Professoren in sozialen Netzwerken

Nachdem wir uns jetzt mit den Vorzügen von elektronischen Patientendaten und den Möglichkeiten des Data-Minings ein bisschen beschäftigt haben, bin ich gestern über eine Veröffentlichung gestolpert, in der es um die Vorteile von sozialen Netzwerken geht. Genauer: Wieso man dort vielleicht persönliche Dinge preisgeben sollte, bzw. wieso es eine gute Sache sein kann, wenn man seine Daten in sozialen Netzwerken veröffentlicht. Dazu hat sich Kirsten Johnson angeschaut, in wie weit Postings bei Twitter die, von den Studenten wahrgenommene, Glaubwürdigkeit von Lehrpersonen beeinflusst.

Frühere Studien haben bereits gezeigt, dass es der Beziehung zwischen Schülern und den Lehrpersonen förderlich ist, wenn letztere sich offenbaren und persönliche Informationen mit ihren Schülern teilen. Und dadurch steigt dann auch die Glaubwürdigkeit der Lehrpersonen. Theoretisch kann man also davon ausgehen, dass sich ähnliche Effekte auch zeigen, wenn solche persönlichen Details über soziale Netzwerke ausgetauscht werden. Frühere Studien haben bereits gezeigt, dass Lehrpersonen die Facebook nutzen, und dort Details über sich preisgeben, ihre Schüler damit besser motivieren und für eine bessere Lernatmosphäre sorgen.

In ihrer Studie hat Johnson untersucht, in wie weit es für die Glaubwürdigkeit einen Unterschied macht, ob Professoren persönliche oder wissenschaftliche Informationen über soziale Netzwerke geteilt werden. Dazu hat sie sie 3 verschiedene Profile bei Twitter angelegt. Während ein Profil nur mit persönlichen Tweets befüllt war, war ein zweites nur mit wissenschaftlichen Informationen befüllt. Das dritte Profil enthielt eine Mischung aus beidem. Um andere Faktoren, neben dem Inhalt der Tweets, auszuschliessen, wurden die restlichen Parameter so gut es geht standardisiert: Der Name der fiktiven Professorin, die Anzahl der Tweets, die Anzahl der Fotos und die Anzahl der Links wurde im Vorfeld festgelegt.

Insgesamt 120 Studenten aus verschiedenen Fachbereichen wurden dann gleichmässig auf die 3 verschiedenen Profile aufgeteilt und sollten diese, mit Hilfe eines – ebenfalls standardisierten – Fragebogens, evaluieren. Und um es kurz zu machen: Die Versuchspersonen, die das persönliche Profil zu sehen bekamen, bewerteten die Glaubwürdigkeit der Professorin höher, als jene Personen, die eines der beiden anderen Profile zu Gesicht bekamen. Erstaunlicherweise gab es keinen signifikanten Unterschied für das Profil, welches sowohl mit wissenschaftlichen als auch persönlichen Informationen gefüllt war. Johnson vermutet, dass dies daran liegt, dass vor allem Fürsorge und weniger Kompetenz für die Glaubwürdigkeit ausschlaggebend sind. Auch wenn ich die Ergebnisse nicht sonderlich überraschend finde, dann zeigen sie aber, dass die herrschende Meinung – das es seinem Job schadet, wenn man Daten von sich preis gibt – so pauschal nicht richtig ist.

Gerade in den Wissenschaften scheint es, zumindest meiner Erfahrung nach, ein Problem zu sein: Es gibt kaum bloggende Professoren oder aktive Wissenschaftler, die über ihre Arbeit bloggen. Und das ist schade, könnte man damit nicht nur die Öffentlichkeit besser einspannen und auf dem laufenden halten. Sondern auch kollaboratives Arbeiten in einem ganz anderen Maß vorwärtsbringen, als das heute durch Kooperationen möglich ist.

Als Gründe, wieso man davor zurückschreckt, wird – neben fehlender Zeit/Lust/Schreibkunst – häufig genannt, dass man Angst um seine Ergebnisse hat. Ein Umstand an dem publish or perish genauso mit Schuld hat, wie die Tatsache, dass man Ergebnisse meist exklusiv an Journals übertragen muss, eine Erstveröffentlichung im Blog ist ja schlicht nicht möglich.

