“Bloggewitter” – Gastbeitrag Prof. Dr. Thiery

BLOG: Anatomisches Allerlei

Kopflose Fußnoten von Helmut Wicht
Anatomisches Allerlei

 

Der Herr links im Bild ist mein nächster Gast. Es ist Prof. Dr. Joachim Thiery. Er ist der Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig. Es folgt der Text einer Rede, die er als Tagungspräsident bei der 70. Tagung des Medizinischen Fakutätentages im Juni in Leipzig hielt.

(Dafür, dass man ihm das Scheitelbein abgeschnitten hat, kann ich, wiewohl ich Anatom bin, nichts. Ich war’s nicht, weder mit der Säge noch mit dem Photoshop: Das Bild war schon so.  Und zudem hat es seiner Redekunst nicht geschadet, wie man im folgenden merken wird.)

 

Chancen aus Medizinischer Forschung für die Lehre

Während der Immatrikulationsfeier im Leipziger Gewandhaus wurden die Erstsemester nach ihrem Studienfach und ihren Berufszielen gefragt. Die angehenden Politologen wollten die Welt verändern, die Historiker und Biochemiker waren unsicher und wollten dies erst einmal auf sich zu kommen lassen, ein Medizinstudent antwortete dagegen: „Arzt werden natürlich, was denn sonst?“

Die Erwartung, an der Universität ärztliches Handeln zur Heilung von Krankheiten zu lernen, ist sicher ein wesentlicher Antrieb für ein Medizinstudium. Dagegen dürften sich nur wenige Erstsemester zu Beginn des Studiums ernsthaft für einen Einstieg in die medizinische Forschung, für eine Universitätslaufbahn oder gar für Tätigkeiten außerhalb der direkten Krankenversorgung interessieren. Bei den Absolventen sehen wir aber mehr und mehr ein abnehmendes Interesse an praktisch ärztlicher Tätigkeit. Viele wandern in das Ausland ab, manche weichen in nichtärztliche Berufe aus. Insgesamt ist ein schleichender Rückgang der besten Nachwuchskräfte in der Medizinischen Wissenschaft und klinischen Praxis festzustellen. Dies verlangt unser Handeln und ist ein zentrales Thema dieses Fakultätentags.

Wie können wir medizinische Wissenschaft und medizinische Praxis wieder enger miteinander verbinden, um unseren Nachwuchs zu motivieren und zu Kreativität anzuregen?

Die Ursachensuche für die Flucht junger Ärzte nach dem Staatsexamen in andere Berufe oder in das Ausland führt zu nahe liegenden Vermutungen. Sind es die Aussichten auf gutbezahlte Tätigkeiten in der Industrie und in der Administration des Gesundheitswesens? Ist es die Furcht vor den gestiegenen Anforderungen und dem Leistungsdruck in der Klinik? Oder sind es fehlgeleitete Prozesse und Erfahrungen während des Studiums, die die das ursprünglich angestrebte Arztbild trübe erscheinen lassen? Die unklaren Karrierewege und der lange Ausbildungsweg führen zu einer Demotivierung junger Ärztinnen und Ärzte mit einer Entscheidung gegen die Krankenversorgung und auch gegen ein Engagement in der medizinischen  Forschung führen. Was tun? Würde der Bologna Prozess mit seiner Verschulung des Studiums zu mehr praktisch tätigen Ärztinnen und Ärzte führen? Liegt hier nicht eine Gefahr, dass die Innovation medizinischer Wissenschaft in Deutschland nachhaltig gehemmt und zum Stillstand kommen kann?

Lassen Sie mich der Frage nachgehen, ob neben der praktischen Medizinausbildung in mehr Entfaltungsfreiheit für die Medizinische Wissenschaft während des Studiums eine Chance für die Qualität der Lehre und die Motivierung unseres ärztlichen Nachwuchses liegen könnte.

Durch Kompetenz in der Forschung gewinnt die Lehre an Attraktivität.

