Unser Mann in Houston (II) Irgendwie mittendrin

Eigentlich ist die Tagung schon vorbei, ich war irgendwie zu beschäftigt, um live zu bloggen. Kommt halt vor. Was also lässt sich so über die Lunar & Planetary Science Conference Nr.48 so berichten? Offizielle Bilder zuhauf gibt es schon mal hier.

Unser Fluggerät. Irritierend groß, und verspätet (A.Morlok)

Thematisch passende Unterhaltung an Bord (your name, japanische Anime, empfehlenswert)(A.Morlok)

Wissenschaftlich lässt sich der Vorschau eigentlich kaum was hinzufügen. Zudem hat sich mein Eindruck bestätigt, und auch Kollegen haben es beobachtet – der Trend geht, wir der Name der Tagung schon sagt, (wieder) deutlich in Richtung plantare Themen. Kleinkrams – Asteroiden, Kometen und die damit verbundenen Meteorite und Staubbrösel wurde thematisch ziemlich an den Rand gedrängt. Das machte sich auch durch die Nichtanwesenheit vieler üblicher Verdächtigen (bekannter und weniger bekannter Natur) bemerkbar. Ich befürchte, dass sich da eine Abwärtsspirale entsteht, und erst recht zunehmend weniger Leute aus diesen Richtungen auftauchen. Nicht, das nicht so was herbeireden wollte, aber der Trend ist über die letzten Jahre schon offensichtlich.

Die 21000 Zirkone waren auch visuell beeindruckend.

Gefühlt eine eher ruhige Tagung. Was auch auffiel: Früher gab es zu einer Tagung noch meistens irgendwelche Zugaben – Umhängetaschen, dicke Tagungsbände, T-Shirts und so weiter. Aus den Tagungsbänden mit den ganzen Abstrakts wurden erst CDs, dann Memory-Sticks und schließlich gar nix. Mit den voluminösen Abstraktbänden im Regal (am Ende um die vier telefonbuchgroße Teile) konnte man früher immerhin noch uns unbedarfte Erstsemester schwerstens beeindrucken (NASA! Boah!) Taschen und T-Shirts gibt es auch keine mehr (schade, die waren echt praktisch und vor allem weiterverwertbar). Kugelschreiber gibts noch, die werden nie aussterben. Vorgeschoben wurde Nachhaltigkeit, mir scheint eher Geldmangel der Grund zu sein.

Houston. Ohne Karre nicht viel los. In der Ferne: das Tagungshotel. Vordergrund: Kollegen (A.Morlok)

Die Ruhe vor dem Sturm, oder: Durch diese hohle Gasse muss er kommen. Einer der Vortragssääle (A.Morlok)

So eine Tagung ist, wie schon betont, eine Möglichkeit, einen Eindruck über die Lage der Branche zu bekommen, den Finger in die Luft zu halten, aus welcher Richtung der Wind weht und so weiter. Und dies nicht nur in wissenschaftlicher Sicht, sondern auch auf eher zwischenmenschlicher Ebene. Wer netzwerkt mit wem, und wer kann wessen Anblick schon gar nicht mehr ertragen. Das wird gerade in der Mittagspause (und abends direkt nach den Sessions) am deutlichsten sichtbar. Ein Extrem sind straff organisierte Arbeitsgruppen, da werden die Doktoranden gleich einer Herde zum Futterplatz getrieben. Auch Nahrungsaufnahme ist schließlich ein Geschäftstermin. Dann sieht man kleine Grüppchen oder Pärchen verschwörerisch beim Maken&Shaken beisammen sitzen, die bei potentiell feindlicher Annäherung die Stimme senken. Und dann gibt es noch die Einzelgänger,  Profs. die gerne mal wenigsten die eine Stunde ihre Ruhe hätten, aber von überehrgeizigem wissenschaftlichem Nachwuchs verfolgt werden.

