Ein Schmelzen, das die Klimakatastrophe dramatisch beschleunigen könnte –  In der Antarktis schwindet der Thwaites-Gletscher

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Grenzgänge in den heutigen Wissenschaften
Beobachtungen der Wissenschaft

Immer wieder gibt es Klimaeffekt-Überraschungen, die auch erfahrene Klimaforscher schockieren. Dies sind oft neue Erkenntnisse, die die Dramatik der Klimaentwicklungen noch einmal erhöht. So liess sich jüngst (seit 2014 erforscht; zuerst publiziert 2019, und nun als grössere Veröffentlichung im September 2022) in der Erforschung der Antarktis ein ganz neues Risiko konkret erfassen: Der so genannte Thwaites-Gletscher, ein Eisschild, d.h. auf dem Festland der Antarktis liegend, könnte sich in naher Zukunft rasch zurückziehen, wobei sein Eis ins Meer fliesst. Dass er heute auch „Weltuntergangsgletscher“ oder „schwacher Unterbauch der Antarktis» genannt wird, liegt daran, dass er extrem anfällig für einen solchen erheblichen Rückzug ist und damit, aufgrund seiner unglaublichen Eismassen, wiederum weltweit eine markante Erhöhung des globalen Meeresspiegels herbeiführen könnte, mehr als einen halben Meter. Dies wiederum würde bedeuten, dass sich zahlreiche Meeresstädte wie Los Angeles, New York, London, Venedig, Lissabon oder Tokio, sowie ganze Länder wie Bangladesch unterhalb der Meeresoberfläche wiederfinden.

Der Thwaites-Gletscher befindet sich noch ein keinem der Klimamodelle, die ja gerade mal wieder diskutiert werden, und zwar auf der COP27-Konferenz (vom 6.-18.November 2022). Hier trifft sich die internationale politische Gemeinschaft, um zum 27. Mal über die Klimakrise zu beraten; dieses Mal in Kairo. Und wieder werden die immer gleichen Aussagen gemacht: „Schäden durch höhere Temperaturen, Dürren, Fluten, Erdrutsche und vieles mehr wachsen rasant heran“, „Wir müssen was tun“, „Betroffenen Entwicklungsländern muss geholfen werden“, usw., nur um nach dem Ende der Konferenz wieder in Vergessenheit zu geraten bis zur nächsten, der COP28-Konferenz 2023 in Dubai. Hören wir in Kairo über derart dramatische Klimafolgen wie der Abfall der Eismasse des Thwaites am Südpol? Wohl kaum (es lässt sich kein Beitrag der COP27-Konferenz zum Thwaites- Gletscher finden).

Schon in den späten 1960er Jahren gab John Mercer, ein Geograf aus England, die Warnung, im Westen des Südpol könnten schon sehr bald grosse Teile des Eises schmelzen und einen Anstieg des weltweiten Meeresspiegels von bis zu sechs Metern verursachen. 10 Jahre später, im Jahr 1978, wies Mercer in der Wissenschaftszeitschrift Nature darauf hin, dass ein solch massiver Effekt durch die Verbrennung fossiler Stoffe und der damit verursachten globalen Erwärmung hervorgerufen wird. Wieder sah er sich mit seiner Aussage einem starken Widerstand ausgesetzt. Heute wissen wir, dass er recht hatte. Es könnte sogar sein, dass dieser einzige (sehr grosse) Gletscher in der Antarktis den Anstieg des Meeresspiegels in den nächsten Jahrzehnten bestimmen – und dramatisieren – wird.

