“Einförmig stellt Natur sich her…”

BLOG: Anatomisches Allerlei

Kopflose Fußnoten von Helmut Wicht
Anatomisches Allerlei

"Einförmig stellt Natur sich her…"
(Einstimmung aufs Schopenhauerjahr 2010)

"Im unendlichen Raum zahllose leuchtende Kugeln, um jede von welchen etwan ein Dutzend kleinerer, beleuchteter sich wälzt, die inwendig heiß, mit erstarrter, kalter Rinde überzogen sind, auf der ein Schimmelüberzug lebende und erkennende Wesen erzeugt hat: – dies ist die empirische Wahrheit, das Reale, die Welt."
(Arthur Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung, Band II, dessen erster Satz)

Weltraum

Der Schimmel, aus dem wir hervorgingen, entstand genau einmal, im Archaikum, die Universalität des genetischen Codes, die er den vielgestaltigen Hyphen und Myzelien mitgab, die Jahrmillarden lang aus ihm hervorwucherten, beweist es. "Omnis cellula ex cellulae" – wie passend, dass gerade ein Pathologe, Robert Virchow nämlich, dem Leben die ursächliche Pathodiagnose stellt. "Alle Zellen entstehen aus Zellen". Die Generatio spontanaea (Urzeugung) fand einmal in Schopenhauers Schimmelrinde statt, und seither nicht wieder. Es sei denn, Craig Venter schüfe neues Leben aus der Retorte. Nur zu. Und warum sollte es ihm nicht gelingen, es gibt keine Vis vitalis. Anstatt uns mit den Nachfahren eines Schimmelpilzes herumzuschlagen, hätten wir’s dann mit derer zwei Nachkommenschaft zu tun: Fortschritt!

Aber noch gilt Virchows Diktum. Lebendiges erbt Leben stets von Lebendigem. In monotoner Einförmigkeit gebären Zellen Zellen, die Zellen gebären. Man lügt, wenn man sagt, dass neues Leben gezeugt werde. Es vererbt sich nur. Vom ersten Schimmelpilz zu jeder der Milliarden Zellen meines Leibes spannt sich das vererbte Band des Lebens, ununterbrochen. Alles, was in mir lebt, war schon je lebendig und nie tot. Das Singuläre an mir ist nicht meine Lebendigkeit: Das Singuläre wird mein Tod sein, wenn diese Milliarden von Lebensfäden, die jede meiner Zellen mit der Generatio spontanaea des Archaikums verbinden, abgeschnitten werden. Millionenfach stirbt es in mir schon jetzt jeden Tag. "Regeneratio" nennt’s die Wissenschaft, die "Wiedererzeugung", die "Zellmauser" – lauter Euphemismen angesichts der Einsicht, dass der Tod jeder Zelle das Ende einer fast unendlichen Geschichte jahrmilliardenlangen, ununterbrochenen Lebens ist.

"Einförmig stellt Natur sich her, doch tausendförmig ist ihr Tod." (August Graf von Platen, nach der Lektüre von Schopenhauers "Welt als Wille und Vorstellung").

Lebendiges erbt Leben stets von Lebendigem. Es scheint eine Art von ansteckender Erkrankung zu sein, die über die Materie herfällt. Denn eigentlich will die nur eines: zerfallen, dorthin fallen, wo alles eins ist, kein Innen, kein Aussen, kein Verschiedenes.

Eisen, sagt man mir, sei das stabilste Element. Am Ende der Kosmogenie, am Ende des universalen Schimmels, am Ende aller Fusionen und Spaltungen, aller schwarzen Löcher und Supernovae, so sagt man mir, stehe das zeitlose Zeitalter der Eisensterne. Was für ein Glück: Eisen schimmelt nicht.

Helmut Wicht

Veröffentlicht von

Gedankenfragmente von Helmut Wicht, Dozent an der Frankfurter Universität, über Neurobiologie, Anatomie, Philosophie, Gott und die Welt. Seine eigentliche Expertise bezieht sich auf die (Human-)anatomie und die vergleichende Anatomie des Nervensystems.