Kommunikation, Old-School. Aber effektiv, über so einen Aushang kam ich an meine erste Post-Doc Stelle (A.Morlok)

Generell kam mir die Tagung auch deutlich ruhiger vor als in letzter Zeit, bei den Postersessions scheinen mir mehr Poster denn üblich gefehlt zu haben, zumindest gab es mehr Lücken als sonst. Eine weitere Feststellung: im Gegensatz zu früher habe ich auf das übliche Bier vorher/während der Postersession verzichtet (ist kaum bezahlbar). Komplett nüchtern ist aufnahmetechnisch sicherlich besser, aber als kommunikatives Schmiermittel ist Alk in Maßen doch recht praktisch.

Ansonsten: Hotel in Laufentfernung bedeutet in Texas was anderes als hierzulande, das hätte mir schon klar sein sollen. Generell macht sich das Alter bemerkbar, mit den Jungspunden kann ich irgendwie nicht mehr so mithalten, gerade was abendliche Aktivitäten betrifft. Apropos Alter: es war immerhin meine 14te LPSC. Das gibt dem Ganzen eine zeitliche Tiefe.

Missionen, die Anno 2001 noch in ferner Zukunft lagen, sind heute schon lange abgehakt. Leute, die damals quietschfidel (in meinem Alter…) durch die Tagung donnerten haben heute in Ehren ergraut die Rente vor Augen. Mal gespannt, wie das alles bei meiner 28ten LPSC aussieht…

Was mir in der Hinsicht auffiel (ist natürlich rein subjektiv), ist dass die Vortragenden über die Jahre deutlich selbstsicherer geworden sind. Ich denke, dass sich hier auszahlt, dass heutzutage auch im Studium mehr Wert auf Präsentationen gelegt wird.  Auch gehen Leute häufiger auf große, internationale Tagungen, das hilft natürlich auch. Aber der Vorführeffekt existiert immer noch, was noch vor 15 Jahren der blockierte Diaprojektor (mit dem Dia dann noch verkehrt herum eingelegt) war, ist heute die Animation die einfach nicht animieren will. Kommt mindestens ein Mal pro Tag vor, trotz vorheriger Tests (die Organisation der LPSC ist nicht nur in technischer Hinsicht eigentlich hervorragend).

Mein Interesse an Planetologie und Raumforschung begann schon recht früh. Entweder mit der Apollo/Sojus Mission 1975. Spätestens aber mit dem Start der Voyager-Sonden 1977, ich erinnere mich noch wie ich mir mein Leben in der fernen Zukunft des Jahres 1989 vorzustellen versuchte, wenn eine der Sonden an Neptun vorbeifliegen würde.Studiert habe ich dann Mineralogie in Tübingen (gibt es nicht mehr als eigenständiges Studienfach). Anstatt meinen Kommilitonen in die gängigen Richtungen wie Keramikforschung zu folgen, nahm ich meinen Mut zusammen und organisierte eine Diplomarbeit über Isotopenanalysen von Impaktgestein aus dem Nördlinger Ries Einschlagkrater. Dem folgte dann eine Doktorarbeit über primitive Meteorite in Münster.Nach 10 Jahren als PostDoc in verschiedenen Ecken der Welt arbeite wieder am Institut für Planetologie in Münster, an Labormessungen für die ESA/JAXA Raumsonde BepiColombo, die demnächst zum Merkur aufbrechen wird.Mein ganzes Arbeitsleben drehte sich bisher um die Untersuchung extraterrestrischer (und damit verwandter) Materialien: Gesteine aus Impaktkratern, die ganze Bandbreite Meteoriten (von den ganz primitiven Chondriten bis hin zu Marsmeteoriten). Zu meiner Forschung gehören auch Laborexperimente, in denen Vorgänge im frühen Sonnensystem nachgestellt wurden.Mein besonderes Interesse ist, die Laboruntersuchungen von extraterrestrischem Material mit Fernerkundungsdaten (im Infrarot) zu verknüpfen. Das vor allem mit Daten aus der planetaren Fernerkundung durch Raumsonden, aber auch mit Beobachtungen junger Sonnensysteme durch Teleskope.

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