Gegenzorn stärkt Zorn – für bedingungslose Wertschätzung

Viele sind zornig geworden. Sie haben Angst vor dem Verlust ihrer Arbeitsplätze und vielleicht noch mehr vor schwindender Wertschätzung. Sie sehen mit Sorge dem Auslagern ihrer angestammten Arbeit nach Asien zu und werden genau damit in Schach gehalten, wenn sie Lohnerhöhungen notwendig finden. Sie argwöhnen in Flüchtlingen zusätzliche Konkurrenten, sie sehen sich sehr deutlich mit Altersarmut konfrontiert und werden durch die öffentliche Diskussion rund um Digitalisierung und Roboter immer stärker beunruhigt. Alle diffusen, falschen und richtigen, faktischen und fantasierten Bedrohungen zusammengenommen: Es fehlt ihnen eine klare Perspektive für ein Leben ohne Angst, ohne drohende Deprivation und ohne Versuche, sie zu hartzvierzuteilen oder zu marginalisieren – wie man heute so sagt („an den Rand drängen“).

Eine solche Perspektive gibt es anscheinend nicht, sie wird jedenfalls nicht gegeben, weil unsere Politik und die Führung im Ganzen keine Lieferanstrengung zeigt und weil wir deswegen allesamt (in Worten: allesamt) verdrossen sind. Die Nichtbenachteiligten unter uns können mit dieser Verdrossenheit leben – das sind alle die auf der guten oberen Seite der sich öffnenden Schere. Diejenigen aber, die auf der falschen Seite der sich öffnenden Schere leben und sich schon irgendwie abgeschnitten fühlen, werden immer zorniger.
Wo sich die Welt für die Einen noch ganz gut weiterdreht, regt sich in den Anderen Empörung und Wut. Die Bessergestellten bemerken diesen Zorn. Sie sind ja nicht unverständig und durchdenken die prekäre Situation vieler Mitbürger recht gut, sie liebäugeln schon öffentlich mit dem bedingungslosen Grundeinkommen und zählen all ihre Euro nach, die dafür notwendig wären. Sie sind für Lösungen offen. Sie würden ja helfen und sie helfen ja auch – wird das denn nicht gewürdigt?

Die Nichtbenachteiligten sind also bereit, sich ein bisschen nebenbei an Lösungen zu beteiligen, so, wie sie zu Weihnachten so einiges für gute Zwecke spenden. Die wohltätigen Spenden stopfen allerdings immer nur Löcher und geben keine Perspektive! In dieser Situation fühlen sich die einen wie konstruktive Menschen, wogegen den anderen schon der Kragen platzt.
Dann äußert sich plötzlich entfesselte Wut. Wenn das in der Familie passiert, reagieren wir mit Gegenzorn. Wir hören absolut nicht auf die Gründe des Wütigen, wir fordern ihn sehr energisch auf, seine verletzende Art auf der Stelle zu beenden. Wir finden das Wüten schlimmer als es der Auslöser der Wut je sein kann. Wir wollen den Grund der Wut nicht hören, ehe sich der Zorn gelegt hat. Wir sagen: „Benimm dich zuerst – und erst dann äußere deine Kritik ganz sachlich und ohne kränkende Emotion.“ Wir halten Kritik, die wütend geäußert wurde, oft sogar pauschal für illegitim – ohne Sachprüfung! Der Wütende soll zum Arzt. Ausrastende Mitarbeiter in Betrieben, die verbal um sich schießen, bekommen ohne Prüfung des Anlasses erst einmal schlechte Zeugnisse und womöglich Entlassungspapiere. Es geht zunächst immer um das Unterdrücken negativer Emotionen, meist mit Gegengewalt. Erste Hilfe bei Blut: Revolten werden unterdrückt.

