Der natürliche Reaktor von Oklo

Der Bau von Kernreaktoren wird immer noch von vielen als wissenschaftlich-technische Meisterleistung des Menschen gesehen. Daran werden sicher auch die Havarien der japanischen Kernkraftwerke nach dem schweren Erdbeben und dem Tsunami nicht viel ändern, auch wenn die Menschen der Technik und ihrer Verwendung selber jetzt skeptischer gegenüberstehen werden. Aber die Ereignisse in Japan veranlassen mich, einen alten Beitrag von mir hier noch einmal zu reposten und den Blick in die ferne Vergangenheit der Erde zu richten.

Denn wie so oft zeigt sich auf diesem Gebiet, das die Natur den Menschen geschlagen hat. Denn während der Menschen erst 1942 seinen ersten Kernreaktor baute, entstand bereits vor rund 2 Milliarden Jahren der erste natuerliche Kernreaktor in Gabun, West Afrika. Dort in der Oklo Uranmine konnten bis zu 17 verschiedene fossile natürliche Reaktoren in drei Uranerzkoerpern nachgewiesen werden.

Entdeckung des Naturreaktors von Oklo

Im Jahre 1972 fiel französischen Forschern auf, das sich das Verhältnis von U-235/U-238 nicht dem erwarteten Wert von 0,0072 entsprach, sondern nur den Wert von 0,00717 hatte. Eine Rückverfolgung der seltsamen Isotopenverteilung gelang bis zur Uranmine. Das Erz stammte aus Oklo in Gabun. Rückstellproben zeigten, dass die in U-235 abgereicherten Uranerze seit 1970 produziert wurden. Bis 1972 betrug das Defizit rund 200 kg U 235 bei rund 700 Tonnen abgebauten Uran. Einige Regionen der Lagerstätte enthielten nur 0,44 % U 235 . (Cowan, G. A. 1976).

Wie kommt man auf die Vermutung, das sich dort etwas aussergewoehnliches abgespielt haben koennte?
Natürliches Uranerz enthaelt hauptsächlich zwei verschiedene Uranisotope, 99,27 % U-238 und 0,72 % U-235 neben kleinen Mengen U 234 (0,0054 %). Das selbe Verhältnis der Isotope findet man für gewoehnlich in allen Uranvorkommen, ob auf der Erde, dem Mond oder in Meteoriten. Alle diese Isotope zerfallen, wenn auch mit einer unterschiedlichen Geschwindigkeit. U-238 hat eine Halbwertszeit von 4 470 000 000 Jahren, U-235 nur eine von 704 000 000 Jahren.
Das Isotopenverhältnis des Uran im allgemeinen wird als konstant angesehen, zumindest das legen Untersuchungen an irdischen, Mond- und Meteoritengesteinen nahe. Beide Isotope (natürlich auch die selteneren) sind chemisch nicht unterscheidbar. Es ist kein chemischer Prozess in der Natur vorstellbar, der ein Uranisotop anreichern kann. Allerdings fanden sich in der Lagerstaette einige Elemente bzw. deren Isotope, wie sie fuer Kernspaltung typisch sind. Und sie finden sich nur in den an U 235 abgereicherten Zonen. (Bodu et al. 1972)

Jede Änderung dieser Isotopenverhaeltnisse deutet also auf einen besonderen Prozess jenseits des normalen radioaktiven Zerfalls hin. Daher nahmen Bodu et al. (1972) an, das sich in den Uranlagerstätten von Oklo eine spontane Kettenreaktion abgespielt haben könnte.

Für die Kernspaltung ist das Uranisotop U 235 besonders geeignet. Es ist in der Lage, ein langsames Neutron zu absorbieren. Dadurch wird es angeregt und zerfällt in zwei ungleiche Bruchstücke, z.b. Barium 144 und Krypton 89 , sowie 2 – 3 Neutronen. Wenn mindestens eines der emittierten Neutronen wiederum auf ein spaltbares Atom trifft, so setzt sich die Reaktion fort.
Die entstandenen Tochterprodukte (z.b. Barium 144 und Krypton 89 ) sind selber instabil und zerfallen weiter. Am Ende entstehen mehr als 30 verschiedene stabile Isotope. Dieses Spektrum von Zerfallsprodukten ist charakteristisch für Kernspaltungen.

