Zu meiner Ehrenrettung – Neuropathologie und Parkinson

BLOG: Anatomisches Allerlei

Kopflose Fußnoten von Helmut Wicht
Anatomisches Allerlei

Dann doch mal wieder was richtig Wissenschaftliches, ganz ernst gemeint, aus unserem Haus, der Dr. Senckenbergischen Anatomie in Frankfurt, schon um meinen geradezu pathologisch schlechten Ruf  (Feuilletonist/Flamer/sprachverliebter Labersack)  aufzubessern. Das Paper könnte wichtig sein und ich kann ein wenig von der Anatomie dazu erzählen:

Heiko Braak und Kelly Del Tredici (2008) Nervous system pathology in sporadic Parkinson disease. Neurology, 70, 1916 ff

Wenn man einen Medizinstudenten (und auch die meisten Mediziner) fragt, was es denn mit dem "Morbus Parkinson" auf sich habe, dann kommt wie aus der Pistole geschossen: "Substantia nigra!" Die "Nigra", der "schwarze Kern", ist eine zweiseitige, im Querschnitt sichelförmige Ansammlung von Nervenzellen mit schwarz-bräunlichem Pigment ("Neuromelanin") im Mittelhirn. Sehr auffällig, schon mit blossem Auge zu sehen. Und beim Morbus Parkinson verschwindet dieser Kern.

Bild dazu: 
http://tinyurl.com/6baytt

Na, bingo!, haben die Pathologen gesagt, das ist es! Das passt zu den Symptomen (Zittern/Starrheit der Bewegungen), denn die Nigra ist ein wichtiger Bestandteil des motorischen Systems. Sie produziert Dopamin. Nigra weg, Dopamin weg, Zitterei und Steife. Also wieder Dopamin dazugeben, und gut ist’s. Und so funktionierte die Therapie über Jahrzehnte: man verabreichte DOPA (eine Vorstufe des Dopamins, weil das die Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden kann), und tatsächlich wurde es dann besser. Aber nicht dauerhaft: in den späteren Stadien gehen auch die Neurone der Grosshirnrinde, der Basalganglien, geht das halbe Hirn zugrunde. Und da ist mit DOPA nichts mehr auszurichten.

Der "Parkinson" ist also mehr als eine Erkrankung der Substantia nigra. Wenn er sie befällt, wird er sozusagen symptomatisch/klinisch sichtbar und diagnostizierbar, nur um dann weiter voranzuschreiten – aber fängt er wirklich in der Nigra an? Ist das der Auslöser?

Nein – aber werfen wir erst mal einen Blick auf das, was in den Nervenzellen geschieht:

Bild dazu:
http://tinyurl.com/6qkrep

(In der Bildmitte eine Nervenzelle aus der Nigra. Die roten Körner sind Pigmente, die da hineingehören. Die zwei opak-rosafarbenen, runden Gebilde mit dem weissen Halo sind "Lewy-Körper" – siehe unten.)

Die Nervenzellen, die beim Morbus Parkinson untergehen, sind alle ganz verschiedener Natur. Grosse und kleine, sensorische und motorische, mit verschiedenen Neurotransmittern. Und am Ende erwischt es sogar die Gliazellen: ein moribunder Zellzoo. Nur eines ist ihnen gemeinsam, im Tode sozusagen: Wenn sie beginnen zu sterben, dann findet man erst in den Axonen (langen Ausläufern), dann in den Zellleibern der Neurone so genannte "Lewy-Körper", unlösliche Klumpen eines Proteins namens "alpha-Synuclein". Das Protein gehört eigentlich in das Inventar der Zellen, aber im pathologischen Falle ist viel zuviel davon da, und es ist vor allem "falsch gefaltet" und kann nicht mehr abgebaut werden. Das riecht nach Prionen…wo kommen die her?

Braak und Tredici haben systematisch das zentrale und das periphere Nervensystem nach solchen "Lewy-Körpern" abgeklappert. Das ist ziemlich viel Arbeit, denn das Nervensystem ist verzweigt und weitläufig. Und man muss es an Menschen machen, weil Tiere keinen Parkinson kriegen. Und siehe (das steht in der oben zitierten Publikation): lange, lange bevor irgendwelche Parkinson-Symptome auftauchen, finden sich "Lewy-Körper" (und sterbende Zellen) in "Nucleus dorsalis nervi vagi".

