Von der umweltethischen Indifferenz der Wirtschaftsführer – Das Beispiel Glencore

Man muss die Zeitung zuweilen schon sehr genau studieren, um von aufschlussreichen Aussagen von Spitzenmanagern der Wirtschaft zu erfahren, die einem über das Denken der Unternehmensführer zu drängenden Fragen unserer Welt einen weit tieferen Eindruck verschaffen als alle Leitartikel und Kommentare von Journalisten. Oft stolpert man dann über Sätze und Aussagen, die zunächst sehr harmlos klingen und auch keine unmittelbaren Wahrheitsverdrehungen darstellen, bei näherer Betrachtung indes in ihrer Unverfrorenheit und Selbstgerechtigkeit keinen Vergleich zu scheuen haben. So ergab sich für aufmerksame Leser kürzlich die Möglichkeit, Zeuge eines besonders unverhohlenen Beispiels der ethischen Indifferenz eines Unternehmensführers zu werden. In den Wirtschaftsseiten der Tageszeitungen war von einer Aussage des Chefs der hochumstrittenen Rohstofffirma Glencore aus dem beschaulichen Baar im Schweizerischen Kanton Zug die Rede. Auf einer Investorenkonferenz hatte sich Ivan Glasenberg zu den Aussichten seiner Firma, die es an Skandalen und unethischem Verhalten in den letzten Jahren so ziemlich an nichts hat fehlen lassen, geäussert. Korruptionsvorwürfe, Verstösse gegen Umweltauflagen, Ausbeutung von Land und Bevölkerung in Drittwelt-Staaten, umstrittene Geschäfte im Kongo oder in Venezuela, entsprechende Untersuchungen der US-Justiz und kanadischer Behörden, Klagen von Aktionären – die Liste der Vergehen, derer sich Glasbergs Konzern angeklagt sieht, ist unüberschaubar lang. Zugleich setzt Glencore in seinem Geschäftsmodell sehr stark auf die Förderung und den Vertrieb von Kohle, was aufgrund der damit verbundenen Klimaerwärmung sehr umstritten ist. So investiert eine wachsende Zahl von Anlegern und Vermögensverwaltern, die auf Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein setzen, schon längst nicht mehr in die Aktie von Glencore. Doch Glasenberg hält an seinem Kurs fest. „Ich bin weiter positiv gestimmt für Kohle“, sagt er. Von einem Journalisten auf den unrühmlichen Zusammenhang der Aktivitäten Glencores und möglicher Folgen für unser Klima hingewiesen, antwortet er nur: „Ich bin kein Wissenschaftler und äussere mich nicht zum Klimawandel“.

Man muss sich diesen Satz einmal auf der Zunge zergehen lassen. Denn erst mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung wird das ganze Ausmass der Unverfrorenheit und des Zynismus eines Managers deutlich, der mit seinen schmutzigen Geschäften zum dutzendfachen Milliardär geworden ist. Dabei hat der Ausdruck „Ich bin kein Wissenschaftler“ einen allgemeineren wenig rühmlichen Hintergrund: Er wird oft von Politikern (insbesondere amerikanischen Republikanern) verwendet, wenn sie nach der globalen Erwärmung gefragt werden (oder auch einem anderen wissenschaftlichen Thema, wie beispielsweise dem Alter der Erde) und was dagegen zu tun ist. Sie rechtfertigen mit dieser (wohl vollends zutreffen) Aussage ihre Skepsis gegenüber dem Klimawandel und entschuldigen damit ihre Unwilligkeit, trotz zunehmender wissenschaftlichen Beweislage entsprechend zu handeln.

Glasenbergs Aussage kann sich innerhalb Glencores allerdings noch auf eine andere unrühmliche Tradition berufen. So verteidigte sich sein Vorgänger und Firmengründer Marc Rich, der in den USA wegen massiver Steuerhinterziehung und dem Hintergehen zahlreicher internationaler Handelsembargos, u.a. durch verbotenen Handel mit dem Iran, dem Apartheit-Regime in Südafrika und Chile unter Pinochet, mit der Aussicht auf Hunderten von Jahren hinter Gittern konfrontiert sah (und dieser Strafe nur entkam, da die Schweiz sich bis zu seinem Tod weigerten, ihn auszuliefern), seinerseits immer wieder mit der Feststellung: „Ich bin Geschäftsmann, kein Politiker“. Rich betonte bis zum Ende seines Lebens, dass es völlig in Ordnung sei, Geschäfte mit korrupten, gewalttätigen und rassistischen Regierungen zu tätigen.

Glasenberg tut nun so, also ob der Klimawandel eine Sache ausschliesslich der Wissenschaft sei und sich niemand anders als die Wissenschaftler darüber Gedanken machen sollte. Man könnte auch von einer kompletten ethischen Indifferenz seinerseits sprechen. Zugleich stellt Glasenbergs Aussage die wohl perfideste Art der Leugnung eines menschenverursachten Klimawandels dar. Sollen die Wissenschaftler doch nur den Klimawandel analysieren und sich dazu äussern. Das ist ihre Angelegenheit. Für das wirtschaftliche Schaffen spielt das keinerlei Rolle. Die braven Manager, die ja nur die Renditen ihrer Aktionäre (und oft die eigenen) optimieren wollen, so wie es gemäss der Textbuch-Ökonomie ja auch ihre Pflicht ist, tragen hier keinerlei Verantwortung.

Dabei haben die Wissenschaftler längst ihren Job gemacht. 99.4% der wissenschaftlichen Publikationen zum Klimawandel stehen ganz klar hinter der Erkenntnis, dass der Klimawandel 1. stattfindet und 2. menschengemacht ist. Diese Auffassung a) ist empirisch bestens validiert, b) bietet eine klare und überzeugende kausale Erklärung, nämlich: CO2 bewirkt einen Treibhauseffekt, und c) sie beruht auf einem verhältnismässig einfachen und leicht erfassbaren Zusammenhang. Das heisst nicht, dass der Zusammenhang zwischen CO2 –Ausstoss und Klimaerwärmung die letztendliche, zu 100% zutreffende und ausschliessliche Theorie über die momentane Klimaentwicklung ist. Ein solcher Anspruch würde dem Wesen der Wissenschaft zuwiderlaufen, die qua ihrer Methode immer wieder offen für Korrekturen ihrer Theorien sein muss. Aber es ist eben die Theorie, die am wahrscheinlichsten richtig ist. Was Glasenberg und Co. wissen müssen: Sie sind nun an der Reihe zu handeln. Wer sich darauf beruft, dass die Wissenschaftler zunächst mal zu 100% prüfen sollen, dass der Klimawandel wirklich durch CO2-Ausstoss verursacht wird, bevor man sich selber in der Verantwortung sieht und es bis dahin als völlig legitim ansieht, auf Lasten der Allgemeinheit Profite für die eigenen Taschen zu erzielen, in dem man einen Grossteil der sehr wahrscheinlichen Kosten (Umweltschäden, Klimawandel) externalisiert (d.h. abwälzt), denkt und handelt zutiefst unredlich. Es wird Zeit, dass die Verantwortlichen dies erkennen, und dass, wenn sie dies nicht tun oder tun wollen, sie die Gesellschaft dazu zwingt.

Die Aussage Ivan Glasenbergs ist ein typisches Beispiel dafür, wie schamlos und unbehelligt Unternehmen Kosten externalisieren. Immer wieder wirken sich die wirtschaftlichen Aktivitäten einer Person oder einer Personengruppe (und ihre kommerziellen Gewinne, die sie daraus schöpfen) auf andere, unter Umständen sogar auf alle anderen Menschen aus, ohne dass die handelnden Personen die vollen Kosten dafür tragen müssen. Umwelt zu verpesten oder der klimaschädliche Ausstoss von CO2 kostet auch heute noch wenig bis nichts für den Verursacher, die Kosten trägt die Allgemeinheit. Diesem Grundübel unseres Wirtschaftssystems muss durch politische Massnahmen Abhilfe geschaffen werden. Denn anzunehmen, dass die Wirtschaft dies von alleine tut, ist komplett irrsinnig, wie man am Denken und Handeln von Menschen wie Ivan Glasenberg erkennen kann.

