Biologisch-dynamische Landwirtschaft ist antivegan

Für eine vegetarische oder vegane Lebensweise gibt es viele Beweggründe. Aus meiner Erfahrung spielt aber die Minimierung von Umwelteffekten oftmals eine große Rolle, sowie die moralische Überlegung, dass man fühlende Wesen nicht quälen oder töten darf. Zumindest den Umweltaspekt haben diese beiden Weltanschauungen gemein. Die Überschneidung der Kundenkreise „Bio-Käufer“ und „Veganer“ ist damit vermutlich nicht klein.

Und wo Bio ist, kann der spirituelle Guru Rudolf Steiner auch nicht weit sein und damit fangen die Probleme an, die mit einer tierleidfreien Weltanschauung kaum in Einklang zu bringen sind. Steiner begründete zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts die biologisch-dynamische Landwirtschaft, eingebettet in seine okkulte Lehre „Anthroposophie“. Bio-dyn beruht auf seltsamen Ritualen und Astrologie, die vor allem auf den Einklang vom Menschen mit den Rhythmen des Kosmos und Natur, sowie der Rückkehr aus der Industrialisierung in die Tradition abzielen. Sie gilt als eine Keimzelle für die moderne „organisch-biologische“ Landwirtschaft, die den weitgehenden Verzicht auf synthetische Düngemittel und Pestizide und den sparsamen Umgang von Medikamenten beinhaltet. Sie hat eine Minimierung von Umweltschäden zum Leitmotiv und ist seit einigen Jahrzehnten auf einem guten Weg, sich von ihrem okkult-religiösen Erbe zu emanzipieren und zu einer wissenschaftlich basierten Wirtschaftsweise zu werden. Die Landwirtschaft der Zukunft wird umweltschonend sein müssen, vermehrt auf den verantwortungsvollen Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden fokussiert sein und damit einige Merkmale der heutigen Bio-Landwirtschaft haben.

Bio-dyn hat ein anderes Leitbild, denn hier geschieht der Umweltschutz quasi nur nebenbei. Die vielen magischen Rituale entstammen Steiners umfassender esoterischen Philosophie und dienen der Herstellung von besonders beseelten Lebensmitteln in sogenannter „Demeter-Qualität“. In Steiners Lehre nehmen die Gestirne eine zentrale Position ein, was auch für bio-dynamische Landwirtschaft gilt. So bestimmen die „Rhythmen“ der Planeten und des Mondes die Zeitpunkte für Aussaat oder Anpflanzung. Astrologie und Mondkalender gehören demnach zur Grundausstattung des linientreuen Demeter-Bauern. Eine weitere zentrale Säule bildet eine Reihe von bio-dynamischen Präparaten, die die kosmischen Einflüsse auf dem Feld verbessern sollen.

In einem Vortrag beschreibt Steiner detailliert, wie Dünger – idealerweise Kuhmist – in ein Kuhhorn gestopft werden soll, dann über einen Winter in der Erde vergraben, dann wieder ausgegraben, der Inhalt von Hand in Wasser mit kreisförmigen Bewegungen in einem schweizer Melkeimer angerührt und auf dem Feld quasi homöopathisch versprüht werden soll. Das Abseihen durch ein Sieb ist erlaubt, und für optimale Effekte sollte man Hörner von frisch geschlachteten, nicht zu jungen und nicht zu alten weiblichen Tieren nehmen.

Sehen Sie, dadurch, daß wir nun das Kuhhorn mit seinem Mistinhalt eingegraben haben, dadurch konservieren wir im Kuhhorn drinnen die Kräfte, die das Kuhhorn gewohnt war, in der Kuh selber auszuüben, nämlich rückzustrahlen dasjenige, was Belebendes und Astralisches ist. Dadurch, daß das Kuhhorn äußerlich von der Erde umgeben ist, strahlen alle Strahlen in seine innere Höhlung hinein, die im Sinne der Ätherisierung und Astralisierung gehen. Und es wird der Mistinhalt des Kuhhorns mit diesen Kräften, die nun dadurch alles heranziehen aus der umliegenden Erde, was belebend und ätherisch ist, es wird der ganze Inhalt des Kuhhorns den ganzen Winter hindurch, wo die Erde also am meisten belebt ist, innerlich belebt. Innerlich belebt ist die Erde am meisten im Winter. Das ganze Lebendige wird konserviert in diesem Mist, und man bekommt dadurch eine außerordentlich konzentrierte, belebende Düngungskraft in dem Inhalte des Kuhhorns. […] Ja, Sie müssen nur bedenken, wie wenig man braucht an Arbeit. (GA 327, vierter Vortrag)

Nicht nur Kuhhörner finden Anwendung, sondern auch andere Tierbestandteile.

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Kuhhorn, Darm, Schädel, Bauchfell, Blase: Tierteile haben einen festen Platz in der Herstellung magischer „dynamischer“ Präparate. Tabelle vom Forschungsring für Biologisch-Dynamische Wirtschaftsweise e.V.

Die Präparate sind ein wesentliches Merkmal der Demeter-Praxis und sind in den entsprechenden Richtlinien verbindlich vorgeschrieben. Tierbestandteile als magische Präparate vertragen sich aber wohl kaum mit einer vermeintlich progressiven, veganen Lebensweise, meiner Meinung nicht einmal mit Vegetarismus, da hierfür Tiere getötet werden müssen. Außerdem wird der Demeter-Betrieb als Gesamtkonzept verstanden, es sollen möglichst viele verschiedene Pflanzen- und Tierarten gehalten werden. So ist auch die Haltung von Wiederkäuern verpflichtend.

Grundsätzlich kann man sich natürlich fragen, wie Bio-Landbau ganz ohne die Haltung und auch Opferung von Tieren funktionieren soll. Immerhin stammt der Gutteil des organischen Düngers von Tieren, und zwar in Form von Mist und Gülle. Und auch auf Pflanzenschutz, etwa zur Vermeidung von Ernteausfällen, kann man im Bio-Landbau nicht komplett verzichten. Pflanzenschutz ist meist synonym mit der Vernichtung von Schadinsekten. Hier hat Steiner ein bemerkenswertes Rezept nach homöopathischer Art auf Lager: Die Schadinsekten sollen eingesammelt und verbrannt werden, um deren Asche auf dem Feld auszubringen. Dieses wird daraufhin von den Insekten gemieden. Aber auch vor Wirbeltieren macht Steiner nicht halt.

Denken Sie sich einmal, wenn man eine ziemlich junge Maus abfängt, da kann man sie häuten und kann die Haut von der ziemlich jungen Maus nehmen. […] Wir verschaffen uns zur Zeit des Stehens der Venus im Zeichen des Skorpion diesen Mäusebalg und verbrennen da diesen Mäusebalg, nehmen sorgfältig dasjenige, was sich da jetzt entwickelt durch das Verbrennen der Asche, überhaupt an Bestandteilen, die her- ausfallen […] Und in dem, was da durch das Feuer vernichtet wird, bleibt jetzt übrig die negative Kraft gegenüber der Reproduktionskraft der Feldmaus. […] Wenn Sie nun den auf diese Weise gewonnen Pfeffer – die Dinge werden ja auf gewissen Gebieten schwierig, da können Sie sich die Sache noch mehr homöopathisch machen, wir brauchen nicht einen ganzen Suppenteller voll Pfeffer […] so werden Sie darin ein Mittel haben, daß die Mäuse dieses Feld meiden. Nun sind sie freche Tiere, sie kommen wieder hervor, wenn der Pfeffer so ausgestreut ist, daß in der Nähe etwas pfefferlos geblieben ist. Da nisten sie sich wieder ein. Das heißt, die Wirkung strahlt weit aus, aber es könnte ja doch geschehen, daß die Dinge nicht ganz durchgeführt werden. Aber es ist ganz gewiß eine radikale Wirkung, wenn in der ganzen Nachbarschaft das selbe gemacht wird. (GA 327, sechster Vortrag)

Ist biologisch-dynamische Landwirtschaft also kompatibel mit Veganismus? Nur wenn man das rituelle Schlachten und die Verbrennung von Tierkörpern gutheißt.

via einige ähnliche Artikel in letzter Zeit und Andy Lewis, von dem auch der Schlusssatz stammt.