Der andere, ebenfalls häufig genannte Grund, ist die Angst um den eigenen Ruf, sowohl in der scientific community als aber auch bei den eigenen Studenten. Zumindest dieser Ansage kann man nun ein wenig den Wind aus den Segeln nehmen.

Johnson, K. (2011). The effect of Twitter posts on students‘ perceptions of instructor credibility Learning, Media and Technology, 36 (1), 21-38 DOI: 10.1080/17439884.2010.534798
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Veröffentlicht von

Bastian hat seinen Bachelor in Biologie in nur 8 statt 6 Semestern abgeschlossen. Nach einem kurzen Informatik-Studiums-Intermezzo an der TU Dortmund hat es ihn eigentlich nur für ein Stipendium nach Frankfurt am Main verschlagen. Dort gestrandet studiert er dort nun im Master-Programm Ökologie und Evolution. Zumindest wenn er nicht gerade in die Lebensweise der Hessen eingeführt wird. Neben seinen Studiengebieten bloggt er über die Themen, die gerade in Paperform hochgespült werden und spannend klingen.

24 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Dass Professoren glaubwürdiger erscheinen, wenn man etwas persönliches über sie findet, klingt plausibel. Man hat dadurch das Gefühl, sie ein bißchen zu kennen und sie besser einschätzen zu kennen, egal wie irrational das ist.

    Warum Professoren kaum bloggen? Und erstrecht nicht über die eigene Arbeit? Was käme denn dabei raus?
    Euer Chefredakteur, Carsten Könneker, hat neulich an meinem Institut nen Vortrag zu dem Thema gehalten und da kam genau diese Frage auf. Was würden wir schreiben?
    „Morgens ins Büro/Labor gekommen, Computer angeschaltet, Versuch gestartet, alles schief gelaufen, den Kopf an die Wand geschlagen, und dann
    a) frustriert nach Hause gegangen
    oder
    b) 5 Kaffee getrunken und die Lösung doch noch gefunden“
    Wer will denn das lesen?

  2. blog nicht verstanden

    wenn blogs nur in der oben beschriebenen weise (eigentlich wie teeny-twitter) genutzt werden, dann wurde das medium blog nicht verstanden.

    natürlich ist es interessant zu erfahren, dass ein versuch NICHT geklappt hat. vielleicht auch mit einer persönlichen analyse der gründe – deren anschliessende diskussion auf den richtigen weg leiten könnte?(negative „ergebnisse“ werden im endergebnis ja gerne unter den tisch fallen gelassen).

    auch die „holzwege“, auf die man sich begeben hat, sind für andere interessant – nicht für jeden, richtig, aber ein blog muss auch nicht immer ein millionenpubblikum erreichen.

    auch „nebenläufige“ ergebnisse im serendipity style (ich fand einen längst vergessenen artikel, obwohl ich meine autoschlüssel suchte) können interessant sein.

    wenn man sich ein wenig mühe gibt, findet man genug ineteressantes für einen blog.

  3. blog nicht verstanden?

    Das wäre bestimmt für den einen oder anderen sehr interessant, was alles so nicht funktioniert und dann auch noch ein Lösungsansatz?
    Da weiß ich dann auch, wer die Leser Nummer 1 sind: Die Konkurrenz. Und denen möchte man bestimmt die Mittel in die Hand geben, einem die Publikation wegzuschnappen.

  4. Ich denke, ich lerne meine Professoren lieber in einem netten Gespräch kennen, was in meinem Studiengang sowieso nicht schwer ist, da wir nicht viele Studenten sind. Dort kennt sowieso der Professor fast alle Studenten mit Namen.