Auf der einen Seite haben wir den subjektiv alternativlosen Zorn der sich benachteiligt Fühlenden, auf der anderen Seite die, die Zorn absolut und total ablehnen und darüber selbst wütend werden. Minister Gabriel sagte „Pack!“ zu Zornigen. So aber flammt der Zorn erst richtig auf und der Gegenzorn eskaliert. Der Zorn hat sehr oft subjektiv gefühlte mangelnde Wertschätzung zur Ursache, das ist so in der Familie, im Unternehmen und in der ganzen Welt. „They should really care about us!“, schreien die subjektiv Benachteiligten aus dem heißen Körper, aber die subjektiv Nichtbenachteiligten geben ihnen „Objektiv-nicht-so-schlimm“- und „Ein-bisschen bist-du-selbst-schuld“-Erklärungen aus dem kühlen Hirn. Dann brennt die Hütte. Immer.

Die Wütenden haben die Wut im Herzen und im Bauch, die zittert in ihrem Körper. Die anderen arbeiten nur mit ihrem erschrockenen Gehirn, das Wut anderer als Gräuel empfindet und das den Wütenden als Menschen verabscheut und ihn mindestens in diesem Zustand absolut nicht wertschätzt. Es ist nun kalter verabscheuender und gar verächtlicher Gegenzorn, der auf den heißen Zorn gegossen wird, um den letzteren zu löschen. Nur den Zorn löschen!

Warum nicht zuhören? Das empfehlen die Idealisten immer, nur nicht hier. Warum die Wertschätzung entziehen? Davor warnen die Idealisten immer, nur nicht hier. Warum nicht bedingungslose Wertschätzung? Die Idealisten wollen aber nur bedingungsloses Grundeinkommen, aber natürlich nur gegen Ruhe an der Zornfront bitte, also nicht ohne Bedingung.
Ich will sagen: Im kalten verabscheuenden Gegenzorn verraten die Idealisten ihre Prinzipien, um Erfolg zu haben.
Nun aber: Haben die Idealisten in „ihrem gerechten Kriegsmodus“ Erfolg? Sie haben durch den Gegenzorn den Zorn der Briten auf dem Lande gesteigert und der destruktiven Brexitbewegung den wichtigen äußeren Feind geliefert, den eine wütende Masse für ihre Einigkeit braucht. Sie haben durch die tägliche Trumpempörung das Tagesgeschehen nur um Zorn und Gegenzorn drehen lassen und die Feinde des Washingtoner Establishments (früher aus Sicht der Mittelwestfarm die „weiß gepuderten Perückenköpfe“) gestärkt. Es ging nur um Zorn und Gegenzorn im US-Wahlkampf und überhaupt nicht um die Zukunft des Landes.
Erkenntnis: Der Gegenzorn liefert dem Zorn den äußeren Feind, der den Zorn einigt, fokussiert und siegen lässt.

Hat die Welt davon gelernt? Haben wir uns nicht fast alle über die Gewinner des Zorns gewundert? Wie war das möglich? Was lief schief? Was lässt sich besser machen?
Da kam die AfD und drückte den Zorn vieler aus. Da wallte der Gegenzorn auf und verdrängte jegliche Inhalte der deutschen Zukunft aus allen Medien. Diese belagerten am besten Petry/Gauland, wie sie vorher vor dem Twitter-Account von @realDonaldTrump saßen, bereit zum Gegenzorn.

Leute: Philosophen und Psychologen warnen immer davor, immer das Gleiche zu tun und dabei jedes Mal ein anderes Ergebnis erzielen zu hoffen. Können wir nicht lernen? Wenn Zorn aus einem Gefühl des Verlassenseins, des Liebensentzugs und aus Mangel an Wertschätzung entsteht, warum gehen wir nicht an die Ursachen? Warum erkennen wir nicht, dass Gegenzorn den Zorn nicht löscht, sondern nur unterdrückt? Warum sehen wir nicht, dass noch schwelt, was nicht mehr lodert? Ist die idealistische Verantwortung bloß darauf aus, Ruhe einkehren zu lassen und dann wieder aufzuatmen?
Wenn die Idealisten theoretisch bedingungslose Wertschätzung predigen und damit in geradester Linie Jesus Christus folgen, warum ziehen sie dann doch in den Krieg des Gegenzorns?