24 Kommentare

  1. Unendliche Geschichte

    In der Tat, es ist schon eine merkwürdige Vorstellung, dass wir eigentlich, wenn man’s recht bedenkt, 13,7 +/- x Milliarden Jahre alt sind.

    Aber wieso denken Sie, lieber Herr Wicht, dass die Generatio spontanaea nur einmal stattfand?

  2. @ Balanus

    “Aber wieso denken Sie, lieber Herr Wicht, dass die Generatio spontanaea nur einmal stattfand?”

    So lehrte man’s mich, so interpretiere ich die Universalität des genetischen Codes.

    Gibt’s Neueres?

  3. @Helmut Wicht – Urzeugungen

    »Gibt’s Neueres?«

    Wäre es denn nicht schlüssiger, anzunehmen, dass es zahlreiche Versuche und Formen des Lebens gab, dass aber nur eine—nämlich unsere—Variante überlebt hat? Quasi Darwinismus von Anfang an? Schließlich hatten unsere erfolgreichen prokaryotischen Vorfahren über zwei Milliarden Jahre Zeit, alle anderen Varianten aufzufressen. Na ja, und irgendwann war dann der Zug abgefahren und neue “Urzeugungen” nicht mehr möglich.

  4. Grenzen

    Hallo Helmut,
    Du schreibst:

    „Denn eigentlich will die (Materie) nur eines: zerfallen, dorthin fallen, wo alles eins ist, kein Innen, kein Aussen, kein Verschiedenes.“

    Woher wissen wir, was die Materie will, ob sie überhaupt etwas will?

    Tatsache ist, daß Materie auf der Erde seit Urzeiten die Möglichkeiten für Leben bereitstellte, die zur massenhaften Vermehrung von selbstreferentiellen Systemen (Lebewesen) führten.

    Übrigens: Neben den genetischen Vererbungssmechanismen der Zellteilung müssen im Materiellen gleichzeitig Möglichkeiten vorhanden gewesen sein, die zur autopoietischen Bildung von Grenzen benutzt werden können. Es gibt keine Zellen ohne Grenzen, jene speziellen semipermeablen Strukuren, die den zellulären Ordnungszustand gegen schädliche Umwelteinflüsse abschirmen, aber gleichzeitig einen geregelten Austausch von Energie, Nahrung usw. ermöglichen.
    Schon die „Urzelle“ muß als Oase der Ordnung eine Grenze gegen die Umwelt erzeugt haben, innerhalb der die genetischen Vorgänge erst möglich wurden.

    Mein Resümee: Alles was ist, ist in Grenzen. Zu den zeitlichen Grenzen gehören Geburt und Tod.

    Gruß,
    S.R.

  5. @ Rehm

    “Woher wissen wir, was die Materie will, ob sie überhaupt etwas will?”

    Dass sie “will”, sagt Schopenhauer. Was sie “will” sagt der zweite Satz der Thermodynamik, der zu den Eisensternen führt.

    Grenzen: ja, natürlich. Ich wollte nur den Gedanken vortragen, dass – retrospektiv – das in Zellen umgrenzte Leben, das uns hervorbrachte, schon “ewig” lang dauert, dass es – prospektiv – aber rasch vorbei sein wird.

    Wa sdman halt so denkt, Ende November…

  6. @ Schopenhauer – Nachtrag

    Was man vielleicht – um der Morbidität die Spitze zu nehmen und den Beitrag in’s Wissenschaftliche zu ziehen – noch anmerken sollte, ist, dass Schopenhauer, weit vor Darwin, an der zitierten und an vielen anderen Stellen der WWV (erschienen 1819!) ganz selbstverständlich davon ausgeht, dass die “höheren” Lebensformen aus “niederen” hervorgegangen sind. Ich müsst’ noch mal genau nachsehen, ob er das von Lamarck übernommen hat. Verwunderlich ist die “Selbstverständlichkeit”, mit der er diesen Gedanken handhabt, denn in der biologischen Debatte dominierte damals noch das Dogma von der Unveränderlichkeit der Arte.

