Die Malthusianische Falle – Wie eine wieder und wieder widerlegte Theorie von vor über 200 Jahren immer noch in unseren Köpfen spukt

Wer heute Diskussionen zur Ressourcenknappheit, zum Klimawandel oder über das ökonomische Wachstum verfolgt, wird bei genauerem Hinschauen ein immer wiederkehrendes Argumentationsmuster erkennen: „Unser heutiges Gesellschafts- und Wirtschaftssystem verlangt ständiges Wachstum. Und das ist in einer endlichen Welt einfach nicht möglich“. Der intellektuelle Urgrossvater dieser Sichtweise war der britische Nationalökonom Thomas Robert Malthus, der in zwei Werken 1798 („An Essay on the Principle of Population“) und 1820 („Principles of Economics“) das Prinzip der Endlichkeit unserer Ressourcen mit der Dynamik des menschlichen Bevölkerungswachstums verglich (die zugrunde liegende Argumentation findet sich allerdings bereits bei Aristoteles). Formuliert als mathematische Gesetzmässigkeit stellte Malthus es als unabwendbare Notwendigkeit dar, dass der Mensch schicksalhaft einem Gesetz der unbegrenzten Vermehrung gehorcht, während sich die Ressourcen, die es für ein solches „geometrisches“ (exponentielles) Wachstum der Menschheit braucht, sich nicht in denselben Proportionen vermehren. Diese entwickeln sich nur „arithmetisch“ (linear). Gemäss Malthus reichen bei einer solchen unbeschränkten Vermehrung irgendwann die Lebensmittel nicht mehr für die Ernährung der Erdbevölkerung aus, so dass es immer wieder „korrigierende“ Ereignisse in Form von Krankheiten, Elend, Kriegen und Tod gibt, die das Wachstum der menschlichen Bevölkerung begrenzen und so das Gleichgewicht wieder herstellen. Dass er damit eine wirtschaftliche und soziologische Theorie als Basis für konkrete Werturteile verwendete, dahingehend, dass Arme doch aus gutem Grund hungern und sterben, hat ihm immer wieder derbe Kritik eingebracht, so dass er heute in die Reihe anti-humanistischer Denker eingeordnet werden muss (der in seiner Zeit allerdings bedeutenden politischen Einfluss besass: seine Überbevölkerungstheorie führte 1834 in England zu einer neuen Armengesetzgebung, worin die Unterstützung Hilfsbedürftiger in England massive Kürzungen erfuhr). So meinte Malthus konkret: Ein mittelloser Mensch, dessen Arbeit die Gesellschaft „nicht nötig hat“, habe „nicht das mindeste Recht, irgendeinen Teil von Nahrung zu verlangen, und er ist wirklich zu viel auf der Erde“. Diese bekannte wie berüchtigte Stelle hat Malthus zwar später wieder gestrichen, aber sie fasst sein Denken gut zusammen.

Das schreckt so manchen Ökonomen, Soziologen oder andersartig politisch Motivierten nicht davor zurück, das Malthusianische Argumentationsmuster auf die heutige Zeit anzuwenden. Wenn der Club of Rome die Grenzen des Wachstums darlegt und der Maltus’schen Theorie 1972 damit einen grünen Anstrich verlieh, Umweltökonomen das Argument der Endlichkeit unserer Umweltressourcen für die Forderung nach radikalen politischen Umkehrmassnahmen einsetzen, weil sonst der Untergang droht, Kapitalismusgegner ganz allgemein das ökonomische (exponentielle) Wachstum brandmarken, das ja aufgrund endlicher materieller Güter auf unserem Planeten nicht immer so weiterlaufen kann, Geldtheoretiker die Einführung von „Vollgeld“, d.h. eine Beschränkung der Geldschöpfung durch die Banken fordern (darum geht es demnächst in einer Volksabstimmung in der Schweiz), oder Gewaltforscher vor Heerscharen „überzähliger“ junger Männer warnen, so schwingt bei all dem der düstere, pessimistische Grundton Malthus mit. So heisst es an der zentralen Stelle des Berichtes des Club of Rome in nahezu Malthusianischer Formulierung: „Wenn die gegenwärtige Zunahme der Weltbevölkerung, der Industrialisierung, der Umweltverschmutzung, der Nahrungsmittelproduktion und der Ausbeutung von natürlichen Rohstoffen unverändert anhält, werden die absoluten Wachstumsgrenzen auf der Erde im Laufe der nächsten hundert Jahre erreicht.“

Es gibt in der Geschichte der Nationalökonomie wohl kaum eine Theorie, die durch die tatsächliche Entwicklung deutlicher wiederlegt wurde als die Malthusianische. Seit 1800 stieg die Erdbevölkerung von weniger als einer Milliarde Menschen um das Achtfache auf heute mehr als 7.5 Milliarde. Zugleich ist der Anteil der Hungernden an der Weltbevölkerung auf heute knapp über 10% gesunken. Zum Vergleich: Der Anteil der vom Hunger bedrohten Menschen im Jahr 1800 lag bei über 90% (so mussten 1800 noch 95% mit weniger als dem Äquivalent von 2 US Dollar in Preisen von 1985 auskommen). Hunger über breitere Bevölkerungsschichten hinweg beschränkt sich heute nahezu ausschliesslich auf den afrikanischen Kontinent. Und auch hier liegen seine Ursachen selten darin, dass es rein mengenmässig zu wenig Nahrung gibt, sondern verantwortlich dafür sind diverse soziale, politische und ökonomische Faktoren, die bedingen, dass Nahrung nicht zu denjenigen gelangt, die sie brauchen.

Was also führte dazu, dass Malthus mit seiner Theorie derart deutlich daneben lag? Die Antwort lässt sich kurz mit drei Worten formulieren: der technologische Fortschritt. Mit seinen (schon damals dünnen) empirischen Untersuchungen blickte Malthus auf eine Agrargesellschaft zurück, die bereits zu seiner Zeit in England begonnen hatte, der industriellen Revolution zu weichen. Er betrachtete den damals gegebenen Stand der Technologien und setzte diesen auch für die Zukunft als gegeben voraus -ein im übrigens auch heute noch häufig gemachter Fehler in der wirtschafts- oder sozialwissenschaftlichen Forschung. Doch mit Fortschritten bei der Saatgutzüchtung, der Nährstoffauffüllung der Böden (z. B. mit chemischen Düngemitteln), der Bewässerung, der Mechanisierung und zahlreichen weiteren Erfindungen lief das Wachstum des Nahrungsangebotes in den ihm folgenden 200 Jahren dem der Bevölkerung davon. Konkrete Beispiele waren: die Entdeckung der pflanzenwachstumsfördernden Wirkung von Stickstoff, Phosphaten und Kalium durch den Chemiker Justus von Liebig im Jahr 1840; die 1908 vom Chemiker Fritz Haber entwickelte katalytische Ammoniak-Synthese, welche der Industrielle Carl Bosch zu einem Verfahren entwickelte, das die massenhafte Herstellung von Ammoniak ermöglichte und so die Grundlage der Produktion von synthetischem Stickstoff-Dünger schuf; und nicht zuletzt die heute als „Grüne Revolution“ bezeichnete Entwicklung in den 1960er Jahren, mit der die Einführung der modernen landwirtschaftlichen Hochleistungs- bzw. Hochertragssorten und deren erfolgreiche Verbreitung in Entwicklungsländern bezeichnet wird. Und schon bahnt sich heute auf der Basis der Gentechnologie eine neue Agrarrevolution an, auch wenn es bei uns nicht allzu gern gehört wird.

Das Scheitern des Malthusianischen Argumentationsmusters folgt immer dem gleichen Schema: Der jeweilige technologische Entwicklungsstand und die gegebene soziale Gesellschaftsstruktur werden auf Jahrzehnte in die Zukunft projiziert (bzw. nur mit linearen Wachstumsraten extrapoliert), was bei gegebenem exponentiellen Wachstum unseres Ressourcenverbrauchs zu entsprechenden katastrophalen Auswirkungen und dystopischen Zukunftsaussichten führt. In der Realität erwies sich der technologische Fortschritt in den letzten 400 Jahren jedoch immer wieder als weitaus schneller als jedes lineares Wachstum. Selbst exponentielle Wachstumsraten wurden teils übertroffen, da wissenschaftliche Einsichten und technologische Erfindungen immer wieder sprunghafte wirtschaftliche und soziale Entwicklungen auslösten (so ermöglichte beispielsweise das Haber-Bosch Verfahren mehr oder weniger mit einem Mal eine Multiplikation der landwirtschaftlichen Erträge, was wiederum viele Millionen mehr Menschen zu Nahrung verhalf).

Soziale und gesellschaftliche Innovation spielen ebenfalls eine bedeutende Rolle – oft interagieren sie direkt mit dem technologischen Wandel. Beispiele sind der Siegeszug der Pille, die Ein-Kind-Politik Chinas (die ganz im Sinn von Malthus ist) oder die durch wachsenden Wohlstand und die Emanzipation der Frauen bewirkten in entwickelten Ländern starken Rückgang der Geburtenraten (woraus sich ein soziales und ökonomisches Problem ergibt, das dem Malthus-Szenario genau entgegen steht: wegen Geburtenmangel schrumpft die Bevölkerung in vielen Industriestaaten).

