München bekommt ein neues Planetarium

Der Garchinger Fremdsprachendienst mit angeschlossener astronomischer Abteilung, auch als Europäische Südsternwarte (ESO) bekannt und von nicht wissenschaftlich gebildeten Journalisten gern mit der damit vollkommen unzusammenhängenden ESA verwechselt, wird ein Besucherzentrum mit einem Planetarium mit dem ambitionierten und hoffentlich nicht ganz wörtlich zu nehmenden Namen „ESO Supernova“ bekommen, das von der Klaus-Tschira-Stiftung gestiftet wird.

Das wäre dann, wenn ich richtig gezählt habe, bereits das dritte, sicher aber das modernste Planetarium im Raum München. Ob es auch das schönste ist, soll jeder für sich selbst entscheiden. Mir jedenfalls gefällt’s. Der erste Besuch dort ist schon vorgemerkt. Sollte jemand mich einladen, einen Vortrag zu halten, sage ich sicher nicht nein.

Ich maße mir einfach mal an, im Namen aller Sterngucker Deutschlands der Klaus-Tschira-Stiftung zu danken. Alle, die mit der öffentlichen Darstellung von Naturwissenschaften zu tun haben, werden mir zustimmen, dass Anstrengungen zu leisten sind, um die klaffenden Wissenslücken zu schließen. Nie waren naturwissenschaftliches Wissen wichtiger für den Fortbestand unseres Wohlstands, aber offenbar ist dieser Umstand weithin in der Öffentlichkeit nicht angekommen. Ich selbst beanstande das ja auch lange und ausdauernd. Da ist es nur recht und billig, wenn ich mich anerkennend über eine Initiative äußere, die hier Verbesserung verspricht.

Weitere Information

Pressemitteilung des ESO vom 3.12.2013

Fact Sheet zum Projekt „ESO Supernova“ (PDF)

 

Ich bin Luft- und Raumfahrtingenieur und arbeite bei einer Raumfahrtagentur als Missionsanalytiker. Alle in meinen Artikeln geäußerten sind aber meine eigenen und geben nicht notwendigerweise die Sichtweise meines Arbeitgebers wieder.

20 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Endlich ein schön neues modernes Planetarium in München.
    Wird sich ja zeigen wie gut es wird, doch ich habe dann schon einige Anforderungen!
    Danke für die Info 🙂

    LG Lisa

  2. Der Garchinger Fremdsprachendienst mit angeschlossener astronomischer Abteilung, auch als Europäische Südsternwarte (ESO) bekannt

    Irgendwie steh ich gerade auf dem Schlauch und versteh den Witz nicht…
    Wieso soll die ESO ein Fremdsprachendienst mit angeschlossener astronomischer Abteilung sein? *kopfkratz*
    Etwas ähnliches könnte man dann doch auch von der ESA behaupten, da dort doch auch jede Menge unterschiedlicher Sprachen (und Kulturen) aufeinander treffen. Also wie gesagt: irgendwie ist mir der Gag nicht so ganz klar.

      • Ach so ist das zu deuten. – Finde ich aber richtig. Von Mitarbeitern oder Wissenschaftlern kann man ja verlangen, dass sie alle Englisch oder Spanisch können, aber vom interessierten Laien muss man das nicht erwarten. Von daher finde ich es völlig richtig, wenn Pressemitteilungen in allen Sprachen der Mitgliedsländer erscheinen. (Es ärgert mich übrigens auch öfter auf den Webseiten der ESA, dass ich da nur ein paar Seiten auf Deutsch vorfinde, und wenn ich irgendwelche weiterführenden Links anklicke, dann wieder auf den englischen Seiten lande. – Aber dafür können Sie ja nix.)

        • Das ist halt eine Frage der Knete. Es stimmt schon, gute Öffentlichkeitsarbeit fängt schon bei der Sprache an. gerade, weil man ja auch junge Menschen und Kinder ansprechen will. Aber nicht alles, was wünschenswert ist, ist auch im Rahmen vorhandener Budgets finanzierbar. Das alte Problem in Europa. Wenn ESO genug Kohle hat, um alle Pressemitteilungen ins Tschechische und Dänische zu übersetzen, umso besser.

          • Da muss ich Ihnen jetzt leider auch wieder recht geben. Und eine Frage des Geldes wird es vorläufig leider auch bleiben.

          • Es wird immer eine Frage des Geldes sein, denn man wird sich finanziell immer irgendwie nach der Decke strecken müssen. Ich vermute mal, dass mann generell mehr Informationen auf Englisch als auf Deutsch finden kann.

            Allerdings sehen wir bei einigen der chinesischen Missionen, dass es offenbar eine Menge Information auf Chinesisch gibt, die sich alle, die des Chinesischen nicht mächtig sind, mit Schwierigkeiten zusammen klauben müssen, beuspielsweise per Übersetzungstool.