Mehr als die Hälfte der Endprodukte ist im Erzkörper verblieben. Dazu gehoeren Lanthan, Cer, Praseodym, Europium, Samarium und Yttrium. Auch von den entstehenden Isotopen der Elemente Silber, Zirkonium, Ruthenium, Rhodium und Palladium blieb der grösste Teil im Erzkörper. Dagegen wurden die Produkte wie Caesium, Rubidium, Strontium und Barium aus dem Erzkörper entfernt (Cowan 1976).

Ein recht gutes Isotop für die Untersuchung von Kernspaltungsprozessen ist Neodym. Es kommt nicht häufig in der Natur vor, hat also einen geringen natürlichen Hintergrund. Es kommt in 7 stabilen Isotopen mit Massen von 142 bis 150 vor. Sechs von ihnen können als Spaltprodukte entstehen, nur Nd 142 nicht. Also wird der Gehalt des Gesteins an Nd 142 von etwaigen Spaltungsprozessen nicht beruehrt. Die Isotopenverhaeltnisse der uebrigen Isotope sind ebenfalls bekannt, so das der natuerliche Hintergrund berechnet werden kann. Alles Neodym darüber hinaus ist durch die abgelaufenen Kernprozesse produziert worden. Allerdings muss noch die Faehigkeit von Nd 143 und Nd 145 einbechnet werden, Neutronen einzufangen. Dabei entstehen Nd 144 bzw. Nd 146 . Die in den aktiven Zonen der Lagerstätte vorgefundenen Neodym-Isotopenmengen entsprechen denen, die in heutigen künstlichen Kernreaktoren vorzufinden sind (Cowan 1976).

Ähnliches zeigt sich auch bei anderen Elementen und deren Isotope. So kann bei rund jedem 6. U 235 ein Neutron eingefangen werden. Das entstehende Uran 236 hat eine Halbwertszeit von 24 Millionen Jahren und zerfällt per Alpha-Zerfall (Helium-Kern) zu Thorium 232 . Und Thorium findet sich vorwiegend in den aktiven Zonen, wohingegen es in anderen Regionen nahezu fehlt (Cowan 1976).

