Public Talk bei der AG-Tagung

Der heutige öffentliche Abendvortrag ist bei YouTube “nachhörbar”.

Die Astronomische Gesellschaft (AG) ist eine altehrwürdige Gemeinschaft von Forschenden in der Astronomie. Im 19. Jahrhundert – im Zeitalter von Argelander und anderer Größen – war sie von weltweit enormer Bedeutung und wurde daher nach dem ersten Weltkrieg (und mithin der Ächtung Deutschlands) von der Internationalen Astronomischen Union auf der globalen Bühne abgelöst. Regional, in Mitteleuropa, spielt die AG aber heute wieder eine Rolle. Exzellente Forschende sind in dieser Gemeinschaft vereint und halten jährlich im September eine internationale Fachtagung ab, bei der – natürlich – alle Beiträge auf Englisch sind und die Beitragenden aus aller Welt kommen.  

Eine der Auszeichnungen, die die AG zu vergeben hat, ist die Karl-Schwarzschild-Medaille, wodurch dieses Jahr eine regelrechte Koryphäe aus Great Britain auf der AG-Tagung einen wunderbaren Vortrag hielt: Jocelyn Bell Burnell, die während ihrer Doktorarbeit den ersten Pulsar entdeckte und mithin ein neues Tor in der Astronomie aufstieß. 

Abendvortrag

Zu den Ritualen bei diesen Jahrestagungen gehören neben der Mitgliederversammlung (die ich heuer zum zweiten Mal aufgrund anderer Termine verpassen musste) auch die Laudationes und Festvorträge für die vergebenen Preise und Medaillen der AG sowie ein öffentlicher Abendvortrag. Letzterer findet auf deutsch statt und richtet sich – wie der Name sagt – an einen viel breiteren Interessiertenkreis.

Dieses Jahr wurde der öffentliche Abendvortrag – heute – von Prof. Dr. R. Genzel gehalten. Zusammen mit zwei anderen Forschenden hatte er im Oktober 2020 (also kurz nach der letzten AG-Tagung) den Nobelpreis für Physik erhalten.

(S)Eine 40-jährige Reise zum Zentrum der Milchstraße

Vortrag und Frage-Runde dauerten zusammen ca. 1.5 Stunden.

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"physics was my first love and it will be my last physics of the future and physics of the past" Die Autorin ist seit 1998 als Astronomin tätig (Universitäten, Planetarien, öffentliche Sternwarten, u.a.). Ihr fachlicher Hintergrund besteht in Physik, Wissenschaftsgeschichte und Fachdidaktik (neue Medien). Sie ist aufgewachsen im wiedervereinigten Berlin, zuhause auf dem Planeten Erde.

3 Kommentare

  1. Astronomen müssen den Himmel beobachten und interpretieren
    Zitat 1:

    Jocelyn Bell Burnell, die während ihrer Doktorarbeit den ersten Pulsar entdeckte und mithin ein neues Tor in der Astronomie aufstieß.

    Gemäss Wikipedia entdeckte Jocelyn Bell Burnell den ersten Pulsar (Zitat)

    bei der Auswertung der Daten des 1967 fertiggestellten Radioteleskoparrays (Interplanetary Scintillation Array) im Mullard Radio Astronomy Observatory (MRAO) bei Cambridge

    Zitat 2:

    Zusammen mit zwei anderen Forschenden hatte er [Prof. Dr. R. Genzel ] im Oktober 2020 (also kurz nach der letzten AG-Tagung) den Nobelpreis für Physik erhalten.

    Gemäss Wikipedia war

    Reinhard Genzel maßgeblich an der Entwicklung der Infrarot- und Submillimeter-Astronomie beteiligt. So gelang ihm mit seinem Team zunächst am La-Silla-Observatorium (ab 1992) und dann am Very Large Telescope über langjährige Beobachtungen der Bahnen von Sternen nahe dem Zentrum der Milchstraße der Nachweis, dass sich dort ein supermassereiches Schwarzes Loch von etwa 4,3 Millionen Sonnenmassen befindet.

