Nein, Adler klauen keine Babies!

Im Internet findet sich ja bekanntlich viel, und vieles davon ist großer Mist. So auch das Video, das gerade herum geht, in dem ein Steinadler angeblich ein Baby zu entführen versucht. So soll es sich jüngst in Montreal zugetragen haben.

Golden Eagle in flight - 3Steinadler im Flug von Carly Lesser & Art Drauglis from Washington, DC (Golden Eagle) [CC-BY-SA-2.0], via Wikimedia Commons.

Das kam mir gleich ziemlich schräg vor, denn wenn man sich den Anflug des vorgeblichen Adlers ansieht, und mit realen Anflügen von Steinadlern vergleicht, erscheint dieser Vogel doch etwas ungelenk. Abgesehen davon können Steinadler keine Beutetiere durch die Luft tragen, die ihr eigenes Gewicht (zwischen 3 bis 6,7 kg) übertreffen. Und außerdem sieht der gefilmte Vogel einem Steinadler auch nur sehr entfernt ähnlich.

Inzwischen kam heraus, dass es sich bei dem Film um ein Fake handelt, bei dem weder ein Adler noch ein Kind in Gefahr waren. Beide sind nachträglich per Computer in den Film eingefügt worden.

Das Problem dabei ist schlicht: Die allermeisten Menschen haben sich dermaßen weit von der Natur entfernt, dass sie diese entweder als Ponyhof betrachten, oder eben alles (und damit auch derartige Filmchen) für blutige bare Münze nehmen und ab sofort in jedem Raubvogel eine Gefahr für Kinder sehen. Dies wird noch dadurch gesteigert, dass, zumindest in England und Kanada (als Beispiel), manche Medien sofort auf den Zug aufgesprungen sind und sensationsheischend dieses Video präsentierten. Und schließlich ist ja alles wahr, was die Medien zeigen, oder? Hier wäre es sicher nicht zu viel verlangt, ein klein wenig das skeptische Hirn einzuschalten und die Sachlage zu hinterfragen, bevor man Menschen in Panik versetzt und wunderbare Tiere verleumdet. Mir jedenfalls platzt bei derlei Blödsinn irgendwie der Kragen.

 

Nein, ich werde den Film hier nicht einstellen, nur verlinken (wer´s unbedingt sehen will).

 

dafür einige schöne Videos über Steinadler:

Veröffentlicht von

amphibol.blogspot.de/

Gunnar Ries studierte in Hamburg Mineralogie und promovierte dort am Geologisch-Paläontologischen Institut und Museum über das Verwitterungsverhalten ostafrikanischer Karbonatite. Er arbeitet bei der CRB Analyse Service GmbH in Hardegsen. Hier geäußerte Meinungen sind meine eigenen

16 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. A propos Bundesadler

    Der Bundesadler (also der Wappenvogel der Bundesrepublik Deutschland) ist natürlich nicht der Steinadler, sondern der Seeadler. Soweit ich weiß, leitet sich der von dem Wappenvogel Preußens her, welcher ebenfalls ein Seeadler war.

  2. gefälschte Filme

    Ich hielt das Filmchen durchaus für plausibel. Hinzu kommt, daß ein gefälschter Film für mich einfach eine neue Qualität der Manipulation darstellt. Zusammengebastelte Bilder sind ja seit Jahrzehnten bekannt und daß es gar nicht so schwer ist, ein Bild zu fälschen, auch. Aber ein bewegtes Bild von vornherein als potentielle Bastelarbeit zu betrachten, fällt mir deutlich schwerer.
    Dazu kommt, daß ich keine präzise Vorstellung habe, was ein Adler heben kann. Ich würde da nur nach dem Augenschein gehen und ein kleines Kind wirkt für mich klein genug.
    Seit ich mal einen ausgewachsenen Uhu im Tiefflug aus nächster Nähe gesehen habe (Friedhof Ohlsdorf, mitten in Hamburg), ist mein Respekt vor den großen Greifvögeln ohnehin noch mehr gestiegen, als ohnehin schon vorhanden. Es unglaublich, wie groß diese Vögel sind und mit DEN Krallen heben die ein ganze Menge mehr als nur ein Kaninchen.

    Was soll’s. Und wenn der Film eine Fälschung ist, dann hab ich nun auch noch gelernt, selbst Filmen zu mißtrauen. Da hätte ich gern drauf verzichtet, echt.

    Matthias

  3. Traurig, traurig

    Erinnert mich daran, wie hier in Sachsen schon wieder Stimmung gegen Wölfe gemacht wird, weil die ja Gefahr für Leib und Leben darstellen. Und die Leute fressen begierig jede „Horrormeldung“.
    Klar werden ab und zu Schafe gerissen aber die Bauern kriegen eine Entschädigung. Es kostet halt etwas, die Natur zu erhalten. Nichts zu tun, wird viel teurer…

  4. Nicht gleich so übertreiben….

    Nun seid mal nicht päpstlicher als der Papst mit Euren Fake!-Geschrei.

    Es handelt sich schlicht und ergreifend um das Ergebnis einer Arbeit, die ein paar Studenten der kanadischen Filmakademie Centre NAD in einem Simulations-Workshop zum Thema 3D-Animation und Digitales Design abgeliefert haben.

