Chronik einer Lächerlichkeit und Wissenschaftsethos

Nein, vielleicht, ja. So könnte man die Geschehnisse um zu Guttenbergs Doktorarbeit und derer Plagiatsvorwürfe der letzten Tage zusammenfassen. Am Anfang waren sie abstrus und wurden zurückgewiesen. Dann waren sie zur Hälfte wahr und Herr zu Guttenberg wollte vorrübergehend auf seinen Doktortitel verzichten. Mittlerweile aber erweisen sich die Vorwürfe gegen zu Guttenberg, er habe über 200 Stellen seiner Doktorarbeit wortwörtlich ohne Quellenangabe übernommen, als bewiesen. Nachzulesen ist dies im GuttenPlag Wiki. Nun möchte er ganz auf seinen Titel verzichten. Bricht man die Informationen auf den einfachsten Nenner hinunter, muss man sagen, der Verteidigungsminister hat die Arbeit anderer als seine eigene ausgegeben. Seine Doktorarbeit ist demnach kein komplett selbst geschriebenes Werk und verdient somit auch keinen Dissertationstitel. In der Wissenschaft nennt man so etwas Plagiarismus und wird in der Regel hart bestraft, denn bei einer wissenschaftlich verfassten Arbeit muss schriftlich immer versichert werden, dass die Arbeit selbständig verfasst und keine anderen als die angegebenen Quellen als Hilfsmittel benutzt wurden. Dies wurde hier missachtet, ob bewusst oder unbewusst ist nun die große Frage. Gelegentlich kommt es natürlich vor, dass Fußnoten nicht richtig gesetzt bzw. vergessen werden. Wenn allerdings längere Absätze in rund 200 Fällen wortwörtlich und ohne Quellenangabe übernommen wurden, so muss man von der Logik her ganz klar von einem bewussten Vorgehen sprechen, was die wissenschaftlichen Werte auf das Äußerste verletzt. Die Grundlage von Wissenschaft ist nämlich Ehrlichkeit. Der Verteidungungsminister sprach nun, hat sich entschuldigt und war wohl von seinem ergeizigen Vorhaben als Familienvater und Abgeordneter eine Doktorarbeit zu schreiben, überfordert, wie er selbst zugab. "Von einem Plagiat könne man allerdings nicht sprechen", sagte er, denn er handelte "ohne bewusstes Täuschungsvorhaben" als er Satz nach Satz aus Seminar- und Diplomarbeiten, ja aus Reiseführern und Tageszeitungen ohne Kennzeichnung übernahm. Die Universität Bayreuth, an der er die Dissertation verfasste, erkannte ihm nun völlig zurecht seinen Doktortitel ab, da nach der Promotionskommission der rechts- und wirtschaftswissenschaftlichen Abteilung der Universität ein Fehlverhalten im erheblichem Ausmaß begangen wurde. Ein hartes, aber richtiges Urteil, dass Herr zu Guttenberg tief trifft, obwohl sich die Kommission in ihrer Stellungnahme noch sehr bedeckt hielt. Dennoch ist Guttenbergs Glaubwürdigkeit stark angeschlagen. Was die Gesellschaft und die Bürger nun daraus machen, müssen sie selber entscheiden. Die Kanzlerin und andere Politiker sind sich aber einig: Er muss um jeden Preis gehalten werden. Ist dies tragbar und möglich? Für die meisten Bürger Deutschlands nach den letzten Umfragen anscheinend schon.
 
