Im Rausch der Schärfentiefe

Durch einen Beitrag im mitmachenswerten Linguistikforum linguisten.de bin ich dieser Tage wieder einmal auf die endlose Diskussion um die Richtigkeit und/oder Logik der Wörter Tiefenschärfe und Schärfentiefe gestoßen, die mich als begeisterten, wenn auch leider nur sehr gelegentlichen Hobbyfotografen seit vielen Jahren verfolgt.

Bei dieser Diskussion geht es im Prinzip darum, dass alle Tiefenschärfe sagen, aber in jeder Diskussion früher oder später jemand kommt und darauf hinweist, dass es „eigentlich“ Schärfentiefe heißen muss. Das älteste dokumentierte Beispiel, das ich für diese Art von Diskussion finden konnte, stammt aus dem Jahrbuch für Photographie und Reproduktionstechnik aus dem Jahre 1905:

Tiefenschaerfe oder Schaerfentiefe?

Dr. Scheffers Bemerkung ist ein frühes Beispiel für ein Verhalten, das sich auch heute noch häufig in Foren und Blogkommentaren findet: Wenn man inhaltlich nichts beizutragen hat, nörgelt man am Sprachgebrauch der anderen Diskussionsteilnehmer herum. Denn eins ist klar: Alle Fotograf/innen, damals wie heute, verstehen, was mit Tiefenschärfe gemeint ist, und sprachkritische Ermahnungen tragen nichts zu diesem Verständnis bei.

Trotzdem ist es natürlich interessant, zu überlegen, ob Dr. Scheffer und seine terminologiebegeisterten Nachfahren sprachlogisch gesehen recht haben. Dass dies der Fall sein könnte, deutet die Tatsache an, dass der „offizielle“ Begriff für die Tiefenschärfe tatsächlich Schärfentiefe ist (wie der Wikipedia-Eintrag belegt).

Um zu entscheiden, ob Schärfentiefe logischer ist als Tiefenschärfe, müssen wir zunächst verstehen, wie zusammengesetzte Substantive (Nominalkomposita) im Deutschen funktionieren, denn beide Wörter sind ja solche Komposita, und beide bestehen aus den Teilen (Kompositionsgliedern) Schärfe und Tiefe (und aus dem Fugenelement –n-, dessen Funktion nur ist, die beiden Wortteile zu verbinden).

Bei den meisten zusammengesetzen Substantiven im Deutschen bestimmt das Zweitglied die Kernbedeutung und das grammatische Verhalten des gesamten Wortes. Ein Hochzeitsfotograf ist eine Art Fotograf, nicht eine Art Hochzeit. „Fotograf“ ist also die Kernbedeutung, die durch „Hochzeit“ genauer bestimmt wird — ein Hochzeitsfotograf unterscheidet sich von einem Presse-, Sport-, Portrait- oder Unterwasserfotograf durch die Motive, die er fotografiert. Es heißt auch der Hochzeitsfotograf, das grammatische Geschlecht des Kompositums wird also durch das Zweitglied (das Maskulinum Fotograf) bestimmt, nicht durch das Erstglied (das Femininum Hochzeit). Man kann die Reihenfolge der Glieder hier nicht umdrehen, ohne die Bedeutung komplett zu verändern — eine Fotografenhochzeit ist etwas ganz anderes als ein Hochzeitsfotograf. Solche Komposita nennt man „endozentrisch“ (nach Innen ausgerichtet), da die Bedeutung durch einen der Bestandteile des zusammengesetzten Wortes bestimmt wird.

Neben endozentrischen Komposita gibt es aber auch sogenannte „exozentrische“ (nach Außen ausgerichtete) Komposita, bei denen weder das Erst- noch das Zweitglied im engeren Sinne die Bedeutung bestimmt. Ein Löwenzahn, beispielsweise, ist weder ein Löwe, noch ein Zahn, sondern eine Blume.

Schließlich gibt es noch sogenannte Kopulativkomposita (oder Koordinativkomposita), bei denen Erst- und Zweitglied gleichberechtigt zur Gesamtbedeutung beitragen — typische Beispiele sind Wörter wie Radiowecker, Hassliebe oder Hosenrock. Die Bedeutungen dieser Wörter sind im Prinzip eine Mischung aus den Bedeutungen der Kompositionsglieder. Ein Radiowecker ist je nach Blickwinkel eine bestimmte Art von Wecker (einer, der ein Radio beinhaltet) oder eine bestimmte Art von Radio (eines mit einer Weckfunktion). Man könnte die Reihenfolge der Kompositionsglieder vertauschen, ohne, dass sich die Bedeutung ändert: Sucht man in der Google-Bildersuche nach "Radiowecker" und "Weckerradio", so erhält man Bilder von sehr ähnlichen Geräten.