            Irgendwann einmal wird die Technik so weit sein, dass automatische Übersetzung verlässlich zu akzeptablen Ergebnissen führt. Aber da sind wir noch lange nicht. 🙁

  3. Schade, dass Klaus Tschira sein Geld in zwei Protzbauten steckt, anstatt den bereits existierenden Volkssternwarten unter die Arme greift. Hier könnte jeweils ein bisschen finanzielle Unterstützung zu einem Bruchteil der Kosten eines Protzbaus oft sehr viel mehr bewirken. Jetzt stellt er wieder einer Organisation ein Prunkbau in den Vorgarten, die sowieso schon finanziell sehr gut ausgestattet ist. Ich halte das für einen Fehler.

    • Auwei, da haben wir ja einen Kommentar, der einige gerade in Deutschland verbreitete Unarten in Reinkultur illustriert. Erstens trieft er von Sozialneid. Dann dieses tiefe Misstrauen gegenüber allem, was nicht billig und klein sein soll, sondern eban auch mal attraktiv und schön. Zweimal „Protzbau“ und einmal „Prunkbau“ in gerade einmal 5 Zeilen, das ist auch eine Leistung. Es schaudert mich bei dem Gedanken daran, wie die Welt aussehen würde, wenn jeder nach solchen Ansichten handelte. Und dann drittens die Besserwisserei in dem Ratschlag, wohin doch gefälligst die Stiftung ihr Geld zu investieren hat.

      Naja, solche Ansichten gibt es. Jeder zweite Journalist, der bei mir anruft, um was über MSL zu erfahren, meint ja auch zu wissen, dass die Mission zu protzig ausgefallen sein und hat weiß besser, was die Amerikaner mit ihrem Geld hätten machen sollen. Das haut in dieselbe Kerbe.

      • @Michael, Sterngucker

        Warum gleich so agressiv? Ok, „Protzbau“ und „Prunkbau“ sind echt daneben, aber inhaltlich hat Sterngucker schon recht. Außer bei solchen „Leuchtturmprojekten“ (klingt das besser? ich hasse dieses Wort…) sieht die Situation an der „Basis“ ziemlich mau aus. An einer mir sehr bekannten Volkssternwarte fehlt es an allem. Kein Geld für Ausstattung, Unterhalt, Dozentenfortbildung, notwendige Reparaturen. Da bräuchte es keine Millionen, ein kleiner dreistelliger Betrag könnte enorm helfen. Da sollte sich eine Stiftung wie Klaus Tschiera ruhig auch mal engagieren. Der PR-Effekt wäre zwar nicht so gewaltig, aber dafür käm er an vielen Orten an. Nicht jeder kann mal eben nach M oder HD um sich etwas über die Sterne anzuhören.

        • Wo hat der Herr „Sterngucker“ inhaltlich Recht? Damit, dass der Herr Tschira gefälligst seine Kohle an eine Volkssternwarte zu überweisen hat, weil das „ESO Supernova“ zu protzig ist? Da werden ja wohl Äpfel mit Birnen verglichen. Es handelt sich ja nicht nur um ein Planetarium, sondern um ein Besucherzentrum für eine internationale astronomische Forschungsgesellschaft. Das, was die dort den Besuchern nahe bringen können, ist die vorderste Front der astronomischen Forschung. Bei allem Respekt für Volkssternwarten – die spielen dann doch in einer ganz anderen Liga.

          Es stört mich halt, wenn immer gleich das Haar in der Suppe gesucht und herumgemäkelt wird. Da kriegt man umsonst etwas richtig Feines hingestellt – auch das Haus der Astronomie auf dem Königsstuhl ist richtig gelungen – aber nein, es muss trotzdem erst einmal gemeckert werden. Dass an anderer Stelle Geld fehlt, mag sein. Wo fehlt das Geld nicht? Aber was hat das mit dieser Sache zu tun? Unsere Gesellschaft gibt halt zu wenige Geld für Bildung und Forschung aus, und auch für Infrastruktur. Das ist so, das kann auch kein Einzelner ändern, nicht mal ein Milliardär.

          Jede Organisation muss sich um ihre Finanzierung kümmern. Hat denn die betreffende Volkssternwarte, von der du sprichst, sich aktiv um Förderung durch Stiftungen oder Mäzene bemüht? Ein Beispiel, wo so etwas gut geklappt hat, ist die Astronomie-Stiftung Trebur. Sicher klappt das oft auch mal nicht. Aber dann ist Neid gegenüber denen, die Kohle kriegen, doch eine wirklich nicht gerade hilfreiche Reaktion.

          Nun ausgerechnet an dem herumzukritteln, der doch nun eben eine Menge Kohle in die Volksbildung steckt – die KTS macht beileibe nicht nur solche großen Dinger, sondern auch jede Menge kleiner Initiativen, die nicht so PR-trächtig, aber doch wichtig sind – das geht nach meinem Dafürhalten an den falschen Adressaten.