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Jahrgang 1969 habe ich in den 1990er Jahren Physik und Philosophie an der Universität Bonn und der École Polytechnique in Paris studiert, bevor ich am Max-Planck-Institut für Physik komplexer Systeme in Dresden im Bereich theoretischer Physik promoviert und dort auch im Rahmen von Post-Doc-Studien weiter auf dem Gebiet der nichtlinearen Dynamik geforscht habe. Vorher hatte ich auch auf dem Gebiet der Quantenfeldtheorien und Teilchenphysik gearbeitet. Unterdessen lebe ich seit nahezu 20 Jahren in der Schweiz. Seit zahlreichen Jahren beschäftigte ich mich mit Grenzfragen der modernen (sowie historischen) Wissenschaften. In meinen Büchern, Blogs und Artikeln konzentriere ich mich auf die Themen Naturwissenschaft, Philosophie und Spiritualität, insbesondere auf die Geschichte der Naturwissenschaft, ihrem Verhältnis zu spirituellen Traditionen und ihrem Einfluss auf die moderne Gesellschaft. In der Vergangenheit habe ich zudem zu Investment-Themen (Alternative Investments) geschrieben. Meine beiden Bücher „Naturwissenschaft: Eine Biographie“ und „Wissenschaft und Spiritualität“ erschienen im Springer Spektrum Verlag 2015 und 2016. Meinen Blog führe ich seit 2014 auch unter www.larsjaeger.ch.

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  1. Glasenbergs Verhalten ist urmenschlich. Er schützt seine unmittelbaren Interessen. Kurzsichtig, ok. Verantwortlich nur den eigenen Aktionären und sich selber gegenüber, ok. Aber was denn anderes als dieselbe Negierung der Umwelwirkungen und der eigenen Verantwortlichkeit dafür ist der Entscheid, Urlaub auf den Seychellen zu machen? oder kurz nach Berlin zu fliegen, es ist ja so billig? oder Auto zu fahren, am besten eins pro Familienmitglied? Und wie sieht’s denn aus mit der Subventionierung der Landwirtschaft, die es weniger fortschrittlichen Ländern verunmöglicht, nicht nur ihre Produkte nach Europa zu exportieren, sondern die eigene Produktion unrentabel macht? Glencores Weste ist sicher nicht weiss. Aber das zugrundeliegende Problem ist nicht institutionell, es ist individuell. Und da ist auch die Lösung zu suchen.

  2. Glasenberg als knallharter Geschäftsmann, der nur seine und die Interessen seiner Firma vertritt und auf nichts Rücksicht nimmt (auch nicht auf das Klima) , gibt ein perfektes Feindbild ab.
    Doch es ist ein Irrtum, zu glauben, die „Guten“ funktionierten völlig anders. Ein solcher „Guter“ ist der kanadische Premier Justin Trudeau – und er denkt letzlich im Namen Kanadas ganz ähnlich. Kanada hat die grössten unkonventionellen Erdölschätze, nämlich 163.4 Milliarden Barrel Öl in Form von Ölsanden. Und Justin Trudeau hat sich ganz klar dafür ausgesprochen, dieses Öl zu fördern. Und das obwohl der Klimawissenschaftler James Hansen explizit davor gewarnt hat auch das unkonventionelle Öl noch zu fördern, denn dann könne das 2 Grad-Ziel nicht erreicht werden. Das zeigt: Auch ein „Guter“ kann global gesehen falsch handeln, wenn er einfach nur an seine Firma oder – im Fall von Justin Trudeau – eben an sein Land denkt. An sein Land denken bedeutet: 163 Milliarden Barrel Öl haben heute einen Marktwert von 8 Billionen US-Dollar und das ist sogar für Kanada eine so grosse Summe, dass Kanadas Premier glaubt, nicht darauf verzichten zu können.
    Bill McKibben hat dazu den Artikel Say hello to Justin Trudeau, the world’s newest oil executive geschrieben wo man liest (übersetzt von DeepL):
    Trudeau sagte den Öl-Direktoren im vergangenen Jahr, dass “kein Land 173 Milliarden Barrel Öl im Boden finden und es einfach dort lassen würde”. So viel will er anscheinend ausgraben und verbrennen – und wenn er erfolgreich ist, wird sich die eine Hälfte von 1% des kanadischen Planeten fast ein Drittel des verbleibenden Kohlenstoffbudgets zwischen uns und dem 1,5 Grad Temperaturanstieg, den der Planet in Paris als rote Linie gezogen hat, zugesprochen haben. Es gibt keine Möglichkeit, die Mathematik zu drehen, die das in Ordnung bringt – Kanadier emittieren bereits mehr Kohlenstoff pro Kopf als Amerikaner.

    Fazit: Moral und Ethik für das eigene Land oder die eigene Firma sind nicht gleich wie Moral und Ethik für die ganze Welt.

  3. Zur Liste der Personen, die Kohle, Öl oder Erdgas produzieren wollen gehören auch der frühere Juso und spätere deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder, der im Dienst von Nordstream und Rosneft steht, aber natürlich auch Wladimir Putin, Mohammed bin Salman al-Saud, Nicolas Maduro, Donald Trump, etc.etc – also die halbe Welt.

  4. Einen gewissen Einfluss haben auch die Kunden, wenn sie nicht zum Beispiel nur kohlendioxidneutrale Energie kaufen, nur weil diese ein wenig teurer ist.
    Und dann gibt es auch noch Menschen mit gelben Westen, die eine Steuererhöhung auf fossile Energieträger nicht haben wollen.

  5. Glasenberg in die moralische Ecke zu stellen hilft nicht weiter. alle Mitkommentatoren haben erkannt, dass wir uns dabei auch an die eigene Nase fassen müssen. Siehe Urlaubstourismus, siehe Individualverkehr und und und.
    Durch die Klimaerwärmung sieht sich die Weltgemeinschaft zum ersten Mal in ihrer Existenz bedroht.
    Die Verantwortung auf die Wirtschaftsführer abzuschieben ist die einfachste Methode. Dann haben wir als Verbraucher wieder ein ruhiges Gewissen.

  6. Umweltethos ist sicher gut – kann aber die Welt nicht retten. Vor allem dann nicht, wenn ein vorhandenes oder nicht vorhandenes Umweltethos darüber entscheidet ob und wie stark sich die Welt dekarbonisiert. Denn Freiwilligkeit reicht nicht aus, wenn man einen völligen Verzicht auf Kohle, Erdöl und Erdgas durchsetzen will. Und einen solchen völligen Verzicht braucht es, damit die Erderwärmung zum Stillstand kommt. Doch verinnertlicht haben das erst wenige Menschen und erst wenige Länder: dass nämlich in 50 Jahren überhaupt keine Kohle und auch überhaupt kein Erdgas und kein Erdöl mehr verbrannt werden sollten. Das lässt sich gut an den konkreten Energieplänen von Ländern wie Deutschland ablesen. Deutschland und auch das übrige Europa setzt konkret auf eine Energiezukunft in der Erdgas eine wichtige Rolle spielt. Nicht umsonst will Deutschland (und wohl auch das übrige Europa) zusammen mit Russland eine zweite Erdgaspipeline, Nordstream 2 genannt, von Russland nach Europa verlegen – und das sogar gegen den Willen der USA. Deutschland plant eine Zukunft nach der Kohle. Und diese Zukunft ist zu einem wichtigen Teil eine Erdgaszukunft, wobei Erdgas für die Strom-und Wärmeerzeugung eingesetzt wird. Viele werden hier sagen: Ja, von irgendwo her muss ja unsere Energie kommen und Erdgas ist doch diese ideale Brückentechnologie, die zu Kosten von nur 1/2 der CO2-Emissionen das gleiche leistet wie Kohle: Es ist immer verfügbar und Erdgaskraftwerke können hochfahren, wenn kein Wind und keine Sonnen bläst. Nur muss man sich bewusst sein, dass ein Ausbau der Erdgasversorgung gerade jetzt wohl darauf herausläuft, dass Erdgas auch in 30 oder 50 Jahren noch eine entscheidende Rolle in der Energieversorgung von Deutschland und Europa spielt. Was dann bedeutet, dass das Ziel Europas und Deutschlands 2050 oder kurz danach überhaupt kein CO2 mehr zu erzeugen, nicht erreicht werden kann.

