Am 4.10. geht der Science Slam Berlin in die nächste Runde – Science Slamming aus der Sicht eines Organisators

Science@Stage

Knapp drei Monate sind eine ganz schön lange Zeit, zumindest wenn Sommerpause ist und ich keinen Science Slam organisieren kann. Das ist zum Glück bald vorbei und am 4. Oktober starten wir in Berlin wieder voll durch. Die Vorbereitungen laufen natürlich schon wieder einige Tage, einen Monat plane ich in etwa für alles ein. Es wird nicht durchgehend gearbeitet, logisch, aber die ersten Posts für die Slammersuche, Telefonate mit den Hochschulen und den ASten, das Layout der Postkarte und nicht zuletzt der Druck derselbigen brauchen schon etwas Zeit. Gestern habe ich mit der vermutlich längsten Kneipentour begonnen, jeder Kartenständer in den einschlägigen Kneipen erhält einen kleinen Stapel. Das wird sich noch über das Wochenende hinziehen, lediglich unterbrochen vom einen oder anderen Fußballspiel. Zum Glück musste ich heute nicht ins Büro.

Bei der Postkartenaktion geht es in erster Linie um die Suche nach Nachwuchswissenschaftlern, die Lust haben, sich und ihre eigenen Ergebnisse dem Publikum zu präsentieren, die vielleicht neue Arten der Präsentation ausprobieren wollen, Dinge, die an der Uni wohl tabu wären, die verhindern wollen, dass ihre Arbeit im Rundordner landet oder die einfach Lust auf Rampenlicht und etwas Nervenkitzel haben. Interessanter- weise fremdeln Wissenschaftler noch mit dem Konzept des Slams – wenn es ihnen denn überhaupt bekannt ist. Häufig kriege ich als Antwort: „Ach was, so was gibt’s? Coole Idee, müsste ich mir aber erst mal anschauen, bevor ich mitmache.“ Wenn es alle so hielten, würde es naturgemäß nicht so richtig funktionieren, denn wenn jeder erst den anderen dabei zusehen will, kommt es nie zum ersten Slam. Zum Glück gibt’s aber auch Pioniere, die mit Spaß bei der Sache sind. Und Spaß hatten die 21 Slammer, die bisher im Café edelweiss bzw. beim WM Slam im SO36 auf der Bühne gestanden haben, allemal.

Trotzdem scheint die Idee, die Vermittlung von wissenschaftlichen Ergebnissen mit Unterhaltung zu kombinieren, zu irritieren. Also in aller Kürze, worum geht es beim slammen? Erstens geht es beim science slam um den Kommunikationserfolg, zweitens um diesen Erfolg über Fach- grenzen hinaus und drittens geht es auch noch um eine psychologische Komponente: die Unterhaltung. Alles zusammen dankt das Publikum mit ziemlich viel Applaus und nicht selten auch mit dem Sieg.

Zurück zu den Postkarten und dem Logo der Veranstaltung, das zugleich ihr Motto ihr ist: Einstein und Nietzsche schenken sich als Boxer nichts. Die Karte zeigt auch, dass der Science Slam keine geschlossene Veranstaltung für bestimmte Fachbereiche ist, wie es mitunter praktiziert wird. Das passt einfach nicht zusammen: Naturwissenschaftler dürfen rein, Geistes- wissenschaftler bleiben draußen? Das ist Unsinn und wird es in Berlin nie geben.

