Rekordwärme auf der Erde trotz kalter Sonne

Die globale Temperatur eilt seit Jahren von Rekord zu Rekord – dabei schwächelt die Sonnenleuchtkraft.

Erst überbot 2014 das bislang wärmste Jahr 2010, dann überbot 2015 nochmals 2014, und 2016 ist derart warm, dass schon jetzt praktisch sicher ist, dass es erneut ein Rekordjahr wird. Drei Rekordjahre in Folge – das hat es in all den Jahrzehnten der globalen Erwärmung noch nie gegeben.

Was bislang kaum kommentiert wurde: all dies passiert trotz kalter Sonne (Abb. 1 und 2). Das letzte Sonnenminimum (2008-2010) war das tiefste seit mindestens 1950, das vergangene Sonnenmaximum (2013-2015) kann man kaum als solches bezeichnen. Das zeigen u.a. Sonnenfleckendaten (Abb. 1) sowie Messungen der Sonnenleuchtkraft von Satelliten (Abb. 2) übereinstimmend. Auch andere Indikatoren der Sonnenaktivität deuten auf Abkühlung (Lockwood und Fröhlich, Proc. Royal Society 2007).

herd_widget

Abb. 1 Verlauf von globaler Temperatur, CO2-Konzentration und Sonnenaktivität. Temperatur und CO2 sind relativ zueinander so skaliert, wie es dem physikalisch erwarteten CO2-Effekt auf das Klima entspricht (d.h. beste Abschätzung der Klimasensitivität). Die Amplitude der Sonnenkurve ist so skaliert, wie es der beobachteten Korrelation von Sonnen- und Temperaturdaten entspricht. (Details sind hier erläutert.) Diese Grafik kann man sich hier erzeugen und dort auch einen Code kopieren, mit dem sich die Grafik als Widget in die eigene Website einbauen lässt (wie in meiner home page) – dort wird sie dann automatisch jedes Jahr mit den neuesten Messdaten aktualisiert. Dank an Bernd Herd, der dies programmiert hat.

TSI-Sept16

Abb. 2 Die Messdaten der Sonnenleuchtkraft vom World Radiation Center in Davos.

Uns Klimaforscher überrascht diese Entwicklung natürlich keineswegs, gibt es doch seit langem klare Belege dafür, dass die Variation der Sonnenaktivität zumindest in den vergangenen 65 Jahren eine völlig untergeordnete Rolle im Klimageschehen spielt (ich habe das hier vor einigen Jahren ausführlich bei Spektrum.de begründet: Welche Rolle spielt die Sonne?). Angetrieben wird die globale Erwärmung von den Treibhausgasen, das ist in der Wissenschaft seit Langem Konsens. Der aktuelle IPCC-Bericht etwa grenzt den natürlichen Beitrag zur globalen Erwärmung seit 1950 auf weniger als plus oder minus 0,1 °C ein (er kann ja auch negativ sein, z.B. wegen der schwächelnden Sonne).

Widerlegt werden damit allerdings unseriöse Behauptungen aus dem Lager der Kohlelobby und sogenannten „Klimaskeptiker“, die immer wieder versuchen, die globale Erwärmung auf die Sonne zu schieben. Und die, angesichts der kalten Sonne, immer wieder mal eine Abkühlung vorhersagen.

Die Erwärmung auf die Sonne zu schieben ist schwierig angesichts der Messdaten: die Sonnenaktivität hat schlichtweg seit 65 Jahren nicht zugenommen sondern war im Wesentlichen konstant, bis auf den bekannten rund elfjährigen Schwabezyklus (der auch kaum Wirkung auf die globale Temperatur zeigt) und einen leichten Abwärtstrend.

Falsch verstandene thermische Trägheit

Die Ausrede der Skeptiker lautet hier üblicherweise: die globale Erwärmung sei eine zeitverzögerte Reaktion auf die Zunahme der Sonnenaktivität vor 1950. Die Grundidee ist dabei nicht ganz falsch: das Klimasystem besitzt eine gewisse Trägheit. Würde man die Sonnenleuchtkraft eine Stufe hochschalten, würde die Temperatur nicht sofort im vollen Umfang steigen, da es eine Weile dauert, die Ozeane aufzuheizen. Man kann dies in Modellsimulationen auch quantifizieren: so zeigen Caldeira und Myhrvold (ERL 2013), dass 60% der Temperaturreaktion innerhalb der ersten 20 Jahre erfolgen. Nun sind aber rund 80% der globalen Erwärmung seit dem 19. Jahrhundert erst nach 1970 erfolgt. Es ist daher undenkbar, dass die geringfügige Zunahme der Sonnenaktivität vor 1950 wesentlich zur starken Erwärmung ab den 1970ern beigetragen haben könnte.

Ein weiteres Indiz dafür ist der Vergleich der Temperaturen über Land und Meer. Jeder weiß: wenn morgens die Sonne aufgeht braucht sie nur wenige Stunden und keine Jahrzehnte, um die Luft stark zu erwärmen. Die thermische Trägheit wohnt zu über 90 % im Ozean, die Luft über Land heizt sich rasch auf. Wäre die globale Erwärmung seit 1970 ein verspäteter Nachlauf aufgrund einer früheren Zunahme der Sonnenleuchtkraft, dann würden wir ja jetzt vor allem eine nachholende Erwärmung der Meere beobachten. Das Gegenteil ist der Fall: die Kontinente erwärmen sich rascher und die Meerestemperaturen hinken hinterher.

Falsche Prognosen

Klimaverwirrer oder -verwirrte wie Fritz Vahrenholt („Grönland im Mittelalter fast eisfrei“) wagen sich auch an Prognosen. Im Jahr 2010 begann Vahrenholt (damals Chef von RWE Innogy) einen „Essay“ in der Welt mit dem schönen Satz:

„Die Winter werden merklich strenger. Das beunruhigt all jene, die der Frage nachgehen, warum die Erderwärmung offenbar pausiert.“

Er hatte auch den Grund parat:

„Natürlich, it’s the sun, stupid!”

(Siehe damals unseren Kommentar dazu mit Vahrenholts Antwort.) In seinem 2012 erschienenen Buch Die kalte Sonne (mit Sebastian Lüning) präsentierte er dann seine eigene Prognose für die globale Temperaturentwicklung bis 2030 – in Abb. 3 ist sie mit den Messdaten verglichen. Jeder Kommentar erübrigt sich.

Daten-versus-Vahrenholt

Abb. 3 Messdaten der globalen Temperatur der NASA (gleitendes Mittel über 12 Monate) im Vergleich zur Prognose für die globale Temperatur bis 2030 von Vahrenholt und Lüning (nach Die kalte Sonne, Abb. 73.) Grafik: Prof. Stefan Rahmstorf, Creative Commons BY-SA 4.0.

Einen Verdienst hat das Buch Die kalte Sonne allerdings zweifellos. Der schöne Titel hat im öffentlichen Bewusstsein verankert, dass die Sonne derzeit schwächelt – gut zu wissen angesichts der fortschreitenden globalen Erwärmung!

p.s. (4.10.2016): Für Herrn Lüning (siehe seinen heutigen Leserkommentar) hier noch ein Vergleich der früheren Modellprojektionen der globalen Temperatur für den IPCC (Vorhersage mit dem CMIP3 Modellensemble) mit der dann tatsächlich eingetretenen Temperaturentwicklung (die vier farbigen Kurven) – zum Vergleich mit seiner eigenen Prognose in Abbildung 3!

Schmidt

Grafik: Gavin Schmidt, NASA.

Weblinks

Klimafakten.de zeigt wie Die kalte Sonne systematisch die Ergebnisse von Studien falsch darstellt oder mit irreführenden Trickgrafiken arbeitet, die so niemals in der Fachliteratur erscheinen könnten.

Dieser Blogartikel auf holländisch.

Mein Interview im Deutschlandradio zu Rekordhitze, kalter Sonne, Pariser Abkommen etc.

Stefan Rahmstorf ist Klimatologe und Abteilungsleiter am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Professor für Physik der Ozeane an der Universität Potsdam. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf Klimaänderungen in der Erdgeschichte und der Rolle der Ozeane im Klimageschehen.

61 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ich bewundere ja Ihre Hartnäckigkeit. Aber meinen Sie nicht, daß Sie für den Papierkorb schreiben? Wer etwas gegen den Klimawandel tun will, muß doch wohl die Systemfrage stellen. In einer Welt, wo Haben mehr gilt als Sein, wo der unmündige Bürger dem neusten Smartphone hinterher giert und Politiker, die die nächsten Wahlen gewinnen wollen gar nicht den Atem haben, um sich über weitreichende Probleme Gedanken machen zu können, wird wohl zum Thema freundlich genickt, jedoch wird der Karren an die Wand gefahren werden. Es hilft uns also alle Aufklärung nichts, wir brauchen die große Katastrophe! So war es immer und so wird es auch bleiben.

