Arbeitszeit als Privileg

Nun hat also der EuGH entschieden, dass die Arbeitszeit aller abhängig Beschäftigen, unabhängig von der Branche, lückenlos zu überwachen sei.

Dagegen tat ich, weil’s auch mich betreffen wird – denn ich bin an der Universität als Angestellter abhängig beschäftigt – auf Twitter anstänkern. Die Retourkutsche der Diskurspolizei war argumentativ interessant, man behauptete, ich sei – als Akademiker – “privilegiert” und habe daher die Schnauze zu halten. Das tu’ ich aber nicht. (1)

Aber über mein “Privileg” hab’ ich schon nachgedacht, und zu ihm will ich etwas sagen. “Privilegium” heisst ursprünglich “Sondergesetz”, “Einzelgesetz”, eine für eine einzelne Person geltende Ausnahmeregelung. So gesehen hab’ ich gar kein Privileg, denn ich habe, wie alle meine angestellten Kollegen, einen stinknormalen Dienstvertrag mit der Uni, da stehen 38,5 Stunden als wöchentliche Arbeitszeit drin, und ob die Tarifgruppe E14 ein Privileg ist, mag jeder für sich entscheiden, nachdem er herausgefunden hat, was ich verdiene. Ich finde, dass das bei weitem genug Geld ist, dafür sollte ich ordentlich etwas tun, was ich auch versuche.

Ich habe natürlich – im Zusammenhang mit der Lehre – meine fixen Termine, Vorlesungen, Kurse, Seminare und – fast im selben zeitlichen Umfang – immer wieder nicht-enden-wollende Prüfungssessions, die dem Lehrdeputat (es sind 8 Semesterwochenstunden) nicht hinzugerechnet werden. Ein kurzer Überschlag ergibt (Lehrdeputat vs. Wochenarbeitszeit), dass ich tatsächlich gut 30 Stunden pro Woche zeitlich ungebunden bin – während der Semesterferien, wenn man von den Prüfungen absieht – sogar ganz und gar. Ja, das ist ein Privileg.

In dieser Zeit tue ich das, was ich auch noch soll und will – ich wurstele an allerlei Orgakram herum (meist sehr ungern und unbeholfen), forsche mit Doktoranden und Kollegen vor mich hin (gern, aber auch ein wenig unbeholfen, ich bin nicht so der experimentierende Wissenschaftsknaller) und ansonsten hab’ ich den (tatsächlich innig geliebten) Job, alles mögliche, was mir hier in Akademia begegnet und was diese und mich berührt, zu versprachlichen, es niederzuschreiben. Das ist ein Privileg, und zwar wirklich eines ad personam, ich habe einen Job, den es eigentlich nicht gibt, den ich mir gemacht habe. Ja – die zahlen mich für’s Schreiben. Nicht für dieses hier – das ist privat. Oder aber auch schon wieder nicht: Denn es geht ja auch um die Arbeitszeitmodelle der angestellten Wissenschaftler an der Universität insgesamt, und ich weiß, dass viele von denen so ähnlich ticken, wie ich.

Ich habe ein Problem – ich bin langsam. Ich denke gerne langsam. Und lang. Wenn ich dann aber lang genug langsam gedacht habe, geht mir das Schreiben zum Glück meist flott von der Hand.

Ich habe ein Problem. Ich liebe meinen Beruf. Ich arbeite nicht als Akademiker, ich bin Akademiker. Ich bin immer bei der Arbeit. Und zugleich nie. Denn – zumindest im Marx’schen Sinne – es ist keine entfremdete (2) Arbeit. Das bin ich. Dienst ist Schnaps und Schnaps ist Dienst. Natürlich bin ich oft froh, auch mal von all dem wegzukommen – aber selbst im Urlaub les’ ich lieber Schillers Texte zur ästhetischen Erziehung der Menschheit als einen Krimi, und der größte Macken in meiner Psyche ist, dass man – das sagen viele – dass man mit mir nicht “normal reden” könne. Nicht nur wegen der vielen Fremdworte, oh nein: vor allem wegen der Themen. Momentan zum Beispiel faszinieren mich die gestielten und die ungestielten Morgagni’schen Hydatiden, der Begriff der bestimmten Negation bei Hegel und Adorno, die Wissenschafts- und Etymologiegeschichte des Begriffes vom “Sympathicus”, und die Frage, ob ich mir mit meinem E14 Gehalt nur eine Tourismo- oder nicht auch eine Sportversion einer Gilera Saturno aus den 1950er Jahren leisten kann (3).