    Allerdings muss man sagen, dass jede seriöse Kalkulation zum Schluss kommen muss, dass nicht nur das 1.5°Ziel, sondern auch das 2°Ziel nicht mehr erreichbar sind. Wobei ich mit seriöser Kalkulation eben nicht meine, dass allles, was physikalisch denkbar und möglich ist, eine Lösung sein könnte, sondern seriös bedeutet auch, dass die Volkswirtschaften so wie sie heute funktionieren, mit einem Dekarbonisierungspfad zurecht kommen müssen. Was das bedeuten würde zeigt etwa der Carbon-Brief-Beitrag Explainer: Why some US Democrats want a ‘Green New Deal’ to tackle climate change. Dort wird von einer Gruppe von Demokraten eine Schnelldekarbonisiserung der USA vorgeschlagen und durchgerechnet – eine Dekarbonisierung, die mit einem 1.5°C-Ziel vereinbar wäre. Resultat (übersetzt von DeepL): Der Vorschlag argumentiert auch, dass der Privatsektor allein nicht in der Lage wäre, die für einen so schnellen Übergang [60% CO2-Reduktion in 10 Jahren] erforderlichen Ressourcen zu nutzen. Sie schlägt vor, dass die erforderlichen Investitionen enorm sein würden, und stellt fest, dass frühere Forderungen nach 1 Billion Dollar über einen Zeitraum von 10 Jahren ein “völlig unzureichendes Investitionsniveau” widerspiegeln.
    Diese “massiven” staatlichen Investitionen würden durch eine Erhöhung der Geldmenge über die Federal Reserve finanziert, ähnlich wie die quantitativen Lockerungsprogramme im Zuge der Finanzkrise 2008. Dies würde durch neue öffentliche Banken zur Kreditvergabe und durch verschiedene Steuerinstrumente geschehen, wie z.B. einen Preis für CO2- und progressive Vermögenssteuern.

    Fazit 1: Nur noch eine staatlich finanzierte Zwangsdekarbonisierung würde das 1.5°Ziel erreichbar machen. Es müssten so gewaltige Summen investiert werden, dass diese die Kapazität der Privatwirtschaft bei weitem übersteigen würde.

    Fazit 2: An der Dekarbonisierung kommt die Menschheit nicht vorbei. Auch wenn das 2°C nicht erreicht werden kann. Ohne Dekarbonisierung aber wird auch ein 4°C-Ziel letztlich nicht zu halten sein.

  7. Leben ist egoistisch. Warum sollten insbesondere wohlhabende Nutznießer sich um die Welt ringsumher kümmern? Der Durchschnittsbürger frisst jeden Tag Fleisch, welches jährlich hundertmillionenfaches extremes Tierleid bedeutet. Wer arbeitet in den Schlachthallen? Bei genauer Sicht meist Osteuropäer für einen Hungerlohn. Menschenrechte? Der Türkeiurlauber sucht und findet in der Türkei billige Urlaubsorte und unterstützt letztendlich die türkische Regierung. Wer fliegt den mit Billig-Airlines? Sicherlich nicht der im Artikel genannte Manager. Usw.

    Zur Grundfrage
    Der menschengemachte CO2-Ausstoß ist von der Menge der Erzeuger und deren Industrialisierungsgrad abhängig. Waren es Anfang 1900 ca. 1,65 Milliarden Menschen gab, sind es derzeit ca. 7,6 Milliarden. Wenn das menschliche Wirken einen signifikanten Einfluss auf das globale Klima hat, dann ist festzustellen, daß der mit Abstand größte „klimaschädliche“ Aspekt der Mensch selber ist, was grundsätzlich selten bis gar nicht kommuniziert wird. Eine Reduktion der Weltbevölkerung durch stark verminderte Reproduktionsraten ist der effizienteste „Klimaschutz“. Ob im (“westlichen”) Europa jemand mehr oder weniger Auto fährt, mehr oder weniger Strom verbraucht, … ist in Anbetracht der Bevölkerungsexplosion und massiver Industrialisierung insbesondere Asiens und Afrikas ohne wirkliche Bedeutung.

    Siehe exemplarisch …education and government recommendations miss the most effective individual actions … The climate mitigation gap

    Zur deutschen Situation: Der derzeitige deutsche Anteil an CO2-Emissionen liegt bei ca. 2,4 %. Selbst wenn Deutschland diesen Anteil um 50% auf 1,2% senken könnte, hat das keinen signifikanten Einfluß auf die klimatische Gesamtsituation. Insbesondere unter der voranschreitenden Überbevölkerung, die Industrialisierung und Mobilität der »neuen Massen« nach sich zieht, die diese deutsche Reduzierung mehr als überkompensiert.

    Übrigens
    Das »Klimawandel-Szenario« ist mit dem »Plastik-Müll-im-Meer-Szenario« vergleichbar. Auch hier spielt Deutschland so gut wie keine Rolle. Zehn Flüsse befördern weltweit mit großem Abstand den meisten Plastikmüll ins Meer, daß entspricht 90% des Plastiks, welches über Flüsse ins Meer gelangt. Davon sind 8 asiatisch. China, Indonesien, Vietnam, Thailand und die Philippinen sind für 50% des ozeanischen Müllproblems verantwortlich. Nichtasiatisch sind Ägypten und Nigeria zu nennen.

    Um es einmal plakativ auf den Punkt zu bringen: Die Vermeidung/Reduktion von Emissionsgasen und die Vermeidung/Reduktion von Plastikmüll in Deutschland sind global gesehen ohne Bedeutung. In beiden Fällen wird die deutsche Bevölkerung indoktriniert, drangsaliert und zur Kasse “gebeten”. Es besteht der nahe liegende Verdacht, daß diese beiden Themen u.a. von allerlei innenpolitischen Problemen ablenken sollen.

    Und es kommt noch schlimmer. Leben ist egoistisch. Ich lebe ca. 35 km von der Ostsee entfernt. Wenn ich perspektivisch Zitronenbäume anbauen könnte wäre ich glücklich, da ich Zitronen mag und auf kalte Winter kann ich auch sehr gut verzichten, somit stört mich eine klimatische Veränderung in diese Richtung nicht, ganz im Gegenteil. Klimaveränderungen bringen nicht nur Zerstörung, sie bringen auch neue Möglichkeiten. Die Erde war und ist zu keinem Zeitpunkt menschengemacht bedroht. Die Erde als solche braucht weder Menschen, noch ein globales menschenfreundliches Klima. Leben ist endlich. An einem „erfolgreichen“ Fortbestand der menschlichen Art*, bin ich persönlich nicht sonderlich interessiert.

    * Leben als Statist einer basisfremden Abstraktion im 21.Jahrhundert und grenzenlose Beliebigkeit als konstanter Wegbegleiter in einem komplexen, detailreichen Arrangement, verwässert und zugemüllt mit Belanglosigkeiten und «News», ist eher eine nette, harmlose Umschreibung für den konstruierten Wahnsinn der Normalität. Für sehr viele Menschen sind Unnatürlichkeiten wie das Finanzamt und angesiedelte, „dynamische“ Steuergesetze, Monotheismus, Normen- und Vorschriftenterror aller Art, dumme Mitmenschen, staatliches Gewaltmonopol, richterliche Willkür, geburtsbedingte Armut, antrainierte Scham vor Nacktheit, das generelle Fehlen einer erotischen Kultur und zahlreiche weitere «Unmenschlichkeiten» ernstzunehmende, gesundheitsgefährdende Faktoren, die letztendlich genauso tödlich wirken, wie die Begegnung mit einem Raubtier. Vom Raubtier gefressen zu werden, hat den Vorteil, zumindest für einen Moment gelebt zu haben. Unsere nicht artgerechte Haltung im Dschungel der Moderne lässt Menschen 80 Jahre und älter werden, ohne das sie je gelebt haben.