    • @Herr Hilsebein

      „wir brauchen die große Katastrophe!“

      Na, erzählen sie das mal den Kindern dieser Welt. Ehrlich gesagt, angesichts solcher Einstellung bin ich froh, keine Kinder zu haben.

    • @Dietmar Hilsebein: Nein für den Papierkorb ist das nicht. Es geht darum wie weit die globale Erwärmung einem vorausberechenbaren Pfad folgt. Gerade die Diskussion um die „Klimapause“ hat viele daran zweifeln lassen, ob es tatsächlich eine lineare oder gar wachsende Zunahme der globalen Oberflächentemperaturen gibt. Mit der jüngsten Erwärmung hat sich bestätigt, dass auch mehrere aufeinanderfolgende Jahre von geringerer Erwärmung nur als Schwankungen um einen klaren Aufwärtstrend zu betrachten sind. Damit entfallen viele Zweifel und unnötige Diskussionen.

    • @Dietmar Hilsebein

      Einerseits haben Sie recht , es braucht wohl tatsächlich erst die große Katastrophe . um ein Umdenken einzuleiten.
      Dann aber werden sehr sehr schnell Alternativen gesucht werden , deshalb ist es nicht für die Tonne , wenn es schon welche gibt , inklusive der Beschreibungen dessen , was passiert.
      Außerdem muß niemand sein Interesse an solchen Themen aufgeben , weil , das stimmt leider , da draußen jede Menge Leute rumlaufen , die den Horizont einer Briefmarke haben.

    • Sehr geehrter Dietmar Hilsebein, auf den derzeitigen wissenschaftlichen Kenntnisstand hinzuweisen, halte ich nicht „für den Papierkorb schreiben“. Zudem würde ich die Faktenlage von den politischen Entscheidungen, was nun zu tun ist, trennen. Zuerst sollte man erkennen, wie die (physikalischen) Zusammenhänge der Erde aussehen und da wissen wir schon eine ganze Menge.

      Übrigens hat die menschliche Gesellschaft schon viele Errungenschaften auf die Beine stellen können, ohne das es eine „große Katastrophe“ vorher gab. Dieser ständige gesellschaftspolitische Pessimismus ist selbst in Anbetracht unserer Geschichte nicht angebracht.

      • @ Sören Hader

        Ihren Optimismus in allen Ehren, aber wenn bereits Inseln absaufen und das nicht erst seit letztem Jahr, dann weiß ich nicht, wie lange wir noch erkennen sollen, „wie die (physikalischen) Zusammenhänge der Erde aussehen.“ Und natürlich muß das auch mal politisch werden, wenn man es ernst nehmen soll.

        „Übrigens hat die menschliche Gesellschaft schon viele Errungenschaften auf die Beine stellen können, ohne das es eine „große Katastrophe“ vorher gab.“

        Echt? Vielleicht können Sie mir mit einem Beispiel helfen -mir fällt da nichts ein.

        • Sehr geehrter Dietmar Hilsebein, ich sags mal so, man sollte das eine tun, ohne das andere zu lassen. Soll heißen, auch wenn politisches Handeln gefragt ist, darf die Aufklärung der Bevölkerung weiterhin nicht fehlen.

          Zu den Beispielen, ich denke mal, dass u.a. Entwicklungen der Mobilität, der Halbleitertechnik, der Computertechnik, der Biotechnologie entstanden sind, ohne das eine Katastrophe zuvor passiert ist.

          • @ Soeren Hader

            „Zu den Beispielen…“
            Gewiß, da ist viel passiert. Aber es ging ja um die Vermeidung von Katastrophen. Der Klimawandel ist ja ein Damoklesschwert, welches über uns hängt. Und ich meine, daß drohende Katastrophen von Menschen zwar erkannt werden können, die Bereitschaft aber, diese zu verhindern, durch Aufklärung nicht bewerkstelligt werden kann. Wenn wir uns als Beispiel die medizinische Entwicklung anschauen, so greifen wir dabei auch auf die Pest-, Choleraepidemien und die der spanischen Grippe zurück. Für den Klimawandel fehlen uns die früheren Katastrophen. Der Mensch aber kann nur aus Katastrophen lernen, wenn er künftigen begegnen will. So leid, wie es mir tut.

          • @Dieter Hilsebein: „Gewiß, da ist viel passiert. Aber es ging ja um die Vermeidung von Katastrophen.“

            Montreal-Vertrag und FCKW-Verbot.

            „Und ich meine, daß drohende Katastrophen von Menschen zwar erkannt werden können, die Bereitschaft aber, diese zu verhindern, durch Aufklärung nicht bewerkstelligt werden kann.“

            Ich halte die Aufklärung für eine notwendige Bedingung, bevor überhaupt etwas getan wird. Es ist der erste vor dem zweiten Schritt.

  2. Im Grunde ist es verlorene Zeit, in einer Bananenrepublik über so ein gravierendes Thema, wie den Klimawandel, aufklären zu wollen.
    In einer Zeit, wo auch den jüngsten Erdenbürgern nicht mehr entgehen kann, dass ein Hitzerekord den anderen jagt, werden diese Fakten in D. schlichtweg ignoriert- so, als hätte niemand von uns eigene Kinder, Enkel, oder Urenkel.

    Selbst nach Paris hat es diese Regierung geschafft ihre eigene Verantwortung im Interesse der Wirtschaft zu überblenden- wegzureden, einzustellen.
    Die Klimaziele in Bezug auf saubere Energie(Kohleausstieg) wurden verschoben, oder ganz begraben.
    Der lange überfällige Wechsel vom Verbrennungsmotor zur E-Mobilität wird von der sog.: „Umweltkanzlerin“ höchstpersönlich, ausgebremst.
    Es gibt nach wie vor keine brauchbaren Zahlen.
    So kann man auch Fakten schaffen.

    Die GroKo ist und bleibt der Totengräber des deutschen Umweltbewusstseins.
    Niemand wir diesen ökologischen Schaden wieder gut machen können, den Schwarz-Rot seit Jahren in diesem Land durch strikte Lobbypolitik manifestiert.

    […]

  3. Sehr geehter Herr Rahmsdorf!

    In Ihrem Blogbeitrag „Vom Winde verweht“ vom 26.02.2014 schrieb der Gastkommentator Matthew England:
    „Doch leider wird diese Pause wahrscheinlich nur vorübergehend sein. Unsere Modellprojektionen deuten darauf hin, dass eine rasche globale Erwärmung erfolgen wird, sobald die Passatwinde sich wieder normalisieren (siehe unten). Das liegt daran, dass die zuletzt beschleunigte Wärmeaufnahme in den Pazifischen Ozean nicht von Dauer sein wird…“
    Am 01.03.2014 schrieben Sie in einer Antwort auf die Frage eines Lesers:
    „England et al. untersuchen diese Frage, siehe letzte Abbildung oben. Die drei gestrichelten Szenarien (hellgrün, dunkelgrün, schwarz) nehmen an, dass die Passatwinde ab jetzt wieder abnehmen, konstant bleiben bzw. weiter zunehmen. In allen drei Fällen steigt die globale Temperatur weiter, nur eben unterschiedlich schnell.“
    Dazu hätte ich folgende Fragen:
    1.) Kommt die zwischengespeicherte Wärme aus den Ozeanen wieder an die „Oberfläche“?
    2.) Wenn ja, wäre der steile Anstieg der Temperaturkurve seit Anfang 2016 in der „Abb1. Verlauf der global gemittelten Oberflächentemperatur nach den Daten der NASA“ aus Ihrer Sicht dann der Beginn einer Aufholjagd?
    3.) Wenn ja, können Sie abschätzen wohin die Reise geht?

    MfG
    Thomas Blöthe

    • 1. Etwas vereinfacht gesagt, ja. Während eines El Niño. Lassen die Passatwinde nach breitet sich das von ihnen im Westpazifik aufgestaute warme Wasser nach Osten aus, d.h. der tropische Pazifik wird an der Oberfläche insgesamt wärmer und gibt damit auch mehr Wärme an die Luft ab. Siehe meinen Artikel dazu und Schemagrafik hier.
      2. Möglicherweise – aber El Niño bzw. sein längerfristiger Bruder, Inderdecadal Pacific Oscillation, ist bislang noch schwer vorherzusagen. Es ist ein stark nichtlineares Verhalten.
      3. Siehe 2.

