Rasender Wandel rund um den Tipping Point

Immer wieder kippt plötzlich die Welt in einen neuen Zustand: Eine Technologie, die wir schon lange kannten, wird fast „plötzlich“ als wertvoll wahrgenommen und schießt den Vogel ab.

Digital-Kameras gab es schon lange, aber als es Ausdruckautomaten und Fotobücher gab, wurden sie der Renner. PCs und Laptops gab es schon lange, aber erst das iPad konnte breite Schichten für das Digitale erreichen und plötzlich wurde Online-Shopping hip – es dauerte noch ein wenig, und der Otto-Katalog wurde eingestellt. Ganze grüne Völkerschaften kämpften Jahrzehnte gegen die Kernkraft, da kam es zur Katastrophe von Fukushima, und plötzlich lösten sich die Befürworter von den heiklen Technologien. Ich war zuletzt bei der IBM von 2009 bis 2011 für den Launch des Cloud-Business tätig. „Cloud? Was ist das? Das funktioniert nicht, das ist unsicher, meine Daten gebe ich nicht woanders hin…“ Was habe ich mir alles an Feindlichem anhören müssen. Unermüdlich erklärte ich: „Es ist billiger, komfortabel und wahrscheinlich sicherer, weil normale Unternehmen intern allerlei Unsinn anstellen und nur theoretisch sicher sind.“ Wenig später nutzten die Leute privat Dropbox, verwechselten Dropbox schon mit Cloud an sich und fanden Geschmack daran…

 

In der Ökonomie untersucht man Tipping Points oder Umschlagpunkte.

 

Quelle: Adobe Stock Photo

Bis zum Tipping Point kann man sich den Mund fusselig reden, was die Leute tun sollen, und plötzlich klappt der Widerstand in sich zusammen. Das Neue kommt wie eine Lawine über uns. Wir sind verwundert, jedes Mal.

Vor dem Tipping Point empfindet man sich wie Sisyphos. Man redet und redet! „Kind, gute Noten sind wichtig!“ – „Blabla, Mama.“ Und auf einmal: „Hey, du machst Hausaufgaben?“ – „Es zählt jetzt für die Abi-Note.“ Was irre schwer war, wird plötzlich kinderleicht, weil der Widerstand wegbrach.

Vor dem Tipping Point glaubt keiner so richtig, dass aus einer Sache etwas wird. Politiker sagen zum Beispiel immer noch, dass das Internet eine Mode ist. In ein paar Jahren werden sie es euphorischer sehen und stolz darauf sein, in der neuen Welt heimisch geworden zu sein. Im Grunde aber haben unsere Führungspersönlichkeiten doch aber die Pflicht, Tipping Points wenigstens vorherzusehen und am besten solche zu schaffen?!

Wir sprechen immer vom Verschlafen von Entwicklungen. Dabei handelt es sich um das übersehene Überschreiten des Tipping Points, das erst erkannt wird, wenn die Lawine schon rollt. Wenn es den Handel zwickt, erkennt er endlich Amazon an. Erst wenn die Zeitungen keine Anzeigen mehr verkaufen, merken sie plötzlich, dass Daten das Erdöl des 21. Jahrhunderts sind, die Googles Werbeeinnahmen sprudeln lassen.

  • Erkennt Tipping Points!
  • Erzeugt Tipping Points!

Ich gebe einmal meine Tipps für Tipping Points ab: Bei Lidl gab es gerade „Beyond Meat“-Produkte zu verkaufen, also zum Beispiel Burger-Patties aus Pflanzen, die ziemlich genau wie Fleisch schmecken. Ich habe keine mehr bekommen – ausverkauft! Liebe Leute, es gibt demnächst keinen Grund mehr, Fleisch zu kaufen. Kauft noch schnell die Reste auf und legt sie in die Kühltruhe. Im Ernst: In ein paar Jahren geht es auf der Welt viel vegetarischer zu.

