„Geschmacklich begründete Forderung nach einem Verbot von Anglizismen“ – Ein Interview mit Falco Pfalzgraf

Sprachpurismus und sprachpuristische Vereine haben im deutschen Sprachraum eine lange Tradition, die immer wieder selbst zum Forschungsgegenstand von Sprachwissenschaftlern geworden ist. Einer der derzeit führenden Experten auf diesem Forschungsgebiet ist Falco Pfalzgraf, dessen Buch „Neopurismus in Deutschland nach der Wende“ ein Standardwerk für jeden ist, der sich wissenschaftlich mit dem Verein Deutsche Sprache und anderen sprachpuristischen Vereinen auseinandersetzen will (oder muss).

Pfalzgraf beobachtet die Bestrebungen des VDS und anderer Gruppierungen nach einem gesetzlichen Schutz der deutschen Sprache seit vielen Jahren und hat eine Reihe von Forschungsarbeiten zu diesem Thema vorgelegt. Ich freue mich, dass ich zur Vorbereitung auf meinen Auftritt vor dem Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages am kommenden Montag das folgende E-Mail-Interview mit ihm führen konnte.

ANATOL STEFANOWITSCH (SPRACHLOG): Herr Dr. Pfalzgraf, die Bestrebungen des VDS, den Schutz der deutschen Sprache gesetzlich zu verankern, sind ja nicht neu. Seit wann gibt es diese Bestrebungen?

FALCO PFALZGRAF: Der gesetzliche Schutz der deutschen Sprache ist immer schon eines der Hauptziele des VDS gewesen, und zwar schon seit dieser 1997 als „Verein zur Wahrung der deutschen Sprache“ (VWDS) gegründet wurde. Besonders medienpräsent und wurde die Thematik aber erst Ende 2000, als der damalige Berliner Innensenator Werthebach öffentlich für ein „Sprachschutzgesetz“ eintrat — und breite Unterstützung aus allen politischen Richtungen bekam. Tatsächlich schuf Werhebach 2001 mit § 49 Abs. 2 GGO I (PDF) für die Berliner Verwaltung die erste gesetzliche Maßnahme in der der Bundesrepublik Deutschland, um Fremdworteinflüsse auf das Deutsche zurückzudrängen.

Erste konkrete Aktionen des VDS zur Aufnahme des Deutschen ins Grundgesetz begannen im Oktober 2003. Im April 2005 forderte der VDS auf der Titelseite seines Mitteilungsblattes Sprachnachrichten „Deutsch ins Grundgesetz“, was zu erheblichem Medienecho führte. Im Laufe der folgenden Monate bekam der Verein breite Unterstützung aus der Politik, z.B. von Erika Steinbach (CDU), Markus Söder (CSU) und Norbert Lammert (CDU), wobei letzterer im Sinne des VDS eine Erweiterung von Artikel 22 GG vorschlug.

AS: Wodurch sind diese Bestrebungen Ihrer Meinung nach motiviert?

FP: Die Motivation liegt auf der Hand: Der VDS fordert schon seit jeher gesetzliche Maßnahmen, um englische Spracheinflüsse aufs Deutsche zu verringern bzw. abzuschaffen. Mit der expliziten Forderung nach einem gesetzlichen Anglizismenverbot (denn um andere Fremdwörter geht es dem Verein ja gar nicht — wie der vom VDS vorgeschlagene Gräkolatinismus ‚Mobiltelefon’ statt pseudoenglisch ‚Handy’ sehr schön zeigt) kam man jedoch nicht sehr weit. Auch der Versuch, Anglizismen über das Verbraucherschutzgesetz verbieten zu lassen, schlug fehl. So versucht man es nun mit der Verankerung des Deutschen im Grundgesetz, um dieses dann als „möglichen Ausgangspunkt für künftige Gesetzgebung“ zu nutzen, wie in der VDS-Petition ja auch ganz eindeutig gesagt wird.

AS: Handelt es sich beim VDS um einen Verein von besorgten Sprachliebhabern, oder steckt Ihrer Meinung nach mehr hinter dessen Aktivitäten?

FP: Es kann angenommen werden, dass die Mehrheit der VDS-Mitglieder die Forderung nach einem gesetzlichem Schutz des Deutschen als unpolitisch empfindet. Doch hat sich wiederholt gezeigt, daß rechtsradikale Parteien die Anglizismendiskussion für ihre Ziele instrumentalisieren möchten, wie der NPD-Antrag am 12. Oktober gerade erst wieder gezeigt hat. Rechtsradikale Gruppen sind dem Sprachschutz sehr zugetan — die Gründe dafür sind klar, und hier ist nicht der Ort, diese jetzt zu erläutern oder zu diskutieren. Festzuhalten bleibt, dass Sprachschutzvereine immer wieder Rechtsradikale anziehen. Es muß aber gesagt werden, dass der VDS sich bemüht, diese nicht in ihren Reihen zu haben.

AS: Zur aktuellen Petition, die am kommenden Montag vor dem Petitionsausschuss des Bundestages verhandelt werden soll: Überrascht es Sie, dass der VDS mit dem Anliegen eines grundgesetzlich festgeschriebenen Status des Deutschen so weit kommen konnte?

FP: Persönlich habe ich nicht damit gerechnet, dass der VDS so weit kommen würde. In der Vergangenheit wurden ähnliche Vorstöße des Vereins ja stets abgewiesen; auch wenn es parteiübergreifend vereinzelt Zustimmung gab — auch seitens der jeweiligen Parteiführung. Wie schon gesagt, ist aber der VDS bereits seit einigen Jahren in dieser Angelegenheit aktiv — und nimmt dazu auf verschiedenste Weise ganz gezielt Einfluß auf Parteinen und individuelle Politiker (Anm. d. Red.: Siehe dazu auch PFALZGRAF 2008). Ich bin also nicht völlig überrascht. Es scheint fast, könnte der VDS einmal ein ähnlich einflussreicher Verein werden, wie der Allgemeine Deutsche Sprachverein ADSV (1885–ca. 1943) es einmal war.

AS: Der VDS gibt im Text seiner Petition nun an, man wolle mit der Verankerung der deutschen Sprache im Grundgesetz eine Anerkennung der „Funktion der deutschen Sprache als das wichtigste Verständigungsmittel“ und ihrer „besonderen Aufgaben innerhalb unserer Gemeinschaft — nämlich als Gerüst für bestimmte kulturelle Ausdrucksformen und als ein Grundmerkmal zur Identifikation“ erreichen. Was halten Sie als Kenner des VDS von diesen Begründungen? Worauf zielt die Petition hier ab?

FP: Um es pointiert auszudrücken: Dem VDS geht es lediglich darum, seine geschmacklich begründete Forderung nach einem Verbot von Anglizismen durchzusetzen. Wie dies geschieht, ist für den VDS nicht so relevant, wie ja die in ganz unterschiedliche Richtungen gehenden Vorstöße des Vereins zeigen. Ich denke, dass alle Begründungen, die der VDS angibt — so relevant diese auch von den Mitgliedern eventuell gehalten werden — doch nur im nachhinein konstruiert bzw. gefunden worden sind. Ob und inwieweit der VDS mit seiner Petition auch andere politische Ziele verfolgt (Stichwort Leitkulturdebatte), kann ich nicht belegen — aber auch nicht ausschließen.

AS: Braucht denn die deutsche Sprache eine solche „Anerkennung“ überhaupt? Ist sie in ihrer Struktur oder ihrer Funktion as wichtigstes Verständigungsmittel tatsächlich bedroht?

FP: Die Sprachwissenschaft, die sich intensiv wie extensiv mit der Anglizismendiskussion beschäftigt (was der VDS übrigens bestreitet) ist sich — abgesehen von ganz wenigen Ausnahmen — darüber einig, dass das Deutsche weder gefährdet noch bedroht ist. Unsere Forschungsergebnisse mag der VDS aber nicht akzeptieren (wie es auch immer noch Menschen gibt, die glauben, es gebe zahlreiche Anzeichen bzw. Beweise dafür, dass die Erde eine Scheibe sei) weshalb eine Zusammenarbeit von VDS und Sprachwissenschaft derzeit unmöglich ist (Anm. d. Red.: Siehe dazu auch PFALZGRAF 2011).

Ob eine verfassungsmäßige „Anerkennung“ des Deutschen zu erfolgen habe, muß das Parlament entscheiden, wobei sich natürlich auf einen gesamtgesellschaftlichen Konsens — der natürlich über kurzfristige Zeiträume hinweg bestehen müßte — zu stützen wäre. Daß es ein solcher Konsens existiert, kann aber bezweifelt werden — schon aufgrund der heftigen Diskussionen ums Thema.