Quellen und Links

Martin Ballaschk ist Biologe, enthält Glutamat und ist auch noch stolz drauf! Er bloggt hier über Dinge, die ihn erstaunen, aufregen oder die er einfach für sich und seine Mitmenschen aufarbeiten möchte. Beruflich als Kommunikator an einem Berliner Forschungszentrum, hier privat.

23 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. „… ‘green wing’ of German fascism …”

    @ Martin

    du warst ja richtig „gentlemanly“, hast in deinem Klasse-Artikel auf den NS-Hintergrund der „biologisch-dynamischen Landwirtschaft“ verzichtet …

    Andy Lewis hat ihn gebracht, Zitat:

    http://www.quackometer.net/…c-farming-vegan.html

    „Biodynamics was also embraced at Dachau during the Second World War. Indeed, the academic, Peter Staudenmaier, has written about how Steiner’s environmental beliefs were not some kind of humanist worldview, but were actually blatantly racist and ”suitable only for a spiritually enlightened elite”.

    Anthroposophy, according to Staudenmaier, “had a powerful practical influence on the so-called “green wing” of German fascism”, and that the “mix of mysticism, romanticism, and pseudo-environmentalist concerns propagated by Steiner brought anthroposophy into close ideological contact with a grouping that has been described as the green wing of National Socialism”.“

    • Nur hat Andy Lewis es unterlassen zu erwähnen, dass alle von Rudolf Steiner gegründeten Waldorfschulen von der NS Herrschaft geschlossen wurden. Warum wohl?

  2. biodynamic plantation at KZ Dachau

    Damit klar ist, was Andy Lewis mit „Biodynamics was also embraced at Dachau during the Second World War …“ meint, hier der von Lewis genannte Peter Staudenmaier im Original:

    Peter Staudenmaier, „Between occultism and fascism: Anthroposophy and the politics of race and nation in Germany and Italy, 1900-1945“, Dissertation, Cornell University, August 2010, Seite 248f.:

    “The centerpiece of the DVA [„Deutsche Versuchsanstalt für Ernährung und Verpflegung“] biodynamic operations was the sizeable plantation at Dachau, which produced medicinal herbs and other goods for the SS. As at Ravensbrück, the labor on the Dachau biodynamic plantation was performed by camp inmates. From 1941 onward the Dachau operation was overseen by anthroposophist Franz Lippert, a leader of the biodynamic movement from its beginnings and head gardener at Weleda from 1924 to 1940. (249) Shortly after taking over the Dachau plantation Lippert joined the SS, and in 1944 received special recognition and a bonus for his work there. (250) Lippert also published a book for the SS in 1942 based on his work at Weleda and Dachau. (251)

    (Fussnote 250:) (…) According to a December 1939 DVA report, the Dachau plantation was built by camp inmates, “mainly Jews and Gypsies” (BA NS3/1433: 133).”

    weiter Staudenmaier, Seite 514–518:

    “Lippert was the anthroposophist SS officer who oversaw the biodynamic plantation at Dachau from 1941 to 1945. His activities at Dachau led to post-war de-Nazification hearings before a civilian panel, which ended in acquittal in 1948. Anthroposophists emphasize Lippert’s benign treatment of the concentration camp inmates, attested to in a series of affidavits from former prisoner submitted during his post-war hearings. According to this version of events, Lippert appears as a brave protector of the inmates forced to work on the Dachau plantation. (27)

    (Fussnote 27:) See Werner, “Anthroposophen in der Zeit des Nationalsozialismus”, 330-34, including extensive excerpts from the affidavits and other materials provided by Lippert’s daughter. The excerpts are unambiguous and praise Lippert for extraordinary efforts on behalf of the prisoners. (Ende Fussnote 27)

    For many anthroposophists, the testimony from former prisoners, and Lippert’s exoneration by a de-Nazification panel, show that far from a willing collaborator with the SS’s biodynamic program, Lippert was virtually a hero for his service at Dachau.

    From a historical perspective, there are several reasons to question this interpretation. The post-war affidavits themselves are not necessarily suspect as sources, despite their function as exculpatory testimony for the defendant in the court case against Lippert. (28) They are not substitutes, however, for direct sources from Lippert’s tenure as an SS officer. (29) Placing retrospective prisoner testimony into context is, moreover, a complex matter, particularly in light of the differential treatment of varying classes of inmates at Dachau. (30) For some prisoners the plantation was a relatively preferred work detail, while for others it was hellish, with dangerous and often deadly working conditions. (31) Without impugning the factual reliability of the affidavits in defense of Lippert, the account constructed around them is open to fundamental challenge. The portrait of Lippert as a humanitarian helper to his prisoners is the product of the post-war de-Nazification proceedings which exonerated him. This portrait belongs to a broader narrative of ‘rescuers’ and ‘good Nazis’ that was a common construct after 1945, which subsequent studies have sometimes adopted uncritically and projected back onto the Nazi era itself.

    Accounts such as these have not withstood scholarly scrutiny. Karin Orth’s study of SS concentration camp personnel analyzes “the nimbus of the ‘decent’ and ‘correct’ SS officer, which was sworn to in numerous court statements,” and concludes that this image was frequently deceptive. (32) Harold Marcuse’s study of Dachau amply supports this conclusion. Through a critical analysis of the civilian de-Nazification panels that absolved Lippert and many other SS officers, Marcuse shows that they were frequently re-cast as “rescuers” after the war, regardless of their activities in the camps. (33) The cases brought before German de-Nazification panels, consisting of lay jurors, routinely invoked the notion that SS officers who had treated prisoners benignly were thereby less guilty, and defendants were often acquitted on this basis. Marcuse notes that “most of them were let off without so much as a verbal reprimand.” (34) By 1948, when Lippert’s case was closed, the civilian panels were indiscriminately granting blanket clemency to SS officers and concentration camp guards across the board. (35) These findings are confirmed by extensive research on the de-Nazification process. (36)

    The post-war rehabilitation of Dachau guards and SS staff, and of concentration camp personnel and Nazi functionaries more generally, as well as the notoriously lenient approach of the civilian juries and the structural limitations of de-Nazification procedures, formed the framework within which anthroposophist representations of Lippert arose. His activities at Dachau appear in a different light when viewed against this backdrop. But the focus on his personal comportment is misplaced to begin with, and distracts attention from the more significant fact that Lippert was a central figure in integrating anthroposophical principles and biodynamic practices into the criminal enterprises of the SS and the concentration camp system.

    Avoidance of these broader historical factors is by no means unique to esoteric movements. The image of an anthroposophist SS officer as humanitarian hero partakes of a larger mythology that remains current among broad sectors of the German public, far beyond the anthroposophical milieu, a reminder of the unresolved legacy of the Nazi past.”

  3. @Andreas Lichte: „embrace“

    Die Nazis haben alles mögliche embracet. Zum Beispiel auch das Nichtrauchen:

    http://de.wikipedia.org/…das_Rauchen_im_NS-Staat

    Ist das nun auch von der NS-Umklammerung (magisch) kontaminiert? Falls ja, fange ich sofort mit dem Rauchen an.

