HUSEC 41 – ein schlechtes Zeichen für die Zukunft

Ein ziemlich gruseliger Aspekt der ganzen Geschichte um O104:H4 alias HUSEC 41 alias EHEC hat bisher noch vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit erregt, nämlich sein bemerkenswertes Resistenzprofil. Glücklicherweise ist das für die Therapie der von diesem Keim ausgelösten Krankheiten eh nicht von Belang, denn Antibiotika verschlimmern die Symptome möglicherweise noch.

Aber HUS ist ja nicht die einzige von E. coli ausgelöste Krankheit, im Gegenteil. Ein beträchtlicher Anteil aller bakterieller Infektionen geht auf verschiedene Varianten dieses Bakteriums zurück. Aus dem letzten Annual report of the European Antimicrobial Resistance Surveillance Network (EARS-Net) von 2009:

It is the most frequent cause of bacteremia, community and hospital-acquired urinary tract infections, is associated with spontaneous and surgical peritonitis and with skin and soft tissue infections due to multiple microorganisms, causes neonatal meningitis and is one of the most important foodborne pathogens worldwide.

All das sind so "kleine" Infektionen, die heutzutage kaum noch jemanden hinter dem Ofen hervorlocken, denn wir haben ja Antibiotika, mit denen wir derlei Kleinkram ohne größere Probleme loswerden. Aber wie lange noch?

Der E. coli aus den aktuellen Schlagzeilen ist gleich in zweifacher Hinsicht ein ganz schlechtes Omen für die Zukunft. Zuerst einmal ist HUSEC 41 resistent gegen – luftholen – Ampicillin, Amoxicillin/Clavulansäure, Piperacillin/Sulbactam, Piperacillin/Tazobactam, Cefuroxim, Cefuroxim-Axetil, Cefoxitin, Cefotaxim, Cetfazidim, Cefpodoxim, Tetracyclin, Trimethoprim/Sulfamethoxazol, Nalidixinsäure und Streptomycin.

Das ist schon eine ganz beeindruckende Liste, sie umfasst acht Antibiotikaklassen. Außerdem bildet das Bakterium gleich zwei Extended-Spectrum Beta-Lactamasen (ESBL), die gegen alle Penicillinderivate und viele Cephalosporine resistent macht. Und der zweite Punkt ist: Auch wenn wir noch nicht wissen wo HUSEC 41 letztendlich herkommt, eins ist anscheinend klar – Er kommt nicht aus einem Krankenhaus (sonst würde man ihn kennen), und das heißt, seine beeindruckende Sammlung an Resistenzgenen kursiert in freier Wildbahn. Wo das herkommt gibt es noch mehr multiresistente Bakterien.

Multiresistente Erreger – neben S. Aureus auch so Viecher wie Klebsiella, in denen wir ESBL erstmals kennengelernt haben – reagieren kaum noch auf klassische Antibiotika und sind entsprechend langwierig und schwer zu behandeln. Natürlich sind solche Viecher jetzt nichts so wahnsinnig Neues. Mit MRSA und Kollegen ärgern wir uns schon eine ganze Weile rum. Das allerdings waren bisher weit überwiegend Keime, die innerhalb von Krankenhäusern grassierten, wo Bakterien natürlich mit vielen Antibiotika in Kontakt kommen und entsprechende Resistenzen erwerben. Das ist lästig, teuer und oft auch tödlich, aber man kann diese nosokomialen Infektionen durch konsequente Hygiene deutlich zurückdrängen.

Aber das sind eben Krankenhauskeime, und die machen nur einen winzigen Teil aller bakteriellen Infektionen aus, selbst auf Intensivstationen ist ihr Anteil gering. Wissenschaftler und Ärzte warnen allerdings schon lange, dass immer mehr dieser Resistenzen in freier Wildbahn auftauchen. Seit ein paar Jahren kennen wir Fälle von community-associated MRSA, die sich Leute nicht im Krankenhaus, sondern einfach irgendwo eingefangen haben, und die von ESBL ausgelösten Resistenzen tauchen inzwischen auch überwiegend in E. coli-Infektionen außerhalb des Krankenhauses auf. Und gerade E. coli ist wie gesagt nicht irgendein Keim.


Anteil Fluorchinolon-resistenter humanpathogener E. coli in den EU-Ländern. Quelle: Annual report of the European Antimicrobial Resistance Surveillance Network (EARS-Net) von 2009

Tatsächlich beobachten Forscher schon seit Jahren gerade bei E. coli einen beunruhigenden Trend zu mehr Resistenzen. Im letzten Annual report of the European Antimicrobial Resistance Surveillance Network (EARS-Net), Link siehe oben, hat das ECDC extra ein Kapitel eingefügt, in dem diese Entwicklung im Detail beschrieben wird. In der Mehrzahl aller 28 beteiligten Länder waren mehr als die Hälfte der pathogenen E. coli-Isolate gegen Aminopenicilline resistent, in 16 von 28 steigt die Anzahl der gegen Cephalosporine der dritten Generation resistenten Stämme, in zehn Ländern die der multiresistenten Stämme. Etwa die Hälfte der Länder berichtet von mehr als 20 Prozent Fluorochinolon-Resistenz.

Und jetzt taucht praktisch aus dem Nichts dieser HUSEC 41 mit seinem Dutzend Resistenzen auf und wir wissen nichts darüber, wo er herkommt, wie er an dieses beeindruckende Arsenal gekommen ist und was da sonst noch so an Krankheitserregern lauert. Na herzlichen Glückwunsch!

Lars Fischer

Veröffentlicht von

www.fischblog.com

Ich bin gelernter Chemielaborant und habe ab 1999 in diesem Beruf gearbeitet. Anschliessend habe ich an der Uni Hamburg Chemie studiert. Seit dem Abschluss Ende 2006 veröffentliche ich Beiträge in meinem Fischblog und verkaufe Artikel an andere Publikationen. Seit 2008 wohne ich im Raum Heidelberg und bin bei Spektrum der Wissenschaft für das Blogportal Scilogs verantwortlich. Daneben arbeite ich als freier Journalist und Redakteur unter anderem für die digitalen Angebote von Spektrum, veröffentliche auf verschiedenen Social-Media-Plattformen und experimentiere mit Mobile Reporting. Zu meiner Webseite

60 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Herkunft der Antibiotikaresistenzen

    Wenn, wie angenommen, EHECs natürlicherweise den Darm von Wiederkäuern besiedeln, dann lässt sich durchaus erklären, woher die vielen Resistenzen kommen. Gerade in der Massentierhaltung wird mit Antibiotika nicht gerade gegeizt. Hier eine informative Zusammenfassung: http://albert-schweitzer-stiftung.de/…esistenzen

  2. das erinnert mich an diesen Insekten-Vortrag:
    http://www.ted.com/…cke_why_not_eat_insects.html
    , in dem es darum geht Insekten als Fleischquelle zu benutzen, statt Säugetiere.
    Das hätte viel Vorteile (moralische, technische etc), insbesondere aber, dass Insekten keine Krankheiten mit dem Menschen teilen. Wohlwissend, dass Insekten trotzdem wichtige Rollen bei Krankheiten spielen können, ist es doch trotzdem eine interessante Hypothese, zu behaupten, man hätte dann weniger Probleme wie bspw. swineflu oder ehec etc…
    hast du eine meinung dazu Lars?

