Bildungsvorbilder für Eltern, Lehrer, Professoren und Kinder

So wie Menschen Vorbilder brauchen, so wie Komponisten sich an schon existierender Musik bilden oder angehende Schachspieler an Meisterturnieren, so könnten sich Verantwortliche und Lehrende, die für die Bildung arbeiten, an bedeutenden Vorbildern und an Anschauungsmaterialien bestmöglich angewandter Methoden bedienen. Derzeit sind Kämpfer für Geschlechtergerechtigkeit dabei, Rollenvorbilder in den Vordergrund zu stellen, denen von Mädchen nachgeeifert werden kann. Das funktioniert! Das wissen wir. Und?

Gibt es so einfach Vorbilder in der Erziehung? Wir sehen nur Frauentausch oder die Super-Nanny. Vorbilder aus der Schule? Angehende Lehrer durchlaufen ein trockenes Studium, das die Professoren oft nur widerwillig nebenbei anbieten, weil sie eigentlich auf Doktoranden-Nachwuchs schielen. Die vernachlässigten Lehramtsstudenten, die „nur“ Lehrer studieren, absolvieren ein Referendariat und passen sich deshalb dem Trott der erstbesten Schule an, an der sie gestrandet sind – und bald sind sie selbst Lehrer Niemand hat darauf geachtet, dass sie Top-Lehrer in Aktion sehen. Da haben es angehende Schauspieler einfacher: Sie können nach Herzenslust ins Theater gehen und Videos der Besten ansehen, so viel sie wollen – um sich selbst zu entwickeln und zu vervollkommnen.

Doktoren werden von den Evaluationsriten der Universitäten gezwungen, sich auch in ihren Überstunden der Forschung und der Drittmittelanwerbung zu widmen. Die Vorlesungen halten sie dann in etwa so, wie sie es von ihren eigenen Studienzeiten zu gewohnt sind. Ihre Vorlesungen waren oft schlecht; sie haben die übliche Zeitverschwendung in den öden Seminaren durchlitten, in denen sich schlecht vorbereitete und deshalb überforderte Studenten traditionell unkritisiert dem Halten lückenhafter und unausgegorener Vorträge hingeben.

In den Unternehmen werden Präsentationen ohne Ende gehalten – die meisten Vortragenden haben es nie wirklich erlernt. Die Brainstorming-Sitzungen sind Kreativ-Katastrophen und die Breakout-Sessions sind eigentlich eine Beschäftigungstherapie für Teams, für die das Management eigentlich nie ein volles Tagesprogramm zusammenzustellen vermag. Meist so: Der Chef überzieht früh seine Redezeit mit Selbstlob und „Motivation“, anschließend schimpft der Finanzchef über die schlechten Zahlen, danach Mittagessen – und am Nachmittag wird nur noch laue Selbstbeschäftigung der Teams in verschiedenen Breakout-Räumen betrieben. Niemand hat da Ahnung von Weiterbildung und Weiterentwicklung. Die Personalentwickler verteilen bunte Zettel und Eddings aus dem Moderatorenkoffer.

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Es ist, wie es ist. Ich will das nicht anklagen, nur feststellen: Das sogenannte Bilden nimmt wenig Gelegenheit wahr, sich exzellenter Rollenvorbilder zu bedienen. Ohne diese bleibt alles Bilden und Trachten herzlich durchschnittlich. Die meisten Lehrer, Professoren, Personalentwickler und auch zur Innovation bereiten Erfinder „machen vor sich hin“. Es gibt zwar Methoden und Programme für Didaktik, Mathetik und Führung zuhauf, aber diese sind wie Werkzeuge des Handwerkers. Was helfen die besten Werkzeuge einem Lehrling, der noch nie einen wahren Meister sah?

In der Bildung fehlen Rollenvorbilder, solche, wie sie in Vielzahl im Sport oder in der Kunst begeistern. Ohne Rollenvorbilder brät der Schnitzelzuständige am Minigolfplatzkiosk nach alten Erinnerungen an seine Mutter und legt auf jedes Stück Fleisch noch ein kleines Stänglein Petersilie.