  7. @ Balanus

    Es mag mehrere Generationes spontaneae gegeben haben, und womöglich gibt’s in dem unübersichtlichen Reich der Archaeen (Archibakterien, da kenn ich mich nicht aus) auch Wesen, die aus einer parallelen Urzeugung stammen. Vielleicht sind ja auch diejenigen Bakteriophagen, die ihr Erbgut in RNS-Stränge niederlegen, bald nach den ersten DNS-codierenden Wesen separat entstanden.

    Ich weiss das nicht.

    Ich weiss nur, dass der wissenschaftshistorische “Zug der Generatio spontanaea” SO lange noch gar nicht abgefahren ist. Wenn ich’s recht erinnere, war es erst Louis Pasteur, der die “Urzeugung in trüben Brühen” via Pasteurisierung widerlegte.

    Und im Übrigen, Ursuppe hin, Ursuppe her: ist es nicht eigentlich sehr VERWUNDERLICH, dass die Generatio spontaneae nicht wieder stattgefunden hatt/stattfindet? Wenn die Bedingungen auf unserem Planeten so sind, dass sie Leben zu erhalten vermögen – warum sind sie dann nicht zugleich so, dass neues Leben enstehen kann?

  8. “Wollen” und wollen

    Sie setzen oben, Herr Wicht, bei Ihren Verweisen in Ihrer Antwort an Herrn Rehm “wollen” jeweils in Anführungszeichen.

    Gehe ich recht in der Annahme, dass Sie so darauf hinweisen wollen (ohne Anführungszeichen!), dass bei Folgen oder Wirkungen von Naturvorgängen davon zu sprechen, die seien von diesen “gewollt”, eine anthropomorphe Ausdrucksweise darstellt?

    Bei der Gelegenheit auch die Frage, ob Ihrer Kenntnis nach auch Schopenhauer seinen Willensbegriff, der real m.W. dem umgangssprachlichen Ausdruck vom “Lebenswillen” entspricht, im Text seiner Abhandlung “Die Welt als Wille und Vorstellung” immer in Anführungszeichen gesetzt hat.

    Die hätten dann nämlich bislang alle übersehen, die ihn immer wieder als Kronzeugen für die von ihnen “eisern festgehaltene” Ansicht anführen, wir seien in der persönlichen, individuellen Bildung unseres eigenen Willens – wieder ohne Anführungszeichen… – nicht frei. Als wenn man autoritativ die Existenz von etwas “aus der Welt schaffen” und für erledigt erklären könnte, noch dazu die Existenz von etwas, das psychologisch sehr wohl auf- oder nachgewiesen, aufgezeigt und so bewiesen, wenn auch nicht mit technischen Apparaten oder statistischen Erhebungen “gezeigt” werden kann.
    Aktuell ist übrigens die öffentliche Aufforderung von Wolf Singer, von Freiheit nicht mehr zu reden bzw. zu sprechen (im Titel eines Textes von 2004, den er m.W. zuletzt in der von H.-R. Duncker 2006 hrsg. Festschrift zum 100jähr. Jubiläum der Frankfurter Wissenschaftlichen Gesellschaft “Beiträge zu einer aktuellen Anthropologie” unter dem inkonsistenten Titel “Selbsterfahrung und neurobiologische Fremdbeschreibung” veröffentlicht hat, allerdings ohne dabei die gute akademische Sitte zu berücksichtigen, dass es sich um einen Wiederabdruck aus der DZPhil handelt – Hintergrundinfos hier), soeben auch im neuen e-Journal für Philosophie und Psychiatrie wieder in Frage gestellt worden. (Zum realen Streitpunkt bei der aktuellen “Hirndebatte” s. die Angaben hier.)