  4. @Rahmstorf

    Herr Rahmstorf, die Satellitendaten RSS und UAH zeigen immer noch eine stagnierende Globaltemperatur der unteren Atmosphäre seit 1997 ….

    http://woodfortrees.org/plot/uah6/mean:12/plot/uah6/from:1997/mean:12/trend:1997/plot/rss/mean:12/plot/rss/from:1997/mean:12/trend

    Die Satellitendaten haben die beste globale Abdeckung und wie Sie wissen Herr Rahmstorf ist der Treibhauseffekt kein Bodeneffekt, sondern ein Atmosphäreneffekt ….. Die Stratosphäre kühlt ab und die Troposphäre, insbesondere über den mittleren Breiten, erwärmt sich zuerst, erst dann erwärmt sich der Boden….

    Die Satellitendaten wurden gerade überarbeitet und zeigen keine signifikante Erwärmung seit 1997, also dem letzten großen El Nino ….. Und wir hatten gerade erst wieder einen großen Ei Nino …. Also keine Erwärmung vom letzten großen El Nino vor 20 Jahren zum aktuellen El Nino in den Satellitendaten!

    • Die Frage hatte ich eigentlich schon beantwortet – wir leben an der Erdoberfläche und bauen dort auch unsere Nahrung an etc., insofern ist die Temperaturentwicklung in einigen Kilometern über unseren Köpfen von keiner praktischen Bedeutung, kaum mehr als die Entwicklung in der Stratosphäre, die sich abkühlt. Von daher ist es nicht viel mehr als eine Ablenkung, wenn „Klimaskeptiker“ angesichts der Erwärmung des Klimas am Boden immer gerne darauf verweisen, dass die Erwärmung in der Troposphäre geringer sei. Wobei dies vor allem daran liegt, dass Sie Ihre Betrachtung just mit dem Ausnahmepeak von 1997/98 beginnen, der in der Troposphäre doppelt so hoch war wie in den bodennahen Temperaturen. Außerdem schreiben Sie ja selbst, dass trotz dieser extremen Rosinenpickerei beim Anfangsjahr es auch in diesen Daten einen Erwärmungstrend gibt – nur keinen „signifikanten“. Dabei wird von Laien oft missverstanden, was in der Statistik „signifikant“ bedeutet. Es bedeutet, dass etwas sehr unwahrscheinlich alleine durch Zufall passiert sein dürfte – meist wird dazu eine Wahrscheinlichkeit von unter 5% postuliert, um den Effekt „signifikant“ zu nennen. In Ihrem Fall bedeutet dies: wenn Sie in den Satellitendaten isoliert nur den Zeitraum ab 1997 betrachten, dann könnte der dort beobachtete Erwärmungstrend angesichts der Schwankungen in diesen Daten auch einfach Zufall sein. Geschenkt. Niemand versucht, nur Anhand dieses kurzen Datenschnipsels zu beweisen, dass es mehr als nur Zufallschwankungen in der globalen Temperatur gibt. Für diesen Beleg werden natürlich alle Daten herangezogen und nicht nur ein (aus Skeptikersicht) clever gewähltes Teilstück eines bestimmten Datensatzes.

        • Wir haben mehrere Artikel hier dem Vergleich verschiedener Datensätze gewidmet, und im letzten Post habe ich extra die Satellitendaten aus der Troposphäre zusammen mit den NASA GISS Oberflächentemperaturen gezeigt. Was soll an den Hadley Daten „anschaulicher“ sein? Sie lassen einfach die Arktis aus, was gleichbedeutend mit der Annahme ist, dass die Arktis sich so wie die globale Mitteltemperatur verhalten hat. Diese Annahme ist definitiv falsch – es ist gut durch Messungen belegt und völlig unumstritten, dass die Arktis sich in den letzten 20 Jahren zwei bei drei mal so schnell erwärmt hat wie die globale Mitteltemperatur. Daher gibt es ja inzwischen auch eine Version der Hadley-Daten mit einer Interpolation in die Arktis, die durch die vorhandenen (eben nur nicht durchgehenden) Messungen aus der Arktis gut validiert ist. Die zeigt einen noch rascheren Anstieg als die NASA GISS Daten, insofern ist es noch konservativ, hier die GISS Daten zu zeigen.

          • wir können alles so lange korrigieren, bis es ins neue Weltbild passt. Warum man nicht einfach die Reanalysys vom DMI nimmt, ist auch nicht klar.
            Wohin ist eigentlich die Abkühlung zwischen 1940 und 1970 verschwunden?
            Immerhin haben bis zu den 80ger Jahren einige Wissenschafter und viele Medien von der „dramatischen“ Abkühlung gewarnt?
            Waren die Messungen von 1940 bis 1975 alle falsch? Ich verstehe schon, dass es beim Homogenisieren Änderungen gibt, aber warum ist die um 3-4/10°C beinahe völlig verschwunden. Das sollte mal wer plausibel erklären können. Warum sind die Winter in alpinen Regionen über 900m die letzten 30a um knapp 1°C linear kälter geworden, die Sommer jedoch weiterhin wärmer? Klimatologie ist eben nicht nur CO2, das vermisse ich hier!

          • Das vermissen Sie ausgerechnet bei einem Artikel zur Rolle der Sonne?
            Ihre Fragen zur Behandlung der Messdaten gehen bei diesem Post allerdings am Thema vorbei. Ich verstehe auch nicht was Sie meinen, wenn Sie keine Quellen angeben. Wer genau hat eine dramatische Abkühlung von 1940-1970 konstatiert, die jetzt verschwunden sein soll? Die NASA-Daten (in voller länge in meinem vorigen Post zur AfD gezeigt) zeigen doch nach wie vor eine solche Abkühlung.

          • naja, man findet bis in die späten 70ger doch etliche Berichte und Abb. zu „global cooling“, Schneider, Hansen, Nasa Giss & Co, alle zeigen ähnliche Verläufe zur NHK und diese sind nun plötzlich verschwunden. Sieht man sich die heutigen T Reihen an, hätte niemand von einer Abkühlung gesprochen, oder?
            https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/a/a6/Global_cooling.jpg/200px-Global_cooling.jpg
            http://www.populartechnology.net/2013/02/the-1970s-global-cooling-alarmism.html

            Was ist da „passiert“?

          • Schade, immer noch keine wissenschaftlichen Belege außer einer Grafik vom japanischen Wetterdienst hauptsächlich auf Basis von Daten des Russen Michael Budyko… Diese Grafik ist aber nur für die Nordhalbkugel, die auch nach den modernen Datensätzen eine deutlichere Abkühlung zeigt als das globale Mittel. Und eine Website mit einer Reihe alarmistischer Zeitungsberichte, die es unbestritten gegeben hat. Das ist dann aber Medienkritik.

        • Zur Abkühlungsdiskussion vornehmlich in den 1970er Jahren gibt es eine detaillierte Untersuchung (American Meteorological Society):

          http://nora.nerc.ac.uk/11584/1/2008bams2370%252E1.pdf

          Daraus geht hervor, dass die große Mehrzahl der damals veröffentlichten Studien eine globale Erwärmung postulierte. Das Thema einer möglichen Abkühlung (meist unter dem Schlagwort „neue Eiszeit“) wurde hauptsächlich in den Medien und Publikationen außerhalb des Wissenschaftsbereichs an die große Glocke gehängt.

          • Das ist übrigens ein schöner Fingerzeig (kein Beweis!), oft(!) liegt die Mehrheit einer Wissenschaftsgemeinschaft doch richtig. So wie heute eine kleine Minderheit sagt, dass die Klimasensitivität deutlich unter 1,5K liegt, so vermutete eine Minderheit von Wissenschaftlern in den 70ern, dass wir vor einer längeren Kälteperiode stehen.

            Mir ist schon klar, in der Wissenschaft werden Erkenntnisse nicht über Mehrheitsentscheidungen getroffen, aber in erster Annäherung hat man eine Tendenz, wo sich die Wirklichkeit befindet. Man kann zumindest aus der damaligen Zeit lernen, dass sich im konkreten Fall eine Minderheit geirrt hat. Nicht wirklich überraschend.

          • aha, die Medien hatten also in den 70gern die dramatische Abkühlung seit etwa 1940 erfunden?

            Wollen sie das behaupten Herr Rahmstorf und Herr Koehrer?

            National Academy of Science 1975:
            https://ia801806.us.archive.org/7/items/understandingcli00unit/understandingcli00unit.pdf

            Seite 148 unten!

