Die Organisation als vernetzter Organismus. Relatoren-Netze als Zukunftsstruktur von Organisation

“There are risks and costs to a program of action. But they are far less than the long-range risks and costs of comfortable inaction.” President John F. Kennedy

“Each of us can work to change a small portion of events, and in the total of all those acts will be written the history of this generation”, Robert Kennedy

Wir erleben seit vielen Jahren eine starke Dynamisierung komplexer Systeme & Strukturen, die kein einzelner Mensch in den einzelnen Bereichen (s.u. alphabetisch aufgelistet) mehr überschauen kann.

  • Bevölkerungsentwicklung
  • CO²-Emissionen
  • Finanzmärkte
  • Geldhandel
  • Gesetzgebung
  • Informations- und Telekommunikationstechnologie
  • Transaktionsmärkte
  • Versorgungssysteme
  • Wirtschaftsmärkte

Die klassischen Organisationsformen wie Stabsstruktur, Projekt- und Matrixorganisation sind für die äußeren Umweltsysteme und deren hochdynamischen Veränderungsgeschwindigkeiten zu langsam und unflexibel geworden. Viele Führungskräfte suchen nach Lösungen und Mitteln, finden jedoch die Wege und Prozesse nicht. Was passiert? Ein Paradigmenwechsel wird fällig.

Nichtlineare Welten benötigen nichtlineare Lösungsmittel

Wir sollten „die Organisation der Organisation“ wieder neu denken, erlernen und erfinden. Dazu benötigen wir heute einen überragenden Optimismus, schöpferischen Pioniergeist und überzeugende Innovationskraft, denn jeden Tag und jede Stunde prasseln gewaltige Mengen von Impulsen von Informationen auf uns ein und überfluten uns wie Wellen am Strand. All dies soll geistig aufgenommen, reflektiert und verstanden werden. Diese überwältigende Komplexität zu verarbeiten, ist dabei die größte Herausforderung der Menschheit. Was können wir tun, um die anstehenden Probleme zu lösen? Eigentlich haben wir zwei Möglichkeiten: Entweder versuchen wir aus maschinellen Datenströmen Muster zu erkennen, oder als Gruppe und Gemeinschaft gemeinsam klüger zu werden, als wir das einzeln könnten. Es geht in der Organisation von morgen also nicht um Kostendeckung, sondern umfangreiche Investitionen des Kapitals durch Lernprozesse des Kopf-Kapitals zu ersetzen und miteinander zu vernetzen.

 

Ordnungsbildung in Formation durch Organisation

In einer dynamisch komplexen Umwelt des 21.Jahrhunderts und in einem Übergang von ehemals geschlossenen Märkten auf Netze, geht es auf der organisatorischen Systemseite ebenfalls immer stärker um die Verarbeitung von Komplexität und strukturierter Vernetzung anhand intelligenter Netzwerke. Denn eine wechselnde äußere Musterbildung von Menschen, macht innere unternehmerische  Systeme und menschliche Prozesse der Musterbeobachtung und Mustererkennung notwendig. Es gilt dann altbewährte Organisationsmodelle, Unternehmertum, Führung und Management mit neuem Wissen und Werkzeugen in eine andere re-kombinierte Formstruktur von Organisationsmuster zu bringen und diese miteinander zu verbinden. Und um sich in einer Matrix von menschlichen Märkten und in deren Mustern handlungskompetent als Führungskraft bewegen zu können, reichen dabei alleinige Fachkompetenz bei weitem nicht mehr aus. Was Führungskräfte heute benötigen sind Fähigkeiten und Kompetenzen in Form von System- und Strukturwissen, Prozesskompetenz und Vernetzungskompetenz. Es geht nicht mehr analog um Wertketten, sondern Wertschöpfungsnetze und wie man diese erschafft als Relatoren-Netze.

Komplexität strukturiert verarbeiten

Da es in der Vergangenheit immer wieder nicht nur zu einem Marktversagen, sondern auch einem  Organisationsversagen (der Führung und Organisation von Menschen) kam, wird Organisation und Führung selbst zum alles entscheidenden Faktor auf weltweiten Märkten. Da die Räume hierin größer geworden sind, sollten wir die Einheiten Markt, Vertrag und Organisation, und das dazwischen, passender abbilden und verbinden. Hierbei helfen Netzwerke. Dabei stammt der Begriff  „Netzwerk“ nicht wie viele Menschen oder Medien meinen, aus der Informatik, sondern aus der Biologie. Netzwerkstrukturen gelingt Lebensfähigkeit beispielsweise auf biomolekularer, genetischer, metabolischer, und neuraler Ebene. Und schauen Sie einmal auf „die Supersysteme“ wie das menschliche Gehirn, das Hormonsystem oder Generierungssystem, so funktioniert dies im Sinne einer Autopoiesis und Autokatalyse bis zur Evolution und Emergenz selbst. Kurz gesagt: Die Struktur des Systems definiert, wie und ob das System funktioniert. Es geht nicht um Geschäftsmodelle. Die Summe der Verarbeitungsleistung wird durch die Struktur der Vernetzung definiert. Das gilt für das soziale Gehirn, wie Gruppen, Geschäfte bis in die Gesellschaft hinein.

