We have a Comet!

Ja, so sieht ein Komet aus! Unter nicht gerade vorteilhaften Bedingungen – Mondlicht, Schleierwolken und der übliche Lichtschmutz – konnte ich heute morgen den Kometen C/2012 S1, genannt ISON einmal mehr ablichten. Zu sehen ist eine inzwischen doch recht markante Koma (von erfahrenen Beobachten auf eine Helligkeit von rund 12mag geschätzt) und ein etwa 3 Bogenminuten langer, auf den Bildern deutlich sichtbarer Schweif. So darf es bis zum Periheldurchgang am 28. November (also in genau zwei Monaten) gerne weitergehen!

An eine visuelle Sichtung habe ich mich aufgrund des Mißerfolgs von La Palma gar nicht erst gewagt. Stattdessen habe ich den 200mm f/4-Newton der Sternwarte Aachen mit meiner Canon EOS 450Da direkt auf den Kometen gerichtet. das Auffinden gestaltet sich derzeit kinderleicht, denn ISON steht ziemlich genau 2° nördlich des Planeten Mars am Morgenhimmel. Da braucht es kein Goto und keinen Sucher, ein Telrad reicht. Verwendet habe ich außerdem einen CLS-Filter von Astronomik, um den Stadtlichtdunst ein wenig auszublenden.

Belichtet wurde 120 Sekunden auf 1600ASA, ein Einzelbild sieht danach so aus:

Immerhin sichtbar, das Teil. Sogar mit Schweif.

Das bearbeitete Summenbild zeigt nicht nur den Kometen besser, sondern auch seine Bewegung gegenüber den Sternen während der 74-minütigen Belichtung (in der 33 Bilder zu je zwei Minuten aufgenommen wurden):

Noch etwas deutlicher werden Koma und Schweif im invertierten und stark kontrastverstärkten Bild:

Man vergleiche das mit meinen Aufnahmen vom Oktober 2012, wenige Wochen nach der Entdeckung des Kometen. Aufgenommen übrigens mit dem exakt gleichen Equipment.

 

Jan Hattenbach

Mit dem Astronomievirus infiziert wurde ich Mitte der achtziger Jahre, als ich als 8-Jähriger die Illustrationen der Planeten auf den ersten Seiten eines Weltatlas stundenlang betrachtete. Spätestens 1986, als ich den Kometen Halley im Teleskop der Sternwarte Aachen sah (nicht mehr als ein diffuses Fleckchen, aber immerhin) war es um mich geschehen. Es folgte der klassische Weg eines Amateurastronomen: immer größere Teleskope, Experimente in der Astrofotografie (zuerst analog, dann digital) und später Reisen in alle Welt zu Sonnenfinsternissen, Meteorschauern oder Kometen. Visuelle Beobachtung, Fotografie, Videoastronomie oder Teleskopselbstbau – das sind Themen die mich beschäftigten und weiter beschäftigen. Aber auch die Vermittlung von astronomischen Inhalten macht mir großen Spaß. Nach meinem Abitur nahm ich ein Physikstudium auf, das ich mit einer Diplomarbeit über ein Weltraumexperiment zur Messung der kosmischen Strahlung abschloss. Trotz aller Theorie und Technik ist es nach wie vor das Erlebnis einer perfekten Nacht unter dem Sternenhimmel, das für mich die Faszination an der Astronomie ausmacht. Die Abgeschiedenheit in der Natur, die Geräusche und Gerüche, die Kälte, die durch Nichts vergleichbare Schönheit des Kosmos, dessen Teil wir sind – eigentlich braucht man für das alles kein Teleskop und keine Kamera. Eines meiner ersten Bücher war „Die Sterne“ von Heinz Haber. Das erste Kapitel hieß „Lichter am Himmel“ – daher angelehnt ist der Name meines Blogs. Hier möchte ich erzählen, was mich astronomisch umtreibt, eigene Projekte und Reisen vorstellen, über Themen schreiben, die ich wichtig finde. Die „Himmelslichter“ sind aber nicht immer extraterrestrischen Ursprungs, auch in unserer Erdatmosphäre entstehen interessante Phänomene. Mein Blog beschäftigt sich auch mit ihnen – eben mit „allem, was am Himmel passiert“. jan [punkt] hattenbach [ät] gmx [Punkt] de Alle eigenen Texte und Bilder, die in diesem Blog veröffentlicht werden, unterliegen der CreativeCommons-Lizenz CC BY-NC-SA 4.0.

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Spannend wird die Zeit nach dem 28.11 in diesem Jahr. Aufgrund der steigenden Leuchtkraft lassen sich bestimmt weitere tolle Fotos schießen, wie deine oben gezeigten. Glückwunsch dazu.

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