Slowenien, du hast es besser

Gerade einmal drei Minuten benötigte Andrej Mohar unlängst, um die "Lichtshow" einer britischen Firma in der slowenischen Hauptstadt Lubljana zu unterbinden. Der Hinweis, dass in Slowenien auf den Betrieb lichtstarker "Skybeamer" bis zu 12 Kiloeuro Strafe steht, wirkte überzeugend.

Slowenien ist schließlich seit September 2007 das erste und bislang einzige Land mit einer nationalen gesezlichen Regelung, die unnötige Lichtverschmutzung verhindern soll. Und Andrej Mohar ist Amateurastronom und einer der Initiatoren des Gesetzes. Kein Wunder also, dass er sich auch um die Einhaltung kümmert…

Laut seiner Aussage wunderten sich die Briten darüber, dass solch "schöne" Maschinen in Slowenien verboten seien. Naja, über Schönheit kann man bekanntlich streiten – wie auch darüber, ob nun jede (vorübergehende) Lichtshow verteufelt werden muss. Gut ist aber, wenn dadurch den Betreibern solcher "Events"  einmal ein Licht aufgeht und sie sich Gedanken machen, was ihre "Kunst" sonst noch so für Auswirkungen hat. 

"Es ist schön, ein starkes Gesetz gegen Lichtverschmutzung zu haben," so Mohar. Damit spricht er wohl allen lichtgeplagen Bruchsalern aus der Seele.

In diesem haarsträubenden Fall hat sich nun übrigens die Abgeordnete Dr. Gisela Splett von der Fraktion Bündnis90/Die Grünen mit einem Antrag an den Landtag von Baden-Würtemberg in Szene gesetzt: Sie fordert das Landesparlament auf, "Maßnahmen zum Schutz der Umwelt vor Lichtverschmutzung zu ergreifen und sich auch für entsprechende Regelungen auf Bundesebene einzusetzen."

Denn:

Jüngstes Negativbeispiel in Sachen Lichtverschmutzung ist die "Fassadenbe­leuch­tung" der Firma Blanco in Bruchsal, die 15.000 blaue LED-Leuchten gen Himmel gerichtet hat. Auch wenn die Firma inzwischen reagiert hat, zeigt dieser Fall sehr deutlich, wie Werbeanlagen das Problem der Lichtverschmutzung weiter verschärfen.

Das Land soll darauf hinwirken, den Lichtsmog so zu reduzieren, dass es wieder einen besseren Blick auf den Sternenhimmel gibt, sowie die Umwelt, insbesondere Zugvögel und nachtaktive Tiere geschützt werden und unnötiger Energieverbrauch reduziert wird.

Sehr schön. Vielleicht wird ja was draus. Zum Beispiel in Zusammenhang mit der noch anhängigen Petition vor dem Deutschen Bundestag.

In diesem Sinne: Dark Skies!

Achja: Die 3-Minuten Lichtshow in Lubljana sah übrigens so aus:

Bild: A. Mohar

(Einmal mehr) Dank an Andrej Mohar für Gesetz, Bericht und Foto!

Jan Hattenbach

 

Mit dem Astronomievirus infiziert wurde ich Mitte der achtziger Jahre, als ich als 8-Jähriger die Illustrationen der Planeten auf den ersten Seiten eines Weltatlas stundenlang betrachtete. Spätestens 1986, als ich den Kometen Halley im Teleskop der Sternwarte Aachen sah (nicht mehr als ein diffuses Fleckchen, aber immerhin) war es um mich geschehen. Es folgte der klassische Weg eines Amateurastronomen: immer größere Teleskope, Experimente in der Astrofotografie (zuerst analog, dann digital) und später Reisen in alle Welt zu Sonnenfinsternissen, Meteorschauern oder Kometen. Visuelle Beobachtung, Fotografie, Videoastronomie oder Teleskopselbstbau – das sind Themen die mich beschäftigten und weiter beschäftigen. Aber auch die Vermittlung von astronomischen Inhalten macht mir großen Spaß. Nach meinem Abitur nahm ich ein Physikstudium auf, das ich mit einer Diplomarbeit über ein Weltraumexperiment zur Messung der kosmischen Strahlung abschloss. Trotz aller Theorie und Technik ist es nach wie vor das Erlebnis einer perfekten Nacht unter dem Sternenhimmel, das für mich die Faszination an der Astronomie ausmacht. Die Abgeschiedenheit in der Natur, die Geräusche und Gerüche, die Kälte, die durch Nichts vergleichbare Schönheit des Kosmos, dessen Teil wir sind – eigentlich braucht man für das alles kein Teleskop und keine Kamera. Eines meiner ersten Bücher war „Die Sterne“ von Heinz Haber. Das erste Kapitel hieß „Lichter am Himmel“ – daher angelehnt ist der Name meines Blogs. Hier möchte ich erzählen, was mich astronomisch umtreibt, eigene Projekte und Reisen vorstellen, über Themen schreiben, die ich wichtig finde. Die „Himmelslichter“ sind aber nicht immer extraterrestrischen Ursprungs, auch in unserer Erdatmosphäre entstehen interessante Phänomene. Mein Blog beschäftigt sich auch mit ihnen – eben mit „allem, was am Himmel passiert“. jan [punkt] hattenbach [ät] gmx [Punkt] de Alle eigenen Texte und Bilder, die in diesem Blog veröffentlicht werden, unterliegen der CreativeCommons-Lizenz CC BY-NC-SA 4.0.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Lichtshows, Skybeamer, Blanco etc.

    Hallo, Leute – ich kann mich nur wundern. Da werden Gesetze gefordert, die es im Grunde schon längst gibt.
    Diese ganzen Installationen sind Werbeanlagen – und die sind baurechtlich genehmigungspflichtig. Und keinesfalls genehmigungsfähig (Naturschutz, Verkehrsablenkung usw.). Warum wurden sonst die ganzen Skybeamer an den Diskos abgebaut? Unerlaubt errichtet und betrieben, untersagt – aus. Und die Blanco-Beleuchtung ist eine Werbeanlage – das geht aus den famosen Kommentaren der ahnungslos-überheblichen „Blancisten“ ja eindeutig hervor. Wurde sie denn von der Baurechtsbehörde der Stadt Bruchsal so genehmigt? Wohl kaum – zumindest nicht nach Anhörung der notwendigen Fachbehörden. Also – Handhabe vorhanden. Wann merkt man das endlich???

  2. Eigentlich klare Rechtslage

    Hallo Hubert,

    du hast vollkommen recht, und ich wundere mich selbst immer wieder über diesen Punkt. Eine der merkwürdigsten Erfahrungen die man bei der Auseinandersetzug mit Behörden macht, ist, dass man denen ihr eigenes Bauordnungsrecht auch auf A0 auf ihre Schreibtische plakatieren kann, trotzdem aber keine Reaktion darauf erwarten darf. Recht haben und Recht bekommen, naja…

    Welche komischen Wege und Machenschaften dahinter stecken kann sich jeder selbst ausmalen. Am Ende bleibt nur der Weg vor die höhergeordnete Behörde oder das Verwaltungsgericht, aber wer macht das schon?

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