Bewegung vom Klassik-Orchester zum Jazz Orchester

Aus dieser Perspektive heraus betrachtet, können wir davon ausgehen, dass je weiter wir in die Zukunft gehen werden, es wohl auch weniger verteilte, als vernetzte Organisationen geben wird. Es geht also darum, sich von der Hierarchie stärker zum „Netzwerk“ hin zu bewegen und zurück. Netzwerke sind persönlicher, klarer, kreativer und kooperativer als jeder andere Prozess. Bei der Analogie eines Musikorchesters, welches gemeinsam vor Publikum aufspielt, geht es von der Struktur des Klassik-Orchesters mehr zur Jazz Combo, wobei sich die Musiker flexibler und schneller aufeinander einstellen. Es geht also um die organisatorische Fähigkeit der Eigendynamik von Strukturvarianz.

Wenn dann eine Organisation eine Stabsstruktur, eine Projektmethode, eine Matrixorganisation oder die „Netzwerk-Organisation“ verwendet, beinhaltet dies eine Differenz und Varianz hinsichtlich der Veränderung in der Vernetzung von menschlichen Denken und Verhalten;  und somit auch der Verarbeitungsleistung. Und diese strukturellen Rahmenbedingungen zu erzeugen, in denen sich systemische Intelligenz und Innovation nicht als Maschine, sondern vielmehr als Organismus evolutionär und emergent entwickeln kann, wird somit das wichtigste Wettbewerbskriterium in den Organisationen, als auch im Weltenraum des World Wide Webs werden.

Was heißt das? Nicht die Strategie Innovation (wie Geschäftsmodelle), sondern  soziale Innovationen &  Management-Innovationen (Management-Modelle), werden zukünftig hochgradig relevant werden, weil sie alle einzelnen sub-komplexen Innovationsarten (Strategieinnovation, Service-, Produkt- und Technikinnovation) auf einer Metaebene damit verbinden. 

Eintritt in eine Ära der Quantenstrukturen

Es geht in der Zukunft ähnlich der Quantenstruktur bei Computern, wie auch hierarchisch-distributiver Netzwerkarbeit im menschlichen Gehirn, stärker um die Beziehungsstrukturen und nicht mehr um  Materiestrukturen. „Materie ist“ in diesem Kontext „geronnene Energie“, wie es Quantenphysiker und Alternativnobelpreisträger Hans Peter Dürr sagte. Es gilt jedoch die Lebens-, Motivations- und Antriebsenergie der Menschen, ähnlich einer Raketenstufe zu zünden, aufrechtzuerhalten und organisatorisch anschlussfähig zu machen. Und zwar mit Prozessen, die sie verbinden und nicht verstreuen und verteilen. So trennen die 100 Jahre alten Abteilungen mit Abteilungszielen (z.B. Marketingziele, Vertriebsziele, Personalziele) oft gleichzeitig die übergeordneten Ziele der Organisation, wie beispielsweise „bester Lernort der Welt“, „höchste Schnelligkeit im Chipsatz“, „beste Qualität im Material“ ab.

Schauen wir auf „die Organisationen von morgen“, die zukünftig diesen „energieerzeugenden Meteoriten“ auf die Erdumlaufbahn schicken, so geht es im Nucleus um „Attraktivität“ und „Sinn“ als Ressource. Es geht darum Kreativität und Klarheit mit Kooperation und Kommunikation zu verknüpfen und zu vernetzen  -und zwar als Gesamtgewebe. So werden diese Organisationen menschlich wie wirtschaftlich wahre Diamantenminen sein, denn sie verbinden nicht nur Mensch und Organisation, Organisation und Zukunft, Mensch und Zukunft, sondern sie transportieren auch ein Zeitgefühl mit einer aufstrebenden Generation: Wir nennen sie „Generation Vernetzung“.

Dominic Blitz

Veröffentlicht von

www.innospective.de

Nach einem kurzen Intermezzo als Ingenieur, arbeitete Dominic Blitz als Redakteur für Test & Technologien. Danach wendete er sein technisches Wissen und hohes Interesse der Sozio-Ökonomie im Bereich des strategischen Managements der Technologie und Innovation in der Beratung von Organisationen an. Eines seines Schwerpunkte ist das Thema "Gehirne und Computer", Gemeinsamkeiten und Gegensätze. Weiterhin der Übergang von der Technik-, Maschinenkybernetik zur Organismuskybernetik - und letzlich der Bereich von Rahmenbedingungen der echten, natürlichen Intelligenz und menschlicher Netzwerkbildung der Musterbeobachtung und Mustererkennung auf einer Metaebene von Innovation in Arbeit und Gesellschaft. Zu diesen Themen ist er unter: www.innospective.de erreichbar.

2 Kommentare

    • Hallo Herr Becker,
      ja danke für Ihren wertvollen Beitrag. Ich würde diesen noch ergänzen wollen mit Ko-Kreation, Ko-Operation in Richtung Ko-Evolution einer Welt 3
      Wir können da einfach Metcalfes und Ashby’s Law folgen. Viele Grüße Dominic Blitz

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