Gott gegen Gentechnik

BLOG: Öko-Logisch?

Umwelt sind Du und ich
Öko-Logisch?

Kreuz (Foto: Karin Jung/Pixelio)

Es gibt einige gute Argumente gegen den Genmais MON810, dessen Anbau in Deutschland Landwirtschaftsministerin Aigner unlängst verboten hat. Wer aber Genpflanzen generell verbieten wollte, hätte es nicht nur aufgrund des EU-Rechts schwer, er müsste auch für alle Genpflanzen pauschal gültige Einwände haben; so wie die CSU, die die göttliche Schöpfung manipuliert sieht.

Ohne jeden Zweifel ist die Gentechnik ein wichtiges Arbeitsfeld für Ethiker, nicht nur, wenn es darum geht, ob der Mensch sich einen Klon als Ersatzteillager für Organausfälle züchten darf. Aber müssen wir uns bei der Forschung an Pflanzen heutzutage wirklich noch mit der Überlegung beschäftigen, was der liebe Gott dazu sagt? Und selbst wenn ich mich auf diesen absurden Pfad einlasse, dann frage ich mich: Wenn die Schöpfung perfekt ist, wie sie ist, und wir nicht reinpfuschen dürfen, was ist dann mit der konventionellen Züchtung, die der Mensch seit Jahrtausenden betreibt? Die hat den Tod so mancher Sorte auf dem Gewissen, andere gäbe es heute gar nicht.

Ich halte es für falsch, ein Pauschalverbot über die grüne Gentechnik auszusprechen, erst recht, wenn die Begründung nicht wissenschaftlich sondern religiös motiviert ist. Es gibt gute Gründe, einzelne Genpflanzen wie MON810 zu verbieten. Es gibt auch gute Gründe, allgemein nichts von der grünen Gentechnik zu halten. Der beste Grund ist übrigens, dass sie schlicht überflüssig ist. Bis heute gibt es keine Anwendung, zu der es nicht unbedenklichere Alternativen gibt, die zudem oftmals mit weniger Budget in kürzerer Zeit geschaffen wurden.

Auch die Unterscheidung zwischen kommerziellem Anbau und der Forschung im Treibhaus sollte nicht unter den Tisch fallen. Nichts ist abwegiger, als die komplette Forschung zu verbieten, weil eine bestimmte Genpflanze problematisch ist. Vor allem, da unter die gentechnische Forschung noch eine ganz andere Methodik fällt, die jedoch ohne Fremdgene auskommt. Die Rede ist von der markergestützten Selektion.

Resistenzen gegen Krankheiten und Schädlinge sind über die Jahrtausende auch auf natürliche Weise entstanden. Unzählige Gene mit diesen Funktionen sind in Ackerpflanzen und Obstbäumen vorhanden – oftmals nur nicht in den heute üblichen, auf Maximalertrag getrimmten Sorten. Durch klassische Kreuzung könnte aber beispielsweise das Resistenzgen des einen Apfelbaums mit der Leistungsfähigkeit des anderen Apfelbaums kombiniert werden. Der Gentechnik kommt dabei nur die Aufgabe zu, unmittelbar nach der Kreuzung zu analysieren, welche Samen alle gewünschten Eigenschaften in sich vereinen. Die klassische Züchtung wird so drastisch beschleunigt, ohne dass umstrittene Genveränderungen nötig werden.

Anstatt sich auf Gott zu berufen und Pauschalverbote zu fordern, sollten unsere Politiker lieber die markergestützte Züchtung fördern. Zweifelhafte Produkte wie der Genmais MON810 verlieren dann auch für die Hersteller schnell an Attraktivität – denn Pflanzen aus der markergestützten Züchtung sollten keine Akzeptanzprobleme haben; nicht einmal in der CSU.

Foto: Karin Jung/Pixelio

Veröffentlicht von

www.buero32.de

Björn Lohmann ist freier Wissenschaftsjournalist und Trainer für Onlineredakteure. Sein Anliegen ist es, die wissenschaftlichen und technischen Entwicklungen zu hinterfragen, die unser aller Leben maßgeblich beeinflussen - denn nicht immer sind die Prioritäten von Forschern, Unternehmern und Politikern die besten im Interesse der Gesellschaft. In seiner Freizeit rettet Björn Lohmann die Welt, weil er findet, dass es sich mit ihr einfach netter lebt.