Ich verfolgte die täglichen Nachrichten zu diesem Thema aus zwei Perspektiven: zum einen als Wissenschaftler und zum anderen als Sympathisant von Herrn zu Guttenberg. Am Anfang glaubte ich, er wäre Opfer einer Hetzkampagne und man wolle ihn aus seinem Amt drängen. Weitere Meldungen nervten mich, da der Fall für mich klar war. Jemand wolle dem Verteidigungsminister schaden. Schließlich brachte er als Popfigur frischen Wind in die Politik und gilt in der Gesellschaft als anerkannt, da er ein cooler Typ ist. Das musste jemandem gegen den Strich gehen. Meine Meinung wandelte sich aber, als immer neue Vorwürfe aufkamen und diese auch noch bestätigt wurden. Hier wurde nun stark an meinem Wissenschaftsethos gekratzt. Ich selbst weiß, wie aufwendig und nervenaufreibend es ist, wissenschaftliche Arbeiten korrekt abzuhandeln und haargenau zu zitieren. Wie Herr zu Guttenberg dem nun nicht zureichend nachkam und dies versuchte zu begründen, war für mich völlig unverständlich und verärgerte mich sehr. Ich fühlte mich als Wissenschaftler ehrlich gesagt, verarscht. Ein Erklärungsversuch wieso.

Die Bedingungen unter denen Wissenschaftler arbeiten, sind hart und umkämpft. Doktoranden beispielsweise werden Teilzeit bezahlt, bekommen selten über 1100€ Netto, haben aber teilweise 14-Stunden-Tage und müssen selbst am Wochenende ran. Man muss also wesentlich mehr als Vollzeit, Abends und auch manchmal Nachts arbeiten, um seine Experimente im Labor durchzuführen, um damit seine wissenschaftlichen Publikationen zu füttern, anhand derer man bewertet wird. Es kommt nicht selten vor, dass Dissertationen ohne jegliche Bezahlung geschrieben werden, da den Universitäten oder Forschungseinrichtungen schlichtweg das Geld fehlt. Dies trifft häufiger auf Geisteswissenschaften als auf Naturwissenschaften zu. Über die Runden kommt man dann nur noch mit Beantragung von Hartz IV oder durch Nebenjobs, die man neben der Dissertation durchführt. Ein hartes Ausmaß, besonders wenn man eine Familie zu ernähren hat. Man arbeitet jedoch weiter, weil man das Herz eines Wissenschaftlers besitzt und von seinen Tätigkeiten begeistert und überzeugt ist. Der Beruf des Wissenschaftlers ist nämlich auch der Beruf der Wahrheitsfindung. Man entdeckt und enträtselt tagtäglich neue Sachen, die noch so gut wie kein anderer auf der Welt weiß, setzt sie in Zusammenhang und stellt neue Theorien und Hypothesen auf, die der weiteren Forschung dienen. Man packt diese Ergebnisse nun in Diplom- und Doktorarbeiten und in wissenschaftlichen Publikationen, dem sogenannten Paper, welches in wissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlich wird und an denen man als Wissenschaftler und Forscher gemessen wird. Die Ergebnisse aus Diplom- und Doktorarbeiten setzt man mit diesen Papern in der Wissenschaftsgemeinde frei. Sie sind nun zugänglich und sollen zum allgemeinen Wohl beitragen. Man ist also mit Herz und Seele dabei, da man die untragbaren Bedingungen wegen seiner Liebe zum Job und für das allgemeine Wohl erträgt. Was einem hier jetzt noch bleibt, ist Ehrlichkeit und ein Maß an Werten, das den wissenschaftlichen Betrieb aufrecht erhält. Diese Werte stehen für die Richtigkeit der wissenschaftlichen Arbeit und der Wissenschaft überhaupt, die unter diesen meist schweren Bedingungen funktionieren muss. Der Wissenschaftsethos sorgt hier dafür, dass Wissenschaft richtig und ehrlich ist. Kein Mensch braucht gefälschte Ergebnisse.