  8. @Dirk Freyling: Deutschland muss seine CO2-Emissionen nicht halbieren wie sie schreiben, sondern es muss sie auf Null herunterfahren – und genau das gleiche müssen die USA, China, Russland, Indien und alle anderen Länder tun. Dies zu ihrer Aussage (Zitat): Der derzeitige deutsche Anteil an CO2-Emissionen liegt bei ca. 2,4 %. Selbst wenn Deutschland diesen Anteil um 50% auf 1,2% senken könnte, hat das keinen signifikanten Einfluß auf die klimatische Gesamtsituation.
    Zudem scheinen sie sich nicht bewusst zu sein, dass, wenn Deutschlands Beitrag nicht zählt, dann auch der Beitrag von dutzenden anderen Ländern mit ähnlicher Grösse wie Deutschland nichts zählen würde.
    Zudem: wieder einmal bemühen sie ihr Lieblingsthema: die Bevölkerungsexplosion, die letzlich für alle Umweltprobleme verantwortlich sei. Doch das stimmt nicht. Der Klimawandel durch steigende Treibhausgasmengen ist letzlich nur ein Emissionsproblem, kein Überbevölkerungsproblem. Selbst 20 Milliarden Menschen können klimaneutral auf diesem Planeten leben, wenn sie nur keine Treibhausgase emittieren. Ein modernes, durch Technologie getriebenes Leben ist auch ohne jede Treibhausgasemissiin möglich und selbst ein Porsche kann rein elektrisch und emissionsfrei betrieben werden.

  9. Zu den vielen Millionen umweltfreundlichen Kunden:
    Die Verwendung von Energiesparlampen kompensiert
    keinen Flug in den Urlaub.
    5.000 Kilometer hin und zurück sind zusammen 10.000 Kilometer.
    4,5 Liter oder 4 Kilogramm Kerosin pro 100 Kilometer und Fluggast.
    400 Kilogramm Kerosin pro 10.000 Kilometer und Fluggast.
    45.000.000 Joule pro Kilogramm Kerosin.
    18.000.000.000 Joule pro 400 Kilogramm Kerosin.
    31.557.600 Sekunden hat ein Jahr.
    570 Watt oder Joule pro Sekunde kontinuierlicher Energieverbrauch
    ein ganzes Jahr lang.
    Damit könnte man ziemlich viele Glühbirnen permanent betreiben.
    Aus 400 Kilogramm Kerosin könnte man viele Plastikbeutel und
    Plastikflaschen herstellen, täglich mehr als ein Kilogramm.
    Plastikbeutel und Plastikflaschen haben nach ihrer Verwendung
    aber immer noch ungefähr den selben Heizwert wie vorher.

  10. Das ist wirklich auch nur so ein erbärmlicher Kommentar im Stile der heuchlerisch-systemrationalen Schuld- und Sündenbocksuche – nur um nicht Worte wie Verstaatlichung, allgemeines Verantwortungsbewusstsein, unkorrumpierbare Vernunft, eindeutige Wahrheit, zweifelsfreie Werte, usw. zu gebrauchen!? 😎

  11. hto
    Moralbashing ist out, versuche es mal mit konstruktiver Kritik. Sage uns konkret, wo , was und wie. Wie kann man deiner Kritik entgehen?

  12. @Christ

    Am Schluss steht:
    “Diesem Grundübel unseres Wirtschaftssystems muss durch politische Maßnahmen Abhilfe geschaffen werden.”

    Hier müsste der Autor Stellung beziehen und den Anstoß bringen WELCHE MAßNAHMEN zur Diskussion stehen, z.B. Verstaatlichung und … – wahrhaftige Demokratie bedeutet WIR ALLE kommunizieren politisch, OHNE die parlamentarischen “Treuhänder”!!! 😎

  13. Geht doch eigentlich einfach

    Ich denke mal je mehr Menschen das Problem Klimawandel ernst nehmen und bereit sind was dagegen zu unternehmen, desto mehr passiert dann auch an Abhilfemaßnahmen. Das kann der Verbraucher sein, der seinen Konsum überprüft und anpasst, das kann der Wähler sein, der Parteien wählt, die mit neuen Gesetzten den Klimaschutz voranbringen, das kann der Politiker sein, der auch mal Klimaschutzmaßnahmen durchsetzt, die nicht nur auch der Wirtschaft helfen. Und das können auch Wirtschaftsbosse sein, die die Produktion ihrer Produkte klimafreundlich machen, und die sich Gedanken machen, wie sie umweltfreundliche Produkte verkaufen können.

    An alle Beteiligten gibt es das Angebot, wenigstens nicht Teil des Problems zu sein, sondern Teil der Lösung zu sein. Und damit die persönliche Beziehung zu den Mitmenschen, der Erde und vielleicht sogar zum Kosmos zu verbessern.

    Je mehr Menschen sich ändern und reagieren, desto mehr passiert. Zur Zeit passiert im derzeitigen Tempo noch wenig. Obwohl Windkraft im nordwestlichen Teil Europas dabei ist konkurrenzfähig zu werden, ebenso Fotovoltaik an sonnenreichen Standorten rund ums Mittelmeer. Und Klimaschutz darf auch was kosten, die Sache ist es wert.

    Wenn das doch zu teuer wird, kann man auch etwas an Wohlstand opfern, dann wirds gleich wieder finanzierbar. Wenn z.B. Elektroautos und emissionsfreier Strom zum Aufladen zu teuer wird, kann man auch einfach die Städte fahrradfreundlich machen und für weite Fahrten mehr Fahrgemeinschaften bilden. Das würde beides richtig viel CO2 und gleichzeitig richtig viel Geld sparen. Dieses Geld kann man dann in Außenwandisolierungen von Altbauten stecken, was finanziell ziemlich aufwändig bei gleichzeitig nicht so großem Nutzen ist.

    Sowieso kann man sich in Punkto Wohlstand fragen, ob nicht eine stressfreie und entspanntere Arbeitswelt mehr Wert wäre als regelmäßige Fernreisen, große Geländewagen und riesige Wohnungen, ganz unabhängig vom Klimawandel. Die gängige Leistungs und Verschwendungskultur verursacht neben Klimaschäden auch direkte Personenschäden in Form von Burnout und weiteren psychischen und somatischen Krankheiten, und frisst die Lebenszeit auf, nicht nur die der Verschwender.

  14. Herr Holzherr,
    kein Mensch, kein Dorf, keine Stadt, kein Land kann „seine“ CO2-Emission auf Null „runterfahren“. Wozu auch? Keine Ahnung warum Sie glauben, es gäbe eine CO2-emissionsfreie Zukunft. Es existieren weder erdgeschichtliche Gründe noch gesellschaftliche Bemühungen, mal abgesehen von wirkungsloser Propaganda, siehe das Thema Braunkohle am Ende meines Kommentares.

    Die Aussage: Der menschengemachte CO2-Ausstoß ist von der Menge der Erzeuger und deren Industrialisierungsgrad abhängig trifft den Nagel auf den Kopf. Das Ergebnis einer rationalen Betrachtung als Lieblingsthema der sachlich Argumentierenden zu empfinden, steht Ihnen frei.

    Zur Erinnerung: Die derzeitige „alternative Energiegewinnung“ in Deutschland lebt von der Existenz konventioneller Kraftwerke. Ein Ende dieser Situation ist nicht in Sicht.

    Während der Frostwetterperiode wurden im Zeitraum 16. bis 26. Januar 2017 von den über 26.000 Windenergieanlagen mit einer installierten Nennleistung von 50 Gigawatt nur minimale Leistungseinspeisungen für die Stromversorgung bereitgestellt. Kernenergie-, Kohle- und Gaskraftwerke übernahmen fast vollständig die Stromversorgung in Deutschland.