Allerdings tragen auch bei Kopulativkomposita die beiden Glieder nicht absolut gleichberechtigt zur Gesamtbedeutung bei. Probieren Sie das mit den Wörtern Hosenrock und Rockhose bei der Google-Bildersuche selbst aus. Sie werden feststellen, dass sich die Bilder für diese beiden Suchbegriffe zwar überschneiden, dass es aber trotzdem Unterschiede gibt: Bei dem Suchbegriff Hosenrock taucht überwiegend ein Typ von Beinbekleidung auf, die zwar zwei Beine hat, aber so weit geschnitten ist, dass sie wie ein Rock aussieht; bei Rockhose finden sich ebenfalls Bilder für diese Art Kleidungsstück, es tauchen aber auch Bilder von Hosen auf, die an der Taille fest mit einem Rock vernäht sind, also insgesamt eher wie eine Hose aussehen, die gleichzeitig mit einem Rock getragen wird. Das jeweilige Zweitglied bezeichnet also in der Tendenz dasjenige Kleidungsstück, dem der Hosenrock/die Rockhose insgesamt ähnlicher sieht (bei Radiowecker/Weckerradio lassen sich ähnliche graduelle Unterschiede feststellen). Es gibt also auch bei Kopulativkomposita die Tendenz, das zweite Glied als etwas dominanter zu interpretieren, und auch bei diesen Komposita bestimmt ja das Zweitglied die grammatischen Eigenschaften (es heißt der Hosenrock, nicht die Hosenrock; der Radiowecker, nicht das Radiowecker; die Hassliebe, nicht der Hassliebe, usw.).

Kommen wir nun zur Tiefenschärfe/Schärfentiefe zurück. Offizielle Definitionen legen nahe, dass es sich dabei um eine Art der Tiefe handelt, und nicht um eine spezielle Art der Schärfe:

Schär|fen|tie|fe f. 11 nur Sg. räuml. Bereich, innerhalb dessen ein fotograf. Objektiv Gegenstände scharf abbildet [BERTELSMANN Wörterbuch]

Es muss Schärfentiefe heißen, so ein häufiges Argument in Diskussionen um die korrekte Bezeichnung, weil es sich um die „Tiefe der Schärfe“ (d.h., um die Ausdehnung des scharfen Bildbereichs von vorne nach hinten, also auf der sagittalen Ebene) handelt. Eine große Schärfentiefe liegt demgemäß dann vor, wenn ein großer Teil der sagittalen Ebene scharf ist, eine geringe Schärfentiefe dagegen dann, wenn nur ein kleiner Teil dieser Ebene scharf ist.

Das klingt zunächst logisch. Aber was würde nach dieser Logik und mit dieser Bedeutung der Wörter Schärfe und Tiefe das Wort Tiefenschärfe heißen? Es müsste sich um eine bestimmte Art von Schärfe handeln, nämlich die Schärfe der Ausdehnung von vorne nach hinten). Eine große Tiefenschärfe würde dann vorliegen, wenn der scharfe Bildbereich sich über einen großen Teil dieser Ausdehnung erstreckt, eine geringe Tiefenschärfe dann, wenn der scharfe Bildbereich sich über einen kleinen Teil der Ausdehung erstreckt.

Mit anderen Worten: die beiden Wörter Schärfentiefe und Tiefenschärfe bezeichnen, wenn man ihre Bedeutung aus ihren Einzelteilen herleitet, genau dasselbe. Es gibt schlicht kein sprachlogisches Argument dafür, einen dieser Begriffe zu bevorzugen. Die Situation ist ganz ähnlich, wie bei den kopulativen Komposita, allerdings nicht, weil beide Glieder zu gleichen Teilen zur Gesamtbedeutung beitragen, sondern, weil es egal ist, welches Glied die Kernbedeutung beisteuert — die Ausdehnung der Schärfe ist dasselbe wie die Schärfe der Ausdehnung.

Das erklärt allerdings noch nicht, warum sich das Wort Tiefenschärfe hartnäckig und trotz häufiger Belehrung durch Experten als dominante Form hält. Seit die Begriffe im späten neunzehnten Jahrhundert zum ersten Mal im Google-Books-Korpus auftreten, war Tiefenschärfe fast immer häufiger als Schärfentiefe. Erst in den letzten Jahren scheint sich das geändert zu haben, wobei abzuwarten ist, ob es sich hier um einen Ausreißer oder einen dauerhaften Effekt handelt:

Tiefenschärfe un Schärfentiefe im Google-Books-Korpus

Wenn beide Wörter genau dasselbe bezeichnen, ist diese Bevorzugung des offiziell „falschen“ Wortes erstaunlich. Es könnte sich dabei natürlich einfach um die Macht der Tradition handeln, aber vielleicht ist die Erklärung auch interessanter. Wie ich oben dargestellt habe, übt selbst bei Kopulativkomposita das Zweitglied einen etwas dominanteren Einfluss auf die Interpretation des gesamten Wortes aus.

Das gilt wohl auch für die Wörter Tiefenschärfe und Schärfentiefe: Wie der „ambitionierte Hobbyfotograf“ (Selbstbeschreibung) Wolfgang Schmidetzki in diesem Blogbeitrag sehr scharfsinnig herausarbeitet, geht es vielen Fotografen bei einer Manipulation der Schärfentiefe darum, den Hintergrund scharf oder unscharf zu machen. Es geht ihnen also tatsächlich um die Schärfe der Tiefe (wobei sie unter Tiefe nicht die (sagittale) Ausdehnung verstehen, sondern den Bildbereich, der am weitesten von ihnen entfernt ist).

Das Wort Tiefenschärfe ist hier die folgerichtige Wahl, und wir sehen wieder einmal: Sprachkritik ergibt selten Sinn. Die Sprachgemeinschaft hat normalerweise gute Gründe für ihre sprachlichen Vorlieben.

