Transhumanismus

Braincast 342

Der Transhumanismus ist im Werden. Er ist noch lange nicht da, aber er kommt. Irgendwann. Was uns dann möglicherweise bevorsteht, bespricht diese Braincast-Episode. Und was Sie bis dahin gelesen haben sollten : )


MP3 File Dauer: 17:21

SHOWNOTES
Technisch kommt der Transhumanismus daher, logisch, beginnend mit Dilator von Adhäsion, gefolgt von Ambient Glider von Dreamweaver (kennt noch jemand das gleichnamige Programm? Ich habe es geliebt!). Naja: Electric Storm von Blazey Lindner ist Nummer Drei und das Finale ist zukunftsträchtig: Future World von Gary Hunter. Wie immer stammen alle Titel vom Podsafe Music Network – und sind unverlinkbar, denn die Seite ist tot.

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www.nurindeinemkopf.de

Nach diversen Artikeln und zwei Büchern zwischen Geist und Gehirn hier der Podcast. Wichtigster Punkt: die Übersetzung der aktuellen Erkenntnisse in verständliche Sprache, praktischen Alltag und guten Humor.

12 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Bald könnten Computer den Tod abschaffen, sagen Transhumanisten. Das klingt nach wilden Science-Fiction-Phantasien. Doch auch die EU investiert mittlerweile in die Digitalisierung des Körpers

  2. Die altgriechischen Götter und Halbgötter sind transhuman (z.B unsterblich, mit übermenschlichen Gaben ausgestattet) und das Konzept des Transhumanismus somit nicht neu.
    Wenn es den Transhumanismus gibt, gibt es dann für Affen den Trans-Ape-Ismus? Für einen Affen im Zoo vielleicht schon. Für ihn sind möglicherweise die Menschen die Trans-Affen.
    Für uns Menschen können gewisse andere Menschen Trans sein. Denkbar ist auch, dass zukünftige Roboter umso vieles menschlicher, vernünftiger und weiser sind, dass wir sie als transhuman wahrnehmen und uns unserer dumpfen Menschlichkeit schämen.

  3. Schöner Beitrag, ich kannte all diese Literatur nicht.
    Es wird mir nur angst und bange, denn:

    (Transhumanismus)
    Jenseits des Menschen?
    Ärgere Ungeheuer natürlich.

    Cishumanismus …

  4. Wenn Transhumanismus ein Leben als Cyborg bedeutet mit Konnektoren analog zur Brille, dann werden viele damit nicht zufrieden sein. Denn heute schon gibt es einen Markt für Verfahren, die das Brillentragen überflüssig machen wollen.

    Die attraktivste Form transhuman zu sein ist die des biologisch Überlegenen. Die Transhumanen der Zukunft werden die besseren Gene haben. Im Zusammenhang mit dem CRISPR/Cas9-Verfahren, welches gezielte Eingriffe in das Genom auch des Menschen erlaubt, liest man im Spiegel Nr.49

    Am Horizont zeichnet sich damit eine Zukunft ab, in der Menschen zum konfektionierten Industrieprodukt werden. Werbekampagnen könnten Gene anpreisen, die Ausdauer, Durchsetzungskraft oder Intelligenz verheissen. Die besten Erbanlagen aber werden sich in einer solchen Genokratie die Reichen leisten können. Krankheiten dagegen werden als vermeidbar gelten.

    Wie aber werden die überlegenen Menschen der Zukunft mit dem Internet oder mit ihresgleichen kommunizieren ohne dass sie ein Telephon hervorkramen müssen? Ich stelle mir vor, dass genetisch verbesserte Menschen der Zukunft einen speziellen Hirnabschnitt haben werden, der auf sich ändernde Felder (Magnetfelder, E-Felder, etc.) in seiner unmittelbaren Umgebung reagieren kann. Mit dieser Methode wird man über ein Gerät, das man am oder im Körper trägt mit dem Internet kommunizieren können oder wird telepathisch Kontakt mit anderen aufnehmen können.

    • Ihr Doppelfehler, Herr Holzherr, besteht darin, dass Sie nicht erkennnen, dass die Gendatenhaltung, die neben dem Epigenetischen vorliegt, teilweise verstanden wird, dass nicht genug gewusst wird mehr als per Trial & Error zu manipulieren, und darin, dass Sie das Hirn als „CPU“ teilweise verstanden verstehen, und ansonsten phantasieren.

