Finstere Sonne am Freitag

Um es gleich vorweg zu sagen: Auch am Freitag verfinstert sich die Sonne nicht. Sie wird wie in den letzten paar Milliarden Jahren weiterscheinen. In Russland oder China allerdings wird ihr Licht für weniger als drei Minuten vom Erdmond abgeschattet: Eine Erdfinsternis eben.

Partielle Sonnenfinsternis, 11.9.2007, PeruDoch genug der Begriffsspalterei. Wer die Sonnenfinsternis am Freitag mittag in voller Pracht sehen will, muss sich sputen. Vom nördlichen Polarmeer über Sibirien bis nach China verläuft der Pfad des Mondschattens, und wer trotz Lufthansa-Streik den weiten Weg rechtzeitig hinter sich gebacht und auch noch Glück mit dem Wetter hat, der wird eines der schönsten Himmelsereignisse erleben, dass man sich vorstellen kann. Den Anblick einer Totalen Sonnenfinsternis vergisst man sein Leben lang nicht mehr.

Im Gegensatz zur Sonnenfinsternis vom März 2006, als sich so ziemlich die gesamte Amateurastronomenszene in der Türkei gegenseitig auf den Füßen stand, ist der Weg diesmal etwas weiter und das Vergnügen auch etwas teurer. Damit die Daheimgebliebenen auch verfolgen können, was die Finsternis-Pilger im fernen Asien so treiben (und natürlich schön neidisch sein können) entstehen gerade eine ganze Reihe von Webblogs und Reisetagebücher im Internet. Wer also will, kann sich hier über Erfolg und Misserfolg der SoFi-Expeditionen und Pauschalreisen informieren.

Ach ja, bevor es unter den Tisch fällt: Die Sonnenfinsternis ist auch von Deutschland aus zu sehen, natürlich nur partiell. Maximal 23 Prozent der Sonnenscheibe deckt hier bei uns der Mond ab, und das auch nur im äußersten Norden des Landes. In Süddeutschland sind es nur noch weniger als 10 Prozent. Ohne geeignete Beobachtungshilfen wird man von dem himmlischen Schattenspiel daher nichts mitbekommen. Aber auch solch ein Ereignis kann nett anzuschauen sein: Das obige Foto entstand zum Beispiel während der ebenfalls nur partiellen Sonnenfinsternis vom 11. September 2007.

Wer also Zeit und klare Sicht hat, der werfe am Freitag, den 1. August zwischen 10:30 Uhr und 12:30 Uhr mal einen Blick auf die Sonne (die genauen Zeiten variieren von Ort zu Ort, siehe unten). Natürlich nur mit einem geeigneten Schutz! Ohne spezielle Sonnenfinsternisbrille riskiert man auch bei einem kurzen Blick in die gleißend helle Sonnenscheibe sein Augenlicht! Wer so eine Brille nicht besitzt kann ja die nächste Volkssternwarte oder amateurastonomische Vereinigung aufsuchen. Die Volkssternwarte Aachen etwa wird eine öffentliche Beobachtung anbieten.

Die Redaktion von Sterne und Weltraum hat eine Sonderseite zur Sonnenfinsternis zusammengestellt. Die für verschiedene Beobachtungsorte gültigen Zeiten und Bedeckungsgrade sowie alles Wissenswerte zum Thema kann man hier abrufen. Und wie es den Reisenden in Asien ergeht, erzählen sie diesen Weblogs und Online-Tagebüchern: 

Weblog der SuW-Leserreisen 

Weblog von Alexander Birkner

Berichte von Dirk Ewers

Reisebericht von Stefan Krause 

Und noch ein Reise-Blog

Liveübertrageung der Finsternis auf einer russischen Website 

Übertragung aus China

Eine Webcam in Nowosibirsk, das innerhalb der Totalitätszone liegt 

Allen einen klaren Himmel:

Jan Hattenbach

Jan Hattenbach

Mit dem Astronomievirus infiziert wurde ich Mitte der achtziger Jahre, als ich als 8-Jähriger die Illustrationen der Planeten auf den ersten Seiten eines Weltatlas stundenlang betrachtete. Spätestens 1986, als ich den Kometen Halley im Teleskop der Sternwarte Aachen sah (nicht mehr als ein diffuses Fleckchen, aber immerhin) war es um mich geschehen. Es folgte der klassische Weg eines Amateurastronomen: immer größere Teleskope, Experimente in der Astrofotografie (zuerst analog, dann digital) und später Reisen in alle Welt zu Sonnenfinsternissen, Meteorschauern oder Kometen. Visuelle Beobachtung, Fotografie, Videoastronomie oder Teleskopselbstbau – das sind Themen die mich beschäftigten und weiter beschäftigen. Aber auch die Vermittlung von astronomischen Inhalten macht mir großen Spaß. Nach meinem Abitur nahm ich ein Physikstudium auf, das ich mit einer Diplomarbeit über ein Weltraumexperiment zur Messung der kosmischen Strahlung abschloss. Trotz aller Theorie und Technik ist es nach wie vor das Erlebnis einer perfekten Nacht unter dem Sternenhimmel, das für mich die Faszination an der Astronomie ausmacht. Die Abgeschiedenheit in der Natur, die Geräusche und Gerüche, die Kälte, die durch Nichts vergleichbare Schönheit des Kosmos, dessen Teil wir sind – eigentlich braucht man für das alles kein Teleskop und keine Kamera. Eines meiner ersten Bücher war „Die Sterne“ von Heinz Haber. Das erste Kapitel hieß „Lichter am Himmel“ – daher angelehnt ist der Name meines Blogs. Hier möchte ich erzählen, was mich astronomisch umtreibt, eigene Projekte und Reisen vorstellen, über Themen schreiben, die ich wichtig finde. Die „Himmelslichter“ sind aber nicht immer extraterrestrischen Ursprungs, auch in unserer Erdatmosphäre entstehen interessante Phänomene. Mein Blog beschäftigt sich auch mit ihnen – eben mit „allem, was am Himmel passiert“. jan [punkt] hattenbach [ät] gmx [Punkt] de Alle eigenen Texte und Bilder, die in diesem Blog veröffentlicht werden, unterliegen der CreativeCommons-Lizenz CC BY-NC-SA 4.0.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar




Bitte ausrechnen und die Zahl (Ziffern) eingeben