Bisher entschärften der wissenschaftlich-technologische und der wirtschaftlich-soziale Fortschritt die Malthusianische Falle immer und immer wieder. Dennoch fällt es uns nicht leicht, uns auch in der Zukunft darauf zu verlassen. Denn bei näherer Betrachtung ging es beim Zuwachs unseres Wissens und unserer Fähigkeiten nicht immer nur darum, nachhaltig mehr Output bei gleichem Input zu erzielen, sondern nur allzu oft auch darum, bestehende Ressourcen unseres Planeten abzubauen, d.h. mehr Output mit mehr Input zu erzielen. Die ersten beiden industriellen Revolutionen basierten auf der wenig nachhaltigen Verfeuerung fossiler Brennstoffe, d.h. Kohle und später Öl und Gas, womit die Menschheit geologische Ablagerungen von alter Sonnenenergie nutzte, die als Kohlenhydrate gespeichert waren und damit in endlicher Menge vorliegen – und deren Verbrennung mit massiven Auswirkungen für die globale Ökobilanz einhergeht. Wir haben konkret gelernt, tiefer nach Mineralien zu graben, in den Ozeanen mit grösseren Netzen zu fischen und Wälder mit leistungsfähigeren Rodungsgeräten zu fällen. Wir erhalten hier also nicht nur „mehr für weniger“, sondern auch „mehr für mehr“. So manches, was wir als „technologischen Mehrwert” bezeichnen, ist im Sinne wirtschaftlicher Wertschöpfung auf der globalen Bilanz eher ein Abbau bestehender Aktiva als die Schaffung neuer Passiva.

In der Diskussion um Ressourcenknappheit und den Klimawandel wird daher immer wieder ein Ende des Wirtschaftswachstums gefordert. Damit streifen sich die intellektuellen Erben von Malthus den Makel des Asozialen ab und kleiden sich in ein wesentlich sympathischeres grünes Gewand. Es ist nun nicht mehr die Endlichkeit der Nahrungsverfügbarkeit, sondern die Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit unserer modernen Lebensart, die in Frage gestellt wird, woraus dann ähnliche Kollaps-Szenarien erstellt werden wie vor über 200 Jahren. Und tatsächlich sind die materiellen und ökologischen Ressourcen auf unserem Planeten endlich und eine exponentielle Wachstumsrate jeglichen Verbrauchs ihrer muss irgendwann an seine Grenzen stossen. Hier muss den modernen Malthusianern zugestimmt werden. Was sie und mit ihnen die philosophischen und ökonomischen Bilanzen seit Aristoteles allerdings unberücksichtigt lassen, ist der menschliche Erfindungs- und Pioniergeist. Unsere wissenschaftliche und technologische, sowie soziale und ökonomische Kreativität kennt im Gegensatz zur physikalischen Welt keine Wachstumsgrenzen! Erfindungen, neue Technologien und sozialer Fortschritt sprengen immer wieder von neuem den Rahmen vergangener Vorstellungskraft und haben uns um Vieles weiter gebracht, als sich dies unserer Vorfahren noch vorstellen konnten.

Nichtsdestotrotz bleibt die Frage im Raum: Könnte die Malthusianische Argumentation dieses Mal zutreffen? Oder lassen sich mit der ständigen Vermehrung des menschlichen Wissens und unserer technologischen Möglichkeiten ein weiteres Wachstum des menschlichen Wohlstands mit einem Stoppen der Erderwärmung und der Endlichkeit irdischer Ressourcen verbinden? Verweisen wir die modernen Malthusianer in die Schranken der bisherigen historischen Unzulänglichkeiten ihrer dystopischen Zukunftsvisionen, so wetten wir geradezu auf die unerschöpfliche Erfindungskraft der Menschen. Noch einmal: Bisher haben wir diese Wette immer wieder gewonnen. Der antihumanistische Kern von Malthus‘ Lehre, dass der Mensch des Menschen Verderben sei, wurde noch immer Lügen gestraft. Die Frage ist, ob wir uns wirklich darauf verlassen wollen, dass dies auch weiterhin der Fall sein wird. Denn es steht dabei nichts weniger auf dem Spiel als die Zukunft der menschlichen Zivilisation.

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Jahrgang 1969 habe ich in den 1990er Jahren Physik und Philosophie an der Universität Bonn und der École Polytechnique in Paris studiert, bevor ich am Max-Planck-Institut für Physik komplexer Systeme in Dresden im Bereich theoretischer Physik promoviert und dort auch im Rahmen von Post-Doc-Studien weiter auf dem Gebiet der nichtlinearen Dynamik geforscht habe. Vorher hatte ich auch auf dem Gebiet der Quantenfeldtheorien und Teilchenphysik gearbeitet. Unterdessen lebe ich seit nahezu 20 Jahren in der Schweiz. Seit zahlreichen Jahren beschäftigte ich mich mit Grenzfragen der modernen (sowie historischen) Wissenschaften. In meinen Büchern, Blogs und Artikeln konzentriere ich mich auf die Themen Naturwissenschaft, Philosophie und Spiritualität, insbesondere auf die Geschichte der Naturwissenschaft, ihrem Verhältnis zu spirituellen Traditionen und ihrem Einfluss auf die moderne Gesellschaft. In der Vergangenheit habe ich zudem zu Investment-Themen (Alternative Investments) geschrieben. Meine beiden Bücher „Naturwissenschaft: Eine Biographie“ und „Wissenschaft und Spiritualität“ erschienen im Springer Spektrum Verlag 2015 und 2016. Meinen Blog führe ich seit 2014 auch unter www.larsjaeger.ch.

44 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Das Problem besteht ja nicht so sehr darin, dass eine Ressource erschöpft, für die man vielleicht Ersatz finden kann, sondern dass der ganze Umsatz an Ressourcen immer gewaltiger wird.

    Herr Jaeger, was halten Sie von dem Buch Kollaps von Jarred Diamond?

  2. Es gibt noch heute Ökonomien, die sich in der Malthusianischen Falle befinden, Ökonomien also die nicht über genügend Wachstumskräfte verfügen, um mindestens das Bevölkerungswachstum zu kompensieren. Dass heute in wohlhabenden Gesellschaften zuwenig Kinder auf die Welt gestellt werden, ist ein relativ neues Phänomen, das erst durch die Kombination von Medizin
    (Antikonzeptionsmittel), Lebens-und Karriereplanung und wachsender Lebensangst möglich wurde. Dennoch muss die Bevölkerung in davon betroffenen Ländern nicht massiv schrumpfen, denn die Menschen werden immer älter und hören vielleicht bald schon damit auf zu sterben – ebenfalls als Resultat wissenschaftlich/medizinischer Bemühungen.
    Der Autor erkennt richtig, dass erst Wissenschaft und Technologie die Welt aus der Malthusianischen Falle befreit haben und dass Antimodernisten, Gentechgegner und Verfechter einer rein organischen Agrikultur es riskieren, dass wir dorthin zurück katapultiert werden – zurück in eine Wirtschaft, in der der Mangel regiert und in der fröhlich gestorben wird.

    • Ergänzung: Ein Beispiel für eine Wirtschaft ohne genügende Wachstumskräfte ist die venezuelanische. Im New Yorkes Times-Artikel As Venzuela Collapses, Children starving liest man dazu: For five months, The New York Times tracked 21 public hospitals in Venezuela. Doctors are seeing record numbers of children with severe malnutrition. Hundreds have died. Zwar ist Venezuela nicht in einer klassischen Malthusianischen Falle, denn Kinder verhungern dort nicht, wegen zu starker Zunahme der Bevölkerung, allerdings ist es eine Wirtschaft, die kaum Wachstumskräfte entwickelt hat und die fast ausschliesslich von der Erdöl-Rente lebt, also von der Tatsache, dass das Land auf den grössten nachgewiesenen Erdölreserven der Welt lebt. Es ist also nicht nur eine ungenügende Entwicklung von Technologie und Wissenschaft, die ein Land in die Bedrouille stürzen kann, sondern auch ein falsches Wirtschaftssystem – ein Wirtschaftssystem, welches kein Wachstumspotenzial entwickelt und die Menschen als abhängige von äusseren Umständen – im Fall von Venezuela, der Erdölpreis – zurücklässt. Gesellschaftssysteme ohne Ökonomien, die genügendes Wachstum ermöglichen, kollabieren früher oder später. Ein Beispiel dafür ist die Sowjetunion, welche in ihrer Spätphase ebenfalls fast ausschliesslich von ihren Erdölschätzen lebte und just dann kollabierte, als der Erdölpreis auf 20 Dollar pro Dollar und darunter sank.

  3. Das Problem ist nicht, ob Malthus Recht hat oder nicht – sondern dass es der Erde egal ist, wer auf ihr lebt oder ob es eine menschliche Zivilisation gibt.