Ich komme zum Punkt: Die Digitalisierung kann genutzt werden, uns alle mit Exzellenz bekanntzumachen. Die besten Schulstunden, die besten Uni-Vorlesungen und Management-Ausbildungen können ins Netz. Seit Jahren wiederhole ich meine Forderung, alle Schulstunden aller Fächer bis zum Abi mit einer Stunde der Art „Sendung mit der Maus“ in Bestform im Netz anzubieten, was überschlägig berechnet ein bis zwei Milliarden Euro kosten würde. Wir wissen alle, dass die Sterne-Köche im TV unsere Esskultur befruchten und anheben. Warum geht das in der Bildung und in der Erziehung nicht? Kommen wir über das Gebabbel der Talkshows hinaus, in denen suggeriert wird, dass zufällige persönliche Erfahrung von Prominenten der Maßstab in Erziehung sein könnte?

Warum gibt es keine Sterne-Lehrer und Sterne-Profs im Fernsehen oder im Netz? Warum erlernen wir in Unternehmen das Management und die Führung eigentlich gar nicht? Warum hören wir uns Agile Methoden nicht von den Unterzeichnern des Agilen Manifestes an? Warum gibt es keine Sterne-Pfarrer mit Sterne-Predigten? Wenn alle Bildung im Netz verfügbar wäre, könnten Eltern den Stoff mit ihren Kindern durchgehen und sich selbst noch einmal auffrischen, und als Großeltern nach einmal.

Es könnte so viel einfacher und besser sein. Vielleicht zeigen uns die Medien auch einmal Beispiele richtig guter Politiker, damit sich die derzeit real Existierenden wenigstens grob orientieren können und damit wir als Wähler verstehen, wen oder was wir da wählen.

Die Statistik sagt, dass fast alle Kinder, deren Eltern Abitur haben, auch das Abitur schaffen. Mindestens zeigt das wohl, dass die herrschende Kultur der Bildung alles so etwa auf das herrschende Niveau zu bringen vermag. Wenn das so ist, könnten und sollten wir das Niveau einfach leicht anheben – durch Rollenvorbilder, die wir zum Beispiel im Netz erleben können. Das ist jetzt von mir keine Hymne an das Netz und soll nicht von mir als „Freak“ propagiert werden. Ich will es nüchtern ökonomisch ausdrücken:

Das Netz skaliert.

Heißt: Rollenvorbilder im Netz erreichen Millionen.

Die gibt es da schon, aber es sind oft nicht die, die Bildung verbreiten.

 

 

Veröffentlicht von

www.omnisophie.com

Bei IBM nannten sie mich "Wild Duck", also Querdenker. Ich war dort Chief Technology Officer, so etwas wie "Teil des technologischen Gewissens". Ich habe mich viel um "artgerechte Arbeitsumgebungen" (besonders für Techies) gekümmert und über Innovation und Unternehmenskulturen nachgedacht. Besonders jetzt, nach meiner Versetzung in den Unruhestand, äußere ich mich oft zum täglichen Wahnsinn in Arbeitsumgebungen und bei Bildung und Erziehung ein bisschen polarisierend-satirisch, wo echt predigende Leidenschaft auf Stirnrunzeln träfe. Es geht mir immer um "artgerechte Haltung von Menschen"! Heute bin ich als freier Schriftsteller, Referent und Business-Angel selbstständig und würde gerne etwas zum Anschieben neuer Bildungssysteme beitragen. Ich schreibe also rund um Kinder, Menschen, Manager und Berater - und bitte um Verzeihung, wenn ich das Tägliche auch öfter einmal in Beziehung zu Platon & Co. bringe. Die Beiträge hier stehen auch auf meiner Homepage www.omnisophie.com als pdf-download bereit. Wer sie ordentlich zitiert, mag sie irgendwo hin kopieren. Gunter Dueck

16 Kommentare

  1. Bildung im Netz ist möglich und wird dort auch angeboten. Wollen sie das beste Material, empfehle ich aber englischsprachige Produkte (z.B. Brilliant.org).