      Wichtich hier das jeweilige ‚teilweise‘.

      Ansonsten ist es natürlich schon richtig, dass das, was denkbar ist, auch möglich ist, dass hier Synonymität vorliegt, dennoch leiden hier Hirnforscher wie bestimmte Biologen entscheidend und nie endend, wie sich der Schreiber dieser Zeilen erlaubt anzumerken.
      Die Größe derartiger Vorhaben bleibt leider leider weitgehend unverstanden.

      MFG + auch Ihnen schon mal schöne Adventstage,
      Dr. W (der insofern auch das dbzgl. [1] hiesige Bemühen der hier vorrätigen und Inhalte vorgebenden Kraft als Herumspringen einzuschätzen hat)

      [1]
      D.h. an anderer Stelle könnte es besser ausschauen, tat es auch oft, nie soll jemand an Hand einer (einzigen) Leistung bewertet werden.

      • Sie verstehen mich falsch Dr. Webbaer. Ich spreche von einer fernen Zukunft – in 100 Jahren oder so. Meine Kernaussage ist folgende: Ein normaler Mensch will kein Cyborg sein. Er will nicht einmal eine Brille tragen: Das heisst aber nicht, dass er nicht besser denken und planen können und mehr erleben will. Ich beispielsweise würde lieber in der Eisenbahn – beim Pendeln – ein Musikstück komponieren als ein Sudoku lösen. Nur kann ich nicht komponieren. Mehr Begabung (als Grundlage), grössere Lernfähigkeit und dann schneller besser werden in dem was man eigentlich will, das ist das, was die meisten Menschen wollen. Und das wird in Zukunft irgendwann auch möglich werden.

        • @ Herr Holzherr :
          Neuro-Enhancement?

          Also das funktioniert wohl in Teilen, bei Nebenwirkungen, ist wohl kein Transhumanismus, michael-hartmann-mäßig, irgendwo war kürzlich auch zu lesen, dass manche jetzt kleine Dosen LSD werfen, für die Phantasie – ist ja nicht jeder kreativer Sanguiniker ohne dbzgl. Bedarf.

          MFG
          Dr. W

        • Nein, Dr.Webbaer, auch von Neuro-Enhancement halte ich nicht viel.

          Wenn Transhumanismus Drogengebrauch oder Mensch-/Maschinen-Mischwesen bedeuten, dann werden sie nie viele Menschen davon überzeugen können. Wer lieber mit Prothesen a la Oskar Pitorius als mit Beinen aus Fleisch und Blut herumlaufen möchte ist in meinen Augen ein Freak.

          Die Idee des Transhumanismus hat mit RoboCops und anderem Freak-Unsinn wenig zu tun. Vielmehr will der Transhumanist gottähnlich werden. Er will die eigene Sterblichkeit und die eigenen Schwächen hinter sich lassen und zu einem neuen gottähnlichen Geschöpf werden. Der beste Weg dazu führt über die biologische Verbesserung beispielsweise indem Gene ausgeschaltet oder umprogrammiert werden, die für die Alterung verantwortlich sind.

          • @ Herr Holzherr :

            Sie schrieben dies weiter oben:

            Mehr Begabung (als Grundlage), grössere Lernfähigkeit und dann schneller besser werden in dem was man eigentlich will, das ist das, was die meisten Menschen wollen. Und das wird in Zukunft irgendwann auch möglich werden.

            Und die in dieser Kommentatorik gesamt vorliegende Gegenrede des Schreibers dieser Zeilen lief darauf hinaus, dass dies nicht möglich sein wird ohne den Gesamtbestand zu gefährden oder ohne sehr ernsthafte Nebenwirkungen zu riskieren, wobei ‚riskieren‘ noch sehr nett formuliert war, wenn diese Nebenwirkungen zwingend kommen.
            Eingriffe in die Gendatenhaltung und ins Hirn betreffend.

            Ist das bei Ihnen angekommen, wissen oder ahnen Sie zumindest, wo die Probleme liegen, wenn gehandelt, aber bestenfalls nur punktuell verstanden wird.