  9. @ Kittel

    Ich hab’ das “Wollen” in dem Kommentar in Gänsefüsse gesetzt, um Arthur Schopenhauer nicht völlig ungerecht zu werden.

    Er sagt in der WWV wieder und wieder, dass das, was wir, als bewusste Wesen, an uns als unser “Wollen” erleben nur EINE (und zwar die differenzierteste) Form desjenigen Prinzips sei, das seiner Ansicht nach die Welt durchherrscht. Für dieses Prinzip, das er nicht bennenen kann, hat er, so sagt er auusdrücklich, das Wort “Wille/Wollen” nur deshalb gewählt, weil es eben die Form sei, in der wir es an usn erleben. Andernorts, so sagt er, manifestiert sich dieses Prinzip im “Drang”, in der “Wahlverwandtschaft” der chem. Verbindungen, im Zueinanderhingezogensein von Ladungen oder deren Abstossung … er zitiert zustimmend Spinoza und sagt, dass der geworfene Stein, hätte er ein Bewusstsein, meinen würde, er habe fliegen wollen. Die Naturgesetze, deren Gültigkeit er ohne weiteres natürluich zugibt, sind ihm eben auch Formen des “Wollens”, besser: eines Dranges nach etwas. Die Gravitation drängt Materie zu Materie…

    Nein, in der WWV wird der Wille/das Wollen zwar wie oben geschildert relativiert, aber nicht in Gänsefüsse gesetzt.

  10. @Helmut Wicht: Schopenhauer und Lamarck

    „…dass Schopenhauer, weit vor Darwin, an der zitierten und an vielen anderen Stellen der WWV (erschienen 1819!) ganz selbstverständlich davon ausgeht, dass die “höheren” Lebensformen aus “niederen” hervorgegangen sind. Ich müsst’ noch mal genau nachsehen, ob er das von Lamarck übernommen hat.“

    Diese Frage hat mich auch interessiert, deshalb habe ich ein bisschen „gegoogelt“ und bin auf diese Seite gestoßen, hier steht:

    „Er (Schopenhauer)bezieht sich wiederholt und eingehend auf die führenden Zoologen seiner Zeit Saint-Hilaire, Lamarck und Cuvier, und andere. Seine Bücher wurden vor Darwin veröffentlicht, enthalten aber viele Gedanken, die ihn und spätere Evolutionsbiologen vorwegnehmen.“

    http://knol.google.com/k/arthur-schopenhauer-vorg%C3%A4nger-darwins#

  11. @ Mona

    Danke,

    was für drollige Einsichten. Vom Orang-Utan die Asiaten, vom Schimpansen die Afrikaner und Kaukasier …

    So explizite, wie das da steht, wundert’s mich allerdings schon ein wenig, dass das grosse Geschrei erst mit Darwin einsetzte. Schliesslich gelangte Schopenhauer noch zu Lebzeiten zu Ruhm. Hat man ihn dennoch nicht gelesen?

  12. Schlechte Psychologen

    Allerbesten Dank, Herr Wicht, für die tolle Kurzauskunft über das Willens-Verständnis von Schopenhauer! In wenigen Zeilen zeigen Sie, wie sprachlich – um es mal so auszudrücken: schillernd – vor der Wittgenstein’schen Wende der Philosophie im letzten Jh. von Berufs- und solchen Denkern, die sich dazu berufen fühlten, gleich “welt”-umspannende Gedanken “ausgedrückt” wurden.

