Überall Noobs – ein Erklärungsversuch

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Wahrheiten als Querdenkerisches verkleidet, von Gunter Dueck
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Neulich habe ich etwas über Noobs geschrieben und mir natürlich sofort den klugen Kommentar eingefangen, dass man es N00b schreiben muss, mit zwei absichtlichen Nullen, die eine gewisse ärgerliche Verächtlichkeit ausdrücken sollen. Aha.
Es gibt noch ein anderes Wort, das immer mit Noob verwechselt wird. Man sagt immer Newbie oder Newb, wenn ein Neuer in ein Online-Spiel reinkommt und sofort frisch mitschlachten will. Da kommt er erst nicht klar: „Hallo, ich bin neu hier, ich komme nie um die erste Ecke und werde da sofort umgelegt!“ – „Du musst links auf das Fass achten und dich da herumschleichen.“ – „Aha, danke!“
Jeder erfahrene Spieler bringt den Newbies eine gewisse Willkommensfreude entgegen. Newbs genießen daher eine Weile Welpenschutz. Man lässt sie langsam an ihren Fehlern wachsen und unter Ratschlägen und Ermunterungen gnädig mitspielen.

Aber ein Noob – das ist jemand anders! Die hören sich anders an. „Das ist doch eine Sauerei, ich habe mich hier im Spiel schon eine ganze Minute am Armor-Punkt angestellt und gewartet, weil ich genau weiß, dass hier bald ein neuer Shield spawnt [neu entsteht]. Jetzt kommt doch einer von Euch von hinten angerast, nietet mich um und nimmt sich den ganzen Vorrat für sich. Wie gemein.“ – „Du musst lernen, dass wir alle wissen, dass da neuer Armour kommt, und nur Newbies warten da und lassen sich abballern. Du muss das Timing üben, um am besten genau auf die Sekunde da zu sein.“ – „Das ist doch blöd, wir können es doch gemeinsam so machen, dass jeder einmal drankommt. Wir sollten die Regel einführen, dass wir hier Schlange stehen und jeder auch einmal gewinnen kann. Ich mag es absolut nicht, häufig zu verlieren, denn dann habe ich absolut keinen Spaß dran.“ – „Dann hau doch ab und spiel Tennis.“ – „Da ist es dasselbe. Anstatt uns den Ball lieb hin und her zu spielen, versuchen sie alle, an mir vorbeizuschießen, nur damit ich verliere.“ – „Aha, du bist ein Noob, dann laber uns nicht weiter an.“ – „Hey, schon wieder bin ich umgenietet worden, macht euch das Spaß?“ – „Nein, lerne gefälligst, besser zu spielen, das ist hier Sport! Sport, verdammt!“ – „Muss denn hier jeder Meister sein wollen?“ – „Ja.“ – „Ihr spinnt doch.“ – „Hau ab, du N00b. Wer nicht ernsthaft mit-schwimmen will, soll baden gehen.“

Noobs sind für mich solche, die irgendwie nicht lernen wollen, worauf es in einer neuen Umgebung ankommt, und vielleicht auch deshalb keine Anstalten zeigen, am neuen Platz gut zu sein. Das macht alle anderen ärgerlich, je länger das Widerstreben des Noobs dauert.

„Ich ziehe immer den Stecker bei Computern, weil das Runterfahren viel zu lange dauert.“ – „Da kam schon wieder eine Mail mit einem zip-File dran. Ich habe draufgeklickt, der File war ja für mich. Ihr werdet es nicht glauben, was passiert ist: es war nochmal ein Virus drin. Mannomann, habe ich ein sagenhaftes Pech. Dazu kann ich doch nichts. Ich habe rumgefragt. Keiner hatte bis jetzt zweimal einen Virus, nur ich. Jetzt beschimpfen sie mich.“ – „Ich habe es doch nur gut gemeint, ich dachte, die Windbeutel verbrennen. Ich habe nur ganz kurz den Ofen aufgemacht, da ist alles zusammengefallen. Woher soll ich das wissen?“ – „Die anderen üben auch nicht intensiver, schließlich ist das Schulorchester freiwillig. Ich habe eben nicht so viel Naturtalent. Aber wenn ich schon mal spiele, bin ich mit ganzem Herzen dabei. Ich spiele sehr inbrünstig und bemerke dabei kaum die anderen um mich herum.“ – „Ich brate das Steak immer gut durch, dann kann man es jedenfalls sicher essen. Wenn man es rosa zu braten probiert, ist es oft noch zu blutig. Das will ich aber nicht.“ – „Die anderen zählen beim Skat die Karten, die raus sind. Sie sind gewinngeil. Dazu habe ich keine Lust. Ich lasse mich aber nicht dauernd anmaulen, wenn ich noch mal mitten im Spiel nachfrage, was Trumpf ist. Ich spiele sehr, sehr gut, nur dass ich mir die Karten nicht merken will.“