AS: Sie forschen seit 2000 in England, seit 2004 lehren Sie an der University of London. Nimmt man deutsche Initiativen wie die des VDS in England überhaupt wahr, und wenn ja, wie? Wie würde eine Verankerung der deutschen Sprache im Grundgesetz in England aufgefasst werden?

FP: Ja, über die Aktivitäten des VDS liest man durchaus hin und wieder in England, dieses Jahr z.B. im Guardian im Februar und im März. In beiden Artikeln kommt Holger Klatte vom VDS zu Wort. Als Leser bekommt man den Eindruck, beim VDS handele es sich um einen Verein von Sonderlingen; ein amüsantes Kuriosum, sozusagen. Denn in guten britischen Zeitungen ist es allerdings üblich, stets auch die Gegenposition darzustellen — was in den o.g. Artikeln auch geschieht.

Das Vereinigte Königreich hat ja bekanntlich keine geschriebene Verfassung; und es besteht auch Konsens darüber, dass man so etwas auch in absehbarer Zeit weder möchte noch braucht. Entsprechend fremd und unsinnig erscheint den Briten in diesem Rahmen die VDS-Petition.

AS: Was mich noch interessiert: Der VDS behauptet immer wieder, die ganze Welt lache über die Deutschen und ihren angeblichen Hang zu englischen Lehnwörtern. Stimmt das Ihrer Erfahrung nach?

FP: Nach meiner Erfahrung nehmen Briten in Deutschland keinen stärkeren Einfluß des Englischen wahr, als in anderen europäischen Ländern. Anekdotische Evidenz dazu erhalte ich immer wieder von Studierenden, die gerade von ihrem Auslandsjahr aus Deutschland und/oder Spanien, Frankreich, Portugal zurückkehren. Und natürlich handelt es sich auch gar nicht um ein speziell deutsches (und noch nicht einmal europäisches!) Phänomen, wie der VDS immer sagt. (Wieder nur ein Pseudoargument zur Rechtfertigung der Ziele des VDS, „Alle Welt lacht über uns, wir machen uns lächerlich“, mit der man den besorgten Kleinbürger aktivieren möchte.)

AS: Zum Schluss noch eine praktische Frage: Haben Sie noch einen Ratschlag für mich, wenn ich am Montag im Petitionsausschuss dem VDS-Vorsitzenden Walter Krämer gegenüberstehe?

FP: Ich bin Walter Krämer nie persönlich begegnet, habe aber viele seiner Auftritte im Fernsehen verfolgt. Ich würde sagen: Der Mann glänzt weder durch Sachlichkeit noch durch Selbstbeherrschung. Zu beidem würde ich Ihnen raten.

Und wie stets würde ich auch allgemein zu mehr Gelassenheit raten — jedem und in jeder Hinsicht.

AS: Herr Dr. Pfalzgraf, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Dr. Falco Pfalzgraf lehrt germanistische Sprachwissenschaft und Mediävistik an der Queen Mary University of London und ist stellvertretender Direktor des Centre for Anglo-German Cultural Relations. Er hat ausführlich zu den verschiedensten Aspekten des deutschen Sprachpurismus geforscht und arbeitet derzeit an einer Monographie über Sprachpurismus in Österreich und der Schweiz.

Ausgewählte Arbeiten von Falco Pfalzgraf
(Seine vollständige Publikationsliste findet sich hier).

PFALZGRAF, Falco (2003) Fremdwortdiskussion und Rechtsextremismus. German Life and Letters 56:1, S. 102-116. [Abstract (Frei) und Volltext (Kostenpflichtig)]

PFALZGRAF, Falco (2006) Neopurismus in Deutschland nach der Wende. Frankfurt am Main, Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Wien: Peter Lang. [Verlagskatalog].

PFALZGRAF, Falco (2008) Bestrebungen zur Einführung eines Sprachschutzgesetzes seit der Deutschen Vereinigung. German Life and Letters 61:4, S. 451-469. [Abstract (Frei) und Volltext (Kostenpflichtig)]

PFALZGRAF, Falco (2011, Im Druck) Anglizismen als Thema der Sprachwissenschaft und Sprachkritik. Aptum: Zeitschrift für Sprachkritik und Sprachkultur 2. [Webseite der Zeitschrift]

© 2011, Anatol Stefanowitsch (Einleitung und Fragen), Falco Pfalzgraf (Antworten)

Anatol Stefanowitsch

Nach Umwegen über Politologie und Volkswirtschaftslehre habe ich Englische Sprachwissenschaft und Sprachlehrforschung an der Universität Hamburg studiert und danach an der Rice University in Houston, Texas in Allgemeiner Sprachwissenschaft promoviert. Von 2002 bis 2010 war ich Professor für Englische Sprachwissenschaft an der Universität Bremen, im August 2010 habe ich einen Ruf auf eine Professur für anglistische Sprachwissenschaft an der Universität Hamburg angenommen. Mein wichtigstes Forschungsgebiet ist die korpuslinguistische Untersuchung der Grammatik des Englischen und Deutschen aus der Perspektive der Konstruktionsgrammatik.

60 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Umgang mit Walter Krämer

    Pfalzgrafs Einschätzung zu Walter Krämers Einstellung zu Sachlichkeit kann ich nur bestätigen.
    Hier ein Link zu einer seiner Faktenbeugungen: http://blogs.taz.de/…stik/2007/11/27/unargument/
    Und dem Hausherrn viel Erfolg am Montag!

  2. Sprach-Jihad?

    Vielleicht möchten diese Leute ja eine Allianz mit den Islamisten in Tunesien eingehen. Die haben sich kürzlich auch dahingehend geäussert, dass das Arabische vom „Französisch verunreinigt“ (Pollution) sei und dass man auf Gesetzesebene etwas tun müsse. Dogmatiker unter sich (und Vernetzung ist heutzutage alles).

    Ja, als Schweizer fällt es mir irgendwie schwer deutschen Sprachpurismus zu verstehen.

    (aber eigentlich wollte ich nur die Gelegenheit nutzen, in einem Sprachblog „Islamisten!“ rufen zu können).

  3. VDS und Sprachwissenschaft

    Interessantes Interview – Danke dafür. Insbesondere fand ich interessant, dass es die Anglizismendebatte tatsächlich auch in der Wissenschaft gibt und dass es entsprechende Einschätzungen gibt – das war mir in dieser Deutlichkeit bisher nicht bewusst. Das lässt die Aktonen des VDS tatsächlich noch lächerlicher erscheinen.

    @ali: Mmh, „Die ganze Schweiz lacht über uns (und unsere Sprachdebatte)“ ist doch mal ein netter Unterschied zu „Die halbe Welt lacht über uns und unsere Anglizismen“ 😉

    ciao
    peer (der gerade in den USA ein Bodybag bestellt hat und – Überraschung! – keinen Leichensack bekommen hat)

  4. @Peer

    … der gerade in den USA ein Bodybag bestellt hat und – Überraschung! – keinen Leichensack bekommen hat …

    Bitte ein Link und ein Foto!

  5. Boulevard rules!

    So der hochgeschätzte Herr Walter Krämer jener Walter Krämer ist, der mit boulevardestestem Stile Statistik so beleuchtet, daß seine Bücher lange Schatten werfen im tiefen Stand der Wissenssonne, würde ich ihm gerne sagen, daß er bei seinem Leisten bei seinen Leisten vielleicht doch lieber nicht bleiben sollte. Auf der Klaviatur der Sprache sollte er besser ein vollumfängliches tacet akzentuieren.

  6. Anmerkung

    An A.S.:

    Sie haben die Anmerkung unter dem Text, Das Interwiew wurde selbstverständlich auf Englisch geführt, vergessen.

  7. Nachtrag

    und arbeitet derzeit an einer Monographie über Sprachpurismus in Österreich und der Schweiz.

    Das sehe ich erst jetzt. Das würde mich sehr interessieren. Ich weiss, dass es vor der Gründung des Bundesstaates Diskussionen gab, weil man dachte, dass unser elegantes Alemannisch in Bälde von diesem barbarischen Deutschen verdrängt würde. Scheint sich ja nicht bestätigt zu haben. Ab und zu flackert die Idee irgendwo auf, aber dass es da eine richtige Bewegung gibt, wusste ich nicht. Es gibt gewisse Dialektschützer, aber das war für mich bisher bestenfalls eine Art folkloristischer lokaler Sprach-Chauvinismus, der sich in erster Linie von den anderen Schweizer Dialekten abzugrenzen versucht. Vielleicht lebe ich einfach schon zu lange in der französischsprachigen Schweiz.