            Also nochmals, wo ist die rund 0,5°C Abkühlung hin verschwunden?
            Welche auch für die NHK weder bei Hadley und schon gar nicht bei NASA GISS heute auch nur annähernd so deutlich zu finden ist.

            https://crudata.uea.ac.uk/cru/data/temperature/HadCRUT4.png

          • In dem Bericht von 1975 finde ich dieselbe Grafik mit Daten von Budyko, die wir bereits diskutiert haben. Ich kann Ihnen nicht sagen, welche Datenbasis Budyko seinerzeit verwendet hat, aber die systematische Erstellung von globalen Temperaturdatensätzen durch Klimaforschungszentren begann erst in den 1980er Jahren und die Analyse der historischen Messdaten ist übrigens bis heute noch nicht komplett abgeschlossen, siehe z.B. das Berkeley Earth Surface Temperature Projekt, das noch eine ganze Reihe weitere historische Datenquellen erschlossen hat. Auch möglichen systematischen Fehlern in den Meerestemperaturmessungen während des zweiten Weltkriegs wird weiter nachgegangen – die hohen Temperaturen in dieser Zeit, die einen Teil der Abkühlung von 1940-1970 ausmachen, findet man nur im Meer und nicht in den Stationsmessungen an Land. Weitere Korrekturen der Temperaturdaten infolge neuer Forschungsergebnisse dazu würde ich daher nicht ausschließen. Ich verstehe nicht ganz, worauf Sie mit ihren Kommentaren herauswollen – wollen Sie denn behaupten, die Datenkurve von Budyko sei irgendwie besser gewesen als die modernen Datensätze?

          • nein Herr Rahmstorf, ich will nicht behaupten, dass damalige Datensätze besser waren, als heutige.
            Ich frage mich nur, wie alle Medien bis in die 70ger Jahre hinein voll waren mit der „dramatischen Abkühlung, die ja messtechnisch und wissenschaftlich belegt wurde“.
            Schon möglich, dass einige Daten vielleicht fehlerhaft waren, wenn man sie mit heutigen vergleicht, aber damals gab es eben nur diese Messungen und wenn diese eine deutliche Abkühlung über 30a gezeigt haben, dann wird das eben so gewesen sein, die Wissenschaftler damals waren ja auch keine Nasenbohrer…

    • Stefan Otto sagt: „Die Satellitendaten …. zeigen keine signifikante Erwärmung seit 1997, also dem letzten großen El Nino ….. Und wir hatten gerade erst wieder einen großen Ei Nino …. Also keine Erwärmung vom letzten großen El Nino vor 20 Jahren zum aktuellen El Nino in den Satellitendaten!“

      Sehr geehrter Herr Otto,
      wie schonmal gesagt, zeigen diese Daten sehr wohl eine Erwärmung. (RSS Datensatz 1997 bis heute: 0,5°/Jahrhundert)
      Angesichts der enormen jährlichen Schwankungen ist über einen solch kurzen Zeitraum ein signifikanter Trend naturgemäß kaum festzustellen, es sei denn, er wäre wirklich ganz extrem.

      Sie machen übrigens einen logischen Fehler: Der von Ihnen behauptete Stillstand ist noch weniger signifikant.
      MfG Frankfurter

  5. Dass die Sonnenaktivität sich so gering auswirkt ist schon erstaunlich. Nicht erstaunlich zwar, wenn man allein die Veränderung der Einstrahlung betrachtet, erstaunlich aber, wenn man die vielen Forschungsberichte einbezieht, die einen Verstärkungseffekt über verschiedene Mechanismen, beispielsweise eine andere spektrale Zusammensetzung des Sonnenlichts während eines Maximums relativ zum Minimums, postulieren. Im Artikel Solar Variability and Terrestrial Climate werden solche Verstärkungsmechanismen besprochen, so wird darauf hingewiesen, dass

    Of particular importance is the sun’s extreme ultraviolet (EUV) radiation, which peaks during the years around solar maximum. Within the relatively narrow band of EUV wavelengths, the sun’s output varies not by a minuscule 0.1%, but by whopping factors of 10 or more. This can strongly affect the chemistry and thermal structure of the upper atmosphere.

    Im Nachhinein muss man diese Überlegungen als Spekulationen beurteilen, die durch die aktuelle Entwicklung widerlegt werden.

    • Schwankungen der Sonnenaktivität können sich durch solche Mechanismen regional durchaus auswirken, oder auch in der oberen Atmosphäre – nur auf die globale Durchschnittstemperatur an der Erdoberfläche haben sie nur geringe Wirkung, wie die Daten zeigen.

      • die Modelle mögen das zeigen, nicht die Daten, denn hier herrschen enorme Unsicherheiten zwischen den einzelnen Abschätzungen. Von 0,1 bis 1,0W/m² binnen 100a an Insolation an der Oberfläche!

        • Es gibt diese Unsicherheiten, wobei Stand der Forschung eher die niedrigen Werte in diesem Bereich sind. Aber der Punkt ist doch: selbst wenn Sie die extreme Annahme machen, die Sonnenstrahlung habe um 1,0 W/m² zugenommen, so würde selbst diese Zunahme, weil sie komplett vor 1950 stattfand, keinen nennenswerte Erwärmung nach 1970 mehr bringen. Man kann das drehen und wenden wie man will – die Sonnenaktivität hat seit 65 Jahren nicht zugenommen sondern leicht abgenommen und kann daher keinesfalls die aktuelle globale Erwärmung erklären. Im übrigen wird die aktuelle globale Erwärmung ja auch komplett durch den physikalisch bestens verstandenen Treibhauseffekt erklärt, und war daher ja bereits spätestens seit den 1960er Jahren von Klimatologen so erwartet und vorhergesagt worden, siehe den ersten Expertenbericht an den US-Präsidenten Lyndon B. Johnson aus dem Jahre 1965!

          • komplett vor 1950?
            wohl kaum:
            https://www.zamg.ac.at/cms/de/images/klima/bild_ip-klimawandel/klimasystem/antriebe/2-2-5_1_solarkonstante
            und wie Tschuggnagl schreibt, geht es hier um die Ozeane, die Wärmespeicherung der Landflächen ist vergleichsweise marginal. Ozeane brauchen Dekaden, um die gesamte absorbierte Sonnenstrahlung wieder abzugeben oder rund 15a um über 50% davon abzugeben, hab ich mal gelesen.
            Der THE ist sicher ausreichend gut verstanden, dennoch wird er oft so dargestellt, als ob eine IR Gegenstrahlung aus der mittleren Troposphäre oder darüber den Boden erwärmen sollte. Das ist total falsch, da weder ein IR Strahl die Oberfläche in den Banden von z.B Co2 verlassen kann (wenige m) noch ein solches Photon jemals von 5km Höhe die Erde erreichen kann. Es geht um die Emission ins All und diese Höhe nimmt bei mehr CO2 zu und da oben kälter ist, muss es lt. Stefan …wärmer werden, um die Bilanz auszugleichen. Ganz so trivial ist es also auch mit dem THE nicht.

    • @Gert Bavcer

      Die von Ihnen verlinkte Grafik erscheint nicht zum ersten Mal in diesem Blog. Überdies führt sie ein merkwürdiges Eigenleben in allen möglichen Winkeln des Internets und wird immer dann präsentiert, wenn es darum geht, den Einfluss der Sonne auf die Globale Erwärmung zu „belegen“.

      Das funktioniert in diesem Fall wie folgt: Der durch die zunehmende Treibhausgas-Konzentration verstärkte Strahlungsantrieb wird kurzerhand und ohne Rücksicht auf die vorhandenen Präzisionsmessungen per Satellit der Solarkonstante hinzugerechnet (die sich innerhalb ihrer natürlichen Schwankungsbreite natürlich nicht verändert hat), um anschließend in einer Art von „Rückwärts-Projektion“ zu konstatieren: „It’s the sun!“

  6. zu schade eigentlich,.. dass Herr Vahrenholt auf die von ihm in 2012 (?) medial verbreitete These, dass es erstmal -global- ein bisschen kühler würde, nicht wetten bzw. setzen wollte. So blieb ihm offenbar ein Monatsgehalt erhalten, insoweit war sein damaliges Verhalten gar nicht dumm. Er begründete das ironischerweise mit der ihm eigenen „Seriösität“, er stehe für solche Spielereien nicht zur Verfügung, dafür sei die Frage zu ernst, very clever, was ihn freilich nicht davon abhielt, seine These weiterhin mit viel Tamtam zu propagieren.

  7. Das Mittel der 30a Insolation ist immer noch höher als „je zuvor“.
    Auf Grund dekadischer Trägheit der Ozeane können weinige Jahre abfallende Insolation gar kein Signal zeigen.

      • stimmt, wenn sich Wolken vor die Sonne schieben, zum Beispiel. Ja, ich habe den Beitrag gelesen und verstanden, ihre Antwort mag lustig sein, sagt aber nichts über die Trägheit des Systems Oberflächen, Ozeane und Atmosphäre aus.

