Jules Verne & Endeavour – Bilderbuchstarts und erste Probleme

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Der Aufbruch zur Internationalen Raumstation in den frühen Morgenstunden des 9. März klappte vorzüglich. Die erste Flugeinheit der Ariane 5 ES brachte das 19,4 Tonnen schwere Automated Transport Vehicle (ATV) mit der Bezeichnung "Jules Verne" erfolgreich in eine Erdumlaufbahn.

Die EPS-Oberstufe gab Jules Verne genau 66 Minuten und 42 Sekunden nach dem Verlassen der Startrampe frei. 25 Minuten darauf begann die Entfaltung der Solargeneratoren und der Kommunikationsantennen.

Ariane-Flug 181 mit ATV an Bord steigt in den Nachthimmer über Guyana

Fast gleichzeitig trat allerdings eine Fehlfunktion an Bord des europäischen Raumfrachters auf: Eine Elektronikbox – die Propulsion Drive Electronic 2 (PDE 2) – schaltete eine Kommandokette im Antriebssystem ab. Diese Kontrollboxen überwachen das weitverzweigte Netzwerk von Tanks, Leitungen, Ventilen und Triebwerken am ATV. Es gibt vier dieser Einheiten und jede ist im Nominalfall für ein Viertel des Systems zuständig.

Details zum ATV können Sie hier lesen. Details zu den ersten Stunden im Weltraum, mit einer schönen Bilderstrecke zum Start, finden Sie hier. Zur Betankung und den Startvorbereitungen können Sie sich hier informieren.

Gut 48 Stunden nach ATV startete der nächste Großtransport in Richtung ISS. Diesmal mit der amerikanischen Raumfähre Endeavour.

Und auch hier verlief zunächst nicht alles vollständig nach "Textbook". Zwar wurden alle Leistungsparameter für die Umlaufbahn erreicht, und die Mission ist derzeit auch nicht gefährdet, trotzdem dürften Commander Dom Gorie und sein Pilot Gregory Johnson für das umfassende Simulatortraining von Startanomalien dankbar gewesen sein.

Nur wenige Sekunden nach dem Liftoff um 7:28:14 Uhr mitteleuropäischer Zeit zeigte die Telemetrie den Ausfall von zwei Lagekontrolltriebwerken auf der linken Seite des Orbiters an. Nachdem diese kleinen Steuerdüsen beim Aufstieg nicht benötigt werden, war das zwar keine akute Gefährdung, es hätte aber der Hinweis auf ein größeres Problem in der Elektronik sein können.

Wenige Minuten später, immer noch in der angetriebenen Phase des Aufstiegs, fiel dann das primäre Flash Evaporator System (FES) aus, das für die Kühlung des Shuttle sorgt, solange die Nutzlastbucht geschlossen, und die Radiatoren mit dem Freon- Kühlkreislauf noch nicht in Betrieb sind. Die Astronauten mussten das Reservesystem aktivieren.

Der weitere Aufstieg verlief ohne besondere Ereignisse, und acht Minuten und dreißig Sekunden nach dem Liftoff erreichten Gorie und Johnson, sowie die Missionsspezialisten Michael Foreman, Robert Behnke und Richard Linnehan, der japanische Astronaut Takao Doi und dem Raumstations-Flugingenieur Garrett Reisman die Umlaufbahn.

Einen ausführlichen Startbericht mit einer schönen Bilderstrecke sehen Sie hier. Die oben und links abgebildeten Fotos zeigen sehr gut die gemeinsamen Bedingungen bei den beiden Starts. Beide erfolgten in den frühen Morgenstunden, noch in der Nacht, beide Male verschwanden die Raumfahrzeuge schon nach Sekunden in einer dichten Wolkendecke.

Und noch ein Nachtrag zu den oben beschriebenen Problemen: Einige Stunden nach dem Start versuchten die Endeavour-Astronauten das primäre FES zu aktivieren. Das misslang.

Erfolg hatten dagegen die Techniker und Missionskontroller des ATV: Hier gelang es zwischenzeitlich, die volle Redundanz in den Steuer- und Kontrollsystemen wieder herzustellen. Die Ursache für den zunächst aufgetretenen Fehler wurde allerdings noch nicht gefunden. Eine Spekulation geht in Richtung "Irritationen" verursacht durch die Startvibrationen.

Ich bin Raumfahrt-Fan seit frühester Kindheit. Mein Schlüsselerlebnis ereignete sich 1963. Ich lag mit Masern im Bett. Und im Fernsehen kam eine Sendung über Scott Carpenters Mercury-Raumflug. Dazu der Kommentar von Wolf Mittler, dem Stammvater der TV-Raumfahrt-Berichterstattung. Heute bin ich im "Brotberuf" bei Airbus Safran Launchers in München im Bereich Träger- und Satellitenantriebe an einer Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Technik tätig. Daneben schreibe ich für Print- und Onlinemedien und vor allem für mein eigenes Portal, "Der Orion", das ich zusammen mit meinen Freundinnen Maria Pflug-Hofmayr und Monika Fischer betreibe. Ich trete in Rundfunk und Fernsehen auf, bin Verfasser und Mitherausgeber des seit 2003 erscheinenden Raumfahrt-Jahrbuches des Vereins zur Förderung der Raumfahrt (VFR). Aktuell erschien in diesen Tagen beim Motorbuch-Verlag "Interkontinentalraketen". Bei diesem Verlag sind in der Zwischenzeit insgesamt 16 Bücher von mir erschienen, drei davon werden inzwischen auch in den USA verlegt. Daneben halte ich etwa 15-20 mal im Jahr Vorträge bei den verschiedensten Institutionen im In- und Ausland. Mein Leitmotiv stammt von Antoine de Saint Exupery: Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Menschen zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge zu verteilen und Arbeit zu vergeben, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten unendlichen Meer. In diesem Sinne: Ad Astra

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