Kann Daith Piercing Migräne lindern?

Eine Masche aus den USA wird zum Hype: Daith Piercings gegen Migräne. Hilft es? Die Antwort ist nicht so einfach, wie man es Betroffenen weismachen will.

In einem Wissenschaftsblog über Migräneforschung gibt es zu Daith Piercings auf den ersten Blick nicht viel zu sagen. Vermuten kann man zwar viel, doch letztlich wissen wir nicht, ob Daith Piercing gegen Migräne hilft. Es gibt keine Forschung dazu. Genauso wenig wissen wir, ob es gegen Migräne hilft, wenn man sich den großen Zeh bricht. Könnte schon sein. Jeder reagiert individuell. Man müsste also jeweils eine Studie durchführen.

Eins weiß man vorher: Bei jeder klinischen Studie gibt es den Placeboeffekt, und der ist komplex. Beispielsweise beeinflusst die Darreichungsform einer Therapie die Wirkung. Eine große Tablette wirkt besser als eine kleine, eine Kapsel wirkt besser als die große Tablette, eine Spritze besser als die Kapsel, ein chirurgischer Eingriff besser als die Spritze. Je höher die Symbolkraft, desto besser. Daith Piercings oder Zehenbrechen stehen damit relativ hoch im Kurs.

Plausibilität für therapeutische Anwendung?

Um eine neue therapeutische Methode auszuprobieren, müsste deren Wirkung (über den Placeboeffekt hinaus) zunächst auch plausibel erscheinen. Das heißt, es müssten sich ausreichend Anhaltspunkte für eine eigenständige Wirkung finden lassen. Das gilt für Daith Piercing ebenso wie für das Brechen eines Zehs als angebliches Mittel gegen Migräne. Schließlich gibt es noch hunderte andere Möglichkeiten, sich etwas anzutun, und die Verzweiflung der Betroffenen ist hoch genug, um vieles davon auszuprobieren. Was spricht also für welchen Versuch?

Das Daith Piercing wird nahe einer Stelle in der Ohrmuschel gestochen, die auch zur Akupunktur gegen Migräne verwendet wird. Im Gegensatz zum Daith Piercing ist Akupunktur eine Methode, von der wir auf Grund vieler Studien einiges wissen. Nämlich, dass Akupunktur gegen Migräne nur mit geringer Evidenz wirkt und dass außerdem beliebige andere Stellen mit gleichem Erfolg gestochen werden können. Somit beruht wahrscheinlich alles auf dem Placeboeffekt.

Trotzdem – oder gerade weil der Ort unwichtig scheint, das Daith Piercing sitzt nämlich auch nicht exakt an den Akupunkturpunkten – mag ein Vergleich angebracht erscheinen. Nadeln und Ohren kommen immerhin beide Male vor. Das Durchstechen beim Piercing könnte demnach eine Art Dauerakupunktur sein, auch wenn Akupunkteure jetzt sicher gern Einwände erheben würden. Ob in der Migränetherapie Akupunktur überhaupt angewandt werden soll oder diese Methode wegen ihrer geringen Evidenz besser nicht in Betracht gezogen wird, ist noch mal eine andere Frage. Doch schauen wir zunächst, ob sich solche Vergleiche (er)finden lassen, so dass man sich mit ähnlicher Plausibilität auch einen großen Zeh brechen lassen kann.

Der große Zeh befindet sich laut Reflexzonentherapie an einer Stelle, von der aus man auf das Gehirn einwirken kann. Für eine Reflexzonentherapie bei Migräne fehlt allerdings noch ein Wirksamkeitsnachweis. Das wird uns (wie viele andere) jedoch jetzt nicht abhalten. Schmücken wir es zu einer richtigen Geschichte aus. Man muss ja nicht immer auf Trends aus den USA warten. Vielleicht nutzen wir die Gate-Control-Theorie, um zu erklären, dass Schmerz von anderen Sinneseindrücken unterdrückt werden kann. Zudem verweisen wir darauf, dass der gebrochene Zeh eine Art Dauerfußreflexzonenmassage darstellt. Wir veranstalten bundesweite Zehbrechpartys™ und erklären das Ganze lässig per Handyvideo, gefilmt nachts auf der Autobahn während der Rückfahrt von diesen Partys.

