Berechnete Welt auf dem #33c3 (Vortrag)

Bild: FuturICT

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Vorhersagen hatten lange einen zweifelhaften Ruf: von den antiken Orakeln mit ihrer eigenen Agenda bis zu den Meinungsumfragen der Gegenwart. Die Gesellschaft galt seriösen Forschern seit jeher als zu komplex, um die Zukunft seriös vorausberechnen zu können. Aber das ändert sich heute: Selbstlernende Algorithmen finden in den exponentiell wachsenden Datenbergen immer mehr über uns alle heraus. Kollektives Verhalten vieler Menschen wird, im kleinen zeitlichen Rahmen, vorhersehbar. Die Facebook- und Twitterdaten vom arabischen Frühling waren ein ausgezeichneter Lerndatensatz.

Darüber habe ich kürzlich eine Sendung für den Deutschlandfunk gemacht. Der heutige Vortrag bei der Konferenz 33C3 geht etwas mehr in die Tiefe. Der Vortrag beginnt mit den Zutaten, die für einen echten Weltsimulator nötig sind. Und er endet mit der Frage, was demokratische und weniger demokratische Machthaber damit anfangen könnten. Wenn sie derartige Instrumente nicht längst nutzen.

Vortrag

https://www.youtube.com/watch?v=-MV6B_QPo1w

Folien

Quellen

Veröffentlicht von

www.pikarl.de

Karl Urban wäre gern zu den Sternen geflogen. Stattdessen gründete er 2001 das Weltraumportal Raumfahrer.net und fühlt sich im Netz seitdem sehr wohl. Er studierte Geowissenschaften und schreibt für Online-, Hörfunk- und Print-Publikationen. Nebenbei podcastet und bloggt er.

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  1. Gott sei Dank haben wir für sowas die Bibel.
    Ist ziemlich zuverlässig.

    ZB nur in Daniel 9 wird zB vorhergesagt das 30/31 n. Chr. in Jerusalem ein “Gesalbter”/”Maschiach”/”Christus” hingerichtet werden wird ohne Hilfe zu finden.
    https://www.bibleserver.com/text/ELB/Daniel9,24-27

    Und dass danach die Stadt samt Tempel (wieder) zerstört werden wird (geschehen 70 n. Chr. durch Titus/Vespasian).
    Mit historisch nachvollziehbaren weiteren Details (zu allem bei Bedarf mehr, die üblichen Kommentare sind dazu leider weniger hilfreich… 🙁 ).

    Aber was nicht sein darf…?

  2. Der Brexit und Trumps Wahl zeigen gerade, wie schlecht politische Entscheidungen heute selbst von Datenprofis wie Nate Silver vorausgesagt werden können. Dies steht in völligem Gegensatz zur behaupteten Höhe und Detailliertheit der Persönlichkeitsanalyse heute, die sich so liest:

    2012 erbringt Kosinski den Nachweis, dass man aus durchschnittlich 68 Facebook-Likes eines Users vorhersagen kann, welche Hautfarbe er hat (95-prozentige Treffsicherheit), ob er homosexuell ist (88-prozentige Wahrscheinlichkeit), ob Demokrat oder Republikaner (85 Prozent). Aber es geht noch weiter: Intelligenz, Religionszugehörigkeit, Alkohol-, Zigaretten- und Drogenkonsum lassen sich berechnen. Sogar, ob die Eltern einer Person bis zu deren 21. Lebensjahr zusammengeblieben sind oder nicht, lässt sich anhand der Daten ablesen.

    Wenn solche Analysen, eingesetzt von den Brexit- und Trump-Wahlkampfteams, den Brexit ermöglichen oder Trumps Wahl, dann sind diese Analysemethoden scheinbar schneller in den Wahlkampf vorgedrungen als in die Wahlanalyse. 90% aller Analysen zur US-Präsidentenwahl haben Hillary Clinton mit 80%-iger oder noch höherer Wahrscheinlichkeit siegen sehen, doch in Wirklichkeit hat Trump knapp gewonnen.

    Gut, vielleicht sind Brexit und Trumps Wahl zum US-Präsidenten noch Dinge aus der alten Welt, aus der Welt, die noch nicht berechenbar und vorhersehbar war. Und jetzt sind wir bereits in der neuen Welt, in der Welt, in der solche Dinge prognostizierbar werden. Wer weiss, Gelegenheit das zu überprüfen bietet sich schon bald, beispielsweise bei der Wahl des neuen französischen Präsidenten, der neuen französischen Prösidentin, im Jahr 2017.