 
Herr zu Guttenberg begründet nun sein Fehlverhalten anhand dieser Bedingungen und Zuständen und ich kann es durchaus nachvollziehen. Familienvater, Abgeordneter und Doktorand. Sehr engagiert und zu engagiert, wie er nun gestand. Wenn man sich allerdings unter solchen Umständen für das Verfassen einer Doktorarbeit entscheidet, unterliegt man dem wissenschaftlichen Ethos zu denen Ehrlichkeit und korrekte Arbeitsweise zählen. Man muss sich auch bewusst sein, unter welchen Umständen man teilweise arbeiten muss. Kaum ein Wissenschaftler kennt diese prekären Arebitsverhältnisse nicht. Dies war dem Herr Verteidigungsminister also sicherlich bekannt. Nun kann man sich fragen, wie es viele andere Promovierende unter diesen Bedingungen schaffen, eine astreine Dissertation abzugeben. Es ist durchaus möglich, es ist aber nicht nur möglich sondern zwingend erforderlich. Gefälschte Ergebnisse, Täuschungen und Plagiate helfen nämlich niemandem weiter und führen meist zu falschen Schlussfolgerungen, die der Wissenschaft mehr schaden als helfen. Nicht aber nur der Wissenschaft, sondern auch der Gesellschaft. Fälscht man seine Arbeit und seine Ergebnisse also oder begeht Plagiarismus, so wird man schnell aus dem wissenschaftlichen Betrieb ausgeschlossen und oft zurecht als Bösewicht abgetan, da das oberste Gebot der Richtig- und Ehrlichkeit verletzt wurde. Man ist so schnell seinen Job los, da man den Wissenschaftsethos unterlaufen hat. Seinen Ruf ist man auch noch los und seine Glaubwürdigkeit dahin. Wieso ist dies bei Herrn zu Guttenberg nun nicht der Fall? Darf er mehr, nur weil er ein angesehener Politiker ist? Anscheinend schon. Während andere Wissenschaftler gnadenlos zu Boden gestampft, degradiert und entlassen werden würden, macht man beim Verteidigungsminister wohl eine Ausnahme. Einzig und allein die Opposition im Bundestag versteht, was für ein starkes Fehlverhalten hier vorliegt und sie hat in diesem Sinne viele Anhänger, die Wissenschaftler. Diese wissen haargenau wie schlimm Plagiarismus zu bewerten ist und was mit einem  eigentlich geschieht, der dabei erwischt wird.

Herr zu Guttenberg ist bisher seinen Job nicht los. Dies liegt wohl daran, dass er für kein wissenschaftliches Unternehmen und nicht in der Forschung, sondern in der Politik arbeitet. Trotzdem muss man sich bewusst sein, dass er in den sieben Jahren und darüber hinaus, die er für die Anfertigung seiner Dissertation gebraucht hat, die wissenschaftlichen Werte verletzt hat. Verletzt bedeutet in diesem Sinne, er hat gelogen und womöglich geklaut. Darf ein ein Politiker so etwas tun und darf er es so rechtfertigen, wie er dies tut? Das Unglaubliche an der ganzen Situation ist jedoch, dass er noch dem Aufklingen der Vorwürde weiter gelogen und diese weiterhin zurückgewiesen hat bis schließlich die Vorwürfe nicht mehr abzuweisen waren. Fehler wurden nicht eingeräumt, dann aber doch und dann als unbewusstes Fehlverhalten dahingestellt. Ein unbewusstes Fehlverhalten an dem mit aller Vehemenz festgehalten wird und das dadurch toleriert werden soll, da Herr zu Guttenberg als Verteidigungsminister einen tollen Job macht. Es wäre allerdings zu einfach eine schlechte Tat durch eine gute zu rechtfertigen, schließlich hat man die schlechte immer noch begangen. Weiter gelogen wird immer noch. Anders sind die Plagiate, die zur Zeit auf 286 Seiten seiner Dissertation zu finden sind, nicht zu erklären. Dies machen rund 72.77% Seiten der gesamten Arbeit aus. Wenn nur die Hälfte davon stimmt, dann sind dies immer noch einige Prozente zu viel und das Argument, in der Wissenschaft seien Plagiate normal, hilft hier auch nicht weiter. Plagiate in diesem Ausmaß sind nämlich kein Alltagsbetrieb in der Wissenschaft, da sie durch den Wissenschaftsethos verpöhnt werden. Kurz gesagt: Wenn man irgendwie schummelt, ist man seinen Job und seinen Ruf los. Es ist also kontraproduktiv ein Plagiat anzufertigen, da, wenn man auffliegt, weg vom Fenster ist. Diesem Risiko ist man also immer ausgesetzt. Zudem ist die Anfertigung eines Plagiats kontraproduktiv, da detaillierte Literaturrecherche und Quellenangabe ein umfassendes Wissen bestätigt, da man sich mit dem Thema weitgehend auseinandergesetzt hat. Wozu also Fußnoten nicht setzen und Quellen nicht angeben? Man kann es sich denken.