Die medizinischen Fakultäten und Universitätsklinika tragen heute Verantwortung für die Zukunft unserer medizinischen Versorgung. Sie stehen auch in der Pflicht einer wettbewerbsfähigen Weiterentwicklung medizinischer Wissenschaft in einer globalisierten Welt. Dies führt zu einem Spagat, der durch die Ressourcenknappheit der öffentlichen Hand für Forschung und Lehre und den ökonomischen Druck auf die Krankenversorgung nicht erleichtert wird. Wirtschaftlich betrachtet sind jedoch beides, die Medizinische Wissenschaft und die Krankenversorgung mit ihren zukunftsfähigen Innovationen und der hohen Ausbildungsqualität von Ärzten gerade heute ein stabiles und unverzichtbares Gut. Hervorragende medizinische Forschung und Lehre müssen daher ausgebaut und leistungsabhängig wesentlich stärker gefördert werden.

Bei der Rasanz der Wissensentwicklung ist es heute mehr denn je erforderlich, die medizinische Lehre mit neuen Erkenntnissen aus der klinischen Forschung  zu verbinden. Hierzu benötigen wir in der medizinischen Wissenschaft engagierte Ärztinnen und Ärzte. Ein Lehrbuch ist heute bei der Drucklegung oftmals bereits überholt. Dieses kontinuierliche Streben nach neuen medizinischen Erkenntnissen und ihre Weitergabe an unsere Studierenden ist das lebendige Herz der Universitätsmedizin. Aus medizinischer Kompetenz in der Forschung gewinnt die Lehre an Attraktivität. Durch eine hervorragende Lehre wird wiederum das Interesse an der Medizinischen Wissenschaft und praktischer ärztlicher Tätigkeit geweckt. Wir müssen daher unsere besten Medizinischen Wissenschaftler für die Lehre begeistern! Dem Rückgang „forschender Ärztinnen und Ärzte“ ist nur entgegenzutreten, wenn es uns gelingt, frühzeitig mehr Freiräume für die Entfaltung wissenschaftlichen Interesses der Studierenden zu zulassen und das Studium nicht im Bologna-Prozess zu zumauern.

Medizinische Lehre und Forschung zwischen Humboldtschem Bildungsideal und Bologna-Prozess.

Erlauben Sie mir einen kurzen Exkurs mit einer Einschätzung des bisherigen Humboldtschen Bildungsideals für die Medizin. Robert Musil hat Ende der zwanziger Jahre in einer Rede hierzu festgehalten: „Wilhelm von Humboldt hat die bedeutende Individualität als eine Geisteskraft bezeichnet, die ohne Beziehung zum Gang des Geschehens aufspringt und eine neue Reihe beginnt. Er sah in den schöpferischen Menschen Knotenpunkte, Quellstellen, die Vergangenes in sich aufnehmen und aus sich entlassen in einer neuen Gestalt, die über ihren Ursprungspunkt hinaus nicht mehr abgeleitet werden kann“. Dieses genieträchtige Bild des forschenden und schöpferischen Wissenschaftlers hat bis in die sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts unsere Gesellschaft und die Universitäten nachhaltig geprägt. Universitäres Wissen ist in den letzten Jahrzehnten zu einem hohen gesellschaftlichen Gut geworden. Der Anspruch an dieses Allgemeingut wird heute mit verstärktem Praxisbezug und Nutzwert eingefordert. Die Vermittlung medizinischen Wissens durch die Universität und die Universitätskliniken bildet die wesentliche Grundlage für die Leistungssteigerung innerhalb unseres Gesundheitssystems. Das reale Arztbild entspricht heute jedoch nicht mehr dem des durch das Humboldtsche Bildungsideal geprägten Individuums, sondern der junge Arzt sieht seine Zukunft im durchorganisierten Krankenhausbetrieb und in der pharmazeutischen Industrie, immer weniger Ärzte wagen den Schritt in die freie ärztliche Praxis oder finden den Weg in die medizinische Wissenschaft der Universität. Müssen wir also von dem Bildungsideal Humboldts Abschied nehmen und uns der Europäisierung durch das  Bolognaprogramm zuwenden?