  5. Also ich fände es verdammt gut, wenn endlich mal mehr Wissenschaftler bloggen würden. Was sie daran hindert, ist schwer zu ergründen. Wäre ich aber bei der Max-Planck- oder Fraunhofer-Gesellschaft (oder Helmholtz, Leibniz, etc.) und hätte dort etwas zu sagen, dann hätte ich schon längst die Max-Planck- oder Fraunhofer-Blogs ins Leben gerufen. Mittlerweile betreiben sogar die wissenschaftlichen Journals eigene Blogs und ich muss sagen, dass ich dort schon vieles gelernt habe. Die ewigen Pressemitteilungen, die über den wissenschaftlichen Pressedienst rausgehen sind ja schön und gut, aber mir würde es durchaus gefallen, auch mal etwas aus allererster Hand zu erfahren. Es muss sich dabei nicht zwingend um neueste Forschungsergebnisse handeln, sondern der Blogger könnte schlichtweg das Leben eines WIssenschaftler beschreiben. Das ist nämlich durchaus spannend und interessant.

  6. Bloggende Wissenschaftler

    Das wäre bestimmt für den einen oder anderen sehr interessant, was alles so nicht funktioniert und dann auch noch ein Lösungsansatz? Da weiß ich dann auch, wer die Leser Nummer 1 sind: Die Konkurrenz. Und denen möchte man bestimmt die Mittel in die Hand geben, einem die Publikation wegzuschnappen.

    Ich hab ja versucht im Artikel kurz darauf einzugehen, Stichwort publish or perish. Das ist in der Tat ein Problem. Allerdings wäre es da in meinen Augen an der Zeit, dass der Wissenschaftsbetrieb auch moderner wird. Wieso müssen Publikationen zwingend in Journals erscheinen, damit man den Credit dafür beanspruchen kann?

    Ich sehe das so, dass Blogs ein wertvolles Instrument sein könnten, um schneller zu besseren Ergebnissen zu kommen. Im Ansatz sieht man das hier in den Kommentaren doch schon: Jeder Leser meines Blogs macht einen Teil der Peer-Review. Wenn ich Blödsinn schreibe, dann dauert es in der Regel nicht lange, bis jemand in den Kommentaren auf meine Fehler hinweist.

    Auch für rein wissenschaftliches Arbeiten könnte sich so etwas anbieten, so wie Bruno das hier in seinem Kommentar beschrieben hat: Ich schreibe über meine aktuellen Versuche, eventuell mit den Misserfolgen und welche Ideen zur Lösung ich bereits hatte. Und eventuell hat ein Leser einen Vorschlag, an den ich noch gar nicht gedacht hatte.

    Glaubt ihr nicht, dass so etwas auf die lange Sicht erfolgversprechend sein könnte?

  7. Peer review durch Blog-Leser

    Du setzt dabei vorraus, dass die richtigen Leute den Blog lesen und ihn fair und ausführlich analysieren.
    Wenn ich deinen Text lese, pick ich die Teile raus, zu denen ich was zu sagen habe. Bei einer breiten Leserschaft wurden dann vielleicht 90 % deines Textes auf den Prüfstand gestellt. Bei einem peer-review Prozess sollte (im Idealfall) alles unter die Lupe genommen werden. Das garantiert auch gewissermaßen die Qualität der Review.
    Hinzu kommt, dass Bloggen/Schreiben in der Muttersprache immer ein bißchen leichter fällt als im Englischen. Wo fände ich die Ergebnisse aus Skandinavien? Oder aus China?
    Es wäre bestimmt eine nette Ergänzung, aber andererseits gibt es für genau solche Diskussionen ja auch Konferenzen. Klar, da kann man nicht täglich und auch nicht wöchentlich hinfahren. Aber aus Sicht des Schreibenden, der auf feed-back hofft, habe ich das Gefühl, auf einer Konferenz von Experten mehr input für meine Arbeit zu finden, als in einem Blog, wo ich nicht weiß, wer mir da eigentlich einen super tollen Tipp gibt.


  8. Du setzt dabei vorraus, dass die richtigen Leute den Blog lesen und ihn fair und ausführlich analysieren.
    Wenn ich deinen Text lese, pick ich die Teile raus, zu denen ich was zu sagen habe. Bei einer breiten Leserschaft wurden dann vielleicht 90 % deines Textes auf den Prüfstand gestellt. Bei einem peer-review Prozess sollte (im Idealfall) alles unter die Lupe genommen werden. Das garantiert auch gewissermaßen die Qualität der Review.

