Ein Fluss will ins Meer

Wasser sucht sich seinen Weg. Anfangs nur sehr zögerlich und kaum bemerkbar, ist es wenig später kaum aufzuhalten. Ich finde es immer wieder spannend, Wasser bei der Arbeit zuzusehen und könnte immer noch Stunden (Tage) mit dem Bauen von Dämmen und Kanälen zubringen.

Ohlanga River

Der Ohlanga River in der südafrikanischen Provinz KwaZulu-Natal mündet im Indischen Ozean. Das ist soweit ja noch nicht unbedingt ungewöhnlich. Der Fluss ist für seine ausgedehnten Röhrichtbestände im Bereich seines Ästuars bekannt. Sein Name leitet sich vom Zulu Wort für Röhricht her.

Ich vermute, dass der Fluss zumindest in der Regenzeit auch sehr viel Sediment mit sich führt, das dann in Form von Sandbänken und Uferwällen abgelagert wird. Außerhalb der Regenzeit können diese Sandbänke und Uferwälle trocken fallen und den Fluss auf seinem Weg ins Meer einengen oder gar abschneiden. Wenn der Wasserspiegel nach ergiebigen Regenfällen wieder steigt, kann es passieren, dass sich der Fluss einen neuen Weg in Richtung Indischen Ozean sucht. Wayne Easton ist es vor rund 2 Jahren gelungen, diesen Moment zu filmen.

Auch wenn das sicher ein relativ spezieller Moment ist,: jeder, der schon einmal an einer Flussmündung am Strand oder sonst wo einen Damm gebaut hat, kennt das Prinzip sicher auch. Zu Anfang ist es nur ein sehr dünnes Rinnsal, kaum der Rede wert, möchte man meinen. Aber das Wasser bahnt sich schnell seinen Weg.

Der Weg ins Meer

Mich fasziniert so etwas immer, und man kann auch immer wieder etwas dabei lernen. Zu Anfang fällt der kleine Rinnsal auf seinem Weg noch über eine kleine, von den Ozeanwellen geschaffene Steilkante. Doch die rückschreitende Erosion arbeitet sich schnell von der Kante in Richtung Fluss vor und vertieft die Rinne. Die Kante des kleinen Wasserfalls wandert dabei in Richtung des Flusses. Innerhalb von wenigen Minuten wird aus dem Rinnsal bereits ein ansehnlicher Strom.

Interessant ist auch das Zusammenspiel mit einem zweiten Rinnsal, das sich über die Sandbarriere arbeitet. War der Abfluss eben noch ziemlich gerade, bildet sich schnell eine Stromkannte, die dem Ganzen ein „L“-förmiges Aussehen verleiht. Am Schluss des ersten Videos ist das Wasser bereits stark genug, die hintere Kannte des „L“ zu überspülen. Auch hier kann man wieder die rückschreitende Erosion der Kannte beobachten.

Auf dem zweiten Video ist das Abfluss bereits größer und deutlich stärker. Große Tafeln brechen von den Hängen her ab und werden fort gespült. Der Kanal verbreitert sich jetzt sehr schnell und immer mehr Wasser fließt ab. Ich könnte stundenlang zugucken. Hätte man zu Beginn das Ganze noch einfach stoppen können (so sah es zumindest aus), so dürfte es jetzt langsam schwer werden. Der einstmals schmale Rinnsal ist zuletzt ein hübscher, reißender Strom geworden.

Via @bewitchedmind  und Kraftfuttermischwerk

Gunnar Ries studierte in Hamburg Mineralogie und promovierte dort am Geologisch-Paläontologischen Institut und Museum über das Verwitterungsverhalten ostafrikanischer Karbonatite. Er arbeitet bei der CRB Analyse Service GmbH in Hardegsen. Hier geäußerte Meinungen sind meine eigenen

9 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Für mich verdeutlichen diese beiden Videos den Klimawandel perfekt.
    Als natürlicher Prozess hat das Klima höchstwahrscheinlich den ein oder anderen exponentiell ablaufenden Aspekt. Zu Beginn (quasi 2^0 bis 2^6/7) ist es noch relativ einfach effektive Maßnahmen zu setzen. Aber danach (2^8/9) wird es immer aufwändiger, teurer und riskanter, bis jegliche Maßnahmen ab 2^10 kaum mehr Wirkung zeigen – es geht dann alles sehr schnell den Bach hinunter (um im Bild zu bleiben).

    Es scheint, als wähnten wir Menschen uns bei exponentiell ablaufenden Prozessen zu lange auf der sicheren Seite. Wenn es dann unleugbar offensichtlich ist, reicht die Zeitspanne zwischen Erkenntnis und Handeln hoffentlich noch aus.

  2. Es gab da mal einen echten! Wasserexperten.
    Förster in einem der letzten echten Urwälder Österreichs.
    Name: Viktor Schauberger.
    Falls wirklich interessiert.
    Ok, sein Werk ist mehr oder weniger verschlüsselt.

    Aber seine genialen Holztransportanlagen haben superst funktioniert (innerhalb seiner Wasserwirbel konnte er auch zB Eisenerz fördern) .
    Und auch der Pöpel-Versuch.
    Und er hat auch erklärt warum sich Wasser gerne windet.
    Etc.

  3. Ich finde es immer wieder spannend, Wasser bei der Arbeit zuzusehen und könnte immer noch Stunden (Tage) mit dem Bauen von Dämmen und Kanälen zubringen.

    Zumindest das Zusehen gilt womöglich als Anzeichen von Autismus, allerdings war auch der (sehr) junge Webbaer bspw. an Ameisenbauten und deren Entwicklung interessiert, dieses Interesse ist ja auch (natur)wissenschaftliche Voraussetzung.

    Die Entwicklung an sich ist interessant, alles fließt sozusagen,
    MFG + weiterhin viel Erfolg,
    Dr. Webbaer

  4. Letztlich ist es mit der Sprache wie beim Wasser, alles im Fluss.

    Fängt erst mal einer an, gelgentlich ‘der’ Rinnsal zu sagen, können andere das übernehmen, aus wenigen werden viele und schließlich wird es zum Durchbruch kommen, der Duden wird ‘der’ als Alternative übernehmen oder sogar als einzig richtig ausgeben.

    Vergl. (das) Rinnsal auch mit (die) Mühsal, (der) Dorsal und (die oder das) Wirrsal (Stand heute).

    Danke für das Video und den Beitrag; schön, alles von Anfang an mitbekommen zu können.

  5. Der Duden wird womöglich sogar noch einen sogenannten besonderen Hinweis zum Sprachgebrauch beifügen, so wie er als Sprachbeobachter anfing will er nicht enden, Dr. Webbaer interessiert sich im Duden fast mehr für die sogenannten besonderen Hinweise als für die Etymologie, die der Duden diesmal dankenswerterweise gelegentlich ebenfalls beibringt.

    ‘Die Rinnsal’ wäre noch im Angebot. – Klingt auch nicht schlecht und wäre womöglich mehrheitstauglich, heutzutage und in der BRD.

    Abär ein sehr netter WebLog-Eintrag, danke noch dafür.

  6. In einem größeren Maßstab wird das im Video gezeigte ja auch irgendwann im Afar-Dreieck passieren, wenn vermutlich auch erst in einigen Hunderttausenden oder Millionen von Jahren. Direkt danebenstehen sollte man dann aber besser nicht.

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