    Sogar die englischsprachige Wikipedia ist im Bildungsbereich um Längen besser als die deutschsprachige. Vergleichen sie etwa die Einträge für Greatest common divisor mit dem deutschsprachigen Eintrag für Größter gemeinsamer Teiler, zwei Einträge, die ich bewusst darum gewählt habe, weil wohl jeder hier weiss um was es geht. Der deutschsprachige Eintrag erwähnt unnötigerweise auch das kleinste, gemeinsame Vielfache, Ordnungsrelationen, Verbandsvorstellung, den Ring der ganzen Zahlen, Totalordnung und die Idealtheorie. Gleichzeitig fehlt beim deutschsprachigen Eintrag eine Definition, während man beim englischsprachigen Eintrag folgende Definition unter dem Unterkapitel Definition liest(übersetzt von DeepL):

    Der größte gemeinsame Teiler (GCD) von zwei ganzen Zahlen a und b, die nicht Null sind, ist die größte positive ganze Zahl d, so dass d ein Teiler sowohl von a als auch von b ist; das heißt, es gibt ganze Zahlen e und f, so dass a = de und b = df ist, und d ist die größte solche ganze Zahl.

    Während die deutschsprachige Wikipedia ein Computerprogramm angibt, welches den GCD gemäss Euklid berechnet, findet man in der englischsprachigen Wikipedia eine geometrische Veranschaulichung, welche zeigt, wie man geometrisch den GCD finden kann (so ähnlich wie das Euklid selber tat).

    Beurteilung: Der englischsprachige Eintrag für Greatest Common Divisor ist nicht nur besser strukturiert, indem beispielsweise die „höheren Dinge“ an den Schluss des Artikels gestellt werden, sondern er ist auch so formuliert, dass ein 15 jähriges Kind es verstehen und nachvollziehen kann. Die deutschsprachige Version richtet sich dagegen an wen? Ehrlich gesagt, ich weiss es nicht.

    Fazit: Es gibt im Netz schon ausgezeichnetes didaktisches Material – allerdings englischsprachig. Deutschen Kindern würde ich deshalb empfehlen, möglichst früh englisch zu lernen. Deutsch als Muttersprache ist im didaktischen Bereich fast so ein Nachteil wie aus dem falschen Elternhaus zu kommen.

    • Gleichzeitig fehlt beim deutschsprachigen Eintrag eine Definition
      Das stimmt nicht.

      “Der größte gemeinsame Teiler (ggT) ist ein mathematischer Begriff. Sein Pendant ist das kleinste gemeinsame Vielfache (kgV). Beide spielen unter anderem in der Bruchrechnung und der Zahlentheorie eine Rolle. Er ist die größte natürliche Zahl, durch die sich zwei ganze Zahlen ohne Rest teilen lassen.” Das ist eine Definition.

      Die deutsche Wikipedia ist bei mathematischen (und auch anderen Themen) oft schwer verständlich. Der Artikel zum ggT ist das nicht. Dabei ist unerheblich, dass der Artikel auch andere Themen anschneidet – wer sich informieren will, braucht den Spezialistenschwanz nicht zu beachten.

      • @Gerald Fink: Da muss ich ihnen recht geben. Der deutschsprachige Eintrag fürs GCD ist gar nicht so schlecht.

        Generell sind die Artikel in der englischsprachigen Wikipedia aber besser aufgebaut. Dort ist es üblich, dass die ersten 3 Sätze das Wesentliche aussagen. In der deutschsprachigen Wikipedia gilt diese Regel überhaupt nicht. Dort wird oft mit den ersten Sätzen der Begriff eingeordnet anstatt definiert. Für diese These sind die Einträge fürs GCD geradezu typisch:
        Startsätze „Grösster Gemeinsamer Teiler: “ Der größte gemeinsame Teiler (ggT) ist ein mathematischer Begriff. Sein Pendant ist das kleinste gemeinsame Vielfache (kgV). Beide spielen unter anderem in der Bruchrechnung und der Zahlentheorie eine Rolle.“
        Startsätze Greatest common divisor (übersetzt von DeepL): “ In der Mathematik ist der größte gemeinsame Teiler (GCD) von zwei oder mehr ganzen Zahlen, die nicht alle Null sind, die größte positive ganze Zahl, die jede der ganzen Zahlen teilt. “

        In der deutschsprachigen Wikipedia wird häufig das Schema verwendet: Zuerst die Grobeinordnung des Begriffs, dann die Definition. In der englischsprachigen dagegen: Die ersten Sätze sollten möglichst viel Aussagekraft in Bezug auf den Begriff selbst haben.