Das Humboldtsche Ideal der Bildungsfreiheit und Eliteförderung für den Staatsdienst und die freie Wissenschaft ist in der Medizin eigentlich nie wirklich realisiert worden, sondern die Medizin ist wegen ihrer einzigartigen Verpflichtung für den kranken Menschen immer einen eigenen Weg mit der Verbindung von Forschung, Lehre und der Krankenversorgung gegangen. Auch im Bologna-Prozess muss ein solch eigener Weg der Medizin beibehalten werden. Der Bologna-Prozess soll die Förderung von Mobilität, von internationaler Wettbewerbsfähigkeit und von Beschäftigungsfähigkeit der Studierenden verbessern. Auslandsaufenthalte und Wechsel an andere Medizinische Fakultäten sind für unsere Medizinstudierenden allerdings bereits heute selbstverständlich. Professor von Jagow hat kürzlich berichtet, dass mehr als ein Viertel unserer Studierenden einen Teil des Praktischen Jahres im Ausland verbringen. Spitzenreiter in der Mobilität ist die Chirugie mit fast der Hälfte der Auslandstertiale. Der Bologna-Prozess würde hier keine Verbesserung der Mobilität bedeuten, wahrscheinlich eher den Wechsel zwischen den Universitäten wegen der Heterogenität der Module erheblich erschweren.

Bei näherer Betrachtung des Bologna-Prozesses in unseren Nachbarfakultäten ist es bemerkenswert, dass sich das Bologna-Studium mit seinen Modulen, Bachelor- und Masterabschlüssen letztlich auf eine schnelle Berufsausbildung abzielt, für die wissenschaftliche Bildung oder Forschung stehen dem Studierenden dagegen immer weniger Freiräume zur Verfügung. Der Göttinger Literaturwissenschaftler Heinrich Detering, Leibniz-Preisträger von 2008 hat kürzlich in der „Zeit“ gerade die Freiheit des Lernens während seines Studiums dankbar als Glück und als Initialzündung für seinen frühen Entschluss, Wissenschaftler zu werden, hervorgehoben. Die heute im Bologna-System etablierten Studiengänge seien  „rabiater durchgerechnet als der Fahrplan der Deutschen Bahn, der keine Verspätungen duldet, keine waghalsigen und nur probeweise vertretenen Thesen und schon gar keine offenen Fragen.“ Er merkt an, dass dies zu einem wissenschaftlich und wirtschaftlich kaum wettbewerbsfähigen Ergebnis der Ausbildung führen werde, in dem sich die Studierenden vorwiegend für die Punkte eines Moduls und nicht mehr für dessen Inhalte interessieren, andererseits Professoren kaum mehr aus dem lebendigen Gebiet Ihrer Wissenschaft und Forschung lehren werden wollen, wenn diese Verschulung weiter um sich greifen sollte. Solche Anmerkungen sind nicht gerade eine Einladung, das Bologna-System der Medizin einfach überzustülpen.

Ein Bachelor der Medizin wäre eine Mogelpackung, Schnittstellen der Medizin zum Bologna-Prozess könnten jedoch die individuelle Spezialisierung frühzeitig fördern.

Wir haben in der neuen Approbationsordnung eine Vielzahl guter Elemente, um die praxisorientierte Ausbildung mit wissenschaftlicher Bildungsfreiheit zu verbinden.  Tutorgeführte Kurse des problemorientierten Unterrichts und eine strukturierte Hochschullehrerausbildung, wie wir dies in Leipzig seit Jahren gemeinsam mit der LMU München etabliert haben, werden hierzu an vielen medizinischen Fakultäten eingesetzt. Die medizinische Ausbildung ist heute wesentlich moderner strukturiert und experimentierfreudiger als so mancher Bologna-Studiengang unserer Nachbarfakultäten, – wie ich dies regelmäßig in unseren Senatssitzungen mitbekomme.