Die Wissenschaft schön reden, ist jetzt aber auch nicht Sinn der Sache, schließlich wird auch hier geschummelt, getrickst und gelogen. Im Dezember 2008 fand in Madrid eine Konforenz zu diesem Thema statt, die von der European Science Foundation (ESF) und dem Spanish National Research Council (CSIC) organisiert wurde. Besprochen wurde, wie häufig Betrug in der Wissenschaft vorkommt und was man dagegen tun kann. Demnach begehen ca. zwischen 0.1 und 1% der Wissenschaftler weltweit Betrug oder fälschen. 10 bis 50% machen ab und zu mal etwas, was fragwürdig erscheint. Was sind nun aber die Sachen, die die Wisenschaftler falsch machen? Dazu wurden im Jahr 2005 Wissenschaftler befragt, die von amerikanischen Gesundheitsbehörde finanziert wurden. Sie gaben u.a. folgendes Fehlverhalten an:

  1. Datenfälschung und Erfindung von Daten
  2. Keine richtige Erwähnung von Firmen, deren Produkte auf den eigenen Forschungsarbeiten beruhen
  3. Verwendung von Ideen anderer ohne sie um Erlaubnis zu fragen
  4. Unauthorisierte Benutzung von vertraulichen Informationen zum Wohle der eigenen Forschung
  5. Keine Präsentation von Daten, die der eigenen Forschung widersprechen
  6. Bewusstes Übersehen von fraglichen Auswertungen und Daten von anderen Wissenschaftlern
  7. Publikation der selben Daten und Ergebnisse in zwei oder mehr Publikationen
  8. Zurückhaltung von Details der Forschung in Publikationen
  9. Mangelhafte Aufbewahrung von Daten
  10. Verwerfung von Daten und Beobachtungen aufgrund vom Gefühl, sie seien falsch
  11. Abänderung einer Studie aufgrund von Druck durch den Geldgeber

Die letzten drei Vergehen begangen die befragten Wissenschaftler am meisten. Die Verwerfung von Daten mit 15.3%, die Abänderung einer Studie mit 15.5% und die mangelhafte Aufbewahrung von Daten mit 27.5%. Richtig starke Vergehen wie Datenfälschung oder der Klau von Ideen anderer bewegen sich hier zwischen 0.3 und 1.4%. Darunter fällt auch Herr zu Guttenberg mit seiner Doktorarbeit. Er reiht sich damit in den Top 3 Vergehen ein, die in der Wissenschaft als wirklich starkes Fehlverhalten gehandhabt werden. Dazu gehört die Erfindung von Daten, Datenfälschung und Plagiarismus. Plagiarismus wird in der obigen Liste nicht aufgeführt, dennoch könnte man ihn mit mit Punkt 3 und 4 vergleichen. Diese Vergehen wurden bei 1.4 bis 1.7% der befragten Wissenschaftler begangen. Keine Alltäglichkeit also. Man muss immer bedenken, dass in der Wissenschaft der Konkurrenzkampf sehr groß ist, da mehrere Arbeitsgruppen, Universitäten und Forschungseinrichtungen am selben Thema forschen und natürlich jeder der Erste sein will, der aussagekräftige Ergebnisse präsentiert. Damit sichert man die Finanzierung seiner Mitarbeiter, von sich selbst und von seinen Interessen. Kein Wunder, dass unter so einem großen Druck oftmals ein Fehlverhalten begangen wird. Zu rechtfertigen ist dies damit aber nicht, da der Hauptteil der Wissenschaftler ohne diese Täuschungsversuche zurecht kommt und auch beeindruckende Arbeit ohne so etwas leisten kann. Diese führt dann mit viel Glück zu einem Nobelpreis.