    Natürlich picken sich die Leser dann jene Teile raus, von denen sie Ahnung haben (bzw. im schlechtesten Fall auch nur glauben Ahnung zu haben). Aber im Endeffekt passiert das bei der traditionellen Peer-Review doch auch. Klar, da werden Leute als Reviewer angesprochen, die im Idealfall einen guten Überblick über das Thema haben und es qualifiziert begutachten könnten. Aber die Realität sieht ja leider doch oft nicht ganz so optimal aus. Man müsste mal studieren, in wie weit sich der „Experten-Vorteil“ durch eine Steigerung der Reviewer ausgleichen lässt.

    Hinzu kommt, dass Bloggen/Schreiben in der Muttersprache immer ein bißchen leichter fällt als im Englischen. Wo fände ich die Ergebnisse aus Skandinavien? Oder aus China?

    Da hast du recht, aber traditionellerweise werden ja auch Paper die in Journals erscheinen in Englisch geschrieben, unabhängig von der eigenen Muttersprache. In der Tat ist es so, dass Nicht-Native-Speaker dadurch leicht benachteiligt werden (da gibt es ja Studien zu). Allerdings wird man diese Nachteile nicht ausmerzen können. Wer also als Wissenschaftler über seine Arbeit bloggt, der sollte/wird das vermutlich in Englisch tun, alleine um eine höhere Zielgruppe ansprechen zu können.

    Es wäre bestimmt eine nette Ergänzung, aber andererseits gibt es für genau solche Diskussionen ja auch Konferenzen. Klar, da kann man nicht täglich und auch nicht wöchentlich hinfahren. Aber aus Sicht des Schreibenden, der auf feed-back hofft, habe ich das Gefühl, auf einer Konferenz von Experten mehr input für meine Arbeit zu finden, als in einem Blog, wo ich nicht weiß, wer mir da eigentlich einen super tollen Tipp gibt.

    Konferenzen sind toll, haben aber entscheidenende Nachteile: Sie sind zeitaufwändig und mit relativ hohen Kosten verbunden. Damit benachteiligen sie gerade jene Wissenschaftler die zwar gute Ideen aber kein riesiges Budget haben mögen. Und sie lassen sich eben nicht kontinuierlich durchführen. Im Unterschied zur Diskussion Blogs & Co. Das kostet fast nichts und lässt sich rund um die Uhr von fast überall auf der Welt bewerkstelligen.

    Und ob das Feedback jetzt auf Konferenzen besser ist (oder ob ich die Qualität dort besser einschätzen kann) bezweifle ich ein bisschen. Wenn Kommentatoren ihre Qualifikation und ihre bisherige Arbeit selbst offen stellen (im Zweifel kann ich ja schauen, was für Paper/Postings die Kommentatoren bislang veröffentlicht haben), dann kriege ich auch dadurch ein Gefühl, was ihre Stärken sind.

  9. fachfremd

    wenn jemand angst um seine lorbeeren hat, und deshalb nicht über seine letzten, bandeißen forscungstopics schreiben will, dann kann ich das verstehen. dann eben nicht. aber profs können mehr als „ich hatte ein schnitzel zum mittag“ blogggen. z.b. über aktuelle themen, so wie hier, oder auch über zu lesende aufgaben mit den studenten usw.

    nach wie vor bin ich der ansicht, dass das medium blog eine menge interessantes und auch nützliches bieten kann. für profs, studenten und interessierte.