 

Eder, Josef Maria (Hg. 1905) Jahrbuch für Photographie und Reproduktionstechnik für das Jahr 1905. Halle/Saale, Wilhelm Knapp [Google Books (Snippet View)]

Schmidetzki, Wolfgang (2009) Tiefenschärfe vs. Schärfentiefe, wolfgang.schmidetzki.net, 5. Dezember 2009. [Link]

© 2011, Anatol Stefanowitsch

Nach Umwegen über Politologie und Volkswirtschaftslehre habe ich Englische Sprachwissenschaft und Sprachlehrforschung an der Universität Hamburg studiert und danach an der Rice University in Houston, Texas in Allgemeiner Sprachwissenschaft promoviert. Von 2002 bis 2010 war ich Professor für Englische Sprachwissenschaft an der Universität Bremen, im August 2010 habe ich einen Ruf auf eine Professur für anglistische Sprachwissenschaft an der Universität Hamburg angenommen. Mein wichtigstes Forschungsgebiet ist die korpuslinguistische Untersuchung der Grammatik des Englischen und Deutschen aus der Perspektive der Konstruktionsgrammatik.

31 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Wikinörgler

    „Dass dies der Fall sein könnte, deutet die Tatsache an, dass der „offizielle“ Begriff für die Tiefenschärfe tatsächlich Schärfentiefe ist (wie der Wikipedia-Eintrag belegt). „

    Naja, eigentlich belegt der Artikel nur, dass es in der Wikipedia auch Sprachnörgler gibt, die darauf bestehen, dass nur Schärfentiefe richtig sei. Uns übrigen ist es letztlich egal und wir geben es dann auf zu korrigieren.

    Ähnlich erging es mir damals mit dem Begriff Quantenphysik, den Sprachnörgler unbedingt zu einem Oberbegriff machen wollten, der neben der Quantenmechanik eben auch „andere Quantentheorien“ enthält.

    Sprachlogisch mag das stimmen. Schließlich ist Mechanik ein Teilbereich der Physik. Aber fachsprachlich ist Quantenmechanik das selbe wie Quantenphysik. Unabhängig davon, das Wikipedia sagt.

    Die Versionsgeschichte von Tiefenschärfe kenn ich jetzt nicht, aber es würde mich nicht wundern, wenn es da eine Umbenennung gegeben hat.

  2. Tiefenschärfe != Schärfentiefe 🙂

    Spätestens wenn man sich mit 3D Aufnahmen (muss nicht in der Fotografie sein) beschäftigt, weiß man, was „Tiefenschärfe“ wirklich bedeutet: Die Schärfe bezogen auf die Tiefeninformation – so wie Klingenschärfe.

    Zugegeben – diese Wortbedeutung ist nicht sonderlich verbreitet, aber zumindest bei Bildgebenden Verfahren wie der Computertomographie wird er bisweilen genutzt.

  3. Ich sehe beide Begriffe nicht unbedingt als Synonyme (obgleich ich gar nicht sagen könnte, ob ich sie nicht oft synonym verwende…).

    Aber ich bin vermutlich voreingenommen, weil meine PS5 als Bridgekamera keine Tiefenunschärfe darstellen kann (bzw. nur unter bestimmten Voraussetzungen). Tiefenunschärfe klingt für mich auch akzeptabler als ?Unschärfentiefe.

    Also einmal Bereich (Schärfentiefe) und einmal die „Manipulation des Hintergrundes“ (Tiefenschärfe). Ergo: eigentlich eine „klassische“ Determinativkomposita-Interpretation, oder?

    Ist eine solche Tendenz in den Daten/der Verwendung/der Diskussion erkennbar?

  4. > ?Unschärfentiefe

    guck an … das wär mir im Traum nicht eingefallen, ich hätt Schärfenuntiefe draus gemacht.

  5. @Joachim Quantenmechanik

    Ich kenne es durchaus so, dass zwischen Quantenfeldtheorien und Quantenmechanik unterschieden wird – Quantenmechanik ist dann wirklich nur die Quantentheorie von Teilchen, während bei Quantenfeldtheorie eben noch ein viel größerer Formalismus dazukommt (damit auch die Wechselwirkungen quantentheoretisch beschrieben werden können).

    Insofern gibt es durchaus andere Quantentheorien neben der Quantenmechanik, und die Suche nach einem Oberbegriff ist so sinnlos nicht…

    Und das sind keine Sprachnörgler, sondern dass ist Alltagsgebrauch bei vielen Physikern, die im Bereich Elementarteilchenphysik und Quantentheorie arbeiten.

  6. Schärfentiefe quantifiziert?

    Als Lexikographieblogger fühle ich mich verpflichtet, darauf hinzuweisen, dass Bedeutungserklärungen in allgemeinsprachlichen Wörterbüchern keine „offiziellen Definition“ sind; zweitens stellen sich dort (nach meiner Suche im Bertelsmann-Wörterbuch auf wissen.de) die Verhältnisse noch etwas abstruser dar: Die Bedeutungserklärung stammt erstaunlicherweise aus dem Rechtschreibwörterbuch, das Bedeutungswörterbuch verweist stattdessen von Schärfentiefe auf Tiefenschärfe und von Tiefenschärfe wieder auf Schärfentiefe. Klassischer Fall eines Zirkelverweises — aber eigentlich ganz im Sinne Deines Posts.