Eine Studie aus dam Jahr 2009 befasst sich genauer mit dem Thema Datenfälschung und der Erfindung von Daten. Sie besagt, dass ca. 1.97% der Wissenschaftler, die zu diesem Thema befragt wurden, so ein Vergehen begangen. 33.7% gaben zu, fragwürdige Forschungspraktiken begangen zu haben. Wurden die Wissenschaftler nach der Glaubwürdigkeit von ihren Kollegen gefragt, so offenbarten sie, dass 14.12% ihrer Kollegen Daten fälschten und 72% fragwürdigen Praktiken nachgingen. Ins Auge fiel hier, dass so ein Fehlverhalten öfter bei Wissenschaftlern gefunden wurde, welche im medizinischen und pharmakologischen Bereich arbeiteten. Eigentlich logisch, hier ist der Wettbewerbsdruck und der Druck der Industrie, wirksame Medikamente möglichst schnell auf den Markt zu bringen, besonders hoch. Die hier genannten Zahlen sind jedoch mit Vorsicht zu betrachten, da es oft schwer ist, richtig zu definieren was ein Fehlverhalten darstellt. Jeder Wissenschaftler denkt in diesem Sinne sicherlich anders und so kann man keine absoluten Zahlen nennen. Oft ist es auch nicht möglich ein Fehrverhalten überhaupt aufzudecken. Eine genaue Interpretation, was Wissenschaftler also falsch machen, ist sehr schwierig. Andere  Fälle, wie die von Hwang Woo-Suk und Jan Hendrik Schön, die mit ihren gefälschten Ergebnissen in namenhaften wissenschaftliche Zeitschriften publiziert wurden, werden häufiger enttarnt. Dies mag daran liegen, dass die Publikationen in diesen Zeitschriften von anderen Wissenschaftlern im nachhinein eher beäugt, beanstandet und genauer betrachtet werden. Oftmals handelt es sich bei den Publikationen in solchen renommierten Zeitschriften um bahnbrechende Ergebnisse und diese werden immer mit starkem Skeptizismus nachgeprüft. Es darf allerdings nicht passieren, das dies erst im nachhinein geschieht. Man muss direkt von Anfang versuchen, solche Vergehen zu unterbinden. Das sogenannte Peer-Review nimmt sich dessen an. Dabei überprüfen mehrere Wissenschaftler unabhängig und weltweit die Studien, die zu den wissenschaftlichen Zeitschriften als Publikation geschickt werden. Stimmt damit etwas nicht, werden sie zurückgeschickt und müssen verbessert werden. Durch geschickte Fälschung kann man aber auch diesen Peer-Review übergehen. Man muss also noch genauer kontrollieren.

Weitere Zahlen liegen vor. Aufgrund von bestätigten Fällen der US-Regierung, begeht einer aus 100.000 Wissenschaftlern eine Täuschung. Ein andere Prüfmethode kam zum Ergebnis, dass es einer aus 10.000 ist. Man sieht, die Zahlen schwanken enorm und man kann nur vermuten, was richtig und was falsch ist. 0.02 bis 0.2% der wissenschaftlichen Publikationen, die in der Datenbank PubMed untersucht wurden – dies ist die Datenbank, wo Publikationen zu biomedizinischer Forschung gesammelt werden – weisen einen Täuschungsversuch auf. Acht aus 800 Papern, die bei einer zellbiologischen Zeitschrift zur Publikation eingereicht wurden, enthielten manipulierte Bilder. Eine Datenprüfung der Food and Drug Administration der U.S.A. kam zum Ergebnis, dass zwischen 1977 und 1990 in 10-20% von wissenschaftlichen Publikationen Fehler zu finden waren. 2% davon waren ernsthafte Täuschungsversuche. Wie man sieht, sind die Zahlen sehr unterschiedlich und die Wahrheit befindet sich irgendwo dazwischen. Im Idealfall handeln die Wissenschaftler aber interessenslos, ehrlich und mit einer gehörigen Portion Skeptizismus, der zu guter Forschung dazu gehört. Doch diese Werte, die in der Wissenschaft groß geschrieben werden, werden nicht immer eingehalten, da der Drang nach Ruhm und Ehre enorm sein kann. Nicht zuletzt wird man oft dazu getrieben, Täuschungen zu begehen. Jeder muss seine eigene Entscheidung treffen, was er macht und was richtig ist. Bisher hat sich aber immer erwiesen, dass Ehrlichkeit am längsten währt. Alles andere muss bestraft werden.