    • @ Herr Holzherr :

      90% aller Analysen zur US-Präsidentenwahl haben Hillary Clinton mit 80%-iger oder noch höherer Wahrscheinlichkeit siegen sehen, doch in Wirklichkeit hat Trump knapp gewonnen.

      Vergleichsweise lustig, das mit den “90% mit mindestens 80%”, hier zeigt sich unter anderem:
      A) Diejenigen, die im Web (noch nicht – oder nie) messbar werden oder geworden sind, hier schlicht nicht mitmachen, oder wohlfeil anonymisiert, können nur irgendwie “gewichtet” werden, für die hier gemeinten Zwecke der Wahl-Prädiktion.
      B) Die Theoretisierenden und bedarfsweise auch zu wichten Habenden könnten selbst einem Bias unterliegen.
      Es könnte schon so sein, dass es einige in diesen, hmm, Apparat der Wahlforschung (oder anderweitiger Web-basierter Forschung wie hier gemeint) hineindrängt sozusagen, die nicht dem Querschnitt des Wahlvolks entsprechen-
      C) Wähler könnten ihren absehbaren Wahlentscheid schlicht geheim halten, im Web bspw. andersartig verlautbaren, als sie politisch eingestellt sind.
      Die sog. Politische Richtigkeit [1] lädt zu diesem Verhalten sozusagen auch ein.

      MFG
      Dr. Webbaer

      [1]
      Ein im Kern soziodynamisches Zensurverhalten, das an dieser Stelle nicht im Detail erklärt werden soll.

  3. Liest sich gut, auf den Vortrag wird gewartet.

    Am Rande notiert:
    1.) Donald J. Trump hat die US-Präsidentschaftswahlen gewonnen, weil er auf die sog. Sozialen Medien des Internets gesetzt hat (und sich mit den traditionellen, den Print-Medien verfeindet hat)?
    2.) Es gab einige Prognosen von Fachleuten des Webs und auf “Big Data sitzend”, die die Wahl Trumps vorhergesagt haben, soz. traditionelle Meinungsforschungsinstitute scheiterten (diesmal) oft.
    3.) Neben der Wahl Trumps war bereits die sog. Brexit-Entscheidung wie auch die Wiederwahl Camerons, der Guardian hatte hier sozusagen dreifach zu nagen, “überraschend”.
    Ähnlich gilt es für AfD-Wahlerfolge in Bundesländern der BRD.
    4.) Eine ‘eierlegende Wollmilchsau’ wird sich durch die Polit-Analyse von “Big Data” nicht ergeben.
    Weil die zugrunde liegenden Systeme, die soziodynamischen, die Gesellschaftssysteme hoch komplex sind.
    Die Stochastik funktioniert auch hier grundsätzlich, auch im Wirtschaftlichen, bleibt aber, unabhängig von vorliegenden Datenlagen mit angeschlossener Theoretisierung, ein “heißes Eisen”, also kritisch zu begleiten.
    5.) Es war womöglich Nate Silver, der als Erster insbes. Web-Daten [1] abgegriffen hat, um Wahlergebnisse vorherzusagen, durchaus erfolgreich, er war hier sozusagen traditionellen Meinungsforschungsinstituten voraus.
    hier hats mal nicht geklappt, haha.

    MFG
    Dr. Webbaer

    [1]
    Gerüchteweise hat Nate Silver auch Wettbüros des Internets abgefragt, die politische Wetten anbieten.
    Er räumt dies aber nicht direkt ein, hält sich hier bedeckt, Geschäftsgeheimnis sozusagen.
    Dr. Webbaer lässt sich aber gerne ergänzen bis berichtigen.