Mit genügend Aufmerksamkeit dieser Art ließen sich sicher höchst erstaunliche Placeboergebnisse erzielen. Ein Hype, der die Deutsche Migräne- und Kopfschmerz-Gesellschaft dann idealerweise zu einer Stellungnahme zwingt, die wir postwendend als pharmalobbyistisch verunglimpfen. Jedem Kritiker bieten wir zudem an, zehn seiner Patienten den großen Zeh zu brechen, mit nur einer Bitte: dass diese Patienten frei darüber berichten dürfen. Niemand der Fachleute geht darauf ein? Alle Pharmalobby!!!!!! – man gewinnt immer.

Den Placeboeffekt nutzen

Warum auch nicht? Sollte man nicht wirklich den Placeboeffekt vollumfänglich ausnutzen? Immerhin gilt Akupunktur gegen Migräne in der leitlinienbasierten Medizin auch als Behandlungsoption! Und das allein, weil die Wirkung in der Placebogruppe in der Regel größer ist als bei unbehandelten Patienten in einer so genannten Wartelistengruppe. Für mich klingt es ja auch durchaus plausibel, dass es eben nicht reicht, sich nur in ein übervolles Akupunktur- oder Piercingstudio zu setzen und auf die Behandlung zu warten oder eben darauf, dass man sich versehentlich den großen Zeh bricht. Man muss es schon auch tun.

Kann man vielleicht irgendwie abschätzen, ob es sich für einen persönlich lohnt? Ein Schmerzspezialist in den USA schlägt in seinem Blog vor, es wie beim Autokauf zu halten. Er rät vor einem Daith Piercing quasi zu einer Probefahrt:

… just like a brand new car, you can try it before you can buy it. What I mean by that is you can visit an acupuncturist and see if needles in certain parts of your cartilage provide some relief. If you find that it works, maybe it’s worth considering a permanent piercing.

Mit dem Rat, „wenn du merkst, dass Akupunktur hilft, ist es vielleicht wert, über ein permanentes Piercing nachzudenken“, selektiert der Schmerzspezialist (gewollt oder ungewollt) die Menschen, die besonders anfällig für den Placeboeffekt bei Akupunktur sind.

Die gleiche Diskussion hatten wir schon im Beitrag „Botox-Test vor operativem Eingriff selektiert Placebogruppe“. Das Nervengift Botox, das seit fünf Jahren für die Behandlung chronischer Migräne zugelassen ist – ohne dass man genau weiß, wie es wirkt –, wird als Probefahrt für eine viel weitreichendere, chirurgische Behandlungsform vorgeschlagen (die so genannte migraine trigger site deactivation surgery, kurz MTSDS).

Erinnern wir uns in diesem Zusammenhang daran, dass die Darreichungsform die Wirkung beeinflusst. Von der Tablette zur Kapsel zur Spritze zum chirurgischen Eingriff wird der Placeboeffekt immer größer. Wenn nun Menschen, die schon bei der „Probefahrt“ gut auf eine einfachere Form ansprechen, selektiert werden für eine nächste Darreichungsform mit höherer Symbolkraft, eskaliert das leicht. Placeboansprechraten mit weit über 60 Prozent sind dann möglich. Das Problem: Die Wirkung verpufft bei den allermeisten sehr schnell auch wieder.

Das Daith Piercing wird nahe einem vermeintlichen Akupunkturpunkt durchgeführt – aber gibt es einen Zusammenhang?

Die Frage ist deswegen immer, was am Ende solch einer Kaskade steht. Eine Behandlungsform, die bestimmte Gesichtsmuskeln chirurgisch entfernt, die also ein massiver und vor allem irreversibler Eingriff ist, erscheint kaum gerechtfertigt. Auch Piercing kann gerade im Bereich des Ohrknorpels zu bösen Entzündungen durch bakterielle Infektion führen. Diskutiert werden Maßnahmen dieser Art in Fachkreisen höchstens, um einen Teufelskreis bei chronischer Migräne zu durchbrechen. Die schnell verpuffende Wirkung der Placebobehandlung muss dann zwingend durch nachhaltig greifende Maßnahmen ergänzt werden.