  10. Insgesamt klingt die Idee ja schön, dass Professoren regelmäßig Updates über ihre Arbeit bloggen könnten. Selbst wenn es sich dabei um bereits publizierte Daten handelt, könnte man so die Interpretation aus erster Hand erfahren und nicht den üblichen Pressestellen-Murks.
    Allerdings kann ich mir nur schwer vorstellen, wo heutzutage ein Gruppenleiter in der öffentlichen Forschung die Zeit hernehmen sollte, Zusammenfassungen der Forschung seiner Gruppe zu bloggen. ich glaube hier habe einige ein romantisch verklärtes Bild von der Arbeit eines Professoren. In der Wirklichkeit muss ein Gruppenleiter heutzutage schauen, wo er zwischen Grant-Applications, Meetings, Kooperationspflege, sonstigen Administrationsaufgaben und Lehre noch die Zeit hernimmt, zu „forschen“. Was in seinem Fall heißt, seinen Doktoranden und Prostdocs fachlich zu betreuen. Es würde wahrscheinlich in 90% der Fälle damit enden, dass er mit dem Blogging ebenso verfährt, wie mit allem Anderen, wofür die Zeit fehlt: Er delegiert es an seine Mitarbeiter. Und damit wären wir wieder beim bloggenden Doktoranden, den es ja bereits zuhauf gibt.

  11. Also ich finde den Peer-Review, wie er derzeit ist, ganz OK. Ich denke nicht, dass Blogs sich als Alternative dazu anbieten. Sie sollten dafür von Wissenschaftlern genutzt werden, um (wie gesagt) ihr Forschungsgebiet der Öffentlichkeit zu vermitteln und nebenbei noch so erzählen, wie es als Wissenschaftler ist, wenn mal wieder das Eis ausgegangen ist und man seine Enzyme nicht mehr aus dem Kühlschrank holen kann. Ich würde das durchaus amüsant finden und mir dann auch mal Fachartikel dieser „sympathischen“ Personen durchlesen. Wir hier auf den SciLogs und drüben auf den ScienceBlogs machen doch nichts anderes, nur das halt zu wenige von uns schon richtig im Wissenschaftsbetrieb verankert sind. Ich freue mich aber, wenn dies der Fall ist. Dann wird man von mir bestimmt so einiges zu hören bekommen, wenn mal wieder meine Primer nicht gekommen sind oder es mal wieder keine sterilen Pipettenspitzen gibt. Zudem, das habe ich bereits am Anfang meiner Bloggerzeit gemerkt, baut man schnell Connections auf und gewinnt Ansprechpartner mit denen man durchaus kompetent über spezielle Themen diskutieren kann. Ich frage zB über meine Artikel nach Meinungen, um diese dann in meine Entscheidungen miteinzubeziehen et al. Blogs sind also durchaus eine gute Möglichkeit zu Gehör zu verschaffen und gehört zu werden. Man muss es nur richtig machen und Zeit dafür haben!

  12. nicht nur vorstellbar, gibt’s schon…

    Den Beitrag könnte man unter dem Thema „Öffentliche Wissenschaft“ einsortieren, zu dem 2006 von Peter Faulstich ein gleichnamiger Sammelband herausgegeben wurde.

    Von sozialen Medien ist darin zwar nicht die Rede, aber es gibt dennoch auch Wissenschaftler, die ihre Forschungs*prozesse* via Twitter, Blogs, Wikis & Co. transparent machen statt bloß Ergebnisse für ein begrenztes Publikum zugänglich zu machen. Man könnte es „Open Science 2.0“ nennen, und genau das habe ich in einem Beitrag auch getan:

    Tacke, Oliver (2010): Open Science 2.0: How Research and Education can benefit from Open Innovation and Web 2.0, in: Bastiaens, Theo J.; Baumöl, Ulrike; Krämer, Bernd J. (Hrsg.): On Collective Intelligence, Berlin, Heidelberg, S. 37-48. (http://www.olivertacke.de/…review-100613-OLT.pdf)

    Darin gehe ich auch auf Dinge wie Publish or Perish oder andere Krankheiten des Wissenschaftsbetriebs ein.

    Tatsächlich können nicht nur interessierte Außenstehende Einblicke in die Forschungswelt erhalten, nein, öffentliche Wissenschaftler freuen sich, wenn diejenigen auch daran teilhaben, zu Beginn eigene Ideen beisteuern, zwischendurch Dinge hinterfragen oder abschließend einen einzureichenden Beitrag kritisch lesen.
    Und ja, auch persönliche Blogbeiträge oder Tweets gehören meiner persönlichen Meinung nach dazu, denn anders lässt sich wohl kaum eine (ordentliche) Beziehung zu den Beitragenden aufbauen, die dem Austausch förderlich ist.