In einer Analyse des universitären Bildungswesens hat der Soziologe Herrmann Schimank kürzlich in der FAZ provokativ festgestellt, dass das Humboldtsche Bildungsideal heute „das falsche Modell zur falschen Zeit“ sei. Die Hochschulen betreiben ein organisatorisches Nebeneinander von Wissenschafts- und Bildungssystem. In jedem dieser Teilsysteme huldigen die Akteure, Individuen wie Organisationen, einem nur dort als höchstem Wert verabsolutierten Eigensinn: Wahrheit in der Wissenschaft, Bildung im Bildungssystem, Zahlungsfähigkeit in der Wirtschaft oder Macht in der Politik. Huldigen ist bei Schimank durchaus wörtlich gemeint: Der Wissenschaftler kann sich ebenso wenig vorstellen, dass es etwas Wichtigeres geben könnte als den Erkenntnisfortschritt und dass dieser jemals aufhören könnte, wie es einem Unternehmer undenkbar erscheint, jemals genug Gewinne gemacht zu haben. Hubert Markl, der frühere MP Präsident hat dies in einem Beitrag jüngst noch pointierter ausgedrückt: „Wissenschaft ist ihrem ganzen Anspruch maßlos, verpflichtet allein ihrem Urtrieb, die Dinge richtig zu wissen, so wie sie eben sind, und daraus die Möglichkeiten menschlichen Handelns abzuleiten. Was sie darf oder nicht darf in diesem Bestreben, das tritt bei ihr gar nicht in Erscheinung, soweit es nicht ihre strikte Verpflichtung zur Wahrhaftigkeit aller Aussagen betrifft. „

Die Medizinische Wissenschaft fordert daher in ihren normativen Grenzen mehr und nicht weniger Freiheit Wir müssen daher praktische Berufsausbildung und Bildung durch Medizinische Wissenschaft mit einer höheren Eigenverantwortlichkeit und Wahlmöglichkeiten der Lehrenden und Lernenden weiterentwickeln. Dies ist nicht allein vom Staat zu erwarten, sondern muss aus den Fakultäten kommen. Ich gehe davon aus, dass der MFT hierzu sicher noch wesentliche Anregungen und Festlegungen geben wird.

Das Humboldtsche Bildungsideal, das die Ausbildung einer kleinen Elite für die Wissenschaft und den Staatsdienst zum Ziel hat, wäre auch bei einem großzügigen Ausbau der Universitäten wegen der Vielfalt der Spezialisierungen heute wohl kaum mehr erstrebenwert. Die Universitätsmedizin verbindet heute das Streben nach neuen Erkenntnissen in der Medizinischen Wissenschaft und eine auf die Praxis orientierte Medizinerausbildung. Durch den zunehmenden Bedarf an Ärzten wird die ärztliche Ausbildung priorisiert.  Einer abgeschnittenen Ausbildung mit einem völlig fehlleitenden „Bachelor of Medicine“ als berufsqualifizierenden pseudomedizinischen Abschluß muß im Interesse unserer Patienten und der Studierenden klar entgegentreten werden.

Ich sehe es aber als Chance und Herausforderung, die aktuelle Diskussion zu den alten Humboldtschen Idealen und dem komplexen Bologna-Prozeß für die Medizin und unsere Studierenden positiv zu nutzen. Der durch die Reform der Approbationsordnung bereits eingeleite Prozess einer verbesserten und attraktiven praktischen Ausbildung schneller und erfolgreicher qualifiziert werden, ohne das Medizinstudium in einen Zugfahrplan zu verwandeln. Es könnte nach dem Physikum einen qualifizierenden Übergang zu einem „Transfer-Bachelor“ geben, der einzelnen Studierenden die Möglichkeit zu alternativen, von der Medizin fernen Masterstudiengängen nach der Vorklinik erlauben würden. Medizinstudierenden im Klinischen Studienabschnitt sollten wiederum frühzeitig nach Qualität und mit mehr Wahlmöglichkeit weitere Freiräume zur wissenschaftlichen Entfaltung und einer praktischen Ausrichtung erhalten. Bisherige obligatorische Unterrichtsveranstaltungen müssen hierzu durchforstet werden. Es sollte so den besonders hoch qualifizierten und motivierten Studierenden im Medizinstudium ermöglicht werden, sich nach individueller Neigung aus parallel laufenden Modulen von Masterstudiengängen anderer Fakultäten Spezialkompetenzen für die medizinische Wissenschaft anzueignen. Eine solche Exzellenzförderung in der Medizin unter Erhalt des etablierten Curriculums könnte in dem stärkeren Ausbau und Integration eines MD/PhD Studiums der Medizinischen Fakultät gemeinsam mit den naturwissenschaftlichen Fakultäten verwirklicht werden, wie dies in Ansätzen ja schon geschieht. Eine solche Vernetzung des etablierten Medizinstudiums entsprechend der Approbationsordnung und Staatsexamen mit den Masterstudiengängen der naturwissenschaftlichen Fakultäten wäre auch ohne eine Bologna-Umformung der bisherigen Medizinerausbildung möglich. Mit guten Elementen aus dem Bologna-Prozeß könnten wir den an Medizinischer Forschung besonders interessierten Studierenden frühzeitig einen weiter qualifizierenden Weg eröffnen. Dies würde dem Humboldtschen Bildungsideal des forschenden und schöpferischen Mediziners am Ende nahe kommen. Eine Stärkung der Medizinischen Wissenschaft ist somit kein Gegensatz zur Ausbildungsverpflichtung der Fakultät, sondern erfolgreiche Forschung motiviert Lehrende und Lernende zugleich und kommt durch ihre kontinuierliche Innovation und Korrekturfunktion direkt der Krankenversorgung zu Gute. Medizinische Wissenschaft bildet somit die Chance, eine am Bedürfnis der Studierenden, des Staates und der Wirtschaft abgestimmte Medizinische Lehre für den praktisch tätigen Arzt und den forschenden Arzt kontinuierlich auszuformen. 