  3. @Anton

    Als jemand der gerne Shrimps isst habe ich keine Probleme mit Arthropoden auf dem Speiseplan… 😉

    Die Idee ist ja nicht neu, und ich denke auch, dass es Vorteile hätte. Allerdings bin ich mir, auf der Basis meiner Erfahrung mit kuriosen Krankheiten, gar nicht mal so sicher, dass es automatisch weniger problematisch in der Hinsicht wäre. Wer weiß schon, was man sich da alles einfangen kann…

    Aber einen Versuch wäre es wert. Und gegrillte Heuschrecken sollen sehr gut schmecken, vor allem mit scharfer Soße.

  4. Problem: Rezeptpflicht

    So aus dem Nichts ist er nicht aufgetaucht, wir haben das bloß gedacht! Nach der Sequenzierung des Genoms war klar, dass wir es mit einem Serotypen zu tun haben, der bereits 2001 in Augenschein trat und dann wieder in 2006. In beiden Fällen war das Ausmaß der Infektion allerdings nicht so groß wie derzeit in Deutschland. Das Einzige, was sich im derzeitigen Erreger im Vergleich zu den 10 Jahre Alten geändert hat, ist, dass er jetzt eine weitere Antibiotikaresistenz trägt – der Serotyp ist aber gleich. Dass das die Pathogenität beeinflusst, ist klar, aber eh egal, da man ja bekannterweise nur bedingt bzw. fast garnichts mit Antibiotika gegen ihn ausrichten kann. Ich muss aber leider auch sagen, dass derzeitige molekularbiologische und genetische Informationen noch zu gering sind, um handfeste Aussagen machen zu können. Das liegt aber einfach daran, dass so etwas viel Zeit braucht, um untersucht zu werden.

    Wir werden zudem nie erfahren, wo HUSEC 41 herkommt, da es ja in der Natur der Bakterien liegt, dass sie permanent untereinander genetisches Material austauschen und so evolvieren. Das größte Problem an der ganzen aufkommenden Antibiotikaresistenz-Sache ist und bleibt schlichtweg, dass es weltweit in sehr vielen Ländern keine Rezeptpflicht für Antibiotika gibt und diese Medikamente so einfach „missbraucht“ werden. Dies führt dazu, dass falsche Antibiotika bei falschen Beschwerden und Symptomen zu sich genommen werden, teilweise auch noch überdosiert und so die Bakterien zu ihren Resistenzen kommen können. Das wundert mich absolut nicht.

  5. Antibiotika in der Landwirtschaft

    Hallo Panagiotis Papatheodorou,

    irgendwie habe ich ja schon auf einen derartigen Kommentar gewartet. Es irritiert mich ein wenig, dass dieser von 2010 ist und dort etwas aufgegriffen und kritisiert wird, was schon seit 2006 zumindest EU-weit verboten ist. In den USA (anderswo bin ich mir gerad nicht sicher) ist es aber noch erlaubt, Antibiotika als Leistungsförderer einzusetzen.

    Wenn Sie einen kleinen Überblick brauchen:
    http://www.wissenslogs.de/…chaft-eine-einordnung

  6. man könnte die Idee verbessern, indem man sagt, dass man nur tiere isst, die nur einen minimalen Lebensraum mit dem Menschen teilen, um so Effekte wie bei diesem Katzenparasit der Mäuse unvorsichtig macht, zum umschiffen.
    Also: Lieber Heuschrecken als Küchenschaben und Hausfliegen…

    Naja ich wollte mir schon seit längerem Insekten zum Verzehr kaufen. Rezepte gibt es ja zur genüge, aber ich hab mich nicht getraut Heuschrecken aus der Tierhandlung zu kaufen. Die sollen teilweise in schlimmen Zuständen sein und so. Auch wenn das wahrscheinlich eh keine Rolle spielt, trau ich mich trotzdem nicht.

  7. Antibiotika und Evolution

    Bei diesem Thema geht mir immer ein illusionsloser Absatz aus Roy Porters ‚Die Kunst des Heilens‘ durch den Kopf:

    „In dem Jahrhundert von Pasteur bis zum Penicilllin wurde ein uralter Traum der Menschheit Wirklichkeit. Endlich wußte man zuverlässig um die Ursachen wichtiger Krankheiten. Aus diesem Wissen heraus wurden vorbeugende Maßnahmen und Behandlungen entwickelt. In der allgemeinen Euphorie um die Mikrobenjäger und ihre Helden entstand leicht eine falsche Sicht der weiteren Lebensbedingungen im evolutionären Kampf.

    Rückblickend mag man sich jener Periode zwischen Pasteur um Fleming eines Tages nostalgisch als einer ungewöhnlichen, sogar glücklichen Unterbrechung der medizinischen Sisyphusarbeit erinnern.“

  8. Antibiotika als Leistungsförderer

    „…was schon seit 2006 zumindest EU-weit verboten ist.“

    Man wusste allerdings schon viele Jahre früher, dass der übermäßige Einsatz von Antibiotika in der Tierzucht resistente Bakterienstämme entstehen lässt. Bereits im Jahre 1997 gab die WHO eine diesbezügliche Warnung heraus (aerzteblatt.de).

    Neuerdings weiß man auch, dass sich Antibiotika-Spuren im Korn des Weizens finden lassen, wie Forscher von der Universität Paderborn herausfanden. Trotzdem wird in Tierzuchtbetrieben immer noch großzügig Antibiotika verabreicht. Erkrankt ein einzelnes Tier im Stall, so wird allen Tieren vorsorglich ein Antibiotika verabreicht, das ist wahrscheinlich sicherer und billiger als das kranke Tier unter Quarantäne zu stellen.

  9. @Sebastian R.

    Es ist in der Tat erstaunlich, was so alles aus dem Nichts kommt, wenn Wissenschaftler 15 Jahre lang davor gewarnt haben.

    Als nächstes: Der Klimawandel. Da hätt’s dann auch keiner ahnen können, dass es so schlimm wird.

  10. @Anton Maier

    Aus der Tierhandlung würd ich die auch nicht holen. Hat schon seinen Grund warum wir an menschliche Nahrung recht hohe Ansprüche bei der Behandlung stellen. Ich erinnere mich vage, dass es in Deutschland ein paar spezialisierte Restaurants gibt, die das Zeug importieren. Ist bestimmt auch leckerer, wenn ein Experte das zubereitet. 😉

  11. Wenn ich den Artikel aus dem April 2011 im Nature sehen, und dann diesen, kann man sich wirklich denken, wie das in Zukunft aussieht.