    • Dr. E.T.
      Wie ist es möglich, daß immer wieder solche widersinnigen Kommentare, Behauptungen, Fragen sich hier hineindrängeln …..
      In einem anderen Thema wurde schon mal die tiefsinnige Frage gestellt, ob F1-Entwicklungsingenieure sich ebenfalls Fragen dieses Typs gefallen lassen und ähnlich lammfromm wie Prof. Rahmstorf ständig und immer wieder beantworten würden…

  8. Eine weiteres beliebtes Argument der „Klimaskeptiker“ lautet: „Das Klima hat sich schon immer geändert – auch ohne Einfluss des Menschen.“ Was es damit auf sich hat, zeigt sehr schön dieses Diagramm von Randall Munroe (XKCD). Die Grafik ist wirklich liebevoll gemacht … und regt zum Nachdenken an.

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  10. Vielen Dank Herr Rahmstorf für Ihre fundierten und trotzdem immer wiede einfach nachzuvollziehenden Artikel, mit denen Sie die Zusammenhänge der Klimaerwärmung darstellen.

    Mir nötigt es allerhöchsten Respekt ab, wie ruhig und sachlich Sie auf die oftmals wenig sachlichen, teilweise auch beleidigenden, Beiträge der Klima-Erwärmungs-Leugner eingehen.

    Im Gegensatz zu einigen Kommentatoren weiter oben bin ich nicht der Meinung, dass Ihr Bemühen sinnlos sei – im Gegenteil !

    Gerade dieses gebetsmühlenartige Wiederholen der Fakten und Zusammenhänge verhindert, dass die von Klima-Erwärmungs-Leugner bewußt, laut und schrill vorgetragenen Falsch-Informationen sich dauerhaft festsetzen. Diese Leute erinnern an Junkies oder Alkoholiker, die alle Folgen für ihr Handeln akzeptieren – hauptsache sie bekommen kurzfristig den Stoff, den sie brauchen.

    Es ist unsere Pflicht, diesen Leuten freundlich, aber entschieden und faktenorientiert entgegenzutreten !

  11. In diesem Beitrag kritisiert Herr Rahmstorf unser Buch “Die kalte Sonne”, das Fritz Vahrenholt und ich zusammen geschrieben haben. Leider weist die Argumentation von Herrn Rahmstorf wichtige Lücken und Fehler auf, die ich hiermit diskutieren und richtigstellen möchte.

    –Herr Rahmstorf weist auf aktuelle Temperaturrekorde hin, versäumt es jedoch das El Nino-Phänomen zu erwähnen, das Auslöser der Spitzentemperaturen 2015/16 war.

    –In Abbildung 1 verwendet Herr Rahmstorf eine nicht weiter bezeichnete Temperaturkurve (vermutlich GISS), wobei Satellitentemperaturen jedoch eine deutlich weniger dramatische Kurve zeigen. Dazu muss erwähnt werden, dass der GISS-Temperaturdatensatz in den letzten Jahren starke Modifikationen (“Korrekturen”) erfahren hat, deren Zulässigkeit kontrovers diskutiert wird und sogar Gegenstand einer Kongressuntersuchung in den USA ist. Besser sind hier neutralere Satellitendaten, z.B. RSS: http://woodfortrees.org/plot/rss

    –Unerwähnt lässt Herr Rahmstorf auch die wichtige Diskussion zum sogenannten Slowdown bzw. Hiatus. Die Erwärmung hat sich in den letzten 18 Jahren stark abgebremst und die Erwärmungsrate ist deutlich geringer als vom IPCC in den Modellen angenommen. Dies darf in diesem Zusammenhang nicht verschwiegen werden. Namhafte IPCC-Autoren wie Michael Mann, Ben Santer und Gerald Meehl haben dieses Problem akzeptiert. Etliche Forscherguppen sind dabei, die unerwartete Diskrepanz zu untersuchen und zu erklären. Rahmstorf erweckt fälschlicherweise den Anschein, die reale Temperatur würde gut zur IPCC-Prognosen passen.

    –Die Darstellung der Kurve zur Sonnenaktivität in Abbildung 1 entspricht nicht mehr dem heutigen Kenntnisstand und ist stark irreführend. Die aktualisierten Verlaufskurven der Sonnenaktivität gibt es bei der Österreichischen Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) sowie der Forschergruppe PAGES:
    http://kaltesonne.de/eine-kleine-sensation-von-der-presse-unbemerkt-sonnenaktivitat-erreichte-im-spaten-20-jahrhundert-doch-maximalwerte/
    Gut zu erkennen: Die Sonne erreichte gegen Ende des 20. Jahrhunderts ihre stärkste Phase.

    –Herr Rahmstorf schreibt:
    “Uns Klimaforscher überrascht diese Entwicklung natürlich keineswegs, gibt es doch seit Langem klare Belege dafür, dass die regelmäßigen Schwankungen der Sonnenaktivität zumindest in den vergangenen 65 Jahren eine völlig untergeordnete Rolle im Klimageschehen spielen”
    Hier verschweigt Herr Rahmstorf, dass es eine umfangreiche Literatur zur Klimawirkung von Sonnenaktivitätsschwankungen gibt. Fast wöchentlich kommt hier eine neue Arbeit dazu.
    http://chrono.qub.ac.uk/blaauw/cds.html
    In Wahrheit sehen Klimaforscher in der vorindustriellen Phase eine starke Klimabeeinflussung durch die Sonne. Es wäre schon etwas seltsam, wenn die Sonne nun plötzlich klimatisch keine Rolle mehr spielen würde, obwohl sie es in den letzten 10.000 Jahren stets in großem Maße getan hat. Die Diskussion zur Rolle der Sonne und Attribution in den letzten 65 Jahren muss aktiv und offen geführt werden und darf nicht verweigert werden, auch wenn es unbequem erscheint.

    Frühe IPCC-Prognosen kommen mittlerweile in den Bereich der Nachprüfbarkeit. Das Ergebins ist erschreckend wie das Beispiel von Hartmut Graßl
    http://www.kaltesonne.de/grasls-erwarmungsprognose-von-1990-droht-dramatisch-zu-scheitern/
    und Christian Schönwiese
    http://www.kaltesonne.de/temperaturprognose-von-1995/
    zeigen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Sebastian Lüning

      • Lieber Herr Rahmstorf,
        Sehr gerne. Durch Spenden interessierter Mitbürger:
        http://www.kaltesonne.de/guter-klimarealismus-braucht-forderer-unterstutzer-fur-das-kalte-sonne-blog-gesucht/

        Wir würden auch Geld von Greenpeace annehmen, so wie das PIK. Sehen Sie da eine Möglichkeit?
        http://www.kaltesonne.de/potsdam-institut-fur-klimafolgenforschung-bezog-201415-mehr-als-eine-halbe-millionen-dollar-von-greenpeace-nahem-politischem-thinktank/

        Nun bin ich aber auf Ihre fachlichen Antworten auf meine Diskussionspunkte gespannt.
        Beste Grüße
        Sebastian Lüning

        • Lieber Herr Lüning, das PIK ist eines der international rennomiertesten Forschungsinstitute auf dem Gebiet der Klimaforschung (was die Anzahl der am häufigsten in der weltweiten Fachliteratur zitierten Studien angeht liegt es unter den deutschen Instituten unangefochten auf Platz 1), und die eingenommenen Drittmittel sind Punkt für Punkt mit dem Betrag, dem Geldgeber und ihrer Verwendung transparent im Netz dokumentiert. So können Sie sehen, dass wir im vergangenen Jahr für Greenpeace einen Forschungsauftrag zur Analyse von globalen Landnutzungsszenarien im Umfang von 40.000 Euro durchgeführt haben (von über 10 Mio. Euro Drittmittelaufkommen insgesamt). Sie können das als Indikator dafür sehen, dass das PIK das weltweit führende globale Vegetationsmodell mit Landwirtschaft entwickelt und betreibt (das LPJmL Modell) und dass Greenpeace an soliden wissenschaftlichen Erkenntnissen interessiert ist. (Oder Sie können sich darüber echauffieren, wenn Greenpeace ihr Feindbild ist.)

          Im Gegensatz dazu betreiben Sie eine unwissenschaftliche Website, deren Ziel die Verwirrung des Laienpublikums zu sein scheint, und die durch nicht genannte Geldgeber finanziert wird. Ihr Hinweis auf Ihren Spendenaufruf trägt nicht das geringste zur Transparenz über die Herkunft des Geldes bei.