Betrachten wir die Westantarktis einmal etwas genauer (die Details wurden erst 2022 im Detail publiziert). Alpengletscher schmelzen, wie wir direkt beobachten können, von der Oberfläche ausgehend. Die Gletscher in der Westantarktis dagegen schmelzen nicht von oben, denn dort herrschen eisige Minustemperaturen, sondern von unten. Sie werden von „warmem“ Wasser (knapp über dem Gefrierpunkt) unterspült. Damit schmilzt das Eis von unten und gleitet dann ins Meer. Jahrtausendelang entsprach der so stattfindende Eisverlust in der Antarktis der durch Schneefall hinzugewonnenen Eis-Menge, sodass sich die Grösse des Eisschilds seit der letzten Eiszeit kaum verändert hat. Dies ist aufgrund der Klimaveränderungen heute nicht mehr so. Nun gibt es in der Westantarktis einige besondere Strukturen, die dies noch verschlimmern: Die wichtigste ist, dass das Festland „retrograd“ geneigt ist, d.h. der Untergrund, auf dem der Gletscher liegt, fällt zum Landesinnern hin ab, mit ca. 1500 Metern unter dem Meeresspiegel am tiefsten Punkt. So wird die Eisschicht im Landesinneren immer dicker. Das Eis oberhalb des absinkenden Festlandes lasst sich nun von (durch den Klimawandel verursachtem) wärmerem Wasser immer leichter untergraben – es sickert einfach hinein in die tiefer gelegenen Festlandstrukturen, womit das Eis seine Haftung am Boden verliert, instabil wird und zuletzt ins Meer bricht.

Damit ist das die Westantarktis prägende Eisschild, der Thwaites-Gletscher, eine markante Schwachstelle der Antarktis, die schon bald ins Meer zu fliessen droht. Und sie ist riesig, fast so gross wie Grossbritannien, und mehrere Kilometer dick. Sie wird nur durch einen Eiskorken in Form eines einzelnen (sehr grossen) Gletschers, des Thwaites-Schelfeises, fest- und damit davon abgehalten, ins Meer zu fliessen. Mit anderen Worten, das vor der Festlands-Küste der Antarktis schwimmende Eisschelf wirkt wie ein Bremsklotz, der verhindert, dass das nachdrängende Festlandeis in seiner gewaltigen Menge ins Meer fliest. Jüngste Untersuchungen zeigen, dass erstens das Schelfeis seinen Halt an einer unterseeischen Untiefe, die als singulärer Haltpunkt (pinning point) fungiert, verliert, und zweitens, dass sich der Scherrand, der das östliche Thwaites-Schelfeis von der Zunge des Thwaites-Gletschers trennt, ausgedehnt hat, wodurch die Verbindung des Schelfeises mit dem Pinning-Punkt weiter geschwächt wird. Satellitendaten, Bodenradar- und nicht zuletzt GPS-Messungen der Überschneidung der Risse mit verborgenen basalen Spaltenzonen deuten darauf hin, dass der Zusammenbruch des Schelfeises innerhalb von nur 5-10 Jahren(!) eingeleitet werden könnte. Während der riesige Gletscher selbst nach dem Verlust des Schelfeises noch einige Jahrhunderte bis zum kompletten Kollaps brauchen könnte, würden sich sein stetiger Abfluss und damit sein Beitrag zum Anstieg des Meeresspiegels nichtsdestotrotz erheblich beschleunigen.

Noch einmal in Kürze, was konkret passiert: Durch Klimaeffekte erzeugtes „wärmeres“ Wasser dringt zum westantarktischen Festland vor und unterspült das Eisschild. Das von unten schmelzende Eis verliert die Haftung am Boden und gleitet ins Meer. Das wärmere Wasser kann sich aufgrund der retrograden Neigung immer tiefer unter den Gletscher fressen und somit das Eis vom Landesinneren von unten her füssig werden lassen, so dass der Gletscher immer instabiler auf dem Eis steht und weiter abgleitet. Die vordere Gletscherwand kollabiert schliesslich, und immer mehr Eis stürzt ins Meer. Die sich abzeichnende Kollabierung des Gletschers über dem Festland erkennt man bereits in einer Folge von Radaraufnahmen, die aufzeigen, dass sich in jüngster Zeit massive Risse im zentralen Teil des Schelfeises gebildet haben, die sich mit Raten von bis zu 2 km pro Jahr ausbreiten.

Bisher stieg der Meeresspiegel wegen der Schmelze des grönländischen Eises und der Gebirgsgletscher, sowie weil sich das Wasser im Meer ausdehnt, wenn es sich erwärmt. In Zukunft wird die Antarktis der grösste Treiber dafür sein. Neunzig Prozent des weltweiten Eisvolumens befindet sich hier. Bei kompletter Auflösung des antarktischen Eises wird der Meeresanstieg um das 300fache höher liegen als durch die 19 cm im 20. Jahrhundert. Das Meer wird also um unvorstellbare 60 Meter steigen! Mit dem Schmelzen des Thwaites-Gletschers wird es wohl beginnen. Dies alleine wird das Meer um 0,6 Meter ansteigen lassen und unser Leben auf diesem Planeten bereits massiv prägen.