Diese Frage habe ich hier lokal einmal diskutiert. Ich fragte sie, was sie denn wirklich wollen. Wollen sie einen Erfolg? Ja oder Nein? Bringt Gegenzorn einen objektiven Erfolg für die bessere Welt? Oder kämpfen sie nur deshalb mit Gegenzorn, weil sie sich hilflos vor dem Zorn fühlen, weil der sie kränkt, und weil sie doch auf jeden Fall irgendetwas – ja irgendetwas – tun müssen, weil das ihre innere Stimme kategorisch verlangt? Dürfen innere Unruhegefühle, Abscheu und Trauer einen Gegenzorn diktieren, der dem Gegner Zorn zum Sieg verhilft? „Ja, was sollen wir sonst tun?“ – „Ihr könnt doch nicht schlechte Strategien verfolgen, nur weil ihr euch dann als idealistischer Mensch besser fühlt? Wo bleibt die bessere Welt, die ihr doch eigentlich höher stellt als das eigene Gutbefinden?“

Die Medien haben ihre Gegenzornniederlage zur Kenntnis genommen und werden nun genau deshalb beschuldigt, dem Zorn und Gegenzorn zu viel Raum oder eben fast allen Raum gegeben haben. „Merkel und Schulz haben sich im Duell leider kaum verletzt – wie langweilig und deshalb unpassend“ befanden die nicht so idealistischen Real-Voyeure, die das Kämpfen von Zorn und Gegenzorn goutieren gelernt haben…

Eine bessere Welt kann es im Prinzip geben: In meiner Jugend wuchs die Mittelschicht rasant, wir erkämpften auf der Straße eine 35-Stundenwoche und die Vorstellung einer Schere gab es nicht. Aber dazu braucht man echte nachhaltige Solidarität über jede Gegendemo hinaus (damals gab es z.B. auch noch solidarische Gewerkschaften im engeren Sinne) – und ganz gewiss ist Gegenzornklicken im Netz kein goldener Weg. Auf jeden Fall gibt heute viel zu viele Slacktivisten, Clicktivisten und Flaggtivisten (US-Wortschöpfungen zu diesem Thema). „Klick Gegenzorn und du hast das Gefühl, ein guter Mensch zu sein.“ Diese bloßen Mitklicker und Mitschimpfer verdünnen das Ideale sehr.

Ganz real: Wenn Gegenzorn nicht funktioniert, muss daraus gelernt werden. Wie wäre es mit einer bedingungslosen Wertschätzung als Plattform für das Schereschließen?

Veröffentlicht von

www.omnisophie.com

Bei IBM nannten sie mich "Wild Duck", also Querdenker. Ich war dort Chief Technology Officer, so etwas wie "Teil des technologischen Gewissens". Ich habe mich viel um "artgerechte Arbeitsumgebungen" (besonders für Techies) gekümmert und über Innovation und Unternehmenskulturen nachgedacht. Besonders jetzt, nach meiner Versetzung in den Unruhestand, äußere ich mich oft zum täglichen Wahnsinn in Arbeitsumgebungen und bei Bildung und Erziehung ein bisschen polarisierend-satirisch, wo echt predigende Leidenschaft auf Stirnrunzeln träfe. Es geht mir immer um "artgerechte Haltung von Menschen"! Heute bin ich als freier Schriftsteller, Referent und Business-Angel selbstständig und würde gerne etwas zum Anschieben neuer Bildungssysteme beitragen. Ich schreibe also rund um Kinder, Menschen, Manager und Berater - und bitte um Verzeihung, wenn ich das Tägliche auch öfter einmal in Beziehung zu Platon & Co. bringe. Die Beiträge hier stehen auch auf meiner Homepage www.omnisophie.com als pdf-download bereit. Wer sie ordentlich zitiert, mag sie irgendwo hin kopieren. Gunter Dueck

22 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Das umschreibt den Zeitgeist sehr treffend.
    Lustiger Weise finde ich, dass eines der wenigen Phänomene, das diese Schere ansatzweise zu schließen versucht, Pokemon Go ist. Auch wenn die Hersteller mit diesem Spiel wahrscheinlich alles andere als das vorhatten… Es wäre also noch durchaus optimistisch die heutige Gesellschaft “Generation Pokemon Go” zu nennen.

