Korallen retten Leben

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Öko-Logisch?

Geld (Foto: gnubier/Pixelio)

Wer braucht schon Korallen? Okay, die Fische vielleicht. Aber wer braucht schon die Fische aus den Korallenriffen? Oder anders gefragt: Wen außer ein paar Hobbytauchern stört es, wenn der Klimawandel die Korallen zerstört? Möglicherweise die 100 Millionen Menschen, deren Überleben ohne Korallenriffe bedroht wäre.

Ökosysteme sind eine komplexe Angelegenheit. Manchmal bleibt das Aussterben einer Art ohne offensichtliche Folgen (jedenfalls für alle, die nicht zu ihr gehören), manchmal kann das Verschwinden einer einzigen Art ein Ökosystem zum Kollabieren bringen. Der Klimawandel verursacht drastische Veränderungen in zahlreichen Ökosystemen, über deren Folgen wir heute oft nur spekulieren können. Aber es gibt auch Fälle, in denen kaum Zweifel herrscht. Einen davon beschreibt eine Studie von WWF und Universität Queensland.

Bis Ende des 21. Jahrhunderts könnten die letzten Korallen aus Südostasien verschwunden sein, Opfer der steigenden Wassertemperaturen und dessen erhöhten CO2-Gehalts. Obwohl die Riffe als robust und anpassungsfähig gelten, sind in den letzten 40 Jahren dort bereits 40 Prozent der Korallen abgestorben. Und das sorgt nicht nur für lange Gesichter hinter Tauchermasken.

Die Korallenriffe sind essenziell für viele Fische. Unzählige Arten leben von den weichen Algen auf den Riffen oder ziehen in deren Schutz ihren Nachwuchs groß. Verschwinden die Riffe, bedeutet das auch für den Großteil der Fische das Ende. Doch von diesen Fischen ernähren sich 100 Millionen Menschen.

Hunger ist jedoch nicht die einzige Bedrohung der Menschen rund um die Korallenriffe. Die Riffe bilden einen natürlichen Schutz vor Überflutungen. Fehlen sie, sind Überschwemmungen der Küstenregionen die Folge. Neben der direkten Lebensgefahr versalzen die dortigen Böden und das Trinkwasser.

Kann man doch alles mit Geld lösen? Nun, Erfahrungen von den Malediven zeigen, dass künstliche Schutzmaßnahmen gegen Überschwemmungen nicht in der Lage waren, die Wirkung zerstörter Korallenriffe zu ersetzen. Die Strände wurden sogar noch schneller abgetragen. Damit bleiben Touristen und Geld erst recht aus. Gut, dass für die Millionen Klimaflüchtlinge der Weg nach Europa recht weit ist. Da können wir weiter so tun, als wären die Folgen des Klimawandels gar nicht so wild.

Ein Lichtblick existiert immerhin: Wenn die Bedrohung der Korallen spätestens in der Mitte des Jahrhunderts wieder zurück geht, könnten sie sich erholen. Ich finde, dafür sollten wir uns alle ein bisschen mehr Mühe geben. Obwohl… wer braucht schon 100 Millionen Menschen.

 Foto: gnubier/Pixelio

Veröffentlicht von

www.buero32.de

Björn Lohmann ist freier Wissenschaftsjournalist und Trainer für Onlineredakteure. Sein Anliegen ist es, die wissenschaftlichen und technischen Entwicklungen zu hinterfragen, die unser aller Leben maßgeblich beeinflussen - denn nicht immer sind die Prioritäten von Forschern, Unternehmern und Politikern die besten im Interesse der Gesellschaft. In seiner Freizeit rettet Björn Lohmann die Welt, weil er findet, dass es sich mit ihr einfach netter lebt.

3 Kommentare

  1. Korallenriffe

    Ich habe eine Frage,
    Wie kann man die Korallen denn schützen?
    Ich habe ein Referat über die Korallenriffe und suche nach Informationen gegen das Aussterben der Korallenriffe tun kann….
    Überall stehen Informationen welche Ursachen es gibt aber nicht was man genau dagegen tun kann.
    Ich hoffe sie können mir helfen
    Liebe Grüße
    Zahra Hosseini

  2. Wohin mit dem biogenen Kohlenstoff?

    Hallo Zahra Hosseini,

    lassen Sie den schwarzen Humor aus den Todeszonen (dieser Link ist weiter unten) einfach weg (Graf Hombug liebt aber diesen schwarzen Humor).