Na, was Trumpf ist, sollte man wissen, aber manchmal verheddern sich Manager schon mal bei ihrem Abteilungsnamen. Der ändert sich ja auch bei jedem Spiel. Im Management gibt es viele Digital-Noobs, Innovations-Noobs, Empathie-Noobs und Datenschutz-Noobs. „Ich grübele Tag und Nacht über meinen Zahlen, manchmal werden sie davon besser, mal schlechter. Die Regel dafür ist mir schleierhaft.“ Politiker können sich oft nicht merken, wofür ihre Partei steht – „was ist gerade Trumpf?“ – „Wir stehen als Partei für die große Mehrheit der Minderbemittelten, deshalb sorgen wir täglich dafür, dass die Reichen noch reicher werden, weil dann unser Wählerstamm wächst.“
Es gibt Putz-Noobs, Koch-Noobs und Meeting-Noobs. „Was soll das bedeuten? Wir tagen doch schon. Ich weiß wohl, es geht erst um Mitternacht rum…“

Die Philosophen sagen, man solle im Verlauf des Lebens ein Stadium erreichen, in dem man sonnig in sich selbst ruht. Sie sagen auch, es sei schwer, bis dahin zu kommen. Aber warum schaffen es dann so viele? Ich beobachte die jetzt so lange, bis ich auch den Trick raushabe. Oder ruhe ich schon? Woran merkt man das? Ich gehe fragen, ob sie es merken und woran. Hier muss irgendwo die Antwort auf die letzten Fragen zu finden sein.

Veröffentlicht von

www.omnisophie.com

Bei IBM nannten sie mich "Wild Duck", also Querdenker. Ich war dort Chief Technology Officer, so etwas wie "Teil des technologischen Gewissens". Ich habe mich viel um "artgerechte Arbeitsumgebungen" (besonders für Techies) gekümmert und über Innovation und Unternehmenskulturen nachgedacht. Besonders jetzt, nach meiner Versetzung in den Unruhestand, äußere ich mich oft zum täglichen Wahnsinn in Arbeitsumgebungen und bei Bildung und Erziehung ein bisschen polarisierend-satirisch, wo echt predigende Leidenschaft auf Stirnrunzeln träfe. Es geht mir immer um "artgerechte Haltung von Menschen"! Heute bin ich als freier Schriftsteller, Referent und Business-Angel selbstständig und würde gerne etwas zum Anschieben neuer Bildungssysteme beitragen. Ich schreibe also rund um Kinder, Menschen, Manager und Berater - und bitte um Verzeihung, wenn ich das Tägliche auch öfter einmal in Beziehung zu Platon & Co. bringe. Die Beiträge hier stehen auch auf meiner Homepage www.omnisophie.com als pdf-download bereit. Wer sie ordentlich zitiert, mag sie irgendwo hin kopieren. Gunter Dueck

8 Kommentare

  1. Nun, es gibt wohl Newbies oder Newbs, Noobs oder N00bs, Skilled Players & Legends.

    Dies hier – ‘Noobs sind für mich solche, die irgendwie nicht lernen wollen’ – müsste korrekt angemerkt sein, wobei der Unterschied zwischen Noob und N00b wohl dem Unterschied zwischen scheinbar und anscheinend ähnelt.
    Aus Sicht der Legend.

    MFG
    Dr. Webbaer

  2. Das ist der Grund, warum ich niemals gegen Menschen spiele, sondern nur gegen die Spielkonsole, und das auch nur bei den leichtesten Einstellungen der Spiele.
    Warum sollte ich Geld dafür bezahlt haben, dass ich mich auch noch anstrengen muss?
    Einige Spiele sind besonders lustig, wenn man unverwundbar ist, und unendlich viel Munition hat.

    • Einige Spiele, wie zum Beispiel Red Faction: Armageddon oder Dead Space 1+2+3, lassen sich immer wieder spielen, wobei man alle Waffen und Panzerungen, die man erworben hat, auch im nächsten Durchgang behalten kann.
      Nach ungefähr drei Durchgängen hat man dann ein völlig entspannendes Spielerlebnis.

        • Computerspiele machen blöder, zumindest, wenn es sich um sogenannte Shooter handelt, vs. Simulationen (Civilization, Sid Meyer und so, macht nicht blöde, sondern verständiger und zwar einem nicht zu unterschätzenden Umfang), wobei Ihr Kommentatorenfreund einzuräumen hat sich gerade ein wenig mit Half-Life in der Version 1 zu beschäftigen, auch sogenannten Walkthroughs gefolgt ist, die Physics Engine sehr nett findet, gerade auf das Jahr 1998 zurückgerechnet, also zumindest eine Spur blöder geworden sein müsste.

          MFG
          Dr. Webbaer

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