  2. Zorn ist ein lustvolles Gefühl. Zorn brennt wie ein starker Schnaps. Zorn durchflutet den ganzen Körper.

    Wenn sich die Zornigen zum Mob vereinen, erleben sie ein orgiastisches Gefühl.

    Zorn ist das Crack der Gefühle. Kurz und intensiv.

    Zorn macht süchtig.

    • Zorn oder allgemeiner formuliert : Emotionalität (es ist ja nicht so, dass der Zorn an sich schlecht und die Zuneigung an sich gut wäre) dürfen gerne privatim gehandhabt und veranstaltet werden, er oder sie (dann die Emotionalität) können kein Gegenstand der öffentlichen politischen Erörterung sein.
      Wenn etwas herauskommen soll.
      Zudem gilt die Emotionalisierung der Menge, im Guten wie im Schlechten, als billiges demagogisches Mittel, findet in der BRD derart aber zunehmend statt, so dass sich eine Krise, das Fachwort, andeutet und Segregation fast schon in der Luft liegt.
      Hier macht ganz enthemmt auch das journalistische Lager mit, witzigerweise auch einstmals als konservativ oder als konservativ-liberal oder als liberal bekannte bundesdeutsche Medien.

      Seinerzeit mit den Langhaarigen und Schmierbärtigen, die den Sozialismus wollten, war es auch schlimm, jetzt ist es potentiell schlimmer, weil es kaum Hoffnung auf eine Lösung gibt.

  3. “… warum gehen wir nicht an die Ursachen?”

    Die URSACHE aller symptomatischen Probleme unseres “Zusammenlebens”, ist der nun “freiheitliche” WETTBEWERB – mit bedingslosem Grundeinkommen allein wird sich nichts bessern!

    “… wir erkämpften auf der Straße eine 35-Stundenwoche und die Vorstellung einer Schere gab es nicht.”

    Illusionen, die dem kapitulativ-korrumpierbaren Glauben an Unwahrheit und das “Wirtschaftswunder” entsprangen – die “sozialen Errungenschaften”, die im “freiheitlichen” Wettbewerb doch nur Geschenke auf Zeit sein konnten!

    “Bedingungslose Wertschätzung” – Auf der Basis eines UNKORRUMPIERBAREN Menschenrechts zu KOSTENLOSER Nahrung, MIETFREIEM Wohnen und KASSEN-/KLASSENLOSER Gesundheit – Zusammenleben OHNE Steuern zahlen, OHNE “Sozial”-Abgaben, OHNE manipulativ-schwankende “Werte”, usw.!
    Wenn GRUNDSÄTZLICH alles Allen gehören darf, so das “Wer soll das bezahlen?” und “Arbeit macht frei” keine Macht mehr hat, kann PRINZIPIELL alles …!?

  4. Ganz real: Wenn Gegenzorn nicht funktioniert, muss daraus gelernt werden. Wie wäre es mit einer bedingungslosen Wertschätzung als Plattform für das Schereschließen?

    ‘Gegenzorn’ funktioniert offensichtlich nicht, wenn Leute Sorge um ihre Zukunft und die ihrer Kinder haben, aber auch generell funktioniert ‘Gegenzorn’ nicht gut.
    Es sind insofern keine ‘Idealisten’ (Artikeltext), die in der BRD mit ‘Gegenzorn’ hantieren, vorgeblich reagieren, allerdings die Verachtung für andere bereits zuvor in sich getragen haben müssen.