8 Kommentare

  1. Gute Gründe für Verbot?

    Ich stimme Ihnen grundsätzlich zu. Aber da Sie gleich zweimal die guten Gründe des Anbauverbotes für MON810 erwähnen: Welche sind es denn, die guten Gründe?
    Vermutlich kennen Sie ja die zugrunde liegenden Studien, um zu dieser Einschätzung zu kommen. Wo kann ich diese (und die guten Gründe) finden?

  2. @Gregor: Studien zu MON810

    Es gab in den letzten Jahren eine Reihe Studien, die negative ökologische Auswirkungen gezeigt haben, ebenso einzelne, die Gesundheitsrisiken (aus Tierfütterungsstudien) nahelegen. Manche davon sind umstritten, was oft aber auf Lobbybemühungen zurückzuführen ist.

    Ein paar Quellen:

    – Das Institut für Integrative Biologie in Zürich wies eine erhöhte Sterblichkeit bei Wasserflöhen und Zweipunkt-Marienkäfern nach.

    – Die Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlichte 2007 eine US-Studie, die zeigte, dass Köcherfliegenlarven MON810 fressen, was ihre Wachstumsrate halbiert.

    – Ebenfalls aus 2007 stammt eine Untersuchung von Ngyuen & Jehle, die stark schwankende Toxinmenge in MON810 nachweist, Werte, die teilweise deutlich von denen in den Zulassungsunterlagen abweichen.

    – Büchs et al. zeigten schon 2004 Schädigungen von Bodeninsekten.

    – Über die Interpretation einer Fütterungsstudie (Hammond, 2006) gibt es Uneinigkeit hinsichtlich der statistischen Auswertung. Eine europäische Forschergruppe sieht darin klare Anzeichen von Organschädigungen.

    – Zur Reichweite des Pollenflugs gibt es sehr unterschiedliche Werte. Schaut man, in welchem Abstand konventioneller Mais angebaut werden kann, ohne das die Kennzeichnungsschwelle für Genmais durch Einkreuzung überschritten wird, liegt diese Distanz deutlich niedriger als die tatsächliche Reichweite der Genmaispollen – und damit deren potenzielle ökologische Bedrohung.

    Die Liste lässt sich mit ein bisschen Recherche fortsetzen. Ansatzpunkt könnte beispielsweise ein Bericht des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft sein, der aktuell auch auf dessen Startseite verlinkt ist. Auch das Bündnis Keine Gentechnik bietet auf seiner Website ein Dossier zu MON810 mit entsprechenden Hinweisen.

  3. Gentechnik

    Guter Beitrag.

    Seh ich genauso. Ich bin nicht grundsätzlich gegen Gentechnik, wenn dort verantwortungsvolle Menschen mit beschäftigt sind…

    Das ist jedoch im Moment nicht der Fall, hier gehts nur um Geldmacherei und darum Bauern in aller Welt abhängig von Ihrem Saatgut und ihren Pestiziten u.a. zu machen.

  4. Markergestützte Selektion …

    … klingt so auf Anhieb erstmal nicht schlecht, nur das ist nicht das Gebiet, um dass sich der Streit um die grüne Gentechnik dreht, oder?
    Die Selektion ist im Endeffekt genanalytisch gestützte klassische Züchtung. Zum anderen steht auch nicht jeder Gegner von z.B. MON810 automatisch auf der Seite der generelle Gentechnikgegner.
    Ich lege z.B. eine sehr starke Selektvität in meiner Ablehnung an den Tag. Generell abzulehen sind meiner Meinung nach jedweder gentechnisch manipulierter Organismus für die menschliche und besser auch tierische Ernährung. Ebenso jedwede Freisetzung von genetisch veränderten Organismen. Und zwar nicht aus religiösen Gründen (bin Atheist), sonder aus sehr einfachen Überlegungen.
    Die Auswirkungen auf den Organismus des Konsumenten gentechnisch verändeter Nahrungsmittel sind völlig ungeklärt und auch nicht vorhersehbar. Es gibt auch schon genügend Negativbeispiele. Retroviren in Kuhmilch, tödliche allergische Reaktionen beim Paranuss-Soja etc. Viel schwerwiegender ist allerdings die selbstreproduzierende Natur der Genmanipulation einzuschätzen. Wir haben schon hinreichend Probleme mit von uns in den Kreislauf (Umwelt) gebrachten Chemikalien (Gifte,Hormone,Medikamente). Diese bauen sich jedoch mit der Zeit ab. Die negative Auswirkung einer freigesetzten Manipulation potenziert sich mit der Zeit jedoch und ist so gut wie nicht mehr unter Kontrolle zu bringen.
    Das ist der eine Punkt.
    Der andere ist einfach wirtschaftsethischer Natur. Ich halte es für unvertretbar, die Nahrungsmittelerzeuger(erzeugnisse, vorräte) der Welt dem Diktat weniger Konzerne zu überstellen. Das ist komplett irrsinnig. Was geschieht, wenn auf Gewinn ausgerichtete Organisationen zuviel Macht bekommen, erleben wir doch gerade. Und die totale Kontrolle der Nahrungsmittel durch Monsanto und Co. wäre sehr viel tiefgreifender und hätte dramatischere Folgen.
    only my two cents