            MFG
            Dr. W (der insofern auch oft Plauderei festzustellen hat, wenn es bspw. i.p. Hirn und Gendatenhaltung um besondere Entwicklung geht; der übrigens auch den netten und zerebral höchst fitten Herrn Dr. habil. Schleim ein wenig bedauert, wenn er sozusagen auf einem Misthaufen zu sitzen hat)

  5. Jau, drei Anmerkungen für den selbst erklärten ‚Feedback-Fuzzi‘:
    1.) Es heißt, für einige vielleicht: anti-intuitiv:
    „ßeifai“ vs. „ßeifie“.
    2.) ‚Auf der SFN 2013 hab ich mehrfach einen Vertreter dieser Zunft erlebt und ich fand ihn gruselig, amerikanisch, über-motiviert, militärisch über-jovial, ein ziemlich guter Verkäufer mit Hang zur Banalisierung und in der Summe ziemlich bedrohlich‘ (Zitat, so ab ca. 9:30 im Audio) -> hier klang „ein wenig“ Ressentiment durch
    3.) Der sogenannte Podcast, ein schreckliches Wort btw, ging am Wesen des „Transhumanismus“ vorbei, Krücken und Messgeräte, die letztlich die Sinnesorgane besonders bedienen, sind nicht gemeint.
    Gemeint ist die Vereinheitlichung der Welten, der äußeren Welt, der Natur, mit der inneren Welt, der des Geistes. Und hier können dbzgl. Grenzen nicht entscheidend überwunden werden, so lange nicht Außenwelt und Innenwelt weitgehend verstanden werden.
    Interessant, und nur am Rande angemerkt, ist für den dbzgl. Bemühten vielleicht, dass Welten Welten gebären können; das erkennende Subjekt steht (erkennbar) in der Naturwelt und die Naturwelt selbst kann im Sinne einer MUH verstanden werden, gar als geboren.

    MFG + schönen Dezember noch + ebenfalls schöne Adventstage wünschend,
    Ihr Dr. W

  6. Die Zukunftsvorstellungen von Transhumanisten erfährt man z.B. im SinularityHUB, wo man im Artikel Hacking the Brain — Restoring Lost Abilities With the Latest Neurotechnologies beispielsweise liest:

    As neuroscientist David Eagleman recently pointed out at TED, our experience of reality is constrained by our biology.

    This doesn’t have to be the case anymore as we develop new ways to send novel inputs or computational capabilities into the brain.

    We could add new senses. (Imagine being able to „plug in“ to the stock market, to sense how the market was doing.) We could develop wireless, brain-to-brain communication, something called synthetic telepathy, and send messages to each other by thinking them.

    Our brains are a platform and the opportunities for new applications are almost endless.

    These applications will challenge what it means to be human. And once we, as Ray Kurzweil predicts, connect our neocortices to the cloud, perhaps we’ll become something far more than „human“ altogether.

    Technisch sind Erweiterungen wie „connect our neocortices to the cloud“ denkbar. Es besteht aber die Gefahr, dass diese Verbindungen von Hirn zu Hirn oder vom Hirn zur Cloud gehackt und manipuliert werden. Direkte technische Implantate analog zu Prothesen bedeuten sogar eine Vielzahl von Problemen. Wie beispielsweise die Notwendigkeit von Reparaturen, von Upgrades und von Ersatz, die Alterung der Geräte und so weiter. Ich bin deshalb überzeugt, dass solche Cyborg-Lösungen nur von wenigen akzeptiert werden. Weder heute noch in Zukunft. Wesentlich besser ist es, wenn die Integrität des menschlichen Körpers und des menschlichen Hirns auch in Zukunft erhalten bleibt. Die Verbindung des Hirns zur Aussenwelt für eine synthetische Telepathie oder den Zugriff aufs Netz wird man deshalb weniger direkt gestalten müssen. Entweder zukünftige nahe am Körper getragene Technik kann Gedanken direkt lesen oder aber ein genetischer Eingriff schafft eine Zone im Hirn, die mit externen Geräten, welche genügend nah platziert werden, kommunizieren kann.

    Gegen genetische Eingriffe wird der Widerstand meiner Ansicht nach geringer sein. Sie sind vergleichbar mit dem was man heute mit Schönheitsoperationen versucht: Eine Veränderung, die im Rahmen des Normalen liegt und von vielen nicht einmal bemerkt wird. Die ideale Schönheitsoperation macht einem nur schöner und ändert sonst gar nichts. Der ideale genetische Eingriff verbessert den Menschen ohne dass das jemanden stört – weder andere noch einen selbst.

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