    Das Buch werde ich mir mal auf meine Liste setzen, klingt interessant.

  8. Body bag

    A.S.: „Bitte ein Link und ein Foto“

    Gerne:
    http://www.alibaba.com/…_Latest_Style_Men_s.html

    Da meine Frau einen Haufen Verwandte in den USA hat, hat mich die „Bodybag“ Geschichte immer verwirrt…
    (Einmal bei Google.com „Bodybag men“ googlen und man findet sehr viele Treffer. Die wenigsten aus Deutschland… 🙂

  9. Mein Chef und seine Vorliebe

    Leider muss ich hier mal anonym bleiben. Mein Chef und Geschäftsführer hat einen immensen Hang zu unnützen englischen Wörtern in seinem Wort und Schrift. Ich bin kein Gegner fremdsprachlicher Begriffe, solange sich kein deutsches Wort finden lässt oder durchgesetzt hat. Aber gerade bei meinem Chef nimmt der englische (!) Worteinschlag überhand. Bei ihm geht es um „Learning“, nicht um Lernen und „Wording“. Wie kann ich ihn davon versuchen abzuhalten?

  10. Petitionsausschuss im Petitionsausschuss

    Das sich eine Gruppierung um den Erhalt der deutschen Sprache sorgt und sich Verein Deutsche Sprache (VDS) nennt, ist an sich ein hehres Anliegen. Sich aber sehr einseitig auf den Nichtgebrauch, von aus dem englischen entlehnten Wörtern festzulegen, ist die andere, bedenkliche, Seite dieser Angelegenheit. Dies führt die Namensgebung des Vereins schon ad absurdum, von dem öffentlichen Auftreten ganz zu schweigen. Die Kampagne gegen den Gebrauch des Wortes Handy, welches ja, als Bezeichnung für einen tragbares Funkfernsprechgerät, überhaupt nicht aus der englischen Sprache stammt, ist für andere die in beiden Sprachen Kenntnisse besitzen, lächerlich. Ein englischer Muttersprachler würde höchstens fragen, „handy what“. Würde man sich ernsthaft mit deutscher Sprache beschäftigen, so müsste man auch den Gebrauch von Worten wie, Fenster, Döner, Pizza, Auto usw. anprangern. Das seltsame Gebaren des VDS, sollten Sie Herr Stefanowitsch den Politikern im Petitionsauschuss, da sie ja keine Sprachexperten sind, darlegen und deren Petition auf eine Verfassungsänderung als Ausschuss deklarieren.

  11. Unbelehrbarer „Sprachblogger“

    Herr Stefanowitsch und seine Anhänger werden es wohl nie begreifen, daß es dem VDS nicht um „Sprachpurismus“ und einen blindwütigen Kampf gegen Fremdwörter und hier besonders gegen Anglizismen geht. Der VDS und andere Organisationen wenden sich lediglich gegen ein Übermaß („Es kommt auf die Dosis an, ob ein Stoff giftig wirkt“.) an Anglizismen und erst recht gegen pseudoenglische Wortneuschöpfungen, die kein Brite oder Amerikaner versteht. Fremdwörter sind vor allem dann angebracht, wenn es kein entsprechendes deutsches Wort gibt oder als Fachausdrücke in Wissenschaft und Technik. Alles andere ist aufgeblasene Angeberei von Wichtigtuern, Verschleierung von Sachverhalten, vorgetäuschte Weltläufigkeit oder einfach nur das Bedürfnis, „cool“ zu sein (oder zumindest so zu erscheinen).
    Bitte nicht vergessen: über 50 % der Deutschen sprechen überhaupt kein Englisch, und vom Rest ist nur ein kleiner Anteil fähig, sich wirklich gut und fließend auf Englisch auszudrücken. Ich erwarte daher, in Deutschland in der Öffentlichkeit, auf Behörden und von Unternehmen, die mir etwas verkaufen wollen, in meiner Muttersprache angesprochen zu werden! Ist das so schwer zu verstehen?
    Ein Seitenhieb von Herrn Pfalzgraf zeigt doch deutlich, wie dieser Mann über die Mehrheit der Bürger in unserem Lande denkt, wenn er sie als „besorgten Kleinbürger“ denunziert: ein (pseudo)-intellektueller Möchtegern-Weltbürger, der auf die vielzitierten kleinen Leute offenbar ebenso geringschätzig herabschaut wie jüngst ein Schlecker-Mitarbeiter („For You –Vor Ort“)
    Völlig absurd wird seine Argumentation, wenn er dem VDS und seinen Sympathisanten Nähe zu rechtradikalem Gedankengut unterstellen möchte. Ein berechtigtes Anliegen wird nicht automatisch entwertet, wenn Extremisten es für ihre Zwecke instrumentalisieren wollen. Traurig, daß die Vertreter der demokratischen Parteien hier nicht aktiv werden!
    Und- Vorsicht, Herr Pfalzgraf, mit der Argumentation, „…die Erde ist eine Scheibe…“ Sollten Rechtsextremisten die Kugelform unseres Planeten ins Spiel bringen, müßten Sie Ihrer Logik nach wohl auf die Scheibe bestehen!

    [Herr Quentmeier, Ihr Kommentar besteht aus einer Reihe falscher Behauptungen.

    1.) Ob der VDS sich gegen englische Lehnwörter allgemein oder nur gegen ein „Übermaß“ derselben richtet, spielt keine Rolle. Sprachpurismus wäre es auch im letzteren Fall.

    2.) 67 Prozent der Deutschen geben an, gut genug Englisch zu können, um sich in dieser Sprache zu unterhalten. Ihre 50 Prozent, die „überhaupt kein Englisch“ sprechen, sind also frei erfunden.

    3.) Herr Pfalzgraf stellt den VDS explizit nicht in die Nähe zu rechtsradikalem Gedankengut. Er sagt genau das Gegenteil, nämlich, dass Rechtsradikale sich das Gedankengut des VDS häufig zu Nutze machen und dass der VDS sich bemüht, Menschen mit rechtem Gedankengut aus den eigenen Reihen herauszuhalten.

    4.) Herr Pfalzgraf bezeichnet an keiner Stelle die „Mehrheit der Bürger“ als „besorgte Kleinbürger“.

    Da Sie in anderen Blogs dieser Plattform schon häufig mit falschen Behauptungen aufgefallen sind, dürfen Sie hier im Sprachlog ab sofort nur dann kommentieren, wenn Sie jede Ihrer Aussagen mit einer Quelle belegen. Jeden Ihrer Kommentare, in dem das nicht der Fall ist, werde ich ohne weiteren Hinweis löschen. — A.S.]

  12. „Armin Quentmeier Unbelehrbarer „Sprachblogger“
    06.11.2011, 13:36
    […] ein (pseudo)-intellektueller Möchtegern-Weltbürger, der auf die vielzitierten kleinen Leute offenbar ebenso geringschätzig herabschaut wie jüngst ein Schlecker-Mitarbeiter („For You –Vor Ort“)“

    Quark!

    http://schlecker-blog.com/…gsniveau/#comment-546

    http://transgallaxys.com/…7286.msg16465#msg16465

    Ein bißchen mehr Bildung in Sachen Marketing und Marktforschung täte manchen Leuten gut.

  13. Nanu, warum so gereizt?

    Etwas mehr Sachlichkeit könnte nicht schaden, auch wenn der VDS offenbar ein gern attackiertes Angriffsziel für Sie ist (Zitate A.S.: „Sprachnörgler“; „Sprachnarren“).
    Zitat A.S.: „Da Sie in anderen Blogs dieser Plattform schon häufig mit falschen Behauptungen aufgefallen sind, dürfen Sie hier im Sprachlog ab sofort nur dann kommentieren, wenn Sie jede Ihrer Aussagen mit einer Quelle belegen.“ Da möchte ich aber mal Ihre Beispiele sehen, wo ich „häufig mit falschen Behauptungen aufgefallen bin“; bitte Quellen und Zitate nennen!
    „67 Prozent der Deutschen geben an, gut genug Englisch zu können, um sich in dieser Sprache zu unterhalten.“ Nennen Sie doch bitte Ihre Quelle!
    PS. VDS und Rechtsradikalismus – Zitat Herr Pfalzgraf: „Doch hat sich wiederholt gezeigt, daß rechtsradikale Parteien die Anglizismendiskussion für ihre Ziele instrumentalisieren möchten, wie der NPD-Antrag am 12. Oktober gerade erst wieder gezeigt hat. Rechtsradikale Gruppen sind dem Sprachschutz sehr zugetan…. Festzuhalten bleibt, dass Sprachschutzvereine immer wieder Rechtsradikale anziehen. Es muß aber gesagt werden, dass der VDS sich bemüht, diese nicht in ihren Reihen zu haben.“
    In der heutigen Zeit reicht schon ein kurzer Hinweis auf Sympathien von Rechtsradikalen für ein Anliegen, um dieses zu diskreditieren, auch wenn ein Satz auf die Bemühungen des VDS verweist, sich von diesen Leuten abzugrenzen. Etwas bleibt immer hängen und hängen bleiben wird bei so manchem Leser der Eindruck, Sprachschützer vertreten rechtsradikale Positionen.