  4. Bis jetzt jedenfalls ist die Welt und sind insbesondere gerade die für die Politik, die Wirtschaft und Gesellschaft wichtigen Dinge, nicht berechenbar. Ausnahme: Der Klimawandel. Die Erwärmung des Planeten verläuft tatsächlich ziemlich genau wie gemäss CO2-Ausstoss und IPCC-Szenarien zu erwarten. Und wahrscheinlich ist es eben kein Zufall, dass der Klimawandel, nicht aber die Politik und Wirtschaft berechenbar sind, denn der Klimawandel wird von physikalischen Grössen gesteuert, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft aber werden von den bis jetzt in ihrem kollektiven Verhalten nicht berechenbaren Menschen vorangetrieben. Was im Bereich des Klimawandels bereits ein Exotikum ist, die sogenannten Kipppunkte nämlich, das ist im Bereich Politik und Wirtschaft nicht ein Exotikum, sondern quasi der Normalfall, etwas was immer wieder zu beobachten ist: Plötzlich kippt der Immobilienboom in die Immobilienkrise oder eine Welt in der Gendergerechtigkeit, Minderheitenschutz und Political Correctness von Jahr zu Jahr eine grössere Rolle spielen wird mit einer einzigen Wahl (wie der von Trump) zunichte gemacht und in ihr Gegenteil verkehrt. Bis jetzt haben sich solche Kipppunkte, solche Wenden (zu denen auch die Energiewende gehört) nicht vorausberechnen, ja für viele nicht einmal ahnen lassen. Das geht soweit, dass inzwischen kaum noch jemand ernsthaft Konjunkturprognosen anstellt, denn die Konjunktur macht kaum je das, was Experten voraussagen, sondern sie macht, was sie will. Auch der arabischen Frühling und seine unliebsamen Folgen kamen unerwartet. Ebenso wie die plötzliche Ölschwemme, nachdem doch noch vor wenigen Jahren angeblich der Peak Oil vor der Haustür stand.
    Soviel ich weiss, sind sich Leute wie Professor Dirk Helbling, der Mann hinter FuturICT und Vorsteher des ETH-Departements Computational Social Science dieses Dilemmas durchaus bewusst. Sie modellieren soziale Prozesse nach den gleichen Prinzipien wie sie Erdbeben oder die Verbreitung von Seuchen modellieren – und erreichen damit überraschende Ergebnisse. Typische Publikationen von Dirk Helbling sind etwa: Disease-induced resource constraints can trigger explosive epidemics wo man dann Sätze liest wie:

    Here we use a simple mathematical model to gain insight into the dynamics of an epidemic when the recovery of sick individuals depends on the availability of healing resources that are generated by the healthy population.

    Die Studien von Epidemien entspringen aber bei Dirk Helbling nicht etwa fachfremden Interessen, sondern er scheint überzeugt davon, dass eben Prozesse wie Epidemien, Erdbeben und das Aufkommen von Massenpanik bei Anlässen wie dem Hadsch oder bei Loveparades sehr viel Ähnlichkeit mit den Prozessen haben, die die Wirtschaft und Gesellschaft steuern. Das zeigt schon, wie ambitioniert es ist, die Welt vorausberechnen zu wollen. Es ist ambitioniert – aber nicht unmöglich. Wenn wir irgendwann die Entstehung von Epidemien verstehen oder den Ablauf von Katastrophen nachvollziehen können, dann können wir vielleicht auch den nächsten Börsencrash oder die Wahl von Trump voraussagen. Doch bis es soweit ist, dürft noch einige Zeit vergehen und viel Wasser den Rhein herunterfliessen

    • @ Herr Holzherr :

      Das zeigt schon, wie ambitioniert es ist, die Welt vorausberechnen zu wollen. Es ist ambitioniert – aber nicht unmöglich.

      Hier wird es womöglich arg philosophisch, Dr. W versucht beizuhelfen:
      Sie hatten es weiter oben schon sehr günstig mit dem ‘90% mit mindestens 80%’, wobei Sie mit den ‘90%’ die Menge der Erkennenden meinten und mit den ‘80%’ sogenannte Konfidenzintervalle, dieser Fachbegriff darf vielleicht an dieser Stelle einmal genannt werden, vgl. bspw. mit:
      -> https://www.skepticalscience.com/Uncertaint-no-excuse-for-procrastinating-on-climate-change.html (hier liegt, für einige: klar erkennbar, eine Überhöhung der sog. Klimasensitivität vor, was an dieser Stelle abär nicht stören soll – Opa Webbaer hat extra so webverwiesen (und es gibt das Anthropozän, der Schreiber dieser Zeilen will sich nicht naturwissenschaftlich isolieren))

      Die Stochastik (“Fachwort”) ist ein “heißes Eisen”.

      Im Wirtschaftlichen, wie im Politischen, auch bei den Naturwissenschaften mit ihren Erkenntnissen, Großsysteme meinend, die “Klimatologie mit dem CO2-zentrierten Erwärmungstrend” ist nichts anderes als das größte wissenschaftliche Vorhaben, das der hier gemeinte Primat je versucht hat.

      Sicherlich angemessen, sofern sog. Aktivisten, die nicht ergebnisoffen forschen, herausgehalten werden können, aber eben das Mittel des Fortkommens.