          Nun zu Ihren Diskussionspunkten. Die Dinge, die ich angeblich verschweige, habe ich allesamt in diesem Blog ausführlich behandelt: die angebliche Verlangsamung der Erwärmung (über die sich jeder in Abb. 3 ein eigenes Bild machen kann), El Niño, die Satellitendaten. Geradezu ironisch ist es, dass Sie mit den Korrekturen Zweifel an den NASA-Temperaturen wecken wollen, andererseits die mit viel größeren Korrekturen verbundenen Satellitendaten als „neutral“ darstellen (z.B. zeigten die Satellitendaten zunächst einen Abkühlungstrend, als man dann den Verfall des Satellitenorbits herauskorrigierte änderte sich das aufeinmal in einen Erwärmungstrend). Ich habe das hier schon oft erläutert: die Oberflächendaten sind erstens zuverlässiger (direkt von Thermometern gemessen, nicht indirekt aus Mikrowellenstrahlung mit Modellrechnungen abgeleitete Werte), zweites vor allem aber relevanter, weil wir nun mal an der Oberfläche der Erde leben und nicht irgendwo weiter oben in der Troposphäre. Interessant ist auch, dass bei den „Klimaskeptikern“ früher immer die UAH-Satellitendaten außerordentlich beliebt waren, zeigten sie doch den geringsten Erwärmungstrend. Nun auf einmal verlinken Sie auf die RSS-Daten, weil die UAH-Daten für die letzten 13 Monate Rekordwärme seit Beginn der Messreihe zeigen. Bis auf die kurzfristigen Schwankungen decken sich ohnehin beide Arten von Daten weitgehend, die fünf gängigen Reihen der Oberflächentemperatur und die Satellitendaten der Troposphärentemperatur. Und selbstverständlich zeigt keine Datenreihe im Entferntesten die von Ihnen im Buch vorhergesagte Abkühlung.

          Ganz unverständlich wird es, wenn Sie auf Grafiken von PAGES und ZAMG zur Sonnenaktivität verweisen. Diese zeigen die gleichen Daten wie mein Artikel oben. Die ZAMG-Grafik zeigt ab 1977 die auch in Abb. 2 gezeigten Satellitendaten, die PAGES-Grafik zeigt die in Abb. 1 gezeigte Sonnenfleckenzahl. (Abb. 1 in meinem Artikel zeigt die internationale Sonnenfleckenzahl bis einschließlich 2015 vom World Data Center for the production, preservation and dissemination of the international sunspot number. Abb. 2 zeigt die aktuellsten Satellitenmessungen bis ins laufende Jahr hinein vom World Radiation Center in Davos, wie oben verlinkt.) Der Unterschied ist lediglich, dass die von Ihnen genannten Grafiken nur bis 2010 reichen, während ich oben die aktuellsten Versionen zeige.

          Was den Vergleich der Klimamodelle mit den Messdaten der globalen Temperatur betrifft: der von Ihnen zitierte Michael Mann hat dieses Jahr in Nature in einem gemeinsamen Paper mit mir diese Grafik dazu publiziert: https://twitter.com/rahmstorf/status/698380997222510592. Das sind die neuesten (CMIP5) Modelle – einen Vergleich mit den früheren Prognosen (CMIP3) habe ich extra für Sie oben an den Artikel angehängt.

          • Lieber Herr Rahmstorf,
            Danke für Ihre schnelle Antwort.

            SONNENAKTIVITÄT: Bei der Sonnenaktivität müssten Sie nochmal genauer hinschauen. Es geht hier ausdrücklich nicht um die Sonnenflecken, die nur einen Teilaspekt der Sonnenaktivität ausmachen. Schauen Sie sich am besten noch einmal den ZAMG-Link an, der die Total Solar Irradiance (TSI) in W/m2 zeigt:
            https://www.zamg.ac.at/cms/de/klima/informationsportal-klimawandel/klimasystem/antriebe/sonnenaktivitaet-kurzfristig

            Dies neue Kurve weicht signifikant von derjenigen ab, die Sie verwendet haben. Weshalb?

            Bei der PAGES-Abbildung sollten Sie die weiße Kurve (TSI) anschauen, nicht die gelb markierten Sonnenflecken.
            http://www.pages-igbp.org/ini/wg/former/solar-forcing/intro

            Es wird schnell klar: Die stärkste Erwärmung Ende des 20. Jh. fällt mit der stärksten Sonnenaktivität zusammen. Die Attribution der Erwärmung ist auf keinen Fall trivial, da sich die CO2 und solaren Kurven im Verlauf sehr ähneln.

            El Nino, Greenpeace & PIK, Slowdown und Temperaturdatensätze können wir gerne bei Gelegenheit mal diskutieren. Mir geht es hier jetzt in erster Linie um eine korrekte Darstellung der Sonnenaktivität, wobei die Sonnenflecken alleine keinesfalls ausreichen.

            P.S. Mir ist schleierhaft, weshalb Sie uns eine unsaubere Finanzierung vorwerfen. Webspace und Blog kosten heutzutage einen Apfel und ein Ei, unsere Artikel werden ehrenamtlich geschrieben. Welche Kosten meinen Sie? Zum Inhalt: Wir zitieren i.d.R. begutachtete Literatur. Wo ist das Problem?

          • Lieber Herr Lüning, Sie haben die von mir in Abb. 1 gezeigte Sonnenfleckenkurve als veraltet kritisiert, nun schreiben Sie es ginge gar nicht um Sonnenflecken. Die Sonnenfleckenkurve ist deshalb Teil des in Abb. 1 gezeigten Widgets von Bernd Herd, weil sie weit zurück reicht und stark mit der totalen Sonneneinstrahlung (TSI) korreliert, die aber erst seit den 1970ern von Satelliten gemessen wird. Durch Übereinanderlegen von Abb. 1 und 2 können Sie sich davon überzeugen. Beide von mir gezeigten Datenkurven sind aktuell und zeigen die allgemein in der Sonnenforschung akzeptierten Standarddatensätze. Direkt physikalisch relevant und damit wichtiger sind aber natürlich die Satellitenmessungen in Abb. 2. Darüber, dass in diesen Satellitenmessungen kein Aufwärtstrend vorhanden ist, der eine globale Erwärmung seit den 1970ern erklären könnte, sind wir uns sicher einig.

            Die beiden von Ihnen verlinkten Grafiken sind in keinerlei hinsicht aktueller als meine, wie schon gesagt gehen diese nur bis 2010 bzw. 2009. Zusätzlich zu den auch von mir gezeigten Satellitenmessungen und Sonnenfleckendaten zeigen diese Grafiken einen Versuch, die Sonneneinstrahlung TSI für Zeiten vor Beginn der Satellitenära zu rekonstruieren. Dazu kann man z.B. die Sonnenfleckenzahl verwenden (dank der erwähnten Korrelation) oder auch Beryllium-Isotopendaten aus Eisbohrkernen. Dieses sind naturgemäß ungenaue und durchaus strittige Methoden – kein damit befasster Wissenschaftler würde behaupten, dass eine solche Rekonstruktion irgendwie besser sein könnte als die direkte Messung der in Abb. 2 gezeigten Satellitendaten, die ja zur Kalibrierung dieser Rekonstruktionen verwendet werden. Von daher ist Ihre These der stärksten Sonnenaktivität am Ende des 20. Jh. schlicht falsch, wie die Satellitenmessungen zeigen. Seit mindestens vierzig Jahren ist die Sonnenleuchtkraft praktisch konstant, sogar leicht abnehmend.

            Ich habe Ihnen niemals eine unsaubere Finanzierung unterstellt, sondern Sie lediglich nach der Finanzierung gefragt. Dass Sie dort ehrenamtlich, also unentgeltlich schreiben ist doch schon mal eine konkrete Information. Vielen Dank dafür.

    • @ Lüning

      Ja, die dollen Satdaten, welche ständig (wie auch die Bodendaten) korrigiert werden müssen, da sie scheinbar nicht mehr auf den neusten Stand sind:

      http://journals.ametsoc.org/doi/abs/10.1175/JCLI-D-15-0744.1?af=R&
      http://journals.ametsoc.org/doi/abs/10.1175/JCLI-D-16-0333.1

      Sie wie auch Kalte-Sonne wie üblich Lichtjahre hinten dran. Mag sein, dass sie Blut-Laien mit ihrer Show beeindrucken können, hingegen jeder mit soliden Grundwissen + ein gewissen Bereichsüberschneidenden Interesse ließt das meistens als Gute Nacht-Satire

      Hier mal ne kleine Perlensammlung ihrer Seite:
      http://www.wzforum.de/forum2/read.php?6,2769603,2792873#msg-2792873
      http://www.wzforum.de/forum2/read.php?6,2769603,2901366#msg-2901366
      http://www.wzforum.de/forum2/read.php?6,2769603,2940636#msg-2940636
      http://www.wzforum.de/forum2/read.php?6,2769603,2952754#msg-2952754

      • Lieber Herr Christian J.,
        Ich finde es toll, dass Sie in unserem Blog des öfteren vorbeischauen. Allerdings haben Sie wohl unseren Beitrag zu den RSS-Korrekturen verpasst:
        http://kaltesonne.de/university-of-alabama-in-huntsville-uah-lehnt-fragwurdige-veranderungen-am-rss-satelliten-temperaturdatensatz-ab/

        Sie kritisieren im ersten Link unsere Berichterstattung zur CO2-Klimasensitivität, speziell die Unterscheidung von ECS und TCR. Diese haben wir 2014 haarklein unterschieden und zitieren auch die Ergebnisse einer neuen Nic Lewis Studie:
        http://kaltesonne.de/studien-aus-2014-geben-hoffnung-erwarmungswirkung-des-co2-wohl-doch-deutlich-uberschatzt-und-muss-nach-unten-korrgiert-werden/

        Ihre Kritik zum zweiten Link (Hiatus und Land/Ozean-Differenzierung) verstehe ich nicht. Es ist bekannt, dass die Ozeanmassen viel träger reagieren als das Land. Wo ist das Problem?