    Dr. Webbaer schlägt vor bei relevanten und kontroversen politischen Themata die Emotionalität bestmöglich aus den Debatten rauszukriegen.
    Also weder zornig zu agieren, noch den Zorn unberechtigterweise anderen zu unterstellen, wenn realiter doch vorhanden, auf ihm (vs. auf dem sachlichen Thema) herumzureiten.
    Also zu de-emotionalisieren, wobei so auf die Polemik, in diesem Fall auf die : un-emotionale, keineswegs verzichtet werden muss, denn die Polemik befördert den (gesellschaftlichen) Austausch, wenn sie sinnhaft zum Einsatz kommt.

    ‘Wertschätzung’, gar ‘bedingungslose’ muss wiederum auch nicht zwingend beigebracht werden, denn Respekt, das Fachwort, muss sich bekanntlich erst verdient werden.
    Debatten können auch sehr sinnhaft ausgetragen werden, wenn der Respekt nicht von Anfang an vorhanden ist, sich vielleicht, aber auch nur vielleicht, in der Debatte ergibt (oder auch nicht).

    Netter und konstruktiver WebLog-Artikel btw,
    MFG + schöne Restwoche noch,
    Dr. Webbaer

    PS:
    Die bundesdeutsche Lage in der quasi grenzenlosen und die antiselektive Einwanderung aktiv betreibenden wird ganz absehbarerweise noch deutlich verschärfen, insofern macht es exakt Sinn sich zu Fragen der Debattenführung zu bemühen, jetzt.

  5. *
    Die [] Lage in der quasi grenzenlosen und die antiselektive Einwanderung aktiv betreibenden [BRD] wird [sich] ganz absehbarerweise noch deutlich verschärfen (…)

  6. @ Gunter Dueck

    Eine solche Perspektive gibt es anscheinend nicht, sie wird jedenfalls nicht gegeben, weil unsere Politik und die Führung im Ganzen keine Lieferanstrengung zeigt

    Natürlich gibt es eine solche Perspektive: bewusst bei Anbietern kaufen, die bewusst die Effizienzvorteile von internationalem Handel, massiver Skalierung und/oder Automatisierung nicht nutzen. Das kostet Geld, senkt den eigenen Wohlstand, verringert aber zugleich die soziale Ungleichheit. Verbunden mit genossenschaftlichen Modellen wäre das ein machtvolles Werkzeug, um den Markt im gewünschten Sinn zu beeinflussen.

    Aber diejenigen, die heute “frustriert” sind, sind dafür entweder a) zu faul oder b) schätzen die Vorteile der heutigen Angebotswelt eben doch höher als eventuelle künftige Nachteile ein.

  7. Danke Herr Dueck, wie häufig ein aus meiner Sicht genialer Beitrag.
    Allerdings teile ich die Kernaussage (“Kein Gegenzorn, bedingungslose Wertschätzung”) nicht völlig. Ich frage mich ob man demnach der Nazi-Bewegung in den 30er Jahren durch Wertschätzung und nicht durch “zornigen” Widerstand hätte begegnen müssen. Das waren schließlich damals zum größten Teil auch völlig normale, subjektiv besorgte Bürger.
    Irgendwie kann ich mir nicht recht vorstellen, dass mehr Wertschätzung der Nicht-Nazis gegenüber den Nazis letztere Bewegung beendet hätte. Nicht, dass “zorniger” Widerstand wesentlich erfolgreicher gewesen wäre. Aber der “ich begegne dem politischen Gegner nett” – Ansatz ist meines Erachtens auch kein Allheilmittel. Es gibt kein Allheilmittel.