    Antibiotic resistance shows up in India’s drinking water
    Discovery of NDM-1 outside hospital environment raises alarm.
    http://www.nature.com/…7/full/news.2011.218.html

    Erschreckend ist ja auch, wie schnell mittlerweile diese Ressistenzen auftauchen, bei Antibiotika, die kaum auf den Markt sind, bzw gab es schon welche, die noch nicht mal auf dem markt waren. Die Bakterien sind mittlerweile so heftig unter Druck gesetzt, dass sie sich in Rekordzeit anpassen. Krass, und macht das ganze nicht grade einfacher..

    Ist aber bei Pflanzen, Insektiziden und Pathogenen auch nichts anderes
    http://www.pflanzenforschung.de/…t-manchmal-mehr
    oder eine Böse kombination
    Metagenom als Turbo der Evolution
    http://www.pflanzenforschung.de/…o-der-evolution

    Interessanter Ansatz
    Pflanzen halten sich bakterielle „Schutztruppe“
    http://www.scinexx.de/…ell-12022-2010-07-28.html

    Haben wir aber auch..
    Einer der Ironien: Ohne Antibiotikaeinsatz, gibt es chancen Hus zu bekämpfen, in dem die Natürliche Darmflora (viele E.coli Stämme drunter) diese Bakterien verdrängt.
    Man muss sehen, wann sich Antibiotika einsatz lohnt, und wann die natürliche Abwehr das besser regeln kann..In vielen Fällen, ist es durchaus besser, wenn die Bioabwehs der allein Unternimmt, und unterstützt wird. Antibiotika sollten das letzten mittel bleiben.. sonst kriegen unsere Kinder probleme..

  12. Sowas macht mich wütend!

    Wenn ich mir die Karte mit den Resistenzen anschaue, wundert mich nichts. In Spanien z.B. erwirbt man Antibiotika rezeptfrei (zumindest war das noch so vor wenigen Jahren – bin nicht ganz up to date). Dass in Belgien der Handel mit Antibiotika für die Tierzucht blüht (verboten oder nicht) ist auch nicht gerade neu. Aber auch hierzulande gibt es oft einen sehr fahrlässigen Umgang mit diesen Medikamenten: neulich erzählt mir ein Bekannter (Rettungssanitäter!!!), dass er krank war; aber er hatte noch ein paar Antibiotika-Tabletten zu Hause. Davon hatte er 3 genommen, danach ging es ihm wieder gut und die Sache war für ihn erledigt. Was lernen die in der Ausbildung??? Es ist wie immer: mit einem hohen Gut der Menschheit gehen zu viele Menschen viel zu sorglos um.

  13. Antibiotika im Weizen

    Ach Mona, die Story mit den Antibiotika-Spuren hast Du auch schon in meinem Blog erzählt und da habe ich Dich schon darauf hingewiesen, dass diese These alles andere als eindeutig ist, zumal in der landwirtschaftlichen Praxis viel geringere Dosen AB verwendet werden als im Versuch. Hier nochmal ein Link:

    http://www.springerlink.com/…t/588w26444155w406/

    Allerdings hast Du recht, dass Antibiotika schon länger als „Resistenz-Förderer“ bekannt sind und deshalb nach Mittel und Wegen gesucht wird, den Einsatz einzudämmen.

  14. @ ralf

    „…wenn man das so liest wäre es ja ein Vorteil wenn es sich um ein Terrorakt handeln sollte :-(„

    Die Evolution IST ein Terrorakt.

  15. Panikmache

    mal überlegen, warum ein Virus überleben kann….. und auch ein Bakterium…. und warum es Antibiotika heißt.

    Ein Virus, an dem keiner stirbt (und 21 Menschen bezogen auf 82 Millionen sind statistisch KEINER) ist ungefährlich.

    Also: Nachdenken und dann ruhig sein!

  16. Mensch Mona, einfach nur Links posten bringt es nicht. Man sollte die auch vorher zumindest mal überflogen haben. Dann hättest Du gemerkt, dass die Dissertation auf die gleichen Daten zurückgreift wie die von mir verlinkte Studie. Es ist eben nur etwas ausführlicher, mehr nicht.

  17. Erklärt denn der Missbrauch von Antibiotika in der Landwirtschaft, d.h. Viezucht so ein breites Spektrum an Resistenzen?
    Ich hätte (vielleicht ahnungsloserweise) angenommen, die hätten da weniger Präparate (die allerdings massenhaft) eingesetzt.
    Kann da jemand Auskunft geben?

  18. Multiresistenzen motivieren Forschung

    Es war und ist doch zu erwarten, dass immer mehr Keime Antibiotikaresistenzen aufweisen. Daraus gleich zu folgern, dass wir in Kürze wieder in PräAntibiotika-Zeiten zurückversetzt werden, ist allerdings zu pessimistisch. Anders gesehen: Antibiotikaforschung lohnt sich wieder und Politiker können sich mit Forderungen wie „Ich würde mir wünschen, dass auch in der Industrie weiter an Antibiotika geforscht wird.“ (Zitat Rössler) profilieren.

    Natürlich machen Antibiotika-Resistenzen alles komplizierter. Es genügt nicht mehr , den Krankheitserreger zu identifizieren, man muss sogar sein ganzes Resistenzprofil kennen.

    Vorübergehend werden Multiresistenzen die Behandlung von Infektionskrankheiten jedoch auf alle Fälle schwieriger machen, denn die Entwicklung von neuen Antibiotika dauert wohl mindestens 10 Jahre. Klug wäre es gewesen, Antibiotika mit neuen Wirkprinzipien schon zu entwickeln (aber nicht einzusetzen), als es noch keinen Bedarf dafür gab, weil die Krankheiten mit bestehenden Antibiotika behandelbar waren – quasi als Notreserve für später. Vorsorgedenken ist für die Pharma aber wahrscheinlich zu teuer.

  19. @Martin Holzherr

    So ist es. Ökonomisch gesehen haben die Pharmaunternehmen Recht, kein Geld in die Entwicklung völlig neuer Antibiotika zu stecken.

    Denn was passiert wenn sie eins finden? Dann wird der neue Wirkstoff das Ultra-Notfall-Reserveantibiotikum weltweit, das man nur aus dem Schrank holt wenn es keine Alternative gibt (damit sich keine Resistenzen entwickeln). Die Entwicklungskosten würden sie nie wieder rein kriegen.

  20. Hallo walim,

    Fütterungsantibiotika sind nicht die gleichen wie jene, die zur therapeutischen Behandlung in der Human- und Veterinärmedizin verwendet werden.

    Deshalb hat man sich auch für das Fütterungsverbot entschieden, um zumindest in dieser Beziehung eine weitere Resistenz-Bildung bzw. deren Möglichkeit zu vermeiden. Aber wie gesagt: außerhalb der EU sieht das noch anders aus. Leider.