    Psychologisch scheint Schopenhauer auch nicht genauer gewesen zu sein: Drang kennen wir doch auch und sogar zunächst aus dem Eigenerleben, Anhänglich- und Abhängigkeit sogar, “Neigungen” auch in Form von Zu- und Abneigungen aller Art. Und von “Trieben” ist in der Alltagspsychologie (vor allem in jener auf dem Niveau der Küchenpsychologie) besonders gern die Rede, jedenfalls dann, wenn man denen gerne nachgibt wie z.B. dem “Fortpflanzungstrieb”. Und “Motive” fassen selbst Wissenschaftler offenbar der Wortherkunft nach wie “Motoren” auf, die uns antreiben…

    Spinoza scheint ein noch mieserer Psycholog’ gewesen zu sein, wenn er der Ansicht sein konnte, ein Stein würde durch die Luft fliegen “wollen”, hätte er Bewusstsein: fragen sie mal jemanden, der nach einem Stolperer “durch die Luft fliegt”, ob er das wollte oder auch nur wollen würde!

    Wenn ich recht sehe, haben die Herren damals in anthropomorphen Vorstellungen geradezu geschwelgt und das ohne “Hemmungen” oder gar “Blockaden” durch kritisches Bewusstsein für ihre Ausdrucksweise. Oder “gehe” ich in meinen ausschweifenden Phantasien da jetzt meinerseits “zu weit”?

  13. @ Kittel

    Sehen Sie: das trennt mich von der analytischen Philosophie: gerade WEIL die Begriffe “schillern”, finde ich sie wertvoll.

    Ich wollt’ da eigentlich einen eigenen Blogbeitrag drüber schreiben, schon im mich damit für die Veräppelung zu entschuldigen, mit der ich neulich dem Elmar Diederichs gegenüber trat.

    Meine Gedanken sind aber noch nicht gar.

    Nehmen Sie’s bitte im Moment einfach als ein persönlich gefärbtes Statement: ich finde Lyrik oft wahrer als Wissenschaft. Oder sagen wir: anders wahr. Sie vermag Dinge zu sagen, von denen Wittgenstein schweigen muss.

  14. @Helmut: Die Rache der Analytiker

    “Sehen Sie: das trennt mich von der analytischen Philosophie: gerade WEIL die Begriffe ‘schillern’, finde ich sie wertvoll.”

    Herausforderung angenommen. Ich wollte schon lange mal über semantischer Vagheit bloggen. Und wenn wir ‘wertvoll’ messen in Termen von ‘das kann was’, dann schlage ich dir ein kleines Rennen vor: Wir suchen einen topic und jeder liefert was ab. Die parteiische und unterhaltungssüchtige community kann dann entscheiden, welcher approach besser ist.

    Na, was sagst du? Ist doch fair, oder? 🙂

    “Oder sagen wir: anders wahr. Sie vermag Dinge zu sagen, von denen Wittgenstein schweigen muss.”

    Nein. Auch das ist ein Mißverständnis. Es ist wahr, daß es Worte gibt, die uns zum Gehen bringen, während andere uns erlahmen oder wie blind umhertappen lassen: Potente Metaphern bilden nicht einfach Sachverhalte ab, die uns klar vor Augen liegen, sondern sie geben Zusammenhängen Gestalt, von denen wir ohne diese Metaphern nichts wüßten. Insofern ist die Metapher eine Affaire zwischen einem Prädikat mit Vergangenheit und einem Gegenstand, der sich unter Protest hingibt.

    Doch Fragen der Konzeptualisierung, der sprachlichen Bedeutung, des Begründens oder der Sprache selbst primär empirische Fragen sind, die nicht apriori beantwortet werden können. Die semantische Natur der Metapher ist demanch eine Sache der Erkenntnis, nicht der Definition. Metaphern sind in diesem Sinne Leitfossilien aus einer archaischen Schicht des Prozesses theoretischer Neugierde, versehen mit einer Fülle von Stimulationen und Wahrheitserwartungen: Wir benutzen systematisch Modelle und Muster von Schlüssen eines Bereiches unserer Begriffe, um einen anderen, neuen Bereich zu erschließen und zu konzeptualisieren. Solche Übertragungen von Begriffen sind empirisch, motiviert durch deren bisherige theoretische Fruchbarkeit, und hängen entscheidend von unseren Erfahrungen über die Schnittstelle beider Bereiche ab.