    Doch nun genug der Klugscheißerei: Ich bin kein Experte in Sachen Fotografie, aber die Tiefenschärfe/Schärfentiefe scheint mir etwas quantifizierbares sein — stimmt das? Wenn ich bei Google nach „Meter Tiefenschärfe“ oder „Meter Schärfentiefe“ suche, gibt es (ziemlich wenige) Treffer. Falls die Tiefenschärfe in Metern messbar ist, wäre das für mich ein (auch sprachlogischer) Grund, von „Schärfentiefe“ zu sprechen, denn Tiefe ist in räumlichen Maßeinheiten bestimmbar, Schärfe wohl eher nicht, und die „Tiefe“ hätte damit stärker den Status eines Grundwortes. Nichtsdestoweniger war mir das Wort Schärfentiefe bis heute unbekannt. Wieder was gelernt.

  7. Schärfentiefe quantifiziert (2)

    Ich sehe gerade, dass meine Überlegung so mehr oder weniger auch im Linguisten-Forum bereits angedeutet wurde (und der anderen Lesart gegenübergestellt wurde). Hätte ich dort nur mal früher nachgelesen. Grüße von einem Freund der Filme von Luc Besson.

  8. Ich sehe allerdings einen Unterschied zwischen der „Ausdehnung der Schärfe“ (1) und der „Schärfe der Ausdehnung“ (2).

    (1) bedeutet mMn dass nach der Ausdehnung einer bestimmten Schärfe gefragt ist. D.h. z.B. ich will nur den „scharfen Bereich“ bestimmen.

    (2) fragt dagegen nach der Schärfe einer Ausdehnung, die allerdings innerhalb der Ausdehnung verschieden sein könnte. Bspw. scharf bis zu einem bestimmten Bereich (der dann dem oben genannten „scharfen Bereich“ entspricht), ab da aber dann weniger scharf oder unscharf. Die Ausdehung kann sozusagen verschiedene Schärfen haben.

    Zugegeben, dass macht in der Fotografie keinen Unterschied, weil man immer nur den „scharfen Bereich“ haben will. In meinem Verständnis gibt es aber prinzipiell einen Unterschied von (1) und (2).

  9. Hat noch jemand die Bücher von Dieter Gabler? Ich habe meine vor Jahren verkauft, aber erinnere mich vage, dass er beide Begriffe unterschiedlich [und sinnvoll] definierte. Leider bekomme ich das nicht mehr zusammen, da zum einen kaum jemand seine Definitionen nutzte, und zum anderen weil die praktische Fotografie sich einen nicht so ganz trockenen um die Sophisterei von Hoobysprachwissenschaftlern kümmert.

    Selbst wenn ich den pragmatischen Aspekt – Leute, JEDER weiß, was gemeint ist, egal welches der beiden Worte benutzt wird – außer acht lasse, geht es nicht um Meter, Zentimeter und Millimeter, die ich irgendwie auf einem Stück Papier berechne. Es geht darum, Objekte einer Szene ins Verhältnis zu setzen, so dass der Betrachter einen Plot/Charakter/Atmosphäre geboten bekommt.

    SLR-Kameras mit Offenblendmessung bieten dafür meistens einen Knopf zum Schließen der Blende ohne auszulösen. Mit Digitalkameras jeder Art kann auch ohne solch eine Funktion sofort geprüft werden, wie das fertige Bild aussieht. Ich gebe allerdings zu, dass man dafür eine Kamera, kreatives Vermögen und Praxis benötigt – mindestens eines davon geht üblicherweise TS-ST-Diskutanten ab.

  10. Der Hobbyfotograf Wolfgang Schmidetzki sieht das, denke ich, ganz richtig.

    Mir ging es beim Lesen des Blog-Beitrags wie @Dierk, ich meine mal gelernt zu haben, dass es einen „echten“ Unterschied zwischen Schärfentiefe und Tiefenschärfe gibt, ohne mich jedoch erinnern zu können, wie es denn nun war oder ist.

    Es war (und ist) wohl so, wie Schmidetzki es beschreibt: Schärfentiefe bezieht sich auf die Abbildungseigenschaften von Objektiven, Tiefenschärfe auf das Foto.

    Das heißt, im Grunde gibt es keinen Streit, welcher Terminus richtiger ist (außer bei denen, die von Fotografie keine Ahnung haben ;-)).

  11. Sprach/Sprechergemeinschaft

    „Die Sprachgemeinschaft hat normalerweise gute Gründe für ihre sprachlichen Vorlieben.“

    Dem Satz möchte ich ein Zitat entgegenhalten, das ich leider nicht mehr wortwörtlich im Kopf habe (und vom dem ich noch nicht einmal mehr weiß, von wem es stammt): „Sprache ist zwar das Ergebnis menschlichen Tuns, aber nicht menschlichen Planens.“

    Der Satz beinhaltet dem Grunde nach meine Kritik an dem Begriff Sprach- der Sprechergemeinschaft, der immer wieder genannt wird, um Sprachentwicklung mit einer permanenten demokratischen Abstimmung zu vergleichen, die man, weil derart legitimiert, nicht zu hinterfragen hat (nicht daranherumzunörgeln hat). Manch einer stellt das Modell der Sprachgemeinschaft immer noch als ein alternativloses dar, obwohl „Alternativlos“ (zu Recht) zum Unwort des Jahres 2011 gewählt worden ist.

