Der schelmische Erasmus

BLOG: Anatomisches Allerlei

Kopflose Fußnoten von Helmut Wicht
Anatomisches Allerlei

Johann Erasmus von Senckenberg (1717-1795). Nein, nicht der Senckenberg vom Senckenberg-Museum in Frankfurt am Main, nicht der Arzt und Menschheitswohltäter(1), sondern dessen jüngster Bruder.

Und der war ein Schelm. Und zwar zu der Zeit, als das Wort „Schelm“ gerade seinen Sinn wandelte, denn ursprünglich war ein Schelm ein „verworfener mensch, betrüger, dieb, verführer, verräter“. Erst im Laufe des 18. Jahrhunderts veränderte sich die Bedeutung zu „loser, neckischer mensch“.(2) Und eine Schelmengeschichte von Erasmus, in der beide Bedeutungen des Wortes aufscheinen, will ich erzählen.(3)

Erasmus von Senckenberg war Jurist. Heute würde man sagen: ein Winkeladvokat, gerissen, in allen juristischen Finten beschlagen, auf seinen eigenen Vorteil mindestens ebenso bedacht wie auf den seiner Klienten. Eher sogar mehr. Und er war ein versoffener, verhurter, vergewaltigender Dreckskerl.

Seine Köchin hat er mit vorgehaltener Pistole vergewaltigt und geschwängert. Und sich dann geweigert, die Alimente zu zahlen. Als es zu einer Untersuchung der Sache kam, versuchte er sich aus der Affäre zu ziehen, indem er ein von vorne bis hinten von ihm selbst frei erfundenes, gefälschtes Protokoll eines amtlichen Verhöres produzierte, dem zu folgen seine Köchin einen Mordversuch gestanden habe. Der Betrug flog auf. Daraufhin (1749) hatte er einen Prozess wegen Urkundenfälschung am Hals, verlor ihn krachend, und jedermann durfte ihn ab sofort – so wie man Höcke einen „Nazi“ nennen darf – einen „Falsarius“, einen Urkundenfälscher, nennen.

Was seiner Karriere keinen Abbruch tat(4), und ihm die Möglichkeit gab, noch eine Schelmerei oben drauf zu legen(5). Und das ging so:

Anno 1760 starb in Frankfurt ein reicher Baron. Er war mit Erasmus bekannt gewesen, denn dessen Unterschrift bezeugte die Richtigkeit des Testamentes, das der Baron gemacht hatte. Erasmus gedachte, sich selbst in den Besitz eines Teiles der Erbschaft zu bringen, indem er einem Angehörigen der Ehefrau des Verstorbenen, dem durch das Testament nur eine geringe Summe zufiel, weismachte, er könne viel mehr bekommen, wenn er das Testament anfechte. Er, Erasmus, wisse, wie man das anstellen könne, und, sollte das klappen, wolle man zwischen Anwalt und Klient halbe-halbe mit dem Gewinn aus der Sache machen.

Der Klient stimmte zu.

Und Erasmus setzte sich nieder und fälschte einen Brief seines Klienten an die Erben des Barones, des Inhaltes, dass er das Testament anfechte und mit einem Prozess drohe, vorläufig aber bereit sei, sich außergerichtlich zu einigen, sofern man ihm den geforderten Anteil der Erbmasse überließe. Andernfalls werde er vor Gericht ziehen und es bis zum Prozess kommen lassen, und die Erben mögen sich ja keinen Illusionen hingeben, diesen Prozess werde er gewiss gewinnen, denn das Testament sei leicht anzufechten, indem es von dem stadtbekannten und gerichtsnotorischen Falsarius Erasmus von Senckenberg bezeugt worden sei.

Das war die Pointe.(6)

Finis, Vorhang ´runter, Ende der Anekdote vom schelmischen Erasmus.(7)

Fußnoten:

(1) Er selbst hatte allerdings mit diesem Museum gar nichts zu tun. Die Senckenbergische Naturforschende Gesellschaft, die das Museum gründete und betreibt, entstand erst ein halbes Jahrhundert nach J. C. Senckenbergs Tod, ihm zu Ehren hat sie sich so benannt. Er selbst war Arzt und hat eine heute noch bestehende medizinische Stiftung aufgerichtet, die Dr. Senckenbergische Stiftung eben.

(2) nach Grimms Wörterbuch

(3) Und zwar gestützt auf G. L. Kriegk, Die Brüder Senckenberg. Eine biographische Darstellung. Frankfurt am Main, 1869, Verlag von J.D. Sauerländer.

(4) Das ist ein ganz eigenartiger Teil der Frankfurter Lokalgeschichte. Erasmus war Senator und hätte es beinahe – als der ganze Vergewaltigungsskandal noch am Köcheln war – bis zum Bürgermeister gebracht. Das mag zwei Gründe haben. Erstens war er allerbestens über die schmutzige Wäsche seiner Kollegen Senatoren informiert, wohl fürchtete man, er könne sie kompromittieren, wenn es zu einem Prozess käme. Zweitens gab es da noch den großen Bruder, Johann Heinrich Senckenberg. Und er war ebenfalls Jurist – und Hofrat beim Kaiser in Wien, quasi Reichsinnen- und -justizminister. Die freie Reichstadt Frankfurt war reichsunmittelbar, direkt dem Kaiser in Wien unterstellt, und von dort aus hielt Heinrich seine schützende Hand über Erasmus.

(5) Das schöne Wort: “Auf einen Schelmen anderthalbe” ist von Goethe.

(6) Dass der Fälscher in seiner Fälschung sein Fälschertum als falsche Begründung der Anfechtbarkeit eines echten Testamentes verwendet – das ist Schelmerei im Sinne von „Betrügerei“, aber auch im Sinne von „neckische Selbstdemontage“. Ich weiss nicht, ob die Frankfurter damals gelacht haben. Ich jedenfalls lachte.

(7) Die Sache flog natürlich auf, und Erasmus hatte den nächsten Skandal am Bein. 1769 endlich wurde er von seinem Amt als Senator suspendiert, und für den Rest seines Lebens in der Hauptwache in Frankfurt eingesperrt. Und er lebte noch lange, bis 1795.