  21. Brits on MRSA

    Falls es jemanden interessiert: der oben bereits erwähnte Artikel im Guardian ist wahrscheinlich dieser:
    http://www.guardian.co.uk/…le-humans?INTCMP=SRCH
    Ich nehme mal an, daß es sich hier wiederum um den gleichen Erreger handelt, der in der heutigen Frankfurter-Rundschau-Online angesprochen wird:

    „Der neue MRSA-Typ trägt die Bezeichnung LGA251. Mit herkömmlichen Tests, die auf dem Kontinent zurzeit als „Goldstandard“ in Kliniken zum Einsatz kommen, sei die Keimvariante nicht zu entlarven, schreiben die Forscher von der Universität Cambridge in einer Online-Vorabpublikation des Fachblatts „Lancet Infectious Diseases“

    Der vermeintliche Link in der FR zur Vorabpublikation funktioniert bei mir schonmal nicht, da öffnet sich nur ein Werbefenster – ist aber wohl derselbe Artikel wie
    http://www.thelancet.com/…ulltext#article_upsell

  22. @Lars @Sören etc.

    was halten die üblichen verdächtigen hier auf scilogs von diesem vortrag?
    http://www.youtube.com/watch?v=dBnniua6-oM
    recherchen auf en.- und de.wikipedia konnten meine zweifel nicht bekräftigen. als nicht- chemiker/biologe… weiß ich überhaupt nicht was ich davon halten soll. es klingt zumindest plausibel und vernünftig. wenn der vortrag wirklich so gut wissenschaftlich fundiert ist, wie er scheint, hat der redner einen ziemlich guten spagat zwischen politik und wissenschaft geschafft.

  23. Zucker-Vortrag

    Hi Anton,

    tut mir leid, aber der Vortrag ist etwas lang, um ihn mal eben zu schauen und eine fundierte Antwort zu geben. Kannst mich aber gerne später nochmal dran erinnern…

  24. @Anton Maier

    Habe mir den Vortrag eben bis zum Ende angeguckt und muss sagen, dass er exzellent ist! Der vortragende Mediziner sagt dort ein paar Sachen, die ich so schon einigermaßen aus dem Studium wusste, knüpft aber dann noch weitergehende Zusammenhänge und nennt noch andere Fakten, die das Gesamtbild echt erstaunlich abrunden und doch deutchlich darlegen, wieso Fruktose in unserem Essen eine schädigende Wirkung auf uns hat. Ich kauf ihm das ab und eine kleine Recherche in der Literatur, die ich eben noch gemacht habe, gibt ihm Recht. Ich erlaube mir es, die nächsten Tage zu dem Video einen Eintrag in meinen Blog zu machen, wo wir dann auch weiter dikutieren könnten. Muss echt sagen, dass der Vortrag mein Bewusstsein erweitert hat! Danke dafür!

  25. @Zuckervortrag

    naja also eine behauptung, wenn ich sie nicht missverstanden habe kann ich schonmal streichen: Cola enthalte viel Salz. Ich konnte das in meinen Recherchen nicht bestätigen. Das verwundert mich jetzt schon sehr. natürlich ist „viel“ nicht unbedingt falsifizierbar, aber ich guck nochmal genauer.

  26. Zuckervortrag

    Hm im Kern geht es wohl darum, das hohe Fructosekonzentrationen erhöhte Fett- und Harnstoffbildung verursachen und diesen Kern hat er ziemlich schlüssig dargestellt.

    Allerdings ist der Vortrag imho sehr zugespitzt auf das Problem in den USA das der Nahrungsmittelmarkt mit HFCS geschwemmt ist (günstiger als Saccharose, Maisanbau subventioniert, durch Umwandlung von Glucose in Fructose mehr süß bei gleicher Stoffmenge).

    Grundsätzlich sollte man sich in Erinnerung rufen, das auch Haushaltszucker (Saccharose) zu 50% aus Fructose besteht und der Abbau der Purinbasen(Adenin, Guanin) der DNA (futtern wir täglich wenn wir etwas essen, was mal gelebt hat) ebenfalls zu Harnstoffproduktion führen.

    Deshalb find ich seinen Schluss „Fructose is a Poison“ für die USA gerechtfertig, aber die Dosis macht das Gift und da sind wir in Europa weniger gefährdet (ein hoch auf die Zuckerrübe ^^).

    Klingt das zu abgedroschen, wenn ich jetzt sage man sollte sich einfach vielfältig ernähren und das Übermaß meiden, sowie etwas Sport treiben? ^^

    Bezüglich der Resistenzen kam mir gerade eine ganz andere Überlegung:
    Die meisten Antibiotika haben wir irgendwo aus der Natur geklaut, indem wir nun durch den weiträumigen Einsatz massiven Selektionsdruck Richtung Resistenzen ausüben, üben wir eigentlich genauso einen Selektionsdruck auf Jene aus, denen wir die Antibiotika abgeguckt haben (die haben die ja auch nicht zum Spaß an der Freude). Ergo müssten diese Arten auch neue Wege finden um sich zur Wehr zu setzen, wenn ihre Waffen stumpf geworden sind.
    Wer weiß, vllt. kommt dabei auch ein neues Antibiotikum rum oder wir rotten die Arten damit aus.

  27. Ein Glück!

    „Glücklicherweise ist das für die Therapie der von diesem Keim ausgelösten Krankheiten eh nicht von Belang, denn Antibiotika verschlimmern die Symptome möglicherweise noch. „

    Schlimm: der Keim ist resistent. Aber puh, nochmal Glück gehabt: würde man die Patienten mit Antibiotika ehandeln, würden sie eh sterben.

    Ich glaube das Wort „glücklicherweise“ ist hier deplatziert. Es ist in diesem Fall schlicht wurtscht, da Antibiotika eh nicht eingesetzt werden können, aber ein Glück ist es nicht, da die Patienten davon keinerlei Vorteil haben ^^

  28. Medikamente am Computer erstellen

    Sicherlich haben wir die ganzen Antibiotika, die es derzeit auf den Markt gibt von Pilzen und Bakterien „geklaut“, aber wir sind mittlerweile einen Schritt weiter, da man Wirkstoffe und Medikamente bzw. eine Medikamentencocktail, der die optimale Wirkung erzielt, heute am Computer entwickeln und designen kann und das sogar sehr effektiv. Natürlich ist es weiterhin wichtig, neue Wirkstoffe in der Natur zu entdecken, beispielsweise aus Meeresbewohnern, die wir heute noch nicht entdeckt haben, aber es hoffentlich in Zukunft tun, wir sind aber nicht mehr darauf angewiesen und das ist der entscheidende Punkt. Möglich macht dies u.a. die Systembiologie, die ja die Interaktion zwischen Stoffwechselwegen, DNA und Proteinen eines Organismus bzw. einer Zelle offenlegt und durch solche Netzwerke Wirkstoffsimulationen durchgeführt werden können. Wie das ganze ausschaut, kann man sich z.B. hier angucken. Natürlich gilt dieses Medikamentendesign nicht nur für potentiell neue Antibiotika, sondern für Medikamente allgemein.