  4. „Anthroposophie und Nationalsozialismus“

    „Anthroposophie und Nationalsozialismus: ‘Die Waldorfschulen erziehen zur Volksgemeinschaft’

    (…) Anthroposophen arbeiteten in allen für sie wichtigen Praxisfeldern mit nationalsozialistischen Organisationen zusammen, im Überblick:

    – Waldorfschulen: „Das Motto der Waldorfbewegung im »Dritten Reich« lautete: »Die Waldorfschulen erziehen zur Volksgemeinschaft.«1 Ihrer Selbstdarstellung zufolge lieferte die anthroposophische Pädagogik einen wesentlichen Beitrag zum Aufbau des neuen Deutschlands durch »die Pflege des völkischen Gedankens und die Betonung des Wesens und der Aufgaben des deutschen Geistes« und stand damit »im Einklang mit der Grundgesinnung des nationalsozialistischen Staates«.2“3

    – Anthroposophische Medizin: „Die Vereinigung anthroposophischer Ärzte stellte eine Hauptstütze der NS-treuen »Reichsarbeitsgemeinschaft für eine Neue Deutsche Heilkunde dar«.“4

    – „Biologisch-dynamische“ Landwirtschaft: „1935 wurde der »Reichsverband für biologisch-dynamische Wirtschaftsweise« korporatives Mitglied der nationalsozialistischen »Deutschen Gesellschaft für Lebensreform« (Motto: »Die Weltanschauung der Deutschen Lebensreformbewegung ist der Nationalsozialismus«).“5

    (…) Credits: Die Darstellung der Geschichte der Anthroposophie im Verhältnis zum Nationalsozialismus ist eine Kurzzusammenfassung der Forschung von Peter Staudenmaier, seit August 2011 Professor für „Modern German History“ an der Marquette University. Haupt-Quelle ist Peter Staudenmaiers Beitrag: „Der deutsche Geist am Scheideweg: Anthroposophen in Auseinandersetzung mit völkischer Bewegung und Nationalsozialismus“, in: Uwe Puschner/Clemens Vollnhals (Hrsg.), „Die völkisch-religiöse Bewegung im Nationalsozialismus. Eine Beziehungs- und Konfliktgeschichte“,Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 2012. Die Darstellung wurde von Peter Staudenmaier durchgesehen.“

    zum vollständigen Artikel mit Quellenangaben: http://www.ruhrbarone.de/…zur-volksgemeinschaft/

  5. Rudolf Steiner war nicht antivegan

    lieber martin ballaschk,

    ich habe gerade ihren interessanten artikel »Biologisch-dynamische Landwirtschaft ist antivegan« gelesen.

    was sie allerdings bitte berücksichtigen sollten: rudolf steiners band aus der gesamtausgabe (ga 327) ist möglicherweise nicht authentisch. selbst das rudolf-steiner-archiv in dornach gestand mir gegenüber ein, dass es zu den in dem band »Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft« keine bzw. nur teilweise und wenn auch nur begrenzte stenographische originale gibt, was schon allein verwundern muss im vergleich zu vielen anderen sehr wohl vorhandenen stenogrammen.

    zudem ist eine vorhergehende vergiftung steiners bekannt und es gibt aussagen eines seiner engsten vertrauten, der mit einem derjenigen gesprochen haben will, die ihn gezielt vergifteten und darauf abzielen wollten, steiners geistigen zustand zu verändern. auch waren die nicht mehr im original vorhandenen vorträge möglicherweise nicht allgemeingültig gedacht, sondern nur für den dort auf gut koberwitz bestehenden betrieb. einer der engsten vertrauten steiners und fachmann für landwirtschaft wurde zudem zu den vorträgen nicht nur nicht eingeladen, sondern er wurde gezielt ausgeschlossen. sogar schon kurz nach den vorträgen von koberwitz kam man den bitten steiners und dessen vertrauten nicht nach, ihnen die stenogramme der vorträge zukommen zu lassen, damit steiner und er sie durchgehen konnten. wenn sie die aufgezählten punkte addieren, erscheint die glaubwürdigkeit der »Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft« (ga 327) durchaus berechtigterweise zweifelhaft. auch sind zahlreiche der präparate eben gerade nicht von steiner, sondern z.b. von dem bauern hugo erbe.

    in meinem buch »veg up. die veganisierung der welt« habe ich das alles gründlich thematisiert und gebe dort die quellen für meine behauptungen an. zudem zitiere ich dort zahlreiche aussagen rudolf steiners, gerade aus seinen wichtigsten schriften, die nichts anderes zulassen, als aus aller eigenen logik heraus zur notwendigkeit einer veganen ernährung zu gelangen. immer wieder nahm er eindeutig stellung zu der situation der tiere, die sogar »viel ärmer dran sind, als wir menschen«. die menschen müssten die tiere »wieder hinaufziehen«, die sie herabgestoßen hätten.

    steiner schrieb nicht nur, dass es »die aufgabe der anthroposophen sein, den menschen allmählich das fleischessen zu verekeln«, er selbst trank zudem mandelmilch, sondern er spricht sich darüberhinaus immer wieder für eine »rein pflanzliche ernährung aus«. im abendmahl sah er gar »das symbol für den übergang von der tierischen zur pflanzlichen ernährung«. steiner untersagte seinen engsten schülern die jagd, riet immer von dem konsum von eiern ab.

    bedenken sie bitte auch, dass es vor hundert jahren die uns heute bekannten meterlangen regale voller molkereiprodukte noch nicht gab.

    an der ganzen nichtveganen ausrichtung von demeter stimmt also etwas nicht. insofern ist ihr beitrag und auch ihre feststellung sicher berechtigt. allerdings ist der eigentliche geistige vater von bio-dyn der veganen idee vermutlich sehr nah gewesen.

    rudolf steiner mit dem dritten reich in verbindung zu bringen – wie einige kommentare es versuchen – ist mehr als unlauter, steiner wurde bereits von schlägertrupps der nazis bedroht, als diese noch weit davon entfernt waren, wirklichen einfluss zu haben und konnte in münchen aus diesen gründen nicht mehr auftreten und verlagerte den bau des goetheanums daher auch in die schweiz, der ursprünglich in münchen geplant war.

    in seinem buch »wie erlangt man erkenntnisse der höheren welten« schreibt steiner, dass nur derjenige spirituelle fortschritte erzielen könne, der »sein mitgefühl für menschen und tiere ständig erhöhe«, andererseits »sein herz hart, der sinn stumpf« werden würde. zugleich beschreibt er die überwindung der völkerzersplitterung als höheres ziel in einer geeinten menschheit. das grausame zitat mit der geäuteten maus steht hierzu ebenso in krassem widerspruch wie die praxis der tierausnutzung auf biologisch-dynamischen betrieben. mittlerweile gibt es bio-dynamische-landwirte, die aus der tierausnutzung ausgestiegen sind oder die tiere noch auf dem hof belassen, sie aber nicht mehr töten und sich sogar bewusst hinter die vegane idee stellen.

    ich würde daher – ihre these abmildernd – nicht schließen, dass biologische-vegane landwirtschaftlich per se »antivegan« ist. dem widersprechen jene biologisch-dynamischen landwirte, die auf vegan umsteigen, dabei aber nicht tiere generell ausschließen wollen aus dem, was sie »hoforganismus« nennen. was diese landwirte dagegen selbstbewusst ausschließen ist die weitere ausbeutung und tötung ihrer tiere.

    ohne zweifel gab es schon früh nach steiners tod »anthroposophen«, die sowohl fleisch essen als auch hitler unkritisch betrachten wollten.

    auch dann, wenn man z.b. als wissenschaftler mit jeglicher spiritualität nichts zu schaffen haben möchte, was ich respektiere, sollte man bitte die fairness aufbringen und die hinweise beachten. außerdem möchte ich gern hinzufügen, dass rudolf steiner selbst naturwissenschaftler war und es sich bei seiner spiritualität grundsätzlich um den versuch handelte, sie auf naturwissenschaftlicher grundlage zu entwickeln. das mag eigentümlich oder vielleicht sogar befremdlich erscheinen, steiner meinte das ernst. unabhängig davon hat er die bedeutung der unabhängigen naturwissenschaft immer wieder anerkannt und betont und insbesondere bedeutende naturwissenschaftler seiner zeit inspiriert und in staunen versetzt.