        Ehrlich gesagt bevorzuge ich das zweite Schema, das Schema welches in der englischsprachigen Wikipedia zum Zug kommt.

    • Es könnte auch d-sprachig im Web sozusagen bis zum Geht-Nicht-Mehr gelernt werden, sicherlich sind unsere e-sprachigen Freunde beizeiten ein wenig cooler, Dr. W ist selbst oft fast entsetzt, wie klug e-sprachig nicht selten vorgetragen wird.

      Blöde halt, dass Abnehmer konvenierende Leistungsangebote suchen, die ihrem Horizont [1] entsprechen, nicht selten auch nach Bestätigung suchen, also nach Leutz bzw. deren Meinungen, die sie mögen [vgl. auch bspw. mit dem bekannten Influencer ‘Rezo’ (gesprochen wohl ‘Rieso’), einer, wie viele finden, erstklassigen Vertriebskraft, sie kann auch für die Verbreitung von Meinung gebucht werden), und drittens auch faul sind, sich gerne mit Häppchen versorgen lassen, Dr. W ist da auch nicht anders, er lässt gerne andere denken.

      Insgesamt, Dr. W ist in einer Zeit aufgewachsen in der es noch sog. Herrschaftswissen gab, in der Bildung Mangelware war und in Bibliotheken [2] zu suchen – schaut es heute ganz wunderbar aus.

      MFG
      Wb

      [1]
      Bonmot : ‘Wir leben alle unter demselben Himmel, haben aber einen anderen Horizont!’

      [2]
      War mal ein großes Wahlkampfthema, in den Sechzigern und Siebzigern, insofern sind seinerzeit auch sog. Volkshochschulen und Leihbibliotheken verstärkt entstanden, war keine schlechte Zeit.

  2. Ja, was fehlt ist wirklich-wahrhaftiges Brainstorming, angefangen mit der Entwicklung von zweifelsfrei-eindeutiger Demokratie OHNE ein wettbewerbsbedingtes Marionettentheater genannt Parlament.

    • “Ohne Rollenvorbilder brät der Schnitzelzuständige am Minigolfplatzkiosk nach alten Erinnerungen an seine Mutter und legt auf jedes Stück Fleisch noch ein kleines Stänglein Petersilie.”

      Anderes Beispiel ohne Bewusstseinsentwicklung und ohne Ursachenbeseitigung:

      Aber auch mit den exzellentesten Bildern von einer vorbildlich-nachahmenswerten Altenpflege, werden die Betreiber, entsprechend ihrem unternehmerischen Risiko im nun “freiheitlichen” Wettbewerb, nur Personal einstellen was billig und willig ist sich und die Alten nach heuchlerisch-verlogenen Routinen zu verheizen.

  3. Bei der Lehrerfortbildung hospitieren die angehenden Lehrer bei Ausbildungslehrern. Es gibt auch Lehrvideos wie Unterricht ablaufen kann.

    Was jetzt die Vorbilder betrifft, man kann nicht spielen wie Capablanca, man kann nicht spielen wie Kasparov.
    Man muss selbst seinen Stil finden.

    Für Kinder sind Vorbilder wichtig, damit sie nicht an falsche Vorbilder geraten.
    Pippi Langstrumpf für Mädchen und Tarzan für Jungen.

  4. @hwied

    Die Trugbilder für den nun “freiheitlichen” Wettbewerb müssen weichen, denn die sind nur Vorbild für eine Bildung von/zu Suppenkaspermentalität.

  5. Zitat dieser Beitrag:

    Die besten Schulstunden, die besten Uni-Vorlesungen und Management-Ausbildungen können ins Netz.