Ohne Arzt geht es nicht

Mit einem seriösen und lizenzierten Piercer, der die Hygiene- und Sicherheitsstandards einhält und der viel Erfahrung hat, kann man das Risiko sicher abwägen – zumal viele Menschen überall in der Welt Piercings allein als Köperschmuck schön finden und deswegen tragen. Denn genau hier liegt ein Problem: Die rechtliche Situation muss beachtet werden. Ein Piercer darf als Künstler piercen und den Körper verschönern. Wer kein Arzt ist, bedarf hingegen einer gesonderten Erlaubnis für jede berufs- oder gewerbsmäßig vorgenommene Tätigkeit zur Linderung von Krankheiten. Das gilt auch, wenn die Tätigkeit beispielsweise im Auftrag einer Studie ausgeübt wird. Deswegen kann auch kein Arzt das oben beschriebene Angebot eines Piercers annehmen. Man würde sich strafbar machen. Mal abgesehen davon, dass man eine Placebokontrolle braucht und zehn Patienten eine viel zu kleine Stichprobe wären. Sinnvoller erscheint mir eine so genannte retrospektive Studie.

Die Frage, ob Daith Piercing Migräne lindern kann, wird also leider nicht auf einer der bundesweiten Piercingpartys® beantwortet werden – Gleiches gilt natürlich für Zehbrechpartys™ –, sondern nur durch eine Studie, die alle Fallstricke einbezieht. Dabei muss man abschätzen, ob die Methode überhaupt plausibel erscheint. Daith Piercing hat mittlerweile mehr als genug Aufmerksamkeit bekommen, so dass man das allein deswegen bejahen muss. Wer schon immer mit einem Ohrpiercing geliebäugelt hat, dem muss man auch heute nicht anraten, seine Hoffnungen auf eine therapeutische Wirkung völlig fahren zu lassen. Allen, die Ohrpiercing als Schmuck nicht erwägen würden, ist mit einer (leitlinientreuen) Akupunktur gegen Migräne besser geholfen. Was man auch in Betracht zieht, sich zuvor ärztlichen Rat einzuholen, ist immer richtig.

 

 

Bildquelle

Von Ear_piercings.jpg: madaisederivative work: Nicor (talk) – Ear_piercings.jpg, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=12252696

Markus Dahlem forscht seit über 20 Jahren über Migräne, hat Gastpositionen an der HU Berlin und am Massachusetts General Hospital. Außerdem ist er Geschäftsführer und Mitgründer des Berliner eHealth-Startup Newsenselab, das die Migräne- und Kopfschmerz-App M-sense entwickelt.

13 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Der Vergleich von Daith Piercing mit einer selbst herbeigeführten Fraktur des grossen Zehens scheint nicht mehr so abwegig, wenn man folgende Wikipedia-Aussage gelesen hat:

    Das [Daith]-Piercing gehört zu den schmerzhafteren Knorpelpiercings mit einer möglicherweise längeren Heilungsphase aufgrund des vergleichsweise festen Knorpelgewebes an dieser Stelle.
    Die Heilungsdauer beträgt zwischen drei und sechs Monaten.

    Mein Gedanke dazu: Mit einem Antimigränepiercing macht eine Patientin sich selbst und ihre Umgebung (ihre Freunde, Bekannte, ja selbst Passanten) auf ihre Migräne aufmerksam – spätestens dann, wenn sie auf Nachfrage hin bestätigt, dass dieses Piercing für sie eine Therapiemethode sei. Ein offensiver Umgamg also mit der Migräne. Passt vielleicht zur heutigen Generation. Erinnert mich an eine Aussage eines Trump-Biographen, der nach unergiebigen Interviews mit Trump den Vorschlag machte, er wolle Trump für seine Recherche von jetzt an auf Schritt und Tritt folgen. Dieser Ghostwriter erwartete, dass Trump wie die meisten (normalen) Geschäftsleute so etwas ablehnt und war dann überrascht davon, dass Trump sich begeistert über den Vorschlag der Dauerbeschattung zeigte. Am liebsten hätte Trump gleich hunderte ständig bei seinen Verhandlungen dabeigehabt meinte der Autor von „the art of the deal“.
    Das hat Trump mit vielen Millennials gemeinsam: Er sieht die Welt als permanente Bühne.
    Mit einem Daith-Piercing wird ein Migräniker ebenfalls zum Akteur, zum Darbieter seiner psycho-/physischen Situation. Bis vor kurzem wollten die meisten Menschen Abweichungen vom Normal wie Homosexualität, Stottern, Ticks oder eben Anfallskrankheiten wie Migräne vor andern verbergen. Doch im Zeitalter des Narzissmus, im Zeitalter der Zurschaustellung seiner selbst hat sich das geändert. Heute gibt es nicht Wenige, die sich erst dann richtig wohlfühlen, wenn sie sich ausstellen können, wenn man sie wahrnimmt wie sie sind oder besser gesagt wie sie sein wollen. Heute wollen nicht nur mehr die Schönen und Klugen wahrgenommen werden sondern (fast) alle. Eine entsprechend „veranlagte“ Migränikerin fühlt sich durch diese Zurschaustellung wahrscheinlich besser.