    Wer es noch genauer braucht um den gelebten Irrsinn zu begreifen: Am 24.1.2017 um 7.00Uhr war die Stromnachfrage (Netzlast) 70 GW hoch. An Photovoltaik und Windkraftanlagen sowie Wasserkraft standen rein theoretisch 89,5 GW Kapazität zur Verfügung. Die tatsächliche Erzeugung am 24.1.2017 um 7.00Uhr von Photovoltaikanlagen lag bei Null, die der Windkraftanlagen bei 0,8 GW. Die thermischen Kraftwerke, vornehmlich Kohle, Gas und Kernkraft waren hoch ausgelastet und gewährleisteten die Versorgungssicherheit.

    Dieses Beispiel zeigt, ohne Wenn und Aber, die brachiale Wahrheit, daß die deutsche Stromversorgung zwingend zwei Systeme erfordert. Ohne „konventionelle“ regelbare und jederzeit verfügbare Kraftwerke, gäbe es gar keine parallele alternative Energieversorgung in Deutschland, diese jedoch hatte und hat ohne lokal vorhandene Energiezwischenspeicher keine Daseinsberechtigung. Das Standardmodell der deutschen alternativen Energieversorgung (SddAEV) ist untauglich. Wenn man das nun mit der Lügen-Propaganda der Macher und Nutznießer des SddAEV und der tendenziell positiven Volksmeinung vergleicht, wird klar, wie katastrophal ausweglos die Situation mittlerweile in Deutschland ist.

    U.a. das Thema Braunkohle in Deutschland verdeutlicht die Diskrepanz zwischen politischer Propaganda und der Realität des Nichthandelns. Die Grafik (Seite11) zeigt die Nettostromerzeugung aus Kraftwerken zur öffentlichen Stromversorgung. Das ist der Strommix, der tatsächlich aus der Steckdose kommt. Der Braunkohlenanteil 2017 betrug 24,3%. Der lokale Erhalt der damit in Verbindung stehenden Arbeitsplätze „reicht“ bereits aus, um Ihre „Null-Emissions-Fantasie“ in Deutschland platzen zu lassen.

    Wenn Sie glauben, daß der Klimawandel menschengemacht ist, dann engagieren Sie sich jetzt für eine deutliche Reduktion der Weltbevölkerung und überzeugen sie so viele wie möglich von dieser Maßnahme.

  15. Dirk Freyling:
    “Der menschengemachte CO2-Ausstoß ist von der Menge der Erzeuger und deren Industrialisierungsgrad abhängig”

    Von den 7,6 Milliarden Menschen produziert vielleicht ungefähr 1 Milliarde zu viel Treibhausgase. Und die gehören nicht zu denen, die sich stark vermehren. Ein Scheinargument, nicht tun zu müssen.

    Deutschland ist die führende Wirtschaftsmacht der EU und muss allein deswegen CO2-neutral werden, damit es auch als Modell für andere Länder dienen kann.

    Schauen Sie sich mal an, wie groß der Beitrag der EU und des Rests der Welt ist: es besteht nach Deutschland nur aus Staaten, mit kleinerem Beitrag, aber Kleinvieh macht eben auch Mist. Es ist wie beim Steuern zahlen.

    “Leben ist egoistisch.”

    Ja, das ist ihr Credo. Natürlich ist menschliches Leben auch altruistisch. Aber das passt nicht in ihr Weltbild.

    “Warum sollten insbesondere wohlhabende Nutznießer sich um die Welt ringsumher kümmern?”

    Dafür gebe es auch rationale Gründe. Man müsste nur mal drüber nachdenken.

  16. @Dirk Freyling: Ein Brite oder Schwede wird 2050 weniger als 2 Tonnen CO2 ausstossen – nur schon wenn Grossbritannien und Schweden ihren heutigen Dekarbonisierungspfad einhalten, denn Grossbritannien hat in den letzten 10 Jahren pro Jahr um 3.7% dekarbonisiert. Dies zu ihrer Aussage: kein Mensch, kein Dorf, keine Stadt, kein Land kann „seine“ CO2-Emission auf Null „runterfahren“
    Zudem: ein Bangladeshi emittierte 2014 0.46 Tonnen CO2, also extrem wenig im Vergleich zu einem Deutschen. Sie nun sagen indirekt, wenn Bangladesh industriell zu Deutschland aufschliesse, würde es auch ähnlich viel CO2 emittieren wie Deutschland. Doch das stimmt nicht, denn Energie und Strom kann auch ohne CO2-Emissionen erzeugt werden und selbst eine Kombination von Erneuerbaren mit einem Supergrid oder mit lokalen Kurz- und Langzeitspeichern (Kurz: Batterien; Lang: Power2Gas) genügt um bei sehr tiefen CO2-Emissionen anzukommen (im Bereich von 1 Tonne CO2 pro Kopf).
    Wenn sie darauf bestehen, dass es ohne Kohle, Öl und Erdgas nicht gehe, heisst das auch, dass sie ans Ende des Industriezeitalters glauben, sobald alle Kohle-, Öl- und Ergasreserven verbraucht sind. Das ist schon physikalisch gesehen wenig plausibel, denn letzlich geht es nur um Energie und die kann auf ganz unterschiedliche Art und Weise gewonnen werden.

  17. @Dirk Freyling. Sie argumentieren letzlich wirtschaftlich, wenn sie schreiben (Zitat): Der Braunkohlenanteil 2017 betrug 24,3%. Der lokale Erhalt der damit in Verbindung stehenden Arbeitsplätze „reicht“ bereits aus, um Ihre „Null-Emissions-Fantasie“ in Deutschland platzen zu lassen.
    Doch es gibt selbst in der Lausitz nur noch sehr wenige In der Braunkohleindustrie Beschäftigte und ich bin mir ziemlich sicher, dass Deutschland noch vor 2030 fast alle Braunkohlekraftwerke stillegen wird,

  18. Idealisierungen und Hoffnungen fernab von der erlebbaren Realität und fernab von sowohl konzern- als auch privatwirtschaftlichen Interessen mögen das Gewissen beruhigen, ändern werden sie nichts.

    Herr Stefan,
    ich habe kein Credo im Sinne der Begriffs-Bedeutung. Wenn es nach mir gehen würde, gäbe es keine Energiekonzerne und eine dezentrale Energieversorgung, die dem Bedarf angepaßt ist. In meiner Welt gäbe es nur auf Freiflächen lebende (Nutz-)Tiere.

    Wenn Windenergie genutzt wird, dann ist der Umweg über elektrische Energie unnötig und letztendlich kontraproduktiv. Die umweltfreundlichste, effektivste und wirklich CO2-emissionsfreie Verwertung wäre die Kompression allerorts verfügbarer Luft. Die Gas-Kompressionstechnik ist seit Beginn der Industrialisierung fester Bestandteil der Industrie. Die Zwischenspeicherproblematik wäre/ist gelöst. Druckluftbetriebene Verkehrsmittel könnten direkt vor Ort „tanken“. Was glauben Sie, warum das nicht umgesetzt wird?

    Herr Stefan, Herr Holzherr,
    Spekulationen über mein Denken sind gemäß Ihrer reduzierten Sichtweise klischee-erwartungsgeprägt. Nehmen Sie zur Kenntnis, daß ich weder ein Auto besitze, noch irgendeine gesellschaftsübliche Form des Daseins praktiziere. Persönliche Details gehen Sie nichts an.

    Am Rande bemerkt: Ich habe u.a. dreieinhalb Jahre in Montreal gelebt. Nach wie vor pflege ich diverse Kontakte. Die Idee eines deutschen Vorbildes ist absurd, insbesondere wenn man sich die deutsche Energie- und Asylpolitik anschaut. Ich hatte aufgrund meiner gesellschaftlich-künstlerischen Aktivitäten vorort eine Verbindung zum Goethe-Institut. Gehen Sie davon aus, daß Ihre Idee von Deutschland und deutscher Geschichte von den meisten Kanadiern nicht geteilt wird.

    Um Ihre selbstgewählten Beschränkungen etwas aufzulockern, sollten Sie mal ab und an beispielsweise die »Neue Zürcher Zeitung« lesen.