  4. Im Falle des Klimawandels sind die Mainstream-Szenarien recht optimistisch was die Entwicklung neuer Technik angeht. Es wird davon ausgegangen, dass es BECCS in großem Stil geben kann, sodass negative Emissionen möglich sind. Es wird davon ausgegangen, dass globales Wirtschaftswachstum mit einer Umstellung auf niedrige Emissionen vereinbar ist.
    Im Moment ist die Frage, ob letztere Technologien angewandt werden oder ob man daran arbeitet erst alle fossilen Energieressourcen aufzubrauchen. Das tückische daran ist, dass einige Folgen zeitverzögert und ungerecht auftreten. Entsprechend sind die meisten Zweifel an der politischen Fähigkeit und häufig weniger an der technologischen. Das Beispiel von Hungernden in Afrika bestätigt diese Zweifel, gerade wenn man davon ausgeht, dass es aus sozialen, politischen und ökonomischen Faktoren resultiert. Genau diese Faktoren sind meiner Meinung nach Hindernisse im Falle des Klimawandels.

    • @libertador: Zustimmung zu (Zitat): Zweifel an der politischen Fähigkeit und häufig weniger an der technologischen . Genau, nicht die Technologie (allein) entscheidet, sondern die Bereitschaft, alte, sichere Technologie gegen neue, risikobehaftete Technologie auszutauschen. Dazu passt auch der SPON-Artikel: Erst die Jobs, dann das Klima, wo man im Vorspann liest: Die Kommission für den Kohleausstieg hat sich nach SPIEGEL-Informationen sechs Aufgaben gestellt. Ein gelungener Strukturwandel hat demnach mehr Priorität als konsequenter Klimaschutz.

  5. Zitat von oben: lassen sich mit der ständigen Vermehrung des menschlichen Wissens und unserer technologischen Möglichkeiten ein weiteres Wachstum des menschlichen Wohlstands mit einem Stoppen der Erderwärmung und der Endlichkeit irdischer Ressourcen verbinden?

    Prinzipiell wohl ja (Ja wir könnten die Erderwärmung stoppen). Doch wiederum gilt (wie schon in meinem Vorgängerkommentar angedeutet): Wissen und Technologie alllein genügt als Handlungs- und Entwicklungsvorgabe nicht. Es braucht auch den Willen und Mut das zu tun, was zukunftsträchtig ist, aber eventuell nicht das bequemste ist.

    Motiviationsbeispiel: Für einen Staat unter dessen Boden reiche Bodenschätze wie Öl sitzen, ist es das Bequemste von der Förderung dieser Rohstoffe zu leben. Meist braucht es dazu nur altbekannte Technologie, ein Heer von Arbeitern und Firmen, die nichts anderes tun und ein paar gute Deals und Handelsabkommen. Doch damit bindet man viele Arbeitskräfte in Technologien, die für die längerfristige Zukunft kaum etwas bringen und die zudem obsolet werden sobald die Rohstoffe erschöpft sind. Doch es braucht beträchtlichen Mut für einen Staat in solch komfortabler Lage (der Boden voller Rohstoffschätze), statt dessen seine ökonomische Aktivität auf etwas auszurichten, was mit unbekannten Risiken und Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten verbunden ist.

    Dieses Motiviationsbeispiel zeigt auch die Situation in Bezug auf die Herausforderungen der Erderwärmung durch die von “alter Technologie” erzeugten Treibhausgasen. Denn die alte Technologie, welche mit dem Freisetzen von Treibhausgasen verbunden ist ist in vielerlei Hinsicht die bequemste Lösung. Sie funktioniert bereits und muss nicht neu erfunden, ja nicht einmal weiter entwickelt werden. Ganz anders bei Ersatz-Technologien, die dem Menschen das gleiche bieten sollen wie diejenigen, welche Treibhausgase freisetzen, die aber noch kaum genutzt werden und bei denen grosser Forschungs- und Entwicklungsbedarf besteht. Hier gibt es grosse Risiken und die meisten der Firmen, die auf die neuen Technologien setzen werden unweigerlich Konkurs gehen, denn das war schon früher so mit neuen Technologien: Der Lernprozess, mit dem die Aneignung und Entwicklung einer neuen Technologie einhergeht, lässt nur wenige den “Graduiertenstatus” erreichen, die meisten scheiden irgendwann aus dem Rennen aus, werden quasi ausselektioniert von den evolutiven Kräften, die zur Entwicklung und Verbreitung der Technologie gehört.

    Ja, das Leben ist hart und wird für die meisten – und letztlich für alle – mit dem Tod bestraft. Allerdings gilt das auch für die, welche nichts risikieren. Auch sie sterben und zudem leben sie ein langeweiligeres Leben.

  6. Ich denke, dass es sicher eine Grenze des Bevölkerungswachstums gibt, weil ja mit der Sonnenenergie Trinkwasser und Nahrung hergestellt werden. Nur ist die Frage, wie nahe wir einer tatsächlichen Grenze sind. Und das ist wohl der Streitpunkt zwischen “unendlichem Erfindungsgeist” und “endlicher Welt”. Berechnungen wie die vom Club of Rome gehen nun mal von bestehenden Ressourcen aus. Aber prinzipiell liegen sie schon richtig.

    • @Rudi Knoth: Natürlich gibt es eine Grenze des Bevölkerungswachstums. Doch warum sollte die Bevölkerung überhaupt ständig wachsen? Es stimmt einfach nicht, dass man das als Schicksal hinnehmen muss und in den industrialisierten Ländern geht die Bevölkerung ja schon zurück. Meine Behauptung: Unkontrolliertes Bevölkerungswachstum gibt es in einer Situation, in der plötzlich viele überleben, weil sie nicht mehr an Hunger und Krankheit sterben, in denen aber die Individuen noch keine wirkliche Zukunftsplanung betreiben, wo also Karriere- und Lebensplanung noch wenig entwickelt sind. In Afrika ist genau das der Fall, weswegen die Erdbevölkerung vor allem dort zunimmt. Sobald auch eine Nigerianerin beginnt an ihre berufliche Karriere zu denken, dann wird auch die Fruchtbarkeit zurückgehen, denn Kinder und Karriere lassen sich nicht besonders gut vereinbaren. Das wissen die Frauen hier in Europa und den USA bereits und sobald das die Nigerianerinnen auch wissen und sie zudem über Karrieremöglichkeiten überhaupt verfügen, wird auch dort die Kinderzahl zurückgehen.

      • Sie haben insoweit Recht, als es für das Bevölkerungswachstum wenig Gründe gibt. Auch in Europa war dies bis vor 100 Jahren wesentlich grösser.

        Was Menschen in anderen Ländern angeht, so ist Kinderreichtum eine Möglichkeit, um die älteren Familienmitglieder zu ernähren. So hatte ich das mal früher gelesen. Das hat also daher auch nichts mit der berüchtigten These von Höcke zu tun.

  7. Meiner Meinung nach geht es gar nicht so sehr um die Frage, ob unsere Ressourcen endlich sind oder nicht sondern darum welche Auswirkungen das aktuelle auf Wachstum ausgelegte Wirtschaftssystem auf die Natur und mit ihr die Menschen hat.

    Denn wir haben die Wette zwar immer wieder gewonnen, aber dafür auch einen sehr hohen Preis bezahlt. Wir haben damit viel Schaden angerichtet, nicht in erster Linie an der Menschheit (aber auch), sondern an der Natur. Die Biodiversität sinkt massiv, Dinge wie Insekten- und Amphibiensterben sind Fakten. Dann haben wir den Klimawandel, der in den nächsten Jahren dazu führen wird, dass sehr viele Menschen küstennahe Gebiete verlassen müssen. Die Ungleichheit zwischen Arm und Reich nimmt immer mehr zu, Regenwälder werden abgeholzt und mit Monokulturen ersetzt, die Meere werden überfischt, es gelangen immer mehr Pestizide und andere Chemikalien ins Wasser, Plastikmüll verteilt sich überall auf der Erde, Tiere fressen das Plastik und sterben, Menschen werden als billige Arbeitskräfte ausgebeutet… die Liste ist endlos. Und das alles wegen technologischem Fortschritt und dem überholten Wachstumsparadigma des wirtschaftlichen Systems. Wer ein Gewissen besitzt, erkennt doch, dass dies ethisch nicht vertretbar ist und dass es höchste Zeit ist, zu bremsen, den Konsum einzuschränken und ein System zu erarbeiten, das nicht auf Wachstum beruht.

    • @M. Ehret: In Bezug auf die Population haben Länder wie Japan bereits einen Wachstumsstop hingekriegt (Zitat, übersetzt von DeepL: “Das Gesundheits- und Sozialministerium schätzt, dass bis 2060 40% der Bevölkerung über 65 Jahre alt sein werden.”).
      Doch die Probleme, die mit Wachstsum verbunden sind, sind für die meisten menschlichen Gesellschaften einfacher bewältigbar, als diejenigen, die mit Schrumpfen verbunden sind. Eine schrumpfende Gesellschaft wie Japan sollte eigentlich aufhören ständig neue Strassen und Häuser zu bauen und statt dessen Dörfer und Städte redimensionieren. Sich darauf einzustellen ist aber alles andere als einfach.

  8. Wie ist es denn nun, Herr Jaeger, haben wir es mit einer „wieder und wieder widerlegte[n] Theorie von vor über 200 Jahren“ zu tun, oder haben die modernen Malthusianer Recht, da Sie ja auch schreiben:

    Und tatsächlich sind die materiellen und ökologischen Ressourcen auf unserem Planeten endlich und eine exponentielle Wachstumsrate jeglichen Verbrauchs ihrer muss irgendwann an seine Grenzen zu stossen. Hier muss den modernen Malthusianer zugestimmt werden.

