Nobel öffnet sich neuen Wegen für einen Dialog

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Versuch einer Aufklärung
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nobelweekdialogue.orgDieser Tage ist Adam Smith, Editorial Director der Nobel Media AB, sehr beschäftigt. Trotzdem hat er mir ein paar Fragen zu Zielen und Langlebigkeit des Nobel Week Dialogue beantwortet. Diesem neuen Format, das ein wissenschaftliches Thema in den gesellschaftlichen Kontext stellt und offene Gespräche fördert. Es wird am Sonntag das erste Mal stattfinden und ich werde dabei sein können – sofern kein weiterer Schneesturm Stockholm über 24 Stunden zum Stillstand zwingt. Adam Smith ist übrigens auch derjenige, der seit Jahren die Ehre hat, die ersten Telefoninterviews mit den Laureaten kurz nach deren Bekanntgabe zu führen.

Adam, es gibt die Tradition der Nobel Woche, eine Art Vorbereitungswoche vor der offiziellen Nobelpreisverleihung am 10. Dezember mit diversen Vorträgen, Pressekonferenzen und einem Konzert. In diesem Jahr wurde das Programm um das Diskussionsformat „Nobel Week Dialogue“ erweitert. Was ist das Ziel dieses neuen eintägigen Events?

Adam Smith, Editorial Director, Nobel Media ABSmith: Der Nobel Week Dialog hat mehrere Ziele. In erster Linie wollten wir ein Event realisieren, das zugänglicher für die breite Öffentlichkeit ist. Etwas, an dem Menschen teilnehmen können, das Vergnügen bereitet und bei dem sie etwas Neues erfahren. Gleichzeitig wollten wir die Verbindungen zwischen verschiedenen Disziplinen darstellen und die damit verbundene Notwendigkeit und den Wert eines Dialogs zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Mit dem Event feiern wir dieses Mal den Jahrestag des Nobelpreises von 1962 an Crick, Watson und Wilkins und weisen damit auf eine Wissenschaft hin, die in aufsehenerregender Weise zeigt, wohin Entdeckungen führen können.

Geplant sind Diskussionen über die Auswirkungen der ‚genetischen Revolution’ auf die Gesellschaft. Wird dies ein einmaliges Ereignis bleiben, das sich dieses Jahr wegen des 50-jährigen Jubiläums angeboten hat?

Smith: Sicherlich nicht. Dies ist der Start für eine Veranstaltung, die jährlich am 9. Dezember  abwechselnd in Stockholm oder Göteborg stattfinden soll. Am 9. Dezember 2013 werden wir also alle in Göteborg sein. Nur haben wir uns noch nicht auf ein Thema geeinigt. Aber es wird wieder ein Zusammenhang zu einem bemerkenswerten Nobelpreis-Jubiläum in den Wissenschaften bestehen.

Solche Veranstaltungen könnten das ganze Jahr über an verschiedenen Orten stattfinden. Denken Sie darüber nach?

Smith: Ja, wir denken durchaus darüber nach, aber zuerst wollen wir diese in Stockholm und Göteborg etablieren, und dann werden wir sehen.

Am Nobel Week Dialogue kann die breite Öffentlichkeit teilnehmen und mit einigen führenden Experten, Entscheidungsträgern und nicht zuletzt Laureaten über die genetische Revolution diskutieren. Haben Sie sich für diese Offenheit entschieden, weil die Auswirkungen in der Gesellschaft, vor allem in diesem Bereich so offensichtlich sind?

Smith: Wenn man den Einfluss wissenschaftlicher Erkenntnis auf die Gesellschaft betrachten will, sind Themen wie Genetik und Genomik wirklich gut geeignet. Aber wir würden sicher sagen, dass alle Nobelpreiswürdigen Entdeckungen – das liegt in der Natur der Sache – Spuren in der Gesellschaft hinterlassen. In diesem Sinn besteht kein spezieller Zusammenhang. Es bietet sich einfach an, dieses Jubiläum zu feiern und gleichzeitig ist dies ein gutes Thema für den Beginn unseres neuen Formats.

Seit Jahren ist Nobelprize.org auf Twitter und Facebook aktiv. Mit diesem Event kommt es zu einer weiteren Prämiere; es gibt ein Blog. Eine weitere Öffnung?

Smith: Mit dieser neuen Veranstaltung wollen wir insbesondere neue Wege für einen Dialog eröffnen. In diesem Sinne, entsprechen die Blogs und ein weiterer Ausbau unserer Social Media Aktivitäten unserem Wunsch nach mehr Interaktion.

Sie sind in der Regel derjenige, der kurz nach Bekanntgabe der Nobelpreise, kleine aber feine Telefoninterviews mit den soeben ernannten Nobelpreisträgern führt. Anschließend werden diese mit Presseanfragen überhäuft und im Grunde in kaltes Wasser geworfen. Hat sich jemals jemand darüber beschwert?

Smith: Beschweren eher selten, aber einer der diesjährigen Laureaten, Brian Kobilka, ist bekannt dafür, dass er Presseberichten ausweicht. Dennoch hat er mir die Zustimmung für das Mitschneiden des Interviews gegeben. Er hatte kein bisschen über die hohe Aufmerksamkeit von Seiten der Presse nachgedacht. Ich denke, am besten fahren Laureante, die sich möglichst früh eine Strategie im Umgang mit der Presse zurecht legen. Wie auch immer, bisher hat noch keiner bei meinen Anrufen aufgelegt, und das obwohl ich Adam Smith heiße, speziell wenn ich bei den Ökonomen anrufe, halten die mich gerne mal für einen Witzbold.


Dieser Beitrag ist im Original im Blog des Nobel Week Dialogue erschienen.

Weiterer Link:

Nobel Week in Stockholm

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Beatrice Lugger ist Diplom-Chemikerin mit Schwerpunkt Ökologische Chemie. Neugierde und die Freude daran, Wissen zu vermitteln, machten aus ihr eine Wissenschaftsjournalistin. Sie absolvierte Praktika bei der ,Süddeutschen Zeitung' und ,Natur', volontierte bei der ,Politischen Ökologie' und blieb dort ein paar Jahre als Redakteurin. Seither ist sie freie Wissenschaftsjournalistin und schreibt für diverse deutsche Medien. Sie war am Aufbau von netdoktor.de beteiligt, hat die deutschen ScienceBlogs.de als Managing Editor gestartet und war viele Jahre Associated Social Media Manager der Lindauer Nobelpreisträgertagung, des Nobel Week Dialogue in 2012/2013 und seit 2013 berät sie das Heidelberg Laureate Forum. Kommunikation über Wissenschaft, deren neue Erkenntnisse, Wert und Rolle in der Gesellschaft, kann aus ihrer Sicht über viele Wege gefördert werden, von Open Access bis hin zu Dialogen von Forschern mit Bürgern auf Augenhöhe. Seit 2012 ist sie am Nationalen Instituts für Wissenschaftskommunikation, NaWik - und seit 2015 dessen Wissenschaftliche Direktorin. Sie twittert als @BLugger.

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