Osterwaffeln – Von neuen und alten Traditionen

BLOG: Astronomers do it at Night

…und auch tagsüber
Astronomers do it at Night

Seit dem letzten Wochenende ist es offensichtlich: Der Frühling ist da. Die dicken Winterjacken und Pullover sind eindeutig zu warm geworden, und wenn die Sonne scheint – was in den letzten Tagen häufiger mal der Fall war – kann man sich bequem im T-Shirt draußen zusammensetzen. Wohl da dem demjenigen Astrophysiker, dessen Institut sich nicht in einem mehrstöckigen grauen Hochhausbau inmitten einer tristen Siedlung befindet, sondern in einem der altehrwürdigen Observatorien untergebracht ist, wie sie um 1900 auf Hügeln und Bergen unweit der großen Städte gebaut wurden. Solche Sternwarten bestehen meist aus einem weitläufigen Parkgelände, in dem mehrere Kuppelgebäude verteilt sind. In neuerer Zeit sind dann oft noch zusätzliche Bürogebäude errichtet worden.


An der Hamburger Sternwarte befinden wir uns am Ostrand des Hamburger Stadtgebiets, auf dem Bergedorfer Gojenberg, dort "wo in Hamburg die Sonne aufgeht". Das 60000 Quadratmeter große Gelände der 1912 offiziell eröffneten Sternwarte mit Blick über das Elbtal aus 40m Höhe (für Hamburger Verhältnisse ist das viel) ist noch immer als Park angelegt, obwohl die Bergedorfer Wohngebiete inzwischen direkt bis an die Grundstücksgrenze der Sternwarte herangewachsen sind. Trotzdem ist die Sternwarte eine Oase der Ruhe mit unzähligen Vögeln, Eichhörnchen, Hasen und auch dem einen oder anderen Reh, das man manchmal zwischen den sechs großen Kuppelgebäuden laufen sieht. Jetzt, wo der Frühling Einzug gehalten hat und die 100 Jahre alten Bäume angefangen haben grün zu werden, verlassen auch die Wissenschaftler gerne ihre Bürogebäude – schöne geräumige Altbauten mit meterhohen Decken, ehemalige Wohnhäuser für die höheren Dienstgrade der Sternwarte aus alter Zeit – um ihre Mittagspause im Park in der Sonne zu verbringen.

Am gestrigen Donnerstag fand unser alljährliches Osterwaffelessen statt. Während unsere Institutsweihnachtsfeier eine lange Tradition hat, gibt es das Waffelessen am Gründonnerstag erst seit einigen Jahren. Aber auch hier finden sich Studenten, Wissenschaftler, TVP (Technisches und Verwaltungspersonal) und ehemalige Mitarbeiter zusammen. Umso schöner, wenn man seine Osterwaffel bei diesem herrlichen Wetter auf der Terrasse des Hauptgebäudes genießen kann.

In diesem Sinne wünsche ich allen Kosmologs-Lesern Schöne Ostertage.

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Astronomin in vielerlei Hinsicht, so könnte man mich mit wenigen Worten beschreiben. Da ist zunächst einmal die Astrophysikerin, die an der Hamburger Sternwarte über die Aktivität von Sternen promoviert und dabei hauptsächlich mit den Röntgensatelliten Chandra und XMM-Newton gearbeitet hat, aber auch schon am Very Large Telescope in Chile beobachten durfte. Auslöser ihres beruflichen Werdegangs war ein engagierter Lehrer, dessen Astronomie-AG sie ab der 7. Klasse besuchte. Ungefähr zur selben Zeit erwachte auch die Hobbyastronomin, die anläßlich des Einschlags des Kometen Shoemaker-Levi 9 auf den Jupiter begann, mit einem russischen Feldstecher vom Flohmarkt den Tanz der Jupitermonde zu verfolgen. Heutzutage freut sie sich über jede Gelegenheit, mit ihrem 16-zölligen Dobson tief im Odenwald fernab der Lichter der Rheinebene auf die Jagd nach Deep-Sky-Objekten zu gehen. Und da Amateurastronomen gesellige Wesen sind, treffe ich mich gerne mit Gleichgesinnten, zum Beispiel zum gemeinsamen Beobachten. Auch nach meinem Umzug von der Großstadt Hamburg in das schöne Universitätsstädtchen Heidelberg halte ich engen Kontakt zu meinen Vereinskameraden von der Hamburger Gesellschaft für volkstümliche Astronomie und dem Astronomieverein meiner Jugend, dem Arbeitskreis Sternfreunde Lübeck. Seit einigen Jahren bin ich außerdem in dem Internetforum Astrotreff aktiv, wo ich Teil des Moderatorenteams bin. Um meine Faszination an der Astronomie an andere weitergeben zu können, besonders an Kinder und Jugendliche, habe ich mich seit Jahren in der Öffentlichkeitsarbeit engagiert, habe populärwissenschaftliche Vorträge gehalten und Schülergruppen betreut, die in Hamburg das Institut besucht haben. Diese Leidenschaft habe ich nun zu meinem Beruf gemacht. Hier in Heidelberg arbeite ich in einem kleinen aber feinen Team am Haus der Astronomie. Hiermit lade ich Sie ein, lieber Leser, an all diesen Facetten meines Astronomendaseins teilzuhaben. Mal witzig, mal spannend oder nachdenklich, manchmal auch persönlich oder mit Aha-Effekt. Carolin Liefke

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