 

Quellen:

Veröffentlicht von

Sebastian Reusch ist studierter Biologe und spezialisierte sich auf molekularbiologische Fächer wie Genetik und Zellbiologie. Seine Abschlussarbeit machte er am Max-Delbrück-Centrum für molekulare Medizin, wo er an Prozessen in weißen Blutkörperchen forschte.

7 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Popularität schlägt alles

    Sehr schöner Artikel.
    Sie haben recht: Popularität schlägt in der Politk im Moment tatsächlich alles. Was ist ein bissche Wissenschaft schon, wenn man wahltaktisch denken muss?

    Kein Wunder dass die Politrikverdrossenheit zunimmt.

  2. kein Betreff

    klare und deutliche Worte, das gefällt mir! Mal sehen, wie lange das ganze Schauspiel noch andauert und was noch häppchenweise präsentiert wird…

  3. Zweierlei Mass

    Bin Biologe.
    Sehr schön beschrieben, auch die Konflikte, in die man als Wissenschaftler so geraten kann. Kann das alles gut nachvollziehen.
    Aber auch sehr klar die Grenze gezogen, von der ich sagen kann, ich habe sie nie verletzt und möchte das auch bis zu meinem Ableben weiter so halten.
    Und unser „Aal“ zu Guttenberg, ehrlich, mich widert es einfach nur noch an.
    Haufenweise Menschen geraten wegen kleinen, oft wirklich in einer Notlage oder unter Druck begangenen „Schummeleien“ in größte Schwierigkeiten und verlieren oft noch mit Häme ihren Job.
    Und er? Sagt zu Aspekten seiner häppchenweise Zugeberei und der merkwürdigen Rückgabe seines Dr. „beispielgebend für andere“.
    Etwas könnte seine merkwürdige, scheinbare Uninformiertheit und „Unbewusstheit“ noch erklären:
    Er war gar nicht oder fast nicht dabei. Und merkt und liest es jetzt erst richtig. Dann wird alles ganz logisch und seine „Bekenntnisse“ gaben ehrlich seinen jeweils aktuellen Wissensstand wieder.
    Kopfschüttelnd, fassungslos
    ein kleiner, aber ehrlicher Wissenschaftler

  4. Schaden der Wissenschaft

    Was richtig verwirrend ist, dass offenbar überhaupt kein Bewusstsein in der Bevölkerung für das Ausmaß dieses Täuschungsversuches besteht. Da hört einer Sätze wie „Ich habe gehört er hat Fußnoten vergessen. Das kann ich verstehen, ich bin auch vergesslich.“ Offenbar wird die gesamte Debatte auf die Schusslichkeit des Ministers heruntergefahren und nebenbei die Wissenschaft als lebensfremd und gänzlich unnütz für tatsächliche Entscheidungen abgekanzelt. Aber wer soll denn Entscheidungen in der Politik treffen, doch Menschen, die kompetent sind. Wenn die Wissenschaft bei einer solchen Entscheidungsfindung nicht mehr eingreifen soll, dann unterhöhlen wir auch den politischen Fortschritt. Wir wollen doch Entscheidungen aufgrund von Wissen und nicht von dubiosen Bauchgefühlen haben. Daher lässt sich die Aufspaltung des Ministers in schlechter Wissenschaftler und guter Politiker nicht durchführen. Der Fall des Betruges steht noch aus, wir müssen sehen, ob er, wenn er denn als Betrüger verurteilt werden wird, noch in der Politik bleiben kann. In diesem Fall aber sehe ich Ansätze wie in Italien, wo die Ehrbarkeit der Person irrelevant für die Ausübung eines politischen Amtes wird.

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