Postskriptum:

Mir fällt noch ein, dass man, wollte man weiter in altmodischen Worten schwelgen, den Erasmus auch als “ränkisch”, “heimtückisch”, “falsch” oder “intrigant” bezeichnen könnte, und sein Tun als “Kabale”. Was mir aber fehlt, ist ein schönes, altes, einzelnes Wort für “Selbstverarschung” oder “Opfer der eigenen Ränke” oder “sich in den eigenen Netzen fangen”. Gibt’s da was?

Helmut Wicht

Veröffentlicht von

Gedankenfragmente von Helmut Wicht, Dozent an der Frankfurter Universität, über Neurobiologie, Anatomie, Philosophie, Gott und die Welt. Seine eigentliche Expertise bezieht sich auf die (Human-)anatomie und die vergleichende Anatomie des Nervensystems.

55 Kommentare

  1. Daraufhin (1749) hatte er einen Prozess wegen Urkundenfälschung am Hals, verlor ihn krachend, und jedermann durfte ihn ab sofort – so wie man [Hervorhebung : Dr. Webbaer] Höcke einen „Nazi“ nennen darf – einen „Falsificarius“, einen Urkundenfälscher, nennen.

    Nur eine Marginalie :
    Der eine war ein verurteilter Urkundenfälscher, blieb so tatsächlich zu benennen, der andere, Björn Höcke sein Name, darf in der BRD ungestraft und der für in Liberaler Demokratie zentraler Freiheit der individuellen Meinungsäußerung geschuldet als ‘Nazi’ bezeichnet werden (ohne es sein zu müssen).

    Disclaimer :
    Dr. Webbaer ist kein ‘Nazi’, sondern nur jemand, der auf Präzision, vgl. mit dem im Zitat hervorgehobenen ‘so wie’ (“Gleichsetzung”), ein wenig Wert legt.

    Mit freundlichen Grüßen und dem werten hiesigen Inhaltegeber goldene Zwanziger wünschend
    Dr. Webbaer

    • Gemäss Wikipedia war Erasmus von Senckenberg hochbegabt, aber zugleich „habgierig, rachsüchtig und despotisch“ und wie seine Brüder ein Sonderling, jedoch anders als seine Brüder auch noch böswillig.

      Erstaunlich, dass es solche Menschen wie Erasmus gibt, Menschen, die so offen verworfen und hinterhältig sind, und das obwohl sie eigentlich damit rechnen müssen, dass es ihnen irgendwann heimgezahlt wird.
      Und es wurde ihm heimgezahlt. Er entging nur knapp dem Todesurteil.

      Johann Erasmus von Senckenberg führte sich also auf als wäre er einem Theaterstück entsprungen, einem Theaterstück in dem der Regisseur etwas zu dick aufgetragen hat.

    • Korrektur :
      Herr Björn Höcke darf in der BRD ungestraft ‘Faschist’ genannt werden.

    • „einen „Falsificarius“, einen Zitatfälscher“

      Korrektur: Falsificarius Falsarius

      MfG @Dr. Webbaer, der auf Präzision ein wenig Wert legt

      • @ Joker

        Mea culpa, fürchte ich.
        Ich hatte in einer ersten (veröffentlichten) Version “Falsificarius” geschrieben – dann aber gemerkt, dass es dieses Wort, wiewohl es so schön nach “Falsifikat” klingt, gar nicht gibt. “Falsarius” ist das Wort, das einstens für “Fälscher” gebraucht wurde. Ich hab’ das dann im Text korrigiert, ohne es anzumerken.
        Sorry.

        • „korrigiert, ohne es anzumerken“

          Ah, Trick 17 mit Selbstüberlistung!

          Das Einverständnis @Dr. Webbaers vorweggenommen, Absolution ist erteilt.

      • @ Kommentatorenfreund ‘Joker’

        Auch das noch!

        Klang aber plausibel, also das mit dem ‘Falsificarius’.
        Falsch kommt wohl von fallen und als Metapher sozusagen gefallende Aussagen (bevorzugt : anderer) meinend, ‘fallere’ :

        -> https://en.wiktionary.org/wiki/fallo#Latin

        Es kann insofern auch mit den substantivierten Adjektiven ‘Falsicus’ und ‘Falcificatus’ versucht werden.

  2. „Ich jedenfalls lachte.“

    Ich ebenfalls.

    Wie meine nächtlichen Recherchen ergaben gibt es in Frankfurt sogar eine Schelmenburg, die den Schelmen von Bergen gehörte. Wikipedia sagt: „Bekannt sind die Schelme von Bergen durch die Sage, welche die Herkunft auf Henker oder Abdecker zurückzuführen sucht.“ (Denkmal)

    • @ Joker
      Wusst’ ich nicht, danke, schöner Baustein in meiner Lokalanekdoten-Sammlung.

      @ Holzherr
      Richtig mulmig wird es einem (so als “kleiner Mann”), wenn man das exekutiv/juristische Vorgehen damals, so um 1750, in der Causa Erasmus/Vergewaltigung sich genauer ansieht.

      Im eigentlichen Vergewaltigungsfalle geschah – nichts. Aber die missbrauchte Köchin und der Sekretär von Erasmus v. Senckenberg (der die Vergewaltigung, die anno 1747 geschah, auch hätte bezeugen können), wurden aufgrund von Senckenbergs gefälschtem Verhörprotokoll festgesetzt – und blieben es 2 Jahre lang, bis zu dem Ende des Prozesses (1749), in dem Erasmus als Fälscher verurteilt worden war. Den beiden wurde eine Entschädigung zugesprochen – die Erasmus nie zahlte. Erasmus selbst erhielt – als “Strafe” – eine Ermahnung vom Senat der Stadt Frankfurt …

  3. Also mir bleibt bei solchen Typen das Lachen im Halse stecken. Scheinbar hätte dieser Kerl mit seinen Charaktereigenschaften auch noch heute beste Chancen um Karriere zu machen. Urkundenfälschungen bzw. gefälschte Doktorarbeiten von Politikern, Vergewaltigungen in Besenkammern sind heute das Sprungbrett, um als Rampensäue in die Medien zu kommen bzw. Millionär zu werden. Und die Moral von der Geschicht : Man ist ein schelmischer Mensch, wenn man andere bescheißt.