Nie gehört, nicht wahr?

In diesem Kern des Hirnstammes liegen Zellen, deren lange Axone hinab zum Magen-/Darmtrakt ziehen. Dort wiederum, in den Wänden von Speiseröhre, Magen und Darm, liegt ein riesiges Netzwerk von Nervenzellen (das sog. "enterische" Nervensystem, ein Teil des "autonomen" Nervensystems). De facto haben wir nämlich mehr Nervengewebe im Darm als im Rückenmark! Die Aktivität dieses Nervennetzes im Darm (und damit die Peristaltik) wird von den Zellen aus dem "Nucleus dorsalis nervi vagi" reguliert. So – und selbst wenn im "Nucleus dorsalis nervi vagi" keine "Lewy-Körper" sind, so gibt es doch Fälle, wo sie im enterischen Nervensystem zu finden sind.

Alles klar?

Für Braak und Tredici schon … da kommt, so meinen sie, irgendwas von unten hoch. Irgendwas aus der Nahrung, irgendwas aus dem Darm. Es marschiert, andersherum als die elektrische Erregung ("retrograd"), und langsam, über Jahre, die Axone hoch, zum Zellleib. Dann hüpfte es irgendwie über die Synapsen und nimmt sich die nächste Zelle vor. So blödsinning ist das nicht: wie kennen Viren, die sowas tun, es gibt Substanzen, die von Nervenzellen retrograd transportiert werden, ja, das ganze Axon ist nicht nur eine "elektrische Leitung", es ist ein regelrechtes Förderband: dauernd wird irgend etwas hin und her geschoben. Ein paar Millimeter oder Zentimeter pro Tag.

Und wie kommt der Parkinson dann in die Nigra? Nun, noch weiter droben im Gehirn sitzt ein Kern mit dem schönen Namen "Mandelblüte". Der Mandelblütenkern ("Nucleus amygdalae") ist als nächster dran – fast hätt’ ich gesagt: "verwelkt als nächster" – denn seine Axone ziehen herab zum "Nucleus dorsalis nervi vagi". Und jetzt kommt die Nigra, denn deren Axone ziehen (u.a.) zum Mandelblütenkern. Und erst jetzt wird die Krankheit klinisch offenbar, zeigt ihre klassischen Symptome. Aber viele Parkinson-Patienten leiden auch – und zwar schon bevor sie den eigentlichen Parkinson kriegen – an Störungen des autonomen und enterischen Nervensystems. Verstopfung zum Beispiel.

Keine Angst: das heisst jetzt nicht, dass Sie Parkinson kriegen werden, weil sie verstopft sind. Es gibt genügend andere Ursachen dafür. Aber wenn Braak und Tredici mit ihrer "trophischen" ("aus der Nahrung stammenden") Hypothese über die Ursachen des Morbus Parkinson recht haben, dann sollten wir uns DOCH Sorgen machen. Wir futtern da irgendein Gift, irgendein Prion womöglich. Andererseits: wir haben nicht den Hauch einer Ahnung, was es sein könnte. Ergo hülfe nur der Verzicht auf Nahrungsaufnahme.

Nicht wirklich eine brauchbare Präventionsmethode.

 

 

Veröffentlicht von

Gedankenfragmente von Helmut Wicht, Dozent an der Frankfurter Universität, über Neurobiologie, Anatomie, Philosophie, Gott und die Welt. Seine eigentliche Expertise bezieht sich auf die (Human-)anatomie und die vergleichende Anatomie des Nervensystems.

21 Kommentare

  1. Das ist ja kaum zu glauben

    Ist es vorstellbar, dass es womöglich auch außerhalb des ZNS noch viel mehr Prionenerkrankungen gibt, die nur keiner als solche erkennt, weil man Proteine als infektiöse Angenzien nicht auf der Rechnung hat? Das frag ich mich schon seit ner ganzen Weile.

  2. @ Fischer – diverse “caveats”

    Möglich ist’s, aber ich weiss nichts drüber.

