Kulturwochenende: Bakterien und Pilze im Haushalt

Letztes Wochenende hat Ute ihr neues Mikroskop mitgebracht. Das ist zwar eigentlich für ihren Nachwuchs, aber wir haben uns nicht nehmen lassen, es vorher auszuprobieren. Das Problem ist natürlich, dass die mitgelieferten Präparate wenig spannend sind, wenn man schon mal selbst so ein Mikroskop hatte und weiß, wie, sagen wir, ein Zwiebelhäutchen in groß aussieht. Und mit gängigen Freiland-Fundsachen ist man höchstens ein paar Minuten beschäftigt.

Deswegen habe ich letzte Woche den Biologen und Blogger Alexander Knoll in Karlsruhe besucht, der hat nämlich Zugang zu frischen Agarplatten, auf denen man Mikroorganismen züchten kann. Von denen hat er mir netterweise ein paar zur Verfügung gestellt. Aber dazu später mehr.

Das Mikroskop ist ein Bresser MicroSet 40x-1024x, das ich nach diesem Test fast uneingeschränkt empfehlen kann. Es hat drei Objektive in einer drehbaren Halterung, zwei austauschbare Okulare und – das hatte ich als Kind natürlich nicht – eine Kamera mit USB-Anschluss. So eine Kamera ist schon eine tolle Sache, allerdings ist das Vorschaubild auf dem Rechner nur wenig größer als der Intellekt des durchschnittlichen Youtube-Kommentators – ob das Bild wirklich scharf gestellt ist, kann man gerade bei kleinen Objekten nicht gut erkennen, was man den Fotos auch ansieht. Dafür sammelt das gute Stück überraschend viel Licht und wir haben Sachen fotografiert, die zum reinen Angucken schon viel zu dunkel sind, zum Beispiel ein Minzblatt in tausendfacher Vergrößerung.

Im Mikroskop-Set sind ein paar Präparate zum Angucken dabei, unter anderem ein paar Pflanzenteile und Hefe, allerdings abgesehen vom Fliegenbein sämtlichst eher unspektakulär. Leider gibt es keine Anleitung und keine Materialien, um selbst eigene Präparate herzustellen, nur eine Art Schneidegerät für Dünnschnitte. Glücklicherweise hatten wir ja die inzwischen dicht mit verschiedenen Organismen bewachsenen Agarplatten.


Bewachsene Agarplatten mit Proben aus unserer WG. Von Links: Wasserhahn/Spüle, Dusche, Kühlschrank, Schwamm. Fotos: Lars Fischer. CC-BY-SA

Wenig überraschend taucht der Gießkannenschimmel Aspergillus fumigatus (hier ein Stück einer Kolonie mit den charakteristischen "Köpfchen") auf, bei dessen Identifizierung ich mir ziemlich sicher bin. Dieser Pilz ist weltweit verbreitet und ein einigermaßen harmloser Mitbewohner in vielen Haushalten. Gefunden habe ich ihn an der feuchten Rückwand des Kühlschranks und in großen Mengen im Küchenschwamm von letzter Woche[1].


Stück eines A. fumigatus aus der Kühlschrank-Probe, 160fach vergrößert. Foto: Ute Gerhardt, Lars Fischer. CC-BY-SA

 

A. fumigatus ist nicht der einzige Pilz im Haus, zusätzlich finden sich vor allem im Kühlschrank schnell wachsende, scharf abgegrenzte Kolonien weißer oder hellgelber Farbe, die sich bei näherer Betrachtung als Pilze erweisen, aber für mich nicht zu identifizieren sind. Im Myzel sieht man seltsame Knollen, vielleicht hat jemand eine Idee, was das ist.

  Außerdem enthält der Kühlschrank zwei Sorten von Bakterien, und bei der ersten bin ich auch sicher, sie zu kennen: Escherichia coli. Die Stäbchen sind bei tausendfacher Vergrößerung gut zu erkennen.