      Szientifizische Methode und so, ‘vorausberechnet’ werden kann hier nichts, es soll nicht szientistisch geworden werden, allerdings, allerdings ist es schon so dass i.p. Zukunft und dessen, was dort erwartet wird, der hier gemeinte Primat schon recht gut ist, weil die Vernunft sein Leben schützt sozusagen.

      Im Politischen wird es dagegen, trotz “Big Data” ziemlich weich, ‘hard and soft science’ meinend.

      MFG + guten Rutsch schon einmal!
      Dr. Webbaer (der sich nun auszuklinken hat)

      • Dr.Webbaer, meine Aussage:

        Das zeigt schon, wie ambitioniert es ist, die Welt vorausberechnen zu wollen. Es ist ambitioniert – aber nicht unmöglich.

        bezog sich nicht auf die Erdsystemerwärmung, sondern auf die Voraussage von politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen. Der Klimawandel wird nach meiner Auffassung sehr gut von den IPCC-Modellen vorausgesagt. Eine ähnliche Voraussagekraft bei politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen wäre geradezu sensationell. Und genau deshalb spreche ich davon, das Vorhaben so etwas vorauszuberechnen und vorauszusagen, sei sehr ambitioniert.
        Hier ein paar Beispiele von denkbaren Voraussagen:
        – Die Europäische Union wird in den nächsten 10 Jahren 1 oder mehr Mitglieder verlieren. Beurteilung: Heute kann so etwas niemand voraussagen. Man kann nicht einmal eine Wahrscheinlihckeit angeben.
        – Die Arbeitslosigkeit wird in der europäischen Union in den nächsten 10 Jahren insgesamt nicht sinken. Beurteilung: Dies scheint mir aufgrund des heutigen Wissens recht plausibel.

        • @ Herr Holzherr :

          Der Klimawandel wird nach meiner Auffassung sehr gut von den IPCC-Modellen vorausgesagt.

          Ist nicht ganz falsch diese Aussage, allerdings geht es hier um Ihr ‘sehr gut’.
          Wenn die Modellrechnungen (zudem: szenarienbasiert, es gibt einige davon, eben an Szenarien gebunden) Konfidenzintervalle als Projektionen auswerfen, in der Regel wird insbesondere auf das 95%-Konfidenzintervall geschaut, womöglich weil dies irgendwie mit der Statistischen Signifikanz korreliert, auch hier wird gerne mit den 95% gearbeitet, dann ergibt sich (im oben webverwiesenen und auf eine besonders hohe Klimasensitivität vertrauende Beispiel) schon ein ganz beachtlicher Spread von ca. 6,5 K bis 2100, die absehbare Erwärmung meinend.

          Und dieses Signifikanzniveau ist nicht das, mit dem in der Naturlehre üblicherweise gearbeitet wird, dort ist man eher auf der “Sigma”-Schiene unterwegs:
          -> https://en.wikipedia.org/wiki/Standard_deviation#Rules_for_normally_distributed_data

          In anderen Bereichen als der “CO2-zentrierten Klimatologie mit dem Erwärmungstrend”, also u.a. bei Ihren Beispielen, wird es dann richtig “tough” und spekulativ.

          MFG
          Dr. Webbaer

  5. @ Martin Holzherr

    Die Erwärmung des Planeten verläuft tatsächlich ziemlich genau wie gemäss CO2-Ausstoss und IPCC-Szenarien zu erwarten.

    Es gibt nicht “die” Klimaprognose oder “das” Klimaszenario, sondern sehr viele davon. Je mehr Prognosen man anstellt, desto wahrscheinlicher werden eine oder mehrere davon eintreffen. Von einer “ziemlich genauen” Vorhersage kann beim bestehenden Prognosespektrum wirklich nicht die Rede sein.

    • Korrekt, und insofern könnten hier auch Wirtschaftswissenschaftler (!) gefordert sein, wenn es sog. Konfidenzintervalle, insbesondere i.p. Maßnahme, zu bearbeiten gilt.