  14. „Armin Quentmeier Nanu, warum so gereizt?
    06.11.2011, 19:29

    Etwas mehr Sachlichkeit könnte nicht schaden,“

    Stimmt.

    Deswegen: Quark hoch zwei!

    niederes Bildungsniveau # dumm

  15. @Quentmeier

    Was die Quelle betrifft, wäre die OECD ein erster Ansatzpunkt.
    Nur so zur Information: Seit (etwa) 20 Jahren wird bei uns englisch ab der Grundschule unterrichtet. Da bleibt schon etwas hängen.

    Abgesehen davon: Wer Behauptungen in die Welt setzt („50 der Bundesbrüger verstehen kein englsich“ muss diese belegen. Nicht derjenige, der die Behauptungen anzweifelt.
    Das unterscheidet Wissenschaft von purem Demagogentum.

  16. Fakten

    Zur den Fragen:
    a) wieviel Prozent der dt. Bevölkerung einigermaßen Englisch können
    b) wieviel Prozent sich an Anglizismen wirklich stören
    empfiehlt sich die Statistik der GfdS (2008).
    Von Mehrheiten für das VDS-Anliegen kann also keine Rede sein. Möge unsere Demokratie wirklich mal eine repräsentative sein!

  17. Warum nicht von 1970?

    „Michael Allers Fakten
    06.11.2011, 22:46
    […]
    …Statistik der GfdS (2008)“

    Die ist zu alt. Inzwischen ist viel unappetitlicher Reklamebrei über Bildschirm und Zeitungsseiten geflossen.

  18. Verständnislose Briten und Amerikaner

    Bzgl. der Aussage von Herrn Quentmeier zu dem Übermaß an „Anglizismen und erst recht […] pseudoenglische[n] Wortneuschöpfungen, die kein Brite oder Amerikaner versteht“: Ja warum sollte er denn müssen? Wenn ich mit einem Briten rede, sage ich „mobile“, im Gesprächen mit einem Amerikaner sage ich „cell phone“, und mit einem Deutschen rede ich eben über das „Handy“. Das muss der Brite oder Amerikaner nicht verstehen, weil ich nämlich gar kein englisch spreche – auch wenn ein Wort aus dieser Sprache kommt oder zu kommen scheint.

  19. @ Michael Allers, @ Elina

    @ Michael Allers
    Vielen Dank für den Link zu der GfdS-Umfrage

    Sie schreiben: „Zur den Fragen (…) wieviel Prozent sich an Anglizismen wirklich stören empfiehlt sich die Statistik der GfdS (2008). Von Mehrheiten für das VDS-Anliegen kann also keine Rede sein.“

    Die Ergebnisse dieser Umfrage würde ich anders interpretieren. Nach ihr stören sich an der (behaupteten) Zunahme von englischen Ausdrücken in der Alltagssprache 39 Prozent der Deutschen. 40 Prozent stören sich nicht daran. 17 Prozent beantworten die Frage mit „Ganz unterschiedlich“. Wenn ich den Ansatz des VDS richtig verstehe, müssten seine Anhänger zu den 17 Prozent gehören, weil sie nur gegen solche Anglizismen sind, die existierende und voll funktionsfähige deutsche Wörter verdrängen.

    Das Anliegen, solche vom VDS als „verdrängend“ bezeichnete Anglizismen „abzuwehren“, müssten somit 56 Prozent der Bevölkerung teilen, nämlich die 17 Prozent, die eine differenzierte Haltung zu Anglizismen haben, und zuzüglich der 39 Prozent die undifferenziert gegen alle Anglizismen sind.

    ((Die Haltung des VDS zu Anglizismen ist im Großen und Ganzen auch die meine. Ich finde „Sätze“ wie „Wenn competition dann aber auch level playing field“ schrecklich, bin mir aber im Klaren, dass das ein Geschmacksurteil ist. Auf der Suche nach einer besseren wissenschaftlichen Unterfütterung meines Unbehagens gegen „sinnlose“ Anglizismen bin ich noch nicht so recht fündig geworden. Insbesondere überzeugt mich auch das Konzept des VDS nicht, Anglizismen in „ergänzend“, „differenzierend“ und „verdrängend“ einzuordnen. In einer differenzierteren und objektiveren Analyse von Lehn- und Fremdwörtern würde ich die eigentliche Domäne der Sprachwissenschaftler sehen. Zu untersuchen, „welche [Sprachschutz-]Vereine Verbindungen zum politisch rechten Lager haben“ hätte ich eher für die Aufgabe von Politologen gehalten. Aber natürlich darf jeder selber entscheiden, womit er sich beschäftigt. Das Vorhaben des VDS, ins Grundgesetz ein Bekenntnis zur deutschen Sprache aufzunehmen, halte ich bestenfalls für Humbug, schlimmstenfalls für gefährlich – nicht so sehr, weil dies als Abschottung missverstanden würde, sondern weil es die Verfassung verwässert, wenn man dort Selbstverständlichkeiten festhält.))

    @ Elina
    Es ist ein Nachteil des Pseudoenglischen, dass Deutsche irrtümlich annehmen könnten, es handele sich um einen echten Anglizismus. Beim Handy dürfte sich das mittlerweile rumgesprochen haben. Dass „Oldtimer“ in der Bedeutung „antikes Auto“ im Englischen nicht verstanden wird, ist vielen Deutschen unbekannt.

  20. Kann man in anderen Ländern schon sehen

    Vielen Dank für das interessante Interview. Wie das aussieht, wenn der Sprachschutz gesetzlich verankert ist, kann man übrigens in Russland schon sehen. Dort hat man vor einigen Jahren über den Verbraucherschutz die Benutzung des Englischen in Werbung verboten. Das hat dann die skurrilsten Blüten hervorgebracht wie die Übersetzung von englischsprachigen Restaurantnamen („Steak House“) oder ihre Umschreibung ins Kyrillische. Am häufigsten gibt es aber Auseinandersetzungen um das Wort „sale“, zuletzt in einem Prozess gegen das Moskauer Kaufhaus ЦУМ. Das Kaufhaus argumentiert, das Wort „sale“ sei für den Verbraucher nicht irreführend und allgemein geläufig – und dass es gerade deswegen in der Werbung verwendet wird. Wer am Ende Recht bekommt, steht noch aus: http://center.ria.ru/…ety/20111103/82546924.html (die Übersetzung von Google Translate ist einigermaßen verständlich).

  21. Schreibweise

    Das Wort „Handy“ in englischer Orthographie zu schreiben ist natürlich taktisch ungünstig und hat außerdem etwas von jener Pralerei, die der VDS anprangert.

    Hätte man von Anfang an „Händi“ geschrieben, wäre es klar gewesen, dass es vom österreichischen Wort „händisch“ abgeleitet werden kann.

    Die meisten Nationen assimilieren die Schreibweise der Fremdwörter, so dass der unbedarfte VDS-ler sie garnicht mehr als solche erkennt.

    Einige Beispiele, die mir auf Anhieb einfallen, sind „müsik“ im türkischen, „cruassan“ im spanischen und dasselbe Wort im arabischen:
    كرواسان

  22. Humbug

    An phaeke:

    „Das Vorhaben des VDS, ins Grundgesetz ein Bekenntnis zur deutschen Sprache aufzunehmen, halte ich bestenfalls für Humbug…“

    Als Unterstützer der Aktion „Deutsch in’s Grundgesetz“ möchte ich mal für einen Moment annehmen, mich hätten die hier vorgetragenen Gegenargumente überzeugt und ich hielte diese Aktion nun auch für Humbug.
    Es stellte sich für mich sofort die Frage, mit welchem Titel man denn nun die A.S-Initiative, „Deutsch nicht in’s Grundgesetz“, überschreiben wollte.