  19. Der Carbon Brief Artikel Ten charts show how the world is progressing on clean energy zeigt anhand von 25 Volkswirtschaften, die zusammen für 73% der CO2-Emissionen verantwortlich sind, dass mehr als zwei Drittel der Länder heute deutlich weniger CO2 pro erzeugte Kilowattstunde emittiert als vor 10 Jahren, dass es heute schon Länder gibt, die Strom praktisch CO2-frei erzeugen (Schweden, Frankreich, Norwegen, Neuseeland), dass die weltweite Zahl (teil-)elektrifizierter Fahrzeuge bereits in die Millionen geht (China 2 Mio, USA 1 Mio, Japan+Norwegen je 250‘000), dass Wind und Sonne in mehreren Ländern bereits 20 bis 30% des Stroms liefern und dass Länder in denen wenig geflogen wird (China, Indien, Indonesien) im Vergleich zu anderen sehr wenig Energie für den Transport aufwenden.
    Insgesamt ist die Dekarbonisierung unzureichend, aber es stechen einige Länder heraus, die sehr schnell dekarbonisieren. Dazu gehören Grossbritannien, Dänemark und bezogen auf die Kohlenstoffintensivität pro Kilowattstunde erzeugter Energie sogar China und die USA.

    Der Autor des Vergleichs und Fortschrittsreports betrachtet folgende Sektoren für die Dekarbonisierung als entscheidend: Reinigung der Stromerzeugung, Umstellung von Öl- auf Elektrofahrzeuge, Einsatz von CO2-Abscheidung und -Speicherung, Abbau von Subventionen für fossile Brennstoffe und Verbesserung der Energieeffizienz.

    Tatsächlich ist eine totale Dekarbonisierung ohne CO2-Abscheidung und Speicherung (CCS) wohl nicht möglich. Doch CCS existiert momentan noch kaum und wird auch in ferner Zukunft wohl nur wenige Gigatonnen CO2 pro Jahr versenken können, was bedeutet, dass die Menschheit ihre technischen CO2-Emissionen noch dieses Jahrhundert auf einen kleinen Bruchteil der heutigen CO2-Emissionen reduzieren muss.
    Technisch möglich ist das und ein pasr wenige Länder machen schnelle Fortschritte.

  20. @Dirk Freyling: ihr Montrealaufenthalt, die Lektüre der NZZ (die auch ich abonniert habe) und ihre Autolosigkeit ändert nichts an der Qualität ihrer Argumente. Argumentativ fallen sie durch eine gewisse Sturheit und Wildheit in Bezug auf Lösungsvorschläge auf. Sie scheuen zudem nicht davor zurück, die menschengemachte Klimaerwärmung in ihrer Bedeutung anzuzweifeln, beharren aber andererseits darauf, das Bevölkerungswachstum sei die Mutter aller Probleme. Der Vorschlag Windkraftwerke nicht zur Stromerzeugung sondern zur Druckluftspeicherung zu nutzen ist keinesfalls eine naheliegende Lösung, denn sie brauchen dazu in Windkraftnähe einen Ort, der für Druckluftspeicherung in Frage kommt und sie verlieren sehr viel von der ursprünglichen Windenergie, denn die Methode hat einen schlechten Wirkungsgrad. Insgesamt machen sie auf mich einen Eindruck einer Person, die etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist und die offen für allerhand selbstkonstruierte Wahrheiten ist.

  21. Herr Holzherr,
    einen Text zu lesen ist offensichtlich die eine Sache, diesen zu verstehen eine andere. Über die Fähigkeit zwischen den Zeilen lesen zu können verfügen nur Wenige.

    Ihre auf mich projizierten Persönlichkeits-Attribute „sagen“ deutlich mehr über Sie als über mich aus.

    In Ihrem Fall wiederhole ich mich aus pädagogischen Gründen.

    Der menschengemachte CO2-Ausstoß ist von der Menge der Erzeuger und deren Industrialisierungsgrad abhängig. Eine stark reduzierte Weltbevölkerung ist mit Abstand die klimafreundlichste Maßnahme, wenn man der Meinung ist, daß es einen menschengemachten Klimawandel gibt.

    Gibt es einen menschengemachten Klimawandel?
    Das analytische Problem beginnt mit der Wahl der Beobachtungszeiträume. Erdgeschichtlich sind ausgewählte Zeitfenster selbst in der Grössenordnung von 100 Jahren viel zu klein, um perspektivisch verbindliche Aussagen zu treffen.

    Wenn fast alle »Klimaforscher« einen menschengemachten Klimawandel erkannt haben, dann ist es an der Zeit, skeptisch zu werden. Phlogistontheorie und Epizykeltheorie waren auch einst Mainstreamwissenschaft. Irrationaler religiöser Glaube ist trotz wissenschaftlicher Aufklärung nach wie vor die weltmachtbestimmende Nummer Eins.

    Zu Ihren Bemerkungen zur Zwischenspeicherung

    1) Alle jetzigen Windkraftanlagen besitzen überhaupt keine (Zwischen-)Speicheranlagen und liefern unstetig elektrische Energie. Das bedeutet, diese Form der Energiegewinnung ist unbrauchbar, da es jederzeit zu erheblichen Engpässen kommen kann. Ohne ein paralleles System (Gas, Kohle, Kernenergie) gäbe es gar nichts über das wir hier diskutieren könnten.

    2) „Der Vorschlag Windkraftwerke nicht zur Stromerzeugung sondern zur Druckluftspeicherung zu nutzen ist keinesfalls eine naheliegende Lösung, denn sie brauchen dazu in Windkraftnähe einen Ort, der für Druckluftspeicherung in Frage kommt und sie verlieren sehr viel von der ursprünglichen Windenergie, denn die Methode hat einen schlechten Wirkungsgrad.“
    Belegen Sie diese Aussagen bezüglich des fehlenden Platzes und des Wirkungsgrades.

  22. Wenn das Klima völlig unerträglich wird, dann wird man gasdichte Kuppelstädte bauen.
    Wenn man im Freien nicht mehr überleben kann, dann wird man Schutzanzüge tragen.
    Wenn man keine Landwirtschaft mehr betreiben kann, dann wird man Spirulina-Algen in Fermentern unter LED-Licht züchten.
    Die Energiequellen für das LED-Licht wird man sich ohne besondere Sorgen um die verwüstete Umwelt beschaffen.
    Der Mensch ist ein Meister in der technischen Anpassung seiner Umwelt.
    Ausserdem, wenn die Phlegräischen Felder oder die Yellowstone-Caldera hochgehen, dann sind sämtliche Klimadiskussionen ohnehin völlig hinfällig.
    Womöglich ist die selbst gemachte Klimakatastrophe eine gute Vorbereitung auf einen globalen vulkanischen oder meteoritischen Winter.
    Gebrauchsanleitung für eine Arkologie:
    https://www.e-stories.de/view-kurzgeschichten.phtml?23741

  23. Der Wirkungsgrad von Druckluftspeichern wird deutlich erhöht, wenn man auch die Kompressionswärme zwischenspeichert.
    Zu diesem Zweck genügt schon ein Tunnel voller Steine.
    —–
    Besser ist es aber, nicht die Luft hinein, sondern das Wasser heraus zu pumpen.
    Bei Windkraftwerken auf dem Wasser versenkt man zu diesem Zweck Betonhohlkugeln möglichst tief im Wasser.
    An Land kann man das Wasser aus alten Bergwerken heraus pumpen.
    Da zurück fließende Wasser kann dann später eine Turbine mit insgesamt mehr als 75 Prozent Wirkungsgrad antreiben.
    Ausserdem ist jede nicht gespeicherte Überschussenergie ohnehin verloren.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Kugelpumpspeicher