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Jahrgang 1969 habe ich in den 1990er Jahren Physik und Philosophie an der Universität Bonn und der École Polytechnique in Paris studiert, bevor ich am Max-Planck-Institut für Physik komplexer Systeme in Dresden im Bereich theoretischer Physik promoviert und dort auch im Rahmen von Post-Doc-Studien weiter auf dem Gebiet der nichtlinearen Dynamik geforscht habe. Vorher hatte ich auch auf dem Gebiet der Quantenfeldtheorien und Teilchenphysik gearbeitet. Unterdessen lebe ich seit nahezu 20 Jahren in der Schweiz. Seit zahlreichen Jahren beschäftigte ich mich mit Grenzfragen der modernen (sowie historischen) Wissenschaften. In meinen Büchern, Blogs und Artikeln konzentriere ich mich auf die Themen Naturwissenschaft, Philosophie und Spiritualität, insbesondere auf die Geschichte der Naturwissenschaft, ihrem Verhältnis zu spirituellen Traditionen und ihrem Einfluss auf die moderne Gesellschaft. In der Vergangenheit habe ich zudem zu Investment-Themen (Alternative Investments) geschrieben. Meine beiden Bücher „Naturwissenschaft: Eine Biographie“ und „Wissenschaft und Spiritualität“ erschienen im Springer Spektrum Verlag 2015 und 2016. Meinen Blog führe ich seit 2014 auch unter www.larsjaeger.ch.

19 Kommentare

  1. Ob das etwas wärmere Wasser den ins Meer ragenden Thwaitesgletscher von unten so “angreift”, dass der gesamte Gletscher nachrutschen könnte, ist eine noch sehr unausgereifte Theorie. Es wurden letztes Jahr fast gleichzeitig zwei Studien veröffentlicht, die genau dieses Thema, die Erwärmung dieses Gletschers durch Meerwasser, untersuchten zu gegensätzlichen Aussagen kamen.
    Hier bei realclimate wurden diese Studien sowie eine dritte von 2015 vorgestellt und diskutiert:
    https://www.realclimate.org/index.php/archives/2021/05/why-is-future-sea-level-rise-still-so-uncertain/
    Interessant ist auch, dass das Meerwasser rund um die Antarktis “kreist” und nicht von irgendwelchen wärmeren Strömungen aus dem Norden erwärmt wird.

    Doch es gibt noch einen ganz anderen Einflussfaktor auf den Thwaites-Gletscher, der 2017 schon bekannt wurde: https://is.gd/SYm02R
    Auch hier wurde darüber berichtet, dass sich unter den Gletschern der Antarktis eine große geothermale Zone befindet: https://is.gd/S3EinV

    Inzwischen hat das AWI vor Ort diese geothermale Zone untersucht und eine Studie veröffentlicht: https://www.nature.com/articles/s43247-021-00242-3
    Aussage im abstract:
    “We show that the rapidly retreating Thwaites and Pope glaciers in particular are underlain by areas of largely elevated geothermal heat flow, which relates to the tectonic and magmatic history of the West Antarctic Rift System in this region. Our results imply that the behavior of this vulnerable sector of the West Antarctic Ice Sheet is strongly coupled to the dynamics of the underlying lithosphere.”

    Die “Lage” ist also sehr kompliziert, es gibt mehrere Einflussfaktoren, wobei das AWI die “Aufheizung” von unten als wichtigste Ursache für den Gletscherfluss ansieht.

  2. Welche Auswirkungen hätte das auf den Golf-Strom? Dieser schwächelt ja nun schon eine Weile. Ein Abriss des selbigen würde für Europa ja eher eine massive Abkühlung bedeuten.