    Aber eine Metapher bleibt immer metaphorisch und nichts garantiert, daß sie irgendwann einmal eine elaborierte und haltbare Theorie erhalten wird, die ihre Bildung und Verwendung nachträglich
    legitimiert.

    Du solltest daher ernst nehmen, was Ingo sagt.

  15. @ Helmut Wicht

    Wenn Sie sagen wollen, Assoziatons-“reichtum” habe einen Wert eigener Art, und das Spiel mit Worten, Bildern, facts and fictions ebenso, will ich Ihnen gerne zustimmen, Herr Wicht.

    Wie sähe unser geistiges Leben denn ohne Phantasie und Poesis auch aus?!

    Dass darin sowie in Träumen eine eigene und oft ungeahnt reiche Wahrheit zum Ausdruck kommt, weiß ich als Psycho vielleicht noch mehr als sonst jemand und selbstverständlich auch hoch zu schätzen.

    Nur habe ich bisher angenommen, wir tauschen uns hier über die Wahrheit von Aussagen aus oder besser gesagt darüber, ob sie überhaupt und ggf. wie weit zutreffen, sofern sie überhaupt sinnvoll sind.

    Denn schlichten Unsinn gibt es ja auch noch oder glatten “nonsens”, von dem beispielsweise – weil wir in Brainlogs diskutieren – der australische Neurophysiologe Max Bennett in seinem Fach derart viel gefunden hat, dass er zu dessen Darstellung zusammen mit seinem philosophischen Austausch- und Diskussionspartner P.M.S. Hacker fast ein Halbtausend Seiten gefüllt hat. (Wenn das Buch wie angekündigt nächstes Jahr in der WBG in Gänze auf Deutsch erscheinen sollte, dürfte es schon wegen des Drucks einen noch weitaus größeren Umfang haben – und noch weniger, wie zu befürchten ist, zur Kenntnis genommen und berücksichtigt werden als jetzt schon.)

  16. @ Kittel @Diederichs

    Danke für die Repliken.

    Ich muss heut’ morgen der Materie mit dem Messer dabei helfen, ihrem Ziel, dem Zerfall, zuzustreben: Präparierkurs.

    Mir ist schon klar, dass ich aus wissenschaftlicher Sicht mal wieder auf dünnem Eis bin. Will versuchen, heut’ mittag Antwort zu geben.

    (Bin mir nicht im Klaren, ob ich von Wissenschaft oder Kunst oder beidem reden will)

  17. @Helmut: Ingo’ Vorschlag

    Ich denke auch, daß man nicht einfach auf die Analytiker schimpfen sollte

    1. ohne Argument
    2. ohne wenigstens am Beispiel vorzumachen, was man sich stattdessen gewünscht hätte.

    Denn wenigstens das kann man den Analytikern nicht vorwerfen: Daß sich sich keine Mühe gegeben hätten, ihre Kritik an den anderen Richtungen in der Philosophie zu begründen.

    Einfach nur zu behaupten, daß analytische Philosophie auf gewissen Augen blind sei, ist einfach unseriös: Du mußt uns schon zeigen, daß es gibt, was diese Augen vorgeben zu sehen. Und wenn es das nicht gibt, dann solltest du auch davon schweigen.

    Im übrigen möchte ich dich noch darauf hinweisen, daß die analytische Philosophie in den letzten 30 Jahren viele Themen aufgegriffen hat, die lange als metaphysisch galten, z.B. Liebe, Zeit (=tensed sentences), Personen, Kausalität, Ereignisse, Modalität, freier Wille etc..

    Mit anderen Worten: Die analytische Philosophie ist schon längst nicht mehr NUR der logische Empirismus des Wiener Kreises – und das war sie auch nie.

    Die Eindrücke, die du daher den Lesern von brainlogs vermittelst, sind deshalb in der Sache falsch und unfair.