    • Danke für den Hinweis. Das kannte ich noch nicht.

      Hingegen kennt jeder, dass die Symptome plötzlich beim Arztbesuch im Wartezimmer verflogen sind – und zuhause zurückkommen.

      Die Tiefenhirnstimulation (umgangssprachlich als ein „Hirnschrittmacher“ bezeichnet) ist eine besonders tief eingreifende Maßnahme, die OP ist schwierig und hat Risiken. Für Migräne wird Tiefenhirnstimulation nicht mehr angewandt. Dass es bei solch drastischen Maßnahmen schon reichen kann, auf einer Warteliste zu stehen, hatte ich mir gar nicht klar gemacht. Klingt aber völlig plausibel. Ansonsten wird bei Warteliste eher diskutiert, dass die Enttäuschung, noch nicht dran zu sein, eher einen negativen Effekt hat.

      Lourdes oder Lüttich? Schön ausgedrückt. Jean Schoenen ist einer der weltweit führenden Spezialisten, den ich sehr schätze. Ich würde Lüttich vorschlagen.

  2. hahaha..grandios 😀
    ich erkenne mich sogar wieder …

    Naturlich dürfen Ärzte nicht dazu aufrufen. Diese Ärzte betreiben ja aber zur angeblich „neutralen“ Beratung etliche Gruppen in den sozialen Medien welche durch angeblich „neutrale“ Personen administriert werden.
    Somit wäre es doch mit Sicherheit ein leichtes das diese „neutralen“ Administratoren in ihren Gruppe freiwillige finde die bereit wären das ganze zu testen. Im Interesse ihrer Kunden welchen sie einst Hilfe geschworen haben. Stattdessen werden aber alle positiven Berichte gelöscht und Mitglieder blockiert.
    Schmerzkliniken beziehen sich auf angeblich „neutrale“ Berichte der DMKG. Ein Blick ins Impressum der DMKG und in die Liste der Fördermitglieder gibt Aufschluss über die wahre neutralität.
    Der Untertitel dieser Seite spricht auf Bände 😉
    „Migräne aus der technischen Forschungsperspektive von Gehirnstimulatoren zu mobilen Gesundheitsdiensten.“

    Ich danke für die erneute Aufmerksamkeit auf dieses Thema 😀
    Seit eurer ganzen Berichte habe ich mehr Anfragen als je zuvor…

    Ich frage mich was der wahre Grund dafür ist das man NUR mit Medikamenten und Stimulationsgeräten helfen will.

    • Hi Steve,

      lass uns das fair diskutieren, ja?

      Klar, ich habe Deine Marketing-Aktionen ein wenig hier auf die Schippe genommen (und vielleicht sogar etwas zu unrecht als reine Marketing-Aktion hingestellt). Aber ich habe dich nicht angegriffen, oder? Ich hoffe also, wir haben hier also eine gute Basis, zu diskutieren.

      Zunächst: mir ist klar, dass Du da mehr Aufmerksamkeit bekommst. Ich finde das nicht schlimm. Wenn du — und davon gehe ich mal aus — die Hygiene- und Sicherheitsstandards einhält und auch durch deine mittlerweile große Erfahrung, bis du sicher derjenige, zu dem man gehen sollte, möchte man denn wirklich ein Daith Piercing. Ob das sinnvoll ist, habe ich mir aus meiner Perspektive angeschaut.

