Liebe, Glaube, Effizienz – zur Zukunft der Kirche

BLOG: WILD DUECK BLOG

Wahrheiten als Querdenkerisches verkleidet, von Gunter Dueck
WILD DUECK BLOG

Das Internet verändert unsere Welt. Die meisten von uns nehmen das Internet nur ganz direkt vor einem Flachbildschirm wahr, aber es greift schon seit vielen Jahren auf unser Leben in viel tiefgreifenderer Form ein: Computer verbinden jetzt alle Menschen, Arbeitsvorgänge und Dinge! Sie messen alles und wissen, wie viel jeder Handschlag kostet, wie lange er dauert, ob er vom richtigen Menschen mit der richtigen Qualifikation ausgeführt wird. Kurz: Computer und Internet geben die Möglichkeit, praktisch alles, was schon immer getan wird, viel effizienter und kostengünstiger zu gestalten.
Auf der anderen Seite aber scheint uns das Internet eine Brücke zu einer neuen Zukunft zu schlagen, die wir uns erst nur vage vorstellen können und wollen. Das Web 2.0 beschert uns Freunde in aller Welt, es besiegt Diktaturen, führt zu neuen Kommunikations- und Kunstformen. Wir spüren, dass wir vor der Schwelle einer neuen Welt stehen. Die Wirkungswucht der Internet-Durchdringung unseres Lebens wird oft ahnungsvoll im Vergleich mit der Erfindung des Buchdrucks durch Gutenberg und der Bibelübersetzung Luthers gesehen. So etwas passiert JETZT! Und wir sind dabei!

Die Umwälzung des Internet stellt uns generell vor zwei Wege:

1.    Wir nutzen das Neue, um das Alte ökonomisch effizienter zu gestalten.
2.    Wir bauen mit ihm eine neue Zukunft.

Die erste Aufgabe ist sehr mit dem Gedanken an Geldsparen verbunden und damit klar definiert. Sie wird deshalb überall beherzt angegangen, mit zum Teil beeindruckenden Rationalisierungserfolgen. Diese großen Erfolge werden jetzt auch überall dort gesucht, wo das Internet nicht im Mittelpunkt steht – nun wird auch die Kirche immer stärker mit Vorstellungen des Lean Management und den damit verbundenen ökonomisierenden Methoden und Denkweisen konfrontiert. Für das mögliche Neue, etwa die Kirche 2.0, fehlt hier wie überall noch die weite und Vorfreude bereitende Perspektive.

Beide Wege, den ökonomisierenden und den zukunftssuchenden, möchte ich hier kommentieren.

Zum allgemeinen Effizienzstreben:

Effizienz beißt sich mit Glaube und Liebe und senkt alle Hoffnung. Falsch verstandene Effizienz kann ruinieren – und das befürchte ich besonders im kirchlichen Kontext.

Die Prinzipien der Effizienz zielen auf Standardisierung, Vereinheitlichung, genaue Servicedefinitionen („Hochzeit Basic Plus Dienstleistungspackage“), Abarbeitung durch die billigst mögliche Ressource („muss das der Pastor unbedingt selbst machen?“) und absolute Vollauslastung aller Ressourcen (heute oft Überlast bis zum Burnout-Problem). Die Bezeichnung von Menschen im ökonomischen Kontext als Ressourcen deutet die Kälte des Vorgehens an.
Sehen wir uns zur Erhellung der Problematik eine Bankfiliale an: Die meisten Aufgaben sind dort einfach (Überweisungen, Auszüge anfordern, Einzahlungen), die erledigt der Kunde schon oft selbst oder mit Hilfe einer/eines Angestellten. Eher selten werden schwierige Kreditwünsche geäußert oder eine Beratung über asiatische Aktien gewünscht. Ökonomisch ist es sinnvoll, diese selten vorkommenden schwierigen Arbeiten in zentralen Fachabteilungen zu bündeln. Für komplexe Kredite und oder Zertifikateanlagen wird der Kunde auf ein „Kompetenzcenter“ verwiesen. Der Bankangestellte wird nun vor Ort auf das Einfache zurückgestutzt, er hat nichts Wichtiges mehr tun. Er kann durch Mitarbeiter ersetzt werden, die kaum ausgebildet sein müssen und geringer bezahlt werden können. Mit der Zeit wird diese einfache Arbeit vor Ort automatisiert und verschwindet irgendwo ins Internet, wo sie der Kunde selbst verrichtet. Die Bank vor Ort verliert für den Kunden den Ruf der Kompetenz. Die lokalen, eigentlich kulturgebenden Dienstleistungen werden austauschbar. „Welche Bank? Ist egal.“ Die Banken verlieren die Identität, die Kunden sind nicht mehr treu, die einstige herzliche Verbundenheit schwindet, Dienstleistungen werden technokratisch abgerufen. Ein Stück einstiger Heimat ist verschwunden. Das ist die kalte Seite der Effizienz. Im Kontext der Kirche heißt das:

Effizienz verwässert das Heilige.

So wie Banken im Namen der Effizienz und des Sparens das Komplexe in Zentren zurückziehen, so schließen sich Kirchengemeinden zusammen. Ein Pastor ist für viele Gemeindemitglieder zuständig, so wie der Kreditsachbearbeiter für alle Kunden im weiten Umkreis. Dadurch geht der Kontakt zu den Gläubigen immer weiter verloren, was den Bankkunden nicht direkt schmerzt, aber den Gläubigen schon. DAS ist der Unterschied zwischen Kirche und Dienstleistungsunternehmen!
Etwas mehr herausgearbeitet: Alles um den Pastor herum ist „heilig“, seine physische Präsenz, sein Grüßen, sein Smalltalk, sein kurzer Hausbesuch, sein Zureden und Zuhören über den Gartenzaun, wenn der Mäher kurz angehalten ist. Es wärmt, wenn er uns kennt, wenn wir ihm begegnen, wenn wir ihn vielleicht nur vorübergehen sehen. Er kennt unsere Kinder und leitet sie, wir sprechen gemeinsam über sie… Der Heilige Geist ist durch einen nahen Pastor präsent. Er MUSS lokal präsent sein! Er muss die lokalen Helfer und Freiwilligen beflügeln. Er kann nicht wie die Anlageberatung in eine Zentrale zurückgezogen werden und die lokalen Helfer als einfach unbezahlt Arbeitende in der Ferne „machen lassen“ und sie damit (fern vom Geist der Kirche) degradieren. Ich will sagen: Was bei einem Kompetenz zentralisierenden Dienstleistungsunternehmen Effizienz erzeugt, führt bei der Kirche zu einem Rückzug und allmählichen Verschwinden des lokal Heiligen. Zentralisierende Effizienz führt auch z.B. bei Banken zu bedenklichen Identitäts- und Treueproblemen – bei einer Kirche ruiniert sie das „Business-Modell“ komplett. Zentralisierende Kirche zieht sich auf Kerndienstleistungen rund um die feststehenden Events zurück. Das Heilige ist dann ganz dünn geworden und wird auf Augenblicke beschränkt. Ist aber halb heilig noch irgendwie heilig? Fällt nicht oft ganz weg, was unter eine kritische Schwelle fällt?
Das lokale Wirken des Glaubens ist für mich die Kernaufgabe einer Kirche. Ökonomisch formuliert: Investiert in Pastoren und gute Arbeitsbedingungen! Überlastet sie nicht – der Heilige Geist verschwindet unter Stress! Das ist das Problem unserer Zeit. Alles Hohe verschwindet unter Stress.

Investiert in Pastoren, auch wenn alles andere aufgegeben werden muss. Widersteht der Versuchung flächendeckender Effizienzbestrebungen, bei denen überall gespart wird, so dass dann alles bedenklich siecht. Denkt an den nachhaltig gesunden Kern.

Daher meine zwei Thesen:

1.    Der Kern der Kirche, das Heilige in der Seele zu hüten, muss gesund gehalten werden – durch Pastoren, alles andere steht zurück.
2.    Widersteht der Versuchung falscher Effizienz – hütet euch vor allem, was in die Nähe von “Bless for less” gerät.