  23. @ama, @phaeake

    @ama:

    Die ist zu alt. Inzwischen ist viel unappetitlicher Reklamebrei über Bildschirm und Zeitungsseiten geflossen.

    Leider kam ich gestern abend nicht mehr dazu, eine brandaktuelle Umfrage durchzuführen. Im Ernst: Die Englischkenntnisse werden sich seit 2008 kaum verschlechtert haben, und bzgl. des „Reklamebreis“ posaunt der VDS doch regelmäßig die Siegesmeldung heraus, dass in letzter Zeit viele Firmen zu deutsch-deutschen Slogans zurückgekehrt sind.

    @phaeake:

    Wenn ich den Ansatz des VDS richtig verstehe, müssten seine Anhänger zu den 17 Prozent gehören, weil sie nur gegen solche Anglizismen sind, die existierende und voll funktionsfähige deutsche Wörter verdrängen.

    Ich werte diese 17% als neutral. Die angebliche Verdrängung deutscher Wörter ist doch eine vorgeschobene Behauptung des VDS. A.S. und andere LinguistInnen haben oft genug nachgewiesen, dass die „verdrängten“ dt. Wörter gar nicht synonym zm angeprangerten Anglizismus sind, z.B. anhand Kids in dieser Untersuchung. Sie schreiben ja selbst, dass die Einordnung im Index nicht überzeugt. Sie ist völlig willkürlich mit dem offensichtlichen Ziel, möglichst viel als „verdrängend“ zu qualifizieren. Siehe auch hier, 2. Beitrag von oben.

  24. Gräkolatinismus

    Vielleicht das Unwichtigste an dem Eintrag überhaupt, aber ich würde es nunmal gern wissen: Müsste es nicht „Grecolatinismus“ heißen?

    Falls ja, wie kommt man auf „Gräko“, falls nein, erst recht wieso?

    Danke für jede Aufklärung.

  25. Aufklärung @Christian W

    Wörter, die auf Latein mit ae geschreiben werden, erscheinen im Deutschen mit ä, nicht mit e (im Gegensatz zu den romanischen Sprachen, vgl. ital. greco und dem Englischen), auch wenn der Laut, den es bezeichnete, in klassischer Zeit wohl eher ai gewesen ist. (Ebenso wie oe bei uns als ö wiedergegeben wird, auch wenn in der Regel aus griechischem oi stammt, wie Ökonomie oder Önologie.)

    Und „griechisch“ auf Latein heißt nunmal graecus, nicht grecus.

  26. Sale in Russland

    Der Artikel vn Wladimir Palant ist noch aus ganz anderem Grund bemerkenswert: Die VDSler tun ja immer so, als wären die Deutschen die einzigen, die Anglizismen (wie „Sale“) benutzen. Augescheinlich ist das nicht der Fall…

  27. @Vytautas

    Also ist „Gräkismus“ germano-lateinisch und „Grecoismus“ (oder meinetwegen Græcoismus, was weiß ich schon) pures Latein? Mal ohne Scherz, ist prinzipiell beides nicht falsch?

    Ich frage wirklich aus reinem Interesse, verfolge keinerlei Agenda. Bisher habe ich im sprachlichen Zusammenhang immer nur von „greco-“ gelesen und wundere mich daher über die Schreibweise mit „Ä“ und „k“.

  28. @Klausi, @Michael Allers

    Klausi schrieb: „Es stellte sich für mich sofort die Frage, mit welchem Titel man denn nun die A.S-Initiative, „Deutsch nicht in’s Grundgesetz“, überschreiben wollte.“

    In meinen Augen wäre „Humbug oder Schlimmeres verhindern“ eine analoge passende Überschrift, auch wenn das vielleicht nicht optimal zur Begründung von Herrn Stefanowitsch für seine Petition passt.

    Michael Allers schrieb: „Ich werte diese 17% als neutral.“

    Das finde ich etwas kühn. Wer neutral gegenüber Anglizismen eingestellt ist, hätte ohnehin zwei Möglichkeiten gehabt anzukreuzen: „Nein“ (stört mich nicht, weil ich neutral zu Anglizismen stehe) oder „egal“. Die 17% waren in meinen Augen solche, die manche Anglizismen gut finden, andere nicht. Und genau das behaupten die VDS-Anhänger von sich, das wurde heute im Petitionsausschuss auch wieder deutlich.

    „A.S. und andere LinguistInnen haben oft genug nachgewiesen, dass die „verdrängten“ dt. Wörter gar nicht synonym zm angeprangerten Anglizismus sind, z.B. anhand Kids in dieser Untersuchung.“

    Vielen Dank für den Hinweis auf den verlinkten Habilitationsvortrag, dessen Lektüre aber dann doch meinen Glauben in die Seriosität der Linguistik stark erschüttert hat. Das im Rahmen eines Kommentars auszuführen erscheint mir allerdings ungünstig. Ich werde das auf meinem Blog mal in Ruhe machen (frühestens kommendes Wochenende.)

  29. Werbe

    „Michael Allers @ama, @phaeake
    07.11.2011, 15:22

    Die Englischkenntnisse werden sich seit 2008 kaum verschlechtert haben,“

    Mir geht es um den Widerwillen der Bevölkerung gegen Denglisch. Dieser Widerwille ist nicht konstant, sondern wird bei jedem Werbedesaster (Telekom, Deutsche Bahn) sprunghaft größer. Letztere Firmen haben gerade in den letzten Jahren für viel Geld (wer zahlt das alles, wenn nicht der Kunde!?) große Verdauungsendproduktfladen geistiger Obstipation in die Umwelt geklatscht.

    Solche Umweltverschmutzung gehört mit Knast bestraft, und nicht irgendwo, sondern bei den obersten Verantwortlichen.

    Ich habe nichts gegen Deutsch. Ich bin zweisprachig, deutsch und englisch. Ich habe auch nichts gegen englisch. Aber was uns zugemutet wird, ist weder Deutsch noch Englisch, sondern rotzfrecher Dreck. Wir werden verar… Das muß aufhören.

  30. Die Grundgesetzlosen

    „Klausi Humbug
    07.11.2011, 11:52

    Es stellte sich für mich sofort die Frage, mit welchem Titel man denn nun die A.S-Initiative, „Deutsch nicht in’s Grundgesetz“, überschreiben wollte.“

    „Keinen Humbug ins Grundgesetz!“

    🙂

  31. Aufklärung II @Christian W

    Gräkismus ist definitiv falsch, wenn, heißt es Gräzismus.
    (Gräkoismus heißt es nicht, weil das -o- nur als Fugenelement der Komposition erscheint, nicht bei Suffigierung.)

    Und Latinismen mit e statt mit ä zu schreiben (etwa pre- stätt prä-) ist ein (ganz subjektiv hässlicher 😉 ) Anglizismus.

    Zudem werden viele Latinismen im Deutschen je nach Folgelaut statt mit c mit k bzw. z geschrieben, z.B. Zyklus statt Cyclus.

    Befolgt man konquent die lateinische Schreibung, müsste man also graeco- und Graecismus schreiben, in deutscher Tradition hingegen gräko- und Gräzismus. Aber nicht mit „gre-„. Ich selbst spreche es auch mit langem ä, nicht e.

    Wenn ich mal kurz bei Google suche, erhalte ich für „greco-“ nur englische Treffer, deutsch überwiegt ganz klar „gräko-“ gegenüber seltenerem „graeco-„.

  32. @phaeake

    Elina: „Wenn ich mit einem Briten rede, sage ich „mobile“, im Gesprächen mit einem Amerikaner sage ich „cell phone“, und mit einem Deutschen rede ich eben über das „Handy“. Das muss der Brite oder Amerikaner nicht verstehen, weil ich nämlich gar kein englisch spreche – auch wenn ein Wort aus dieser Sprache kommt oder zu kommen scheint.“

    phaeake: „@ Elina
    Es ist ein Nachteil des Pseudoenglischen, dass Deutsche irrtümlich annehmen könnten, es handele sich um einen echten Anglizismus. Beim Handy dürfte sich das mittlerweile rumgesprochen haben. Dass „Oldtimer“ in der Bedeutung „antikes Auto“ im Englischen nicht verstanden wird, ist vielen Deutschen unbekannt.“

    Verstehe. Es geht also nicht so sehr darum, die deutsche Sprache als solche gegen die Verunreinigung durch (Pseudo-)Englisches zu schützen – sondern vielmehr darum, deren Sprecher gegen befürchtete Blamagen zu schützen. Gut, dass das auch mal so deutlich gesagt wurde. 😉

  33. Wentus:

    Die meisten Nationen assimilieren die Schreibweise der Fremdwörter, so dass der unbedarfte VDS-ler sie garnicht mehr als solche erkennt.