    • @Peter Müller
      Schauen Sie sich mal bei Wikipedia die Karte der US Navy zu den Meeresströmungen an.
      Der Golfstrom kommt aus dem Golf von Mexiko und dreht dann nach Nordosten.
      Es gibt eine eigene Meeresströmung, die um die Antarktis kreist und nicht nach Norden geht.
      Der Golfstrom “schwächelt” auch nicht, das war eine Fehlinterpretation von Messungen, die nur einen kurzen Zeitraum überdeckten und die aufhörten bevor die damals gemessene geringfügige Verlangsamung wieder verschwand, der Golfstrom wieder seine “alte” Geschwindigkeit erreichte.

  3. Danke für diese sehr anschauliche, detaillierte Beschreibung der inhärenten Instabilität des Thwaite-Gletschers in der Westantarktis. Wenn das Abschmelzen dort den kritischen Punkt überschritten hat, lässt es sich nicht mehr aufhalten und Thwaite schmilzt dann selbst dann weiter, wenn die Temperaturen wieder fallen. Ähnliches gilt für den grönländischen Eisschild für den es Beobachtungen gibt, dass er vor 1 Million Jahre abgeschmolzen war bei globalen Temperaturen dazumals, die 2.5 Celsius über den heutigen präindustriellen liegen.

    Bis ins Jahr 2100 wertenden Antarktis- und Grönlandschmelze noch nicht die dominante Ursache des Meeresspiegelanstiegs sein, später aber schon. Gemäss Wikipedia erwartet uns langfristig folgendes:

    In den nächsten 2.000 Jahren wird der Meeresspiegel voraussichtlich um 2–3 Meter steigen, wenn der Temperaturanstieg bei 1,5 °C seinen Höhepunkt erreicht, um 2–6 Meter, wenn er bei 2 °C seinen Höhepunkt erreicht, und um 19-22 Meter, wenn er bei 5 °C seinen Höhepunkt erreicht. Wenn der Temperaturanstieg bei 2 °C oder bei 5 °C aufhört, würde der Meeresspiegel immer noch etwa 10.000 Jahre weiter steigen. Im ersten Fall wird es 8-13 Meter über dem vorindustriellen Niveau und im zweiten 28-37 Meter erreichen.

    Schlussfolgerung: Alles spricht dafür, dass weder das 1.5 noch das 2 Grad-Ziel erreicht werden selbst wenn die Welt viel stärker als bisher auf Kohle, Erdöl und Erdgas verzichtet. Gründe dafür sind:
    – Kohle, Erdöl und Erdgas liefern nicht nur Energie, sie speichern sie auch. Etwas was Energie aus Solarpaneln und Windkraftanlagen fehlt, so dass Deutschland etwa auch noch in 20 Jahren auf Erdgas als Backup angewiesen sein wird
    – Bestehende Heizungen und Fahrzeuge nutzen Erdöl und Erdgas und können nicht weltweit von heute auf morgen ersetzt werden
    – Entwicklungsländer, die auf Erneuerbare setzen, benötigen genauso wie Deutschland Kohle, Erdgas oder Erdöl als Backup. Mindestens bis Wasserstoff oder etwas anderes diese Rolle übernimmt.

    Ausblick: Länder wie Bangladesch kommen wohl nicht darum herum, sich ähnlich einzudeichen wie es die Niederlande schon vor langer Zeit tat. Zudem wird die Menschheit mit ziemlicher Sicherheit ab Ende des 21. Jahrhunderts der Atmosphäre wieder CO2 entziehen und dazu beispielsweise Kernfusionsreaktoren einsetzen. Denn es lohnt sich, die Treibhausgase zu reduzieren. Wenn es heute aus ökonomischen Gründen nur teilweise gelingt, heisst das nicht, dass man aufgeben sollte. Es ist nie völlig zu spät. Früher oder später darf die Menschheit sowieso keine Abfälle mehr in die Umwelt entlassen. Der Weg dorthin misst sich aber sicherlich nicht in Jahren, sondern in vielen Jahrzehnten.