Bakterienrasen, Kühlschrank, 1024fach vergrößert. Möglicherweise Escherichia coli. Foto: Ute Gerhardt, Lars Fischer. CC-BY-SA

Während Kühlschrank und Schwamm ganze Mikroben-Ökosysteme beherbergten, wuchs aus der Probe aus der Spüle nur ein homogener Biofilm aus Bakterien. Sie sind, soweit ich das erkennen kann, oval oder kugelförmig mit einem geschätzten Durchmesser von einem, maximal zwei Mikrometern. Diese Spülen-Mikroben habe ich in großen Mengen auch im Schwamm gefunden, dort zusammen mit verschiedenen Schimmelpilzen.

Dass in der Badezimmer-Probe kein Schimmel auftaucht ist natürlich erfreulich, zumal ich nach meinem Einzug dort, hmja, reichlich davon gefunden habe. Stattdessen wächst dort ein charakteristischer orangefarbener Biofilm. Die Bakterien, die ihn bilden sind deutlich kleiner als die bisher genannten und werden vom Mikroskop nicht mehr ordentlich aufgelöst. Möglicherweise sind es ebenfalls Stäbchen. Die Farbe des Films ist allerdings schon recht eigentümlich, vielleicht haben ja meine mikrobiologisch bewanderten Leser eine Idee, was das für Viecher sind.


Unbekannte Bakterien aus der Dusche, 1024fache Vergrößerung. Foto: Ute Gerhardt, Lars Fischer. CC-BY-SA

Zum Abschluss ein kleines Rätsel für euch: Zu welchem Wesen gehören diese Dornen?


Organismus mit Hörnern, 1024fach vergrößert. Foto: Ute Gerhardt, Lars Fischer. CC-BY-SA

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[1] Den tauschen wir alle paar Tage aus, das scheint auch nötig zu sein.

Bilder ohne Angabe: Lars Fischer. CC-BY-SA

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Ich bin gelernter Chemielaborant und habe ab 1999 in diesem Beruf gearbeitet. Anschliessend habe ich an der Uni Hamburg Chemie studiert. Seit dem Abschluss Ende 2006 veröffentliche ich Beiträge in meinem Fischblog und verkaufe Artikel an andere Publikationen. Seit 2008 wohne ich im Raum Heidelberg und bin bei Spektrum der Wissenschaft für das Blogportal Scilogs verantwortlich. Daneben arbeite ich als freier Journalist und Redakteur unter anderem für die digitalen Angebote von Spektrum, veröffentliche auf verschiedenen Social-Media-Plattformen und experimentiere mit Mobile Reporting. Zu meiner Webseite

13 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. *grübel*

    Ein Fliegenbein ist es definitiv nicht (wie ein Abgleich mit der Google-Bildersuche schnell ergab). Und ich will doch SEHR hoffen, daß ihr nicht etwa eine Katzenzunge präpariert habt???
    Ich tippe aber auch eher auf etwas Pflanzliches, schon wegen der Farbe. Aber das kann natürlich täuschen.

  2. To Gram or not to Gram

    Hey Lars, dein Biologe dürfte doch dir doch sicherlich auch CV(evtl.+/Beize/Entfärber/Safranin) besorgen können. Dann könntest du mal ne E. Coli Reinkultur anlegen und dir einen Staph aus der Nase nehmen… CV etwas länger einwirken lassen als es soll: Wunderschöne, tiefblaue Kokken – man kann sich kaum daran sattsehen (die roten Coli sind auch schick =)

  3. Zur Ehrenrettung sei gesagt:

    Das Mikroskopset beinhaltet durchaus eine Anleitung sowie ein Mittel für Dauerpräparate. Wir haben nur beides in unserem Eifer schlicht nicht benutzt. *g* Und es liegt noch eine Software bei, die wir ja gar nicht erst ausprobiert haben, da bereits im Besitz von Photoshop. Es ist durchaus möglich, daß diese Software evtl. größere Vorschaubilder liefert.

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