    Wohin mit dem biogenen Kohlenstoff?

    Schwarze Erde, Terra preta, ist Erde mit einer Beimengung von Holzkohlepulver.

    Holzkohle verbessert die Bodenqualität deutlich, und ist selbst aber nicht durch Bodenbakterien abbaubar.

    Holzkohle kann man aus allen Pflanzenabfällen mit Hilfe der in diesen Abfällen bereits enthaltenen Energie herstellen.

    Die hydrothermale Karbonisierung funktioniert schon bei 180 °C und 20 bar mit einer kleinen Menge Zitronensäure als Katalysator in 12 Stunden, und sie erzeugt auch noch nennenswerte Mengen an Wärmeenergie.

    *****

    Wenn man Wälder anpflanzt, um das Kohlendioxid zu binden, dann stellt sich die Frage: “Wohin mit dem Holz?”

    Natürlich darf man das so gewonnene Holz niemals verbrennen, und ebenso darf man dieses Holz auch niemals verrotten, verfaulen, oder sonstwie verstoffwechseln lassen.

    Bei der Herstellung von Bauteilen und Chemieprodukten aus diesem Holz riskiert man, daß nach einiger Zeit obgenanntes
    dann doch noch passiert.

    Am besten wäre es, das Holz möglichst tief zu vergraben, eventuell erst nach einer Umwandlung zu Holzkohle, die
    man dann zu Briketts preßt, um ihr Volumen zu verringern.

    Irgendwie erinnert mich das an die alten Kohlelagerstätten.

    Vielleicht könnte man die Braunkohle-Tagbaugruben damit auffüllen.

    Spätere Generationen könnten dann mit diesen neuen Kohlelagerstätten unseren Fehler wiederholen.

    *****

    Calciumdüngung:

    Um mehr Kohlendioxid in Form von Calciumcarbonat ablagern zu können, muß von der Verwitterung mehr Calciumsilikat CaSiO3 in das Meer gespült werden.

    CaSiO3 + CO2 = CaCO3 + SiO2

    Dieser Kalk darf aber nicht aus Calciumcarbonat CaCO3, also Kalkstein, bestehen, weil in diesem das Kohlendioxid CO2 bereits enthalten ist.

    Dieser Kalk darf auch nicht aus Calciumcarbonat hergestellt worden sein, wie Calciumoxid CaO, gebrannter Kalk, oder Calciumhydroxid Ca(OH)2, gelöschter Kalk, weil dann bei der Herstellung mindestens die gleiche Menge Kohlendioxid frei wird, die er/es dann später wieder binden kann.

    In Frage käme vielleicht Calciumsilikat CaSiO3, Wollastonit, wenn man es/ihn sehr fein zerkleinert, um seine Oberfläche zu vergrößern.

    Calciumsilikat stellt auch Kieselsäure SiO2 für die Kieselalgen zur Verfügung.

    *****

    An Stelle von Wollastonit könnte man auch Magnesiumsilikat MgSiO3, Olivin, verwenden.

    MgSiO3 + CO2 = MgCO3 + SiO2

    Nur bekommen dann die Korallen und Muscheln kein Calcium.

    *****

    Die Todeszonen im Meer speichern Methanhydrat:

    http://www.e-stories.de/…geschichten.phtml?25475

    Mit freundlichen Grüssen,
    Karl Bednarik.

  3. Schutz der Korallenriffe

    Einen wichtigen Aspekt lässt Herr Bednarik gerne außen vor: die CO2-Vermeidung. 🙂

    Das einfachste, was man tun kann, ist Ökostrom beziehen, denn dort werden keine fossilen Rohstoffe verbrannt und somit kein CO2 freigesetzt.

    Sparsame Autos fahren oder auf das Auto zugunsten von Fahrrad, Bus und Bahn verzichten ist ebenfalls sehr effektiv.

    Der dritte große Aspekt neben Energieerzeugung und Transport ist die Landwirtschaft. Die Fleischproduktion erzeugt erheblich mehr CO2 als die Pflanzenproduktion (auch Milchprodukte schneiden hier schlecht ab), die ökologische Landwirtschaft erzeugt weniger CO2 als die industrielle, und lokale Hersteller setzen beim Transport weniger CO2 frei.

    Wir können also auch von Deutschland aus aktiv die Korallenriffe schützen.

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