    Ja, und nicht nur das Beste ins Netz, sondern auch in die Schulstunde. Die USA haben das teilweise gemacht. Viele Grundschulen haben den Singapurer Mathe Grundkurs übernommen und das mit guten Resultaten. In Singapur erwarben die Grundschüler nämlich ein besseres Zahlenverständnis beispielsweise, denn deren Herangehensweise war bewusst darauf angelegt das Verständnis zu erhöhen. Dabei wird schrittweise vorgegangen mit konkreten Beispielen im ersten Schritt, Visualisierungen im zweiten und der Abstraktion im Dritten.
    Der New York Times Artikel Making Math Lessons as Easy as 1, Pause, 2, Pause
    berichtet darüber. Dort liest man auch über die vielen Reformierungsbemühungen im Matheunterricht und warum die Singapurer Herangehensweise mehr Erfolg bringt: weil sie auf ein tieferes Verständnis durch mehr Auseinandersetzung mit scheinbar ganz einfachen Begriffen und Konzepten anhand von konkreten Beispielen setzt. Zitat:

    In den 1960er Jahren gab es die “neue Mathematik”, deren Fokus auf abstrakten Theorien eine “Back-to-Basics”-Bewegung anregte, die Auswendiglernen und Übungen betonte. Danach kam die “Reformmathematik”, deren Fokus auf Problemlösung und konzeptionelles Verständnis von Kritikern als “neue neue Mathematik” verspottet wurde.

    Singapur-Mathe mag auch eine Modeerscheinung sein, aber Befürworter sagen, dass es eine der Schwierigkeiten beim Unterrichten von Mathematik anzusprechen scheint: alle Kinder lernen anders. Im Gegensatz zu den gängigen Mathematikprogrammen in den USA widmet Singapur-Mathe mehr Zeit für weniger Themen, um sicherzustellen, dass die Kinder den Stoff durch detaillierte Anweisungen, Fragen, Problemlösungen und visuelle und praktische Hilfsmittel wie Blöcke, Karten und Balkendiagramme beherrschen. Im Idealfall machen sie erst dann weiter, wenn sie ein Thema gründlich gelernt haben.

    Ja, man kann von anderen lernen. Auch Lehrer und die Schule kann das. Erst der Pisa-Test hat den Didaktikern der Welt überhaupt erst Lehr- und Lernmethoden bekannt gemacht wie es sie in Finnland oder Singapur gibt.
    Oft ist es tatsächlich besser, nach Gutem in der Praxis, im Feld zu suchen als das Gute im stillen Kämmerchen auszubrüten – ausbrüten zu wollen.

  6. Warum gibt es keine Sterne-Lehrer und Sterne-Profs im Fernsehen oder im Netz?
    […]
    Das Netz skaliert.

    Heißt: Rollenvorbilder im Netz erreichen Millionen.

    Die gibt es da schon, aber es sind oft nicht die, die Bildung verbreiten.

    Insofern ist das Web, idealerweise, ein möglichst offenes Gerühre, wobei am besten nicht “Sterne”-Xe irgendwie zertifiziert werden?

    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. Webbaer (der dem hiesigen werten Inhaltegeber mindestens zwei Sterne verleihen würde, ein Stern bedeutet “gehört zu den Besten”, zwei Sterne “gehört zu den Besten der Besten”, die Bedeutung von drei Sternen könnte klar sein, allerdings müsste Dr. Webbaer selbst vorher, um besonders oder gar erst vertrauenswürdig zu sein, ebenfalls zertifiziert sein)

  7. Zitat obiger Beitrag:

    Warum gibt es keine Sterne-Lehrer und Sterne-Profs im Fernsehen oder im Netz? Warum gibt es keine Sterne-Pfarrer mit Sterne-Predigten?

    Martin Luther war eine Sterne-Prediger und ein Sterne – Pamphletist. Seine Flugschriften spielten eine entscheidende Rolle für die Verbreitung der Ideen der Reformation und deren Durchsetzung.

    Doch – und das ist die entscheidende Frage im Zusammenhang mit Bildung, die in die Breite wirkt: Sind es die vorbildlichen Lehrer und die besten Materialien und Texte, die zum Bildungserfolg führen? Tendenziell würde ich die Frage mit Nein beantworten, denn Bildungserfolg meint mehr als passives Wissen, es bedeutet vielmehr ein tieferes Verständnis, die Fähigkeit das Wissen anzuwenden und sein Wissen an andere weiterzugeben.

    Mit der Meinung Wissenskompetenz zeige sich beim Problemlösen und bei der Fähigkeit Wissen weiterzugeben, bin ich übrigens nicht alleine. An den Unis zählt nicht der Vorlesungsbesuch, sondern die Mitarbeit bei Seminaren und die Abgabe von Übungen.