    abgesehen von der behandlung der tiere geht es auf biologisch-dynamischen höfen übrigens durchaus sehr umweltbewusst zu. bitte vergessen sie nicht, dass demeter-gärtner und landwirte die pioniere einer umweltverträglichen landwirtschaft sind, die seit jahrzehnten auf kunstdünger und chemieeinsatz bewusst verzichten.

    wenn sie schreiben, die bio-landwirtschaft hätte »eine Minimierung von Umweltschäden zum Leitmotiv und ist seit einigen Jahrzehnten auf einem guten Weg, sich von ihrem okkult-religiösen Erbe zu emanzipieren und zu einer wissenschaftlich basierten Wirtschaftsweise zu werden«, so begehen sie einen kleinen, aber entscheidenden gedankenfehler.

    denn es ging rudolf steiner nachweislich nie darum, umgekehrt wissenschaft durch »okkult-religiöses« zu ersetzen, sondern wissenschaft und soiritualität gegenseitig zu ergänzen, das heißt, es handelte sich um einen ganzheitlichen ansatz. dabei muss wissenschaft ebenso wie das gesamte denken frei sein. steiner selbst wandte sich zeit seines lebens gegen religiöse bevormundung, dogmatik und engstirnigkeit. die »freiheit des geisteslebens« war eine seiner zentralen themen und forderungen. vielleicht hat gerade er wie kaum ein zweiter das »okkult-religiöse« erbe durch seinen betont anderen denkansatz emanzipiert. dies erschließen kann man sich freilich nur, indem man zumindest die grundlegenden bücher von rudolf steiner liest, beginnend mit der »philosophie der freiheit« und mehr noch: indem man die von ihm beschriebenen erkenntniswege selbst beschreitet – und ihre bedeutung und wirkung überprüft. aus sekundärliteratur heraus kann man das sicher nicht.

    es ist doch gerade der verlust des humboldtschen bildungsideals, des wissens, das über den tellerrand hinaus geht und uns erst im gesamten lösungen auf die globalen herausforderungen liefert, vor denen wir stehen.

    herzliche grüße
    christian vagedes

    christian vagedes: veg up. die veganisierung der welt, 288 seiten, hardcover. mit grünem faden geheftet. konsequent frei von knochenleim, ISBN 978-3-942346-04-7. hinweis auf das kapitel: »bio oder: wie lange soll demeter noch weinen?« http://www.veg-up.de

  6. Gähn,

    bei biologisch-dynamischer Landwirtschaft kommen Tiere zu Schaden (erzähl das meinem Schinkenbrot), und dieser Steiner war nicht nett zu Schädlingen? Weil das keinen so recht aufregen wird sollen sich diese Veganer drüber aufregen? Peinlich, dieses triumphierende Gehabe im Schlusssatz, zusammengefasst: Eine Ideologie (die uns ehrlich gesagt hinten vorbei geht) ist nicht kompatibel mit dem Glaubenssystem über das wir uns hier echauffieren wollen – Hah!

    Ich werde den Landwirt jedenfalls weiter danach beurteilen wie gut seine Erzeugnisse schmecken, nicht danach ob er an mistige Kuhhörner glaubt oder zum Erntedankgottesdienst geht (noch so ein Glaubenssystem das wie auch immer mit dem NS-System zusammen hing)

  7. Steiner in „far-right milieu in Munich“

    @ Christian Vagedes (08.08.2012, 20:29)

    Sie haben einen weiteren, wertvollen Beitrag zur anthroposophischen Legendenbildung geschrieben. Man könnte auch sagen: eine weitere anthroposophische Verschwörungstheorie.

    Ich greife nur eines Ihrer Märchen heraus, das mich wirklich interessierte, Zitat Vagedes:

    „rudolf steiner mit dem dritten reich in verbindung zu bringen – wie einige kommentare es versuchen – ist mehr als unlauter, steiner wurde bereits von schlägertrupps der nazis bedroht …“

    Vergleichen wir das doch einmal mit:

    Peter Staudenmaier, „Between occultism and fascism: Anthroposophy and the politics of race and nation in Germany and Italy, 1900-1945“, Dissertation, Cornell University, August 2010, Seite 141–142 (Absätze von mir eingefügt):

    „The second event with roots in the Upper Silesia dispute was the disruption of Steiner’s well-attended public lecture in the Hotel „Vier Jahreszeiten“ in Munich on May 15, 1922. (81)

    Anthroposophist descriptions of this incident provide conflicting accounts of the perpetrators and their intentions, with some blaming unidentified nationalist ruffians, some blaming Nazi agitators, others the Ludendorffers, and still others the Thule Society, while some claim that Steiner’s antagonists attempted to attack him physically or even to assassinate him. (82)

    Eyewitness anthroposophist reports tell a less dramatic story. Rather than an assassination attempt, these first-hand sources depict a politically unaffiliated group in the audience who were hostile toward anthroposophy and interrupted the lecture with noise, turning out the lights, and similar tactics. (83)“

    Fussnoten:

    (81) On the role of the „Vier Jahreszeiten“ as gathering place for the far-right milieu in Munich at the time see Phelps, “Before Hitler Came.”

    (82) Guenther Wachsmuth, „Rudolf Steiners Erdenleben und Wirken“ (Dornach: Philosophisch-Anthroposophischer Verlag, 1964), 470, reports an attempted attack on Steiner by “a few hotheads who had been confused by the usual untrue propaganda of our opponents”; Wehr, Rudolf Steiner, 327, attributes the attack to the Thule Society, and reports a rumor that Steiner was “eighth or ninth” on a supposed list of assassination targets; Karl Heise, Der katholische Ansturm wider den Okkultismus (Leipzig: Max Altmann, 1923), 94, offers a full-blown conspiracist version of the event, centered on a foiled right-wing assassination plot. Werner, „Anthroposophen in der Zeit des Nationalsozialismus“, 8, says the Ludendorffers were responsible for disrupting the lecture and provoking a melee. A detailed first-hand description is available in Hans Büchenbacher, “München 1922” in Beltle and Vierl, eds., Erinnerungen an Rudolf Steiner, 323-26. Lindenberg, Rudolf Steiner: Eine Biographie, 770, provides a thorough account of the incident, does not mention an assassination attempt, and does not attribute the event to Nazis, Ludendorffers, or any völkisch agitators. On the convoluted relationships between Ludendorffers and Nazis during the period see Bruno Thoss, “Ludendorff und Hitler 1920-1922” in Thoss, Der Ludendorff-Kreis 1919-1923 (Munich: Wölfle, 1978), 249-61.

    (83) See e.g. the comprehensive contemporary report by Paul Baumann, “Dr. Rudolf Steiners Vortrag in München,” Dreigliederung des sozialen Organismus May 25, 1922, 4-5, which says nothing about an assassination attempt and does not mention the Nazis. See also the memoir by anthroposophist Elisabeth Klein, who was on stage with Steiner at the 1922 event; Klein’s thorough description makes no mention of an attempted assassination or Nazis or right-wingers, merely reporting that a “hostile group” tried to “disrupt the lecture”: Elisabeth Klein, Begegnungen (Freiburg: Die Kommenden, 1978), 45-46.