  18. Wahrheit

    Jede Diskussion über Wahrheit ist, weil diese auf universelle Anerkennung zielt,
    immer auf Kritik, also auch Ablehnung und Konflikt, angewiesen.
    Wer hier kritische Blogbeiträge entfernt ( so wie E. Diederichs meine Antwort auf seine letzte Frage in seinem letzten Blog entfernt hat), der zeigt damit, daß er der Wahrheit „nicht gewachsen“ ist.
    Wenn derjenige von „unfair“ „falsch“ oder „unseriös“ redet, sollte er dabei an die eigene Nase fassen, nicht auf andere zeigen.
    Die Empfehlung zum Schweigen, die er anderen leichtfertig aufdrückt, kann ihm selbst nützlich sein.

    S.R.

  19. @ Elmar

    “Die Eindrücke, die du daher den Lesern von brainlogs vermittelst, sind deshalb in der Sache falsch und unfair.”

    Ich komm’ zu nichts. Kaum zum Nachdenken, nicht zum Antworten.
    Entschuldigung, es ist wirklich nicht der Arroganz oder der Feigheit geschuldet, aber jetzt muss ich Koffer und Poster packen: Fr-So Kongress.

    Ich seh’ noch keinen rechten Grund, mich in Bezug auf das gegenwärtige Posting für Falschheit und Unfairness zu entschuldigen. Das polemische Foul von neulich bitte – nun auch coram publico – mir nachzusehen.

    Bis hierher lese man bitte das, was ich über die analytische Philosophie schrieb, als einen Ausdruck persönlicher Enttäuschung und/oder Ignoranz: ich sehe mich ausserstande, den Gedankengängen zu Themen, die mich eigentlich interessieren, zu folgen.

    Test der analytischen Philosophie (in Hinsicht auf mein beschränktes Gemüt):

    Schreib’ doch mal einen Witz.
    In logischer Notation.

    Wenn ich lachen kann, hast Du erstmal gewonnen.
    (Ich nehm’ auch ein Stück, das mich zu Tränen rührt).

  20. @Helmut: ok

    >Ich seh’ noch keinen rechten Grund, mich
    >in Bezug auf das gegenwärtige Posting
    >für Falschheit und Unfairness zu entschuldigen.

    Der Grund besteht nach meiner Ansicht darin, daß deine Autorität als Wissenschaftler auch ohne dein Zutun als Leumund für die Wahrheit deiner Verächtlichmachungen herangezogen wird.

    >Das polemische Foul von neulich bitte – >nun auch coram publico – mir
    >nachzusehen.
    Was mich angeht, so ist das unnötig. Aber in der Sache würde ich ohne guten Grund nicht nachgeben.

    >ich sehe mich ausserstande, den
    >Gedankengängen zu Themen, die mich
    >eigentlich interessieren, zu folgen.
    Das tut mir leid. Wie kann ich dir weiterhelfen?

    >Test der analytischen Philosophie:
    >Schreib’ doch mal einen Witz.
    >In logischer Notation.
    Die wenigsten Witze wollen wahre Aussagen machen, so daß Witze und Philosophie nicht dasselbe Sprachspiel spielen. Trotzdem akzeptiere ist.

    Ob du wirst lachen können, wird davon abhängen, ob du die Notation verstehst.

  21. @Steffen Rehm: Ihr blog-Betrag

    Der blog-Beitrag von Ihnen wurde – wie angekündigt – gelöscht, weil er die Meta-Diskussion darüber, was ich in meinem blog veröffentlichen darf oder sollte, weitergetrieben hat.

    Zur Sache gehörende Kommentare sind in meinem blog immer willkommen.

    Bitte haben Sie Verständnis, wenn ich Kommentare oder Kommentarteile, die in irgendeiner Weise persönlich werden, nicht aufgreife oder weiterverfolge.

    Generell lösche ich Kommentare aus meinem blog, die die Autoren persönlich angreifen.

    Sachliche Meinungen und seien sie auch noch so ausgefallen oder schlicht unbegründbar, sind hingegen herzlich eingeladen. 😉

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