        • Sehr geehrter Herr Lüning, irgendwie kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass Sie Temperaturkorrekturen immer dann gut finden, wenn sie eigene Thesen bestätigen, aber numerisch notwendige Korrekturen dann abgelehnt werden, wenn am Ende ein stärkerer Anstieg heraus kommt. Ich glaube so kommt man in der Wissenschaft nicht vorwärts, wenn man immer so vorgehen würde. Man muss sich doch auf objektive Kriterien einigen können, die Temperaturreihen erfüllen müssen. Messtechnisch bedingte Drifts sind nichts ungewöhnliches und entsprechende Korrekturen sind sehr wohl berechtigt.

          Ich verstehe auch nicht, warum man sich in „Skeptikerkreisen“ darüber rumstreitet, ob die Temperaturmesshäuschen 1 oder 2 Meter über den Erdboden liegen, aber gleichzeitig Satellitenmessungen akzeptieren, wo man eine Mischung aus verschiedenen Höhen weit oberhalb der 2 Meter heranzieht.

        • @ S. Lüning

          Ja, den habe ich wohl verpaßt, wie immer einseitig, anstatt einfach die RSS-Änderung als fragwürdig zu titulieren, sollten sie mal nachschauen, wie oft RSS oder UAH ihre Datensätze aufgrund Drift ändern. Spencer hat ne neue Version von UAH rausgebracht aber bis heute ist kein reviwed Paper dazu erschienen, des weiteren, sollte man mal die Diskrepanz zu der Wasserdampfmessung ansehen. Was sie machen, ist stets einseitig, ihrer Auftrages: „Die Klimakatastrophe findet nicht statt“

          Zum ersten Link:
          Ja, Korrektur kann jeder, einer eurer Autoren schreibt ja in der WZ mit, mir schon öfter aufgefallen, dass gewisse Passagen „Überarbeitet“ werden, wenn ich mich in der WZ mal wieder lustige mache darüber.

          Zum zweiten Link:
          Auch da hatte ich sie zitiert, auch da ist es wieder geändert worden. Im der ersten Version hatte der Artikel des Leser suggeriert, dass das Land unabhängig von Ozean bei Erhöhung der GHGs wärmer werden müsse, was falsch ist, da wir eine starke Kopplung zwischen Atmosphäre und Ozean haben, d.h geht der Ozean in Pause passiert beim Land auch nicht viel, dass ist ja auch das warum das Land mit dem El-Nino nun so warm wurde.

          Wir können gern auch einen aktuelleren Beitrag nehmen: (so wie sehe noch nicht geändert)
          http://www.wzforum.de/forum2/read.php?6,2769603,3232013#msg-3232013

          Aber egal, schönen Gruss ans Kalte-Sonne-Team

        • Lüning,

          1) Hab ich gelesen, ist einseitig, da es nicht die Divergenz zur Wasserdampfmessung und die Divergenz zu anderen MT-Anbietern anspricht, zudem ist Mears darauf eingegangen: http://www.remss.com/blog/RSS-TMT-updated ich finde die Pauschale Kritik der üblichen wieder mal daneben, da nicht Ziel sein sollte, Fehler wenn sie auffallen unkorrigiert zu lassen.

          Zu UAH, die haben meines Erachtens ebenso ne Drift, es gibt seit einiger Zeit einen heftigen Disconnect zu den Boden-Daten von GISS (aber nicht nur, sondern generell zu allen Bodendaten) dazu bitte hier:
          http://www.wzforum.de/forum2/read.php?6,3179385,3179774#msg-3179774
          http://www.wzforum.de/forum2/read.php?6,3179385,3179813#msg-3179813
          http://www.wzforum.de/forum2/read.php?6,3179385,3179835#msg-3179835

          2)
          Einer ihrer Autoren schreib in der WZ mit, mir ist nicht entgangen, dass Artikel nach meiner Belustigung darüber oft korrigiert wurden, wäre an dieser Stelle auch mal ein Danke angebracht, dass sich überhaupt wer damit auseinander setzt und auf naja etwas lustige Art auf Fehler hinweißt. Außerdem habe ich ja mehrere Beiträge, dazu vielleicht noch einer der jüngeren: http://www.wzforum.de/forum2/read.php?6,2769603,3232013#msg-3232013

          3)
          Bitte weitermachen, die Webseite „Kalte-Sonne“ hat ein richtig real Satirischen Touch, ich bin mir immer noch nicht sicher, ob Sie und die Autoren das ernsthaft meinen oder doch nur Satire betreiben.

          Grüsse

    • Herr Dr. Lüning, Sie schrieben
      –Herr Rahmstorf weist auf aktuelle Temperaturrekorde hin, versäumt es jedoch das El Nino-Phänomen zu erwähnen, das Auslöser der Spitzentemperaturen 2015/16 war.
      Das nenne ich eine gründliche Verdrehung des Sachverhaltes. Bei dem Hype um den so genannten Hiatus, gerne auch mal „Slowdown“ oder „Erwärmungspause“ genannt, versäumen Sie es, darauf hinzuweisen, dass der „einsame“(?) Temperaturrekord in 1998 auf demselben El-Nino-Phänomen beruht(e).
      Ungefähr so, als wollte ich bestreiten dass es im Frühjahr allmählich wärmer wird, wenn ich mich nach einem sonnigen Tag hinstelle und sage „der Frühling legt erstmal eine Pause ein, es wird erstmal kälter, die Meteorologen irren“. Eine solche Message verstellt den Blick auf die eigentlichen Zusammenhänge.

  12. Sebastina Lüning sagt:
    „…Die aktualisierten Verlaufskurven der Sonnenaktivität gibt es bei der Österreichischen Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) sowie der Forschergruppe PAGES:
    http://kaltesonne.de/eine-kleine-sensation-von-der-presse-unbemerkt-sonnenaktivitat-erreichte-im-spaten-20-jahrhundert-doch-maximalwerte/
    Gut zu erkennen: Die Sonne erreichte gegen Ende des 20. Jahrhunderts ihre stärkste Phase.“
    ==================================
    Sehr geehrter Herr Lünig,
    ich weiß nicht, welche Sensation“ Sie erkannt haben wollen, aber laut Ihrer Grafik nimmt die Sonnenaktivität seit 1955 ab.
    Die Temperaturen steigen trotzdem weiterhin unverdrossen.
    Das Thema kann man also endgültig zu den Akten legen.

    Natürlich hat die Sonne einen Einfluß, der entgegen Ihrer Darstellung auch von niemandem bestritten wird, er ist aber unwesentlich im Vergleich zu dem des CO2.
    MfG
    Frankfurter

  13. @ Stefan Rahmstorf, 5.10.2016, 13:51h.

    Satellitendaten als Basis zur Rekonstruktion der Sonnenaktivität sind eher schwierig, da hier verschiedene Forscher-Gruppen verschieden Korrekturen anbringen. Sie kennen die Problematik. In der Tat scheinen hier wohl die kosmogenen Isotope eine wichtige Rolle zu spielen. Katja Matthes und Kollegen leisten hier gute Arbeit. Sie zweifeln offenbar deren neuesten Ergebnisse an? Die Matthes-Kurven sehen doch deutlich anders aus, als die von Ihnen verwendete (pdf. S 9):
    http://www.wcrp-climate.org/images/modelling/WGCM/WGCM19/documents/3e_CMIP6_solar_forcing_Dubrovnik102015_final.pdf

    Indirekt werfen Sie auch PAGES und ZAMG vor, mit den falschen Kurven zu arbeiten. Dies ist schon ein starker Vorwurf, wenn man bedenkt, dass dies anerkannte Organisationen mit hunderten beschäftigten und assoziierten Wissenschaftlern sind. Überzeugt mich nicht. Hier müssten Sie konkreter werden, weshalb diese Kurven falsch sind und weshalb PAGES und ZAMG angeblich falsch liegen. Ist auch nicht gerade Ihr Spezialgebiet, oder?