  24. @Dirk Freyling, 11. Dezember 2018 @ 22:49:
    Auch ich muss mich wiederholen, weil sie nie überzeugend auf die Klimawandelproblematik, die beispielsweise der IPCC sieht, geantwortet haben.
    1) (wirksame Massnahmen gegen Klimawandel) Gemäss IPCC, WBGU (Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung “Globale Umweltveränderunge) müssen die technischen CO2-Emissionen noch dieses Jahrhundert auf ungefähr einen Zehntel der heutigen globalen Werte reduziert werden, damit die Erdsystemerwärmung zum Stillstand kommt. Heute werden global 36 Gigatonnen CO2 pro Jahr emittiert. Im Jahr 2100 sollten es weniger als 3.6 Gigatonnen sein.
    Der IPCC wertet die gesamte “Klimaforschungsliteratur” der letzten Jahrzehnte aus und diese Gesamtschau führt zu folgendem Hauptresultat: Eine Verdoppelung der atmosphärischen CO2-Konzentrationen gegenüber der vorindustriellen Zeit führt zu einer globalen Durchschnittserwärmung von 1.5 bis 4.5 Grad Celsius mit dem Hauptanteil der Erwärmung jeweils in den höheren Breitengraden (in Polnähe). Wie stark die atmosphärischen CO2-Konzentrationen ansteigen wird durch die Summe aller CO2-Emissionen seit Beginn der Industrialisierung bestimmt.
    Sie schreiben nun (Zitat): “Eine stark reduzierte Weltbevölkerung ist mit Abstand die klimafreundlichste Maßnahme, wenn man der Meinung ist, daß es einen menschengemachten Klimawandel gibt. “
    Ja, wenn sie heute 9/10 der Menschheit vernichten, also töten, dann stimmt ihre Aussage. Doch Töten von Menschen um ein Ziel zu erreichen ist keine Handlungsoption über die wir hier diskutieren sollten. Wenn sie einfach die Reproduktionsrate senken wollen, so dauert das mit Sicherheit zu lange, denn dann würde die Zahl der Menschen im Jahr 2100 immer noch mindestens 1/4 der heutigen betragen.
    2) (gibt es den menschengemachten Klimawandel?), Zitat Freyling: Wenn fast alle »Klimaforscher« einen menschengemachten Klimawandel erkannt haben, dann ist es an der Zeit, skeptisch zu werden. Phlogistontheorie und Epizykeltheorie waren auch einst Mainstreamwissenschaft. Irrationaler religiöser Glaube ist trotz wissenschaftlicher Aufklärung nach wie vor die weltmachtbestimmende Nummer Eins.
    Es steckt Wissen und Forschung hinter den Resultaten und Schlussfolgerungen der Klimawissenschaftler und nicht irrationaler Glaube wie sie schreiben.
    3) (Zwischenspeicherung von Windenergie in Form von Druckluft):
    Sie behaupten 1): Ohne Speicheranlagen oder fossiler Hilfsenergie sei Windstrom nicht sinnvoll. Doch nicht nur Speicherung ist eine Lösung, sondern auch Einspeisung des Windstroms in ein grossräumiges Stromnetz hoher Kapazität wäre eine Lösung.
    Sie wollen einen Beleg meinerseits, dass meine Behauptung Druckluftspeicherung sei ineffizient und habe Platzierungsprobleme, stimmt.
    Hier verweise ich auf den Wikipedia-Eintrag Kugelpumpspeicher, wo man liest, bei Kugelpumpspeichern sei der Wirkungsgrad 75 bis 80%, aber die optimale Wassertiefe von 700 Metern sei praktisch kaum zu erreichen (Zitat): Ein Nachteil ist jedoch, dass eine geeignete Tiefe für die Hohlkugeln bei etwa 700 m liegt, die Offshore-Windräder jedoch in seichtem Gewässer aufgestellt werden
    Mit anderen Worten: Kugelpumpenspeicher als Kurzfristzwischenspeicher für Windkraftwerke sind eine Option – eine Option, die aber noch kaum praktisch erprobt wurde und die allein schon wegen den nötigen grossen Wassertiefen für die Speicher ein Problem sein können.

  25. Druckluftspeicher

    Ich hab auch mal gelesen, dass man einen Druckluftspeicher sehr effektiv einsetzten kann, wenn man ihn mit einer Erdgas- oder Biogasbetriebenen Gasturbine kombiniert. Solange genug Druckluft vorhanden ist, kann man den Kompressorteil der Gasturbine abschalten, was dann bei gleichem Gasverbrauch die elektrische Leistung verdreifacht.

  26. Das 1.5 Grad Ziel ist vielleicht technologisch, sicher aber volkswirtschaftlich nicht mehr erreichbar. Ähnliches gilt sogar für das 2 Grad Ziel.
    Warum das so ist, möchte ich hier begründen:
    1) Paul Stefan, der immer wieder durch exzellente Kenntisse der IPCC-Dokumente auffällt, schreibt (Zitat): Von den 7,6 Milliarden Menschen produziert vielleicht ungefähr 1 Milliarde zu viel Treibhausgase.
    Diese Aussage von Paul Stefan stimmte noch vor 20 Jahren. Doch heute ist sie bereits ziemlich falsch. Allein China mit seinen 1.4 Milliarden Einwohnern ist heute für mehr als 30% der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich und jeder der 1.4 Milliarden Chinese emittiert heute im Durchschnitt mehr CO2 als ein Europäer (nämlich 7.4 Tonnen CO2 pro Person und Jahr).
    2) Ein Chinese emittierte 1990 noch 2 Tonnen CO2 pro Jahr, heute emittiert er 7.4 Tonnen CO2 pro Jahr. Indien, das bald schon mehr Einwohner hat als China tritt in die Fussstapfen von China und erhöht seine CO2-Emissionen von Jahr zu Jahr. Indien wird zwar auch sehr viele erneuerbare Energien in Form von Wind+Sonne einsetzen, aber zugleich erhöht es auch Jahr für Jahr seinen Kohleverbrauch und insgesamt wird Indien 2020 gleich viel CO2 emittieren wie Europa und es wird 2020 immer noch auf dem Weg zu mehr Emissionen sein, während Europa schon lange auf dem Weg zu weniger Emissionen ist.
    3) Erneuerbare Energien allein sind leider für sich entwickelnde Länder kein Ersatz für fossile Energien, sondern sie sind nur Ergänzungen zu fossilen Energien. Mehrere afrikanische Länder bauen gerade Kohlekraftwerke. Das fällt nur darum nicht ins Gewicht, weil heute in Afrika insgesamt sehr wenig Energie und Strom erzeugt wird.

    Prognose: bis ins Jahr 2030 werden die globalen CO2 Emissionen mit grosser Wahrscheinlichkeit weiter ansteigen und anschliessend könnten sie auf einem sehr hohen Niveau verharren. Fast alle wohlhabenden Nationen sind zwar auf dem Weg zu weniger Emissionen, aber sie reduzieren langsamer als die sich entwickelnden Nationen zulegen.

  27. Im Jahr 2018 emittiert der Durchschnittsweltbürger 5 Tonnen CO2 pro Jahr, etwa 500 Millionen Menschen emittieren mehr als 10 Tonnen CO2 pro Jahr und deutlich mehr als 2 Milliarden Menschen insgesamt emittieren mehr als 6 Tonnen CO2 pro Jahr.

    Nehmen wir unter Fortschreibung des Emissionstrends an, im Jahr 2050 emittiere ein Durchschnittsweltbürger nur noch 4 Tonnen CO2 pro Jahr (also soviel wie heute ein Schwede emittiert). Im Jahr 2050 gibt es 9 Milliarden Menschen (heute sind es erst 7.6 Milliarden). Dann würden im Jahr 2050 alle Menschen zusammen 36 Milliarden Tonnen CO2 emittieren – exakt gleich viel wie heute.
    4 Tonnen CO2 pro Jahr und Weltbürger im Jahre 2050 wären beim heutigen Emissionstrend recht realistisch wenn man die heutigen Emissionstrend weiterrechnet. Europa beispielsweise hat zwischen 1990 und 2020 die CO2-Emissionen insgesamt um 20% reduziert, die USA haben etwa 15% reduziert und die meisten grossen Entwicklungsländer (China, Indien, Indonesien) haben 2020 deutlich mehr emittiert als 1990. Und dies gilt trotz den gewaltigen Investitionen beispielsweise in Erneuerbare durch China, die USA und Europa.
    Grund: Der Energieverbrauch steigt weltweit pro Jahr um 2 bis 3%, was bedeutet, dass die CO2-Emissionen nur dann sinken, wenn ihr Anteil an der Gesamtenergie um mehr als 2% pro Jahr sinkt. Das ist bis jetzt aber nicht der Fall.
    Fazit: Nur eine radikale Emissionswende, mit plötzlich stark abnehmenden CO2-Emissionen pro erzeugte Energieeinheit kann also dazu führen, dass im Jahr 2050 weltweit deutlich weniger CO2 emittiert wird als heute, denn der Energieverbrauch pro Person steigt und die Weltbevölkerung steigt.