    Wie dem auch sei, demokratische Modelle sehen anders aus, ist doch Sprachentwicklung nichts anderes, als eine Folge von der eine sagt es dem anderen nach, also dem Nachplappern. So nämlich lernen wir sprechen, Mama, Papa und andere Bezugspersonen sprechen vor, klein Klausi plappert nach. So funktioniert es auch im Alltag und im allgemeinen bei dem, was wir Sprachentwicklung nennen. Was wir in den Medien lesen, sehen und hören, was Bezugspersonen und Vorbilder zeigen und von sich geben, machen wir alle, ohne Ausnahme, bestenfalls durch Nuancen unterschieden, nach. Der Mensch ist ein Herdentier, der seinem Leithammel folgt. Sage mir keiner, er sei eine Ausnahme, Ausnahmen sind so selten wie es echte Individualisten gibt.

    Demnach regiert Sprache auch nicht die „unsichtbare Hand“, von der andere Wissenschaftler sprechen, wenn sie (das Phänomen Sprachentwicklung oder andere) soziologische Phänomene umreißen wollen, ihnen nichts Besseres einfällt, ratlos sind, aber dennoch eine gewisse Tiefenschärfe zeigen möchten. Immerhin ist die Vorstellung einer unsichtbaren Hand eine bildhafte, leider aber auch eine falsche, so dass sie uns nichts nutzt. Es ist nun einmal, wie oben kurz angerissen, kein Geheimnis, was z.B. hinter der Sprachentwicklung steckt, und auch keine Magie, wie der Begriff der unsichtbaren Hand uns weißmachen will.

    Die Sprechergemeinschaft verdient den aufgesetzten Heiligenschein nicht. Ansonsten verlangte ich den auch für das plumpe Nachplappern.

    Wenn wir „Sprachnörgler“ an Sprache „herumnörgeln“, verstoßen wir also weder gegen demokratische Grundsätze noch gegen göttliche Gebote noch gegen Naturgesetze, sondern nehmen viel mehr das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung wahr. Dazu gehört im übrigen auch, für eine Grundgesetzänderung oder eine Radioquote bei den öffentlich-rechtlichen Rundfunk- und Fernsehanstalten einzutreten.

  12. @Klausi

    In der Schule wäre das jetzt ein ‚Thema verfehlt‘ – nicht das erste Mal. Meinetwegen müssen Sie nicht immer wieder belegen, wie wenig Sie an Sprache, Linguistik oder Ideenaustausch interessiert sind, ich zumindest glaube Ihnen das auch so.

    Inhaltlich Ihrem Käse entgegenzutreten …

    Hätten Sie nicht einfach schreiben können: ‚Sehen Sie, die Masse ist doof, deswegen benötigen wir eine Elite, die bestimmt, wie es geht.‘?

  13. @Klausi

    Mir geht’s ähnlich wie Dierk: Zwar weiß ich auch nicht genau, was sie wirklich aussagen wollten. Vermutlich verletzte ich auch die Kommentarregeln, wenn ich Ihnen antworte, wie ich es vorhabe, aber ich kann Ihnen zumindest beim Zitat helfen.

    Es klingt nämlich sehr nach Rudi Keller. Auch, weil sie danach die „unsichtbare Hand“ ansprechen. Wenn dem so ist, dann haben Sie aber weder Rudi Keller verstanden, noch die Metapher der unsichtbaren Hand, die er für seinen Sprachbegriff einsetzt.

  14. Eselsbrücke im Englischen

    Ich unterscheide ebenfalls bewusst zwischen den beiden Begriffen, da ich in meinem englischsprachigen Studium dem Duktus meines Film-Profs gefolgt bin. Bei ihm lernten wir damals die Unterscheidung

    „Schärfentiefe = Depth of field

    sowie

    Tiefenschärfe = Depth of focus“,

    was ja von diesem Standpunkt aus betrachtet wirklich zwei unterschiedliche Begriffe sind (siehe jeweils Wikipedia), die auch in der Produktionspraxis (und in entsprechenden Seminararbeiten) unterschieden werden mussten.

    Ich kenne allerdings auch viele Menschen, die die Begriffe synonym verwenden (und stets „Depth of field“ meinen). Hier würde es mich tatsächlich freuen, wenn man sich für eine der zwei Begrifflichkeiten entscheiden würde..

  15. Linguistik und Phototechnik

    Dieser Blogbeitrag zeigt wieder einmal sehr schön, wie wenig die Linguistik anscheinend zu so einer simplen Frage beitragen kann.

    Die ganze umfangreiche Belehrung über Komposita, exozentrische oder endozentrische usw. trägt zur kurzen eigentlichen Argumentation nicht das geringste bei.

    Diese Argumentation ist zudem überhaupt nicht nachvollziehbar und besteht in der schlichten, gewaltsamen Behauptung, „Ausdehnung der Schärfe“ und „Schärfe der Ausdehnung“ seien dasselbe. Die „Schärfe der Ausdehnung“ ist aber doch gerade das, woran sich die Kritiker des Wortes „Tiefenschärfe“ stoßen. Wie kann eine Ausdehnung, die Tiefe, die Eigenschaft „Schärfe“ haben?

    Der Behauptung, die beiden Wörter bezeichneten „genau dasselbe“, folgt auf dem Fuße die Einschränkung, daß sie doch nicht so ganz „genau dasselbe“ bedeuteten, was dann in bewährter Gewaltsamkeit die Aussage rechtfertigen soll, „Tiefenschärfe“ sei „hier die folgerichtige Wahl“.

