Tag der Wahrheit

Heute abend wird Komet C/2012 S1 ISON seine Perihelpassage absolvieren. Gegen 19:40 MEZ wird der Komet der Sonnenoberfläche auf 1,16 Millionen Kilometer nahe kommen. Das Geschehen lässt sich mit Hilfe dreier Sonden im All im Internet verfolgen: SOHO, STEREO A und STEREO B. Die Bilder werden mit Zeitverzögerung ins Internet gestellt, und zwar

auf der STEREO-Seite und

auf der SOHO-Seite der Nasa.

Der Komet wird dabei die Kamerafelder von LASCO C3 und C2 (SOHO), COR1, COR2 (STEREO A) sowie COR 1, COR 2 und EUVI (STEREO B) passieren. Ein Erklärung zu den einzelnen Kameras und grafische Darstellungen des Bahnverlaufs habe ich hier zusammengestellt.

Momentan (11:00 MEZ) ist ISON bereits in der LASCO C3 sowie den COR2-Kameras sichtbar. Er hat sich trotz all den schlechten Nachrichten zu seinem Gesundheitszustand gut entwickelt und erreicht nun negative Helligkeitswerte (gut!).

Die SOHO-Seite der Nasa ist seit gestern ziemlich langsam, ich gehe fest davon aus, dass sie im Laufe des Tages unter der  Anfragelast zusammenbricht. Die ESA-Seite enthält die gleichen Informationen, und ist (noch) schneller. Sobald sich herumspricht, dass die Europäer auch eine Raumfahrtagentur haben, dürfte sich das wahrscheinlich ändern. Nachtrag: Ich sehe gerade, dass die NASA-Seite zwar langsamer lädt, die Bilder aber aktueller sind. Momentan (14:30) ist auf der Nasa-Seite ISON schon im LASCO C2 zu sehen, auf der ESA-Seite aber noch nicht. Nachtrag 2: Die Esa scheint zu schlafen, aber mit etas mehr Klickarbeit kann man die aktuellen Bilder auch hier herunterladen.

Bis es soweit ist, kann man sich noch mal die von SOHO aufgezeichnete Perihelpassage des Kometen C/2011 W3 Lovejoy aus dem Jahr 2011 anschauen. Lovejoy kam der Sonne sogar 140000 Kilometer nah. Interessant war, dass der Komet bereits auf der gegenüberliegenden Seite der Sonne auftauchte, als sein Schweif noch auf der anderen Seite sichtbar war. Interessant auch: Ob der Komet die Passage überlebt hatte, wusste man erst, als er neu „aufflammte“.

Noch ein wichtiger Hinweis: Sofern man nicht genau weiss was man tut (und außer ein paar Spezialisten gilt das für alle) sollte man keine Taghimmelbeobachtung des Kometen versuchen! Der Komet steht so nah an der Sonne, dass man sein Augenlicht aufs Spiel setzt, sollte man ihn dort mit einem Fernglas oder gar Teleskop ausfuchen wollen. Sein lassen! Glücklicherweise liegt Deutschland wie meistens unter einer schützenden Wolkendecke.

Mit dem Astronomievirus infiziert wurde ich Mitte der achtziger Jahre, als ich als 8-Jähriger die Illustrationen der Planeten auf den ersten Seiten eines Weltatlas stundenlang betrachtete. Spätestens 1986, als ich den Kometen Halley im Teleskop der Sternwarte Aachen sah (nicht mehr als ein diffuses Fleckchen, aber immerhin) war es um mich geschehen. Es folgte der klassische Weg eines Amateurastronomen: immer größere Teleskope, Experimente in der Astrofotografie (zuerst analog, dann digital) und später Reisen in alle Welt zu Sonnenfinsternissen, Meteorschauern oder Kometen. Visuelle Beobachtung, Fotografie, Videoastronomie oder Teleskopselbstbau – das sind Themen die mich beschäftigten und weiter beschäftigen. Aber auch die Vermittlung von astronomischen Inhalten macht mir großen Spaß. Nach meinem Abitur nahm ich ein Physikstudium auf, das ich mit einer Diplomarbeit über ein Weltraumexperiment zur Messung der kosmischen Strahlung abschloss. Trotz aller Theorie und Technik ist es nach wie vor das Erlebnis einer perfekten Nacht unter dem Sternenhimmel, das für mich die Faszination an der Astronomie ausmacht. Die Abgeschiedenheit in der Natur, die Geräusche und Gerüche, die Kälte, die durch Nichts vergleichbare Schönheit des Kosmos, dessen Teil wir sind – eigentlich braucht man für das alles kein Teleskop und keine Kamera. Eines meiner ersten Bücher war „Die Sterne“ von Heinz Haber. Das erste Kapitel hieß „Lichter am Himmel“ – daher angelehnt ist der Name meines Blogs. Hier möchte ich erzählen, was mich astronomisch umtreibt, eigene Projekte und Reisen vorstellen, über Themen schreiben, die ich wichtig finde. Die „Himmelslichter“ sind aber nicht immer extraterrestrischen Ursprungs, auch in unserer Erdatmosphäre entstehen interessante Phänomene. Mein Blog beschäftigt sich auch mit ihnen – eben mit „allem, was am Himmel passiert“. jan [punkt] hattenbach [ät] gmx [Punkt] de Alle eigenen Texte und Bilder, die in diesem Blog veröffentlicht werden, unterliegen der CreativeCommons-Lizenz CC BY-NC-SA 4.0.

7 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Apropos Taghimmel Beobachtung.
    Im Januar 2007 war McNaught bei sehr klarem Himmel in einigen Grad Entfernung zur Sonne zu sehen. McNaught lief aber, anders als ISON, der Sonne hinterher und in deutlich größerem Abstand, so dass es etwas weniger gefährlich war ihn zu beobachten. Mir gelang damals eine Beobachtung, aber einfach war das nicht. Wenn ich McNaught (http://www.youtube.com/watch?v=T2DfxMDBwm8) und ISON (s.o.) im Lasco C3 vergleiche, muss ISON auch noch einiges liefern bevor an eine Tageslichtbeobachtung auch nur zu denken ist … Es lohnt also noch nichtmal der Versuch!
    Aber wie Jan auch schon schreibt, in Aachen, ist eine Tageslichtbeobachtung sowieso ungefährlich, da ausschließlich über das Internet möglich 😉

    Stay tuned.
    André

    • Arbeitet Lasco denn immer mit der exakt gleichen Belichtung? Nur wenn das gegeben ist, dann sind die aktuellen Aufnahmen mit früheren vergleichbar.

      • Nein, die Belichtung lässt sich einstellen. Ich glaube sogar, dass die Belichtung im Falle von McNaught kürzer war: der helle Stern im Bild müsste Merkur sein. Er erscheint in etwa so hell wie Antares im Falle von Ison jetzt, war aber mit -1mag helle als Antares (+1mag). Bei gleicher Belichtung hätte McNaught daher *noch* heller aussehen müssen.

  2. So spannend war aber noch kein Komet! Die NASA-Seite scheint wirklich exterm ausgelastet zu sein – ich kam gar nicht durch. Die ESA-Seite ist noch gut erreichbar.
    Heute abend ist übrigens wieder ISON-Abend in der Sternwarte – wusste ich bis gerade eben auch nicht. Die Zeitung hat sich vertan…

  3. Pingback: Live-Blog zum Perihel des Kometen ISON | Skyweek Zwei Punkt Null

  4. Pingback: Auch Proba 2 beobachtet ISON › Go for Launch › SciLogs - Wissenschaftsblogs

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