Seht euch alle um! Immer das, was uns fehlt, wird bei Events und Feiern beschworen. Was wird in diesen Tagen beschworen? Immer und immerfort dies:

•    Wirtschaftsethik,
•    Innovation,
•    Bildung,
•    Kultur,
•    Vertrauen,
•    Herz,
•    Gemeinschaft,
•    Zusammenhalt,
•    Nachhaltigkeit,
•    Blühende Umwelt,
•    Soziales und Christliches,
•    Gleichberechtigung,
•    Physische u. psychische Gesundheit,
•    Authentizität der Führung,
•    Liebe,
•    Gerechtigkeit.

Das haben wir einstmals um Größenordnungen besser gelebt, nicht immer nur beschworen. Damals waren wir allerdings nicht so effizient. Was wollen wir? Bitte antworten Sie mir nicht wie ein schlechter Chef: „Man muss das eine tun, ohne das andere zu lassen.“ Wir müssen den Weg wählen.

Zur Zukunft der Kirche:

Besonders im Internet zeigen sich Zeichen neuer Kulturen. Vieles ist im Probierstadium, und zwischen ersten Frühgemeinden neuer Kultur mischen sich auch die ersten Rattenfänger und Gaukler. Die Regeln der Zukunft sind unklar, die virtuellen Räume sind noch nicht geordnet, alles steckt noch in kreativer Unruhe, es gibt noch keine virtuellen Jägerzäune.
Eine neue Generation wächst heran, die man „Digital Natives“ nennt. Werden sie Gemeindemitglieder der Kirchen sein? Wie würden sie sich die nächste Kirche vorstellen?

Diese Frage musste seit langer, langer Zeit nie wirklich gestellt werden – nun aber wird sich die neue Internetgesellschaft im Ganzen so stark wandeln, dass der Umbruch auch die Kirchen und die religiösen Vorstellungen erfassen MUSS. Im Grunde müssen wir anerkennen, dass die nächsten Maßstäbe eher durch die kommenden Generationen gesetzt werden. Erkennen wir das? Erkennen wir es an? Helfen wir den heute Jungen, das Neue zu formen? Ich rufe auf:

3.    Lasst die Digital Natives zu IHM kommen – errichtet Monumente des Glaubens im Internet (lebendige Weltschatzkammer gläubiger Kultur)

Kümmern wir uns um die jungen Christen nach der Konfirmation? Wenn zu Gemeindetreffen eingeladen wird, kommt ein Altentreff heraus, wird geseufzt. Oft habe ich gesagt, dass statt Mettbrötchen eben Pommes Frites und Eis verfügbar sein könnten – und ich blicke in unwillige Gesichter. Warum fragen wir nicht, welche Sinnfragen Digital Natives berühren? Die liegen doch hautnah in der Generation Praktikum! Warum befragen die Studien immer nur die Älteren und wälzen seltsame Weltanalysen rund um Säkularisierung und Vereinzelung? Ich bin nun auch schon ein bisschen älter als der Durchschnitt und kenne die Antwort auf die Frage nach dem künftigen Verhältnis zu Gott nicht. Aber wir könnten beginnen, neuen Grundmauern zu ziehen. Wir könnten „virtuelle Kirchen“ bauen. Ich stelle mir vor:

•    Alle Lieder aller christlichen Gesangbücher ins Netz! Als Text, Gesang, Chor, instrumental in vielen Fassungen, nicht nur mit Orgel.
•    Alle schon existierenden Monumente des Glaubens ins Netz!
•    Ermutigung von Künstlern und Musikern, Neues zu schaffen!
•    Neben Orgeln auch Hochleistungslautsprecher in Kirchen – (es gibt auch andere Musik, die vielleicht auch erst neu und wundervoll entsteht, wenn wir sie willkommen heißen).
•    Eine neuer Konfirmandenunterricht für Digital Natives (Konfirmanden können genau in diesem Alter „behalten werden“, das ist in der katholischen Kirche schwieriger)
•    Die Kirchen entwickeln und fördern bekannte prägende Persönlichkeiten, die im Internet über Glaubensdinge sprechen (DAS ist Exzellenz, die zentral ausstrahlen soll!)
•    Neue Gottesdienstformen
•    Nach „Schwerter zu Pflugscharen“ nun „Computer zu Brücken“
•    Aufbau einer virtuellen Heimat – Web-Communities der Kirchen sollten zusammen mit den örtlichen Vereinen agieren, die alle für sich kaum kritische Masse im Netz bilden können.

