Tür 18: Orion und Fluss

Orion gilt als eines der eindrucksvollsten Bilder des gesamten Himmels, weil es auch anschaulich einigermaßen klar ist. Schon in Mesopotamien wurde die Figur antropomorph gedacht; man hat sich einen Mann vorgestellt: konkret den “Treuen Himmelshirten”. Griechisch wurde er zum Heroen Orion, der einer der schönsten Männer gewesen sein soll. Laut Almagest trägt er auf dem einen Arm stolz das Löwenfell, das an eine erfolgreiche Löwenjagd erinnert und er schwingt in der anderen Hand eine Keule (die übrigens – wie Sie in jedem Planetarium sehen können – bis auf die Ekliptik reicht: Orion müsste also mythologisch, figurtechnisch ebenfalls im Tierkreis liegen).

Door 18: Orion and River

Orion is considered one of the most impressive images of the entire sky because it is also vividly reasonably clear. Already in Mesopotamia, the figure was thought of antropomorphically; a man was imagined: specifically, the “Faithful Shepherd of the Heavens”. In Greek, he became the hero Orion, who is said to have been one of the most beautiful men. According to the Almagest, he proudly wears the lion’s skin on one arm, reminiscent of a successful lion hunt, and he wields a club in the other hand (which, by the way – as you can see in any planetarium – reaches all the way to the ecliptic: Orion should therefore mythologically, figuratively also be in the zodiac).

Orions Keule auf der Ekliptik, fotographiert im ZKP III, Königsleiten, Österreich.

So wie der Held allerdings auf dem Atlas Farnese gezeichnet ist, würden wir modernen Menschen ihn nicht erkennen: Ich musste zumindest eine Weile suchen und bei jeder Präsentation vor Kollegen ist das eine beliebte Fangfrage.

However, the way the hero is drawn on the Atlas Farnese, we modern people would not recognise him: I had to look for a while, at least, and at every presentation to colleagues this is a popular trick question.

Orion mit Löwenfell auf dem Atlas Farnese. Da er kniet, ist es logisch, dass der Fuß (Rigel) und das Jagdmesser (Saiph) auf Kniehöhe etwa gleich weit vom Gürtel entfernt sind.
Sternbild Eridanus, definiert seit mehr als 2000 Jahren

Fluss (Eridanus)

Der Fluss beginnt oder endet am Fuß des Orion. Er besteht aus schwachen Sternen und auf griechisch heißt das Sternbild tatsächlich nur “Fluss”. Es kann der Po in Italien sein, das Gewässer, das die Lebenden von den Toten trennt oder ein anderer realer Fluss. Eratosthenes sieht darin (natürlich) den Nil, diskutiert aber, dass es auch andere Meinungen gibt.

Auf dem Atlas Farnese ist der Fluss einfach als Schlängellinie gemeißelt und daher habe ich ihn nicht abgemalt: Das wäre die Kür für Planetariumsgraphiker, falls sich einmal jemand erbarmt, mit mir aus diesen Geschichten – der historischen Realität und der Mythologie – eine Planetariumsshow zu machen. Das wäre natürlich mein Wunsch, aber bisher war das noch nicht möglich (weil ich erst einmal selbst lesen und tüfteln musstedies alles herauszufinden und weil zudem bisher kein Geld dafür da ist).

Aus dem Fluss mache ich bekanntlich in künstlerischer Freiheit gern jedes Jahr zum Valentinstag das Sternbild der Liebenden (Herz) – aber Sie können es natürlich auch gerne zu Weihnachten verwenden.

River (Eridanus)

The river begins or ends at the foot of Orion. It is made up of faint stars and in Greek the constellation is really just called “river”. It can be the Po in Italy, the body of water that separates the living from the dead, or some other real river. Eratosthenes sees the Nile in it (of course), but discusses that there are other opinions.

On the Atlas Farnese the river is simply chiselled as a serpentine line and so I have not painted it off: That would be the freestyle for planetarium graphic artists, if someone would one day take pity on me to make a planetarium show out of these stories – historical reality and mythology. That would be my wish, of course, but so far it hasn’t been possible (because I first had to read and work out everything myself and because there’s no money for it so far).

As you know, I like to make the constellation of the lovers (heart) out of the river in artistic freedom every year for Valentine’s Day – but of course you can also use it for Christmas.

constellation "Heart"
Sternbild “Herz”, The (valentine’s) Heart

China

Das Muster der sieben hellen Orion-Sterne ist so charakteristisch, dass dieses Sternbild auch in China als eins betrachtet wurde. Es heißt verwirrenderweise “Drei Sterne”, obwohl es eigentlich sieben helle plus die im Schwertgehänge des Orion hat.

Auch die Eridanus-Kette wird hier in ähnlicher Weise wie in Griechenland als Muster erkannt, aber das große Sternbild wird in mehrere kleinere Sternbilder unterteilt: Neben dem Fuß von Orion starten die kaiserlichen Militärflaggen, dann folgen die Dolmetscher der neun chin. Dialekte und der rechte Bogen des Herzens ist die himmlische Wiese.

China

The pattern of Orion’s seven bright stars is so characteristic that this constellation was also considered one in China. It is confusingly called “Three Stars”, although it actually has seven bright ones plus those in Orion’s sword necklace.

The Eridanus chain is also recognised as a pattern here in a similar way as in Greece, but the large constellation is divided into several smaller constellations: Next to the base of Orion start the imperial military flags, then follow the interpreters of the nine Chinese. Dialects and the right arc of the heart is the heavenly meadow.

so wird die Gegend in Stellarium dargestellt.

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"physics was my first love and it will be my last physics of the future and physics of the past" Dr. Dr. Susanne M Hoffmann ist seit 1998 als Astronomin tätig (Universitäten, Planetarien, öffentliche Sternwarten, u.a.). Ihr fachlicher Hintergrund besteht in Physik und Wissenschaftsgeschichte (zwei Diplome), Informatik und Fachdidaktik (neue Medien/ Medienwissenschaft) als Weiterqualifikationen. Sie ist aufgewachsen im wiedervereinigten Berlin, zuhause auf dem Planeten Erde. Jobbedingt hat sie 2001-2006 in Potsdam gelebt, 2005-2008 saisonal in Mauretanien (winters) und Portugal (sommers), 2008-2009 und 2013-'15 in Berlin, 2010 in Hamburg, 2010-2012 in Hildesheim, 2015/6 in Wald/Österreich, 2017 in Semarang (Indonesien), seit 2017 in Jena, mit Gastaufenthalten im Rahmen von Forschungskollaborationen in Kairo+Luxor (Ägypten), Jerusalem+Tel Aviv (Israel), ... . Ihr fachliches Spezialgebiet sind Himmelskarten und Himmelsgloben; konkret deren Mathematik, Kartographie, Messverfahren = Astrometrie, ihre historische Entwicklung, Sternbilder als Kulturkalender und Koordinatensystem, Anomalien der Sternkarte - also fehlende und zusätzliche Sterne, Sternnamen... und die Schaustellung von alle dem in Projektionsplanetarien. Sie versteht dieses Blog als "Kommentar an die Welt", als Kolumne, als Informationsdienst, da sie der Gesellschaft, die ihr das viele studieren und forschen ermöglichte, etwas zurückgeben möchte (in der Hoffnung, dass ihr die Gesellschaft auch weiterhin die Forschung finanziert).

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