      Siehe bitte nicht immer gleich eine Verschwörung. Ich glaube nicht, dass die DMKG von der Pharmalobby durchdrungen ist. Viele kenne ich persönlich gut. Es spricht auch keine Bände, wenn ich als Physiker einen Untertitel wähle: „Migräne aus der technischen Forschungsperspektive von Gehirnstimulatoren zu mobilen Gesundheitsdiensten.“

      Gerade weil ich ja eine App als Therapiebegleitung entwickle, finde ich ja recht offensichtlich die Verhaltentherapie einen guten Weg. Und mich interessiert die mögliche Physiologie hinter einen Piercing. Also, können wir uns darüber austauschen?

      • Lieber Markus,
        Ich habe Migräne seit ich denken kann…und so ziemlich alles durch was helfen könnte…massive Medikamente, Pranatherapie, Ameisensäuretherapie…und Botox…übrigens das einzige, was mich für ca. 6 Monate von Migräne befreit hat…leider relativ kostspielig…der behandelnde Neurologe gab mir vor Jahren zu verstehen, dass ich mit diesem Handicap wohl leben müsse…so…nachdem ich nach der Einnahme der mir verschriebenen Medis die Leberwerte eines Säufers hatte, habe ich alle oben angeführten Therapien ausprobiert…am 20. Juli habe ich mir schlussendlich die Piercings stechen lassen…was hatte ich denn zu verlieren? Bin mit keiner Erwartungshaltung hin…370km Hin- und wieder Zurückfahrt…und seitdem habe ich wieder ein lebenswertes Leben…übrigens gerade die erste Periode meines Lebens komplett ohne Medikamente hinter mir…ich bin sehr froh, dass ich bei Steve war und finde es nicht fair, wie von manchen Seiten dagegen gewettert wird…mir konnte die Schulmedizin nicht helfen und ich bin sehr dankbar für meine neu gewonnene Lebensqualität:-)
        Und…niemand muss, aber jeder darf hoffentlich frei entscheiden, ob er diesen oder einen anderen Weg gehen möchte:-)

  3. Hallo Steve…sicherlich wirst du auch in Zukunft mit diesen Migränepiercing anecken. Jeder meint doch, er sei auf den richtigen Weg. Doch jeder Patient und jedes Migräneleiden ist verschieden. Doch das ist auch von Vorteil, so machen sich immer mehr Menschen Gedanken zum Thema Migräne. Ich kann dich nur in den Himmel loben. Mein Töchterchen leidet“E“ seit ihren 7. Lebensjahr darunter. Bis zu 2x die Woche. Jede mögliche Aura hat sie Tage lang ertragen müssen. Taubheitsgefühle (könnte nicht mehr richtig gehen und spürte ihre linke Seite nicht richtig) Sprachstörungen (keine verständlichen Sätze) Sehstöhrungen, Übelkeit, Orientierungslosigkeit und diese verdammten Kopfschmerzen. Von Psychologen bis Schmerztherapie haben wir alles mitgemacht. Starke Schmerzmittel wurden zur Gewohnheit und mit 13 Jahren wurde sie auf Topiramate eingestellt. Täglich. Maxalt würde in Massen geschluckt. Die Migräne würde leichter aber sie war immer mal wieder da. Sie wurde regelmäßig ins Krankenhaus eingewiesen auch wegen Verdacht auf Schlaganfall. Meine Tochter ist abhängig von diesen Tabletten. Die Ängste sind bei ihr enorm gewesen. Sogar die Ärzte haben eine Umstellung auf andere Medikamente abgebrochen. Mittlerweile ist sie 19 Jahre alt und guter Dinge. Seit 2 Monaten hat sie deine Piercings und ist glücklich. Mal kurze Kopfschmerzen und mehr nicht. Sie will jetzt ihre Tabletten reduzieren und abwarten. Natürlich mit ärztlicher Begleitung. Wir hoffen, dass sie ganz davon loskommt. Ihr geht es wirklich besser. Ja Steve….mach weiter so. 😍 und vielen Dank.

  4. Wenn man als Migräniker von einer neuen alternativen Therapie hört, ist man natürlich erst mal sowohl neugierig als auch skeptisch. Natürlich gibt es vieles, was angeblich gegen Migräne helfen soll, was letztendlich nur Geldmacherei ohne Wirkung ist. Auf entsprechenden Internetseiten werden dann Erfolgsgeschichten gepostet, die vom Erfinder einfach ausgedacht und nicht nachprüfbar sind. Wer wirklich unter Migräne leidet, der hat in der Regel wirklich VIELES schon probiert. Und jedes Mal fragt man sich vorher, ob an die angeblichen Erfolgsgeschichten nur fake sind oder wahr.