  8. theorie?

    herr lichte, wo ist der oder überhaupt ein widerspruch? oder können sie vielleicht kein englisch? es steht doch da sogar in ihren zusammengetragenen infos, dass eine hinrichtung steiners geplant war. oder sind das auch alles legendenbildungen? und wie verträgt sich der rassenwahn der nazis mit der aussage steiners, rassismus sei eine „kulturkrankheit“? was wollen sie eigentlich sagen?

    die nazis haben sogar behinderte ermordet, anthroposophen bemühen sich weltweit darum, dass sie integriert werden. steiner hat sich schon gegen antisemitismus engagiert, als es die nazipartei noch gar nicht gab.

    kann es sein, dass sie sich da blindwütig in etwas hineingesteigert haben? (von unterwegs)

  9. Licht aus = „geplante Hinrichtung“ ?

    @ christian vagedes (09.08.2012, 12:53)

    Zitat des Historikers Prof. Peter Staudenmaier:

    „Eyewitness anthroposophist reports tell a less dramatic story. Rather than an assassination attempt, these first-hand sources depict a politically unaffiliated group in the audience who were hostile toward anthroposophy and interrupted the lecture with noise, turning out the lights, and similar tactics. (83)“

    meine Übersetzung:

    „Anthroposophische Augenzeugen-Berichte erzählen eine weniger dramatische Geschichte. Eher als einen Mord-Versuch [an Steiner], beschreiben diese Quellen aus erster Hand eine politisch unangeschlossene Gruppe im Publikum, die der Anthroposophie ablehnend gegenüber stand, und den Vortrag [Steiners] mit Lärm, dem Ausschalten des Lichts, und ähnlichen Taktiken störte.“

    Herr Vagedes,

    ist das Ausschalten des Lichts für Sie „eine geplante Hinrichtung Steiners“?

  10. „Rassenwahn“ bei Rudolf Steiner

    @ christian vagedes (09.08.2012, 12:53)

    Sie fragen: „wie verträgt sich der rassenwahn der nazis mit der aussage steiners, rassismus sei eine „kulturkrankheit“?“

    „Rassenwahn“ gibt es auch bei Rudolf Steiner:

    „Anthroposophie und Nationalsozialismus: ‘Die Waldorfschulen erziehen zur Volksgemeinschaft’

    (…) Zentral für die Anthroposophie ist auch Steiners esoterische Rassenlehre. Der amerikanische Historiker Peter Staudenmaier (siehe „Credits“) erläutert: „Ausgehend von Blavatskys19 entwicklungstheoretischem Ansatz baute Steiner eine Evolutionslehre der Völker- und Rassengruppen auf, wonach die menschliche Seele durch aufeinanderfolgende Verkörperungen in immer »höheren« Rassen geistig wie leiblich fortschreitet. Diese Stufenleiter der Rassen steht im Mittelpunkt von Steiners esoterischem Verständnis der Gesamtentwicklung der Menschheit, vom Verhaftetsein in der Materie hin zur geistigen Vervollkommnung.”20

    Endpunkt und Ziel der „Menschheitsentwickelung“ ist für Steiner die „weisse Rasse“. Folgende Aussage Steiners hat programmatischen Charakter: „Die weiße Rasse ist die zukünftige, ist die am Geiste schaffende Rasse.“21 (…)“

    Fussnote 21: Rudolf Steiner, „Vom Leben des Menschen und der Erde – Über das Wesen des Christentums“, GA 349, Dritter Vortrag, Dornach, 3. März 1923

    In diesem Vortrag wird die Wahnhaftigkeit von Steiners Rassismus deutlich, die Lektüre sei dringend empfohlen. Ein Beispiel, Zitat Rudolf Steiner:

    „So daß also ein Schwarzer in Afrika ein Mensch ist, der möglichst viel Wärme und Licht vom Weltenraum aufsaugt und in sich verarbeitet. Dadurch, daß er das tut, wirken über den ganzen Menschen hin die Kräfte des Weltenalls so. (Es wird gezeichnet.) Überall nimmt er Licht und Wärme auf, überall. Das verarbeitet er in sich selber. Da muß etwas da sein, was ihm hilft bei diesem Verarbeiten. Nun, sehen Sie, das, was ihm da hilft beim Verarbeiten, das ist namentlich sein Hinterhirn. Beim Neger ist daher das Hinterhirn besonders ausgebildet. Das geht durch das Rückenmark. Und das kann alles das, was da im Menschen ist an Licht und Wärme, verarbeiten. Daher ist beim Neger namentlich alles das, was mit dem Körper und mit dem Stoffwechsel zusammen hängt, lebhaft ausgebildet. Er hat, wie man sagt, ein starkes Triebleben, Instinktleben. Der Neger hat also ein starkes Triebleben. Und weil er eigentlich das Sonnige, Licht und Wärme, da an der Körperoberfläche in seiner Haut hat, geht sein ganzer Stoffwechsel so vor sich, wie wenn in seinem Innern von der Sonne selber gekocht würde. Daher kommt sein Triebleben. Im Neger wird da drinnen fortwährend richtig gekocht, und dasjenige, was dieses Feuer schürt, das ist das Hinterhirn.“

    Quelle: http://www.ruhrbarone.de/…zur-volksgemeinschaft/

  11. nazis gegen steiner und textpassagen

    hallo herr lichte,

    sie vermischen meiner ansicht nach zwei grundlegend verschiedene punkte miteinander.

    das möchte ich daher gern einmal aus meiner sicht klarstellen:

    punkt 1: die nazis waren gegen steiner
    dass die nazis schon in den 20er jahren auf veranstaltungen rudolf steiners – worauf sie ja selbst hinweisen – tumult betrieben ist kein hinweis darauf, dass sie ihn ablehnten? geradezu ist das ein hinweis! es ist ja fast zynisch, wenn man nicht gerade diese störungen nicht als hinweise für gegnerschaft sieht. auch das licht ein- und auszuschalten ist bereits ein gewaltangiff. eine form schlimmsten angsteinjagens und psychoterror. wie können sie das verharmlosen?

    ich denke, dass steiner und seine mitarbeiter schon damals richtig einschätzten, welche gefahr von den nazis ausging. ich glaube, dass sie dabei sogar manchen amerikanern voraus waren, die ja hitler zu dieser zeit teilweise sogar noch unterstützten. das ist im übrigen unumstritten. sie müssten nur nicht so einseitig die geschichte betrachten, sondern die quellen studieren.

    punkt 2. nicht mehr zeitgemäße und aus heutiger sicht rassistische äußerungen des rassismusgegners steiner

    die von ihnen zitierten aussagen steiners zu afrikanern sind aus heutiger sicht unerträglich und rassistisch. die anthroposophische gesellschaft hat sich davon meines wissens mehrfach klar distanziert. solche (zugegeben: in mehrere hunderte bände umfassendem werk) sehr seltenen stellen) werden heute nicht mehr unkommentiert vom steiner-verlag gedruckt. trotzdem ist der hinweis richtig, dass die zitate aus dem zusammenhang gerissen sind. auch durch sie. damals schrieb man generell anders.

    ich frage sie: mehr haben sie nicht zu bieten? immer nur diese sensationslüstern gebrachten zitate? vielleicht hat steiner »die weiße rasse« (später hat er immer wieder betont, wie abträglich überhaupt »rassedenken« ist! zugegeben: aus heutiger sicht ein blöder begriff) in der führung der welt gesehen. damit meinte er insbesondere die »angelsächische welt« nebst deutschland, damals führende wissenschaftsnation und ebenfalls wirtschaftsmacht. tatsächlich haben die begründer der modernen westlichen außenpolitik das genauso gesehen und thematisiert. weil es so war. das britische empire war die führende seemacht. ich glaube, dass sie das nur dann begreifen können, wenn sie sich einmal näher mit den führenden damaligen akteuren der zeit und auch ihren nachfolgern beschäftigen. z.b. mir sir alfred zimmern (schrift: »der amerikansiche weg zum weltfrieden«) und vor allem mit den birtischen und amerikansichen teilnehmern der friedenskonferenzen nach dem ersten weltkrieg. zimmern schreibt in seinem buch »vom britische volk, das im neunzehnten jahrhundert die führende rolle in der welt spielte, mit all einer erfahrung auf kommerziellem, finanziellem und auf anderen gebieten des weltverkehrs«. DAS ist mit »die weiße rasse« gemeint, steiner hat diese welthistorische rolle in vielen vorträgen thematisiert und auch anerkannt, wusste aber – wie die verantwortlichen dieser kreise selbst – , dass sich das alles internationalisieren wird. schrittweise wollte man das empire umbauen: zum commonwealth of the nations, durchaus einem vormodell der vereinten nationen und in diesem die macht auch dezentralisieren. lesen sie es nach – in den schriften der verantwortlichen ideengeber und akteure der zeit!