  29. Antibiotikaresistenzen

    Das Problem ist doch, daß die Behandlung mit Antibiotika bewirkt, daß nicht resistenete Keime abgetötet werden und sich resistente Keime daher um so schneller vermehren können.
    Demnach wird es in Zukunft immer riskanter werden sich mit Antibiotika behandeln zu lassen.
    Erst müßte nachgewiesen werden, daß keine Resitenz vorliegt.
    Behandlungen haben (nicht nur in den USA) ja auch eine rechtliche Dimension. Will ein Arzt kein persönliches Haftungsrisiko eingehen, so wählt er nicht eine medizinisch angemessene Behandlung sondern eine, mit der er rechtlich aus dem Schneider ist. Vielleicht führt das ja dazu, dass mit Antibiotika in Zukunft verantwortungsvoller Umgegangen wird.

  30. Hallo RD,

    Du schreibst:
    Erst müßte nachgewiesen werden, daß keine Resitenz vorliegt.

    Das wird so nicht funktionieren. Resistenzen entwickeln sich durch Mutationen. Da mutiert also irgendwas im Genom eines Bakterium, wodurch dieses befähigt wird, den Angriffen des Antibiotikums zu trotzen – zum Beispiel.

    Resistenzen werden sich immer entwickeln, das ist der Lauf der Evolution.

  31. Medikamentenentwicklung / Resistenzen

    @Sebastian

    Ja das ist mir schon klar, dass heutzutage viel drug design in silico gemacht wird. Und über docking-Studien u.ä. kann man viel forschen, bevor man dann wirklich in vitro / in vivo Kandidaten testet. Trotzdem werden Naturstoffbibliotheken weiter gepflegt, schon allein weil man dadurch einen haufen Kandidaten hat die man vllt. nicht mehr de novo synthetisieren muss.

    Ich wollte da auch eher auf den Aspekt hinaus, den Sören angesprochen hat. Die Entwicklung von Antibiotika und die Resistenzbildung ist immernoch ein normaler evolutionärer Prozess, weshalb zu erwarten ist, das man nicht nur immer wieder neue Resistenzen, sondern auch entsprechend neue Wirkstoffe finden wird.

    Was die Systembiologie angeht, sind wir sowieso einer Meinung. Wenn es uns gelingt ganze Zellsysteme zu modellieren brauchen wir uns nurnoch das passende Target für die entsprechende Therapie suchen und das Pharmakophor modellieren.
    Aber ich glaube da haben wir noch ein paar Jahre, bis das endgültig marktreif ist.

  32. @RD: Ich stimme dir insofern zu, dass der verantwortungsvolle Umgang mit Antibiotika unbedingt weiter ausgebaut werden muss, da ich ja schon weiter oben erwähnt hatte, dass in vielen Ländern Antibiotika rezeptfrei erhältlich sind. Bei dem Rest deines Kommentars muss ich allerdings wiedersprechen.

    Wenn man bei einer Infektion erst einmal anfängt zu testen, ob eine Resistenz vorliegt oder nicht, braucht man dazu tagelange Untersuchungen, während sich zwischenzeitlich der Infekt bei der betroffenen Person weiter ausbreitet und das ist ja nicht der Sinn der Sache. Man möchte schließlich der Person so schnell wie möglich helfen, deswegen ist es erforderlich, dass Ärzte das korrekte Antibiotikum für die passenden Symptome und Krankheitsäußerungen gibt und dieses dann korrekt eingenommen wird. Würde man anders handeln, würde man der Infektion noch mehr Zeit geben sich auszubreiten und der Patient wäre noch länger krank. Das kann sich keiner leisten – nehme ich mal an.

    Würde man zudem verantwortungsvoll mit Antibiotika umgehen, würde sich die Resistenzfrage schon mal entspannen, da man dadurch den Selektionsdruck erniedriegen würde, aber das ist auch nur die Hälfte des Problems. Bakterien tauschen schließlich ganz natürlich untereinander und von ganz allein genetisches Material aus, wodurch sich diese Resistenzen verbreiten können. Antibiotika sind an der Resistenzfrage also nicht allein Schuld, sondern ebenso die Bakterien von ganz allein.

    @Sören: Resistenzen können sich zwar durch Mutationen entwickeln, aber eben nicht nur, da diese Resistenzen auch zwischen den Bakterien hin- und hergegeben werden können und so vorher nicht-resistente Bakterien auf einmal resistent gegen bestimmte Wirkstoffklassen werden. Aber das weisst du ja! Man fährt also zweigleisig und ja, that´s Evolution ^^

    @Jörg: Wollte das nur mal allgemein loswerden, da es doch viele Menschen gibt, die es nicht bedenken, dass wir mittlerweile selber in der Lage sind, Medikamente herzustellen und uns nicht immer alles abgucken brauchen. Das Abgucken ist aber selbstverständlich weiterhin wichtig! Mit dem evolutiven Prozess gebe ich Sören und dir natürlich Recht und kann dieses Horrorszenario „bald wird es keine Wirkstoffe mehr geben und alle Bakterien werden als resistente Monster die Menschheit vernichten“ absolut nicht nachvollziehen, schließlich forscht man ja weiter und so gibt es ja mittlerweile Alternativen zu Antibiotika.

  33. @Sebastian: Resistenzprüfung

    „Wenn man bei einer Infektion erst einmal anfängt zu testen, ob eine Resistenz vorliegt oder nicht, braucht man dazu tagelange Untersuchungen, während sich zwischenzeitlich der Infekt bei der betroffenen Person weiter ausbreitet und das ist ja nicht der Sinn der Sache. Man möchte schließlich der Person so schnell wie möglich helfen.“

    Beides schließt sich nicht aus. Wenn geboten, kann man ein Antibiogramm anfertigen:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Antibiogramm

    Bis das Ergebnis vorliegt, kann man bereits (breitband-)antibiotisch behandeln und dann, wenn das Ergebnis des Antibiogramms vorliegt, gegebenfalls auf das durch den Test ermittelte Antibiotikum wechseln.

  34. @Jürgen Bolt

    Ein Antibiogramm kann natürlich gemacht werden, aber mir ist bisher noch kein Allgemeinmediziner untergekommen, der so etwas in seiner Praxis veranlasst. Zudem ist ein Antibiogramm auch nicht von heute auf morgen erstellbar, schließlich muss erst eine Probe vom Patienten genommen und in ein entsprechendes Labor eingeschickt werden. Dort müsen die Bakterien dann erst einmal kultiviert und dann dem Test ausgesetzt werden, der dann wiederum in seinem Ergebnis interpretiert werden muss, was auch seine Zeit braucht. Es vergehen also auch hier einige Tage, wo sich die Infektion bereits ausbreiten kann. Bis die Ergebnisse vorliegen ein Breitbandantibiotika zu geben und dann auf ein anderes Antibiotikum zu wechseln, ist der größte Fehler, den man überhaupt machen kann, da genauso die Resistenzen entstehen! Fängt man eine Antibiotikatherapie an, muss man diese auf jeden Fall zu Ende führen! Zwischendurch wechseln, ist nicht!