Ich habe kein Problem damit, das auf der Basis der Arbeitszeitüberwachung, die momentan praktiziert wird, unter einen Hut zu kriegen. Es gibt nämlich keine. Es gibt noch nicht mal “Kernarbeitszeiten” (außer der Lehre, freilich). Ich weiss auch nicht recht, wieviele Stunden in der Woche ich wirklich “arbeite”. Wenn ich mich abends am Küchentisch, tagelang, wochenlang mühsam durch Adorno zackere, weil ich seine Ideen für einen Text brauche, ist das “Arbeit”? Wenn ich sonntags die entscheidende Idee für einen Text habe, an die Uni radle, ihn zu schreiben, sind das “Überstunden”? Wenn ich unter der Woche einen Tag blau mache, um mit dem Motorrad durch die Gegend zu bollern, ist das Faulenzerei? Wenn ich abends bis Uhres in irgendwelchen akademischen Feierveranstaltungen sitze, ist das Erholungsurlaub? Wenn ich am Schreibtisch in der Uni sitze und Löcher in die Luft gucke, weil meine Denke zu langsam geht, muss ich das als Freizeit ansehen?

Ja, ich habe ein Privileg. Ich bin frei (4), und werd’ dafür auch noch bezahlt. Deshalb bin ich Akademiker geworden und stets an der Uni geblieben. Und diese Freiheit will ich mir nicht nehmen lassen, schon gar nicht von irgendwelchen app- und internetbasierten Arbeitszeiterfassungs- und Ausspähungsmonstern, von denen die Technofreaks unter den Arbeitnehmerrechtlern faseln.

Ich will nicht an der Zeit gemessen werden, ich will an dem gemessen werden, was ich tue. Ich will keine entfremdete Arbeit leisten. Ich will so weitermachen, wie bisher. Und da, wo ich jetzt bin, bin ich nicht nur, weil ich ein gutes Quentchen Glück hatte, sondern auch, weil ich nicht faul war. Die Uni hat durchaus auch von mir profitiert, nicht nur ich von ihr.

Fußnoten

(1) Ich lege großen Wert auf die Feststellung, dass der folgende Text einen höchstpersönlichen, individuellen, meiner gegenwärtigen Situation entsprechenden Standpunkt vertritt. Die Ausbeutung der sprichwörtlichen und tatsächlichen Paketboten durch Arbeitszeitnichterfassung ist beklagenswert und gehört unterbunden. Ich bin mir darüber im Klaren, dass auch der akademische Betrieb (vor allem innerhalb der Ärzte- und Pflegerschaft an Universitätsklinika) durchaus ausbeuterische Züge annehmen kann. Ich weiß weiter, dass auch manche Kollegen meines Ranges und Standes – Assistenten eben – unter Arbeitslasten leiden, die innert 38,5 Stunden nicht zu stemmen sind. Es ist aber auch so, dass manche die Freiheit, von der ich hier dauernd rede, gar nicht mehr einfordern.

(2) Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich den Begriff “entfremdet” hier im korrekten, orthodox-marxistischen Sinne verwende, dennoch ist er für das Argument, das ich vortragen möchte, zentral. Die “Produkte” die ich herstelle oder herzustellen helfe, sind gebildete Menschen, Wissen, wissenschaftliche Publikationen, und diverse Texte, die den Anspruch haben, nicht nur wahr, sondern auch schön zu sein. Nichts von alledem ist mir fremd. Außer dem Orgakram, dem ich Feind bin.