    Beste Grüße
    Sebastian Lüning

    • Lieber Herr Lüning, das ist doch Unsinn. Ich werfe PAGES und ZAMG überhaupt nichts vor, sondern habe darauf hingewiesen, dass beide Grafiken dieselben Datenkurven enthalten, die ich auch zeige – was Ihren Vorwurf, ich hätte veraltete Daten gezeigt, ad absurdum führt. Die Grafiken enthalten außerdem noch eine Rekonstruktion, die für die Zeit vor den direkten Messungen erstellt wurde – PAGES ist schließlich ein Paläoklimaprojekt, und ZAMG zeigt nicht umsonst die Rekonstruktion nur vor der Zeit der direkten Messungen. Wir nutzen diese Antriebsdaten auch für unsere Paläoklimasimulationen. Es ist nur abwegig, in der modernen Zeit mit Satellitenmessungen eine solche indirekte Rekonstruktion für irgendwie besser zu halten als die direkten Messungen – das tun Sie doch nur, weil ihnen die Kurve besser gefällt.

      George Monbiot hat kürzlich im Guardian schön beschrieben, wie die Klimaleugner über einen Berg von Belegen für die anthropogene Erwärmung klettern und ihn völlig ignorieren, um dann ein paar Krümelchen an Argumenten dagegen aufzulesen und hochzuhalten. Und selbst diese Krümelchen zerfallen bei näherer Betrachtung. So ist es auch, wenn Sie Zweifel an den NASA-Daten wecken (Sie haben schon mitbekommen, dass die Korrekturen den globalen Erwärmungstrend verringert und nicht vergrößert haben, oder?) – während die vier anderen globalen Datensätze der Oberflächentemperaturen fast genau dasselbe zeigen. Selbst die von Ihnen verlinkten Troposphärendaten zeigen doch nur im Detail Unterschiede – der globale Erwärmungstrend ist in allen Datensätzen völlig klar. Oder wenn sie indirekte Sonnenrekonstruktionen für Paläoklimazwecke hochhalten (die auch nur einen Anstieg des solaren Antriebs um wenige Zehntel Watt pro Quadratmeter im wesentlichen vor 1950 zeigen) aber ignorieren, dass alleine durch das anthropogene CO2 ein Strahlungsantrieb von 2 Watt pro Quadratmeter verursacht wird.

      Sie betreiben eine Website, die systematisch die Wissenschaft gegenüber einem Laienpublikum madig zu machen und zu diffamieren versucht. Dabei verzerren Sie systematisch das, was in der Fachliteratur steht, wohl wissend, dass wohl kaum einer Ihrer Leser sich die Mühe machen wird, die Originalquellen zu lesen. Diese Verzerrungen in Ihrem Buch Die Kalte Sonne hat Klimafakten.de ausführlich dokumentiert. Sie publizieren eine laienhafte und grotesk falsche Zukunftsprognose, aber haben immer noch die Chuzpe, Klimaforschern alle möglichen Vorwürfe zu machen.

      Ich frage Sie: warum machen Sie das? Haben Sie Kinder? Können Sie denen noch in die Augen schauen? Denn unsere Kinder werden einen hohen Preis für die Verzögerungen beim Klimaschutz bezahlen, für die Sie auf intellektuell unredliche Weise kämpfen. Wenn Sie ernsthafte Argumente für eine dominante Rolle der Sonne bei der aktuellen globalen Erwärmung haben, warum publizieren Sie sie nicht in der wissenschaftlichen Fachliteratur und stellen sich der fachlichen Kritik, wie wir Klimaforscher auch?

      p.s. Es freut mich übrigens, dass Sie die Arbeit des PAGES-Projekts so schätzen – gewiss ja dann auch dessen Rekonstruktion der globalen Temperatur, die die alte „Hockeyschlägerkurve“ von Mann et al. aus den 1990ern bestens bestätigt hat. In Ihrem Buch Die kalte Sonne versuchen Sie ja Ihren Lesern noch weiszumachen, mit dieser Kurve hätten die Forscher die Welt „an der Nase herumgeführt“ und bemühen gar einen Vergleich mit George Orwells Wahrheitsministerium. Es wäre schön, wenn Sie für diesen Unsinn einmal öffentlich Abbitte leisten würden!

      • „Sie betreiben eine Website, die systematisch die Wissenschaft gegenüber einem Laienpublikum madig zu machen und zu diffamieren versucht. Dabei verzerren Sie systematisch das, was in der Fachliteratur steht, wohl wissend, dass wohl kaum einer Ihrer Leser sich die Mühe machen wird, die Originalquellen zu lesen.“

        Ich würde eher sagen, man demonstriert auf dieser Webseite ungewollt, wie eine selektive Wahrnehmung von wissenschaftlichen Inhalten aussehen kann (gepaart mit eigenen Überlegungen und polemischen Kommentaren gegen die Energiewende). Man beruft sich ja durchaus auf das, was man an wissenschaftlichen Publikationen findet. Allerdings missinterpretiert man deren Inhalte oder sie geben nur einen sehr kleinen selektiven Einblick in die aktuelle Publikationswelt. Eigentlich sollte man als (ehemaliger) Wissenschaftler gelernt haben, wie man mit diesen veröffentlichten Arbeiten umgeht. Wenn man selbst etwas veröffentlicht, dann gibt es meistens ein Introduction-Abschnitt, wo man den Stand des Wissens zu einem Fachgebiet wiedergibt. Mein Eindruck bei vielen sogenannten „Klimaskeptikern“ ist, dass es ihnen sehr schwer fällt, diesen aktuellen Wissensstand zu erfassen und wiederzugeben. Für mich ist die Webseite „Die kalte Sonne“ nur ein weiterer Beleg dafür. Oder die Arbeit von Gerlich und Tscheuschner, wo man vor allem eines merkt, dass die Autoren nicht verstanden haben, was man in der Literatur unter dem atmosphärischen Treibhauseffekt versteht.

        Wie ich von Herrn Lüning per Mail erfahren habe, will er sich spätestens bis 2020 an den realen Temperaturmessungen „messen“ lassen und dann ggf. das Scheitern seiner Prognose eingestehen. Ich glaube die Geduld kann man durchaus noch aufbringen. Man wird sehen, wie dann die Argumentationen in 4 Jahren aussehen werden (einen Vorgeschmack erhält man schon heute, in dem Herr Lüning nur ihm liebsame Temperaturkurven anerkennt). In dieser Zeit wird die Welt schon weiter sein, praktische Schritte zu weniger CO2-Emissionen umgesetzt haben und technologisch sind wir dann auch schon weiter, eine nachhaltige Wirtschaft zu betreiben. Solange kann ich sehr gut die Eskapaden einiger „Klimaskeptiker“ aushalten. 🙂

  14. @Sebastian Lüning: Nachdem das mit der Homepage-Finanzierung geklärt ist, würde ich gerne wissen, was Sie beruflich derzeit machen, ob Sie noch in der Erdölbranche tätig sind?

    Nicht, dass das klimatologisch interessant wäre, aber ich habe ein paar Aktien von BHP Billiton plc und hätte gerne einen Experten-Tipp, ob ich nachkaufen soll, ob es bald zu einem neuen Rohstoff-Superzyklus kommen wird.

    Mit meinen Beteiligungen – über die Deutsche Rohstoff AG – an Elster Oil&Gas und Salt Creek Oil&Gas sowie Rhein Petroleum bin ich bisher nicht sehr zufrieden. Unsere Explorationsbohrungen dieses Jahr im Oberrheingraben sind ein großes Desaster gewesen!

    Der AGW-Klimawandel wird sich vermutlich weiter verschärfen, überzeugende Gegenargumente sehe ich nicht. Welche Auswirkungen wird das langfristig auf die großen Erdölunternehmen haben? Soll ich mein Öl-Engagement nicht besser ganz beenden?

    P.S.: Scheuklappenträger sind wir Klimaschützer ganz bestimmt nicht!

  15. Eines muss man schon sagen, die Kreativität die Klimaerwärmung klein zu rechnen, ist wirklich unbegrenzt. Ich gebe das offen zu, auf manche Ideen würde ich echt nicht kommen. Hut ab. Da fehlt es mir einfach an Phantasie. So wie eben entdeckt, da meint jemand, 1990 hatten wir in Deutschland eine Durchschnittstemperatur von gerundet 10°C (9,5°C laut DWD). Und auch 2015 sind wir bei gerundet 10°C (9,9°C) angekommen und selbst die letzten 12 Monate bis September 2016 kommen nicht auf gerundete 11°C. Ergo, es findet keine Klimaerwärmung hierzulande statt.

    Nur nebenbei bemerkt, die Regressionsgerade von 1990-2015 liefert in Deutschland sogar einen Anstieg von mehr als 0,2°C pro Jahrzehnt.

    Ich finde das echt amüsant, dass derselbe User sich in anderen Beiträgen über die schlechte mathematische-naturwissenschaftliche Ausbildung in deutschen Schulen beschwert. 😉