    Es gäb’ noch vieles, vor allem auch viele “caveats” zur Braak/Tredici-Untersuchung nachzutrage. Natürlich ist es eine rein RETROspektive Studie – es ist NICHT klar, ob die, die Lewy-Körper im Darm/ oder im Vaguskern hatten, auch wirklich irgendwann Parkinson bekommen hätten. Es ist schiere Kombinatorik: WENN es in der Nigra war, dann war es MEIST auch schon in der Amygdala, dem Vaguskern und im Darm (usw.).

    Ich hätt’ noch erwähnen sollen, dass auch der Nucleus olfactorius anterior “früh” betroffen ist. Das ist ein Kern in der Riechbahn. Und Anosmie/Hypoosmie (Versagen/Nachlassen des Geruchssinnes), das weiss man, kommen beim Parkinson auch häufig vor. Kommt’s also über die Nase?

    Luftanhalten ist aber auch keine Lösung. Aber wenn man verstopft ist, nichts mehr riecht, Dysfunktionen im autonomen Nervensystem und unklare Schmerzempfindungen hat(noch ein mögliches Einfallstor: das Schmerz-System!), dann ist das NICHT gut. Mal abgesehen davon, dass all das für sich alleine schon Mist ist, könnte es in der Kombination auf einen entstehenden Parkinson hinweisen. Sagen die Autoren.

    Und noch ein caveat: all das gilt für den SPORADISCHEN Parkinson. Es gibt andere, hereditäre Formen und es gibt auch andere Erkrankungen, die mit Lewy-Körpern einhergehen. Es ist also immer noch möglich, dass einiges von dem, was Braak und Kelly für Frühformen des Parkinson halten, de facto eine andere Erkrankung geworden wäre.

    Retrospektive Studie halt … aber mach mal eine prospektive! Erklär’ das mal der Ethikkommission..

  3. Beifall für

    ….eine soooo schöne Erklärung der Parkinsonerkrankung plus interessanter Studie…das habe ich in dieser Form bislang noch nicht gehört/ gelesen. Das dürfte quasi fast ohne Vorwissen verständlich sein…uuund ich habe noch Einiges dazu gelernt !

    1+ Darstellung – Sprache – Präsentation
    1+ Erklärungskraft
    1+ Methodik / Didaktik

    einzutragen bei MeinProf.de ;-)))))

    Und wann erscheint das zugehörige Fachbuch?

  4. @ Monika

    Das Lob freut mich sehr, aber bítte überschlag’ Dich nicht.

    Ich hab’ in dem lockeren Plauderton, der eines meiner Stilmittel ist, über eine Krankheit geredet, deren Symptome und Verlauf diesen Ton eigentlich nicht verdienen. Eine Tante von mir ist in jungen Jahren – mit kaum 50 – an einem sporadischen Parkinson gestorben. Mein Schwiegervater stirbt gerade (schön langsam) an einer Mischform aus Parkinsonismus und ALS.

    Eigentlich hätt’ ich den dunklen Hammer auspacken sollen, von der Starre, den wächsernen Gesichtern, den Schweissausbrüchen, der Angst und dem Zerfall reden sollen. Von der Viecherei. Vom Elend, das mit den Prionen den Vagus hochkriecht, von der düsteren Drohung…

    Ich weiss gar nicht so recht, warum ich es so aufgezogen habe, wie ich es tat. Vielleicht, weil es mich zu sehr schreckt.

  5. Lewy-Körper-Demenz

    Diese Lewy-Körper-Demenzen (mit Anreicherung von Synuclein) als eigenständige Erkrankung (üblicherweise mit Parkinsom Syndromen NACH den dementiellen Syndromen) sind ja auch schwer zu trennen von Parkinson und angeblich (je nach Literatur) doch recht häufig (laut einer Histopathologischen Studie). Nur eine schnell progrediente Demenz (untypisch für M. Parkinson) und die extreme Verschlechterung unter niedrig dosierten (niederpotenten) Neuroleptika (atypisch und typische) lassen an LKD denken. Diagnostisch geht da leider (noch?)nicht viel.

    Vielleicht waren da auch einige bei dieser retrospektiven Studie dabei.

    Erschwert wird das Ganze, da Lewy Köperchen auch bei Gesunden vorkommen.

    Da werden wohl noch manche Kapitel der Neurobücher umgeschrieben werden müssen.