    Einige Beispiele, die mir auf Anhieb einfallen, sind „müsik“ im türkischen, „cruassan“ im spanischen und dasselbe Wort im arabischen:
    كرواسان

    Dass das Arabische die Schreibweise ändert, liegt natürlich daran, dass das Arabische nicht das lateinische Alphabet benutzt. müsik im Türkischen ist keinem Assimilationswahn fremder Wörter zu verschulden sondern der Vokalharmonie. Viele Sprachen handhaben es darüber hinaus genauso wie das Deutsche und gleichen die Schreibweise nicht regelmäßig an, vgl. Französisch, Italienisch, Niederländisch etc.

    ama:

    Das muß aufhören.

    Wissen Sie, was mich persönlich ungleich mehr stört als ein noch so albener Anglizismus aus der Werbung? Wenn man 15 Jahre nach der Rechtschreibreform immer noch veraltete Schreibweisen benutzt.

  34. Ich habe letztends einen TV-Beitrag über Risikoabwägungen gesehen, in dem Krämer eine maßgebliche Rolle spielte. Darin kritisierte er aus der Sicht eine Statistikers bestimmte öffentliche Risikodarstellungen (z.B. Asbestgefahr) als deutlich übertrieben an. Dies begründet er auch sehr sachlich.

    Da frage ich mich schon, wie es sein kann, dass er beim VDS jeglichen Sinn für wissenschaftliche Arbeit über Bord werfen kann und sogar relativ einfache Hinweise aus der Sprachwissenschaft ignoriert.

    @leidige Thema, Anglizismen einzudämmen oder die richtige Dosis zu finden:

    Wenn angeblich die Dauernörgelei und v.a. das Bestreben eine Grundgesetzänderung beizuführen kein Sprachpurismus darstellt, wieso muß man sich denn groß darum kümmern, welche Leute jetzt bestimmte Begriffe benutzen, um damit sich besonders cool oder wie auch immer darzustellen? Kann man das nicht jedem selbst überlassen, eine Person zu bewerten?

    Bei öffentlichen Institutionen gibt es, wie glaub ich hier erwähnt, weit mehr Probleme Gesetze und Verordnungen in einem verständlicherem deutsch darzustellen, als dass man irgendein Verfasser oder Redner übermässig viele Lehnwörter einstreut.

  35. @ T.M.

    T.M. schrieb: „Verstehe. Es geht also nicht so sehr darum, die deutsche Sprache als solche gegen die Verunreinigung durch (Pseudo-)Englisches zu schützen – sondern vielmehr darum, deren Sprecher gegen befürchtete Blamagen zu schützen. Gut, dass das auch mal so deutlich gesagt wurde. ;-)“

    Fänden Sie es sympathischer, „die deutsche Sprache als solche gegen Verunreinigen“ zu schützen? Im Übrigen geht es mir weniger um Blamagen, sondern um denkbare Missverständnisse. Ich habe gelesen (aber nicht überprüft), dass man unter „Oldtimer“ im Englischen eher eine „graue Eminenz“ versteht. (Übrigens ein schönes Beispiel dafür, dass Pseudoanglizismen kein neues Phänomen sind.) Und ja, ich finde, dass ein verantwortungsvolles Weiterentwickeln der Sprache auch die Anfälligkeit für Missverständnisse berücksichtigen sollte.

  36. „impala kein Betreff
    08.11.2011, 00:48

    ama:
    ‚Das muß aufhören.‘

    Wissen Sie, was mich persönlich ungleich mehr stört als ein noch so albener Anglizismus aus der Werbung? Wenn man 15 Jahre nach der Rechtschreibreform immer noch veraltete Schreibweisen benutzt.“

    Die Rechtschreibreform ist doch nur die ausgelebte Geisteskrankheit einiger Leute, die eine Idee durchgeboxt habe, wie sie an Geld kommen können. Daß dabei die deutsche Sprache vor die Hunde geht – shit happens… Die Rechtschreibreform ist eine der größten Dämlichkeiten, die es je gegeben hat. Sie hat die sprachlichen Fähigkeiten der Bevölkerung schlagartig fallen gelassen – und sie fallen immer noch.

    Schon vor zwanzig Jahren waren die schriftsprachlichen Kenntnisse auch der 20 -30 Jahre alten schon sehr schlecht. Inzwischen ist es noch weitaus schlimmer. Die Lehrer in der Erwachsenenbildung können davon Lieder singen, schaurig… und gar nicht schön.

    Deutschland verblödet. Und Österreich und Schweiz gleich mit…

  37. Es stinkt gewaltig!

    „Jochen kein Betreff
    08.11.2011, 01:24

    Ich habe letztends einen TV-Beitrag über Risikoabwägungen gesehen, in dem Krämer eine maßgebliche Rolle spielte. Darin kritisierte er aus der Sicht eine Statistikers bestimmte öffentliche Risikodarstellungen (z.B. Asbestgefahr) als deutlich übertrieben an. Dies begründet er auch sehr sachlich.

    Da frage ich mich schon, wie es sein kann, dass er beim VDS jeglichen Sinn für wissenschaftliche Arbeit über Bord werfen kann und sogar relativ einfache Hinweise aus der Sprachwissenschaft ignoriert.“

    Ganze einfach: weil er auch bei der Statistik übelst biegt … bis die ihm in seine Ideologie paßt.

    Ich würde ihm liebendgerne seine Bücher um die Ohren hauen, und zwar öffentlich. Man muß Seite für Seite, Passage für Passage, Stelle für Stelle, Satz für Satz, Wort für Wort sein Geschreibsel auseinandernehmen.

  38. @ ama re. Rechtschreibreform

    „Deutschland verblödet. Und Österreich und Schweiz gleich mit…“

    Und Sie glauben, das durch Verweigern der Rechtschreibreform verhindern oder aufhalten zu können?

    An der Rechtschreibreform mag es vieles zu kritisieren geben, aber das hat doch nichts mit dem Ausdrucksvermögen der Leute zu tun. Wer für die neue Rechtschreibung zu blöd ist wird auch mit der alten nicht zurechtgekommen sein. Und umgekehrt: Wer die alte Rechtschreibung kann, wird auch mit der neuen zurechtkommen. Weder neue noch alte Rechtschreibung werden die Bildung und das Ausdrucksvermögen der Leute wesentlich fördern oder behindern, und das Deutsche geht auch nicht vor die Hunde. Ganz bestimmt nicht – man kann auch nach neuer Rechtschreibung gutes Deutsch schreiben. Dass viele Leute das nicht wollen oder können, liegt sicher nicht an der Rechtschreibung.

  39. Inder geistigen Nordkurve Vollgas geben?

    „gnaddrig @ ama re. Rechtschreibreform
    08.11.2011, 13:13

    Und Sie glauben, das durch Verweigern der Rechtschreibreform verhindern oder aufhalten zu können?“

    Nein. Aber man hätte es nicht durch das Chaos, das man angerichtet hat, zusätzlich beschleunigen müssen.

  40. Überschriftenfeld ist zu kurz

    Ja, Bundestag nochmal, das Überschriftenfeld ist zu kurz.

    Es sollte natürlich

    In der Nordkurve Vollgas geben?

    heißen.

  41. @ ama, Inder geistigen Nordkurve …

    Das Chaos im Zusammenhang mit der Rechtschreibung ist allerdings wirklich bedauerlich. Da hätten die Schriftsteller ihren lautstarken Protest Jahre früher zum Ausdruck bringen können, nicht erst, als die Sache praktisch schon beschlossen war. Das Hin und Her mit der Reform und den Reformen der Reform war auch bescheuert, da hat man viel Verwirrung gestiftet. Aber die neue Rechtschreibung hindert trotzdem niemanden, gutes Deutsch zu schreiben, sich eine umfassende Bildung zuzulegen oder ganz allgemein vernünftig zu sein. Und das Chaos ist ja nun passiert. Egal ob Sie oder ich nun neu oder alt schreiben – das Kind holen wir nicht mehr aus dem Brunnen.

  42. Sozialisierungsbrunnenbauer

    „gnaddrig @ ama, Inder geistigen Nordkurve …
    08.11.2011, 14:37

    Da hätten die Schriftsteller ihren lautstarken Protest Jahre früher zum Ausdruck bringen können, nicht erst, als die Sache praktisch schon beschlossen war.“

    Ja, das ist TYPISCH. Beimn Datenschutz auch. Da fangen die „Spezialisten“ erst an zu schreien, wenn es JAHRE zu spät ist. Aber DANN machen sie ein Riesentamtam, klopfen sich gegenseitig auf die Schulter und sind – natürlich – die Größten.