    .
    Dass die verfügbaren Ressourcen jegliches Wachstum begrenzen, sieht man allerorten, insoweit ist Malthus leider keineswegs widerlegt.

  9. Die URSACHE aller Probleme unseres Wachstumwahnsinns wie ein Krebsgeschwür, ist der Glaube an den nun “freiheitlichen” WETTBEWERB um KOMMUNIKATIONSMÜLL von “Wer soll das bezahlen” und “Arbeit macht frei”.
    Es würde aber SICHER OHNE diese stets reformistisch-faschistische Symptomatik der imperialistischen Welt- und “Werteordnung” funktionieren – Zusammenleben OHNE manipulativ-schwankende Rohstoffpreise, OHNE Steuern zahlen, OHNE “Sozial”-Abgaben, Ohne irrationalen Zeit-/Leistungsdruck zu einer Karriere von Kindesbeinen, usw., usw., auf der Basis eines UNKORRUMPIERBAREN Menschenrechts zu KOSTENLOSER Nahrung, MIETFREIEM Wohnen und KASSEN-/KLASSENLOSER Gesundheit, denn wenn GRUNDSÄTZLICH alles allen gehören darf, wird PRINZIPIELL alles menschenwürdig und demokratisch (OHNE parlamentarisches Marionetten-Theater) gerecht organisiert. 😎

    Und was die zeitgeistlichen Malthusianer angeht: Es ist die wettbewerbsbedingte und marktorientierte Überproduktion von Quantität bis Schund, die dann blödsinnig über und als Symbol unserer Verkommenheit in den Weltmeeren …

  10. Balanus
    Malthus ist nicht widerlegt.
    Sehr richtig. Die leergefischten Weltmeere, das Absinken des Grundwasserspiegels im Corn Belt, die Umweltverschmutzung allgemein, das darf man nicht verniedlichen.
    Sicher werden die Lebensmittel für die wohlhabenden Europäer reichen, für den Rest der Welt aber nicht.
    Es ist also ein Schuss Zynismus in der Malthusianischen Falle.

  11. “Die Malthusianische Falle” – nur ein blöd- wie stumpfsinniges Symptom des “gesunden” Konkurrenzdenkens für den / im nun “freiheitlichen” Wettbewerb.

  12. Das die Theorie von den endlichen Ressourcen Quatsch ist, sieht man ja sehr schön am Beispiel der Osterinseln.

  13. hmann
    Sicher werden die Lebensmittel für die wohlhabenden Europäer reichen, für den Rest der Welt aber nicht.”

    Das gilt aber nur wenn dieses System des “Zusammenlebens” unverändert bleibt, was du ja als gottgegebene Wahrheit mitfühlend hinnimmst!?

  14. Es gibt keine zwingende Grenze des Bevölkerungs- oder Ressourcennutzungswachstums, denn man kann sich ja noch im Weltraum ausbreiten. Vielleicht wäre in vielen Milliarden Jahren eine solche Grenze erreicht, wenn die Abstände zu weiteren Galaxien zu groß würden. Exponentielles Wachstum würde freilich durch diese großen Abstände vorher schon gebremst.

    Die Natur auf unserer Welt wird nicht mehr existieren. Meines Erachtens wird die Menschheit die Erde vollständig dominieren und höchstens noch kleine, pseudo-natürliche Naturparks werden übrig sein. Das heißt aber nicht, dass es der Menschheit dadurch schlecht geht. Im Gegenteil, eine völlig von uns kontrollierte Welt kann (gentechnisch, mittels Geoengineering etc.) durchaus an Störungen wie eine Erwärmung angepasst werden. Meines Erachtens braucht der Mensch biologische, wilde Natur nicht. Es reichen super-künstliche Farmen auf der gesamten Erdoberfläche inklusive der Meere. Und inklusive potentieller Farmen oberhalb von Megastädten.

    Selbst eine starke Erwärmung oder ein Nuklearkrieg würde die Menschheit meines Erachtens nicht auslöschen – aber womöglich weit zurückwerfen.
    Langfristig sehe ich eher andere Risiken, wie z.B. aufgezeigt durch Lynns These (eines moderneren Pessimisten neben Malthus) der Dysgenik. Lynn postuliert einen sinkenden genotypischen (d.h. vererbten Anteil des) IQ, solange keine Form der Eugenik angewendet würde. Reproduktive Selektion könnte auch zu einer religiösen, wissenschaftsfeindlichen Menschheit führen, so dass die technologische Entwicklung unterdrückt und/oder zurückabgewickelt würde (Beispiel: Amish).

    • Reproduktive Selektion könnte auch zu einer religiösen, wissenschaftsfeindlichen Menschheit führen, so dass die technologische Entwicklung unterdrückt und/oder zurückabgewickelt würde (Beispiel: Amish).

      Nun bei den Amish hat dies wohl andere Gründe. Ich denke eher dass deren Vorfahren von Wissenschaft und Technik nicht viel hielten wie ihre in Europa weiterlebenden Nachbarn. Diese Nachbarn und deren Nachkommen änderten ihre Ansichten durch Schule und Medien.

    • @Wizzy: In einer von Technologie bestimmten Zukunft in der von der Natur nur noch Parks übrigbleiben und die Erdoberfläche von einem Flickenteppich von Megastädten und Farmen dominiert ist, wird es auch keine “natürlichen” Menschen mehr geben, sondern nur noch Zuchtmenschen mit dem “richtigen” Erbgut. Lynns These einer Dysgenik aufgrund wachsender genetischer Degeneration passt einfach nicht zum übrigen Zukunftsbild, das sie da entwerfen.

      • @Martin: Ja, da haben Sie recht. Ich habe das auch deshalb eingeworfen, da manche Menschen Lynns These von vornherein ablehnen – ich denke wegen der Anrüchigkeit der Eugenik. Dem Wissenschaftler Lynn werden außerdem grenzwertig-rassistische Positionen nachgesagt, die ich nicht unterstützen würde. Wobei in Zypern ja z.B. aufgrund der dort grassierenden schweren Erbkrankheit Thalassämie eine dort in der Bevölkerung akzeptierte Eugenik-Form angewendet wird, als Beispiel.

        Dennoch will ich meine Technologie-Zukunftsprognose unter den Vorbehalt stellen, dass Technologie nicht unbedingt die Priorität der Menschheit darstellen kann, wenn technologiefeindliche Formen von Religion oder Ideologie die Politik stärker dominierten. Das ist aber zugegeben derzeit nicht unbedingt zu erwarten, aber gerade im Gefolge weltweiter Krisen mE nicht ganz auszuschließen.

    • Ergänzung: In einer völlig vom Menschen geformten Welt wird nicht nur die Erdoberfläche geformt, sondern auch Tier und Mensch. Geformte Tiere (etwa Kühe, die 30 Liter Milch pro Tag geben) gibt es schon, geformte Menschen wird es geben, wenn es den Wünschen der Menschen entspricht. Und viele Menschen wünschen sich ja bessere Körper, Körper etwa, die nicht altern mit attraktiven Gesichtern, etc. etc.
      Der Mensch erfüllt sich alle Wünsche, die er sich erfüllen kann und gibt sich nicht mit den 3 Wünschen aus dem Märchen zufrieden. Es könnte dabei allerdings so herauskommen wie bei Midas ( Midas wünschte sich, dass alles, was er berühre, zu Gold würde. )

      • @Martin Holzherr
        Ja, ich habe da ähnliche Erwartungen, und Ihren Ergänzungen kann ich nur zustimmen!

        @Lars Jaeger
        Ein tolles Thema. Und ein inspirierender Zugang zum Thema (Grenzen des) Globalen Wachstums über Malthus. Danke!

  15. »Es gibt in der Geschichte der Nationalökonomie wohl kaum eine Theorie, die durch die tatsächliche Entwicklung deutlicher wiederlegt wurde als die Malthusianische. Seit 1800 stieg die Erdbevölkerung von weniger als einer Milliarde Menschen um das Achtfache auf heute mehr als 7.5 Milliarde.«

    .
    Nachdem Malthus Theorie angeblich widerlegt ist, darf also angenommen werden, dass in 200 Jahren 60 Milliarden Menschen mindestens so gut leben könn(t)en, wie wir es derzeit gewohnt sind.

    Klingt nicht recht überzeugend, wie ich finde…

    • Die Bevölkerungszuwächse fallen weltweit und je wohlhabender jemand ist desto weniger Kinder werden gezeugt.

      Bald wird die Bevölkerung Chinas anfangen zu fallen und paar Jahrzehnte später Indiens und irgendwann mal in Afrika.

      Auf der Erde könnten wir locker 12 Milliarden Menschen ernähren, aber solange afrikanische Bauern ihr fruchtbares Land aufgeben, weil der Import von Lebensmitteln aus der EU billiger ist, weil subventioniert. Solange kann mir doch niemand erzählen es fehlt fruchtbares Land.

  16. @Balanus

    In 200 Jahren wird es einen zweiten geistigen Evolutionssprung gegeben haben und …, wenn wir diese Entwicklungsstufe erreichen, kommt es allerdings auch darauf an, ob wir uns auf dieses ganz andere Zusammenleben bewusstseinsmäßig vorbereitet haben, was derzeit alles ganz und gar zu bezweifeln ist!