(3) Die Saturno Sport stammt von:

https://it.wikipedia.org/wiki/Gilera_Saturno#/media/File:Gilera500Saturno1947aR01.JPG

(4) Frei. Darum geht es eigentlich. Bitte lesen Sie diesen Text auch (und vor allem) als einen utopischen Beitrag zur akademischen Freiheit, eine Utopie, die wunderbarerweise mir konkret wurde.

Veröffentlicht von

Gedankenfragmente von Helmut Wicht, Dozent an der Frankfurter Universität, über Neurobiologie, Anatomie, Philosophie, Gott und die Welt. Seine eigentliche Expertise bezieht sich auf die (Human-)anatomie und die vergleichende Anatomie des Nervensystems.

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  1. Herr Wicht , Sie stehen nicht allein mit Ihrer Ansicht über Arbeit und Arbeitszeit.
    Ich habe den jungen Lehramtsanwärtern immer gesagt, “Wir haben einen privilegierten Beruf. Wir können unsere Zeit einteilen, wir können entscheiden, was wichtig ist und wenn man Freude an seinem Beruf hat, dann ist es keine Arbeit mehr !”
    Schade nur, dass die “Buchhalter” in den Verwaltungen die Regie übernommen haben und dass sie alles und jedes protokollieren müssen. Welch Sklavengesinnung ! Aber , wer Blut in den Adern hat, der wird auch diese Bedrängnis meistern.

  2. @bote 19
    Auch Lehrer?
    Meine Mutter war Lehrerin. Mein Vater war einer. Mein Grossvater ebenso. Dito meine Schwester.
    Nature? Nurture?
    Scheissegal.
    Nicht-scheissegal sind die kapitalistischen und vorgeblich arbeitnehmerfreundlichen Modelle, die auch die, die ihrer Arbeit noch nicht entfremdet sind, in ebenjene Entfremdung zwingen wollen (etwa via Arbeitszeitüberwachung), damit man sie umso besser instrumentalisieren, steuern, überwachen, funktionsgerecht einsetzen kann. Unter dem Deckmantel des “Schutzes” schlägt “Befreiung” in “Beherrschung” um, soviel Adorno habe ich verstanden.

  3. Ach, wie schön. Ein souveräner Akademiker, der sich nicht entfremdet empfindet.

    Unter anderem ist das ja auch ein grund, warum der Herr überhaupt erst in diesen Stand gesetzt wurde/gelangen konnte. Würden diese “Anlagen” nicht vorhanden sein, funktionierte das auch nicht – also die Aufgabe produktiv und nützlich auszufüllen.

    Was sagt das aber über jene Menschen aus, die Entfremdung empfinden, wenn sie anderer Leute Müll abholen sollen?
    Wenn Menschen einen Beruf lernten, dann aber feststellten, dass er sich irgendwie entfremdend anfühlt?

    Ist “Entfremdnung” ein Anzeichen davon, von “höherem”/zu anderem/ zu besserem berufen zu sein?

    Und wäre dann nicht geradezu evolutionär die sich etablierende Entfremdungsempfindung eine Art “Ausftieg” in der Identität?

    War Marx mit seiner Stellung in Gesellschaft unzufrieden, dass er die Entfremdnugnsempfindung selbst empfand und nachempfinden konnte, wenn er an ausgebeutete Industriearbeiter dachte?

    Seine finanzielle Lage, die gerüchteweise immer angespant war, deutet sowas an. Einen Job, den man ihn gerne zugestanden hätte (Prokurist, Buchhalter, sonstwie dienende Verwaltungstätigkeit) schien ihm nicht zu liegen – dieser These nach.

    Und Industriearbeit … naja wohl auch nicht.

    Kam Marx selber aus bäuerlichen Verhältnissen? Und fand sich in einer Umbruchzeit in unsicheren Verhältnissen wieder, die eben durch mangelnde Linearität in den Biografien entfremdend empfunden werden musste?