Erlauben Sie mir zum Abschluss einige Punkte festzuhalten:


Medizinische Wissenschaft in Verbindung mit medizinischer Praxis muss in einem strukturierten Studium Grundlage der Ausbildung zum Arzt bleiben.


  1. Die medizinische Lehre muss die besten Kräfte der medizinischen Wissenschaft einbeziehen, um die rasante Entwicklung des Medizinischen Wissens kritisch und kompetent in der Ausbildung der Medizinstudierenden zu vermitteln.
  2. Das Medizinstudium benötigt mehr Freiraum zur frühen wissenschaftlichen Entfaltung der Studierenden, wie dies bereits in der aktuellen Approbationsordnung ermöglicht werden kann. Hier ist allerdings mehr Eigenverantwortung und weniger obligatorischer Unterricht zu fordern. Die Fakultäten müssten hierzu mehr Einfluss auf die Auswahl ihrer Studierenden gewinnen und Studierende müssten sich ihren Ausbildungsplatz freier wählen können.
  3. Das Medizinstudium sollte nach dem Physikum die Möglichkeit eröffnen parallel oder statt des klinischen Studienabschnitts in Master-Studiengänge zu wechseln. Hierfür könnte eine Schnittstelle für einen lebenswissenschaftlichen Transfer-Bachelor mit einem zusätzlichen Qualifizierungsjahr als Voraussetzung geschaffen werden. Ein Bachelor der Medizin verspricht mehr als er halten kann und wäre eine Mogelpackung.
  4. Hervorragenden Studierenden sollte frühzeitig ein im Medizinstudium integrierter PhD –Studiengang ermöglicht werden, um den Nachwuchs „forschender Ärzte“ zu stärken. Über einen MD (Medizinischer Doktor) Abschluß mit dem Staatsexamen sollte mit Blick auf Europa nachgedacht werden.
  5. Im Klinischen Studienabschnitt sollten frühzeitig Angebote für einen Übergang in die ärztliche Praxis geschaffen werden, wie dies durch ein frei zu wählendes Mentorenprogramm zur späteren Weiterbildung und Karriereplanung auch unter Einbeziehung von niedergelassenen und Klinikärzten verbessert werden könnte.
  6. Die medizinische Qualität und der wirtschaftliche Erfolg der Universitätsklinika sind für die Zukunft der Medizinischen Wissenschaft und Lehre wesentliche Voraussetzungen. Die Anforderungen an den Ausbildungsinhalt müssen hier regelmässig angepasst werden.

 

Lassen Sie uns auf die besten kreativen Köpfe unserer Fakultäten, unserer Universitätskliniken und der Politik setzen und uns aktiv in die Diskussion der medizinischen Aus- und Weiterbildung einbringen, meine Damen und Herren, dann wird die Universitätsmedizin auch im Umfeld des Bologna-Prozesses ihre Zukunft erfolgreich gestalten können.

 

 

Veröffentlicht von

Gedankenfragmente von Helmut Wicht, Dozent an der Frankfurter Universität, über Neurobiologie, Anatomie, Philosophie, Gott und die Welt. Seine eigentliche Expertise bezieht sich auf die (Human-)anatomie und die vergleichende Anatomie des Nervensystems.

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