschiedene 3D-Modelle von Makaken-Gesichtern nach. Aufgeteilt in verschiedene Gesichtsausdrücke und Realismusgrade.

Den Versuchstieren wurden dann Videos dieser Gesichter gezeigt. Entweder von echten Tieren, von unrealistischen Nachbildungen oder von realistischen Nachbildungen. Gemessen wurde dann die Zeit die Makaken mit der Betrachtung der Gesichter verbrachten und die Anzahl der Betrachtungen. Angenommen wurde dabei, dass die Tiere jene Gesichter länger betrachten, die ihnen auch gefallen.

Und spannenderweise zeigten die Makaken genau das Verhalten wie man es vom Uncanny Valley erwarten würde. Die unrealistischen Nachbildungen und die echten Tiere betrachteten sie häufiger und ausdauernder als die realistischen Kunsttiere.


Außerdem geht man davon aus das sich das Uncanny Valley ausgeprägter bei dynamischen, bewegten Gesichtern stärker vorhanden ist als bei statischen Bildern. Auch dies wurde mit den Makaken getestet. Insgesamt zeigte sich hier das die Tiere die bewegten Gesichter deutlich länger betrachteten. Und auch das Tal war etwas beständiger.

Spannenderweise war es für die Ergebnisse auch irrelevant welchen Gesichtsausdruck man den Affen vorsetzte. Dies sind zumindest erste Anzeichen dafür, dass die Hypothesen  die sich auf evolutionäre Wurzeln beziehen nicht ganz falsch sein könnten.

Rein aus der Betrachtungsdauer und Häufigkeit kann man natürlich noch keine Aussagen über die Gefühle der Tiere machen, die sie während der Betrachtung empfinden. Über weiterführende Tests wie Hautwiderstand oder die Pupillenerweiterung könnte man allerdings auch hier mehr Details erfahren.  

Bilder: Wikipedia & Aus dem Originalpaper.

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Veröffentlicht von

Bastian hat seinen Bachelor in Biologie in nur 8 statt 6 Semestern abgeschlossen. Nach einem kurzen Informatik-Studiums-Intermezzo an der TU Dortmund hat es ihn eigentlich nur für ein Stipendium nach Frankfurt am Main verschlagen. Dort gestrandet studiert er dort nun im Master-Programm Ökologie und Evolution. Zumindest wenn er nicht gerade in die Lebensweise der Hessen eingeführt wird. Neben seinen Studiengebieten bloggt er über die Themen, die gerade in Paperform hochgespült werden und spannend klingen.

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