          • Wie gesagt, warum so agressiv? Ich finde, Sternguckers Frust ist verständlich, und man sollte da auch vernünftig drüber reden können. Auf Rumgezanke habe ich aber keine Lust (und keine Zeit).

          • Frust darüber, dass so manche Volkssternwarte oder andere alte Sternwarte nicht ausreichend Geld hat, um ihre wichtige Arbeit der Volksbildung wahrzunehmen, kann ich auch nachvollziehen. Wobei man da immer noch von Fall zu Fall untersuchen muss, woran es krankt, wie im Fall der Sternwarte Hoher List, der in den Kosmologs unlängst diskutiert wurde.

            Nur sehe ich da halt objektiv keinen Zusammenhang zur Tatsache, dass die KTS neben ihren vielfältigen anderen Aktivitäten nun für das ESO etwas ganz anderes finanziert, nämlich ein Besucherzentrum und ein Planetarium, die beide der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen werden. Ich stelle prinzipiell die Aufrechnung des einen gegen das Andere in Frage. Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich.

            Ist es denn nicht so, dass dies im Interesse aller Astronomiefreunde sein sollte und im Interesse aller, die der Meinung sind, dass die astronomische Forschung der Öffentlichkeit bekannt gemacht werden muss?

            Offenbar bin ich der einzige, der sich darüber freuen kann. Die vorherrschende Reaktion scheint negativ zu sein.

          • Nö, ich freu mich auch darüber. Wäre sogar fast selbst zu Pressekonferenz gefahren und werde mit das fertige Haus garantiert ansehen. Ich finde es absolut klasse, dass es sowas gibt.

            Nur sollte man nicht vergessen, dass ein großer Teil astronomischer Öffentlichkeitsarbeit von nichtbezahlten Astronomen (Amateurastronomen) an Volkssternwarten und in Vereinen übernommen wird. Und die haben nur wenig (zu wenig) Geld zur Verfügung. Da könnte man auch mal ansetzen. Das, glaube ich, meinte Sterngucker, und so wie ich seine Wortwahl übertrieben finde, finde ich deine Reaktions darauf auch.

          • Prima, Jan, ich freue mich, dass ich nicht der Einzige bin. Auf so eine klare Ansage habe ich gehofft. Sonst scheint das ja keiner so zu sehen.

            Wie gesagt, die wichtige Arbeit der Volkssternwarten ist ein anderes Thema und deren oft prekäre Finanzierung ist sicher ein Problem, das aber viele Gründe hat. Manchen kleinen Sternwarten gelingt es offenbar, investitionsfreudige Finanziers zu finden, anderen nicht.

            Nur: Was hat die Tatsache, dass das ESO und die Öffentlichkeit von der Klaus-Tschira-Stiftung diese schöne Einrichtung kriegen, denn damit zu tun? Ebensowenig wie die Einrichtung von Vergnügungsparks mit den Problemen der Sternwarte Hoher List zu tun hat.

            Mag sein, dass du meine Wortwahl übetrieben findest. Ich finde es dagegen unverständlich, dass eine Verbindung zweier Dinge unterstellt wird, die nicht existiert.

  4. Also grundsätzlich finde ich so eine Einrichtung auch nicht falsch. Und die ESO ist wahrscheinlich auch ein strategisch sinnvoller Platz dafür. – Ich denke, da lassen sich dann u.a. auch Ergebnisse, die aus den Daten der grossen Teleskope gewonnen wurden, in angemessener Atmosphäre präsentieren.

    • Richtig. Die sind weltweit in der Spitzenklasse mit ihren Teleskopen. Die haben die Experten. Das ist der Ort, wo’s passiert. Mit allem Respekt gegenüber Volkssternwarten, und das sage ich als langjähriges Mitglied eines Amateurastronomievereins: Das ist überhaupt kein Vergleich.

      Natürlich muss man den Leuten, die’s am Ende bezahlen, also uns allen, ein geeignetes Zentrum bieten, wo wir mal in diese Spitzenforschung eintauchen können. Das geht nur da.

      Wieso diskutieren wir das eigentlich noch?

      Und jetzt wird so ein Ding gebaut, sogar ein großes und schönes. Es wird der Allgemeinheit sogar geschenkt. Da könnte man ja erwarten, dass die Beschenkten sich da auch mal ein bisschen freuen. Aber nein. Einer mault, weil’s protzig ist. Und weil der Kerl so reich ist. Und überhaupt. Ein anderer ringt sich zwar, auf Nachfrage, zu einer postiven Aussage durch, auf jedoch gleich das „Aber …“ folgt. Ein weiterer findet so eine Einrichtung „grundsätzlich nicht ganz falsch“. Immerhin. Zumindest keine klare Ablehnung. Freude klingt aber anders.

      Mensch Leute. Muss das denn immer so sein?

  5. Ich freue mich. Ein schönes Ausflugsziel für meine Familie.Mit der stillen Hoffnung das der Funke bei meinen Kindern zündet.

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