    Haben die Jungs doch prima hinbekommen.

  5. nicht übertreiben?

    Sie wollen es nicht verstehen, oder?
    Wenn ein Film so gut gefälscht ist, daß man ihn erst genau untersuchen muß, um das zu sehen, dann dauert es nicht lang, bis Sie die Fälschung gar nicht mehr beweisen können.
    Danach gibt es kein Vertrauen mehr.
    Der Nachrichtensprecher im Fernsehen kann genauso synthetisch sein, wie der Politiker, der Ihnen mit tiefem Bedauern die leider unumgängliche Mobilmachung verkündet.
    So langsam kann ich die Paranoia einiger Leute wirklich nachvollziehen. Diese Studenten sind in kultureller Hinsicht kriminell, der dazugehörende Dozent noch viel mehr.

    Matthias

  6. Fake oder Fiktion?

    Meines Wissens handelt es sich bei dem Film nicht um einen „Fake“ – also um eine mit Täuschungsabsicht erstellte Fälschung – , sondern eher um eine Fiktion, die dann zu ernst genommen wurde.

    Dass wir uns von der Natur entfernt haben, dem stimme ich in Übrigen zu.

  7. Adlerauge und Medienkompetenz

    Sagt mal, weiß jemand von Euch, ob es diesen Matthias wirklich gibt?

    Erst durch dieses Filmchen und die anschließende Aufklärung, erfahren zu haben, dass sich im Netz „gefälschte Filme“ tummeln – klingt mir irgendwie märchenhaft.

    Die beiden von Gunnar verlinkten Videos könnten auch Fälschungen sein. Sie wirken so realistisch, so echt, so erhaben. Insbesondere das kurze Video, das mit dem Schnitt vor der Landung, erscheint mir verdächtig. Ist das danach überhaupt noch der gleiche Vogel, sind das die gleichen Berge? Kann das die Cloud bitte mal überprüfen – oder sollen wir Gunnar einfach vertrauen?

    Ohne Fälschungen und Lügen gäbe es doch gar kein Vertrauen. Das fände ich auch irgendwie schade.

    Einen Steinadler gibt es auch noch in Hessen; Mütter beschützt eure Kinder:

    http://www.eintracht.de/aktuell/mannschaft/attila/

  8. Panikmache hier

    Ich wette, dass das Geschrei genauso groß war, als die ersten Bildfälschungen auftraten. Und? Davon ist die Welt auch nicht untergegangen. Warum sollte sie also, weil jetzt auch engagierte Laien bewegte Bilder manipulieren können? 🙂

    Ich glaube die größere Gefahr dahingehend, dass Leute ein falsches Bild von der Natur zu haben, ist eher bei den professionellen Medien (bspw. Medien wie Bildzeitung oder RTL) zu suchen als bei Studentenarbeiten… 🙂

  9. @ Georg

    Es geht weniger darum, das Bilder und Filme manipuliert werden können. Das sollte eigentlich nun wirklich keinen mehr wundern, der in den letzten 50 Jahren mindestens einmal ferngesehen hat oder im Kino war.
    Mir geht es mehr darum, dass es immer noch zuviele Leute gibt, die jedes Bild und jedes Filmchen für die Wahrheit halten. Selbst unter Journalisten, denen man doch eigentlich so etwas wie einen kurzen Faktencheck zutrauen dürfte, oder?

  10. @Regine Darwin

    Ich glaube sie haben das Problem nicht richtig verstanden. Natürlich haben die „Jungs“ das gut hinbekommen und würde man das Video in einem anderen Kontext zeigen, würden wir auch anders darüber denken.
    So wird es aber wie eine Nachricht behandelt, als Tatsachenbehauptung und das ist zumindest für die Adler kein Spaß sondern eine Gefahr. Naiv, wer das nicht versteht.

  11. RD

    Meine Vermutung war auch, dass dieser Matthias ein Fake ist. Hingegen ist der Bildzeitungsleser, der den Inhalt der Bild für bares nimmt, ein Weltbildbestimmendes Konstrukt der Zeitleser, die den Inhalt der Zeit Feuilletons für die Realität halten. Ersteres ist mir zumindest noch nicht untergekommen, dabei habe in meinem Leben viele Menschen kennengelernt, die regelmässig Bild lesen.
    🙂

  12. Kommentare

    Mir ist unverständlich, wieso hier einige meinen, Gunnar würde in seinem eigenen Blog erfundene Beiträge plazieren. Denn etwas anderes bedeutet die Vermutung, die Beiträge von „Matthias“ seien irgendwie getürkt, nicht.
    Ich finde eine solche Unterstellung Gunnar gegenüber mindestens unhöflich.

    Ob es sich bei den Namen hier um die echten oder ein Pseudonym handelt, ist eine ganze andere Frage.
    Für die, die meinen, ihre Häme ob meiner Kommentare ausschütten zu müssen – nur zu. Aber dann bitte ab jetzt direkt an mich und nicht hier.

    Hier ist meine Adresse: 141421@gmx.de
    Da ich nicht zu denen gehöre, die rund um die Uhr im Internet unterwegs sind, bitte ich um etwas Geduld.

    Matthias

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