    Die Auszeichnungen für Jocelyn Bell und Reinhard Genzel zeigen, dass Astronomen nicht selten für die Interpretation von teleskopischen Beobachtungen ausgezeichnet werden. Karrierebewusste Astronomen und Astronominnen müssen also daran interessiert sein, Zugang zu den Beobachtungsdaten guter/wichtiger Teleskope zu besitzen. Man sollte meinen, heute ist das einfacher, denn astronomische Beobachtungsdaten sind doch heute für alle Astronomen zugänglich – egal ob sie selbst direkt mit einem bestimmten Teselekop arbeiten oder nicht ?

    Astronomen können den Physiknobelpreis erhalten
    – Jocelyn Bell Burnell erhielt den Physiknobelpreis nicht, wohl aber ihre männlichen Kollegen Anthony Hewish und Martin Ryle Bell, die 1974 den ersten Physiknobelpreis für aussergewöhnliche astronomische Leistungen (vor allem Radioastronomie) erhielten. Es gab 1974 aber bereits eine heftige öffentliche Kontroverse darum , warum Burnell bei der Vergabe des Nobelpreises für Physik nicht berücksichtigt wurde.
    – Reinhard Genzel erhielt 2020 gemeinsam mit der US-amerikanischen Astronomin Andrea Ghez eine Hälfte des Nobelpreises für Physik für die Entdeckung des heute als Sagittarius A* bekannten, supermassereichen Schwarzen Lochs im Zentrum der Milchstraße.

    Fazit:Astronomie ist (zum Teil) Himmelsphysik und die Beschäftigung damit kann einer Astronomin den Physiknobelpreis einbringen. Und ja: Astronomen brauchen Teleskope.

    • ich vermute, diese Tirade bezieht sich auf meine rezenten Statements, dass mir das Bild vom Dreibein-Guckrohr auf die Nerven geht…

      Ich wollte zu keiner Zeit behauptet haben, dass Astronomen keine Fernrohre bräuchten. Instrument-Entwicklung (Spektrographen, Teleskope, Photometer, Kameras, Interferometer, Computer…) ist essentiell für gute Wissenschaft! Ich kämpfe nur vehement dafür, dass man Astronomen(Forscher) als moderne Wissenschaftler:innen sieht, die tagsüber Daten auswerten (oder eben auch Instrumente bzw Software entwickeln, als Ingenieure, Programmierer oder Experimentalphysiker) und nicht nachts mit dem Auge am Teleskop auf der Wiese stehen. “Auge am Teleskop” ist seit dem 19.Jh. aus der Mode und im 20. Jh. sind die Teleskope in Bereiche entwickelt worden, die am Erdboden gar nicht möglich sind: Röntgen-Daten kriegt man nur jenseits der Atmosphäre – Radiodaten zwar am Boden, aber nicht mit dem Auge (und auch nicht mit den Ohren wie im Film “Contact” – aber das ist eine andere Geschichte) – und durchs Hubble Space Telescope schaut man auch nicht; als Astronom fliegt man nicht mit Raketen in den Orbit zwecks Durchgucken durch Weltraumteleskope: Die meisten Teleskope arbeiten remote oder robotisch, Astronomen tragen zu ihrer Entwicklung bei oder/ und werten die Daten aus.

      Mein Herz schlägt sehr für die Naturbeobachtung: Ich bin durchaus auch für Auge-am-Teleskop-Beobachtungen zu haben und für Augen-zu-den-Sternen-ohne-weitere-Hilfsmittel. Das ist etwas, das Menschen emotional berührt und daher sollten wir es immer wieder gern tun, in der Lehre einsetzen und uns davon berühren lassen. Wir sollten nur ehrlicherweise sagen, dass die moderne Forschung in der Astronomie so nicht arbeitet – und dass wir beim Blick durchs Teleskop eben nur “sehen” und zunächst nicht verstehen (dazu braucht es andere Infos ergänzend).

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