Auf, auf und davon, Superkalmar!

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Ich habe ein Herz für Kopffüßler, falls euch das noch nicht aufgefallen ist. 8-100 Arme an einem „ Kopf“, ohne Knochen, mit 3 Herzen und sie können ungefähr alles:  Cleverer als jeder Fisch sind sie Tarnspezialisten, Tiefseeungeheuer oder lebendes Fossil! Eine neue Superpower der Weichtiere: Fliegen. Der Riese aus der Tiefe macht im Januar Schlagzeilen, im Februar seine fliegenden Cousins! Und es sind auch wieder Japaner die uns diese freudige Nachricht verkünden: Tintenfische der Familie Ommastrephes verlassen auf der Flucht vor Räubern ihr nasses Element und gleiten, ähnlich den fliegenden Fischen,  bis zu 40 m mit einer Geschwindigkeit von 40 km/h über dem Wasser! Um sich in die Luft zu befördern nutzen sie den Rückstoßantrieb, der den Tieren im Wasser zur Fortbewegung dient. Ein besonders starker Wasserstrahl durch eine Art Düse ausgestoßen, dem  Trichter, katapultiert die Tiere aus dem Wasser in die Luft. Dieses Verhalten wurde schon des Öfteren beobachtet aber die Gruppe um Jun Yamamoto von der Hokkkaido University konnten die Ersten Fotos davon schießen.  Streit gibt es darum, ob es sich nun um ein Hüpfen und Gleiten oder aktives Fliegen handelt, bei dem die Tiere manövrieren können. In dem in Marine Biology erschienen Paper argumentieren die Autoren anhand der Aufnahmen aus dem West Pazifik für das aktive Fliegen. Muramatsu, K., Yamamoto, J., Abe, T., Sekiguchi, K., Hoshi, N., & Sakurai, Y. (2013). Oceanic squid do fly. Marine Biology. doi:10.1007/s00227-013-2169-9

Ein ganzer Schwarm von Jungtieren sprang aus dem Wasser, wahrscheinlich aufgeschreckt durch das Boot, und konnten dabei fotografiert werden. Anhand der Fotos konnte der Flugprozess rekonstruiert werden. Die Tiere benutzen ihre flügelartigen Flossen und die Tentakeln als Gleitoberfläche. Da sie diese „Flügel“ während des Fluges verändern z.B. bevor sie wieder in das Wasser eintreten, schließen die Autoren auf einen aktiven Flug. Ein bisschen Haarspalterei sei auch den Flugforschern gegönnt – fliegen oder gleiten, beides toll für ein Weichtier!

Muramatsu, K., Yamamoto, J., Abe, T., Sekiguchi, K., Hoshi, N., & Sakurai, Y. (2013). Oceanic squid do fly. Marine Biology. doi:10.1007/s00227-013-2169-9

Weitere infos hier:

http://www.wired.co.uk/news/archive/2013-02/08/flying-squid

Quelle und Fotos:

Muramatsu, K., Yamamoto, J., Abe, T., Sekiguchi, K., Hoshi, N., & Sakurai, Y. (2013). Oceanic squid do fly. Marine Biology. doi:10.1007/s00227-013-2169

 

Mathilde Bessert-Nettelbeck

Veröffentlicht von

Mit einem Diplom in Biologie in der Tasche, einer halben Doktorarbeit und viele Ideen will ich meinen Senf dazugeben. Meine irrsinnige Begeisterung für Lebewesen und des Lebens Wesen, möchte ich weitervermitteln. Und das an JEDEN. Jeder soll wissen, wie unglaublich Grottenolme sind und warum auch Gliazellen unserer Aufmerksamkeit bedürfen, dass Ratten nicht nur ekelig sind und die heimische Topfpflanze vielleicht bald schon die Nachttischlampe ersetzt. In Tübingen habe ich studiert, in Bern der Forschung den Rücken gekehrt. In Berlin bin ich nun auf der Suche nach Alternativen im Feld der Biologie und Kommunikation. Ganz besonders nach meinem Geschmack sind verrückte, unglaubliche oder einfach nur lustige Geschichten aus Ökologie, Evolution, Medizin und Technik. Schmeckt euch der Senf? Sonst mischt doch mal mit! Mathilde Bessert-Nettelbeck

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