  17. Hallo Lars Jaeger,
    anknüpfend an Ihren letzten Absatz möchte ich (nur!) zwei Gedanken loswerden.
    1. Wenn Sie sich weiter mit der Thematik auseinandersetzen, analysieren Sie doch mal diese verstärkt unter Nutzung des dialektischen Gesetzes des Umschlags von einer Qualität in eine andere Qualität durch quantitative Anhäufungen.
    Beispiel: Die Reduzierung (Quantität) der bestehenden Wildtierbestände (Qualität) endet darin, dass sie nicht mehr existieren (neue Qualität).
    Da könnte auch das Thema Insektensterben inbegriffen sein.

    2. Ich habe mal folgenden Satz formuliert:
    Das Größte, was die Menschheit hervorgebracht hat, ist Ignoranz und Egoismus.

    Zur Untermauerung folgender Auszug aus Berichten :
    Deutschland hat an diesem Mittwoch (2. Mai) seine natürlich verfügbaren Ressourcen für 2018 aufgebraucht. Die Menschen in Deutschland lebten dann für den Rest des Jahres auf Kosten kommender Generationen und der Menschen im Süden.
    Menschen verbrauchen mehr natürliche Ressourcen als die Erde zur Verfügung hat.
    Wenn alle Menschen weltweit so leben und wirtschaften würden wie in Deutschland, dann bräuchte die Weltbevölkerung drei Erden (– Anmerkung: USA 8 Erden).

    Denken Sie hierbei beispielsweise auch an die Gewässerverschmutzung.

    Fazit:
    Das kann tatsächlich auf Dauer nicht gut gehen.

  18. Malthus These, dass die Population durch die Verfügbarkeit von Ressourcen beschränkt sei, ist durchaus richtig. Sie darf aber nicht als Vorhersage interpretiert werden, in der Art, dass sie etwa die unmittelbare Zukunft voraussage (“we are all doomed“) sondern als grundlegende Erkenntnis, die mehrere Handlungsoptionen eröffnet. Eine Handlungsoption besteht eben darin, die Population und den Verbrauch an Ressourcen einzuschränken, die andere Handlungsoption ist die, die Ressourcenbasis zu erweitern, indem wir neue Ressourcen erschliessen (Insekten anstatt Fleisch essen, Aluminium und Plastik anstatt Stahl, die 100-Liter Kuh heranzüchten, den Superweizen und Superreis erfinden, Düngen bis zum geht nicht mehr, verdichtetes Bauen und Leben in vertikalen Städten) oder indem wir Ressourcen rezyklieren um schliesslich sogar in einer vollen Kreislaufwirtschaft mit 100%-iger Wiederverwendung anzukommen. All diese Handlungsoptionen wurden auch schon realisiert oder wurden zu realisieren versucht und all diese Handlungsoptionen haben hin und wieder auch versagt, worauf es zu Hungerkrisen, Kriegen und zum Kollaps von kleinen Gemeinschaften oder gar Zivilisationen kam.
    Robert Malthus allerdings glaubte nicht nur einen Zusammenhang erkannt zu haben sondern sogar ein Prognosewerkzeug in der Hand zu haben, schrieb er doch: : “The power of population is indefinitely greater than the power in the earth to produce subsistence for man”. Doch da hat er sich mindestens für die 200 Jahren, die seiner Erkenntnis folgten, gründlich geirrt. Aus seinem Irrtum und dem Verlauf der jüngeren Geschichte lernen wir insbesondere, dass die moderne Welt hochdynamisch ist und dass sie ebenso viel Produktivkräfte wie Zerstörungskräfte freisetzt. Was die grundlegenden quantitaven Verhältnisse angeht, so wurde fast jedes angebliche Faktum der Vergangenheit durch die spätere Entwicklung widerlegt. Beispiele: In meiner Jugend sprach man noch davon, jeder vierte Mensch auf der Erde sei ein Chinese, doch heute ist es nicht einmal jeder fünfte und im Jahr 2100 wird nur noch jeder 8. Mensch ein Chinese sein. Schon im Jahr 2050 wird es mehr Inder als Chinesen geben und im Jahr 2100 wird jeder dritte Mensch ein Afrikaner sein und es wird 10 Mal soviel Afrikaner wie Europäer geben. Vieles was wir als gegeben annehmen ist in Wirklichkeit nur Ausdruck der momentanen, noch beschränkten Möglichkeiten und was heute noch ein Traum und aus technologischen und wirtschaftlichen Gründen nicht realisierbar ist, kann morgen schon zum Alltag gehören. Eine 100%-ige Kreislaufwirtschaft beispielsweise ist heute noch nicht realisierbar, könnte aber im Jahre 2100 die Wirtschaftsweise bestimmen. Vorausgesagt aber wurde eine Welt, in der alles zu 100% rezykliert wird bereits 1979 von Cesare Marchetti, der eine hochurbanisierte Welt von vertikalen Städten entwarf, in der insgesamt 1000 Milliarden Menchen auf nur 10% der Erdoberfläche leben und in der alle Nahrung innerhalb dieser Stadtinseln erzeugt und alle Materialen rezykliert werden (10^12 – A Check on Earth Carrying Capacity for Man). Nun, völlig ausgeschlossen ist das nicht. Völlig ausgeschlossen ist aber auch nicht eine Ressourcenkatastrophe in der der Welt plötzlich eine essentielle Ressource fehlt, was dann zu weltweitem Niedergang führt. Wir leben tatsächlich in einem sehr delikaten Gleichgewicht und vielleicht ist es eben gar kein Gleichgewicht, sondern ein chaotischer Prozess, von dem wir nicht wissen, wohin er uns führt.

  19. Der Zusammenhang zwischen Population, Ressourcen, Wohlstand und Resourcen-Effizienz
    Zwei wichtige Ressourcen für das Leben sind Fläche zum Leben und Geld zum Ausgeben und nichts ist im menschlichen Leben ungleicher verteilt und hat zugleich einen solch grossen Einfluss auf den Lebensstil: Ein US-Bürger (grosses Auto, grosser Bauch, grosses Haus) verfügt im (Landes-)durchschnitt über 3 grosse Fussballfelder an Fläche, ein Bangladeshi aber nur über einen Neuntel eines grossen Fussballfeldes. Er hat somit fast 30 Mal weniger Fläche zur Verfügung wie ein US-Bürger und auch beim Einkommen sind die Unterschiede ähnlich deutlich: Ein US-Bürger hat eine 12 Mal grössere Kaufkraft als ein Bangladeshi. Wer mehr zur Verfügung hat, gibt auch mehr aus (und zwar nicht nur finanziell sondern auch energiemässig, flächenmässig etc.), was an folgenden Zahlenverhältnissen sichtbar wird: Pro US-Bürger werden 0.5 Hektaren landwirtschaftliche Fläche verbraucht, pro Bangladesher aber nur 0.05 Hektaren. Jeder US-Bürger verbraucht pro Tag 216 Kilowattstunden Energie pro Tag, ein Bangladeshi aber nur 7 Kilowattstunden, also 30 Mal weniger. Die Bangladesher sind durch die hohe Bevölkerungsdichte zudem gar nicht in der Lage den US-Lebensstil anzunehmen. Würden Bangladesher gleich viel Landwirtschaftsfläche wie US-Bürger beanspruchen, dann bräuchte Bangladesh 5 Mal seine eigene Landesfläche. Würde Bangladesher gleich viel Energie verbrauchen wie US-Bürger und man alle Energie per Solarpanel (Photovoltaik) erzeugen würde, dann bräuchte das allein schon ein Viertel der Landesfläche von Bangladesh.
    Doch auch die Effizienz spielt eine Rolle und die hat über die Zeit zugenommen. Die Bangladesher hatten 1960 noch 0.17 Hektaren Landwirtschaftsfläche pro Person zur Verfügung während es heute nur noch 0.05 Hektaren sind. Dennoch sind die Bangladesher – dank der grünen Revolution – heute weniger unterernährt als 1960 (heute nur noch 116 Kilokalorien Mangelernährung pro Tag gegenüber 274 Kilokalorien 1960).
    Es gibt heute 163 Millionen Bangaldeshi gegenüber nur 48 Millionen 1960 und dennoch geht es den fast 4 Mal mehr Menschen auf der immer noch gleichen Fläche heute besser als 1960. Doch es gibt wohl auch Grenzen der Effizienzsteigerung. Bangladesh hat heute eine Bevölkerungsdichte von 1100 Menschen pro Quadratkilometer. Das ist gerade ungefähr ein Drittel der Bevölkerungsdichte wie sie in einer typischen deutschen Stadt herrscht. Dabei ist Bangladesh bis heute ländlich geprägt. Wenn der Wohlstand in Bangladesh stark zunimmt, der Flächenbedarf pro Bewohner damit automatisch zunimmt und mehr Strassen, Fabriken, etc. gebaut werden so befinden sich die Bewohner plötzlich in einer grossen Stadt mit dem Namen Bangladesh – ausser die Bangladeshi erfinden die hochverdichtete, vertikale Stadt in der alle übereinander wohnen anstatt nebeneinander.