    P.S.: Was wäre, wenn die „Objektiv-nicht-so-schlimm“- und „Ein-bisschen bist-du-selbst-schuld“-Erklärungen richtig liegen? Man sollte diese mit Sicherheit wesentlich wertschätzender transportieren, insofern d’accord, aber dann keinesfalls ganz darauf verzichten. “Wer seine Söhne liebt, der tadelt sie.” (abgemildert aus mehreren Stellen des AT/Bibel) hat zwischenmenschlich eine gewisse Berechtigung, auch wenn man das aus moderner Ethik gesprochen unbedingt liebevoll tun sollte.

  8. ein kluger Beitrag, danke Herr Dück! Ich teile Ihre Überlegungen. Allerdings gebe ich zu bedenken, dass Zorn nicht das einzige Gefühl ist, das eine große Wirkung entfaltet. Wut – Zorn – Verzweiflung – Hass – Verbitterung, diese Skala oder Palette müsste berücksichtigt werden. Je nach Stärke und Dauer sind unterschiedliche Maßnahmen wirksam, wie in der Medizin. Zorn kann vielleicht durch Mitgefühl besänftigt werden und verfliegen. Ob das bei Hass noch wirkt? Oder gegen Verbitterung, wo womöglich Teile des “Gefühlsapparats” schon verknöchert sind? Die häufigste Gegenreaktion, die ich erlebe, ist übrigens Zynismus und nicht Gegenzorn. Das ist eine weit verbreitete aber perfide Strategie derjenigen, die oben auf der Schere sind und ihrer Verbitterung auf diese Art Ausdruck geben.

  9. Der hieisige werte Inhaltegeber ist dem Anschein nach schwer verklemmt.
    Er mag das A-Wort, die sogenannte Alternative für Deutschland nennen wollen (“AfD”), aber er mag nicht den theozentrischen Gegner, den theozentrischen Kollektivismus nennen, der seit ca. 1.400 Jahren auf diesem Planeten gewütet hat, u.a auch genozidal.
    Das I-Wort, das aber gerade in der Instanz (das Fachwort), in der Inkarnation (so klingt es geläufiger) die BRD zu vernichten.

    Herr Dueck ist insofern als Sparflamme zu verstehen, die zwar könnte, aber nicht austragen will.
    Ein wenig älter zwar, abär im Intellektuell-Kognitiven, wenn es um die bundesdeutsche Gesellschaft geht, ein Sparschwein (das sich ein wenig mit WebLog-Einträgen wie diesen kompensiert).
    65 Jahre und nicht viel dahinter.

    Sein Gewissen meldet sich sozusagen, wenn er WebLog-Einträge wie diese verfasst.
    Will so auch andeuten.
    Mehr ist aber nicht los,
    MFG + schöne Rest-Woche noch,
    Dr. Webbaer

  10. *
    Das I-Wort, das aber gerade in der Instanz (das Fachwort) [dabei ist], in der Inkarnation (so klingt es geläufiger) die BRD zu vernichten.

  11. ganesh,
    sehr gut, dass Sie die Gefühlsskala erweitert haben. Es gibt auch noch Demut und gewaltloser Widerstand, was in unserem Kulturkreis kaum Zuspruch findet, in Indien durch Ghandi aber erfolgreich war und auch bei der Wende, was nicht vergessen werden darf. . In Frankreich hat sich der Zorn in der Französischen Revolution seinen Weg gebahnt, vernunftbetonte Lösungen hatten ihre große Zeit während des Kalten Krieges.
    Ich denke, dass sich in der Sozialpolitik irgendwann die Vernunft wieder durchsetzt.
    Wenn Krankenschwestern keine bezahlbaren Wohnungen mehr finden, wenn nach der AfD die nächste radikale Partei die Bühne betritt, aber bei der gegenseitigen Wertschätzung sehe ich noch kein Licht am Endes des Tunnels. Wie hat doch Helmut Schmidt gesagt: Nächstenliebe kann man nicht per Gesetz verordnen.