Machen Sie mit? Sind Sie offen? Oder befürchten Sie etwas? Was denn? Was würde schlimmer als das Weitergehen auf dem jetzigen Wege bis – ja bis erst einmal 2030?
Nein, nicht das! Schauen Sie auf das heutige Sterben der Unternehmen. Sie sterben, weil sie am Festnetztelefon festhalten, unbedingt an Büchern aus Papier, unbedingt an Kernkraftwerken, unbedingt an Handys nur zum Telefonieren. Größte Konzerne gehen darnieder, weil sie die Zeichen der Zeit nicht erkennen, weil sie nach Jahrzehnten ihrer Existenz ihr Dasein schon wie eine Ewigkeit empfinden. Diese Hemmschwelle, in ein ganz neues Zeitalter zu treten, hat eine Kirche umso mehr… Ich verstehe das gut, aber ich will es nicht verstehen. Ich habe dafür Verständnis, aber ich will kein Verständnis haben. Das nagele ich an jede Wand.

 

Veröffentlicht von

www.omnisophie.com

Bei IBM nannten sie mich "Wild Duck", also Querdenker. Ich war dort Chief Technology Officer, so etwas wie "Teil des technologischen Gewissens". Ich habe mich viel um "artgerechte Arbeitsumgebungen" (besonders für Techies) gekümmert und über Innovation und Unternehmenskulturen nachgedacht. Besonders jetzt, nach meiner Versetzung in den Unruhestand, äußere ich mich oft zum täglichen Wahnsinn in Arbeitsumgebungen und bei Bildung und Erziehung ein bisschen polarisierend-satirisch, wo echt predigende Leidenschaft auf Stirnrunzeln träfe. Es geht mir immer um "artgerechte Haltung von Menschen"! Heute bin ich als freier Schriftsteller, Referent und Business-Angel selbstständig und würde gerne etwas zum Anschieben neuer Bildungssysteme beitragen. Ich schreibe also rund um Kinder, Menschen, Manager und Berater - und bitte um Verzeihung, wenn ich das Tägliche auch öfter einmal in Beziehung zu Platon & Co. bringe. Die Beiträge hier stehen auch auf meiner Homepage www.omnisophie.com als pdf-download bereit. Wer sie ordentlich zitiert, mag sie irgendwo hin kopieren. Gunter Dueck

26 Kommentare

  1. Sieg der Technik?

    “Das Web 2.0 besiegt Diktaturen”. Nein, das Volk besiegt Diktaturen. Das Web 2.0 hat durch neuartige Kommunikationsformen dazu geführt, aber keine Technik besiegt von alleine Diktaturen.

  2. “Alles um den Pastor herum ist „heilig“, seine physische Präsenz, sein Grüßen, sein Smalltalk, sein kurzer Hausbesuch, sein Zureden und Zuhören über den Gartenzaun, wenn der Mäher kurz angehalten ist. Es wärmt, wenn er uns kennt, wenn wir ihm begegnen, wenn wir ihn vielleicht nur vorübergehen sehen. Er kennt unsere Kinder und leitet sie, wir sprechen gemeinsam über sie… Der Heilige Geist ist durch einen nahen Pastor präsent.”

    Nein. Alles um einen Menschen ist “heilig”, der zuhört, wärmt und grüßt. Das kann auch ein Pastor sein.

  3. Zukunft der Kirche?

    Sie sprechen wirklich von einer Zukunft für die Kirche? Ich bezweifle, dass sie eine hat.

    Religion hat Zukunft, denn sie ist eine Folge der Eigenarten unseres in der Evolution geformten Gehirns.

    Aber die Kirche? Wenn heute in Deutschland all jene, die nur noch auf dme Papier Mitglied einer Kirche sind, austräten – und damit einen ehrlichen Akt begingen, der von Kirchenseite her moralisch begrüßt werden müsste – dann wäre morgen die katholische und die evangelische Kirche zahlungsunfähig.

    Die Diskussion über Priestermangel gäbe es nicht, denn man könnte keine bezahlen. Schon heute ist es so, dass es eigentlich keinen Priestermangel gibt, denn die Kirchen sind leer.