  20. Eine moderne, wissenschaftlich fundierte Art der „Malthusianische Argumentation“ (ohne dabei auf Malthus einzugehen oder den Namen auch nur zu verwenden) liefert der Archäologe und Historiker Ian Morris. In seinem Buch „Wer regiert die Welt“ (Frankfurt/M. 2011) untersuchte er die Entwicklung der menschlichen Gesellschaften seit der letzten Eiszeit mit dem ursprünglichen Ziel, die östliche (China) und westliche Entwicklung über diesen Zeitraum miteinander zu vergleichen.

    Herausgekommen ist aber eine ganz andere Erkenntnis. Aus einem Diagramm, in dem die menschliche Entwicklung auf der Zeitachse abgetragen wurde, ergibt sich, dass verglichen mit den vorangegangenen ca. 16.000 Jahren die Entwicklung in den letzten ca. 200 Jahren exponentiell ansteigt, und zwar im Osten wie im Westen. Der Unterschied zwischen Ost und West ist in diesem Maßstab gar nicht mehr erkennbar und auch nicht mehr relevant.

    Grundsätzlich wiederholt sich heute ein Muster der Entwicklung, über das Morris sagt:

    „Gesellschaftliche Entwicklung bringt genau jene Kräfte hervor, die ihr weiteres Wachstum behindern. Ich bezeichne dieses Phänomen als Entwicklungsparadox. Erfolg erzeugt Probleme; deren Lösung bringt neue Probleme hervor.“

    Über diese Probleme der menschlichen Entwicklung sagt Morris weiter:

    „Aber an manchen Punkten bildet das Entwicklungsparadox, wie wir noch sehen werden, eine massive Decke, die nur mit wirklich grundlegenden Veränderungen zu durchbrechen ist. An diesen Decken hängt die gesellschaftliche Entwicklung fest, und es beginnt ein verzweifeltes Losstrampeln. Ein Beispiel nach dem anderen wird zeigen, dass Gesellschaften, die es nicht schaffen, die Probleme, die sich ihnen in den Weg stellen, zu lösen, von einem ganzen Paket von Plagen – von Hungersnöten, Epidemien, unkontrollierten Wanderbewegungen und politischer Instabilität – befallen werden, in deren Folge der Stillstand in eine Abwärtsbewegung übergeht. Und wenn zu Hungersnöten, Epidemien, Migration und instabilen Verhältnissen noch eine weitere zerstörerische Kraft wie der Klimawandel (zusammen nenne ich sie die fünf Reiter der Apokalypse) hinzukommt, kann aus der Abwärtsbewegung ein katastrophaler, Jahrhunderte währender Zusammenbruch, ein Zeitalter der Dunkelheit, werden.“

    Neu an der heutigen Entwicklung ist, dass es eine globalisierte Entwicklung mit einer nie gekannten exponentiellen Wachstumsrate ist. Hierzu stellt Morris fest:

    „Neue Formen der Entwicklung und der Zerstörung drohen nicht nur die geographische, sondern auch die biologische und die soziologische Landschaft grundlegend zu verändern. Die große Frage unserer Zeit stellt sich nicht danach, ob der Westen seine Vormachtstellung auch weiterhin wird halten können, sondern danach, ob die Menschheit insgesamt den Durchbruch zu einer vollkommen anderen Seinsweise schafft, bevor uns die Katastrophe ereilt – und uns für immer erledigt.“

    Zu bemerken wäre hier noch, dass die nach wie vor exponentiellen Wachstumsraten bezüglich der Bevölkerung und der technischen Entwicklung in soziologischer und politischer Hinsicht nicht vorhanden sind. Ganz im Gegenteil findet hier mit den wiedererstarkten Nationalismen sogar ein Rückschritt statt.

  21. Zitat Bernd Ehlert; Aus einem Diagramm, in dem die menschliche Entwicklung auf der Zeitachse abgetragen wurde, ergibt sich, dass verglichen mit den vorangegangenen ca. 16.000 Jahren die Entwicklung in den letzten ca. 200 Jahren exponentiell ansteigt, und zwar im Osten wie im Westen. Der Unterschied zwischen Ost und West ist in diesem Maßstab gar nicht mehr erkennbar und auch nicht mehr relevant.
    Das stimmt, nur ist der Zeitmasstab ein falscher, weil irreführender. Die 16’000 Jahre Menschheitsgeschichte vor unserer Zeit sind irrelevant, denn die heutige Entwicklung ist überhaupt erst wegen einer massiven Ausdehnung der Ressourcenbasis möglich geworden und diese Ausdehnung der Ressourcenbasis hat vor 400 Jahren begonnen und erst vor 200 Jahren richtig an Kraft gewonnen (Zitat Wikipedia: Die Größe der Weltbevölkerung vor 2000 Jahren wird auf 170 bis 400 Millionen geschätzt… Vor 1000 Jahren lebten 250 bis 350 Mio.) Vorher, vor der industriellen Revolution und dem Beginn der industrialisierten Landwirtschaft mit Einsatz von Dünger und Maschinen, konnten der Menschen Arbeit nur wenige ernähren. Jede Familie hatte zwar mehr Kinder als heute üblich, die meisten starben aber vor Erreichen des Erwachsenenalters und viele weitere erlebten Krieg, Hunger, Krankheit und Elend während ihrem weiteren Leben ( Thomas Hobbes glaubte das menschliche Leben sei einsam, armselig, gemein, viehisch und kurz.). Das hat sich völlig geändert.

    Bevölkerungsexplosion zuerst in Europa, dann Asien und jetzt Afrika
    Wie steht es nun mit der Entwicklung von Europa, Asien und Afrika, wenn man nur den Zeitraum von 1750 bis 2000 betrachtet? Gemäss Bundeszentrale für politische Bildung gilt (Zitat): Die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate der Bevölkerung Europas stieg vom Zeitraum 1750-1800 bis zum Zeitraum 1850-1900 kontinuierlich von 0,44 auf 0,79 Prozent. Die Wachstumsrate der Weltbevölkerung erhöhte sich im gleichen Zeitraum ebenfalls, jedoch wesentlich schwächer, von 0,43 auf 0,54 Prozent.Ganz Europa hatte 1820 224 Millionen Einwohner, 1913 aber 500 Millionen. In Grossbritannien wuchs die Bevölkerung von 11 Millionen 1812 auf 38 Mio 1900 und erreichte 50 Millionen 1950. Seit 1950 aber nimmt Europas Bevölkerung nur noch langsam zu.
    In Asien (China, Indien, Südostasien) setzte die genau gleiche Bevölkerungsexplosion etwa 50 Jahre später ein. Um 1830 gab es 400 Millionen Chinesen und um 1900 immer noch 400 Millionen Chinesen.1953 waren es dann 600 Millionen, 1970 800 Millionen und 1980 1 Milliarde. Auch Indien hatte 1950 erst 360 Millionen Einwohner, 1980 aber 680 Millionen.
    In Afrika begann die Bevölkerungsexplosion erst um 1950, also 100 Jahre nach Beginn/Vollblüte der europäischen Bevölkerungsexplosion. 1950 gab es 200 Millionen Afrikaner, 1980 477 Millionen, im Jahr 2000 814 Millionen und jetzt sind es 1.2 Milliarden.

    Haben wir ein exponentielles Wachstum oder ein Sigmoidales?
    Sie Herr Ehlert erwecken in ihrem Kommentar den Eindruck es gäbe ein unbegrenztes exponentielles Wachstum. Doch wenn Asien und Afrika dieselben Entwicklungsphasen durchlaufen wie Europa, dann ist eher mit einem S-förmigen Wachstum, einem sogenannt sigmoidalen Wachstum zu rechnen. Mit anderen Worten: Irgendwann hört die Bevölkerung auf zu wachsen und beginnt gar zu schrumpfen – wie das in Japan mit einer aktuellen Jahresschrumpfung von 1% schon beginnt. Wie aber wird es sich mit dem Wirtschaftswachstum verhalten? Auch dieses ist in den meisten europäischen Ländern nicht mehr exponenentiell, sondern nur noch linear. Irgendwann wird das Wirtschaftswachstum weltweit sogar zum Stillstand kommen, der Wohlstand jedes einzelnen aber weiterhin zunehmen, weil die Weltbevölkerung irgendwann zu schrumpfen beginnt und die Wirtschaftsleistung auf weniger Köpfe verteilt wird.

  22. Ich fürchte, das Problem ist der Mangel an vernünftigen, natürlichen aber möglichst nicht „kriegerischen“ Regelungsmechanismen zwischen Ressourcenmanagement – Sinngebungsmechanismen – Geburtenraten.

    Man kann die künftige Bevölkerungsentwicklung auf der Welt nicht zuverlässig abschätzen, weil es zu nahezu unberechenbaren „Kippeffekten“ kommen kann. Wegen der „künstlichen Manipulationsmöglichkeiten“, einerseits des Ressourcenmanagements, andererseits der nicht stabilen ideologischen Basis (Kriegsgefahr), die wesentlich für die Verhaltenssteuerung der Menschen ist.

    Erfindungen konnten z.B. die Ressourcenverfügbarkeit fast beliebig erhöhen (Kunstdünger, Verkehrsmittel…).