    • @Martin Holzherr
      Ihre Schlussfolgerung finde ich sehr gut.
      Sie sind einer der Wenigen, der nicht, wie fast alle anderen, bei den “Erneuerbaren Energien” jedes mal darauf hinweist, dass diese ohne eine Backup mit Kraftwerken, die fossile Brennstoffe verwenden, nicht geeignet sind ein Land mit Strom zu versorgen.
      Auch sehr gut finde ich, dass Sie versuchen den völlig unpassenden Begriff “Klimakatastrophe” als solchen herauszustellen ohne dabei den tatsächlichen Einfluss der Treibhausgase auf Klima zu bestreiten.

      Noch zu Bangladesh: Dies ist eines der wenigen Länder der Erde, das aktiv Klimaschutz betreibt und schon sehr viel an Verbesserungen durch Dammbauten erzielt hat. Ausgerechnet eines der ärmsten Länder der Erde schafft dies, und wir, das reiche Deutschland oder auch das reiche Europa vergessen vor lauter Angst vor der angeblichen “Klimakatstrophe” den Klimaschutz und schauen nur auf die immer schwieriger werdenden CO2-Reduzierungen: immer schwieriger und teurer wird es je näher wir der gewünschten Klimaneutralität kommen. Statt uns vor den Auswirkungen des Klimawandels zu schützen, die uns in allernächster Zukunft schon bedrohen, schauen wir auf global gesehen so gut wie unwirksame Reduzierungen unserer CO2-Emissionen.

  4. …dass der Zusammenbruch des Schelfeises innerhalb von nur 5-10 Jahren…

    Das wäre dann ein Kipppunkt im wahren Sinn des Wortes!
    Dieser Zeitraum entspricht in etwa der Zeitdauer der deutschen Genehmigungsverfahren für einzelne Windkraftanlagen.

    • Kein Angst, dieser Kipppunkt ist sehr unwahrscheinlich und steht noch nicht mal in der Liste der vermuteten Kipppunkte im neuesten IPCC-Bericht AR6.
      Laut Prof. Marotzke (IPCC-Leitautor beim AR6) sind alle Kipppunkte nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft sehr spekulativ.

  5. Bei kompletter Auflösung des antarktischen Eises wird der Meeresanstieg um das 300fache höher liegen als durch die 19 cm im 20. Jahrhundert. Das Meer wird also um unvorstellbare 60 Meter steigen!

    Ganz wichtig hier den Konjunktiv wegzulassen. Denn all das WIRD passieren. Kein Zweifel! 😉

    • @Lars
      Sie wissen es also besser als die Klimawissenschaftler???
      Hier ein Zitat aus dem Sonderbericht SR15 des IPCC, wobei sich der Text auf die Änderung des Meeresspiegels bezieht, beeinflusst durch die beiden Eispanzer Grönlands und der Antarktis:
      „The timescale for eventual loss of the ice sheets varies between millennia and tens of millennia and assumes constant surface temperature forcing during this period. Were temperature to cool subsequently, the ice sheets might regrow although the amount of cooling required is likely to be highly dependent on the duration and rate of the previous retreat.”
      “The Antarctic ice sheet can contribute both positively and negatively to future GMSL rise by, respectively, increases in outflow (solid ice lost directly to the ocean) and increases in snowfall (due to the increased moisture-bearing capacity of a warmer atmosphere).”

      • @Nachtrag
        Oh, sorry, ich habe das Augenzwinkern in Ihrem Smiley völlig übersehen. Meine erste Entgegnung ist damit unpassend, aber sie passt zum von Ihnen zitierten Satz von Lars Jaeger.

  6. In diesem Zusammenhang muss ich an ein recht alltägliches Ereignis denken. Um das Eis in meinem alten Kühlschrank loszuwerden musste es nicht komplett tauen. Nach einer gewissen Zeit des “Abtauens” lösten sich einfach Stücke vom Eispanzer um den Verdampfer und fielen herab.

    Wenn nun Teile des antarktischen Festlandeises, von unten “destabilisieren” und als “Eiswürfel” richtung Meer rutschen, erhöht auch dies recht schnell den Meeresspiegel. Vollständiges Tauen wäre irrelevant.

    Oder ist dies keine passende Analogie? Immerhin ist die Antarktis kein Haushaltskühlschrank.