    Diese Dinge werden in der Zukunft durchschlagen. Der demographische Wandel könnte den Kirchen ein letztes Strohfeuer bescheren, da der Augenschein darauf hinweist, das vor allem alte Menschen die Kirche nutzen. Aber mittelfristig werden die weniger Werdenden Hand in Hand mit den Konsequenten das Überflüssigwerden der Kirchen herbeiführen.

    Ich glaube, das ist gut so.

  4. @von Dedingen: Umnutzung als Moscheen

    Die leer werdenden Kirchen können sicher noch genutzt werden und da sie oft einen sakralen Charakter haben liegt eine Umnutzung als Moschee nahe. Der Islam ist schon heute die wichtigste Religion Europas.

  5. Was nun?

    Watt denn nu? Mehr Effizienz durch “virtuelle Kirchen” im Web oder doch Effizienz als “das Heilige verwässernd”?

    MFG
    Dr. Webbaer

  6. “Machen Sie mit? Sind Sie offen? Oder befürchten Sie etwas? Was denn? Was würde schlimmer als das Weitergehen auf dem jetzigen Wege bis – ja bis erst einmal 2030?
    Nein, nicht das! Schauen Sie auf das heutige Sterben der Unternehmen. Sie sterben, weil sie am Festnetztelefon festhalten, unbedingt an Büchern aus Papier, unbedingt an Kernkraftwerken, unbedingt an Handys nur zum Telefonieren.”

    Und Gunter Dueck hält daran fest, den Weg eines Ernst Peter Fischer zu gehen, Kommentare nicht zu kommentieren.

  7. @Hilsebein

    Was soll man hierzu auch schreiben? Dass Sie mit einem persönlichen Konzept der Heiligkeit (oder “Heiligkeit”) arbeiten?

    Ansonsten stellt sich natürlich schon die Frage, warum Meinungsbeiträge, Feedback, Rückfragen und Kommentare zugelassen werden, wenn der Meister nicht reagiert.

    Ischt eher unüblich im Web, Blogs sind eigentlich dafür da Feedback aufzunehmen, sonst wäre eine andere Form der Publikation besser. – Wenigstens sollte man hinzu schreiben, dass der Publizist grundsätzlich für Rückfragen oder Feedback nicht erreichbar ist.

  8. @ Webbaer

     @ Webbaer

    Ich meine nicht mich. Mir muß man nicht antworten.

    Ansonsten stellt sich natürlich schon die Frage, warum Meinungsbeiträge, Feedback, Rückfragen und Kommentare zugelassen werden, wenn der Meister nicht reagiert. Ischt eher unüblich im Web, Blogs sind eigentlich dafür da Feedback aufzunehmen, sonst wäre eine andere Form der Publikation besser. – Wenigstens sollte man hinzu schreiben, dass der Publizist grundsätzlich für Rückfragen oder Feedback nicht erreichbar ist.

    d’accord.

  9. @ Birke

    “Und was bitte ist heilig?”

    Kommt von heil sein, ein anderes Wort für gesund. Daher gibt es keine “heiligen Väter” und auch keine “heilige Schrift”.

  10. heilig

    … ist, wir vergleichen mit dem lateinischen ‘sanctio’ oder ‘sanctus’, etwas Gebilligtes oder Anerkanntes.

    In diesem Fall etwas von Gott oder Stellvertretern Anerkanntes.

    Wir vergleichen auch mit ‘Sanktionen’ und ‘Sanktionieren’.

    Im Germanisch-Sächsischen ist ‘holy’ vermutlich wie ‘whole’ etc. mit ‘ganz’ oder ‘unversehrt’ gut übersetzt.