  4. Helmut Wicht schrieb (16. Jan 2020):
    > […] Er, Erasmus, wisse, wie man das anstellen könne, und, sollte das klappen, wolle man zwischen Anwalt und Klient halbe-halbe mit dem Gewinn aus der Sache machen.
    > Der Klient stimmte zu.

    > Und Erasmus setzte sich nieder und fälschte einen Brief seines Klienten […]

    Wieso wäre der Brief denn gefälscht, und nicht in Kenntnis und mit Zustimmung des Klienten verfasst (und ggf. auch vom Klienten unterzeichnet) worden ?
    War es etwa Erasmus’ (womöglich hinterhältige) Absicht, den Inhalt des Briefes und somit die Einzelheiten der genannten, Gewinn-versprechenden Sache vor dem Klienten zu verbergen ? …

    p.s.
    > Was mir aber fehlt, ist ein schönes, altes, einzelnes Wort für “Selbstverarschung” oder “Opfer der eigenen Ränke” oder “sich in den eigenen Netzen fangen”. Gibt’s da was?

    Ein einzelnes (geschweige denn altes, oder gar schönes) Wort für “sich selbst ein Bein stellen” ? —
    Blowback.

    • @ Wappler

      Der Klient – ein Pfarrer übrigens – behauptete, er habe von diesem Brief nichts gewusst und ihn nicht unterschrieben.

      Ich weiss, dass man mit Unterschriften auf Schriftstücken im 18. Jhdt. ziemlich lax umging. Es gab Schreiber und Sekretäre und “Eigenhändigkeit” war ein Problem. Mir liegen Dokumente aus FFM vor, in denen ein und dieselbe Person “unterschreibt” (vielleicht unterschrieb der Schreiber), und zwar einmal mit dem Vornamen “Sigmund”, zwei Wochen später mit “Sigismund”. Und mit unterschiedllichen Handschriften. Aber aus dem Kontext, in dem die Dokumente stehen, geht klar hervor, dass es EINE Person gewesen sein muss.

  5. Herr Wicht,
    Schelm ist ja wohl eine falsche Bezeichnung für so einen Menschen.
    Dass Sie so ein Thema aufgreifen, das ehrt Sie.

    • @ Wied
      Nun, ich dachte, ich hätte die Bedeutung des Wortes “Schelm”, das im 18. Jhdt. noch deutlich negativer besetzt war als heute, im Text klar gemacht. Sympathisch ist mir der Erasmus auch nicht.

  6. Helmut Wicht,
    je länger ich über die Umstände der Vergewaltigung nachdenke, desto seltsamer kommt sie mir vor.
    War dieser Johann Erasmus kleinwüchsig, war er so hässlich, dass er die Köchin mit vorhaltener Pistole vergewaltigt ?
    Man sollte mal eine Prostituierte fragen, was sie von der Geschichte hält.
    Man bedenke auch den Fall Kachelmann. Da hat die Aussage der Frau nicht gestimmt.

    • @bote

      Ich hab in den letzten Jahren wahrlich schon viele dämliche Kommentare von dir gelesen, aber der hier hat noch mal eine ganz eigene Qualität.

      Ist der Ruf erst ruiniert,
      kommentiert sich‘s gänzlich ungeniert.

  7. Joker,
    immer sachlich bleiben.
    So eine Pistole hatte im 18. Jahrhundert mindestens eine Länge von 30 cm. Das waren Vorderlader mit Steinschloss.
    Wie soll denn da die Vergewaltigung vor sich gehen, mit 30 cm Abstand ?
    Der kann sie höchstens gezwungen haben sich auszuziehen.
    Herr Wicht tischt uns hier eine Räuberpistole auf, sein erzählerisches Talent ist gut.
    Bei diesem Vorfall gab es keine Augenzeugen und nur auf Grund der Tatsache, dass Erasmus Urkunden gefälscht hat, kann man nicht schließen, dass er ein “versoffener, verhurter, vergewaltigender Dreckskerl.” war. Das ist eine Meinung, keine Tatsache.

    Und jetzt komme ich zum Kern meiner Aussage. Warum erzählt uns Herr Wicht so eine Geschichte ?
    Jetzt kommt Herr Höcke ins Spiel.
    Herr Wicht, Ihre Anwort ist gefragt !

  8. @ Wied

    Meine Quelle (den Kriegk) habe ich offen gelegt, und der wiederum stützt sich, was das Charakterbild des Erasmus angeht, auf eine überwältigende Zahl von Originaldokumenten, darunter die Tagebücher von Erasmus’ Bruder, J.C. Senckenberg, der von jenem auch keine hohe Meinung hatte. Die Wortwahl “versoffen, verhurt und vergewaltigend” stammt allerdings von mir, doch gibt es genug Quellen, die öffentlichen Suff und Hurerei belegen. Für die Vergewaltigung gab es Zeugen – zwei weitere Bedienstete des Erasmus.

    Die Geschichte hab’ ich der bizarren Fälscher-Pointe halber niedergeschrieben. Den Seitenhieb auf Höcke hätt’ ich mir allerdings auch schenken können, da quoll mir die Galle angesichts der politischen Lage des 21. Jhdts in eine ebenso gallige Geschichte aus dem 18. Jhdt. hinein.

    Es ist übrigens keinem “Gerechtigkeit” geschehen, nicht nach damaligen, nicht nach heutigen Massstäben. Dem Erasmus nicht – er sass bald 30 Jahre lang ohne Anklage und Prozess als Staatsgefangener in der Hauptwache. Und der Köchin – Agricola hat sie geheissen – erst recht nicht. Ihre Spur verliert sich mit einer letzten Petition, in der sie beklagt, dass sie von Erasmus nie einen Heller bekommen habe.

    Es ist, mit anderen Worten, eine tieftraurige Geschichte mit einer schrägen, bösartigen Pointe, und derlei Geschichten mag ich nun mal.