  7. Ich sehe keine ‘Klimakatastrophe’, die Datenlage ist aktuell wie folgt :

    -> https://data.giss.nasa.gov/gistemp/tabledata_v4/GLB.Ts+dSST.txt

    CO2 ist ein klima-relevantes Gas, das wie folgt i.p. Erwärmung funktioniert :

    -> https://de.wikipedia.org/wiki/Klimasensitivität (‘Bei ausschließlicher Betrachtung der im Labor messbaren Strahlungswirkung von CO2 ergibt sich bei einer Verdoppelung der Konzentration eine Klimasensitivität von 1,2 °C’ (früher hieß es bei der bekannten Online-Enzyklopdädie “+ 1K”) – insofern sind Feedbacks, bspw. die Albedo (“feminin”) meinend, zu beachten, auch sog. Klimasenken; das terrestrische Klimasystem kennt zudem eine sozusagen natürliche Variabilität von +- 20 K))

    Ein Zyniker hat mal so angemerkt :

    Wer das Klima in 100 Jahren genau vorhersagen kann, verfügt auch über die Mittel seines Lenkens.

    MFG
    WB (der also kein sog. Klimaleugner ist, sondern sich teils auch intensiv mit wie gemeinter Problematik beschäftigt hat, das Wort ‘Katastrophe’ der Folklore zuordnet)

    • @Dr. Webbaer
      Wenn Sie zusätzlich zu dem, was Sie hier berichten, auch noch die Neuigkeiten aus der Klimaforschung berücksichtigen, wird genau diese Aussage zur Klimasensivität des CO2 bestärkt:
      Die Satellitenmessungen im System CERES haben eine zurückgehende Wolkenbedeckung der Erde in den letzten 20 Jahren festgestellt, was bisher nicht bekannt war. Die zurückgehenden Wolken haben als Folge, dass die Sonne auf einer zunehmend größeren Fläche die Erdoberfläche erwärmt, was damit nicht auf das Konto des CO2 – Treibhauseffekts geht. Wie groß dieser Beitrag ist, das ist noch sehr unterschiedlich in den Studien bewertet und schwankt zwischen 0,2 bis 0,3 Grad und noch höhere Werte. Der UHE (Urban Heating Effect) wird infolge der zurückgehenden Wolkenbedeckung vermutlich verstärkt.

  8. Wenn ich sage: Es ist Verbrechen gegen die Menschheit und nicht nur gegen mich, wenn über meine wahrlich weltbewegenden Entdeckungen geschwiegen wird, meine ich auch in dieser Hinsicht (Verbrechen und Krieg gegen die Natur d.h. gegen Pflanzen und Tiere), denn damit wird die mögliche tägliche zigtausende Erfindungen verhindert, die einen möglichen Ausweg aus der ganzen Misere sein darstellen (bieten) könnten.

    Die Zeit drängt. Die Zeit drängt. Die Zeit drängt. Beendet endlich das Schweigen, das Verbrechen gegen mich, gegen Menschheit und gegen Menschlichkeit. Alle Foren und Physik-Foren, die mich gesperrt haben MÜSSEN dicht gemacht werden und deren Betreiber vor Gericht gestellt werden.

  9. Der Thwaites-Gletscher in der Antarktis, einer der größten der Welt, könnte einer Studie zufolge schneller abschmelzen als bislang angenommen. Seine Auflösung dürfte enorme Folgen für den Meeresspiegel haben. Der Thwaites-Gletscher in der Antarktis ist auch unter dem wenig rühmlichen Spitznamen “Weltuntergangsgletscher” bekannt. https://www.kantimemedicare.us/

    • @Fletcher Susan
      Bei den dort herrschenden Temperaturen, auch im Sommer, kann der Thwaites-Gletscher nicht schmelzen, die Luft ist dort fast immer unter Null Grad Celsius, außer in der Westantarktis.
      Es geht darum, ob der Gletscher schneller ins Meer gleiten könnte, weil das weit ins Meer reichendes Schelfeis vom unterspülenden Meerwasser stärker erwärmt werden könnte. Dazu gibt es, wie ganz oben in meinem ersten Kommentar berichtet, zwei sich exakt widersprechende Studien. Außerdem gibt es die Studie des AWI, die dem Gletscher eine starke und wohl überwiegende Beeinflussung in seinem Gleiten aufgrund der von unten kommenden Erdwärme zuschreibt.
      (Wozu ist denn der Link zu kantimedicare gut???)