    Die Behauptung, daß „beide Wörter genau dasselbe bezeichnen“ widerspricht im übrigen dem „sehr scharfsinnigen“ Blogbeitrag von Schmidetzki. Schmidetzki sagt ja gerade das Gegenteil,daß nämlich beide Begriffe nicht das gleiche bedeuten.

    Dem Beitrag von Schmidetzki stimme ich ganz zu. Ich würde seine Argumentation wie folgt paraphrasieren: „Schärfentiefe“ bezeichnet die lineare Ausdehnung des Schärfebereichs (so auch die Wikipedia-Definition), „Tiefenschärfe“ dagegen die Schärfe in der Tiefe der Abbildung(meist Hintergrund, aber auch Vordergrund).

    Was Schmidetzki zu sagen hat, sagt er viel kürzer und ohne linguistisches Wortgeklingel.

  16. @NöglerIn

    Ihr Kommentar zeigt wieder einmal sehr schön, was viele Ihrer Kommentare zeigen: Sie lesen die Beiträge nicht sehr aufmerksam und verstehen deshalb auch nicht, worum es geht. Tatsächlich steht nirgends in meinem Beitrag, dass beide Wörter „genau dasselbe“ bedeuten (kleiner Hinweis: Nebensätze müssen mitgelesen werden, und wenn Sie das in diesem Fall getan hätten, wüssten Sie auch, wozu die Diskussion der Bildung von Komposita dienen sollte). Der Rest Ihres Kommentars ist die übliche heiße Luft, die hier nur deshalb stehen bleibt, weil Sie im Sprachlog Stammgast sind und ich die Kommentarregeln deshalb großzügig auslege.

  17. @A.S.

    Sie sagen, ganz ohne Nebensatz: „die Ausdehnung der Schärfe ist dasselbe wie die Schärfe der Ausdehnung.“

    Ich halte diese Aussage für falsch und habe das auch begründet. Es steht Ihnen frei, meine Argumente für falsch zu halten, jedenfalls verstoße ich damit nicht gegen Ihre Kommentarregeln. In meinen Beiträgen beleidige ich niemanden und ich begründe meine Aussagen. Wenn Sie anderer Auffassung sind, dann nennen Sie mir doch bitte die Kommentarregeln, gegen die ich verstoßen hätte.

  18. @NörglerIn

    wenn man ihre Bedeutung aus ihren Einzelteilen herleitet, genau dasselbe

    Man muss nicht einmal Kontextanalytiker sein, um die von Ihnen zitierte Phrase als Resultat eines Absatzes zu erkennen, dessen Schlüsselelement wie oben lautet. Es geht dort also ausschließlich um eine Wortelementanalyse, nicht um eine fotofachsprachliche Pragmatik, auf die andere [u.a. ich] in den Kommentaren bereits hingewiesen haben.

    Schon in der direkt an das von Ihnen gewählte Zitat anschließenden Eröffnung des Folgeabsatzes macht A.S. deutlich, dass es eben doch einen empfundenen Unterschied zwischen den beiden zur Diskussion stehenden Begriffen gibt – und dies wird ja in den Kommentaren von einigen [u.a. mir] aufgegriffen und empirisch – wenn auch nicht statistisch, schließlich geht es dabei um Fachdefinitionen, nicht um tatsächlichen Gebrauch – untermauert.

    Nur unter kompletter Missachtung des vorgegebenen Textes und seiner Diskussion ist es Ihnen möglich, A.S., wenn auch in hübschere Worte gefasst, als Deppen zu bezeichnen, der weder Ahnung von Wörtern noch von Fotografie hat. Und außerdem in einem nutzlosen Fach arbeitet.

  19. @Dierk

    Glauben Sie denn auch an die Aussage: „die Ausdehnung der Schärfe ist dasselbe wie die Schärfe der Ausdehnung“?

    Dann erklären Sie mir doch bitte, was die Eigenschaft Schärfe bei einer Ausdehnung bedeutet.

    Ich habe A.S. auch nicht indirekt als „Deppen“ bezeichnet. Ich habe lediglich die Stringenz seiner Argumentation in Zweifel gezogen. Das ist nun einmal etwas, was jeder tut, der in einer kontroversen Diskussion eine eigene Meinung vertritt.

    Insbesondere bezweifle ich seine Behauptung, daß die Wörter „Tiefenschärfe“ und „Schärfentiefe“ dasselbe bedeuteten, „wenn man ihre Bedeutung aus ihren Einzelteilen herleitet“. Ich bin vielmehr der gegenteiligen Auffassung und habe das auch begründet. Daß sie in der Praxis häufig gleichbedeutend gebraucht werden mögen, habe ich doch gar nicht bezweifelt. Daß ist aber eine ganz andere Frage.

    Ich habe ferner A.S. auch nicht indirekt als jemanden bezeichnet, der „weder Ahnung von Wörtern noch von Fotografie“ habe. Vielmehr vermute ich, daß er viel mehr Ahnung von beiden Themen hat als ich. Schließlich bezeichnet er sich selbst als „begeisterten Hobbyfotografen“, während ich selbst eher Gelegenheitsknipser bin, allerdings ein wenig Ahnung von theoretischer Optik habe.