    Reicht das hin?

    • Ganz genau, Herr Dr. Wicht, Seitenhiebe dieser Art müssen, wenn überhaupt in Betracht gezogen, trefflich erfolgen.
      Ansonsten könnten Sie versuchen wollen mit der Existenz politisch rechter politischer Parteien auszukommen.

  9. Herr Wicht,
    das reicht vollauf, zumal, die Wirklichkeit toppt jede Phantasie .
    Wir waren vorgestern auf dem Thaterschiff in Stuttgart und da wurde das Stück “Der Tatortreiniger ” aufgeführt. Da ging es um Mord und und anschließendem Sex mit einer Prostituierten, die ein Date mit dem Ermordeten gehabt hat. Und da sie es derb mögen, ein kleiner Ausschnitt. Die Prostituierte zieht dem Tatortreiniger die Hose herunter und sagt: Da sitzt ja eine grüne Fliege, wie ekelig !”
    . Diese Mischung stimmt immer.
    Mich interessieren halt die Charaktere und deren Motive.
    Übrigens, was ist aus dem Kind von Agricola geworden ?

    • @bote

      „zumal, die Wirklichkeit toppt jede Phantasie“

      Umgekehrt, deine einerseits ausufernde, andererseits auch arg beschränkte Phantasie toppt in Wirklichkeit alles.

      Wie kommst du darauf, man müsse kleinwüchsig und hässlich sein, um zu vergewaltigen, bzw. um dann dazu eine Pistole zu benötigen, bzw. nur dann einsetzen zu können?
      In welcher Hinsicht könnte die Meinung einer Prostituierten zu dem Fall aufschlussreich sein?
      Warum soll man den Fall Kachelmann bedenken? Traust du ausschließlich heutigen Gerichten eine Wahrheitsfindung zu?

      Und jetzt komme ich zum Kern meiner Aussage, warum tischt du uns so einen abstrusen Kommentar auf?

      @bote, deine Antwort ist nicht gefragt!

      Schelm, erkenne dich selbst.

  10. Joker,
    Herr Wicht hat ausführlich geantwortet und er ist auf Einzelheiten dabei eingegangen. Dabei geht es auch . Wenn man den Geschmack des Mitkommentators nicht trifft, ist das nicht beabsichtigt.
    So ist das mal im Leben. Sie dürfen Ihren Geschmack nicht für allgemeingültig halten.

    Was jetzt die Gerichtsurteile betrifft, die früheren Gerichte waren so wie sie waren, so gerecht, wie es die Obrigkeit zugelassen hat.
    Die Tatsache, dass Erasmus 30 Jahre lang ohne Anklage und Prozess als Staatsgefangener in der Hauptwache war, spricht doch dafür, dass man die Person als Psychopathen erkannt hat. Er hat wahrscheinlich auch zuviel gewusst, deshalb hat man den Fall “ausgesessen”.
    Was jetzt den Vorschlag mit der Prostituierten betrifft. Ich hatte mal ein Gespräch mit einem Schöffen und der wollte meine Meinung zu einem Gerichtsfall in S. hören. Dabei ging es um Mord und wie sich die beiden Hauptverdächtigen gegenseitig beschuldigt haben. Der Fall spielte im Mileu und nur wer dort ständig ist, der kann beurteilen, was gängige Praxis ist. Ich hatte dem Schöffen geraten sich dort mal umzuhören.
    Was den Herrn Kachelmann betrifft, das ist ja mal ein aktuelles Beispiel, wie ein Gericht zuerst dem Vorurteil folgend in eine Sackgasse gerät.
    Sonst gibt es nichts Hintergründiges zu verlautbaren.

    • @bote(H.Wied)

      „Sie dürfen Ihren Geschmack nicht für allgemeingültig halten.“

      Ich halte nicht einmal Logik für allgemeingültig (obwohl ich es theoretisch wohl dürfte). Es gibt einfach zu viel empirische Belege, die dagegen sprechen, speziell Kommentare.

      Ein Schelm, wer Übles dabei denkt.

  11. „Was mir aber fehlt, ist ein schönes, altes, einzelnes Wort für “Selbstverarschung” […]“

    Das trifft nicht ganz das Gesuchte, aber es enthält zumindest ein schönes, altes Wort. Man könnte sagen, der Erasmus hat mit seiner Selbstbezichtigung als Fälscher in einer Fälschung eine doppelte Volte geschlagen.

  12. @ Joker

    “Doppelte Volte” ist in der Tat schön retro. Freilich kommt mir dann auch der “Salto mortale”, der “tödliche Sprung” in den Sinn. Ansonsten fällt mir noch der “Rohrkrepierer” und der “Beinschuss” ein.

    Aber eh’ egal. Acta sunt fabula, danke für’s Mitmachen.

  13. H. Wicht,
    das Vorgehen von Senckenberg verdient doch eine Wortneuschöpfung.
    Im Schach verwendet man den Begriff “Gambit” = jdm. ein Bein stellen und der Sinn dabei ist durch Überraschung und Täuschung zu einem Vorteil zu kommen.
    Das liegt ja in unserem Falle vor , nur dass es den Betroffenen Kopfschmerzen bereitet hat und dem Betrachter Vergnügen.

    also aus Gambit machen wir Malbit Senckenebergii
    oder nur ganz kurz jdm. senckenbergen.

    • Im Schach verwendet man den Begriff “Gambit” = jdm. ein Bein stellen und der Sinn dabei ist durch Überraschung und Täuschung zu einem Vorteil zu kommen.

      Vergleiche :
      -> https://www.etymonline.com/search?q=gambit

      Ein Kampfkünstler stolpert sozusagen, täuscht sein Stolpern nur vor, um sich so in Nachteil zu begeben und doch Vorteile daraus zu ziehen, dass sein Stolpern, das kampfkünstlerisch generell nicht angeraten ist, hier nur als Vortäuschung nicht, den Gegner zu einem weit schwerwiegenderen Fehler anleiten kann.