  35. Antibiotikumwechsel

    @Sebastian: „Bis die Ergebnisse vorliegen ein Breitbandantibiotika zu geben und dann auf ein anderes Antibiotikum zu wechseln, ist der größte Fehler, den man überhaupt machen kann.“

    Das zu beurteilen, fehlt mir die Expertise.
    Diese Vorgehensweise wird aber z.B. hier:

    http://www.meb.uni-bonn.de/…ikaTherapie_SS09.ppt

    für Ausnahmefälle empfohlen (Seite 7). Auch in meinem neuesten Herold (Innere Medizin, 2005) finde ich diese Empfehlung.

  36. @Jürgen Bolt

    Unsere Diskussion führt uns schnurstracks in aktuelle Forschungsfragen, wo man u.a. untersucht ob „cycling und mixing“ bei der Antibiotikagabe sinnvoll ist. Das Problem nennt sich „antibiotic heterogeneity“ und man untersucht dabei, wann und wie Resistenzen entwickelt werden und wie man eine Antibiotikagabe optimieren kann. Der derzeitige Kenntnisstand ist, dass bei einer Infektion ein Antibiotikum gegeben wird und dieses über mehrere Tage genommen werden muss, um den Infektionserreger zuverlässig abzutöten. Hört man zu früh auf, hat man nur die „schwächeren“ Erreger abgetöt und die Erreger mit einer erhöhten Fitness haben überlebt. Diese sind dann beispielsweise die, die eine höhere Antibiotikatoleranz haben und sich durch ihr Überleben nun weiter ausbreiten können –> Resistenzen werden gefördert. Das Gleiche passiert, wenn man zuerst ein Antibiotikum nimmt, es dann aber absetzt und auf ein anderes umsteigt. Im Kontrast zu dieser Aussage stehen Wissenschaftler, die behaupten, dass dies nicht ganz der Wahrheit entspricht und eben meinen, dass man durchaus in einer Antibiotikatherapie das Medikament wechseln kann, ohne die Antibiotikaresistenz zu fördern. Wenn ich die Literatur richtig überblicke, kann man bisher keine konkrete Aussage machen, was nun richtig sei und so bleiben Mediziner bei der bisherigen Empfehlung, lieber ein Antibiotikum zu Ende zu nehmen. Eine aktuelle Publikation zu diesem Thema findet sich hier: Antibiotic heterogeneity: from concept to practice.

  37. @Sebastian: Danke!

    Danke für den Link. Der Artikel ist ja sogar frei zugänglich, so daß ich ihn mir nicht über den Umweg Arizona besorgen sondern heute nachmittag direkt anschauen kann.

  38. Antibiogramm

    Für ein Antibiogramm benötigt man kein Speziallabor.

    Die Erstellung eines Antibiogramms dauert höchstens 15 Stunden, in denen es ohne menschliches Zutun bei 37 °C bebrütet wird (am besten über Nacht).

    Davor streicht man nur die fragliche Probe auf einer Agarplatte aus, und setzt darauf Antibiotika-Testscheibchen ab (menschliche Arbeit von 10 Minuten).

    Nach dem Bebrüten sieht man sofort, welches Antibiotikum gewirkt hat (menschliche Arbeit von 5 Minuten).

    Diese einfache Tätigkeit sollte jeder Arzt beherrschen.

  39. @Karl Bednarik

    So kurz? Woher hast du diese Information? Ich habe gerade im Buch „Innere Medizin“ von Nicole Menche und Tilman Klare Folgendes gelesen:

    Eine Bakterienkultur mit anschließendem Antibiogramm erfordert Mindestens 2 Tage. Bei fraglichem Ergebnis (z.B. keine Reinkultur bei der ersten Bebrütung) dauert ein definitiver Befund bis zu sieben Tage. Langsam wachsende Bakterien wie etwa Myobakterien müssen 1-6 Wochen bebrütet werden. Insbesondere bei schweren Erkrankungen kann das Ergebnis von Kultur und Antibiogramm oft nicht abgewartet werden. Dann beginnt der Arzt die medikamentöse Behandlung aufgrund seines klinischen Verdachts (kalkulierte Therapie). Nach Vorliegen das Antibiogramms muss die Therapie evtl. umgestellt werden. (QUELLE zum Nachlesen)

    Ein Speziallabor braucht man nicht, aber so gut wie keine Allgemeinmedizinpraxis hat eben die nötige Ausstattung zur Erstellung eines Antibiogramms parat – soweit ich es weiß. Das sollte sich durchaus mal ändern!

  40. Hallo Sebastian R.,

    ich habe schon im Jahre 1970 im Sandoz Forschungsinstitut in Wien zahlreiche Antibiogramme gemacht.

    Besonders nützlich dafür ist ein Dispenser der gleichzeitig auf Knopfdruck acht verschiedene Antibiotika-Testscheibchen sauber im Achteck ablegt.

    http://www.mibius.de/…5.03238513&anid=ST8090

    Als Plattenmaterial wurde von uns am häufigsten Blut-Agar verwendet, aber EHEC bevorzugt vielleicht etwas anderes, das auch längst bekannt ist.

    Wenn jemand wässrigen Durchfall hat, dann benötigt man keine Anzüchtung der Bakterien, denn das hat schon der Darm des Patienten getan.

    Wenn man 1 ml mehr oder weniger mit steriler isotonischer Kochsalzlösung verdünnter Probe auf einer Agar-Platte hin und her schwenkt, dann benötigt man nicht einmal eine Drigalskispatel oder Öse zum Ausstreichen.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Drigalskispatel

    Das Ziel sind nicht einzelne Kolonien der Bakterien, sondern ein halbwegs gleichmässiger Bakterienrasen, denn gleichmässig wird er von selbst durch das Bakterienwachstum.

    Eine Reinkultur ist nicht notwendig, denn man sieht im Antibiogramm ohnehin nur die resistentesten Bakterienstämme in den Hemmhöfen wachsen, und diese sind natürlich die Schlimmsten.

    Die Herstellung von Blut-Agar-Platten erfordert ein wenig Geschicklichkeit bei der Temperaturkontrolle, deshalb ist es besser diese fertig zu kaufen, aber am Anfang haben wir sie noch selbst gegossen.

    http://www.mibius.de/…6e5.31290568&anid=109e -20&listtype=list

    Jeder Schüler kann in der Küche seiner Eltern ein Antibiogramm erstellen, und natürlich kann auch jeder Terrorist multiresistente Bakterien züchten.

    Ein Schnellkochtopf zum Sterilisieren und eine Gasflamme zum Abflammen ist überall vorhanden.

  41. Nachtrag

    Die Adresse zu den Blut-Agar-Platten funktioniert leider nicht.

    Ich habe sie deshalb zerteilt.

    http://www.mibius.de/…p?sid=x&shp=oxbaseshop

    &cl=details&anid=f9e460970f0abc0b5.12044486

    &cnid=v_f1444f444bcc82229.28615590

    Das soll aber keine Schleichwerbung für Mibius sein.


  42. So kurz? Woher hast du diese Information?

    Ich vermute die Angabe von zwei Tagen ist ein Durchschnittswert für alle möglichen Bazillen. Die Kolis wachsen auf solchen Platten wirklich rasant, da würd ich auch sagen dass das schneller geht.