  6. @ Helmut

    Ja, da hast Du recht. Das Lob galt auch “nur” Deiner Erklärung. Die “Wissenschaft” hinter der Erkrankung ist ja zunächst einmal ganz emotionslos…..wie bei allen Erkrankungen…….da werden vom Gemeinsamen Bundesausschuss Medikamente festgelegt – auch ganz emotionslos – wo Patienten dann auf pharmazeutische Fortschritte = zusätzliche Wirkungen + Nebenwirkungen aus Kostengründen schlicht verzichten müssen……

    Solche schweren Erkrankungen, kombiniert mit einer solchen Gesundheitspolitik sind sehr sehr bitter….

    und was Deinen Schwiegervater anbelangt, wünsche ich ihm, dass er sich nicht zu sehr quälen muss….eine gemeinere Krankheitskombination gibt es kaum….

  7. >Nie gehört, nicht wahr?
    Und ob!

    Mir hat man allerdings auch erstmal nur die “klassische” Variante mit der Nigra-Degeneration (and that’s it….) gelehrt. Kam mir irgendwie auch zu einfach vor.

    Spannende Publikation, toll im Wicht’schen Stil aufbereitet. Danke für den Beitrag.

    Ich geh wieder schreiben…

  8. @ Husky Finn

    Ich hab eh’ nie kapiert, wie man in der Medizin eine Erkrankung als “Entität”, “kategorial abgeschlossenenes Etwas” definiert, vor allem, wenn die Ätiologie unklar ist – also wie bei fast allen idiopathischen Erkrankungen (?).

    Ist’s die Symptomatik? Ist’s die Ursache (so man sie kennt)? Ist’s die Therapie, die Heilung bringt? Oder ist’s von allem etwas?

    Die Neuropathologen, von denen ich umgeben bin, bestehen freilich darauf, dass die Krankheit anhand ihrer histopathologischen Erscheinungs- und Verlaufsform zu definieren sei. Nur kriegen sie das halt meist nur post mortem hin.

    Unbefriedigend, das.

    Sie haben natürlich völlig recht – ich hab’ im Haupttext meines Beitrages verschwiegen, dass die Lewy-Körper auch bei anderen Erkrankungen eine Rolle spielen. Dass man sie auch in Gesunden findet, wusst’ ich nicht. Andererseits: ein Gesunder könnt’ ja auch ein Dementer/Parkinsonist sein, der es nur _noch_ nicht ist.

    Aber da sind wir schon wieder bei der Frage, was eigentlich die Definition von “Krankheit” sei. Und der noch viel spannenderen Frage, ob nicht viele von diesen Krankheiten des Hirnes nicht auch solche des Alterns sind, biologisch “gewollt”, sozusagen.

    “Hunde, wollt’ ihr ewig leben?”

    Der Braak, von dem das Parkinson-Paper stammt, hat vor laaanger Zeit mal zusammen mit Schultz uralte Paviane aus dem Frankfurter Zoo untersucht. Und siehe da: da waren neuropathologische Veränderungen zu sehen, die dem Morbus Alzheimer ähnelten.

    “Und am End’, so will mir scheinen,
    strebt die Natur der Blödheit zu.
    Der Geist, der Sinn, den wir vermeinen
    zu spüren, weicht der Grabesruh.
    Stumm und dumm und unberührbar
    fallen wir zurück zur Nacht.
    Am Tage waren wir verführbar,
    ja, wir ham’ uns weisgemacht,
    dass da wirklich etwas sei:
    ein Licht, ein Tag, ein Sinn, ein Ziel.
    Wir dachten, da sei ziemlich viel.
    In Wirklichkeit ist’s einerlei.
    Die Wahrheit ist ganz furchtbar öde:
    die Natur ist selber blöde.”