      Im gemeinten Brettspiel ist wohl gemeint, dass ein Spieler “Material”, also Spielfiguren, verliert, sich schlagen lässt, dabei aber doch eine ganze Menge Hintersinn hat und von Anfang gewillt war zurückzuschlagen, also keinen direkten Spielfehler gemacht, sondern bewusst gehandelt hat.
      “Material” ist in Brettspielen eine Größe, die diese Spiele nicht alleine ausmacht, es geht da auch um Dynamik und Effektivität eingesetzten “Materials”.

      In der Wirtschaft und Politik können Gambits, auch Opfer genannt, vgl. bspw. mit dem Bauernopfer, ganz ähnlich funktionieren.

      Ansonsten können Betrüger, um die geht womöglich zuvörderst im dankenswerterweise beigebrachten WebLog-Artikel durch Dreistigkeit sehr erfolgreich sein, Betrogene räumen dann auch gerne wegen Peinlichkeit den Betrug des idR charmanten Betrügers nicht ein und stärken seine Position so nachgetragen.
      Sie sind dann auch legendenfähig.

      • *
        hier nur als Vortäuschung [dient]

        Ja, auch Dr. W ist nicht immer präzis.

  14. @Helmut Wicht

    »Was mir aber fehlt, ist ein schönes, altes, einzelnes Wort für “Selbstverarschung” …«

    Wäre das Wort “Selbstverarschung” denn etwas anderes als als eine vulgär-anatomische Verunstaltung dessen, was in Kreisen, wo ein weniger ordinärer Ton gepflegt wird, womöglich seit jeher schlicht als “Selbstüberlistung” bezeichnet wird?

    Letzteres scheint dann auch für die gehobenen Belange juristischen Sprachgebrauchs angemessen zu sein, zumindest in der Schweiz, wie [dieses Beispiel] vermuten lässt.

    • Etwas ausführlicher: Trick 17 mit Selbstüberlistung.

      „In der Schweiz verwendet man dafür den sehr ähnlichen Ausdruck Trick 77“ (Wikipedia)

  15. @ Chrys

    Das Wort “Selbstüberlistung” ist in der Tat eine stilvolle Alternative zu der zu Recht als vulgär gebrandmarkten “Selbstvera…”; und der Vorschlag steht einem, der den Namem “chrysostomos”, mithin also “Goldmund”, in seiner email-Adresse führt, wohl zu Gesicht und zu Maule … äh: Munde.

  16. H.Wicht, Chrys,
    die Pointe in diesem Verwirrspiel ist eben nicht die Selbstüberlistung,
    sondern wie es der Themengeber so schön formuliert hat : “Dass der Fälscher in seiner Fälschung sein Fälschertum als falsche Begründung der Anfechtbarkeit eines echten Testamentes verwendet”
    für diese Dreistigkeit gibt es noch gar kein Wort, das ist schon genialisch oder komödiantisch.
    Mich wundert, dass bei solcher Sprachbegabung Erasmus eine Frau mit der Hilfe einer Pistole vergewaltigt hat.
    Das einzige Wort was kurz und treffend wäre , ist , er “narrt” seine Mitmenschen.
    Übrigens war am Sonntag das größte Narrentreffen Europas mit 10 000 Hästrägern, = Teilnehmer im Narrenkostüm. in Bad Cannstatt.
    Im vergangenen Jahr wurde eine junge Frau von den Vermummten in einen Kübel mit kochendes Wasser gesteckt. Die Frau wurde lebensgefährlich verbrannt, die Täter konnten nicht ermittelt werden.

    • @bote

      „… eine junge Frau …“

      Im Prinzip stimmt die Geschichte.

      Es war aber nicht in Bad Cannstatt, sondern in Eppingen.
      Es war nicht letztes Jahr, sondern vor zwei Jahren.
      Die Frau wurde nicht gesteckt, sondern ist jemandem entglitten.
      Ein Mann wurde in erster Instanz zu einer Geldstrafe verurteilt.

      Der traditionelle Nachtumzug, bei dem das Unglück geschah, findet seitdem nicht mehr statt.

      Warum erzählt @H.Wied uns so eine Geschichte?

      „Mich wundert, dass bei solcher Sprachbegabung Erasmus eine Frau mit der Hilfe einer Pistole vergewaltigt hat.“

      Mich wundert bei dir gar nichts mehr.

  17. Joker,
    Gratulation, Sie haben gut recherchiert.
    Warum ? Es geht um die Motive. Warum riskiert ein Ratsherr von niedrigem Adel durch Betrug seine Reputation ? War es Geldnot ?
    Sein Bruder, Arzt und Menschheitswohltäter hat wohl mehr den Anderen wohlgetan nur nicht seinem eigenen Bruder.
    Es war sicher Neid und Eifersucht im Spiel und die Rache an der Gesellschaft.
    Warum vergeht er sich an der Köchin, wenn er doch auch eine Prostituierte gefunden hätte. Er hatte sicher keine Frau, die es länger mit ihm ausgehalten hat, er war also ein Soziopath.
    Anmerkung: Sind Sie eine Frau ?

  18. @ Wied

    Ich freu’ mich ja über Kommentare, und das Blog heisst ja auch “Anatomisches Allerlei”, aber für so allerlei ganz Diffuses und Nebliges ist es eigentlich nicht gedacht.

    @ Joker

    Ich freu’ mich ja über Kommentare, aber den Nebel, den andere hier werfen, werden Sie auch nicht lichten.

  19. H.Wicht,
    aus Ihrem Munde das zu hören, das erstaunt. Diffus ist die Wirklichkeit.
    1775 gab es die letzte Hexenverbrennung in Deutschland.
    Glauben Sie die Richter waren dumm, vorurteilsbelastet um es mal vorsichtig zu formulieren oder sind die nur dem Zeitgeist gefolgt.
    Also, um es kurz zu machen, das Vertrauen in die damalige Justiz ist nicht zu begründen.
    Der Fall Senckenberg, der wird reisserisch dargestellt, das war damals nicht anders. Für die Öffentlichkeit war Senckenberg abgestempelt. Mitkommentator Joker hat es treffend karrikiert: Ist der Ruf erst ruiniert……..
    Und wenn sein Bruder der Ratsherr war, dann ist auch leicht vorstellbar, dass der Moralist war. Und was auch noch auffällt, Johann Wolfgang von Goethe, der hat Frankfurt verlassen. Warum wohl ?
    Goethe hatte es auch mit den Frauen. Nur hat der sie nicht mit der Pistole bedroht, der hat sie einfach sitzenlassen.
    Also, Herr Wicht, entscheiden Sie sich , skurile Geschichten oder die nackte Wahrheit, wobei die Wahrheit die Phantasie oft übertrifft.