    Der Appell an die Autorität ist für mich aber kein Argument. Auch eine Autorität muß sich im Einzelfall an der Schlüssigkeit seiner Schlußfolgerungen messen lassen.

  20. Ich halte das für ein rein fachsprachliches Problem, wie ich schon geschrieben habe. Das bedeutet nichts anderes, als dass die Ausübenden eines bestimmten Faches, hier der Fotografie, sich einigen, wie sie bestimmte Phänomene, die sich häufig nur in Kleinigkeiten der Anwendung oder sogar der rein theoretischen Betrachtung unterscheiden, der Einfachheit halber benennen sollen. Große Konzepte werden auf griffige Wörter runter gebrochen.

    Was dem Fachmann in bestimmten Diskussion hilft, artet unter Hobbyisten nicht selten zu sinnfreier Sophisterei aus. Hier ein sehr ausführlicher Artikel aus der internatonalen Wikipedia http://en.wikipedia.org/wiki/Depth_of_field, in dem die mathematisch-physikalischen Grundlagen recht ordentlich dargestellt sind. Dieser Artikel ist übrigens erheblich ausführlicher als das Gegenstück zu Depth of focus, das wiederum einige Absätze zur Unterscheidung, http://en.wikipedia.org/…ocus_vs_depth_of_field, enthält.

    Ziemlich genau das, was dort geschrieben steht, meine ich auch von Dieter Gabler gehört zu haben. Hat sich halt in D nicht durchgesetzt, nicht zuletzt, weil die praktizierenden Fotografen schlicht den DOF-Knopf ihrer Spiegelreflex benutzten bzw. ihre Erfahrung einsetzten.

    Was die sprachliche Diskussion angeht, ob ‚Schärfe der Tiefe‘ gleichbedeutend ist mit ‚Tiefe der Schärfe‘, ja, doch, da stehe ich bei Herrn Stefanowitsch. Ich sehe keinen semantischen Unterschied zwischen diesen beiden Konstrukten, aber einen pragmatischen. Letzterer scheint mir allerdings sehr gering, da wir schwerlich davon reden können, in einer Szene eine Schärfeverteilung zu haben. Wir können die nur in einem Bild – ganz genau: der zweidimensionalen Abbildung einer dreidimensionalen Szene – bestimmen. Das kann auf Papier sein, auf einem Monitor oder einer klassischen Mattscheibe.

    Die Realität [um der Falle zu entgehen: das gilt natürlich auch für gestellte Aufnahmen im Studio, für Table-tops etc.] kennt keine Schärfeverteilung. Unser Auge-Hirn-System, dass mit einer zweidimensionalen Abbildung arbeitet, tut eine ganze Menge, um die auf der Netzhaut entstandenen Schärfeverteilung verschwinden zu lassen. Nebenbei gesagt, gerade diese Künstlichkeit des DOF in Fotos und Filmen macht Fotografie und Film überhaupt erst künstlerisch interessant [und 3D grundsätzlich urgs].

    Die Veränderung der Schärfeverteilung wird schließlich mit einigen technischen Tricks erreicht, die vor allem die Beugung der Lichstrahlen verändert, damit diese enger oder weiter streuen und damit größere oder kleinere Schärfekreise auf dem Bildträger erzeugen. In der Szene ist da gar nichts. Nur in der Kamera bzw. auf dem endgültigen Bild [dessen Schärfeverteilung dann noch in der Dunkelkammer und viel flexibler im Computer verändert werden kann

  21. Der Streit wäre längst vom Tisch

    wenn alle, so wie ich, Schiefentärfe sagen würden. Diesen Begriff verwende ich seit Jahren. Er hat den Vorteil, dass 1. jeder versteht, was gemeint ist, und 2. keiner auf den Gedanken kommt, mit „es müsste aber korrekterweise Tärfenschiefe heißen“ zu schlaumeiern.

  22. Die sagittale Ebene?

    Ich meinerseits möchte nur anmerken, daß es bei der Fotografie meist allenfalls um die transversale Ebene geht und nicht um die sagittale. Da aber dieserlei Ebenen eher ein Koordinatensystem bezeichnen und nicht — wie es richtiger wäre — die Scheimpflugsche Hauptebene, würde ich lieber den /axialen/ Aspekt der Tiefenschärfe hervorheben, wenn man über die Tiefe des Raums in Bezug auf die Optik spricht. Also eine Dimension weniger.

  23. und zudem

    hören sich beide Wörter ziemlich bescheuert an, wenn man sie nur oft genug wiederholt → semantic satiation.

  24. Strumpfhose und Tiefenschärfe

    Hier ein paar Beobachtungen zur Conclusio und ihren Prämissen.

    Das Fazit: Der Begriff „Tiefenschärfe“ hat sich in der Konkurrenz der beiden möglichen Koordinativ-Komposita „Tiefenschärfe“ und „Schärfentiefe“ durchgesetzt, denn:

    a) Auch bei Koordinativ-Komposita/Kopulativkomposita liegt ein Bedeutungsakzent eher auf dem zweiten Glied.

    b) pragmatisch gesehen geht es dem Fotografen häufig darum, weit von seinem Standort entfernte Punkte scharf oder unscharf zu präsentieren.

    c) Das kann, aber muss nicht mit der Schärfe des Nahbereiches zusammenhängen: So kann etwa ein Bild „von vorne bis nach hinten“ scharf sein, muss aber nicht, wenn „Tiefenschärfe“ im hohen Ausmaß gegeben ist.

    d) So gesehen ist es sprachlogisch einleuchtend, dass der potentiell interessantere Zielbereich der fotografischen Praxis auch in den potentiell dominanteren Teil einer Lexemkombination gestellt wird.