    Bei den gegenwärtigen “Umbrüchen” ist das dann kein Wunder, dass es mit der “Entfremdung-Klage” wieder einen neuen Hype bekommt.
    Nur ist immer das Problem, diese Veränderungen genau zu diagnostizieren. Das für manche dann banale Dinge ausrewichen, reicht mi rnicht aus. Digitalisierung (vs Industrialisierung) als alleinige Erklärung ist dabei das viel beklagte “Kurzdenken”.

    Ausserdem: zwischen “Prvilegium” und Privileg liegen aber jahrhunderte. Die Bedeutung der Begriffe hat sich umgedeutet.
    Eine weitere Kritik an der Szenierung von Privilegien ist, dass diese zuweilen auch nicht dadurch gekenzeichnet ist, was man innerhalb eines Standes/eienr Funktion oder hier: Anstellung für Extrawürste erwarten darf, sondern was man vor allem ausserhalb hinterhergeschmissen bekommt.

    Ein Privileg ist es etwas, dass einer in der Öffentlichkeit wegen seines Standes/Funktion/Spezialgebiet bevorzugt behandelt wird – auch, wenn es sich nicht um Sachinhalte/Spezialgebiete handelt, sondern ums Alltagsleben.

    Oder sage ich das nur, weil sich das alle Akademiker zu ihrem Glück noch wünschten? Wie der erwähnte “Ordinarius”, dem das Ordinariat verwehrt blieb, der aber an Selbstbewusstsein keinen Mangel hatte…und dafür die Anerkennung seiner Autorität erhielt.

    Eine Gilera Saturno aus den 50´ger Jahren wird wohl nicht die Erfüllung ihrer Jugendträume in die Jetztzeit nachholen können. Oder anders gesagt: Es könnte enttäuschend sein, festzustellen, dass die Böcke von damals zwar Emotionen auslösen, aber ansonsten alle Alltagstauglichkeit entbehren lehren.

    Ein Kompromiss wäre vielleicht glücklichmachender.
    Sowas, wie das Teil oben, stellt man sich in sein Privatmuseum. Aber träumt nicht davon, damit Sonntags (oder auch mal Wochentags) durch die Welt zu brettern. Wobei Träumen ist erlaubt. Mit der Verwirklichung kommen aber zuweilen eben Enttäuschung und “Entfremdung” ins erhoffte Glücklichsein. Lieber ewig träumen und nicht enttäuscht werden. Und real mit sowas in die Wirklichkeit hineinfahren:
    https://www.kymco.de/aktion/xciting-400i-abs/

    Oder weniger beliebig und sicherer:
    Piaggio MP3

    Ich habe neulich einen Motorradfahrer gesehen, der aus der Zeit gefallen ist, weil er seine Maschine nicht mehr beherrschen konnte.
    Ein Hinweis auf eine ärgerliche Eigenschaft des Lebens: Man wird alt. Was Auswirkungen auf seine Jugendträume hat.

  4. @demolog
    All die Fragen zu Marx kann ich nicht beantworten.

    Die zur Gilera schon: Ich habe eine alte NSU, Baujahr 1938, die fahre ich, und die zu fahren macht mir mehr Freude, als moderne Maschinen zu fahren (die ich auch besitze), eben weil sie Macken hat und Aufmerksamkeit und sehr viel Einlassung erfordert.

    An einer genauen Diagnose der Veränderungen, den wir uns gegenüber sehen, wäre mir auch gelegen. Sie auf “Digitalisierung” abzuziehen, wäre sicher zu kurz gedacht, und war auch nicht die Intention dessen, was ich schrieb. Ich möchte den sich ändernden Verhältnissen vielmehr den Spiegel der “Freiheit” entgegen halten.

  5. den Spiegel der “Freiheit” entgegen halten

    -> Der Spiegel projeziert alles “spiegelverkehrt” zurück.
    Muß ich jetzt eine dialektische (oder hermeneutische) Falle wittern, die mir meine Zustimmung dazu zum Verhängnis macht?