    Eine besonders effektive Methode sein Wissen zu vertiefen, ist es, selber als Lehrer aufzutreten. Denn wer etwas vermitteln will, muss es recht gut verstehen, sonst scheitert er zwangsläufig.
    Inzwischen haben das sogar die Forscher im Bereich Künstliche Intelligenz erkannt. Das Papier <a href="https://arxiv.org/pdf/2103.07009.pdf&quot; ist einZeuge davon. Dort liest man (Zitat, übersetzt von DeepL)):

    Beim menschlichen Lernen ist eine effektive Fähigkeit zur Verbesserung der Lernergebnisse das Lernen durch Lehren: Ein Lernender vertieft sein Verständnis eines Themas, indem er dieses Thema anderen beibringt. In dieser Arbeit wollen wir diese lehrgesteuerte Lernmethodik vom Menschen übernehmen und sie nutzen, um leistungsfähigere maschinelle Lernmodelle zu trainieren, indem wir ein neuartiges ML-Framework vorschlagen, das als Lernen durch Lehren (LBT) bezeichnet wird. Im LBT-Framework verbessert sich ein Lehrermodell selbst, indem es einem Schülermodell beibringt, gut zu lernen. Konkret erstellt der Lehrer einen pseudo-beschrifteten Datensatz und verwendet diesen, um ein Studentenmodell zu trainieren. Basierend auf der Leistung des Schülers in einem Validierungsdatensatz lernt der Lehrer sein Modell neu und lehrt den Schüler erneut, bis der Schüler eine großartige Validierungsleistung erreicht. Unser Framework basiert auf einer dreistufigen Optimierung, die drei Stufen beinhaltet: Lehrer lernt; Lehrer lehrt Schüler; Lehrer lernt erneut, basierend auf der Leistung des Schülers. Es wird ein einfacher, aber effizienter Algorithmus entwickelt, um das dreistufige Optimierungsproblem zu lösen. Wir wenden LBT an, um neuronale Architekturen auf CIFAR-10, CIFAR-100 und ImageNet zu suchen. Die Wirksamkeit unserer Methode wird in verschiedenen Experimenten demonstriert.

    Fazit: Schülerinnen und Studentinnen sollte mehr Gelegenheit gegeben werden, als Lehrerinnen aufzutreten damit sie sowohl bessere Studentinnen als auch besser Verstehende werden.

    • Hallo Herr Holzherr, es geht um den Eifer und das Nacheifern, die Energie, die man aus den Vorbildern schöpft; dass man jemanden sieht, der Probleme lösen kann…ich war ein Vierteljahrhundert in der Bundesjury der Studienstiftung – ich habe viele Superstudenten gesehen. Die meisten hatten jemanden kennengelernt, der in ihnen Feuereifer erweckt hat; oft waren es Verwandte, Eltern oder ein Lehrer am Gymnasium – eher nicht spätere Vorbilder an der Uni. Die Begeisterung für das, was dann nötig ist (was Sie richtig beschreiben), muss geweckt werden. So wie ein Kind eben plötzlich Baggerfahrer oder Ärztin werden will… so eine Fackel muss entzündet werden, aber eine, die nicht mehr erlischt. Ich meine PRÄGENDE VORBILDER und nicht “vorbildliche Lehrer”…

      • Sicher. Schon im Mittelalter galt: A bonis bona disce. Und damals wie heute muss man diese Vorbilder, die Guten, die einen anspornen, direkt kennen, mit ihnen Kontakt haben. Mit den verbeamteten Lehrern/Professoren und dem Massenbetrieb von heute ist es aber wohl schwieriger. Virtuelle Vorbilder sind nur teilweise ein Ersatz. Mindestens heute noch nicht.

  8. Gunter Dueck,
    aus meiner Erfahrung profitiert ein Schüler von einem Lehrer fachlich oder menschlich. Beides zusammen, das ist fast nicht möglich.
    Die Lehrer, die die Fackel der Neugier entzünden können, die sind genauso wichtig wie die Lehrer, die menschlich ein Vorbild sind.
    Martin Holzherr,
    was sollte die Bemerkung mit den “verbeamteten Lehrern” ? Gerade Lehrkräfte, die keine Existenzängste haben, die können sich zu 100% auf ihr Fachgebiet konzentrieren.

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