    Bei einer ersten vorläufigen Untersuchung dieser Argumentation tauchen folgende Alternativüberlegungen auf:

    a) Ein Lexem wie „Strumpfhose“ dürfte anders als „Hosen-Rock“ eher dort verwendet werden, wo Strümpfe verkauft werden und diese das Ziel des Käuferinteresses sind.

    Somit ist zumindest die These von der leichten, gewissen Dominanz des Zweitgliedes in ihrer vorsichtigen Formulierung bestätigt:“[…]übt selbst bei Kopulativkomposita das Zweitglied einen etwas dominanteren Einfluss auf die Interpretation des gesamten Wortes aus“ (A.S.). Aber das ist kein echtes Gegenargument. Denn es kann sich ja bei „STRUMPFhose“ um eine weniger frequente Markierungsart mittels Komposita handeln.

    b) Andererseits lässt sich auch fragen, inwieweit mit dem geringeren oder weniger
    geringen Gleichgewicht von zwei Lexemen in dem, was man Kopulativ-Komposita nennt, nicht doch ab einem bestimmten Grad der Terminus nur noch holpernd verwendet werden kann. Die „Hassliebe“ ist eben prototypisch und anders gewichtet in ihren Elementen als die „Tiefenschärfe“.

    c) Eine mögliche Volte in diesen Problemlage ist das Heranziehen einer anderen Interpretation: Vielleicht wird „Tiefenschärfe“ im mentalen Lexikon als eine Art Determinativkompositum analog zu „Feindbeseitigung“ verstanden.

    Es geht um eine Art latentes Objekt (wie beim Genitivus objektivus: Beseitigung des Feindes). Dabei würde „Tiefe“ metonymisch verstanden als „Hintergrund“ und „Schärfe“ als Endergebnis eines Vorganges „Schärfung/Scharfzeichnung“.

    Also steht in dieser Perspektive „Tiefenschärfe“ für „Tiefen/Hintergrund-Schärfung/Scharfzeichnung“.

    Eine Lexemkombination, die in dieser expliziten Form das technische Zielinteresse des Fotografen deutlicher markiert.

    Und insofern sie als Lesart des Begriffes „Tiefenschärfe“ fungiert, kann sie hinreichend erklären, warum sich der Begriff Tiefenschärfe (noch) in weiterer Verbreitung findet als der Begriff „Schärfentiefe“.

  25. DoF

    Immer wieder interessant, diese beiden Wörter gegeneinanderzustellen; nun lasst mich doch mal schauen, ob ich den Hinweis auf Depth Of Field versus Depth Of Focus anhand des o.g. Wikipedia-Artikels richtig verstehe. Demnach wäre D-o-Focus der Schärfebereich auf der Abbildung der Szene, die von der Kamera aufgenommen wird, während D-o-Field der Schärfebereich der Originalszene ist, die mit der Kamera auf eine Abbildung übertragen wird?
    Falls das richtig verstanden ist, bestärkt mich das darin, beide Begriffe synonym zu verwenden, solange ich keine genauen Maßeinheiten quantifizieren würde, sondern von „großer“ oder „geringer“ „Tiefenschärfe“ oder „Schärfentiefe“ sprechen würde. Aber auch fein, gelernt zu haben, dass man mit beiden Begriffen auch zwischen Originalszene und ihrer Abbildung unterscheiden könnte, sofern man so eine Unterscheidung mal extra treffen müßte und sie nicht entweder aus dem Kontext ersichtlich oder „egal“ wäre.
    Wer nun meint, meine Betrachtungsweise sei zu unspezifisch, den bitte ich, ein Wort zu finden, das dieser Unspezifität Rechnung trägt …vielleicht trifft’s „Hintergrundvermatschung“? …aber das klingt nun mal nicht sehr fachlich 😉

  26. Leider vergisst der Autor bei seiner Argumentation die technische Ebene. Hierbei wird ganz klar durch Manipulation von Blende, Brennweite & Co. der scharf abgebildete Bereich verändert (zum näheren Verständnis empfehle ich sich mit dem optischen System näher zu beschäftigen). Die „Schärfe der Tiefe“ (sprich der unscharfe Hintergrund) ist ein Nebeneffekt. Daher ist es durchaus richtig als Begriff denjenigen zu verwenden, welcher den eigentlichen physikalischen Vorgang beschreibt, ergo Schärfentiefe.

  27. Keine Ahnung ob die m.M. einfachste aller „Begründungen bereits angemerkt wurde:

    Ausgehend von „Determinativkomposita“ und wir sind bei der Fotografie mit „optischen Geräten“:

    Die Schärfentiefe hat eine Maßeinheit, dies ist als Längenmaß definiert.

    Wie misst man jedoch eine „Tiefenschärfe“, wie ist diese physikalisch/optisch bestimmt?

    Für mich ist es egal ob ein falscher Begriff häufiger verwendet wird und egal, ob sich Sematikjongleure die tollsten Diskussionen über Determinativkomposita und Kopulativkomposita liefern…

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