    Andererseits hat der ideologische Einfluss z.B. des Islam und die veränderten Lebensumstände bei den Palästinensern, die auch wegen der Staatsgründung Israels ihrer eher „nomadischen Lebensweise“ nicht mehr nachgehen konnten, zu einer extremen Geburtenexplosion und den bestehenden Konflikten geführt. Diese sehr harte „nomadische Lebensweise“ der Palästinenser in den heißen Wüstengebieten hat offenbar früher die Geburtenexplosion verhindert.
    Jetzt sitzen sie in einfachen Unterkünften, haben genug Nahrung und ärztliche Versorgung aber keinen Kampf ums tägliche Überleben in der Wüste mehr, damit keinen wirklichen Lebenssinn außer das Märtyrertum und den Kampf gegen Israel. Sie tun sich schwer ihre Traditionen aufgeben zu können und einen neuen Lebenssinn zu finden. Man sollte Ihnen ihr Problem sachlich nüchtern „bewusst“ machen und bei der Lösung ihrer Probleme helfen (Arbeitsplätze).

    Israel hat aber auch nichts anderes getan, als dort wo die Juden herkamen, durch staatliche Strukturen Grund und Boden besser zu nutzen („Grenzzäune“) als dies bei der nomadische Lebensweise möglich war, die es früher weltweit überall gab. Dies soll bereits „König David“ ehemals versucht haben. (Nomadisch bedeutet bekanntlich auch, davon zu leben was jeweils „vorhanden“ ist, und danach weiter zu ziehen, ohne den Aufwand für „geschützte Investitionen“ treiben zu wollen oder zu können.)

    In Amerika mussten sich die Indianer, die einen horrenden “Verbrauch” an Grund und Boden hatten, einschränken.

    Bei uns waren es praktisch die herumziehenden wandernden Völker wie z.B. die Sinti und Roma denen man ihre Ansprüche „abgeknöpft“ hatte.

    „Grenzzäune“ (wie auch bei uns) und eigens gegründete moderne Staaten, sind grundsätzlich das Symbol für die Abkehr von der nomadischen Lebensweise, die zu viel an Grund und Boden zur Ressourcengewinnung braucht. Wegen der besonders „hartnäckigen Palästinenser“ sind die „Zäune“ dort besonders hoch und stabil.

    Es ist die Frage ob sich vernünftige Regelungsmechanismen zwischen Ressourcenmanagement – Sinngebungsmechanismen – Geburtenraten entwickeln können.

  23. Fast allen Menschen geht es heute besser als ihren Vorfahren. Geht es aber auch der Menschheit besser? Bedeuten weniger Hunger und Krankheit, ein längeres Leben und die relative Sicherheit jeden Tag Trinken und Essen zu können, dass es nicht nur den meisten Menschen, sondern auch dem Menschengeschlecht als Ganzes besser geht?
    Nicht unbedingt und das gleich aus mehreren Gründen:
    1) ein leichteres Leben und Fortpflanzen und der Wegfall aller Härten bedeutet auch dass alle überleben unabhängig davon wie gut sie sich in der Umwelt behaupten (Wegfall des Selektionsdrucks => genetische “Degeneration”)
    2) Die moderne Technologie hat überhaupt erst die Bevölkerungsexplosion möglich gemacht, welche unsere Zahl von vorindustriell 600 Millionen auf jetzt mehr als 6 Milliarden aufgebläht hat. Die moderne Technologie geht zudem mit einem massiv erhöhten Ressourcenverbrauch und einer massiven Umweltverschmutzung einher. Die Gefahr eines globalen Kollaps rein aus Ressourcengründen ist heute ungemein grösser als vor 200 oder 1000 Jahren obwohl es vor 200 oder 1000 Jahren häufig lokale Einbrüche aus Ressourcengründen gab. Doch erst die Moderne hat überhaupt so etwas wie eine globale Welt geschaffen in der erstmals auch menschengemachte globale Risiken auftauchen.
    3) Die technologisch geadelte Menschheit besteht immer noch aus den gleichen Steinzeitmenschen wie vor 10’000 Jahren (vergleichbar mit dem Äffchen in der guten Stube) und diese Menschen verhalten sich nicht unbedingt richtig und adäquat in der neuen Situation in der sie sich erst seit kurzem befinden. (Fast) Alles was möglich ist, passiert unter uns Menschen auch und vieles was wir tun, hat irreversible Folgen. Dazu gehört die Auslöschung von Arten, die Vernichtung von ganzen Ökosphären, etc. Es mag sein, dass der Mensch auch ohne diese vernichteten Arten und Biosphären auskommt, doch es scheint nicht unbedingt klug das eigene Erbe von einer Generation auf die andere zu vernichten, zumal unsere Nachfahren ganz anders darüber denken könnten als wir es heute tun.

    Zugleich denke ich, dass es für die Menschheit keine rein technologische Lösung all seiner Probleme geben kann. Biologisch sollten wir uns nicht (radikal) verändern, denn unsere Ideen vom besseren Menschen im genetisch verbesserten Mensch 2.0 umzusetzen bedeutet auch, uns selbst auszulöschen. Nicht nur die Gegenwart auch die Zukunft wird wohl von Menschen wie wir es schon sind belebt sein und das heisst auch, dass wir uns nie der Illusion hingeben können und dürfen, wir seien nun für immer in einer sicheren, von guten und schönen Geschöpfen (wie wir es selbst sind) belebten Welt , angekommen. Nein. In Wirklichkeit müssen wir (jederzeit?) auch mit dem Schlimmsten rechnen. Elon Musks Empfehlung, einige von uns sollten möglichst bald den Planeten Erde verlassen und anderswo siedeln könnte sich als guter Rat entpuppen – allerdings zeigt sich das vielleicht erst dann, wenn es schon zu spät ist.

    • 1) Die Theorie der genetischen Degeneration steht auf sehr wackligen Füßen und ist mehr eine logische Schlussfolgerung als eine wissenschaftliche Theorie. Denn das “negative Mutationen” nicht mehr durch Selektion ausgemerzt werden, bedeutet ja einfach nur das sie evolutionär nicht mehr “negativ” sind.
      Das lässt jedoch nicht pauschal den Schluss zu, das diese sich nun im menschlichen Erbgut anhäufen werden. Dazu müssten diese “negativen Mutationen” evolutionär dominanter sein als “positive Mutationen” und dominater als das bestehende Erbgut sein. Das ist nicht nur äußerst unwahrscheinlich sondern die menschliche Erbgutbasis ist dafür einfach viel zu groß.
      Dazu bietet das Ausschalten der evolutionären Selektion auch Chancen. Einen Stephen Hawking hätte es im Mittelalter dank Selektion nie geben können.

      2) Globale Risiken bieten auch globale Chancen. Wenn viel mehr Menschen, aus viel mehr Blickwinkeln an einem Problem arbeiten, dann sind neue Lösungen entsprechend wahrscheinlicher.

      3) ” Dazu gehört die Auslöschung von Arten, die Vernichtung von ganzen Ökosphären, etc.”
      Das haben wir auch schon vor 10.000 Jahren mit Pfeil und Bogen hinbekommen. Googeln sie mal nach dem Schicksal der Riesenfauna in Amerika, Australien etc..

      Dazu bleibt die Frage ob es wirklich ein gravierender Nachteil für den Menschen ist, wenn die Biosphäre globalisiert wird. Klar jeder möchte den Panda retten, aber sprechen wir doch mal vom Malarieerreger oder dem Pestbakterium.

      “Biologisch sollten wir uns nicht (radikal) verändern, denn unsere Ideen vom besseren Menschen im genetisch verbesserten Mensch 2.0 umzusetzen bedeutet auch, uns selbst auszulöschen. ”
      Das an sich ist kein Argument. Eine Weiterentwicklung oder Veränderung ist keine Auslöschung. Sie müssten schon begründen warum Mensch 1.0 erhaltungswürdig ist.
      Das klingt mehr nach Nostalgie als nach Argumenten.

      “Nein. In Wirklichkeit müssen wir (jederzeit?) auch mit dem Schlimmsten rechnen.”
      Man sollte den worst case immer als Möglichkeit im Hinterkopf haben. Die Erfahrung und Statistik lehrt jedoch, das der worst case zusammen mit dem best case, die beiden unwahrscheinlichsten Resultate sind. Tatsächlich rechnen sollte man mit etwas dazwischen.
      Dadurch minimieren sie auch die Gefahr von selbsterfüllenden Prophezeihungen.

  24. Die Thesen Malthus` sind eine sich selbst erfüllende Prophezeihung.
    Wenn der gesellschaftliche mainstream an sie glaubt und entsprechend handelt, kommt es tatsächlich zu schweren Zusammenbrüchen. Immer wenn der Mensch auf seinen Arbeitswert reduziert wurde, wie der Sozialdarwinist Malthus es befürwortet, hat das zu Katastrophen geführt.
    Die menschenverachtende Form der Industrialisierung, der Arbeitskult von Kommunismus und NS-Staat, heute die erstaunlich ähnliche Haltung des Neoliberalismus.
    Und vielleicht ist die heutige Ökokrise nicht nur durch den Raubbau der Profiteure selbst verursacht, sondern auch durch das Siechtum der Kritik daran.
    Auch die Ökobewegung versinkt in reaktionärem Denken, in Regionalfetischismus, Veganerkult und Ökospießertum.
    In Renommiergehabe und ökonomischen Mythen wie der aberwitzigen Idee einer Maschinensteuer oder dem weit verbreiteten Unfug, daß ökologischere Kleidung und Lebensmittel zu einer Explosion der Preise führen würden.