    Es ist ja so, das Politik mit Wohltaten um meine Stimme wirbt, ich aber später nicht automatisch davon profitieren muß. Gesetz den Fall, meine Stimme entscheidet, dann hätte man mir die entscheidende Stimme abgerungen, ohne mir später die Gegenleistung dafür geben zu müssen – womöglich ist dieser Art von vorn herrein nichts dergleichen geplant.

    Aber meine Stimme zu erschleichen, das ist gute, alte Tradition.

    Das ich Industrialisierung vs Digitalisierung als die “Wandelthemen” intendierte, ist jha schlüssig: viele Entwicklungen werden eben gerade durch solche Detailentwicklungen mit massenmedialer Fuore und Indoktrinierung überbetont. Was wirklich ablief, weiß dann niemand und alle halten sich für so schlau, dass sie sich dazu berufen fühlen, jedem die Welt erklären zu dürfen.

    Blinder Eifer ist der beste Eifer – für die wirklich profitierenden.

    Anyway, …

    Wenns funktioniert mit dem alten Bock, dann gut. Besser kanns ja nicht kommen.

  6. Demolog,
    Karl Marx hat die Situation des Menschen in einer arbeitsteiligen Gesellschaft beschrieben. Als Lösung gegen die Entfremdung von der Arbeit hat er die Diktatur des Proletariats gefordert.

    Die Diktatur des Proletariats hat nicht geklappt, die Entfremdung von der Arbeit ist geblieben.
    Wir bezahlen ja einen hohen Preis für die Arbeit, mit unserer Lebenszeit.
    Solange die Arbeit angemessen entlohnt wird, gibt es keinen anderen Weg als den, die Arbeit zu tun. Heute gilt es ja als hipp, den Arbeitgeber zu wechseln und das wird auch praktiziert.

    Was jetzt die Privilegien angeht, die können nur im Gegensatz von Abhängigkeit gesehen werden. Ein Programmierer ist abhängig von seinem Programm, das er schreiben muss. Ja, muss, denn Programmierer stehen unter Zeitdruck, Programme müssen rechtzeitig fertig werden. Die einzige Freiheit, die er hat, er kann seinen tagesablauf einteilen, auch nachts arbeiten, wenn er mag. Ansonsten ist er auch ein Arbeitssklave.

    Auch der Lehrer ist abhängig, er muss sich an den Lehrplan halten, und die Unterrichtszeiten, aber in seiner Gesinnung ist er frei.
    Und er kann sich Freiraum schaffen indem er sich unabkömmlich macht, also nicht austauschbar.

    Darin besteht ein Privileg, der Wert der eigenen Arbeit darf nicht austauschbar sein, jedenfalls nicht auf Knopfdruck.

    Was den Müllwerker betrifft, das ist ein extrem ungesunder Beruf, vorallem wenn er in der Müllverbrennungsanlage am Fließband steht.
    Das sind die Proletarier der Neuzeit, die meinte Karl Marx. Aber , wo ist die Alternative ?

  7. @ bote19
    18. Mai 2019 @ 08:12

    Das die Diktatur des Proletariats nicht geklappt hat, kann man so nicht sagen. Wer war denn damals das Proletariat?

    Nicht das feudal und geistlich organisierte Patriarchat, sondern die “Normalmenschen”.

    Und wer herrscht heute?

    In Europa: Sicher nicht das Patriarchat.

    Und die USA?
    Die sind ja allermeist vor den Verhältnissen in Europa geflohen. Die Idee der Freiheit von diesen Verhältnissen war ja einer der wesendlichsten Gründe für den Erfolg der USA.

    Aber die Rechnung geht letztlich nicht auf. Gegen das Patriarchat zu sein und dann ohne Souveränität dazustehen, hat so seine Nachteile in einer globalisierten Welt.

    Die Multikulti-Gesellschaft ist ja nicht umsonst der Standart in Europa. Die Gesellschaften sind nur noch so aufrecht zu erhalten und zu beherrschen.