  43. Shigatoxine

    Kann einer hier das einortnen:
    tinyurl.com/6yx7dpa

    @Karl Bednarik

    Benutzen sie doch tinyurl.com dafür ist es ja da.

  44. @Karl Bednarik

    @Karl Bednarik: Danke für die Aufklärung! Trotzdem habe ich noch ein paar Fragen und Anmerkungen. Ich habe jetzt schon öfter gelesen, dass eine Reinkultur für ein Antibiogramm nötig ist (Quelle auf Seite 12), da Mischkulturen die Diagnostik anscheinend verzögern/erschweren (Quelle 1, Quelle 2 Seite 15). Klingt auch logisch, da wenn ich eine Speichel- oder Urinprobe auf einer Agarplatte ausstreiche, schliesslich nicht nur das von mir gewünschte Bakterium, welches möglicherweise Beschwerden hervorruft alleine wächst, sondern alle anderen auch. Die Aussage

    Eine Reinkultur ist nicht notwendig, denn man sieht im Antibiogramm ohnehin nur die resistentesten Bakterienstämme in den Hemmhöfen wachsen, und diese sind natürlich die Schlimmsten.

    kann ich daher nicht nachvollziehen, da alles wächst, was gegen das antibiotikahaltige aufgebrachte Papierplättchen resistent ist und das können in einer Mischkultur ja mehrere Bakterien sein, die dann wiederum die Diagnostik erschweren (s.o.). Mit einer Reinkultur würde man also sicherere Ergebnisse bekommen. Sehe ich das richtig so?

    Ansonsten möchte ich noch loswerden, dass eine Interpretation eines Antibiogramms auch nicht so leicht fällt. Vielleicht siehst du das durch deine Erfahrung etwas anders, aber ich beziehe mich auf das, was ich gelesen habe. Aus diesem Grund erscheint ein Lesen des Antibiogramms tricky, da einige spezielle Hinweise, die man hier und hier nachlesen kann, beachtet werden müssen. Antibiogramme sind daher in Allgemeinmedizinerpraxen nicht so leicht zu erstellen, wie angenommen, da schon Fachpersonal vorhanden sein muss.

    Zudem gibt es vom Clinical and Laboratory Standards Institute, welches die Richtlinien zur Durchführung und Überprüfung der Antibiogramme vorgibt validierte Standards, die eingehalten werden müssen, die m.E. von Allgemeinmedizinpraxen ebenfalls nicht eingehalten werden können (Quelle 1, Quelle 2, Quelle 3), insofern kein Fachpersonal vorhanden ist.

  45. „tricky“

    @Sebastian: „Antibiogramme sind daher in Allgemeinmedizinerpraxen nicht so leicht zu erstellen, wie angenommen, da schon Fachpersonal vorhanden sein muss.“

    Du (und Deine Quellen) hast recht: Antibiogramme sind oft überflüssig: bei bekannter Erreger- und Resistenzlage. Und sie sind gelegentlich nutzlos: die Wirksamkeit des Antibiotikums kann in vivo anders sein als in vitro.

    Wer Antibiotika verordnen darf, sollte das wissen können und weiß es auch. Wozu braucht es sonst eine Verschreibungspflicht, die an eine langjährige Ausbildung und zahlreiche Prüfungen gekoppelt ist. Dieses Wissen paßt ja in der von Dir verlinkten Quelle

    http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/9049.pdf

    auf zweieinhalb Seiten.

    Ich fürchte, daß Antibiogramme so selten angefertigt werden, liegt nicht nur an den genannten Einschränkungen sondern zum Teil auch an der Bequemlichkeit mancher Ärzte.

  46. @Jürgen Bolt

    Ich würde das nicht unbedingt auf die Bequemlichkeit der Ärzte schieben, da es für sie selber ja kein großer Aufwand wäre, ein Antibiogramm zu erstellen/in Auftrag zu geben. Das würden sowieso ihre Praxisangestellten übernehmen, die ja mittlerweile auch Blut abnehmen oder Urinproben entgegennehmen und diese Proben dann entsprechend weiterbehandeln oder -verschicken. Der Arzt ist dann schon längst im nächten Patientenzimmer verschwunden und würde, wenn ich nicht falsch liege, an einem Antibiogramm auch besser verdienen, weil er den Patienten ja zweimal sehen/beraten müsste. Es ist aber leider keine verordnete Praxis, ich frage mich wieso. Wenn man wirklich gegen Resistenzen vorgehen möchte, könnte man so anfangen. Weiß da jemand Genaueres? Würde dies evtl. die Kosten von Krankenkassen sprengen, da doch recht viele Antibiotika verschrieben werden und man sich Antibiogramme einfach nicht leisten kann?

    Ich kann aber auch verstehen, dass man den Patienten möglichst schnell ein Antibiotikarezept geben möchte, schließlich ist er ja zum Arzt gekommen, um möglichst schnell behandelt zu werden. Würde ein Arzt ihm erst einmal erklären „ah ja, sie sind krank, machen wir erstmal ein Antibiogramm und gucken dann weiter“ dann könnten viele Patienten damit nichts anfangen und wären wohl etwas sauer, dass sie auf ihre Medizin verzichten und sich weiterhin schlecht fühlen müssten, denn mit dem Wort Resistenzentwicklung können viele medizinisch Nicht-Bewanderte nichts anfangen.

  47. Man nennt es auch Evolution…

    „The fittest survive“, diesen Satz aus dem Biologieunterricht noch im Ohr.
    Die tiefere Bedeutung dieses Satzes wird bewusst, wenn wir die Bakterienstämme genauer unter die Lupe nehmen: einige haben sich besser an die gängigen Antibiotika-Therapien angepasst als andere und können sich rasant ausbreiten und das innerhalb kürzester Zeit.
    Nun wenden wir uns dem Menschen zu: die Evolution ist an uns mehrere Jahrzehnte vorbeigegangen, denn durch unsere supermodernen Therapieformen bestand für unseren Organismus keine Notwendigkeiten, sich auf etwas neues, tödliches einzustellen. Im Gegenteil wurde eine Art Evolution von außen durchgeführt, in dem wir alle möglichen Risikofaktoren durch Pillen ausgleichen konnten. Aber die Natur lässt sich offensichtlich nicht austricksen, wie uns die jüngste Entwicklung zeigt. Wie bei einer Art Selektion haben die Keime einige Menschen umgebracht, andere mit schweren Schädigungen überleben lassen (die, wenn man es realistisch betrachtet ohne Dialyse oder OP bereits auch tot wären) wieder andere haben schwerste Durchfälle überstanden und die Vermutung liegt nahe, dass einige auch völlig symptomlos verlaufende Infektionen durchgemacht haben. Das legt den Schluss nahe, dass einige Menschen besser angepasst sind oder waren, als andere.
    Und im Grunde ist das doch eines der Grundprinzipien, in der Natur: die Kranken und Alten (Tiere) sterben, die Jungen wachsen nach.
    Es ist eine beängstigende Vorstellung, dass dieses Prinzip (neuerdings) auch wieder auf den Menschen anwendbar sein könnte, denn eine sinkenden Zahl von Geburten in vielen Ländern steht eine wachsende Zahl tödlicher (Zivilisations-) Krankheiten gegenüber.
    Führt man das Thema nun konsquent weiter, so kommt man zwangsläufig zu dem Schluss, dass die Bakterien und Viren bzw. unser Lebenswandel unsere natürlichen Feinde sind, welche dazu da sind unseren „Bestand“ zu regulieren. Und das ist, wenn man die Bevölkerungsdichte betrachtet, auch mehr als notwendig, um das Gleichgewicht der Erde wieder herzustellen.
    Eine sehr unbequeme Sichtweise, zumal auch ich „nur“ ein Mensch bin und auch sterben kann und werde, aber das ist einfach eine Tatsache. Aber der „Hype“ um eine langes gesundes Leben ist einfach eine Anmaßung des Menschen wider jeder Natürlichkeit und ich fürchte, dass das bald für uns alle ein Ende mit Schrecken haben wird. Nicht im Sinne einer prophetischen Apokalypse. Sondern viel mehr in dem Sinne, dass wir uns mit der erschreckenden Tatsache abfinden müssen, dass Gevatter Tod nicht nur einen Gesellen hat, sondern viele kleine fiese Monster, die uns an den Kragen wollen!
    In diesem Sinne: „Carpe Diem“, denn wer weiß ob es noch ein Morgen gibt!