Oder: Das Rezo-YouTube Video markiert eine Umkehr bei den Wahlen. Die sich selbst so bezeichnenden Volksparteien schwinden dahin, weil sie den Tipping Point hinter sich gelassen haben. Die ZEIT vom 29. Mai 2019 betitelt ein Oettinger-Interview mit „Achtung, Papa, da kommt was!“ Das schrieb Oettingers Sohn an ihn, mit Verweis auf das Video. Die ZEIT: „Haben Sie es angesehen?“ Oettinger: „Nein.“ Oettingers Sohn ist wach, Papa schläft weiter. Auch Markus Söder gab an, das Video nicht angesehen zu haben. Die Politiker halten alles für eine Modeerscheinung. Sie leben mental VOR dem Tipping Points, wir Wähler sind aber schon drüber.

Oder: Die e-Autos sind mit dem Tesla wohl schon bald ein Jahr über den Tipping Point hinweg. Manche merken es schon… Elon Musk setzt aktiv den Tipping Point und die Welt der Diesel wird kippen.

Oder: Schüler nutzen YouTube zunehmend dafür, sich den noch nicht verstandenen Schulstoff nochmals oder mehrere Male besser erklären zu lassen als von ihrem eigenen mäßigen Lehrer.

 

Tipping Points muss man erkennen, das ist doch klar, und bitte nicht verschlafen! Noch viel wichtiger wäre es, die Kunst zu beherrschen, welche zu erzeugen. Da versagt die Politik hierzulande jämmerlich. Sie sponsort regelmäßig Forschung auf erwünschten Gebieten, etwa der Solarenergie. Da ist Deutschland dann für kurze Zeit führend und „Weltmeister“, aber danach geschieht nichts. Man sponsort Ariane-Raketen mit viel Geld, und dann kommt SpaceX. Man will ein eigenes GPS, na gut, eine eigene europäische Suchmaschine, was auch immer. Man erforscht alles, lässt ein paar Prototypen fliegen, freut sich über deutsche Ingenieurskunst und merkt nicht, dass man noch lange nichts gegen den Sisyphos-Effekt getan hat. Man sponsort Tablets für Schulen, aber die machen nichts damit. Man zahlt Abwrackprämien für Autos, und die Industrie nimmt alle Geschenke an. Die „Anstöße“ hierzulande sind einfach „daneben“, um etwas über einen Tipping Point zu schieben. Das schöne Geld für diese unnütz verpuffenden Anstöße ist total ballaballa verballert. Die Politik setzt auf Leuchtturm-Projekte – nichts, aber auch nichts verstanden! Es sind keine Tipping Points! Mein schönes Steuergeld…

 

Ich fürchte, wir müssen auf den ganz unvermeidlich Tipping Point warten, der ohne Leuchtturm kommt: Die Übernahme von Verantwortung und Macht durch die jungen Leute, die jetzt mental so etwa 26 Jahre alt sind.

 

Gunter Dueck

Veröffentlicht von

www.omnisophie.com

Bei IBM nannten sie mich "Wild Duck", also Querdenker. Ich war dort Chief Technology Officer, so etwas wie "Teil des technologischen Gewissens". Ich habe mich viel um "artgerechte Arbeitsumgebungen" (besonders für Techies) gekümmert und über Innovation und Unternehmenskulturen nachgedacht. Besonders jetzt, nach meiner Versetzung in den Unruhestand, äußere ich mich oft zum täglichen Wahnsinn in Arbeitsumgebungen und bei Bildung und Erziehung ein bisschen polarisierend-satirisch, wo echt predigende Leidenschaft auf Stirnrunzeln träfe. Es geht mir immer um "artgerechte Haltung von Menschen"! Heute bin ich als freier Schriftsteller, Referent und Business-Angel selbstständig und würde gerne etwas zum Anschieben neuer Bildungssysteme beitragen. Ich schreibe also rund um Kinder, Menschen, Manager und Berater - und bitte um Verzeihung, wenn ich das Tägliche auch öfter einmal in Beziehung zu Platon & Co. bringe. Die Beiträge hier stehen auch auf meiner Homepage www.omnisophie.com als pdf-download bereit. Wer sie ordentlich zitiert, mag sie irgendwo hin kopieren. Gunter Dueck

9 Kommentare

  1. Zitat: auf den ganz unvermeidlich Tipping Point warten: Die Übernahme von Verantwortung und Macht durch die jungen Leute, die jetzt mental so etwa 26 Jahre alt sind.
    Sie meine sicher sich selbst damit. Mental so etwa 26 Jahre alt – also noch ganz frisch und jung (mental mindestens).