    MFG
    Dr. Webbaer

  11. heillos

    Keine große Kritik ohne große Defekte. Es sind die Schwerverwundeten der Kultur, die in großen Anstrengungen, etwas Heilendes finden, das Rad der Kritik weiterdrehen. Einen bekannten Aufsatz hat Adorno Heinrich Heine gewidmet, Die Wunde Heine. Sie ist keine andere als die, die in jeder bedeutenden Kritik bohrt. Unter großen Kritikleistungen der Moderne klaffen überall Wunden: die Wunde Rousseaus, die Wunde Schelling, die Wunde Heine, die Wunde Marx, die Wunde Kierkegaard, die Wunde Nietzsche, die Wunde Spengler, die Wunde Heidegger, die Wunde Theodor Lessing, die Wunde Freud, die Wunde Adorno. Aus den Selbstheilung großer Wunden entstehen Kritiken, die den Epochen als Sammelpunkte der Selbsterfahrung dienen. Jede Kritik ist Pionierarbeit im Zeitschmerz und ein Stück exemplarischer Heilung.

    (P. Sloterdijk, KzV)

  12. Heilig

    Der Vortrag ist für Leute aus der evangelischen Kirche gedacht… ich werde hier nicht Wörter erklären, die eh jeder versteht, wie er will; und “heilig” wird sogar eher ganz “abgelehnt”…

    Übrigens gibt es Leute, die normal arbeiten und nicht warten, dass endlich Kommentare zu beantworten sind…. sorry, es gibt hier auch für mich nicht wirklich etwas zu kommentieren, finde ich.

    Grundsatzkritik ist eben grundsätzlich und kann nicht in ein paar Zeilen wegkommentiert werden. Und den Ton…

  13. Stolz

    Übrigens gibt es Leute, die normal arbeiten und nicht warten, dass endlich Kommentare zu beantworten sind…. sorry, es gibt hier auch für mich nicht wirklich etwas zu kommentieren, finde ich.

    … ist der Busen des Mittelmäßigen.

    Ansonsten, was wollen Sie denn nun: mehr Web, mehr Effizienz, mehr Heiligkeit, mehr von allem?

    HTH
    Dr. Webbaer

  14. @ Dueck

    “Grundsatzkritik ist eben grundsätzlich und kann nicht in ein paar Zeilen wegkommentiert werden. Und den Ton…”

    Dieser Satz ist der Bequemlichkeit geschuldet. Oder schlimmer noch: Sie halten eine Predigt (häufige Verwendung des Imperativs) und dulden keinen Widerspruch. Das macht auch ihren “Pastor” und sein “heiliges” Umfeld so gefährlich. Es impliziert nämlich, daß Sie (und nicht nur in diesem Vortrag) nach einem Hirten schreien. Kein Hirt aber ohne ein Herde. Und das widerspricht dem Gedanken der Aufklärung.

  15. @Dietmar Hilsebein

    Wenn der “Gedanke der Aufklärung” schon das feste Urteil ist, dem sich alle zu unterwerfen haben – haben wir dann Freiheit gewonnen? Oder bräuchte vielleicht die Aufklärung wieder eine Aufklärung?

    Der Schwarm kann sehr eng sein und wer den Dueck umerziehen will, kann kein Freund der Freiheit sein.

  16. @ Blume

    Der Gedanke der Aufklärung ist so formuliert, daß eine “Unterwerfung” gerade gegen diesen Gedanken gerichtet wäre. Wenn Sie in die Geschichte schauen, so hat sich der Gedanke der Aufklärung als ein zartes Pflänzchen erwiesen, das bei jeder besseren Gelegenheit zertrampelt wird. Und mal unter uns: wenn ich Herrn Dueck umerziehen würde wollen im Sinne von Ihm meinen Willen aufzwingen wollen, so müßte ich mir den Vorwurf gefallen lassen, den Gedanken der Aufklärung selbst nicht verstanden zu haben. Der Gedanke der Aufklärung zielt darauf ab, sich seiner Naturgaben selbst zu bedienen und nicht andere für sich denken und (fühlen) zu lassen. Diesen Gedanken wachzuhalten ist not-wendig -zu allen Zeiten.

  17. Aufklärung

    Wenn der “Gedanke der Aufklärung” schon das feste Urteil ist, dem sich alle zu unterwerfen haben – haben wir dann Freiheit gewonnen? Oder bräuchte vielleicht die Aufklärung wieder eine Aufklärung?

    Die Europäische Aufklärung bildet die Grundlage der unserer Zivilisation. Der Freiheitsbegriff, wie wir ihn kennen, funktioniert nur in diesem Bezugssystem. Alle unsere Systeme wie unsere Parteien sind in gewissem Umfang freiheitlich.