    • Doch: Atmosphärischer CO2-Anstieg und gemessene Erwärmung in den letzten 100 Jahren passen perfekt zusammen und liegen im Bereich, der durch die Unsicherheit bei der Klimasensitivität (zwischen 1.5 und 4.5 Celsius Temperaturanstieg wenn sich die Treibhausgase verdoppeln), abgesteckt wird.
      Ihre Aussage

      Je mehr Prognosen man anstellt, desto wahrscheinlicher werden eine oder mehrere davon eintreffen.

      ist irreführend, denn die verschiedenen Prognosen/Szenarien gehen alle vom gleichen Zusammenhang zwischen Treibhausgaskonzentrationen und Temperaturänderung/deponierter Wärme aus. Die Szenarien unterscheiden sich vor allem in den Annahmen darüber, wie viel Treibhausgase der Mensch in der Zukunft ausstossen wird.
      Im Synthesis Report AR5 geben die Figuren 1 bis 4 die beobachteten Änderungen von Treibhausgasen, Temperaturen, Meeresspiegelanstieg und die beobachteten anderen Umweltauswirkungen an, während erst Figur 5 unterschiedliche Szenarien visualisiert, wobei sich die Szenarien durch unterschiedlich starke zukünftige CO2-Emissionen unterscheiden. Klassische Prognosen gibt es in den IPCC-Berichten nicht, sondern lediglich unterschiedliche Szenarien, die aber auch zu unterschiedlichen Verläufen von Treibhausgasen in der Atmosphäre und unterschiedlichen Veränderungen der Landoberfläche, gehören.
      Ihre Aussage, es gebe so viele IPCC-Prognosen, dass irgendeine davon zutreffen werden, trifft also nicht zu, denn für einen bestimmten zukünftigen Verlauf von Treibhausgasen und Landoberflächenveränderung gibt es nur eine Prognose.

      • @ Martin Holzherr

        Atmosphärischer CO2-Anstieg und gemessene Erwärmung in den letzten 100 Jahren passen perfekt zusammen

        Mit “Prognosen” meinte ich Aussagen über die erwartete künftige Entwicklung. 🙂

        • Eine Prognose erhält man, indem man das IPCC-Emissions-Scenario auswählt, welches in seinen CO2-Emissionen mit den realisierten CO2-Emissionen übereinstimmt.
          Wenn sie mit ihrer Aussage aber meinen, dass man genau diese zukünftinge CO2-Emissionen nicht kennt, so haben sie recht.

          Die CO2-Emissionen der Menschheit beispielsweise im Jahr 2050 sind kaum voraussagbar, denn das hängt wieder von der politisch/gesellschaftlichen und auch der technischen Entwicklung ab. Und damit gilt wieder: Was der Mensch in Zukunft tut, das abzuschätzen war schon immer schwierig und wird auch weiterhin schwierig sein.

  6. 2 + 2 zusammenzählen,
    ich denke, dass sich die Menschen bei der Beurteilung der Zukunft sich von ihren Wünschen leiten lassen und die dann statistisch begründen. Beispiel Trump.

    Ein aktuelles Problem ist die hohe Verkehrsdichte und den absehbaren Dauerstau auf den Autobahnen. Noch vor 10 Jahren wurden Staus unter 3 km Länge im Radio durchgesagt. Heute werden Staus erst ab 3 km Länge durchgesagt.
    Wie reagiert die Politik auf diese Entwicklung? Sie verlagert noch mehr Güterverkehr auf die Autobahn. Auch der Personenverkehr wird durch die Einführung der Fernbusse auf die Autobahn gelegt. Ist das logisch? Wer fühlt sich verantwortlich? Die Automobillobby ist so stark, dass es in Stuttgart sogar der Grüne Oberbürgermeister bei Feinstaubalarm nicht wagt, eine Dieselverbot durchzusetzen.
    Also , die Voraussage der ZUKUNFT wird durch die Irrationalität, man kann es schon Dummheit oder Verantwortungslosigkeit nennen, erschwert.

    • Beim Strassenverkehr gibt es gegenläufige Trends: Einerseits eine Zunahme wegen
      1) der Verlagerung von der Bahn auf die Strasse (Flixbus ersetzt Bahn)
      2) Zunahme des Autobesitzes (auch mehr als 1 Auto) und Zunahme grösserer, stärker motorisierter Autos
      Andererseits eine Abnahme wegen
      1) Benützung von Fernbus anstatt Auto
      2) Abnahme des Autobesitzes bei Stadtbewohnern

      Langfristig könnte der Autobesitz wegen zunehmend autonom verkehrenden Einzel- und Sammeltaxis abnehmen. Wenn autonom verkehrende Sammeltaxis und autonom verkehrende Kleibusse stark zunehmen, könnte die Strasse stark entlastet werden.