  2. Der Tipping Point ist das Kennzeichen einer saturierten Gesellschaft, die alles hat und deshalb gelangweilt.
    Dann kommt der hit, dem alle hinterherrennen. Die hot pants, die zerschossenen Jeans, das smartphone, der Hamburger, das Tatoo. Das braucht man alles nicht, der Staat braucht das nicht.

    Und jetzt zu sagen, wir sind unfähig solche hypes zu produzieren, das ist eigentlich ein Kompliment. Leider hat sich die letzte Dummheit, die Kaffepads, durchgesetzt und versauen jetzt die Ozeane.

    Herr Dueck, die Sache mal so betrachten !

  3. Moment mal. Sie erwarten von Politik imaginäre “Tipping Points” zu erkennen? Und dann auch noch solche, die Sie als Tipping Points vermuten?

    Mutig.

    Meine Tipping Points für die Politik:

    Die Reha für die Kernkraft kommt ziemlich gut voran. Also weiter daran Syspyphos arbeiten.

    Bei individuell zuzuordnenden batterieversorgten E-Autos sehe ich eine sehr langfristige Stagnation. Global. Eher auf P2G-Techniken setzen?

    Die digitale Schule kommt zweifellos und wird 100.000 de Lehrkräfte überflüssig machen. Puuh – Schule war nicht wirklich mein Ding. Der Tipping Point sieht noch weit weg aus, aber das täuscht. Spätestens in 10 Jahren wird es hierzulande die ersten “Fernschulen” geben. Und der Siegeszug des digitalen Klassenzimmers in einer Soziopathengesellschaft wird unaufhaltsam sein.

    Die Cloud geht einem langen Siechtum entgegen. Und IBM marschiert nach dem Verkauf annähernd aller anderen Geschäftsbereiche auf echt harte kapitalistische Zeiten weit wegen von den fernen Wolken zu. Vielleicht kann man sich ja noch fix irgendwo einkaufen.

    Ich finde, dass die Politik hierzulande eine gewisse Kontinuität und Glaubwürdigkeit vermissen lässt. Und das ständige Suchen nach Tipping Points (manchmal kann man sich irren, wie Frau Merkel im Falle der Grenzöffnungen 2015) macht Politik nicht glaubwürdiger. Obwohl ich natürlich bei manchen Angelegenheiten schnelles Handeln bevorzugen würde, wäre es mir doch auch lieb, wenn Zugesagtes eingehalten und nicht jede Woche eine neue Sau durchs Dorf getrieben würde. Aber da bin ich mutmaßlich ziemlich einsam mit dieser Ansicht.

  4. Ich warte immer noch auf den Tipping Point in Sachen Klimadiskussion. Aber der kommt wahrscheinlich erst wenn die Frage steht: An welchem Meer liegt Berlin ?An der Nord- oder an der Ostsee ?

  5. Die hier angeführten imaginären Tipping Points sind alles Peanuts gegenüber dem des höchsten Punktes, vor dem die Menschheit steht und der lautet “unumkehrbarer globaler Abrüstungs-Prozess”! Gerade jetzt, wo der INF-Vertrag Geschichte ist, darf man diesen Point nicht aus dem Auge verlieren.

  6. Rinaldo K.
    02.08.2019, 14:47 Uhr

    Ich sehe da tatsächlich optimistisch entgegen.
    Was meinen sie wohl, warum die Aufrüstung damals gestoppt wurde?

    Es gab damals kaum technologischen Entwicklungsfortschritt mehr. Neben der sozialpolitschen Abneigung dagegen.
    Und dann gabs da ja noch die Sache mit der “überbewaffnung” mit viel zu alten Raketen. Die wollte man damals ende der 80´ger Jahre loswerden, woraufhin Abrüstungsverträge wie am Fliessband abgeschlossen wurden. 9000 veraltete Atomraketen sind eben eine enorme Belastung für die militärische Organisation.