  20. @Joker / 22.01.2020, 14:44 Uhr

    »Warum erzählt @H.Wied uns so eine Geschichte?«

    Vielleicht postmodernes Gezwitscher nach dem Vorbild von AFN (Alternative Facts Network)?*

    * Kennst Du bestimmt, das ist der News Channel, der auch `Und täglich grüsst das Trumpeltier‘ produziert. Bei einigen ist das scheinbar sehr angesagt.

  21. Chrys,
    Entschuldigung dass ich mich da einmische, aber bevor hier eine neue Legende entsteht. Der Grund ist, dass Herr Wicht skurile Geschichten mag und dass so ein Narrentreffen, wie es in Bad Cannstatt stattgefunden hat, nicht überboten werden kann.
    Was meine Meinung zu Erasmus Senckenberg betrifft, da sind doch Zweifel aufgekommen. Die moderne Kriminologie benützt Täterprofile und bei Erasmus passt das überhaupt nicht, wenn es sich so abgespielt hat , wie beschrieben.

  22. @ Wied

    Werter Herr Wied,

    auch mir – nicht nur den anderen Kommentatoren – fällt es schwer, das, was sie schreiben, als irgendwie substanzhaltig einzustufen. In Ihrem letzten Kommentar reden Sie von einer Hexenverbrennung anno 1775, eine kurze Recherche ergibt jedoch, dass die nie stattgefunden hat. Sie schreiben weiter, dass der Bruder von Erasmus Ratsherr gewesen sei, was nicht stimmt, der Ratsherr (Senator) war – wie oben im Text steht – Erasmus selbst. Endlich der irrationale – durch eine nicht-beantwortete rhetorische Frage (“Warum wohl?”) weiter verwirrte – Gedankensprung von Erasmus’ Pistole zu Goethes Beziehungsverhalten …

    Weder weiss ich also, was Sie sagen wollten, noch, was ich antworten soll, weswegen dies einstweilen meine letzte Antwort auf Ihre Beiträge sein wird. Noch halte ich sie (Ihre Kommentare) für harmlosen Unsinn, sollte es ärger werden, werd’ ich von meinen administrativen Privilegien Gebrauch machen.

    • Es kann derart von ‘harmlosen Unsinn’ gehalten werden :

      Noch halte ich sie (Ihre Kommentare) für harmlosen Unsinn, sollte es ärger werden, werd’ ich von meinen administrativen Privilegien Gebrauch machen.

      Dr. W verfügt hier über langjährige Kommentatorenfreundschaft und unser Freund kann auch relevant, wichtich sozusagen, vortragen.
      Ansonsten als Gegenbeispiel, Herr ‘bote’ geht auf die 80 zu.
      MFG – WB

  23. H.Wichtich
    mit der Soap haben Sie begonnen. Könnte es sein, dass Sie nicht getoppt werden wollen?

    Dr. W.
    Zur Erinnerung , wir haben hier in Süddeutschland Narrenzeit. Da muss man sich kulturell anpassen. Eine Relativierung ist nicht angezeigt.

    • Es wäre schon gut, wenn Sie zumindest auf besonderen Wunsch hin, Kommentatorenfreund ‘bote’, inhaltlich präziser werden könnten.
      Nicht einfach so plappern, wenn bereits ein wenig schlechte Stimmung erzeugt worden ist.
      Nehmen Sie sich womöglich ein Beispiel an den Ergänzungen von Dr. Webbaer weiter oben, der zu Herrn Björn Höcke und zum ‘Gambit’ ein wenig ergänzen konnte, was sicherlich auch nicht so-o gut angekommen ist, abär eben substantiiert war.

  24. @Chrys

    Fake News: Klar kenn ich den Kanal AFN. Habe letztes Jahr sogar für die gearbeitet. Ich war jung und brauchte das Geld.

    Gruß
    Falsarius Joker

    PS.
    Zur Zeit recherchiere ich wieder in Originalen. Der komplette Kriegk ist online. (Google Books)
    Auf der Suche nach der Sage des Schelms von Bergen bin ich sogar auf eine Anatomie (sic!) des Schelmenromans gestoßen. (Nur Auszüge online)

    • Danke für den interessanten Buch-Kriegk-Hinweis, der wohl auch Herrn Wicht nicht entgangen sein wird, oder gar seinen Post begründet.

  25. Helmut Wicht schrieb (16. Jan 2020):
    > […] Anno 1760 starb in Frankfurt ein reicher Baron. Er war mit Erasmus bekannt gewesen, denn dessen Unterschrift bezeugte die Richtigkeit des Testamentes, das der Baron gemacht hatte. Erasmus

    … riet …

    > einem Angehörigen der Ehefrau des Verstorbenen, dem durch das Testament nur eine geringe Summe zufiel, weismachte, er könne viel mehr bekommen, wenn er das Testament anfechte.

    … Und Erasmus verfasste (vgl. obige Kommentare 17.01.2020, 17:17 Uhr und folgenden) …

    > […] einen Brief seines Klienten an die Erben des Barones, des Inhaltes, dass er das Testament anfechte und mit einem Prozess drohe, vorläufig aber bereit sei, sich außergerichtlich zu einigen, sofern man ihm den geforderten Anteil der Erbmasse überließe. Andernfalls werde er vor Gericht ziehen und es bis zum Prozess kommen lassen, und die Erben mögen sich ja keinen Illusionen hingeben, diesen Prozess werde er gewiss gewinnen, denn das Testament sei leicht anzufechten, indem es von dem stadtbekannten und gerichtsnotorischen Falsarius Erasmus von Senckenberg bezeugt worden sei.