    man kann sich das nur ergründen, wenn man sich in die damalige zeit und in die geschichte hineindenkt.

    warum hat steiner wohl davor gewarnt, dass »1933 in deutschland das tier aus der tiefe steigen« wird? warum erteilt er völkischem und rassistischem denken überall eine absage? in den wichtigsten seiner bücher, in zahlreichen vorträgen?

    haben sie sich schon mal intensiv mit hegel beschäftigt? wussten sie, dass hegel von volksgeistern sprach? können sie sich trotzdem vorstellen, dass sich alle diese historischen gedanken außerhalb jegliches primitiven rassismus abgespielt haben, den wir heute vereint ablehnen?

    ich möchte hegels ausführungen und die steiners gar nicht beurteilen. aber ich finde es geradezu absurd, dass sie diese gedankengänge so mit schlagworten belegen, die überhaupt nicht dazu passen. damit spielen sie nur leuten zu, die tatsächlich rassisten sind. das ist boulevardesk.

    meine kinder besuchen selbst die waldorfschule, rassistisches denken gibt es hier definitiv nicht – im gegenteil. es gibt mitterweile jährlich einen »waldorf one-world-day«). die welt wächst zusammen, da ist für rassismus kein platz. es gibt auch in südafrika waldorschulen, die eher von schwarzafrikanischen kindern besucht werden. es tut fast weh, wenn man an diese denkt und dann ihre populistischen vorwürfe liest.

    steiner war ein großer freund des individualismus, der freiheit. für ausgrenzung ist da kein platz.

    und: zustandsbeschreibungen sind etwas anderes, sicherlich heute schwer nachvollziehbar und sicher in vielen teilen überlebt. aber einem das hundert jahre später um die ohren zu hauen, das muss, wie ich finde, einfach schief gehen. niemand ist zudem frei von fehlern.

    was auch immer sie noch aufbieten werden: ich hoffe, dass sie es wenigstens gut meinen, denn gegen rassismus sind wir ja alle, aber mir scheint doch, dass sie sich in ihrer ablehnung gegen die waldorfschulen und steiner verrannt haben und dass es waldorflehrer, walforfeltern und waldorschüler besser wissen als sie.

    die überwiegende mehrheit dieser menschen betrachtet rassedünkel, rassismus und völkischen firlefanz nicht nur als vollkommen überlebt, sondern lehnt ihn selbstverständlich angewidert ab. und zwar nicht trotz, sondern gerade wegen steiner.

    aber was hat das ehedem alles mit dem ursprungsthema zu tun? 😉

    da frage ich mich, was für ein ziel sie eigentlich verfolgen?

    weiter werde ich mich hier zu dem thema allerdings nicht äußern, weil mir die zeit dazu fehlt.

  12. Herr Vagedes, Sie verstehen nicht …

    @ christian vagedes (09.08.2012, 16:11)

    Sie schreiben: „dass die nazis schon in den 20er jahren auf veranstaltungen rudolf steiners – worauf sie ja selbst hinweisen – tumult betrieben ist kein hinweis darauf, dass sie ihn ablehnten?“

    Ich fange an, zu begreifen, warum Sie Rudolf Steiner verehren: Sie verstehen kein Wort …

    Lesen Sie noch einmal Peter Staudenmaier, hier:

    „Anthroposophische Augenzeugen-Berichte erzählen eine weniger dramatische Geschichte. Eher als einen Mord-Versuch [an Steiner], beschreiben diese Quellen aus erster Hand eine politisch unangeschlossene Gruppe im Publikum, die der Anthroposophie ablehnend gegenüber stand, und den Vortrag [Steiners] mit Lärm, dem Ausschalten des Lichts, und ähnlichen Taktiken störte.“

    Wo sind da „Nazis“?

    „eine politisch unangeschlossene Gruppe“ heisst:

    Menschen, die sich NICHT eindeutig einer politischen Gruppierung zuordnen lassen.

  13. Waldorflehrer wissen es besser ?

    @ christian vagedes (09.08.2012, 16:11)

    SIe schreiben: „… und dass es waldorflehrer, walforfeltern und waldorschüler besser wissen als sie.“

    Ich bin selber ausgebildeter Waldorflehrer:

    Waldorflehrer werden! – am ‘Seminar für Waldorfpädagogik Berlin’

    Unser Gastautor Andreas Lichte war als Experte zur Waldorfschule beim Deutschlandradio Kultur zu Gast. In der „Zeitreisen“-Sendung „Die bessere Schule oder esoterischer Irrglaube?“ am 23.2.2011 berichtete er auch von seinen Erfahrungen während seiner Ausbildung zum Waldorflehrer am „Seminar für Waldorfpädagogik Berlin“. Hier eine Extended Version (…)“

    weiter: http://www.ruhrbarone.de/…dorfpadagogik-berlin“/

  14. Helmut Zander: Rudolf Steiner Rassismus

    @ christian vagedes (09.08.2012, 16:11)

    Sie schreiben: „… später hat er [Rudolf Steiner] immer wieder betont, wie abträglich überhaupt »rassedenken« ist!“

    Falsch. Rudolf Steiner hat bis zu seinem Tode an seiner esoterischen Rasssenlehre festgehalten:

    „Hitler, Steiner, Mussolini – Anthroposophie und Faschismus, gestern und heute

    (…) Helmut Zander, Historiker und Autor des Standardwerkes „Anthroposophie in Deutschland“, über Rudolf Steiners Rassismus und Antisemitismus:

    „Steiner ordnete die Rassen einer Fortschrittsgeschichte zu, in der beispielsweise heutige Indianer als »degenerierte Menschenrasse« im »Hinsterben« (GA 105,106.107 [1908]) oder schwarze Afrikaner als defiziente Spezies der Menschen- und Bewußtseinsentwicklung, als »degenerierte«, »zurückgebliebene« Rasse (ebd., 106) erschienen. Umgekehrt habe die weiße Rasse »das Persönlichkeitsgefühl am stärksten ausgebildet« (GA 107,288 [1909]). Dies sind nur Kernsätze einer Rassentheorie, die Steiner 1904 erstmals formulierte, um sie 1910 in einem komplexen System und in zunehmender Abgrenzung zu theosophischen Positionen auszufalten. Mit seinem Ausstieg aus der Theosophie hat er diese Vorstellungen keinesfalls über Bord geworfen, sondern sie 1923 nochmals in Vorträgen vor Arbeitern des Goetheanum in vergröberter, »popularisierter« Form wiederholt, aber ohne Revision im inhaltlichen Bestand. Die weiße war nun »die zukünftige, die am Geiste schaffende Rasse« (GA 349,67 [1923]).“19

    „In der Konsequenz dieses Denkens lag auch Steiners Bestimmung des Judentums, das ebenfalls als evolutionshistorisch überholt galt (s. 8.3.2b), und in diesen Kontext gehören auch seine Völkerstereotypien, die gleichfalls hierarchisiert waren und die Deutschen als Avantgarde der Entwicklung sahen (s. 14.3.1a).“20

    „Steiner formulierte mit seinem theosophischen Sozialdarwinismus eine Ethnologie, in der die Rede von »degenerierten«, »zurückgebliebenen« oder »zukünftigen« Rassen keine »Unfälle«, sondern das Ergebnis einer konsequent durchgedachten Evolutionslehre waren. Ich sehe im Gegensatz zu vielen Anthroposophen keine Möglichkeit, diese Konsequenz zu bestreiten.“21 (…)“

    zum vollständigen Artikel mit Quellenangaben: http://www.ruhrbarone.de/…mus-gestern-und-heute/