    Daß es schon lange vorher Stimmen zum Datenschutz gab, wird nicht bloß geleugnet, sondern die „Spezialisten“ waren mit die übelsten [darf ich nicht sagen] und haben die frühen Warner schikaniert, wo es nur geht. Die „Spezialisten“ sind eben immer die Größten.

    Dieses Verhalten ist soooo typisch. Weil dieses Verhalten von den Medien auch noch unterstützt wird, ist es doch kein Wunder, daß alles in den Bach geht.

    „Das Hin und Her mit der Reform und den Reformen der Reform war auch bescheuert, da hat man viel Verwirrung gestiftet.“

    Aus unlogischem Krempel, der sich mit der Zeit selbst erledigt hätte, man man NEUEN unlogischen Krempel gemacht UND ihn gleich für die nächsten Jahrzehnte fest einbetoniert.

    „Aber die neue Rechtschreibung hindert trotzdem niemanden, gutes Deutsch zu schreiben, sich eine umfassende Bildung zuzulegen oder ganz allgemein vernünftig zu sein.“

    Zur Not kann man auf eine andere Sprache ausweichen. 🙂

    „Und das Chaos ist ja nun passiert. Egal ob Sie oder ich nun neu oder alt schreiben – das Kind holen wir nicht mehr aus dem Brunnen.“

    Das Kind ist ersoffen. Mit den Wiederbelebungsversuchen läßt sich viel Geld machen. Je zerfallener die Leiche ist, desto interesssanter wird der Versuch…

  43. @ama

    Ihnen ist aber schon klar, dass „Deutsch im Grundgesetz“ sich auf die neue Rechtschreibung bezieht, oder? 😉

  44. @Peer

    Das sind keine bodybags das sind (a)cross-body bags.

    http://www.google.com/…firefox-a&safe=active

    Wikipedia:

    The term body bag is sometimes used for fashion or other bags worn on the body (sling body bag or across body bag) and this sense has no connection with either of the two above senses.

    Oldtimer:
    http://en.wikipedia.org/wiki/Oldtimer

    Benutzen nicht nur die Deutschen.

    Und was das blamieren angeht. Ich lebe seit 6 Jahren in Florida und ich werde eher fuer meinen Akzent ‚ausgelacht‘ als fuer ein falsches Wort. Denn es gibt dermassen viele ‚Versionen‘ der englischen Sprache alle mit ihren eigenen Wortschoepfungen, dass Handy auch nicht schlimmer ist als http://en.wikipedia.org/wiki/Vegemite.

  45. @Armin Quentmeier

    Die einzigen aufgeblasenen angeberischen Wichtigtuer sind Leute, die anderen vorschreiben wollen wie sie zu sprechen haben.

    Wenn Sie ein Problem mit Anglizismen haben dann ignorieren sie entweder den Anglizismus oder die Person. Ich z.b. habe ein Problem mit aufgeblasenen Wichtigtuern die unbedingt bemueht antiquiert wirkendes Deutsch von sich geben muessen.

  46. @phaeake

    „Fänden Sie es sympathischer, „die deutsche Sprache als solche gegen Verunreinigen“ zu schützen?“

    Nö, im Gegenteil. Ich konnte mir lediglich nicht verkneifen, Ihren Kommentar für die Vermutung zum Anlass zu nehmen, dass hinter den ach so hehren Zielen, die sich Sprachnörgler wie der VDS groß auf ihre Fahnen schreiben (Ansehen und Würde der deutschen Sprache usw.), vielleicht gar nicht so selten nur eine tiefe persönliche Unsicherheit verbirgt. So etwas offen zuzugeben, ist mir allemal sympathischer, als wenn sich jemand angeblich um ihrer selbst willen zum Schützer der Sprache aufspielt (als hätte die Sprache solchen Schutz nötig).

    „Im Übrigen geht es mir weniger um Blamagen, sondern um denkbare Missverständnisse. Ich habe gelesen (aber nicht überprüft), dass man unter „Oldtimer“ im Englischen eher eine „graue Eminenz“ versteht. (Übrigens ein schönes Beispiel dafür, dass Pseudoanglizismen kein neues Phänomen sind.) Und ja, ich finde, dass ein verantwortungsvolles Weiterentwickeln der Sprache auch die Anfälligkeit für Missverständnisse berücksichtigen sollte.“

    Das finde ich nun wieder nicht. Wir, d.h. die Gemeinschaft der Deutsch-Sprecher, sollten reden können, wie *wir* wollen – und das schließt (Pseudo-) Anglizismen ein – ohne uns ständig ängstlich im Hinterkopf fragen zu müssen, was Englisch-Sprecher wohl davon halten und ob diese Wörter eventuell missverstanden werden könnten, wenn wir sie versehentlich in englische Konversationen einfließen lassen… Denn wenn wir das täten, wären wir ja tatsächlich die armen Opfer des angloamerikanischen Kulturimperialismus, als die uns der VDS gerne darstellt! 😉 Im Übrigen bleibt es ja jedem einzelnen Sprecher überlassen, ob er (Pseudo-) Anglizismen benutzt oder nicht – ein anderes „Weiterentwickeln der Sprache“ als durch den eigenen Gebrauch gibt es ohnehin nicht.

  47. @ Vytautas

    „Und Latinismen mit e statt mit ä zu schreiben (etwa pre- stätt prä-) ist ein (ganz subjektiv hässlicher 😉 ) Anglizismus.

    Zudem werden viele Latinismen im Deutschen je nach Folgelaut statt mit c mit k bzw. z geschrieben, z.B. Zyklus statt Cyclus.

    Befolgt man konquent die lateinische Schreibung, müsste man also graeco- und Graecismus schreiben, in deutscher Tradition hingegen gräko- und Gräzismus. Aber nicht mit „gre-„. Ich selbst spreche es auch mit langem ä, nicht e.“

    „häßlicher Anglizismus“? „in deutscher Tradition“? Jetzt haben Sie sich verraten.

    Womöglich mögen Sie auch Ether und Ethanol nicht?

  48. @ T.M.

    „Im Übrigen bleibt es ja jedem einzelnen Sprecher überlassen, ob er (Pseudo-) Anglizismen benutzt oder nicht – ein anderes „Weiterentwickeln der Sprache“ als durch den eigenen Gebrauch gibt es ohnehin nicht.“

    Soso, ein anderes gibt es nicht. Das blinde Auge der Deskriptionisten. Ja nicht an dem rühren, was „Sprachgebrauch“ ist, ja nicht bewerten, ja nicht kritisieren, ja nicht Geld, Macht, Einfluß und Interessen von Gruppen, Medien und Multiplikatoren betrachten (ist schmutzig, unwissenschaftlich).

    Der Deskriptionismus ist eine sich als Wissenschaft tarnende Ideologie, weil er eine wissenschaftsfremde Maxime (Du sollst nicht bewußt und aktiv die Sprache pflegen) zur Grundlage hat. Es ginge ja noch an, wenn er sich aufs Beschreiben beschränkte, aber nein, entgegen seiner eigenen Maxime greift er in die Debatte ein und desavouiert jegliche bewußte Sprachpflege als „überflüssig“ (da ja sowieso umsonst) und somit „schädlich“ (ja, was denn nun? Widerspruch gemerkt?).

    Die Sprache entwickelt „sich“ eben nicht frei und völlig losgelöst in einem luftleeren Raum, sondern sie *wird entwickelt* durch Sprecher und Schreiber unterschiedlichster Einstellung zur Sprache, unterschiedlichster Bildung, unterschiedlichster Interessen. Und selbstverständlich kann sie degenerieren und niedergehen bzw. degeneriert „werden“ und niedergegangen „werden“.

    Das Deutsche macht’s ja gerade vor. Anglizismen (gegen die man sich im übrigen eben nicht wehren kann, wenn sie der eigene Chef, der Amtsleiter, Machtpersonen, Medien gebrauchen) sind nur ein kleiner Teil. Was ist mit der Verheuchelung und Euphemisierung („Rettungsschirm“), was mit der grammatischen Verflachung, mit der Zunahme von nichtssagenden und vieldeutigen Allerweltsformeln, mit dem Rückzug der (maßgebenden) deutschen Wissenschaftler aus dem Deutschen als Wissenschaftssprache (Ausbaurückstand)?