    So ähnlich war es auch mit dem Atomverbot im Orbit. Eine Schimäre, weil atomare Explosionen in der Schwerelosigkeit nicht so funktionierenm, wie auf der Erdoberfläche.
    Aber daraus machte man dann eine weltweit massenmediale Fuore der Wohltat und der “Einsicht” in die Menschlichkeit….

    Aus der Not eine Tugend machen. Das kann der heuchlerische Mensch ausgezeichnet.

    Die damalige konventionelle Technologie war beinahe ausgereizt. Man hätte das nur noch mit wirklich völlig neuen Technologieansätzen steigern können.

    Der Nachteil daran war nun aber, dass auch der zivile Technologiefortschritt stagnierte. Es fand nur noch Finetuning statt.

    Das hat wahrscheinlich fundamental damit zu tun, dass dieser zuweilen belächelte oder zuweilen als extreme Zumutung verstandene “militärisch-industrielle Komplex” quasi das Problem hat, das man neue Technologien nicht massentauglich bekannt werden lassen darf, damit der technologische Vorteil nicht anderen zugute kommt. Was meint: Erst das militärische abdecken – was in der Regel hochgeheim geschieht.Und dann natürlich so lange, wie möglich geheim halten.

    Irgendwann kommen dann Abwandlungen dieser neuen Technologien für zivile Anwendungen auf den Markt. Aber das dauert lange.

    Kurzum:
    Wenn man also in dieser strategischen Welt die Rüstung einfrieren/stagnieren lässt, wird es keine neuen Technologien im zivilen Bereich geben, die wirklich Neues darstellen.
    Dennn erstens sind diese möglicherweise funktionierenden neuen Technologien solange geheim, bis der militärische Sektor versorgt ist und zweitens beginnt auch niemand mit der Produktion dieser neuen Technologien, wenn vorher nicht auch der militärische Markt existiert.

    Patente werden aus dem Verkehr gezogen oder gar nie erteilt…

    Wenn man so will, hat diese jetzt offenbar neu entstehende Rüstungsentwicklung eine gute Entwicklung. Weil nämlich dadurch sehr wahrscheinlich ganz neue Technologien “marktfähig” werden.

    ich denke da an Energieerzeugung, an Antriebstechnologien von Fluggeräten im schwerelosen Raum, an Quantentechnologien, an Biotechnologie (leider auch…in diesem Zusammenhang)…. und so weiter.

    Viele sind ja noch der Meinung, dass Einsteins Relativitätstheorien immernoch der geilste Scheiss der Wissenschaft sind.
    Ich vermute aber, das es da einige neuere und bessere Erkenntnisse etwa über das Gravitationsproblem gibt, die bisher nur nicht öffentlich wurden, weil mit der veröffentlichung die militärische und politische Souveränität der Weltmächte gefährdet werden würde.
    Der militärisch-industrielle Komplex ist keine marxistische Klage-Ideologie, sondern eine real existierende Tatsache und … wenn man so will…politische Notwendigkeit innerhalb dieser Globalstrukturen und politischer Konflikte.

    Die gegenwärtige “Bewegung” in den stagnierten Rüstungsbestrebungen haben auch einiges damit zu tun, weil gegenwärtig mehrere Nationen die bemannte Raumfahrt planen oder gar schon erfolgreich durchgeführt haben.
    Es wird offenbar ein Geheimnis dort oben geben, wo man derzeit die Gefahr sieht, dass es andere Nationen herrausfinden werden, weil sie umfassender im Orbit forschen. Und das würde im Zweifel eine fundamentale Veränderung erzwingen können.

  7. Tipping Points muss man erkennen, das ist doch klar, und bitte nicht verschlafen! Noch viel wichtiger wäre es, die Kunst zu beherrschen, welche zu erzeugen. Da versagt die Politik hierzulande jämmerlich. …[aufgezählte Beispiele]… Die Politik setzt auf Leuchtturm-Projekte – nichts, aber auch nichts verstanden! Es sind keine Tipping Points! Mein schönes Steuergeld…

    Ballaballa ist ja wohl das!