    > […] Die Sache flog natürlich auf […]

    In wie fern war der hier so geschilderte Sachverhalt denn überhaupt “(auf)flug”-tauglich ? —
    Wo genau steckte denn die “Überlistung” in dieser ach-so-amüsanten aber womöglich doch nur vermeintlichen “Selbstüberlistung” ??

    War es etwa nicht erlaubt, ein Testament anzufechten ?
    War es etwa gesetzwidrig, eine außergerichtliche Einigung vorzuschlagen und ggf. abzuwickeln ?
    War Erasmus’ Schilderung der Argumente, die ggf. in einem Prozess vorgebracht worden wären, etwa gelogen ? …

    (Na gut: immerhin hat er zweifellos die Kleinigkeit ausgelassen, welcher Anwalt diese Argumente im eventuellen Prozess vorbringen würde. »Is that wrong ? …«)

    p.s.
    Hat der Klient (im Nachgang) einen Prozess um seinen Anteil an der Erbschaft geführt (dann ggf. zweifellos mit einem anderen Anwalt) ?
    Oder hat er sich mit den anderen Erben noch außergerichtlich auf einen größeren Anteil geeinigt, als ihm ursprünglich zugedacht war ?

  26. Helmut Wicht schrieb (16. Jan 2020):
    > […] Anno 1760 starb in Frankfurt ein reicher Baron. Er war mit Erasmus bekannt gewesen, denn dessen Unterschrift bezeugte die Richtigkeit des Testamentes, das der Baron gemacht hatte. Erasmus

    … riet …

    > einem Angehörigen der Ehefrau des Verstorbenen, dem durch das Testament nur eine geringe Summe zufiel, […] er könne viel mehr bekommen, wenn er das Testament anfechte.

    … Und Erasmus verfasste (vgl. obige Kommentare 17.01.2020, 17:17 Uhr und folgenden) …

    > […] einen Brief seines Klienten an die Erben des Barones, des Inhaltes, dass er das Testament anfechte und mit einem Prozess drohe, vorläufig aber bereit sei, sich außergerichtlich zu einigen, sofern man ihm den geforderten Anteil der Erbmasse überließe. Andernfalls werde er vor Gericht ziehen und es bis zum Prozess kommen lassen, und die Erben mögen sich ja keinen Illusionen hingeben, diesen Prozess werde er gewiss gewinnen, denn das Testament sei leicht anzufechten, indem es von dem stadtbekannten und gerichtsnotorischen Falsarius Erasmus von Senckenberg bezeugt worden sei.

    > […] Die Sache flog natürlich auf […]

    In wie fern war der hier so geschilderte Sachverhalt denn überhaupt “(auf)flug”-tauglich ? —
    Wo genau steckte denn die “Überlistung” in dieser ach-so-amüsanten aber womöglich doch nur vermeintlichen “Selbstüberlistung” ??

    War es etwa nicht erlaubt, ein Testament anzufechten ?
    War es etwa gesetzwidrig, eine außergerichtliche Einigung vorzuschlagen und ggf. abzuwickeln ?
    War Erasmus’ Schilderung der Argumente, die ggf. in einem Prozess vorgebracht worden wären, etwa gelogen ? …

    (Na gut: immerhin hat er zweifellos die Kleinigkeit ausgelassen, welcher Anwalt diese Argumente im eventuellen Prozess vorbringen würde. »Is that wrong ? …«)

    p.s.
    Hat der Klient (im Nachgang) einen Prozess um seinen Anteil an der Erbschaft geführt (dann ggf. zweifellos mit einem anderen Anwalt) ?
    Oder hat er sich mit den anderen Erben noch außergerichtlich auf einen größeren Anteil geeinigt, als ihm ursprünglich zugedacht war ?

  27. Dr. Webbaer,
    auf die gewünschte Präzission kann nicht eingegangen werden.
    Ich dachte an aktuelle Parallelen in der Justiz, gemeint sind Begebenheiten, bei denen der Bote die betroffenen Personen persönlich kannte, und die er im Gefängnis auch besucht hat.
    Namen und Orte darf ich nicht nennen, die Personen leben noch.

    Was ich zum Ausdruck bringen wollte, der Bote kann Vorfälle von Betrug oder versuchtem Mord schon beurteilen und lag mit seiner Meinung oft richtig.

    Wenn jemand hier Nebelkerzen wirft, dann ist das unser Freund Joker, dessen Skepsis natürlich erlaubt ist.

  28. Lieber Herr Wicht,

    ist Ihnen eigentlich bewusst/bekannt, dass abgesehen von Ihrem Blog auf Scilogs gnadenlos moderiert sprich zensiert wird?: z. B. Blume, Rahmstorf u. Jäger

  29. @ Geoman

    Das ist mir klar, wobei ich allerdings nicht weiss, ob Ihre Klage tatsächlich alle Blogs hier betrifft.

    Auch dieses Blog betrifft sie allerdings insofern, als ich hier auch schon eine Diskussion hatte, die sich zu einer dermassenenen Schund- und Wutblase, Dunst- und Irrelevanzwolke aufblies (was, wie ich zu meiner Schande gestehen muss, auch daran lag, dass ich selbst zwischendurch rot sah), dass ich mich gezwungen sah, alles, samt Ausgangstext, im Orkus zu versenken. Ein andermal, als ich füchtete, dass es diese Richtung nähme, wusst’ ich mir nicht anders zu helfen, als die Kommentarfunktion stillzulegen.

    Das ist aber nur diese zwei Mal passiert und auch schon eine Weile her und das brauche ich auch nicht wieder.

  30. @ wappler

    Das ist ein interessanter Versuch, den ganzen Vorgang, den ich allerdings, wie ich ja gerne zugebe, aus dem “Kriegk” exzerpiert habe, und den ich – ohne ihn dadurch verzerren zu wollen – in die Gestalt einer Anekdote gekleidet habe, _formaljuristisch_ zu durchdringen; wobei man allerdings sowohl die heutigen als auch die damaligen Formaljurismen zu Grunde legen müsste.