  48. Hallo Mama Tina,

    ich glaube, dass die technologische Evolution der Menschheit auch die Bakterien und Viren endgültig besiegen wird.

    Gegen Schutzräume, Schutzanzüge, Filtermasken, UV-Strahlung, und aggressive Desinfektionsmittel haben auch Bakterien und Viren keine Chance.

    Im Extremfall verwendet man die Technologien, die man auch bei der Besiedelung eines anderen Planeten mit giftiger Atmosphäre verwenden würde.

    In der weiteren Zukunft kommt zu den Verteidigungsmethoden noch die Nanotechnologie dazu.

    Die Vorstellung, dass ein praktisch nackter Mensch in einer völlig naturbelassenen Umwelt überleben soll, die ist schlicht absurd.

  49. Fortsetzung, die (un)sichtbaren Mauern:

    Nahrung und Getränke werden durch Erhitzen sterilisiert, und das schon seit Jahrtausenden.

    Ausserdem wären sonst zum Beispiel rohe Bohnen giftig, weil sie den Eiweissstoff Phasin enthalten.

    Hitzeempfindliche Flüssigkeiten werden vitaminschonend durch ein Sterilfilter mit 0,2 Mikrometer Porenweite gepumpt, das die etwa 1 Mikrometer grossen Bakterien nicht durch lässt.

    Die Viren würden da schon durchgehen, aber so alleine sterben sie bald ab.

    Die Kondome sind eine ganz spezielle Form des Schutzanzuges.

    Ein Fliegengitter schützt nicht nur vor Stechmücken, sondern auch vor Malaria, und natürlich gibt es auch noch das tesa Protect Pollenschutzgitter.

    Nach der Seifenlösung ist der neueste Schrei bei der Handdesinfektion kaltes Argon-Plasma, da sollen die Bakterien erst einmal dagegen resistent werden.

    Was die natürliche Umwelt des Menschen anbelangt:

    Wenn du zum Wolfe gehst, dann nimm die Schrotflinte mit.

  50. Mit dem Gewehr zum Wolf…

    würde ich unter „Prävention“ und nicht unter „Evolution“ einordnen! Das ist auch ein vernünftiger Ansatz. Niemand sollte mit geschlossenen Augen ungeschützt ins Verderben rennen.
    Aber, wenn ich irgendwann vor lauter „Prävention“ nicht mal mehr einen Apfel essen kann, sonder „gefilterte“ Früchte essen muss, nimmer aus dem Fenster schauen kann, weil alles vergittert ist und nur noch in Tunneln krabbel, weil es überirdisch zu heiß ist, und keinen Sex mahr haben darf ohne Kondome weil man dabei Keime auffängt, dann find ich das da was schiefläuft!
    Wovon ich rede, ist, dass man eben mal einfach aufhören sollte mit der Pillenkanone auf alles zu schießen, was bei drei nicht von selber ausgeheilt ist!
    Weil eben die Natur vorsieht, das man am Ende vom Leben tot ist!

  51. Hallo Mama Tina,

    es gibt für nicht intelligente biologische Lebensformen unüberwindliche physikalische, chemische, und thermische Grenzen, die sie niemals überwinden können.

    Unsere Technologie kann weit jenseits dieser physikalischen, chemischen, und thermischen Grenzen arbeiten, und daher ist unsere Verteidigung gesichert.

    Natürlich endet jedes Leben mit dem Tod, aber wenn man seine nicht intelligenten biologischen Gegner vorher zerstört, dann dauert es ein wenig länger.

    Wenn man dann in der ferneren Zukunft auch noch die molekulare Nanotechnologie beherrscht, dann kann der eigene Tod noch viel länger hinaus gezögert werden.

    Der Zuwachs der Entropie kann durch die Zufuhr von Energie und Information ohne weiteres umgekehrt werden.

    Von den Informationen gibt es bereits schon jetzt jede Menge an Backups, und wie ich schon einmal anderswo berechnet habe, geht die 2,2-Milliardenfache Menge an Sonnenenergie einfach an der Erde vorbei in das leere Weltall.

  52. Vorsicht, Science-Fiction-Humor:

    Das Alien in den verschiedenen Alien-Filmen ist ausserordentlich schnell, gefährlich intelligent, und ohne jedes Verständnis für unsere Technologie (die armen Dummerchen).

    Besonders putzig ist es, wie Ellen Ripley mit einem robotischen Ladestapler (englisch: power loader) die Alien-Queen in eine Luftschleuse stopft (dieser Ausgang ist nur für Anaerobier geeignet).

    Video:

    http://www.youtube.com/watch?v=6kMBztOSdg4

    Natürlich ist auch „Resident Evil: Extinction“ sehr heiter, wo die Heldinnen Milla Jovovich und Ali Larter die untoten Zombies zur Sicherheit noch ein mal ein wenig toter machen (immer auf das ohnehin schon untote Gehirn zielen).

    Untot, untoter, noch viel untoterer.

    Dazu gibt es im Internet viele schöne Bilder.

    Natürlich hat auch der heilige Georg den Drachen getötet, aber einige Raketenwerfer mit Napalm geben immer noch die besseren Special-Effects ab.

    Zur Weiterbildung empfohlen:

    Resident Evil 5 – Gold Edition (Xbox 360), also das muss man einfach geniessen,
    Serious Sam (Xbox 360),
    Duke Nukem for ever (Xbox 360).

  53. Pingback: Fäkalien und Krankheitserreger: Was alles an Banknoten klebt › Fischblog › SciLogs - Wissenschaftsblogs

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