    Dagegen etwas tun zu wollen durch Aufklärung, Überzeugung und Werbung und durch Sprachpflege (Bewertung des Sprachgebrauchs, Vorschlag neuer oder besserer Begriffe (sicher nicht durch eine „Sprachpolizei“ – ein Popanz, der immer wieder aufgerichtet wird)), ist natürlich nicht „wissenschaftlich“ im Sinne des Deskriptionismus, aber auch nicht unwissenschaftlich. Es ist Handeln, das sich (auch) wissenschaftlicher Erkenntnisse und Methoden bedient.

    Ich würde die Deskriptionisten ja in Ruhe lassen, wenn sie nicht jeglichen Versuch der aktiven Sprachpflege als unsinnig und schädlich bezeichnen und als „Purismus“ mit Nähe zu rechtsradikalem Gedankengut desavouieren würden.

    Im übrigen heißt es „Deutsch ins Grundgesetz“ und nicht „in’s“.

  49. Eberschmidt, so lange Sie und ihresgleichen mir nicht vorschreiben, wie ich zu schreiben, geschweige denn zu sprechen habe, dürfen Sie gerne präskriptivieren. Dabei ist es mir dann auch völlig schnurz, wie weit daneben ihre Behauptungen von der Wahrheit entfernt liegen. Meine Toleranz geht so weit, Ihnen nicht zu befehlen, Wörter aus anderen Sprachen oder mit Morphologien anderer Sprachen zu benutzen. Sie dürfen gerne Windüberzieher sagen statt Anorak, sie dürfen überhaupt gerne Überzieher sagen, um Fremdes zu vermeiden [Sakko, Jacke, Mantel]. Wie Herr Prof. Dr. Krämer dürfen Sie auch nur die mehr oder weniger englischen Vokabeln vermeiden – dann aber bitte konsequent, es heißt Vermarktung, nicht Marketing.

  50. @ Dierk

    Sehr freundlich. Ich hatte es auch nicht vor (verwechseln Sie mich mit jemandem?).

    Wer in Wirklichkeit präskriptiv tätig wird, das sind („hart“) die großen Firmen, die ihre Betriebssprache, -terminologie und sogar -grammatik festlegen, die Politiker in den Gesetzen und die Normer, das sind (mehr oder weniger „weich“) die Medien, die Filmsynchronisateure („Der Kindergarten Cop“, „Killer Elite“), die Nachrichtenagenturen, alle öffentlich mit Sprache wirksam werdenden und Beispiele gebenden Personen.

    Ich gehöre nicht dazu. Ich behalte mir allerdings eine eigene Bewertung vor.

  51. Macht man nicht mit, fliegt man raus.

    „T.M. @phaeake
    08.11.2011, 22:41

    […](Ansehen und Würde der deutschen Sprache usw.), vielleicht gar nicht so selten nur eine tiefe persönliche Unsicherheit verbirgt.“

    Falsch. Wieder einer der typischen Tricks, Kritiker mit der Psychokeule PERSÖNLICH anzugreifen.

    „Denn wenn wir das täten, wären wir ja tatsächlich die armen Opfer des angloamerikanischen Kulturimperialismus, als die uns der VDS gerne darstellt! ;)“

    Falsch. Es sind DEUTSCHE, die das Verbrechen des Sprachterrorismus begehen.

    „Im Übrigen bleibt es ja jedem einzelnen Sprecher überlassen, ob er (Pseudo-) Anglizismen benutzt oder nicht“

    Falsch. Die Sprache wird Einem aufgezwungen. benutzt man die aufgezwungenen Wörter nicht, wird man geächtet.

    „- ein anderes „Weiterentwickeln der Sprache“ als durch den eigenen Gebrauch gibt es ohnehin nicht.“

    Falsch. Das Leben finden um einen herum statt. Macht man nicht mit, fliegt man raus.

  52. @ama: Widersprüchlichkeit

    Falsch. Die Sprache wird Einem aufgezwungen. benutzt man die aufgezwungenen Wörter nicht, wird man geächtet.

    1. Wie kommen Sie zu dieser Weisheit? Beispiele?

    2. Ist nicht genau diese Einstellung ein Indiz für tiefe persönliche Unsicherheit?

    Natürlich muss man sich irgendwie dem Sprachgebrauch seiner Mitmenschen anpassen; das ist jedoch nicht spezifisch für (Pseudo-)Anglizismen.
    Gegenbeispiel: Wenn ich gegenüber meinen Kollegen Computer statt Rechner sagen würde, würde ich wahrscheinlich belächelt (nicht: geächtet).

  53. Langweilige rhetorische Schallplatte

    „Michael Allers @ama: Widersprüchlichkeit
    10.11.2011, 23:54

    2. Ist nicht genau diese Einstellung ein Indiz für tiefe persönliche Unsicherheit?“

    Wie kommen Sie zu dieser Weisheit? Beispiele?

  54. @ama

    SprachTERRORISMUS? Man muss schon einige ungeistige Winkelzüge anstellen, um das debattierte Phänomen mit Terrorismus gleichzusetzen. Ich warte jetzt auf den ‚Sprachholocaust‘ [weil ja Toitsch vernichtet wird] …

    Es wird auch niemand aus der Gesellschaft ausgestoßen oder auch nur im Freundeskreis geächtet, weil sie nicht ‚liken‘, ‚Handy‘, ‚Smartphone‘ oder sonst irgendeines der typischen oder albernen Beispiele Krämers et al. benutzt. Natürlich kommt es eher nicht so gut an, wenn ein Vollhonk bei jedem vierten Satz meint, er müsse jetzt dozierend eingreifen [echt, ich hab’s ausprobiert]. Nein, das mögen Freunde, Kollegen, Arbeitgeber nicht so sehr.

    Richtig ist, dass sie in Fachkreisen mindestens schief angesehen werden, wenn sie das Fachvokabular nicht kennen. Dabei ist es meist nicht notwendig dieses aktiv einzusetzen, aber sie müssen es passiv verstehen – sonst wird zurecht davon ausgegangen, dass sie keine Ahnung haben. Ich kenne auch nur zwei Gruppen, in denen sogar ein bestimmter aktiver Wortschatz vorausgesetzt wird, andernfalls eine Ächtung erfolgt: Wirtschaftsberater und Werber.

    Nun ist das Problem da nicht so sehr das [Pseudo]Englische, sondern die oft völlige Leere hinter den großen Worten, die geschwungen werden. Auch dieses ist keine große Neuigkeit, bereits früher, speziell zu Beginn der bürgerlichen Gesellschaftsrevolution, täuschten Menschen eher minderer Begabung gerne mehr Sein vor, indem sie Französisch, Latein oder Altgriechisch im Übermaß und oft jenseits von Bedeutung* einsetzten.

    Aber das alles interessiert ja die Sprachnörgler nicht; Fakten werden zurechtgebogen, ignoriert oder durch frei aus der Luft Gegriffenes ersetzt. Der Auftritt Professor Doktor Krämers vor dem Petitionsausschuss hat ziemlich klar gezeigt, worum es geht und wie inkonsistent VDS & Co argumentieren. ‚Marketing‘ ist i.O. weil in der deutschen Sprachgemeinschaft akzeptiert, ‚Handy‘ und ‚Sale‘ sind aber der Untergang des Abendlandes?!

    Was die Vermutung angeht, es geht nur um eine innere Unsicherheit, einen Minderwertigkeitskomplex der Nörgler … nun, offenbar war Herr Professor Doktor Krämer vor allem stinkig bzgl. des Englisch Entlehnten, weil er einen DFG-Antrag nicht schreiben lassen konnte, weil er kein Geld für einen Übersetzer ausgeben wollte. Um es sehr nett zu formulieren.

    *Bedeutung im allgemeinen, nicht spezielle Wörterbuchübereinstimmungen

  55. @ama

    2. Ist nicht genau diese Einstellung ein Indiz für tiefe persönliche Unsicherheit?“

    Wie kommen Sie zu dieser Weisheit? Beispiele?

    Weisheit kommt von Wissen. Ich habe lediglich eine Frage gestellt. Ganz abwegig scheint mir diese allerdings nicht; ich kenne genügend Menschen, die verunsichert sind, sobald sie irgendetwas nicht verstehen. Dabei muss man das meiste gar nicht verstehen, z.B. denglische Werbung oder (als Außenstehender) firmeninternen Fachjargon, also das, woran sich der VDS immer aufhängt.

    Dierk stimme ich 99% zu. Bloß könnte Herr Krämer m.E. durchaus selber einen Antrag in Englisch verfassen; er macht halt lieber ein künstliches Problem daraus.