  5. Gentechnik

    Zur Gentechnik / Genmanipulation

    Die Gen-Technik resp. Gen-Manipulation ist ein zwangsläufiger und nicht aufhaltbarer Prozess der Entwicklung, weshalb wir nicht daran vorbeikommen, uns der Gen-Technik zuzuwenden, d.h. die Gene zu manipulieren. Durch Gen-Manipulation gewinnt man u.a. Pflanzen, die krankheitsresistent und ertragreicher werden, was viel Hunger, Not und Elend auf unserer Welt beheben kann. Nicht zu vergessen die Hilfe für den Menschen z.B. bei Erbkrankheiten, Transplantationen, etc. Das allein ist schon ein Grund, die Gen-Technik zu befürworten. Selbst wenn zu Beginn Fehler gemacht werden, ist das kein Grund, die Gen-Technik zu verteufeln und die Menschen durch Angstgeschrei falsch zu beeinflussen und Terror auszuüben, wie das die Greenpeace-Aktivisten und andere vordemonstrieren. Die diesbezüglichen Fachkräfte müssen vernünftigerweise unterstützt und nicht boykottiert werden. Wer das trotzdem tut, hemmt nicht nur die Evolution, sondern ist auch verantwortlich für sehr viel Leid, Not und Elend, die auf der Erde unter den Menschen und Tieren und der gesamten Natur grassieren und im Steigen begriffen sind.

  6. @Achim Wolf: bunte Gentechnik

    Ich denke, man muss schon differenzieren:

    Die weiße/graue Gentechnik (industrielle und Umwelt-Gentechnik) ist unbedenklich, weil sie in geschlossenen Systemen wirkt und nichts mit dem menschlichen Erbgut zu tun hat.

    Die rote Gentechnik (Medizin/Pharmazie) ist ökologisch unbedenklich, wirft dafür ethische Fragen auf.

    Die grüne Gentechnik (Landwirtschaft) ist mit einigen ökologischen Risiken verbunden (wie aber auch die industrielle konventionelle Landwirtschaft). Die Preisfrage ist, ob sie wirklich etwas beitragen kann, das sich auf anderem Wege nicht erreichen lässt. Gerade beim Stichwort Welthunger ist das noch überhaupt nicht zu erkennen (und wirtschaftlich ja auch uninteressant für die Hersteller).

  7. @Achim Wolf und Björn Lohmann

    “Durch Gen-Manipulation gewinnt man u.a. Pflanzen, die krankheitsresistent und ertragreicher werden, was viel Hunger, Not und Elend auf unserer Welt beheben kann.”

    Ich würde den letzten Teil ihres Satzes lieber wie folgt enden lassen: “…ertragreicher werden, was eine bessere Einnahmequelle für Saatgutkonzerne und Lebensmittelproduzenten darstellt.”
    Wie Herr Lohmann das schon richtig dargestellt hat sollte man sehr wohl differenzieren. Das Welthungerproblem ist ein Problem der Verteilung nicht der Masse an produzierten Waren.
    Hinsichtlich der Verwendung von grüner Gentechnik sehe ich allerdings eher die Zeiten kommen, da sie ebenso wie die Chemie in vergangenen Jahrzenten eher der Marktwirtschaft als menschlicher Ethik gehorchen wird. Gentechnik ist wichtig, nicht mehr wegzudenken und ein wirklich tolles Werkzeug – ebenso wie die Kernforschung – man sollte es nur umsichtig und überlegt einsetzen. Das ist der Punkt.

  8. Guter Artikel

    Sehr schöner Artkel. Ich bin auch nicht grundsätzlic gegen Gentechnik, aber Monsanto ist vielleicht nicht das beste Beispiel, um andere zu überzeugen, dass Forschung an sich erstmal nicht schlecht ist.

Schreibe einen Kommentar