    ANDERS ist es jedoch bei den Piercings. Hier gibt es eine eigene FB-Gruppe, in der jeder Interessierte mitlesen kann, Erfahrungsberichte bekommt und Fragen an die Leute stellen kann, die so ein Piercing haben. Hier ist NICHTS Fake. Hier sind die Erfahrungsberichte von echten Leuten. Hier gibt es Erfahrungsberichte, die über MONATELANGE Beschwerdefreiheit berichten. Nichts von wegen, dass nach 2 Wochen die Wirkung nachlässt.

    Ich war zuerst sehr skeptisch, als ich im Internet davon las. Meine Skepsis verschwand komplett, als ich auf Facebook die Erfahrungen und den Austausch der Betroffenen las, die alle Besserung erfahren haben durch die Piercings.

    Wenn man die Timeling der Facebook Gruppe nehmen könnte, dann wäre das wohl die beste Studie überhaupt.

    Und von wegen Placebo. Wenn es tatsächlich so eine riesige Placebo-Wirkung wäre, dann ist das einem Migräniker wahrscheinlich auch egal. Schmerzfreiheit wissen doch Leute ohne Schmerzen überhaupt nicht zu schätzen !

    Ach und von wegen Großer Zeh. Gibt es hierzu denn auch so viele positive Erfahrungsberichte von echten Patienten? Egal, welcher Vergleich angestellt wird, niemand sollte die vielen positiven Erfahrungsberichte für die Piercings vernachlässigen, die jedem WIRKLICH interessierten frei zugänglich sind.

  5. Hallo zusammen,

    ich bin auch Migränepatientin und habe das mit dem Zehenbruch bereits vor einigen Jahren ausprobiert (Vorsicht Ironie! Es war natürlich ein Unfall). Sogar mit bleibender Arthrose im Zehenendgelenk für die dauerhafte Stimulation. An meiner Migräne hat die Aktion aber nichts gebessert.
    Die Vermutung von Herrn Holzherr kann ich bei bestem Willen nicht nachvollziehen. In meinem Fall gibt es feinfühlige Menschen, die mir ansehen wenn ich Migräne habe, zum Teil sogar bevor ich tatsächlich Symptome habe. Ich persönlich hasse das, weil ich möglichst niemanden mit meinem Leiden behelligen möchte (davon wirds nunmal auch nicht besser). Ich weiß dass viele meiner Leidensgenossen das ähnlich sehen.
    Nun noch zum Piercing: Ich habe (noch) keins. Aber es ist definitiv eine Alternative, die ich gern ausprobieren würde. Und das obwohl ich aus einem Haushalt mit mehreren Schulmedizinern komme und einer meiner besten Freunde Heilpraktiker ist… alle haben ihr Bestes versucht, sind jedoch an meinem Leiden gescheitert (auch die Migräneklinik). Einzig eine Schwangerschaft hat meine Schmerzen etwas gelindert, aber leider nur für den Zeitraum der Schwangerschaft. Nun sitze ich mit einem 8 Wochen alten Baby zu Hause und habe jede Woche mehr Kopfschmerzen und Migräne. Und ich möchte mein Baby gern verschonen von der ständigen Medikamenteneinname. Das Piercing wäre nun ein weiterer Versuch, ein Versuch der wesentlich weniger Aufwand, Kosten und auch Nebenwirkungen hat, wie viele der anderen bisher durchgeführten Therapiemethoden. Da ich schon mehrere Piercings an verschiedenen Stellen hatte und auch schon entzündete Piercings, kenne ich das Risiko der Entzündung und weiß, dass es gut behandelbar ist, solange man sich ordentlich darum kümmert. Das Argument ist damit für mich hinfällig. Und selbst wenn eine Besserung lediglich durch einen Placebo-Effekt eintritt, ist mir das auch egal – hauptsache eine Besserung und dadurch eine glücklichere Zeit für mich und mein Baby und mein Ehemann, der mein Leid seit vielen Jahren ertragen muss.

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