    Wenn die arbeitsteilige Gesellschaft herrscht, dann herrscht auch der Proletarier. Leider nur, wenn es darum geht, das darin “Nichtintegrierte” bekämpft werden sollen. Menschen, die sich nicht daran beteiligen (was nur heisst, dass jeder seinen Teil dazugeben muß), werden dafür abgestraft.

    Anders ausgedrückt ist es das Erzwingen seiner Beiträge zu Etwas, wovon man zuweilen (als niederster Proletarier) eher wenig profitiert. Das ist die eigentliche Entfremdung. Weil nur diese Forderung besteht, sonst keine andere “Teilhabe” erfolgt und auch konsequent verweigert wird, ist die Forderung zur Beteiligung was?

    Genau: Versklavung.

    Und es gibt Möglichkeiten, dieses Ziel zu erzwingen, die den Menschen noch nicht mal auffallen, wenn man nicht genauer analysiert und daher erkennt, was eigentlich geschieht.

    Die Alltagszwänge, die Marktlogik, das Bruttosozialprodukt… alles höhere Wahrheiten und Zwänge, wie damals Gott und die Theologie und das regionale Patriarchat.

    Ein Grund für diese “Entfremdung-Vision” ist, dass die moderne Gesellschaft Gottlos existiert. Gottes Wort ist dann das, was gesellschaftlicher Kanon ist. Da aber Kinder normalerweise mit Gott heranwachsen, ergibt sich daraus eine Entfernung zu seiner Umgebung, zu den Eltern, zu den Mitmenschen, die alle Gottlos existieren und sich so verhalten.
    Die Kinder sind nicht mit ihren eigenen Eltern oder mit der umgebenen Gesellschaft in einer verbindenden Beziehung.

    Dazu gabs neulich das hier:
    https://www.youtube.com/watch?v=UWXUiy5bqOM&t=0s
    KenFM im Gespräch mit: Hans-Joachim Maaz (“Die Liebesfalle”)

    Der Psychotherapeut und Psychiater Hans-Joachim Maaz ist ein Mann, dessen Beruf sein Leben im Innersten bestimmt. Maaz macht aufmerksam auf die Bedeutung unserer frühkindlichen Erfahrungen.

    -> Weil das so bei mir war, und viele andere ähnliche Erfahrungen machten, mutmaße ich, das es so gewünscht ist. Also die Entfremdung schon in der eigenen Familie. Funktioniert das nicht, folgt die Entwurzelung (von Gott), womit die “zugänglichkeit” zum Individuum leichter wird – wegen der Enkoppelung von Gott. Gott ist so gesehen “Souveränität”. Wird sie gekappt, ist man der Gesellschaft, in der man lebt, ausgeliefert.

    Solange mir niemand eine andere Erklärung für das gibt, was ich erlebt und erlitten habe, solange ist das die Wahrheit über die Lebenswirklichkeit vieler Menschen in Europa.

    Die Alternative zum Müllsortierer?

    Technologie natürlich. Oder Müllvermeidung. Die Versorgungskette erzeugt ja nur soviel Müll, weil die Verteilungsstrukturen auf möglichst wenig kompliziertheit ausgelegt sind. Viel Verpackungen, viel leichtere Handhabbarkeit. Ohne diese moderne Art der Verteilung würde der Müllwerker wohl damit beschäftigt sein, die Lebensmittel zu verteilen und weil das wegen der Frische immer dazu führt, dass die Zyklen kürzer, also mehr zyklen hinterneinander für die selbe Verteilungsleistung, bedeutet, wäre der Müll weniger und die Arbeiten nicht notwendig.

    Aber ich glaubs ja fast selbst nicht, was ich hier schreibe.

    Früher einst, war das aber so.

    Es ist wohl auch ein Unterschied, ob ich jemanden etwas bringe, oder jemandes Haushaltsreste sortieren muß.

    An den Einen denkt man, von dem Anderen weiß man nicht mal was. Mit dem Müll ist es wie mit dem Strom. Der Müll verschwindet wie von selbst aus der Mülltonne. Der Strom kommt aus der Steckdose.

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