    Das wäre allerdings – wenn ich das recht sehe – ein Aufgabe für eine rechtshistorische Dissertation oder Habilitation, die ich allerdings nicht leisten will und kann. Das, was ich schrieb, ist ein “Beifang” der Beschäftigung mit einem ganz anderen Thema.

    Aber nur zu: Das Stadtarchiv Frankfurt ist voll von Akten zu Erasmus.

  31. Helmut Wicht,
    ein Beifang von historischer Bedeutung und literarischem Schelmentum (im positiven Sinne) ist das Werk von Erasmus von Rotterdam
    “Das Lob der Torheit”.
    Vielleicht hat unser Erasmus von Frankfurt es auch gekannt und es hat ihn zu den genannten Höhenflügen beflügelt.
    Anmerkung: Dass wir bei krimineller Phantasie lachen können, das zeigt doch, dass wir zwei Wesen in unserer Brust tragen.
    Erasmus von Rotterdam hat dieser zweiten Seite ein satirisches Meisterwerk gewidmet.

  32. Geoman,
    dass “gnadenlos” zensiert wird, das stimmt nachweisbar nicht.
    Herr Jäger hat bei seinem letzen Thema über 100 Kommentare, Herr Rahmstorf 80 , Herr Blume hat aktual 32. Bei soviel Kommentaren kann man davon ausgehen, dass sich die Mitkommentatoren nicht unterdrückt fühlen. Bei Herrn Blume kommt dazu, dass bei Thema Holocaust Ironie falsch am Platze ist.
    Herr Wicht mag vielleicht ab und zu einen roten Kopf bekommen, das beweist aber doch nur, dass ihm die Themen nicht gleichgültig sind.

  33. @ H. Wied
    Geoman, dass “gnadenlos” zensiert wird, das stimmt nachweisbar nicht.
    Herr Jäger hat bei seinem letzen Thema über 100 Kommentare, Herr Rahmstorf 80 , Herr Blume hat aktual 32.

    Ihre Antwort an Geoman ist so oberflächlich, subjektiv und selektiv, dass sie an Fake-New grenzt… 😉

    Dagegen meine Erfahrungen und Beobachtungen seit der Gründung von Scilogs seit mehr als 10 Jahren:

    Vorweg: Ich bin im Internet als Bloggerin und Kommentatorin nur bei zwei Thematiken tätig: Kritik der Relativitätstheorie und Kritik der Tierversuche.

    Bei SciLogs kann ich bei meiner 10-jährigen Erfahrung als Kommentatorin sowohl aus persönlicher Erfahrung als auch aus Beobachtungen bestätigen, dass mittlerweile 14 SciLogs-Blogger eine Zensur mit unredlichen Mitteln praktizieren (Beleidigungen, Herabsetzungen, Disqualifizierung, üble Nachrede, Diffamierung, Hetze, Löschungen, Sperrungen). Dabei handelt es sich immer um Zensur und Ausgrenzung von Teilnehmern im Zusammenhang mit der Kritik der Mainstream-Physik – nun bei mir in einem Fall (bei Helmut Wicht) im Zusammenhang mit der Philosophie der Antike und mit Tierversuchen.

    Es ist aus meiner Sicht ganz offensichtlich, dass eine interne Anweisung der Redaktion an die SciLogs-Blogger seit mindestens 10 Jahren besteht, in welcher Form auch immer, keine Kritik an der theoretischen Mainstream-Physik zu dulden und die kritischen Kommentatoren durch Polemik auszugrenzen und rauszuekeln (immer mit der großzügig geduldeten Hilfe von anonymen Pöbelern und Provokateuren mit Mehrfach-Konten). Es handelt sich nach meiner Erfahrung um die 14 folgenden Blogger:

    Lars Fischer (Chemie, Redaktion)
    Heinrich Päs (Physik)
    Joachim Schulz (Physik)
    Markus Pössel (Physik)
    Michael Blume (Religionswissenschaft, Politik)
    Stephan Schleim (Philosophie, Psychologie)
    Helmut Wicht (Anatomie, Philosophie)
    Jaromir Konecny (Chemie, Künstliche Intelligenz)
    Josef Honerkamp (Physik)
    Michael Khan (Luft- und Raumfahrtingenieur)
    Susanne Hoffmann (Wissenschaftsgeschichte, Astronomie)
    Henner Gimpel (Wirtschaftsingenieurwesen)
    Oliver Müller (Astronomie)
    Lars Jaeger (Physik, Philosophie)

    NB: Einzig der Blogger Heinrich Päs bedient sich bei der Zensur keinen unredlichen Mitteln wie Beleidigungen, Herabsetzungen, üble Nachrede oder Diffamierung, sondern er erklärt ganz offen in seinem Blog, dass eine Kritik der Mainstream-Physik bei ihm nicht geduldet ist und kommentarlos gelöscht wird.

    Bei allen anderen SciLogs-Bloggern, wo ich mich seit mehr als 10 Jahren gelegentlich beteiligt habe, bin ich mit keinerlei Feindseligkeit oder Ausgrenzungsversuchen konfrontiert worden.

    Nähere Informationen über die Zensur-und Vertreibungsvorfälle bei den 14 weiter oben genannten Bloggern habe ich in einer Diskussion in unserer Webseite fortlaufend seit Dezember 2018 dokumentiert, siehe hier.

  34. @ Lopez

    Werte Frau Lopez,

    da wär’s mal wieder soweit, es entwickelt sich eine engagiert geführte Diskussion zu einem Thema, dem ich kein Forum bieten möchte, zumal nicht unter einem Ausgangsbeitrag, der nun gar nichts mit “Zensur” zu tun hat.

    Also mach’ ich die Kommentarfunktion jetzt dicht, lasse Ihnen aber das (vorletzte) Wort samt der Verlinkung auf Ihre Dokumentation. Das letzte Wort behalte ich mir dahingehend vor, dass ich – von mir aus “an Eides Statt”, oder “ehrenwörtlich”, falls das reicht – erkläre, dass die von Ihnen unterstellte “interne Anweisung” an mich zumindest nie je ergangen ist.

    Gruß
    Wicht