  15. Vagedes Wahn kontra Wissenschaft

    Herrn Vagedes Äußerungen über Rudolf Steiner lassen sich kurz und präzise so klassifizieren: Es stimmt kein Wort. Herr Vagedes gibt ausschließlich die Propagandaphrasen der sogenannten „Anthroposophen“ wieder, die allesamt nachweislich falsch sind. Der Mann, der sich als „Hellseher“ stilisierte und z.B. Krankheit und Tod auf schlechtes Karma zurückführte, starb z.B. mit ziemlicher Sicherheit selber an Magenkrebs. Seine fanatischen Anhänger erfanden deshalb einen Giftmord, weil nicht sein sollte, was nach nicht sein durfte. Ebenso verbreiten sie noch heute gern die Legende, das erste Goetheanum sei in Brand gesteckt, sie seien von den Nazis verfolgt worden etc. etc. Das alles ist nachweislich falsch und deshalb gibt es nur zwei Möglichkeiten: Herr Vagedes plappert nur nach, was ihm die Steiner-Jünger auftischten oder er lügt wie gedruckt. Auf jeden Fall muss bei jemandem, der Texte von Steiner, wie den über die „Erkenntnis höherer Welten“, lobend hervorhebt, von einer Zugehörigkeit zur anthroposophischen Sekte ausgegangen werden, die ohne Verlust der Zurechnungsfähigkeit nicht möglich ist. Der Text über die höheren Welten ist nichts anderes als die Anweisung gehorsam und bedingungslos den Worten des „okkulten Meisters“ und seiner „Geisteskämpfer“ zu folgen. Zu schön ist es von Steiner „wichtigsten Schriften“ zu sprechen und den „Hellseher“ als „Naturwissenschaftler“ zu bezeichnen. Tatsächlich hatte Steiner auf keinem Gebiet nennenswerte Fachkenntnisse und er wollte auch nicht, wie Herr Vagedes phantasiert oder lügt, die Wissenschaft durch „Spiritualität“ ergänzen. Für Steiner war alle Wissenschaft ahrimanisches Teufelswerk. Auch in Berufen, die zwingend Sachkenntnisse gebieten, wie dem des Arztes, zählt für Steiner und seine Getreuen allein die „Gesinnung“, die Überzeugung, dass Rudolf Steiner der Erlöser der Menschheit ist, der den Weg aus dem verhängnisvollen „Materialismus“ (der Realität) in die „Geistige Welt“ (dem schieren Wahnsinn) weist. Dieser Überzeugung sind im Laufe der Jahrzehnte viele Menschen zum Opfer gefallen, indem sie vergeblich auf „spirituelle“ Heilung und Läuterung setzten und auf adäquate medizinische Behandlung verzichteten oder indem sie mit Krankheiten infiziert wurden, die von den „anthroposophischen“ Impfverweigerern munter verbreitet werden, aus voller Überzeugung damit das einzig Richtige zu tun. Ein Menschenleben hat schließlich aus dieser Sicht nur die Qualität einer vorübergehenden Metamorphose und wer auf der Strecke bleibt, der hat es auch verdient, „karmisch“ notwendig eben, im Sinne der „höheren Welten“, in denen Herr Vagedes schwelgt und sich damit restlos aus dem Kreis diskursfähiger Menschen explizit verabschiedet hat.

    Die Nachweise hierfür finden Sie

    1. im Gesamtwerk Rudolf Steiners, das ausschließlich reinen Irrsinn enthält. Es gibt keine einzige Passage, die außerhalb seiner Sekte irgendeine Bedeutung erlangt hätte. In der seriösen Schulbildung kommt Steiner nicht vor, in keiner wissenschaftlichen Disziplin spielt er auch nur die geringste Rolle. Steiners Rassenwahn beschränkt sich nicht auf einzelne Entgleisungen, er ist vielmehr von den Theosophen übernommen und konstitutionell für das der gesamten „Anthroposophie“ zugrundeliegende Evolutionsverständnis. Anhand des online zugänglichen Gesamtwerks kann sich jeder davon überzeugen, während Herr Vagedes für seine kontrafaktischen Behauptungen keine Belege liefern kann, weil es die nicht gibt.

    http://fvn-rs.net/
    2. Details zu den anderen Lebenslügen (Giftmord, Naturwissenschaftler etc.) werden detailliert in der Biografie von Helmut Zander („Rudolf Steiner – Die Biografie“) widerlegt. Steiners Dissertation in Philosophie umfasste 48 Seiten und erntete bestenfalls Gelächter, wenn sie von jemandem wahrgenommen wurde, ebenso wie die später daraus hervorgegangene „Philosophie der Freiheit“, die Herr Vagedes hier feiert. Steiners Promotion wurde überhaupt nur durch einen ihm wohlgesonnen Professor in Rostock ermöglicht, da der „Geistesführer“ nur einen Realschulabschluss hatte und in Österreich die Zulassungskriterien damit nicht erfüllte. Für seine Stümperei erhielt Steiner gerade noch die schlechteste Note (rite), um den begehrten Titel zu erlangen. Die erhoffte akademische Karriere war damit aber erledigt. Steiner trat stattdessen der theosophischen Sekte bei, durchlief deren „Schulung“, präsentierte sich als „Hellseher“ und ließ sich als „Der Doktor“ anreden.

    Bzgl. der Nähe zum völkischen Spektrum der Weimarer Zeit und der nationalsozialistischen Herrschaft sowie zum Rechtsextremismus unserer Tage hat 3. Andreas Lichte bereits einschlägige Texte genannt.

    4. Ebenfalls dazu und zu verschiedenen anderen Aspekten des anthroposophischen Sektenwahns in Theorie und Praxis, Geschichte und Gegenwart, finden Sie bei den „Nachrichten aus der Welt der Anthroposophie“ zahlreiche Texte. Empfehlen möchte ich nicht zuletzt den ausführlichen Artikel zum Thema „anthroposophische Heilpädagogik“, der exemplarisch zeigt, welches Bild der Öffentlichkeit vermittelt wird, was sich stattdessen dahinter verbirgt und mit behördlichem Segen, aus Steuermitteln finanziert, Tag für Tag in die Tat umgesetzt wird, auf Kosten von Menschen, die sich nicht wehren können und den Steiner-Jüngern schutzlos ausgeliefert sind.

    http://rudolf-steiner.blogspot.de/…inder_17.html

    Mit freundlichen Grüßen,
    Nachrichten aus der Welt der Anthroposophie

  16. PS

    Nicht nur das angeblich so philanthropische Engagement der Steiner-Truppe auf dem Gebiet der Behindertenbetreuung ist eine abartige Lüge, auch das von Herrn Vagedes (wie stets) vorgebrachte Argument, Waldorfschulen in Afrika bewiesen die antirassistische Ausrichtung der „Anthroposophie“, stimmt selbstverständlich nicht. Hierzu Peter Bierl:

    „In Südafrika entstanden während der Apartheid die ersten Waldorfschulen in weißen Bezirken für Kinder der Mittelschicht. Erst in den 80er Jahren wurden verstärkt farbige Kinder aufgenommen, heißt es in einer anthroposophischen Publikation. Drei Waldorfschulen in Townships kamen hinzu. Dieses Engagement steht auch nicht im Widerspruch zur Rassenlehre, weil der anthroposophische Rassismus nicht eliminatorisch, sondern paternalistisch ist. Das Ziel ist nicht wie bei den Nazis, als minderwertig definierte Menschen zu ermorden oder zu versklaven, sondern karmische Entwicklungshilfe zu leisten und damit zugleich sein eigenes Karmakonto zu verbessern, Gleichwohl ist es Rassismus: Die falsche Prämisse ist, Menschen könnten aufgrund bestimmter objektiver Kriterien in Rassen aufgeteilt werden, und die Lehre ist diskriminierend, weil die Anthroposophie den von ihr definierten Rassen und Völkern und ihren Angehörigen verschiedene Aufgaben oder „Missionen“ zuschreibt und weiße Europäer Erzieher und Lehrer sein sollen.
    So heißt es über »Waldorfimpulse« in Afrika. es gelte auf dem Kontinent eine Erziehung auf der Grundlage der Anthroposophie zu gestalten, dabei aber auf die Bedürfnisse zu lauschen. die aus der schwarzen Seele aufsteigen, »Hoffen wir. dass es gelingen wird. die Herzenskräfte der schwarzen Rasse mit den Haupteskräften der weißen in unserem anthroposophischen, pädagogischen Impuls zu verbinden«, schrieb Claartje Wijnbergh aus Johannesburg 1987 im Goetheanum. Schwarze Afrikaner gelten in der Anthroposophie als kindliche, triebgesteuerte Wesen, Diese Ansicht findet sich über Jahrzehnte in einschlägigen Publikationen. So schreibt Helmut Knauer (1958) über die „Beweglichkeit, Kindlichkeit und unbeschwerte Fröhlichkeit“ der Eingeborenen. die »außerordentlich anstellig (sind) und lernen wie die Kinder«, Paul Bühler (1964) notiert, in Afrika seien den Menschen» Kindheitsmerkmale « eingeprägt.
    Van Houten (1971) beschreibt Afrika als Unterleib und Europa als Kopf des Planeten, In Europa sei das Zentrum der künftigen Menschheit, dort würden die Völker durch ihre Volksgeister auf ihre jeweilige Mission vorbereitet Die Portugiesen, Holländer und Briten, die in Südafrika gelandet seien, hätten die Aufgabe gehabt. dem noch schlafenden Riesen Afrika die » Impulse der europäischen Bewusstseinsseele« zu bringen, Die Kolonialisten hätten den Afrikanern geholfen, ihr Stammesbewusstsein zugunsten einer »freien Volksgemeinschaft« zu überwinden. Die Begegnung mit den Völkern aus dem Norden, schreibt van Houten, könne in den Afrikanern »eine neue, bisher unbekannte völkische Seelenverfassung entstehen lassen«. Andreas Suchantke (1972) bezeichnet sie als Kinder, was man schon an ihren pausbäckigen Gesichtern erkenne, die nicht erwachsen werden können. Der Wille sich zu betätigen sei noch »ungeführt« und äußere sich als Bewegungsdrang und in der Vorliebe für Musik. Der kindliche Schwarze brauche darum Führung durch den Weißen. Wilhelm Neurohr (2001) schreibt von einer »Erinnerung an unsere menschheitliche Kindheit, die uns aber quasi äußerlich auf dem afrikanischen Kontinent entgegentritt«. Auch sein Plädoyer für ein karitatives Engagement steht im Kontext einer neuen »Afrika-und Weltpolitik« die die EU betreiben solle, weil dies »dem geistigen Auftrag Europas« entspreche. White man’s burden.“

    (Bierl, Peter: Wurzelrassen, Erzengel und Volksgeister. Die Anthroposophie Rudolf Steiners und die Waldorfpädagogik, 2. Aufl., Hamburg 2005, S. 116 ff.)

  17. ergänze: Waldorf in Afrika = „Apartheid“

    „Waldorfschule: Dr. Detlef Hardorp verkauft Rudolf Steiners Rassismus als Multikulti

    (…) Ich könnte nun – Zeile für Zeile – Hardorps Artikel „Die Menschen sind über die Erde hin aufeinander angewiesen“ richtig stellen, hier sei aber nur noch beispielhaft ein weiteres von Anthroposophen gebetsmühlenhaft wiederholtes „Argument“ für Waldorf-„Multikulti“ herausgegriffen, Zitat Hardorp:

    „(…) dass Waldorfschulen bereits in der Zeit des Apartheidregimes (!) in Südafrika die Rassentrennung im Unterricht aufgehoben haben (…)“

    Dazu sagt der Amerikanische Historiker Peter Staudenmaier bei „waldorf-critics“ (meine Übersetzung):

    „(…) Max Stibbe war ein lautstarker Verteidiger der Apartheid und verbrachte das letzte Jahrzehnt seines Lebens im Weiss-regierten Südafrika. Er gründete die Waldorfschule in Pretoria, die bis heute nach ihm benannt ist.

    Stibbes Vermächtnis lebte nach seinem Tod im Jahre 1973 für Jahrzehnte weiter, nicht nur in Südafrika, sondern auch in den Niederlanden. Stibbe war eine der Hauptfiguren, die die „Rassenkunde“ zu einem Teil der Waldorfpädagogik machten. Die rassistischen Artikel, die Stibbe in den Sechzigerjahren in „Vrije Opvoedkunst“ [„Freie Erziehungskunst“] veröffentlichte, bildeten die Grundlage für „Rasse-Völkerkunde“-Kurse in Niederländischen Waldorfschulen bis weit in die Neunzigerjahre.“

    zum vollständigen Artikel mit links: http://www.ruhrbarone.de/…sismus-als-multikulti/

  18. Waldorfschule, ‘Atlantis’ und ‘Rassen’

    “Geschichte in der Waldorfschule: ‘Atlantis’ und die ‘Rassen’

    Bei Diskussionen mit Befürwortern der Waldorfschule bekommt man immer wieder Standard-Antworten zu hören, wie sie der ehemalige Waldorfschüler Lukas Böhnlein in seinem „Waldorfschulen Bullshit-Bingo“ festgehalten hat. Sehr beliebt dabei:

    „Du hast noch nie eine Waldorfschule von innen gesehen!“

    Kritik VON AUSSEN wird damit jegliche Berechtigung abgesprochen. Aber daraus ergibt sich auch die Frage:

    „Was können Eltern und Schüler IN DER WALDORFSCHULE eigentlich sehen, wenn sie nichts über Rudolf Steiners ‘Anthroposophie’ wissen, auf der die gesamte Waldorfpädagogik basiert?“ (…)”

    zum vollständigen Artikel beim Blog “Ruhrbarone”, u.a. mit einer Darstellung des “Rassismus im Geschichtsunterricht der Waldorfschule”:http://www.ruhrbarone.de/…lantis-und-die-rassen/

  19. Zu der Frage im Text oben:
    „Grundsätzlich kann man sich natürlich fragen, wie Bio-Landbau ganz ohne die Haltung und auch Opferung von Tieren funktionieren soll. Immerhin stammt der Gutteil des organischen Düngers von Tieren, und zwar in Form von Mist und Gülle.“
    Hierzu empfehle ich die FAQ’s des Bio-Veganen Netzwerks – Frage 5. Wie soll ein geschlossener Betriebskreislauf im bio-veganen Land- und Gartenbau / ohne “Nutz”tiere denn aussehen?
    http://biovegan.org/infopool/wie-soll-ein-geschlossener-betriebskreislauf-im-bio-veganen-land-und-gartenbau-ohne-nutztiere-denn-aussehen/
    „Pflanzenschutz ist meist synonym mit der Vernichtung von Schadinsekten.“
    Auch darauf wird im bio-veganen Landbau verzichtet. Ziel ist hier eine möglichst hohe Artenvielfalt zu fördern, damit einseitiges Auftreten von „schädlichen“ Insektenpopulationen, wie sie bei Monokulturen eben die Regel sind, nicht erst auftreten, bzw. sie sich mit ihren Gegenspielern die Waage halten. Auch eine ausgewogene Fruchtfolge trägt zur Vermeidung von Unbalancen bei.

  20. Das Kuhmist antivegan sei ist ja ganz was neues. Der Beitrag bewegt sich auf dem Niveau das Autofahren antivegan ist wegen der vielen Fliegen an der Windschutzscheibe. der Artikel dient lediglich dazu die Veganerbewegung politisch auf Linie zu bürsten. Die üblichen Rassismusvorwürfe in den Kommentaren sind wie üblich niveaulol und kommen über Peter Bierls allein in der Welt stehenden Polemiken nicht hinaus.

  21. Pingback: Voelkel beendet Barcode-"Entstörung"

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