  12. Herrn Dueck möchte ich recht geben und noch weiter ausholen. Wenn “Zorn aus aus einem Gefühl des Verlassenseins, des Liebesentzugs und aus Mangel an Wertschätzung entsteht”, frage ich nach einem tiefer liegendem Grund. Das ist für mich die Angst und gemeint ist die Angst vor dem Tod. Alle anderen Gründe sind darüber gesetzt und damit Deckstrukturen. Jedenfalls meinen es Melanie Klein und Otto Kernberg so. Auch Sigmunds Freuds Vorstellung vom Todestrieb zielt in diese Richtung. Diese Angst wird je nach Tagesgeschehen projiziert (Angst vor Altersarmut, vor der Bedrohung durch Fremde, vor Rechts- und Linksradikalen, vor dem Verhalten des Partners…).
    Wie kann man ihr begegnen? Mit Selbsterkenntnis, mit dem sokratischen “Erkenne dich selbst” und dem Wissen davon ist viel gewonnen. Das geht freilich nicht im subjektiven Alleingang. Heute bildet die Psychotherapie mit ihren modernen Formen des Achtsamkeitstrainings, der Entschleunigungstherapien, der Gruppen- und Einzeltherapien und ähnlicher Verfahren einen guten Ansatz.
    Wichtig ist für eine gute Kommunikation zu wissen, dass jede Sachäußerung eine emotionale Komponente hat. Meinen Modus muss ich kennen, um gewaltfrei, also ohne Zornesäußerung bei einem in mir gespürten Zorn kommunizieren kann.
    Freilich hat dieses Vorhaben auch Mängel. Ein Angriff -physisch oder gefährlich psychisch – kann nur in entsprechender Gegenreaktion beantwortet werden. Jedoch sollte danach keine Rache folgen, sondern Ursachenforschung und Behebung. Denn mein Gegner ist letztlich so wie ich: einer, der Angst vor Sterben und Tod hat.
    Die “bedingungslose Wertschätzung” fängt bei mir an! Wenn ich mich nicht mag, wie soll ich dann den anderen wertschätzen? Damit bin ich wieder bei Sokrates.

  13. Bernd Weinert,
    …..Wertschätzung…..
    Wenn man sich selbst achtet , dann kann man auch den Anderen achten. Das ist korrekt und ein Kreis.
    Der Volksmund sagt ja, “wie man in den Wald hineinruft, so ruft es heraus”.
    Das ist ja auch die Maxime der Christen:
    Im täglichen Miteinander ist es gut, sich diesen Grundsatz immer wieder vor Augen zu führen. Auf der anderen Seite kann ich manchmal nur durch offen gezeigten Zorn auf Mißstände hinweisen und auch eine Änderung erreichen.
    Das bleibt. eine Gratwanderung.

  14. http://www.achgut.com/artikel/meint_ihr_ihr_habt_es_uns_nicht_gut_genug_erklaert

    Einem Großteil der Bevölkerungsgruppe, der ich mich zugehörig fühle – hart arbeitende kleine, bodenständige Leute, die in unspektakulären Jobs schuften und sich oft genug gerade so über Wasser halten können, während sie tagtäglich in den Medien hören & lesen können, “wie unfassbar gut es uns doch geht“ – wurde von Hillary Clinton die Bezeichnung ‚deplorables‘ verpasst.

    https://en.wikipedia.org/wiki/Basket_of_deplorables

  15. Karl Mistelberger,
    Danke für den Link, das war von Hillary “von oben herab” gemeint, so, als ob die Trump Anhänger Menschen 2. Klasse seien.

  16. Die Freunde, wenn ich das Lächeln wiedergefunden habe ist es, dank Herrn Muscolino Giovanni, dass ich ein Darlehen von 150.000,00€ erhalten habe, und zwei von meinen Kollegen haben ebenfalls Darlehen dieses Mannes ohne Schwierigkeiten mit einem Satz von 3% erhalten pro Jahr. Es ist mit Herrn Muscolino Giovanni, dass das Leben mein erneut lächelt es ist ein einfacher und sehr verständnisvoller Herzmann. Hier seine E-mail: maurocallipo94@gmail.com

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