Puppe oder Laster?

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researchblogging Philipp sagt Philipp sagt:
Ich persönlich dachte ja immer, geschlechtsspezifische Spielzeuge für Kinder wären nur der Gesellschaft wegen so. Wer will schon, dass der Sohn mit Barbiepuppen spielt? (Mir persönlich ist das ja sowas von egal, aber auf mich hört ja keiner.)

In der Veröffentlichung “Sex Differences in Infants’ Visual Interest in Toys” aus dem Jahre 2008 von Alexander et al. in “Archives of Sexual Behavior” scheint das aber (zumindest in Teilen) zu widerlegen

Getestet wurde, ob die Hypothese “Kinder haben schon geschlechtsspezifische Spielzeuginteressen, bevor sie sich ihres Geschlechtes bewusst sind”, zutrifft. Dazu wurden zwischen 2 und 8 Monate alte Kinder abwechselnd eine Puppe oder ein Spielzeuglaster gezeigt. Die Fixierung der Augen bzw. die Bewegung des Kopfes wurde gemessen.
So wollten die Wissenschaftler herausfinden, welches Spielzeug bei welchem Geschlecht am besten ankam.

Und das sind die Ergebnisse: (Grafik aus Alexander et al.: “Sex Differences in Infants’ Visual Interest in Toys”, Arch Sex Behav (2009) 38:427–433)

Toys Grafik

Wie man sieht, ists den Jungen egal, welches Spielzeug sie da sehen. Mädchen dagegen bevorzugen stark die Puppe! Nicht gezeigt ist, dass Jungen im Durchschnitt länger auf den Laster als auf die Puppe schauten.
Woran liegt das?

Die Wissenschaftler meinen, dass evolutionäre Gründe dafür sprächen, dass Mädchen menschenähnliche Spielzeuge bevorzugen, damit soft skills eher entstehen. Und das ganz ohne irgendwelche Module von der Uni!
Sicher ist, dass die sexuelle Differenzierung sehr früh beginnt; früher, als ich dachte.

"Parents were offered $5 reimbursement for their travel expenses or received an infant-sized T-shirt for their son or daughter." Haha, Wissenschaftler.


Alexander, G., Wilcox, T., & Woods, R. (2008). Sex Differences in Infants’ Visual Interest in Toys Archives of Sexual Behavior, 38 (3), 427-433 DOI: 10.1007/s10508-008-9430-1

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Veröffentlicht von

Philipp hat einen Bachelor in Biologie, ein Graduate Certificate in IT und studiert momentan für seinen Master in IT in einem übertrieben großen Land voller Spinnen und Schafe. Für die Bierologie schreibt er zumeist über Biologie, Evolution und allem was an den Rändern der Gebiete noch so angeschwemmt wird.

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