    Wer’s nicht glaubt, darf beispielsweise auf meine Wikiversity-Seite schauen (http://de.wikiversity.org/wiki/Benutzer:O.tacke) oder in mein Blog (http://www.olivertacke.de). Da mache ich genau das: Forschung – und übrigens auch Lehre, wird ja gern vergessen – transparent machen und auch persönliche Ansichten teilen.
    Wer sich nun von einem x-beliebigen wissenschaftler wie mir noch nicht überzeugen lässt, darf auch bei einem waschechten Professor nachschauen, dasselbe Spiel: http://de.wikiversity.org/wiki/Benutzer:Cspannagel und cspannagel.wordpress.com.

    Bastian, die #om11 steht ja irgendwann an. Themenvorschlag von meiner Seite dürfte nun klar sein 🙂

  13. @Sebastian: Was du beschreibst würde ich einfach unter Wissenschaftskommunikation zusammenfasse. Ich würde persönlich würde schon gerne einen Schritt weitergehen, denn ich bin nicht so wirklich überzeugt davon, dass traditionelle Peer-Review der Weisheit letzter Schluss ist. Und es gibt ja schon Alternativideen, allerdings scheint es so, dass sie ihrer Zeit noch etwas voraus sind: http://de.wikipedia.org/…eer-Review#Alternativen

    @Oliver: Danke für die Links und Hinweise, deine eigenen Bestrebungen und auch die von Christian kenne ich ja. Allerdings ist es glaube ich halt auch ein Unterschied, in welchem Fachbereich man versucht Open Science durchzuführen. Gerade in den Naturwissenschaften und insbesondere den Life Sciences scheint mir das (auch gefühlte) Konkurrenzdenken besonders verbreitet. Bzgl. der #om11 könnte man das Thema sicherlich auch in eine provokante These bzgl. Informationsfreiheit/Transparenz bringen 🙂

  14. Bloggen als Öffentlichkeitsarbeit

    Nicht nur über die Forschung und den Alltag der Forscher in Blogs zu berichten, ist Ziel dieses Mediums, sondern es dient dem Wissenschaftler beim Aufbau einer eigenen Reputation, auch außerhalb des eigenen, kleinen Fachbereichs. Wissenschaft darf doch nicht nur für sich betrieben werden, sondern steht eben auch im Austausch mit der gesellschaftlichen Öffentlichkeit. Oft werden bei Ereignissen Wissenschaftler als Experten herangezogen. Und oft sind es die gleichen. Warum? Weil sie in der Öffentlichkeit schon einmal aufgetreten sind. Bloggen ist eben auch Öffentlichkeitsarbeit (und Wissenschaftskommunikation, die schon einmal angesprochen wurde). Angesichts schmalerer Forschungsgelderkassen ein Punkt, der nicht unerheblich ist, Drittmittel anzuwerben.

  15. Eine Frage des Fachs?

    @Bastian
    Ich glaube nicht (mehr), dass es eine Frage des Fachs ist, sondern eine Frage der Einstellung. Die wird leider durch den vorherrschenden Wissenschaftsbetrieb (als bewusste Abgrenzung zur Wissenschaft) geprägt, der die Involvierten sozialisiert und zum gezeigten Verhalten führt. Da „auszusteigen“, ist mitunter leichter gesagt als getan. Das ist in den Naturwissenschaften (gerade die hatte ich bisher allerdings als offener wahrgenommen) nicht anders als in der BWL oder der Juristerei (von mir gefühlt die konservativsten Disziplinen).

