Neues von ε Aur

Im Juli habe ich über ein astronomisches Rätsel geschrieben, dass sich zur Zeit vor unseren Augen abspielt – die Verfinsterung des bedeckungsveränderlichen Sterns Epsilon Aurigae. Mittlerweile ist diese Verfinsterung in vollem Gange. Seit Juli habe ich den betreffenden Stern immer mal wieder fotografiert, um seine Helligkeit zu bestimmen. Tatsächlich ist die Verdunklung gut zu erkennen.

Die folgende Grafik zeigt das Ergebnis: Von der ursprünglichen Helligkeit von 3,0mag hat sich das Licht von ε Aur bis Anfang Dezember auf etwa 3,6mag abgeschwächt. Dies deckt sich gut mit den Beobachtungen verschiedener anderer Beobachter. Allerdings ist es sehr schwer, den Abfall um eine halbe Größenklasse visuell wahrzunehmen, zumindest für mich.

Bild 1: Die Lichtkurve von ε Aur

Für jeden Messpunkt wurden 10 Bilder der Himmelsregion um ε Aur mit einer digitalen Spigelreflexkamera aufgenommen. Die Einzelbilder wurden mit der Software Fitswork zu einem Summenbild kombiniert. Mit dem Programm Iris lassen sich die Helligkeitswerte von ε Aur und einigen weiteren Feldsternen leicht ausmessen. Allerdings ist es sehr schwierig, absolute Helligkeiten zu messen, oder besser: unter verschiedenen Beobachtungsbedingungen vergleichbar zu messen. Daher habe ich jeweils die Differenz von ε Aur mit einem zweiten Stern konstanter Helligkeit berechnet und diesen Wert auf die Standardhelligkeit von ε Aur (3,0mag bis Juli 2009) normiert. Das Ergebnis mag zwar nicht unbedingt wissenschaftlichen Standards genügen, illustriert aber sehr gut die Möglichkeiten, die schon einfachste Beobachtungsmittel bieten.  

Die Zeitachse gibt zur besseren Vergleichbarkeit das Julianische Datum an. Zur Orientierung sind die Monate markiert. Deutlich erkennt man, dass die Verfinsterung etwa ab Mitte August einsetzte und Mitte November offenbar zu einem Ende kam. Wie genau der weitere Verlauf aussehen wird, bleibt abzuwarten. Die Verfinsterung von ε Aur ist Thema auf citizensky.org, hier gibt es auch neueste Informationen über die aktuelle Entwicklung der Helligkeitskurve.

Bild 2: Zweimal ε Aur, zusammen mit seinen Nachbarsternen im Sternbild Fuhrmann (links mit 0,8mag Capella). 

Die Verfinsterung wird insgesamt rund zwei Jahre dauern, und noch immer ist nicht vollständig bekannt, was eigentlich die Ursache dafür ist. Mehr Informationen zu ε Aur und zu den Beobachtungstechniken mit einfachen Digitalkameras, sowie weiterführende Links habe ich hier zusammengefasst.

Nur ganz nebenbei: Dies ist mein 100. Beitrag in den Kosmologs! Eine passende Gelegenheit, mich einmal bei allen zu bedanken, die in den letzten zwei Jahren hier so fleißig vorbeigeschaut und kommentiert haben! Auf die nächsten 100…

Mit dem Astronomievirus infiziert wurde ich Mitte der achtziger Jahre, als ich als 8-Jähriger die Illustrationen der Planeten auf den ersten Seiten eines Weltatlas stundenlang betrachtete. Spätestens 1986, als ich den Kometen Halley im Teleskop der Sternwarte Aachen sah (nicht mehr als ein diffuses Fleckchen, aber immerhin) war es um mich geschehen. Es folgte der klassische Weg eines Amateurastronomen: immer größere Teleskope, Experimente in der Astrofotografie (zuerst analog, dann digital) und später Reisen in alle Welt zu Sonnenfinsternissen, Meteorschauern oder Kometen. Visuelle Beobachtung, Fotografie, Videoastronomie oder Teleskopselbstbau – das sind Themen die mich beschäftigten und weiter beschäftigen. Aber auch die Vermittlung von astronomischen Inhalten macht mir großen Spaß. Nach meinem Abitur nahm ich ein Physikstudium auf, das ich mit einer Diplomarbeit über ein Weltraumexperiment zur Messung der kosmischen Strahlung abschloss. Trotz aller Theorie und Technik ist es nach wie vor das Erlebnis einer perfekten Nacht unter dem Sternenhimmel, das für mich die Faszination an der Astronomie ausmacht. Die Abgeschiedenheit in der Natur, die Geräusche und Gerüche, die Kälte, die durch Nichts vergleichbare Schönheit des Kosmos, dessen Teil wir sind – eigentlich braucht man für das alles kein Teleskop und keine Kamera. Eines meiner ersten Bücher war „Die Sterne“ von Heinz Haber. Das erste Kapitel hieß „Lichter am Himmel“ – daher angelehnt ist der Name meines Blogs. Hier möchte ich erzählen, was mich astronomisch umtreibt, eigene Projekte und Reisen vorstellen, über Themen schreiben, die ich wichtig finde. Die „Himmelslichter“ sind aber nicht immer extraterrestrischen Ursprungs, auch in unserer Erdatmosphäre entstehen interessante Phänomene. Mein Blog beschäftigt sich auch mit ihnen – eben mit „allem, was am Himmel passiert“. jan [punkt] hattenbach [ät] gmx [Punkt] de Alle eigenen Texte und Bilder, die in diesem Blog veröffentlicht werden, unterliegen der CreativeCommons-Lizenz CC BY-NC-SA 4.0.

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Glückwunsch dem Jubilar

    Hallo Jan,

    meinen Glückwunsch zu deinem einhundertsten Beitrag!
    Ich lese deine Artikel immer wieder gern und freue mich auf die noch kommenden Beiträge.

    Viele Grüße

    Kai

  2. Theorie?

    Selbst wenn nicht vollständig bekannt ist, was da los ist, was vermutet man denn so als moegliche Ursachen?

    Glückwunsch zum Hundertsten. Von dem bin ich noch weit entfernt ….

Schreibe einen Kommentar




Bitte ausrechnen und die Zahl (Ziffern) eingeben