  7. Holzherr,
    die Hauptbelastung sind die Berufspendler, die morgens und abends die Straßen verstopfen. Alternativen dazu gibt es nicht. Schuld daran sind die hohen Mieten in den Großstädten, die langfristig die Leute dazu zwingt in die Vororte oder noch weiter auszuweichen.
    Wenn Sie ein Kind in den Kindergarten bringen wollen, so hat ein Gericht entschieden, ist Ihnen ein Weg von 30 Minuten Hinfahrt zuzumuten. Ohne Kommentar!
    Eine weitere Ursache ist die Just in Time Warenanlieferung bei den Industriebetrieben. Dadurch wir die Lagerhaltung vermieden.. Fahren Sie mal Montag morgen von Stuttgart nach Karlsuhe. Dass es noch keinen Streik der Spediteure gegeben hat, wudert mich.

  8. Gesellschaftlich/politisch/wirtschaftliche Entwicklungen sind allgemein dynamisch, nicht-linear, chaotisch/instabil mit Ausbildung von Bifurkationen/Tipppunkten/Phasenübergängen
    Dies hat auch Dirk Helbling, der Vater des potenziellen EU-Projekts FuturICT, schon mehrmals dargelegt.
    Doch neu ist diese Erkenntnis nicht und die meisten früheren und gegenwärtigen Regime sind sich dessen bewusst, dass sie nur begrenzt stabil sind und dass die Gefahr eines Umsturzes wächst, wenn bestimmte Formen von Unruhen nicht unter Kontrolle gebracht werden. In der Verfilmung der Tudor-Herrschaft (The Tudors) erlebt der Zuschauer wie Heinrich der 8 vor einer Rebellion eines Teiles seiner Herrschaft überrascht wird und in ihm alte Ängste aufsteigen, denn sein Vater wurde beinahe weggefegt von so einer Rebellion. Zur Abschreckung werden die Rebellenführer auf grausame Weise umgebracht.
    Das Tian’anmen-Massaker 1989, welches von der chinesischen Führung zur Niederwerfung eines Studentenaufstandes inszeniert wurde, diente ebenfalls der Abschreckung und der Aufstand wurde von der chinesischen KP wohl zu Recht als Gefahr für das System gesehen.
    Und natürlich dient die Internetzensur in China genau dem gleichen Zweck: Der Verhinderung von kollektiven Phänomenen, die dem Regime, die der KP, gefährlich werden könnten. Die chinesische Internetzensur lässt dabei Kritik bis zu einem gewissen Grad durchaus zu, erst wenn diese Kritik droht, ein Massenphänomen zu werden, wird sie unterdrückt und wird die Gegenwart und auch Vergangenheit manipuliert, denn daran soll sich niemand erinnern.

    Mit besserer, subtilerer Überwachung können sicherlich subtilere soziale Steuerungen realisiert werden. In welche Richtung das geht, zeigt uns das Projekt China ‘social credit’:

    By 2020, everyone in China will be enrolled in a vast national database that compiles fiscal and government information, including minor traffic violations, and distils it into a single number ranking each citizen. That system isn’t in place yet. For now, the government is watching how eight Chinese companies issue their own “social credit” scores under state-approved pilot projects.

    • Perspektivwechsel: Wenn die Berechenbarkeitsmachung der Welt bedeutet, dass man
      1) Unruhestifter isoliert, zensiert oder/und inhaftiert
      2) die Gesellschaft mit sozialen Medien oder einem von allen miteinander interagierenden Personen und Institutionen vergebenem Verhaltensscore kontrolliert (wie in “Black Mirror: Nosedive” oder wie für China als “social credit”-System vorgesehen),

      dann bedeutet sie einen Anschlag auf die Freiheit, gar eine Dehumanisierung.