  16. ach so…

    @Bastian
    …und die Links zu den Seiten von Christian und mir war natürlich nicht speziell an dich gerichtet, sondern an den ein oder anderen hier, den das vielleicht interessiert 🙂

  17. Wind aus den Segeln nehmen

    „Der andere, ebenfalls häufig genannte Grund, ist die Angst um den eigenen Ruf, sowohl in der scientific community als aber auch bei den eigenen Studenten. Zumindest dieser Ansage kann man nun ein wenig den Wind aus den Segeln nehmen.“

    Naja. Die Frage ist, ob wir Professoren wollen, die Angsthasen sind, oder Professoren, die mutig und kreativ neue Wege beschreiten und dabei auch Risiken eingehen. Also, die einzig vernünftige Antwort an jemanden, der sagt, dass er Angst um seinen Ruf oder um seine Ergebnisse hat, ist: „Schisser!“

  18. @Wenke: Das dürfte auch für weniger, ich sag mal idealistische, Professoren und Wissenschaftler ein guter Anreiz zum bloggen sein 😉

    @Oliver: Ich glaube Wissenschaftler kooperieren mehr, allerdings hab ich (zumindest in den Life Sciences) auch oft genug die Furcht vor dem „Diebstahl“ der Ergebnisse mitbekommen. Sonst gebe ich dir aber recht.

    @Christian: Prinzipiell würde ich dir, genauso wie Oliver, zustimmen. Allerdings sehe ich da ein Problem: Schaffen es jene Leute, die „Mut zum Risiko“ beweisen und mit neuen Ideen auch zum Professor? Oder bevorzugt das System als solches einfach Leute die so weit streamlined sind, dass sie eben nicht aus der Linie abweichen? Wie sind deine (bzw. auch an alle anderen Kommentatoren: eure) Erfahrungen damit?

  19. TL;DR

    Vorab bemerkt: Diese Kommentar wird unter vollständiger Ignoranz bereits bestehender/geposteter Kommentare verfasst (und in wenigen Minuten runtergeschludert); inhaltliche Dopplungen, kruden Satzbau, orthographische und grammatikalische Fehlleistungen bitte ich entsprechend zu entschuldigen.

    Der Aussage, dass es „kaum bloggende Professoren oder aktive Wissenschaftler“ gäbe, die [über ihre Arbeit] bloggen/twittern, kann ich nicht unbedingt zustimmen. (Soweit meine Interpretation des Wörtchens „kaum“ von Relevanz ist.)

    Ich habe die Blog-Feeds von vmtl. ein, zwei Dutzend Professoren abonniert (aus den Bereichen Mathematik, Komplexitätstheorie, Graphentheorie/Geometrie, Operations Research, Spieltheorie, Statistik, Software Engineering, Informationssysteme u.a.). Gleiches (oder gar in einem stärkeren Maße) gilt für meine Twitter-Timeline. [Facebook nutze ich nicht wirklich, „stalke“ ab und an allerdings auch dort einigen Prof. nach, die bisher auf Twitter nicht vertreten sind.]

    Sollten ferner Doktoranden & Post-Docs unter dem Begriff „aktive Wissenschaftler“ subsumiert sein, lassen sie voranstehende Aussagen vmtl. mit dem Faktor ~3 multiplizieren.

    Um auf das Wort „kaum“ zurückzukommen: Richtig ist, dass (afaik) keiner meiner Professoren twittert/bloggt (ggf. eine streitbare Ausnahme). Richtig ist ferner, dass ich keinen dt.sprachigen Blog eines Professoren (in meinem Interessensgebiet) kenne. Twitter analog. (Insgesamt ist ohnehin festzuhalten, dass das „Involvement“ der dt. Wissenschaft, soweit meine Interessensbereiche berührt sind, im „sozialen Netz“ vergleichsweise schwach ist.)

    Um allzu allgemeinen Pauschalaussagen vorzubeugen, müsste ggf. erst einmal betrachtet werden, ob sich dass Verhalten von Prof./Wissenschaftlern im sozialen Netz vom Bevölkerungsdurchschnitt unterscheidet (und zwar insb. im Hinblick auf Alterstrukturen, Interessensgebiete etc.).