    Die Wachstumskritik merkt nicht, wie der Artikel hervorragend herausstellt, daß sie eigentlich selber im alten, rein quantitativen Denken verharrt und nur weniger davon will- anstatt endlich die Frage der qualitativen Umgestaltung des Wachstumsbegriffs anzugehen.

  25. Robert Malthus hat mit seiner These, das Wirtschaftswachstum könne niemals mit dem Bevölkerungswachstum mithalten im Prinzip eine uralte Angst in eine neue Angst transformiert. Die uralte, heute immer noch wirskame Angst, ist die, die Bevölkerung eines Gegners/Feindes (anderes Land, andere ethnische Gruppe, andere Rasse) werde so zahlreich, dass die eigene Gruppe dadurch bedroht sei und umgekehrt gibt es den heute immer noch verbreiteten Glauben, wenn das eigene Volk nur genügend zahlreich werde, könne es letztlich die Oberhand gewinnen und Feinde quasi verdrängen wie das ein invasives Gewächs tut. Im Konfklikt Israel-Palästina/Araber lässt sich das gut beobachten. Sowohl unter den Israeli als auch die Palästinenser gibt es beispeisweise die Meinung die eigene Gruppe müsse aus diesem Grund möglichst viele Nachkommen auf die Welt stellen und Benjamin Netanyahu forderte beispielsweise die französischen Juden dazu auf nach Israel auszusiedeln – unter anderem eben auch, weil ein Zuwachs beim eigenen Volk dieses stärker werden lässt – so mindestens ist die Annahme. Auch die in Europa und den USA existierende Angst vor den Einwanderern hat eine solche Komponente. Man befürchtet überrannt und verdrängt zu werden. Auch die Aufforderung Erdogans an seine Landsleute mindestens 3 Kinder in die Welt zu stellen und die analoge Aufforderung des iranischen Ayatollah Ali Khamenei gründen im Glauben eine grössere Bevölkerung bedeute mehr Macht.
    Robert Malthus nun hat neu gesagt, nicht nur die Bevölkerungsstärke der Anderen ist eine Gefahr, sondern die eigene wachsende Bevölkerung frisst jeden Fortschritt wieder weg und lässt uns in erneutem Elend versinken. Und tatsächlich besteht diese Gefahr und so etwas passierte auch immer wieder. Eine Abhilfe für dieses Problem war früher die Emigration, Aussiedelung und die Kolonisation anderer Regionen. Im alten Griechenland beispielsweise war das griechische Festland und waren die ägäischen Inseln schon bald überbevölkert: Sie hatten mehr Menschen als sie ernähren konnten. Dies bildete die Grundlage für die griechische Kolonisation, welche zur Neugründung griechischer Städte in Kleinasien und am schwarzen Meer führten. Berichte von damals zeigen, dass die Auswanderer keinesfalls rein freiwillig gingen, sondern dass die Auswanderung eine Flucht aus der heimischen Not war.
    In der Moderne und dem Gefolge von Robert Malthus haben auch Staaten wie China, den genau gleichen Schluss gezogen wie Robert Malthus: Die Fortschritte in China werden durch das eigene Bevölerungswachstum wieder aufgefressen. Deshalb die 1-Kind-Politik und ich behaupte, dass die 1-Kind-Politik Chinas Wirtschaftswachstum sicher nicht geschadet hat und sich China damit auch eine noch grössere Verschmutzung seiner Umwelt erspart hat.
    Heute gilt die alte Regel, mehr Chinesen gleich mehr Macht eben nicht mehr oder mindestens nicht mehr im gleichen Ausmasse. Ein kleines Land wie Israel kann seinen Millionen Feinden in der Nachbarschaft standhalten, weil es hochtechnisiert ist und ein Land wie China hat überhaupt nichts zu befürchten, wenn schon bald Indien eine grössere Bevölkerung hat als China. Die neue Grösse Wirtschafts- und technologische Macht ist wichtiger geworden als die alte Grösse Macht der Leiber

    • Ergänzung (Zitat Next Big Future, übersetzt von DeepL): Peking führte die Ein-Kind-Politik in den späten 1970er Jahren ein unter Berufung auf die Populationstheorie von Thomas Robert Malthus.

      Thomas Robert Malthus wird also als wesentlicher Grund für die Einführung der 1-Kind-Politik Chinas angegeben. Überhaupt ist der Einfluss von Malthus Denken auf seine Zeitgenossen und Nachfahren gewaltig. Sogar Darwin’s Evolutionstheorie mit der Selektion als Ursache der Anpassung des Lebens an die Umwelt geht auf Darwins Lektüre von Robert Malthus zurück. Darwin schloss aus Malthus Ausführungen, das Sterben infolge von Ressourcenmangel quasi das Normale sein und das dies sicher nicht nur für Menschen gelte sondern für alle Lebewesen. Deshalb war die Selektion zum Leben oder zum Tode ein sehr effektives Mittel um die angepassten Lebewesen überleben zu lassen und die nicht angepassten zu eliminieren.

      Aber auch alle modernen Ökonomen kennen ihren Malthus und man findet Auseinandersetzungen mit Malthus bei Karl Marx, John Maynard Keynes und Paul Krugman (Malthus was right!).

      • “Sogar Darwin’s Evolutionstheorie mit der Selektion als Ursache der Anpassung des Lebens an die Umwelt geht auf Darwins Lektüre von Robert Malthus zurück.”

        Das ist aber sehr weit hergeholt. Für was brauchte Darwin dann seine Weltumseglung und die umfangreichen Naturbeobachtungen wenn er doch Malthus hatte?

        Dazu erklärt Malthus nicht die Evolution. Ein Ressourcenmangel führt ja nicht zwingend zu einer genetischen Anpassung. Eine Anpassung der Population langt vollkommen. Gleichzeitig ist Evolution nicht an Ressourcenmangel gebunden.

        • @tobmat: Nein, das ist nicht (Zitat) weit hergeholt. Ja, Darwin hatte Beobachtungsdaten von seiner Weltreise, die alle zu einer evolutionären Entwicklung des Leben passten, aber nein, Daten allein genügen nicht um eine überzeugende Theorie aufzustellen und zur Zeit Darwins gab es konkurrierende Formen der Evolutionstheorie und es ist keinesfalls zwingend in einer Evolutionstheorie der natürlichen Selektion eine so grosse Rolle zuzugestehen wie es Darwin gemacht hat. Darwin kam auf die natürliche Selektion durch sein Studium von Thomas Robert Malthus. Dazu liest man unter How did Thomas Malthus influence Charles Darwin?
          Dort liest man (übersetzt von DeepL): Darwin meinte, dass einige der Konkurrenten in Malthus’ ständigem Kampf besser gerüstet wären, um zu überleben. Diejenigen, die weniger fähig waren, würden aussterben und nur diejenigen mit den begehrenswertesten Eigenschaften zurücklassen. Durch seine Forschungen kam Darwin zu dem Schluss, dass dieser fortwährende Kampf zwischen denjenigen, die mehr und weniger überlebensfähig sind, eine nie endende Entwicklung von Veränderungen im Organismus bewirken würde. In seiner einfachsten Form ist dies Evolution durch natürliche Auslese.

          Darwin hatte viele andere Quellen, aus denen er seine Theorie entwickelte. Doch wenn die Evolution die Maschine war und die natürliche Auslese der Motor, dann war Malthus’ ewiger Kampf um die Ressourcen der Treibstoff. Bevor er über “Population” nachdachte, glaubte Darwin, dass die Populationen wuchsen, bis sie mit den vorhandenen Ressourcen übereinstimmten und sich dann stabilisierten. Thomas Malthus’ Arbeit half Darwin, die natürliche Selektion zu verfeinern, indem er einen Grund für einen sinnvollen Wettbewerb zwischen Mitgliedern derselben Spezies nannte.

          • Was aber sagt Darwin in seiner Autobiographie selbst über den Einfluss von Robert Malthus Populationstheorie auf sein Werk. Das folgende (aus Thomas Malthus, übersetzt von DeepL): Im Oktober 1838, also fünfzehn Monate, nachdem ich meine systematische Untersuchung begonnen hatte, las ich zum Vergnügen Malthus “über die Bevölkerung”, und da ich gut vorbereitet war, den Kampf um die Existenz zu würdigen, der überall von der langen Beobachtung der Gewohnheiten von Tieren und Pflanzen ausgeht, fiel mir sofort auf, dass unter diesen Umständen günstige Variationen eher erhalten und ungünstige zerstört werden würden. Das Ergebnis wäre die Bildung einer neuen Art. Hier, dann hatte ich endlich eine Theorie, mit der ich arbeiten konnte”.
            Charles Darwin, aus seiner Autobiographie. (1876)

    • Also hat Darwin sich etwas aus Malthus Ausführungen genommen für seine eigene Theorie. Dadurch bildet Malthus allerdings nicht die Grundlage für Darwins Theorie, sondern stellt nur ein zusätzliches Puzzelteil dar. Ein durchaus wichtiges. Ein Kristalisationspunkt wie wiki so schön sagt.

      Ihre Quellen scheinen Malthus sehr sehr wohlgesonnen zu sein. Blöd nur das Darwin Malthus Fazit am Ende widerlegt. Die Malthusianische Falle lässt sich durch evolutionäre Anpassung überwinden

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