      Doch potenziell gefährliche Entwicklungen frühzeitig erkennen kann auch viel Schaden abwenden. Immerhin wurden in der (voraussehbaren) Eurokrise Millionen arbeitslos, vernichtete die Finanzkrise in der Folge des US-Immobiliencrashs 2008 ganze Vermögen und Existenzen. Tatsächlich bemüht sich heute eine ganze Generation von Ökonomen, ein Abgleiten der US- oder Weltwirtschaft in eine 1930er artige Depression zu verhindern. Selbst die wiederholte Erklärung der Führung der chinesischen KP, sie strebe eine harmonische Gesellschaft an, muss nicht unbedingt bedeuten, dass der chinesische Staat Sicherheit und Kontrolle über Freiheit stellt, zumal es ohne Sicherheit auch keine Freiheit gibt.
      Auch Arthur C. Asimovs Vision einer Jahrtausende währenden Zivilisation, die mittels dem Instrument der Psychohistorik die Zukunft voraussehen will, muss nicht bedeuten, dass eine solche Gesellschaft die menschliche Entwicklung übermässig bis zum Freiheitsverlust kontrolliert.
      Tatsächlich sucht jeder für sein Volk, sein Elektorat eintretende Staatsmann nicht nur den kurzfristigen Erfolg, sondern er will dass seine Entscheidungen auch im historischen Rückblick noch Bestand haben. Bushs Irakkrieg war so gesehen ein Fehler, Bill Clintons Deregulation des Bankensektors ebenfalls, denn damit wurde die Finanzkrise 2008 überhaupt erst möglich. Wenn Bill Clinton ein System zur Verfügung gehabt hätte, das ihm die unliebsamen, aber zu erwartenden Folgen seiner Deregulierungsschritte aufgezeigt hätte, dann hätte er eventuell nicht oder klüger dereguliert und die Finanzkrise wäre uns erspart geblieben.
      Die Welt berechenbarer machen heisst auch sie zu einem friedlicheren, stärker von Ratio und Weisheit gelenkten Ort zu machen. Wie vieles ist aber auch das zweischneidig. Berechenbar heisst auch manipulierbar. Mindestens dann, wenn die Berechnungsinstrumente nur ein paar wenigen zur Verfügung stehen und diese paar wenigen ihren eigenen Vorteil und nicht den Vorteil der ganzen Welt und Menschheit im Auge haben.

      • @ Herr Holzherr (und nur ergänzend) :

        Perspektivwechsel: Wenn die Berechenbarkeitsmachung der Welt […]

        Es besteht hier keinerlei Gefahr, der Grund für diese (zuversichtliche) Annahme besteht in der Komplexität dieser Welt. Nichts natürlich gegen Perspektivenwechsel.

        […] in der (voraussehbaren) Eurokrise […]

        Hier genügten Wirtschaftswissenschaftler, um vorab zu wissen, dass es dbzgl. vom “Dicken” verbockt wird.

        […] die Finanzkrise in der Folge des US-Immobiliencrashs 2008 ganze Vermögen und Existenzen. […]

        Hätte man die Banken hopp gehen lassen, sähe es heute besser aus, vgl. :
        -> https://de.wikipedia.org/wiki/Lehman_Brothers (K-Probe: ‘Nachdem die US-amerikanische Regierung drei große Banken (Bear Stearns, Fannie Mae und Freddie Mac) mit Milliarden US-Dollar gestützt hatte, war der politische Druck, weitere Banken nicht aufzufangen, so groß geworden […]’)

        Es war allerdings für einige Politiker hier zu verlockend mit der “Steuersteckdose” zu kommen und sich so sozusagen zu bewähren.

        Tatsächlich bemüht sich heute eine ganze Generation von Ökonomen, ein Abgleiten der US- oder Weltwirtschaft in eine 1930er artige Depression zu verhindern.

        Liegt vielleicht heutzutage, viele EU-Länder und den Euro meinend, eine große Depression vor?

        Tatsächlich sucht jeder für sein Volk, sein Elektorat eintretende Staatsmann nicht nur den kurzfristigen Erfolg, sondern er will dass seine Entscheidungen auch im historischen Rückblick noch Bestand haben.

        Nö, bei zynischen Politiker, manchmal auch kinderlos, muss dies nicht der Fall sein.
        Stellen Sie sich vor, dass Ihr pers. Hauptinteresse an einem politischen Amt hängt und Sie sich einfach nicht davon lösen können …
        (Wenn es dann kein gesellschaftlich-politisch wirkmächtiges Korrektiv gibt, bei Frau Dr. Angela Dorothea Merkel scheint dies der Fall zu sein, wird womöglich: “abgefeiert”. – Allgemein unzureichende Fertilität könnte diese individuelle Perspektive – siehe oben, das mit der Perspektive war Ihre Idee – unterstützen, könnte derart persistierend wirken.)

        Die Welt berechenbarer machen heisst auch sie zu einem friedlicheren, stärker von Ratio und Weisheit gelenkten Ort zu machen.