    Da erzählt der Blogger eins davon, wie schwer, langwierig und erfolglos es ist, so nen Tipping Point anzuschieben (“Mund fusselig reden”), und dann wirft er anderen genau das vor, genauso erfolglos gewesen zu sein – wie er selbst weiland bei IBM, als ihm selbst kein Tipping Point in Sachen Cloud gelungen ist. Das gelang dann ja wem anderen. Waren Sie, Herr Dueck, also genauso wenig Ihr Geld wert, das IBM Ihnen gezahlt hat, wie “die Regierung” (typische Schuldige am Stammtisch) Ihre Steuergelder? Auch nur ein Leuchtturmbastler?

    Wutbürgerei auf schlechtem Niveau!

    Mittlerweile sehe ich bei Spektrum.de einen Tipping Point überschritten: den der schlechten Artikelschreiber und Blogger. Wahrlich nicht nur in diesem Artikel hier…

  8. demolog
    04.08.2019, 22:39 Uhr

    Wenn man also in dieser strategischen Welt die Rüstung einfrieren/stagnieren lässt, wird es keine neuen Technologien im zivilen Bereich geben, die wirklich Neues darstellen.

    Ich antworte hier nur, weil man diese Auffassung in einem Wissenschafts-Blog so nicht unkommentiert stehen lassen sollte.
    Die ganze Argumentation auf Vermutungen aufgebaut ist in ihrer Schlussfolgerung fatal.
    Der INF-Vertrag wurde nicht geschlossen, weil es irgendwann mal paar Raketen zu viel gab, sondern weil die Welt im September und November 1983 zwei Mal an einem der gefährlichsten “Tipping-Points” der atomaren Rüstung stand.
    Auch wenn es so sein mag, dass wissenschaftliche Erkenntnisse von der Politik auf ihre militärische Verwertbarkeit geprüft werden, so kann und darf man daraus keinen in alle Ewigkeit geltenden Automatismus herleiten.
    Es gibt zum Glück zivile Beispiele, wie die ISS, wo das Denken in “Machtzentren” überwunden ist!
    Die Wissenschaftler im All, wie ein “Astro-Alex”, strafen jeden Lügen, der die dort gemachten Forschungs-Ergebnisse zuerst militärisch genutzt wissen will!
    Daher kann ich mich dem Hinweis von Pertti Valkonen nur anschließen: Den Qualitäts-Tipping-Point sollte man nicht überschreiten!

  9. Da ich Ihnen ja doch schon etwas länger folge: Die Ironie ist, dass man zu diesem Thema beliebig viele Grafiken erstellen kann und dazu mindestens genauso viele Erklärbärungen – am Ende des Tages bleibt trotzdem immer dasselbe stehen:

    Eine Technologie, die wir schon lange kannten, wird fast „plötzlich“ als wertvoll wahrgenommen und schießt den Vogel ab.

    Ob’s das Ende des Hockeysticks ist, das Plateau der Produktivität, … oder eben das Abrollen am Berg: Keiner will der erste sein, jeder meint Learnings dann “on-the-go” machen zu können wenn der Zug ins Rollen kommt, um dann (vermeintlich) ganz schnell aufspringen und (als Passagier -_- ) die Lokomotive überholen zu können.

    Das kann man predigen bis die Ohren bluten, die trotzdem (oder deswegen?) taub bleiben… aber erst wenn genug Fett weg ist, wenn es ans Eingemachte geht und das zu bluten beginnt, dann sieht man (echten) Handlungsbedarf. Nur ist es dann oft schon zu spät, denn das Trägheitsgesetz zeigt fast überall Anwendung: Wenn ich lang genug meinen Tanker in eine Richtung beschleunigt habe ohne darauf zu achten wo (und warum) die Schiffchen links und rechts abbiegen… laufe ich eben ab einem gewissen Punkt unvermeidlich auf’s Riff auf.

    Und ja, der einzige Faktor der hier etwas ändert, egal ob in der Chefetage in Unternehmen oder der Politik – oder wo auch immer – ist ein mentales Vergreisen, der Eintritt in den “Läuft doch (noch)!” Modus – und das Verschließen der Augen und Ohren vor dem Neuen. Warum, wieso, weshalb… diese Angst vor Veränderung kennt man ja (leider) auch aus ihren Vorträgen. 🙁

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