  28. Das 1.5 oder 2 Grad – Ziel sind ideele Ziele, die zudem eine Genauigkeit vorgeben, die es gar nicht gibt, denn die Wissenschaft kann nur sehr ungenau angeben welche Treibhauskonzentrationen in der Luft zu welchen Temperaturen führen.
    Realistisch und sinnvoll ist dagegen ein Ziel, welches die CO2-Emissionen pro Person auf einen bestimmten Wert senken will. Ausgestossene Tonnen CO2 sind exakt messbar und auch für ökonomische Berechnungen sind solche Emissionsreduktionen die richtige Grösse.
    Was bedeutet eine solche Umorientierung weg von Temperaturzielen hin zu Emissionsreduktionszielen? Vor allem bedeutet es, dass wir dort ansetzen, wo Massnahmen ansetzen müssen: Bei den Treibhausgasemissionen. Es bedeutet aber auch, dass wir das Ziel einer noch akzeptablen Erwärmung von 1.5 oder 2 Grad aufgeben. Doch letztlich müssen wir vom Ideal wegkommen und dafür konkret handeln.
    Für die ganze Menschheit sind 3 bis 4 Tonnen CO2-Emissionen pro Kopf im Jahr 2050 beispielsweise ein sowohl klimapolitisch wie ökonomisch vernünftiges Ziel. 3 bis 4 Tonnen pro Durchschnittsmensch bedeuten aber für Länder wie Deutschland mit seinen höheren technischen Möglichkeiten, dass es eher bei der unteren Grenze ankommen muss, dass es also im Jahr 2050 bei 3 Tonnen oder weniger pro Kopf ankommen sollte. Länder wie Indonesien dagegen, welches heute 2 Tonnen pro Kopf ausstösst werden eher in der Mitte dieser Zielgrösse ankommen, also bei 4 Tonnen.

    Prognose: Die meisten Hochtechnologieländer reduzieren ihre CO2-Emissionen bereits seit mehr als 10 Jahren. Entwicklungsländer erhöhen bei heutiger Technologie zwangsläufig ihren CO2-Ausstoss. Doch je schneller sie zur Technologie der Hochtechnologieländer vorstossen, desto schneller haben sie auch Alternativen zu fossilen Technologien zur Verfügung.

  29. Klimapolitik: Die gute und die schlechte Nachricht
    Zuerst die gute Nachricht: 21 von 195 Ländern haben zwischen 2000 und 2014 ihre CO2-Emissionen trotz Wirtschaftswachstum reduziert und 35 Länder haben insgesamt ihr Wirtschaftswachstum von den fossilen Energien (teilweise) entkoppelt.
    Schlussfolgerung: Irgendwann werden alle Ökonomien wachsen ohne CO2 zu emittieren.
    Jetzt die schlechte Nachricht: Weder das 1.5 noch das 2. Grad-Ziel kann eingehalten werden, wenn der Emissionstrend so weitergeht wie bis anhin.

    Sogar Deutschland und Europa insgesamt haben sich implizit bereits für eine Fortsetzung des langsamen Dekarbonisierungstrend (in 100 Jahren auf Null) entschieden, wenn sie zukünftig etwa vermehrt auf Erdgas setzen (Nordstream 2), denn mit grösster Wahrscheinlichkeit bedeutet dies, dass sie auch in 30 oder 50 Jahren noch grosse Mengen Erdgas für das Heizen und die Stromerzeugung einsetzen.

    Doch gemäss Klimawissenschaft müssten im Jahr 2050 alle Länder der Erde überhaupt kein CO2 mehr ausstossen, damit wir bei 1.5 Grad Celsius landen – und für das 2 Grad Ziel wäre der Zeitpunkt für Nullemissionen etwa 2070.
    Das ist vollkommen unrealistisch. Wie unrealistisch das ist zeigt auch der World Energy Outlook 2018 der Internationalen Energieagentur (IEA). Im New Policies Scenario der IEA wird allein bis 2040 weltweit 25% mehr Energie verbraucht als heute (Zitat): Die Analyse zeigt, dass der Ölverbrauch in den kommenden Jahrzehnten aufgrund der steigenden Nachfrage aus den Bereichen Petrochemie, Trucking und Luftfahrt steigt. Um dieses Wachstum kurzfristig zu erreichen, müssen sich die Genehmigungen für konventionelle Ölprojekte jedoch gegenüber dem derzeit niedrigen Niveau verdoppeln. Ohne eine solche Investitionsbeschleunigung müsste die bereits in Rekordtempo expandierende US-Schieferproduktion von heute bis 2025 täglich mehr als 10 Millionen Barrel anwachsen, was einer Erweiterung des globalen Angebots in sieben Jahren entspricht – eine historisch beispiellose Leistung.

    Immerhin wird sich gemäss diesem Ausblick der Erdölpreis massiv erhöhen, denn es wird mehr nachgefragt als gefördert und exploriert wird. Das ist dann wieder eine Chance für Alternativen zum Öl, beispielsweise für E-Fahrzeuge. Doch Flugzeuge und schwere Trucks werden wohl auch 2040 noch mit Erdölprodukten betrieben werden. Tatsächlich sieht der IEA-Outlook eine massive grössere Rolle für Erneuerbare (Zitat): In den Strommärkten sind erneuerbare Energien zur Technologie der Wahl geworden und machen bis 2040 fast zwei Drittel des weltweiten Kapazitätsausbaus aus, dank sinkender Kosten und einer unterstützenden Regierungspolitik. Damit wird der globale Strommix verändert, wobei der Anteil der erneuerbaren Energien an der Erzeugung bis 2040 von heute 25 % auf über 40 % steigt, obwohl Kohle nach wie vor die größte und Gas die zweitgrößte Quelle ist.

    Nur ändert das nichts daran, dass trotzdem die CO2-Emissionen im New Policies Scenario bis 2040 zwar nicht mehr wie bis anhin steigen, aber auch nicht fallen, sondern auf einem sehr hohen Niveau verharren. Dabei ist das New Policies Scenario in Bezug auf das 25%-ige Wachstum des Weltenergieverbrauchs sehr realistisch, denn Schwellenländer wie Indien, Indonesien, vielleicht später sogar Afrika benötigen dieses Wachstum.

    Folgerung 1: Das 1.5 und 2 Grad-Celsius Ziel sind wohl nur zu halten, wenn neue Technologien auftauchen, die Erneuerbare noch weit breiter einsetzbar machen, beispielsweise durch eine kostengünstige Speichermöglichkeit. Doch selbst wenn es eine solche Speichermöglichkeit bald schon gäbe, würde es wohl 20 oder mehr Jahre dauern, bis sie sich weltweit durchgesetzt hat.

    Folgerung 2: Anstatt das 1.5 Grad oder 2 Grad-Ziel anzustreben wäre es für Deutschland und Europa wohl gescheiter, einfach möglichst tiefe CO2-Emissionswerte anzustreben. Einige Länder wie Schweden oder Grossbritannien sind bereits auf dem Weg zu immer tieferen Emissionen und Schweden könnte im Jahr 2050 durchaus auf nur noch 2 Tonnen CO2-Emissionen kommen. Das neue Ziel für Europa müsste beispielsweise eine lineare Absenkung der CO2-Emissionen sein, wobei jedes Land jedes Jahr mindestens 3 Prozent weniger emittiert. Deutschland selbst hat zwischen 2014 und 2018 praktisch konstante Emissionen gehabt. Es wäre also auf einem Abweg, was aber aufgeholt werden könnte, wenn Deutschland in den nächsten Jahren seine CO2-Emissionen einfach mehrmals um 5% pro Jahr reduziert.

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