        Nö, die Kompetitivität ist schon wichtich, anderes würde Stagnation bedeuten, es haben sich staatliche und unterstaatliche Einheiten in einem (nie endenden) Wettbewerb zu bewähren.
        Für den Frieden gibt es u.a. so etwas:
        -> https://de.wikipedia.org/wiki/Demokratischer_Frieden

        Berechenbar heisst auch manipulierbar. Mindestens dann, wenn die Berechnungsinstrumente nur ein paar wenigen zur Verfügung stehen und diese paar wenigen ihren eigenen Vorteil und nicht den Vorteil der ganzen Welt und Menschheit im Auge haben.

        Nö, Welt zu komplex, was abär möglich gewesen wäre, wäre in den letzten Wahlkämpfen, die (insbesondere: für einige) unerwartet ausgegangen sind, Camerons-Wiederwahl, den sog. Brexit oder den Trump-Wahlerfolg oder bestimmte Wahlerfolge der AfD in der BRD meinend, frühzeitiger als möglich herauszustellen, mit den Mitteln des Webs (und Meinungsforschungsinstitute ein wenig in ihrer Vorhersagemöglichkeiten zurücknehmend).

        MFG
        Dr. Webbaer

  9. Martin Holzherr,
    das ist alles richtig, was Sie sagen. Politik bleibt eine Dauerbaustelle.
    Es gibt Lichtblicke. Die Menschenrechte der Vereinten Nationen sind so ein Lichtblick.
    Zu beklagen ist allerdings noch die finanzielle Abhängigkeit der UNO von den USA.
    Da werden schon mal die finanziellen Zuschüsse gekürzt oder verspätet ausbezahlt.
    Bleiben wir optimistisch, oder wie es die Engländer sagen “it could be worse!”
    Ihnen ein gutes Jahr 2017
    Laie16

    • Ja, eine mächtigere UNO könnte die Welt berechenbarer und damit sicherer machen indem Regelverstösse von Mitgliedern getadelt und eventuell geahndet würden. Menschenrechtsverstösse, Krieg und Unterdrückung als Formen von Gewalt von Staaten gegenüber Inviduuen und als Formen von zwischenstaatlicher Gewalt könnten so reduziert werden. Auch die ganze Menschheit betreffende Gefahren wie Klimawandel, globale Verschmutzung und Ressourcenübernutzung könnten von einer stärkeren UNO angegangen werden. Dies würde zu einer sicheren Welt führen, gerade weil diese Welt berechenbarer würde.
      Doch es gibt noch andere weit weniger berechenbarere Probleme als Krieg oder Menschenrechtsverletzungen. Viele unerwünschte Auswirkungen von politischen Entscheidungen sind selbst von Experten nicht voraussehbar. Die Finanzkrise als indirekte Folge der Deregulierung im Finanzsektor oder die Eurokrise als logische Folge eines unbalancierten, nicht optimalen Währungsraums sind Beispiele dafür. Der tiefere Grund dafür liegt in nicht verstandenen ökonomischen, politischen und wirtschaftlichen Prozessen. Heute werden sich anbahnende Krisen oft zu spät erkannt und mit einem nicht ausreichenden oder gar falschen Instrumentarium angegangen.

      Es gibt als nicht nur ein Defizit des guten Willens, sondern auch ein Verständnisdefizit: Politiker, Ökonomen und Wirtschaftslenker sind quasi zu dumm für diese Welt. Weil die Welt zu komplex ist, weil kaum jemand die Folgen von Entscheidungen voll versteht. Interdisziplinäre Institute wie das ETH Risk-Center oder das Departement für Computational Social Science wollen das mit dem gemeinsamen Einsatz von Mathematik ( Komplexitätstheorie, Theorie dynamischer Systeme) und von Computermodellierung von Ökonomie und Politik schrittweise ändern um schliesslich besser zu verstehen, was gerade (live) passiert und was sich daraus entwickeln könnte.

  10. PS:
    Vielen Dank noch für die hiesige (nachträglich erfolgte) Bereitstellung des Vortrags!
    U.a. ‘Sozialforschung auf ähnlichem Niveau der Naturwissenschaft’, ‘Soziophysik‘ (in der bekannten Online-Enzyklopädie ist kein e-sprachiger Artikel verfügbar), ‘Brauchen wir (noch) politische Experten?’ und ‘Data-Vorhersagen entzaubern?’ werden hier in Erinnerung bleiben.
    Interessant waren auch die Ausführungen zu der Be- bis Verhinderung von Sammlungsbewegungen im chinesischen Internet.
    Anregung: Vielleicht mal bei Scott Adams (“Dilbert”) politische Themen (und das Internet) betreffend reinlesen…

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