Eine kleine Weihnachtsgeschichte

Es gibt drei im Wesentlichen drei Arten von Weihnachtsgeschichten:

  • die biblische und ihre Nacherzählungen, manchmal auch stark symbolisiert
  • die sentimental-bekehrende, wie Charles Dickens‘ A Christmas Carol [das ist die mit Ebenezer Scrooge und Tiny Tim]
  • die satirische, in der die guten Taten sich am Ende gegen jene wenden, die sie ausführten.

Unter den satirischen finden wir oft einfache Umkehrungen Dickens’inschen Weihnachtsliedes, manchmal konsequent bis zum Ende, wie im Falle Ben Elton und Ben Curtis‘ Blackadder’s Christmas Carol. Besagter Titelheld beginnt als sanftmütiger Trottel, den alle ausnutzen, um am Schluss zum gemeinen, macht- und geldhungrigen Blackadder zu werden, der seinen Vorfahren alle Ehre macht. Andere sind nicht weniger bissig im Weg, den die Scrooge-Figur nimmt – siehe den Film Scrooged mit Bill Murray -, behalten aber Dickens Stossrichtung bei und enden mit einem geläuterten Weihnachtsmuffel.

Neben den genannten drei Kategorien finden sich ausserdem jene Geschichten, die entweder völlig anders laufen [sehr selten], wie L. Frank Baums The Life and Adventures of Santa Claus oder sie spielen nur zufällig um Weihnachten rum, wie Die Hard oder When Harry Met Sally. Ich fand heute eine, deren Einordnung Sie selbst vornehmen müssen,

Sakis ‚The Interlopers‚.

Ich wünsche Ihnen 10 unterhaltsame Minuten beim Lesen der Short Story.

Nach dem Abitur habe ich an der Universität Hamburg Anglistik, Amerikanistik, Soziologie und Philosophie studiert. Den Magister Artium machte ich 1992/93, danach arbeitete ich an meiner Promotion, die ich aus verschiedenen Gründen aufsteckte. Ich beschäftige mich meist mit drei Aspekten der Literatur: - soziologisch [Was erzählt uns der Text über die Gesellschaft] - technisch [Wie funktioniert so ein Text eigentlich] - praktisch [Wie bringen wir Bedeutung zum Leser] Aber auch theoretische Themen liegen mir nicht fern, z.B. die Frage, inwieweit literarische Texte außerhalb von Literatur- und Kunstgeschichte verständlich sein müssen. Oder simpler: Für wen schreiben Autoren eigentlich?

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Die Wolfgeschichte ist mir ein bisschen zu moralinsauer/zeigefingermässig.
    Homo homini lupus…

  2. Man könnte noch einige Varianten anfügen. Etwa die anti-sentimentale, die ohne Satire auskommt, wie im Film BLAST OF SILENCE von Allen Baron, in dem ein einsamer Killer durch das weihnachtliche New York irrt, seinem unvermeidlichen Ende entgegen.

    Oder die satirische, in der sich die guten Taten nicht gegen die richten, die sie ausführen, sondern gegen die, denen sie eigentlich zugute kommen sollten, wie im sehr bösen Film PLÁCIDO von Luis García Berlanga. Die reichen Wohltäter dagegen haben am Ende ihr Prestige vermehrt.