    Brummelgrummelscheisswirklichkeit…

  9. Ehrenpreis

    Lieber H. Wicht,

    das sind ja ein paar neue Ansätze zu einer rätselhaften Krankheit.
    Der Darm als Ausgangspunkt, die Ernährung in der Kausalkette (Pestizide?)
    oder Vergiftungen mit Lösungsmitteln (Tri?), alles offene Fragen.
    Eine Theorie müßte auch die Frage beantworten, warum die Krankheit nur bei Menschen auftritt, und warum überwiegend bei Männern (circa 60:40?)
    In diesem Zusammenhang muß auch die Psyche gesehen werden, die sehr oft schon vor Beginn der schweren Symptome gehemmt-depressiv wirkt und im weiteren Verlauf manchmal paranoid-halluzinatorisch auffallen kann.
    Für die allgemeine Hirnforschung bringen die auffälligen Symptome (Rigor, Tremor) wichtige Erkenntnisse über die Rolle der Stammganglien bei der Aktivierung des Cortex, die man als „Schrittmacherfunktion“ des aufsteigenden retikulären Systems bezeichnen kann.
    Dementsprechend versucht man hier mit elektronischen „Schrittmachern“ im Nucl.subthalamicus, Thalamus oder Pallidum die Symptome zu lindern.

    An Heilbarkeit ist leider noch lange nicht zu denken.

    Ich freue mich auf weitere Neuigkeiten aus den Schatzkästen der Anatomie.

    S.R.

  10. @ Wicht

    “Und am End’, so will mir scheinen”…

    Lots Frau hätte es nicht besser beschrieben, wenn sie dazu noch in der Lage gewesen wäre. Denn was sie sah, war jene verblödete Natur, die sie erstarren ließ. Wille halt… -ungebändigt, vernunftlos.
    Umgekehrt ist zu fragen, ob der Blick in die Kloschüssel (Natur) zu einem befriedigenden Erkenntnisgewinn führt. Denn was wir vorfinden, ist eine Erscheinung, die unsere Sinne affiziert. Auch wenn wir es benennen (“Kot, Staub, Asch’ und Erde”), so ist es nicht begriffen. Wir sind schätzende und beurteilende Wesen und legen das Urteil in die Dinge, die uns umgeben. Und doch werden wir immer einen Widerspruch in uns vorfinden. Ob wir die Natur nun schönfärben oder nicht, ist einerlei…”Der Mensch selbst muß überwunden werden”, denn was er sieht und wahrnimmt, nimmt er als Mensch wahr …und die Karawane zieht weiter…!

  11. @ Hilsebein

    “Der Mensch muss überwunden werden.”

    Herrje, ja!

    Du hast mit allem recht, was Du schreibst und zitierst. Aber Du und Nietzsche, ihr greift zu kurz: nicht nur der Mensch, das SEIN muss überwunden werden. Der GANZE Zusammenhang!

  12. @ Wicht

    Helmut

    Ja, ich weiß es doch auch, aber ich kann es nicht schreiben. Da ist eine Hoffnung in mir, daß wir aufwachen und uns erinnern und sagen: herrje -so also war das und deshalb der ganze Mist! Aber ich kann es nicht schreiben; es ist nur eine Hoffnung- Nicht mehr und nicht weniger…Gute Nacht!

  13. Krankheit als Entität

    *Ich hab eh’ nie kapiert, wie man in der Medizin eine Erkrankung als “Entität”, “kategorial abgeschlossenenes Etwas” definiert, vor allem, wenn die Ätiologie unklar ist – also wie bei fast allen idiopathischen Erkrankungen (?).

    Ist’s die Symptomatik? Ist’s die Ursache (so man sie kennt)? Ist’s die Therapie, die Heilung bringt? Oder ist’s von allem etwas?*

    Ich vermute, es handelt sich hier einfach um den alten Dämon Typologie, der dir hier die Zunge rausstreckt. Ist ja noch gar nicht so lange her, da war die Typenlehre das Grunddogma aller Lebenswissenschaften, und die geistert bis heute da herum. Der größte Teil der Bevölkerung hat zum Beispiel auch die Evolutionsbiologie schlicht nicht kapiert, weil die Vorstellung von der biologischen Art als abgegrenzter Typ noch zu fest in den Köpfen hängt.

    Könnte mir vorstellen, dass hier ähnliches am Werk ist.

  14. @ Fischer – Typologie

    ..nun, das ist insofern richtig, als die Definition dessen, was eine “Art” sei, sich in der Biologie tatsächlich vom gestaltlich/anatomischen “Typus” zur “Biospezies” fortentwickelt hat.