      Ein paper von Marshall et al. aus dem Jahr 2014 stellt zu den Temperaturen des Südpolarmeeres fest:
      “In recent decades, the Arctic has been warming and sea ice disappearing. By contrast, the Southern Ocean around Antarctica has been (mainly) cooling and sea-ice extent growing.”
      Und ein paper von von Ekaykin et al. in den Annals of Glaciology 2014 schreibt, dass es in der Antarktis einen 30 bis 50 -jährigen Erwärmungs- und Abkühlungszyklus gibt.
      Die neue Studie “Southern Ocean in-situ temperature trends over 25 years emerge from interannual variability” berichtet über verschiedene Erwärmungs- und Abkühlungstrends in den verschiedenen Schichten des die Antarktis umgebenden Meeres: “Three regions stand out as having strong trends that dominate over interannual variability: warming of the subantarctic waters (0.29 ± 0.09 °C per decade); cooling of the near-surface subpolar waters (−0.07 ± 0.04 °C per decade); and warming of the subsurface subpolar deep waters (0.04 ± 0.01 °C per decade).”
      Inwieweit der Klimawandel überhaupt Einfluss auf den Gletscher hat ist wohl noch weiter zu erforschen.

    • Eigentlich ist ja die Geschichte dazu da um aus ihr zu lernen. Alle Prognosen wie übel sie auch immer als übertrieben gebrandmarkt wurden, wurden von der Realität leider übertroffen.
      Kurioserweise ändert sich dieser Ablauf der Geschichte nicht im geringsten.

      Wir (meine Generation) hat das größte und leider auch das riskanteste geoökologische Experiment angeschoben das seit dem Meteoreinschlag im Golf von México stattfand.

      Nur mal angenommen es geht so weiter wie bisher und die Prognosen werden weiterhin übertroffen: Dann ist das was passiert für einen großen Teil der Menschheit tatsächlich eine Katastrophe.

      @Wolfgang Richter: Woher haben Sie die Daten aus denen Sie ableiten, dass es billiger wäre sich vor den Auswirkungen der Klimaveränderung zu schützen als eine klimaneutrale Gesellschaft zu entwickeln?

      Ich glaube Sie unterschätzen die Kräfte denen wir uns dabei entgegenstellen müssen sehr deutlich.
      Wir werden nie Erfolg haben wenn wir den Versuch klimaneutral zu werden aufgeben, weil es ja eh nicht zu schaffen ist.

      Mit dieser Einstellung wäre weder Amerika entdeckt worden noch hätte ein Flug zum Mond oder Mars je stattgefunden.

  10. @stefan raav
    Zu ihrer Frage: diese Daten stammen vom Nobelpreisträger Nordhaus, einem Ökonomen, der das durchgerechnet hat. Nordhaus gilt (deshalb wohl) auch als Erfinder des 1,5- und 2-Grad-Ziels, denn er arbeitet in seinen Berechnungen mit diesen Werten und den daraus errechneten Szenarien.
    Außerdem wurden diese Daten von Lomborg und seinem Thinktank bestätigt und weiter verfeinert.
    Die Formulierung bei Nordhaus und auch bei Lomborg ist allerdings besser als meine obige: Beide postulieren, dass es am wirkungsvollsten ist, wenn nicht allein die CO2-Reduzierung angegangen wird, sondern wenn gleichzeitig die Wirtschaft weiterentwickelt wird und neue Techniken nach und nach helfen klimaneutraler zu werden – denn andersrum, sozusagen “auf Teufel komm raus” nur die Klimaneutralität anzustreben und alles Geld dafür auszugeben hilft weder dem Klima (da es ja doch viele Jahrzehnte dauert dem Ziel näher und näher zu kommen) noch schützt es die aktuell und in den nächsten Jahrzehnten lebenden Menschen vor den Folgen des Klimawandels. Man sollte die Gelder also splitten und in die CO2-Reduzierung, in den Schutz vor den Wetterextremen und in die Weiterentwicklung der CO2-freien Technik stecken.
    Sie können das in Lomborgs neuem Buch mit dem sehr unglücklichen weil gar nicht zum Inhalt passenden Titel “Klimapanik – Warum uns eine falsche Klimapolitik Billionen kostet und den Planeten nicht retten wird”, wobei ich nur das erste Wort des Titels als unpassend bezeichne.
    Sie müssen beachten, dass erstens die CO2-Emissionen global auch dann weiter steigen wenn wir in D oder auch in der ganzen EU klimaneutral werden, denn andere Länder emittieren das zusätzlich, was wir einsparen – was ja schon seit 20 und mehr Jahren so läuft. Zweitens müssen Sie beachten, dass das CO2 erst viele Jahre oder später als ein Jahrzehnt nach seiner Emission zu “wirken” anfängt (die Wissenschaftler nennen unterschiedliche Zeiten dafür) und dass es dann über hundert Jahre laut IPCC dauert bis eine CO2-Reduzierung ganz langsam zu wirken anfängt und die Globaltemperatur häppchenweise zurückgeht.