    Darum ist Ihr Relativismus auch gefährlich.

    Sozusagen aus der Aufklärung heraus die hier aufgeführten christlichen Positionen anzugreifen, geht aber gar nicht. Hier wäre ein falscher Beruf gegeben, derart leidet leider oft der Humanismus.

    MFG
    Dr. Webbaer

  18. @ Webbaer

    “Sozusagen aus der Aufklärung heraus die hier aufgeführten christlichen Positionen anzugreifen, geht aber gar nicht.”

    Behauptung. Begründen Sie dies.

    “Hier wäre ein falscher Beruf gegeben, derart leidet leider oft der Humanismus.”

    Der Satz ist Quatsch. (Behauptung)
    Denn: Der Gedanke der Aufklärung ist nicht an Berufe gebunden, da auch Priester diesen Gedanken verinnerlichen können. (Begründung)

  19. @Hilsebein

    Nun, Sie kommen doch hier fröhlich mit Aussagen wie z.B. ‘Alles um einen Menschen ist “heilig”, der zuhört, wärmt und grüßt.’, lehnen also aus einer humanistischen Sicht Heiligkeitskonzepte ab, gestehen diese nicht anders aufgestellten Vertretern zu, das geht Richtung falsch verstandene Aufklärung.

    Sie können als aufgeklärter Mensch den Glauben anderer nicht aus einer “erkennenden” Sicht heraus angreifen, nur wenn die Folgen nicht zu tolerieren sind, wenn die Religiösen selbst in die Politik drängen und Forderungen stellen, Religion ist Privatsache. – Und Sie glauben ja auch: an Ihre Ehefrau, an die Treue des Wachhunds, an den FC Bayern, an den sozialen Nutzen, das eine teure Armbanduhr bringt etc.

    Zum zweiten Punkt:
    Siehe Bedeutungsübersicht (2)

    MFG
    Dr. Webbaer

  20. @ Webbaer

    ‘Alles um einen Menschen ist “heilig”, der zuhört, wärmt und grüßt.’

    Dieser Satz sollte zum Ausdruck bringen, daß nicht der Pastor im Vordergrund steht, sondern der Mensch. Insofern der Pastor ein Mensch ist, der sich seines eigenen Verstandes bedient und Freude dabei empfindet, daß auch seine Mitmenschen sich ihres eigenen Verstandes bedienen, so trägt auch der Pastor dazu bei, daß das Pflänzchen gedeihen kann. Nur, und das gilt es zu zeigen: der Pastor hat keine Sonderstellung. Es wärmt nicht der Pastor, sondern das Menschliche in ihm.

  21. @Martin Holzherr: Kirchen zu Moscheen

    Die leer werdenden Kirchen können sicher noch genutzt werden und da sie oft einen sakralen Charakter haben liegt eine Umnutzung als Moschee nahe. Der Islam ist schon heute die wichtigste Religion Europas.

    Haben Sie schon mal eine Moschee von innen gesehen? – Und haben Sie schon mal vom islamischen Verbot der Personendarstellung gehört, das gerade in Moscheen gilt?
    Also die Idee würde bei vielen, gerade alten Kirchen nur funktionieren, wenn man sie radikal umbaut indem man sämtliches Figurenwerk ersatzlos rauswirft, und alle Gemälde, die Personen zeigen übermalt. Ich glaube, das wäre Kulturzerstörung in einer Art, die keiner will.

    Und dass der Islam die wichtigste Religion Europas ist, wage ich auch zu bezweifeln. Wenn wir hier aber versuchen, Islam und Christentum gegeneinander auszuspielen, spielen wir den Radikalen auf beiden Seiten in die Hände. Und da kommt am Ende nichts Gutes bei heraus, wie die Geschichte lehrt. Deshalb sollten wir “die Kirche im Dorf lassen”, mit ‘ner Moschee daneben. Aber bitte keinen Zaun dazwischen, damit interreligiöser Dialog stattfinden kann.

  22. Ich emfinde Gott sehr positiv

    Aber seine korrupte Bodenmannschaft hier ist echt zum Kotzen!
    Es geht nur um GELD und MACHT!

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