    Dennoch gibt es es auch dort “harte” (wenn auch oft nur schlecht zu überprüfende) Kriterien, die die “Biospezies” kategorial abgrenzen: es der Genfluss. In der Zeit (“vertikal und abwärts”) verbindet er zwar alle Arten kontinuierlich mit der “Ur-Zelle”, ist also als Abgrenzungskriterium ungeeignet. In der “Horizontalen” jedoch ist er – besser gesagt: seine Unterbrechung bei der Aufspaltung einer Art in zweie – DAS Kriterium, das die “Biospezies” definiert.

    Der “Typus” ist also dynamisch geworden, (theoretisch) scharf umgrenzt ist er dennoch, es gibt ein (dynamisches) Kriterium: den Genfluss, der die Entität “Art” definiert.

    Und nach so einem Kriterium für die Entität “Krankheit” frag’ ich halt, dabei gerne zugebend, dass diese Frage/Debatte angesichts der offenbaren, handfesten “Tatsächlichkeit des Krankseins” ziemlich anämisch/akademisch ist.

  15. @ Kaufmann

    “ungewohnt klar und sachlich”

    “Oh”, sprach das gescheckte Chamäleon, als es vor eine frisch geweisste Wand geriet, “oh, wie peinlich!” Und erbleichte…

  16. Ergänzung zu rofl

    Hallo,
    worüber ich lache? Über Sie, uber den Spruch und vor allen darüber, das mann eine , im metzgerschen Sinne kongruente Persöhnlichkeit (Ich würde es zielführende Persöhnlichkeit nennen.), nicht gerade als meine Stärke bezeichnen kann.
    Ein schönes Wochenende.

    Gruß Uwe Kauffmann

  17. @ Kaufmann

    Das hab’ ich jetzt nicht verstanden. Lachen Sie mich aus? Ist Ihr gutes Recht, schliesslich mach’ ich ja oft genug einen Affen aus mir.

    Kongruente Persönlichkeit … WENN ich Sie da recht verstanden habe, bin ich ganz und gar auf Ihrer Seite: Kongruenz,”Identität”, “Selbstheit”, “Prinzipientreue”, “Kern der Persönlichkeit” — alles Murks, Wunschdenken schwächlicher Gemüter. Mein Ex-Chef in USA hatte da einen wunderbaren Spruch: “A foolish consitency is a sure sign of a feeble mind”.

    Neuerdings nennt man das ja “Authentizität”. Seid authentisch! Ich hatte neulich das Büchlein von Harry G. Frankfurt in der Hand. Es schliesst, wenn ich’s recht erinnere, mit den Worten: Authentizität ist Bullshit.

    Eine Chimäre, die herzustellen sich lohnte, wäre übrigens eine Kreuzung aus Chamäleon x Amöbe, das “Chamäleomöbium”. Schon der Name hat einen gewissen Reiz. Das Tierchen selbst wäre gestaltlos und von unbestimmbarer Farbigkeit, jedoch scharfzüngig (honigzüngig? klebrig bezungt? ekelzüngig?).

    Dürft’ ich mir ein Wappentier wählen: das Chamäleomöbium käm’ in die engere Wahl.

  18. @ KauFFmann

    Ganz authentisch:
    Meine Blindheit.
    Eben erst gemerkt.
    Ich kauff’ mir ‘ne Lesebrille…
    Schönes WE
    Wicht

  19. Hallo,
    (murks)ist in dem Sinne auch nicht zu verstehen. Da das Gehirn in jeder Sekunde nach der vorliegenden Datenlage entscheidet, ist die Persöhnlichkeit, dass was die Basis der Entscheidungen personenspezifisch festlegt.
    Psychisch der Kleber der alles zusammenhält.
    Sie setzt Wahrnehmungsfilter und passt unsere Aussagen den sozialen Gegebenheiten an.
    So habe ich Herr Metzinger verstanden.

    Dazu steht der Link auf Herr Schleims Beitrag:”Ist Wissenschaft relevant”.

    Ich finde eine ganz brauchbare Theorie.

    Aber ich gebe Ihrem Prof schon recht, zu homogenes Verhalten ist ein Ausdruck von Dummheit oder es liegt eine Störung im psychischen Gleichgewicht vor.

    Gruß Uwe Kauffmann

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