  11. @stefan raav
    Zu Ihrer Frage: wo hier oben habe ich eine Aussage zu Schutz vor Klimaveränderungen versus CO2-Reduzierung geschrieben? Das haben Sie anderswo gelesen.
    Aber ich kann zur Herkunft solcher Aussagen, denen ich mich auch anschließe, hier was erläutern:
    Diese Daten stammen vom Nobelpreisträger Nordhaus, einem Ökonomen, der das durchgerechnet hat. Er gilt auch als Erfinder des 1,5-Grad-Ziels.
    Außerdem wurden diese Daten von Lomborg und seinem Thinktank bestätigt und weiter verfeinert.
    Beide postulieren, dass es am wirkungsvollsten ist, wenn nicht allein die CO2-Reduzierung angegangen wird, sondern wenn gleichzeitig die Wirtschaft weiterentwickelt wird und neue Techniken nach und nach helfen klimaneutraler zu werden – denn andersrum, sozusagen “auf Teufel komm raus” nur die Klimaneutralität anzustreben und alles Geld dafür auszugeben hilft weder dem Klima (da es ja doch viele Jahrzehnte dauert dem Ziel näher und näher zu kommen) noch schützt es die aktuell und in den nächsten Jahrzehnten lebenden Menschen vor den Folgen des Klimawandels. Man sollte die Gelder also splitten und in die CO2-Reduzierung, in den Schutz vor den Wetterextremen und in die Weiterentwicklung der CO2-freien Technik stecken.
    Sie können das in Lomborgs neuem Buch mit dem sehr unglücklichen weil gar nicht zum Inhalt passenden Titel “Klimapanik – Warum uns eine falsche Klimapolitik Billionen kostet und den Planeten nicht retten wird”, wobei ich nur das erste Wort des Titels als unpassend bezeichne.
    Sie müssen beachten, dass erstens die CO2-Emissionen global auch dann weiter steigen wenn wir in D oder auch in der ganzen EU klimaneutral werden, denn andere Länder emittieren das zusätzlich, was wir einsparen – was ja schon seit 20 und mehr Jahren so läuft. Zweitens müssen Sie beachten, dass das CO2 erst viele Jahre oder später als ein Jahrzehnt nach seiner Emission zu “wirken” anfängt (die Wissenschaftler nennen unterschiedliche Zeiten dafür) und dass es dann über hundert Jahre laut IPCC dauert bis eine CO2-Reduzierung ganz langsam zu wirken anfängt und die Globaltemperatur häppchenweise zurückgeht.
    Dass es höchste Zeit ist endlich mal was gegen die Wetterextreme zu tun anstatt immer nur auf die spekulativen Kipppunkte und nicht zu erwartende Katastrophen zu schauen, das hat Prof. Marotzke hier gesagt:
    https://www.moz.de/nachrichten/politik/klimaforscher-jochem-marotzke-warum-uebertriebene-angst-vorm-klimawandel-unbegruendet-ist-63220797.html
    Die bekannte Attributionsforscherin Frau Otto hat das gemeinsam mit Katastrophenforschern ebenfalls gesagt:
    https://www.nature.com/articles/s43247-021-00332-2

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