    Einige Beobachtungen, ohne Anspruch auf Repräsentativität (teils gar offenkundig unrepräsentativ), kann ich jedoch vllt. auch so weitergeben:
    – Netzwerkaktivität/Blogging ist nicht primär eine Frage des Alters (20-sth. bis 65) oder Geschlechts; Form der Teilhabe (Was wird „geteilt“? (Beruf, Erlebnisse, Privates), Wo? (Blog, Twitter, Facebook), Wie? (Tonalität) etc.pp. hingegen schon/eher.
    – Dort, wo einer bloggt, findet sich in der Regel auch ein Zweiter, Dritter, … (und eine Traube fachkundiger Kommentatoren, die nicht zwangsläufig selbst bloggen).
    – Blogging und „Exzellenz“ in Wissenschaft und Lehre gehen oft Hand in Hand (wenn ich die Auszeichnung des einen oder anderen Prof.s in „meinem“ Netz als Anhaltspunkt nehme).
    – Englisch ist Verkehrssprache.

  20. @Bastian
    Ja, die Kooperation zwischen Forschern an sich hat zugenommen, dazu findest du in meinem Artikel auch Quellen mit Belegen aus verschiedenen Fachrichtungen. Von der Royal Society gibt es auch eine aktuelle Studie inkl. schöner Visualisierung (http://royalsociety.org/…networks-nations-graph/).
    „Kooperation? eher selten.“ ist aber ebenfalls der Titel eines Interviews mit Ellen Enkel (beschäftigt sich mit dem Thema Innovation) – und da geht es um den Austausch zwischen Theorie und Praxis, zwischen Wissenschaft und Gesellschaft – der ist mau. Wenn nun zwei oder mehr Leute an einem Beitrag schreiben, sitzen sie nun halt gemeinsam „in einem Turmzimmer“. Die Prozesse bis zum fertigen Ergebnis bleiben aber immer noch intransparent.

    @fbahr
    Schön, dass du da bist 🙂

  21. @fbahr: Danke für die Ausführungen. Natürlich hast du recht, dass mein „gefühltes“ Sample nicht repräsentativ ist. Und zumindest im englischsprachigen Raum gibt es (zumindest in meinem Fachbereich) auch einige Professoren, die ein Blog führen. Das es „kaum“ Web 2.0-bewanderte Professoren gibt, bezog sich auch auf den „deutschen“ Raum, mir ist aus meinem Fachbereich zumindest kein einziger Fall bekannt, egal auf welcher Sprache er bloggt 😉

  22. mutige Professoren

    Hm, ob eher Nachwuchswissenschaftler, die mutig sind, wissenschaftliche Karriere machen oder angepaßte, genau kann ich es nicht sagen. Aber nach meinen Erfahrungen sind es mehr die letztere Gruppe. Beispiel, was nicht direkt mit Web 2.0 zu tun hat: ich gründete mit einigen Mitstreitern ein Open Acces-Fachjournal für Nachwuchswissenschaftler, Werbung im eigenen Institut bei Professoren und Mittelbau, Einladung von 8 oder 9 Professoren zur Auftaktveranstaltung. Resonanz: bis auf eine Ausnahme keine Teilnahme der Professoren, oft wurde die Einladung ignoriert, nicht einmal eine Absage durch die Sekretärinnen gab es. In späteren Gesprächen wurde das Projekt nicht nur kritisiert, sondern auch abgewertet: „Studenten sollen nicht veröffentlichen!“. Was soll man dazu sagen?
    Es gibt natürlich auch die rühmlichen Ausnahmen ;-).

  23. nachvollziehbar

    @Wencke
    Vermute, hier würde das ähnlich laufen. Aber, wie sollte das auch anders gehen? Das System reproduziert sich selbst – vielleicht braucht es erst erhebliche Umwälzungen in der Umwelt, damit andere Spezies bessere Chancen haben oder mehr Mutationen entstehen und sich der „Genpool“ maßgeblich verändert?

    @Bastian
    Wäre das nicht mal eine untersuchenswerte Analogie für dich? Fitnessfunktionen für Professoren, Verteidigung des Lebensraumes Uni, usw. 🙂

  24. Lebensraum Uni

    Das wäre in der Tat eine spannende Untersuchung, vielleicht wird das ja was für die Masterarbeit, der Studiengang Ökologie & Evolution sollte ja passen 😉

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