Neben den Slammern werden sicherlich auch neue Zuschauer durch die Werbung angesprochen, aber bisher brauchte ich mir um einen gut gefüllten Raum keine Sorgen zu machen. Meist passt nicht einmal die Hälfte der anstehenden Besucher hinein und die Sitzplätze sind in der Regel schon nach wenigen Minuten besetzt. Aber ich mag es, wenn die Lounge im edelweiss richtig voll ist: die Stimmung ist großartig, die Gäste sitzen zum Teil auf dem Dielenboden und auf den Sofalehnen am Rand des Raumes, es ist irgendwie chaotisch, aber schließlich geht es um einen Slam, nicht um eine Vorlesung an der Uni. Das edelweiss wird mit diesem Raum dem alternativen Charakter des Slams vollkommen gerecht, das ist mir wichtig. Ich könnte natürlich mit dem Slam in ein Theater gehen, wo die doppelte Zuschauermenge oder noch mehr Platz finden würde, aber da wäre die Distanz zwischen Slammern und Publikum zu groß. Denn in der Lounge sitzen die Zuschauer bis direkt an die Bühne heran, die nur ca. 40cm hoch ist. Das ermöglicht einen direkten Austausch zwischen Slammern und Publikum und macht den Charme dieser Veranstaltung aus.

Apropos Austausch, da wäre noch die Slammer-Couch, auf der die Slammer während des Slams sitzen, und zumeist viel Freude miteinander haben. Das Verhältnis der Slammer untereinander ist keineswegs von Konkurrenz geprägt, das gefällt mir so gut daran. Man freut sich einfach für den anderen und irgendwie fühlt man sich intuitiv an die snowboarder-community erinnert. Insofern war die Slammer-Couch sicherlich ein Glücksgriff. Natürlich gibt’s auch eine Bar im Raum und Getränkenachschub während des Slams, denn bei so vielen Leuten kann es schon mal stickig werden. Wer es also schafft, bis zur Bar zu gelangen, hat sich eine Erfrischung verdient. Zum Berliner Science Slam passt letztlich auch der Stadtteil, denn das edelweiss liegt direkt im Görlitzer Park in Berlin-Kreuzberg. Vielleicht denke ich im nächsten Jahr über einen etwas größeren Raum nach, aber einen Raum mit ähnlichen Qualitäten zu finden ist ziemlich schwer. Er sollte auch unbedingt in Kreuzberg sein, wenn es wirklich soweit kommt.

Zwei Slammer haben sich bereits für den 4. Oktober beworben, das ist sehr gut, wenn man bedenkt, dass es noch dreieinhalb Wochen hin sind und ich bisher keine Werbung gemacht habe. Beide wurden von Zuschauern angesprochen, ob sie nicht Lust hätten, aufzutreten und solche Mund- propaganda ist natürlich unbezahlbar. Zum ersten Mal wird es wohl auch einen englischen Vortrag geben, da freue ich mich sehr drauf. Auch bin ich gespannt, wie das vom Publikum aufgenommen wird.

Nach dem Slam sitzen wir immer noch gemeinsam an der Bar und genießen ein wenig die Ruhe nach dem Sturm, der bisher auch immer recht heftig ausfiel, später wechseln wir meist in die Milchbar in Kreuzberg, um zu feiern. Wenn Ihr Lust habt, seid Ihr natürlich herzlich eingeladen, mitzu- kommen: Science Slam ist weder vor noch nach dem event eine geschlossene Veranstaltung. Wir freuen uns daher, wenn Ihr mit von der Partie seit, nicht zuletzt auch deshalb, weil so ein interaktives Format wie ein Slam vom Austausch einfach lebt und dadurch nur besser werden kann.

Erstmal aber würde ich mich freuen, wenn Ihr Lust hättet, bei uns aufzutreten. Ihr könnt Euch dafür entweder direkt über unsere Homepage anmelden oder mir eine e-mail schreiben bzw. mich anrufen. Und wenn Ihr noch keinen Slam gesehen habt und nicht so recht wisst, was auf Euch zukommt, unterhalten wir uns erst mal in Ruhe über alles.

Ort und Zeit der nächsten Veranstaltung:

Datum: 4. Oktober, 20:00 (Einlass: 19:00)
Ort: das edelweiss, Görlitzerstraße 1-3, 10997 Berlin

Veröffentlicht von

www.policult.de

Gregor Büning ist Inhaber der Veranstaltungsagentur policult und gründete 2010 das Netzwerk ScienceSlam.Net. Seitdem baut er den Science Slam international aus.

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