Wenn nun alles auf Kernspaltungsprozesse hinweist, so bleibt immer noch ein Problem. Unter den heutigen Isotopenverhaeltnissen, wie sie bei Uran zu finden sind, kann eine Kettenreaktion nur unter sehr speziellen Umständen ablaufen. Keine dieser Bedingungen könnten in der Natur per Zufall entstehen. Dagegen könnte eine grössere Uranansammlung mit einfachem Wasser als Moderator schon in Frage kommen. Allerdings wird dann ein hoeherer Prozentsatz von spaltbarem Uran 235 benötig. Und da U 238 und U 235 unterschiedliche Halbwertszeiten besitzen, war das Verhältnis in der geologischen Vergangenheit ein anderes als heute. Da das spaltbare Isotop U 235 mit 700 Millionen Jahren Halbwertszeit schneller zerfaellt als das Uran 238 mit 4,5 Milliarden Jahren, war es frueher wesentlich haeufiger. So laesst sich einfach berechnen, das es zum Zeitpunkt der Entstehung der Erde rund 17 % des Urans stellte. Der minimale Gehalt an U 235 fuer den Ablauf einer Kettenreaktion beträgt rund 1 %. Dieser Wert wurde vor rund 400 Millionen Jahren erreicht und er stellt damit den jüngsten Zeitpunkt dar, an dem natürliche Kernreaktoren entstanden sein können.
Die Sedimente der Francevillian Formation haben sich vor rund 2 Milliarden Jahren gebildet. Zu diesem Zeitpunkt betrug die relative Häufigkeit von U 235 ungefaehr 3 %. Daneben erreichten die Uranerzlagen in Oklo mit ihren 10 % Urangehalt und rund einem halben Meter Maechtigkeit weitere Bedingungen, die den spontanen Ablauf einer Kettenreaktion ermoeglichten. Bei einer geringeren Maechtigkeit wuerden zu viele Neutronen verloren gehen. Als Moderator kommt unter diesen Bedingungen Wasser in Frage. Der Moderator wird benötigt, um die schnellen Neutronen abzubremsen. Zu schnelle Neutronen werden von U 238 absorbiert, bevor sie ein U 235 spalten können. Bei einem gut Milliarden Jahre alten natuerlichen Reaktor ist ein Wassergehalt von 6 Gew% Wasser ausreichend, ein Wert, der bei dem Sediment in Oklo durchaus realistisch erscheint (Cowan 1976). Zur aktiven Zeit der natürlichen Reaktoren im Gebiet von Oklo nahm der Gehalt an spaltbarem U 235 proportional zum Neutronenfluss ab. Ebenfalls proportional zum Neutronenfluss wandelte sich Neodym 143 durch den Einfang eines Neutrons in Neodym 144 um. Und die heute vorgefundenen Isotopenverhältnisse des Neodyms wuerden auf einen totalen Verbrauch des spaltbaren Uranisotops in Oklo hinweisen. Das ist ein zu niedriger Wert, verglichen mit dem tatsächlich vorgefundenen Wert. Wenn man also den ursprünglichen Gehalt an U 235 kennt und den heutigen Wert, so scheint die verbrauchte Menge grösser zu sein als die Differenz zwischen den beiden Werten. Als Ursache dafür wird eine andere Reaktion gesehen (Cowan 1976). Uran 238 ist in der Lage, schnelle Neutronen einzufangen. Dabei entsteht Uran 139 , das schnell durch Beta-Zerfall (Elektron) zu Neptunium 239 zerfaellt. Nach einem weiteren Beta-Zerfall entsteht Plutonium 239 . Dieses Plutoniumisotop zerfällt durch Alpha-Zerfall mit einer Halbwertszeit von 24 400 Jahren zu Uran 235 . So kann durch den Einfang schneller Neutronen durch Uran 238 zusätzliches, spaltbares Uran erzeugt werden, ähnlich den künstlichen Brüter-Reaktoren.

Naudet (1978 a & b) hat fuer die Reaktorzonen 1-6 in Oklo berechnet, das mehr als 800 Tonnen Uran an der Reaktion beteiligt waren und dabei rund 6 Tonnen Uran 235 verbraucht wurden. Dabei wurden rund 540 x 10 15 J an Energie freigesetzt. Der Neutronenflux soll 1,5 x 10 25 n/cm 2 betragen haben. Insgesamt soll der Reaktor rund 1 bis 8 x 10 5 Jahre gelaufen sein.
Als Alter der Reaktoren werden von verschiedenen Autoren Werte zwischen 2100 und 1800 Millionen Jahren angegeben (Gauthier-Lafaye et al. 1989).

Die Uranlagerstaetten von Oklo

Geologische Voraussetzungen des Naturreaktors in der Oklo-Mine: 1. Reaktorzonen, 2. Sandstein, 3. Erzflöz, 4. Granitstock. Wikimedia, User MesserWoland. CC-By-SA-3.0 Lizenz.

In Oklo liegen die Uranerze an Bruchstrukturen klastischer transgressiver Sedimente des Alt-Palaeozoikums (Gauthier-Lafaye et al 1989). Das Uran liegt als Pechblende (UO 2 ) vor. Die Erzkörper sind in der präkambrischen Abfolge des Francevillian eingelagert.
Das Francevillian ist in Gabun weitverbreitet und stellt insgesamt eine bis zu 4000 Meter mächtige Serie aus klastischen und vulkano-sedimentären Sedimenten des unteren Proterozoikums (2150 Ma) dar (Bonhomme et al. 1982). Weber (1968) unterteilte das Francevillian in fünf Einheiten, die mit FA (unteres Francevillian) bis FE (oberes Francevillian) gekennzeichnet werden.
Das FA besteht aus Sandsteinen und Konglomeraten, wohingegen die Einheiten FB bis FD grösstenteils aus Schwarzschiefern und Chert bestehen. Die Uranmineralisation befindet sich ausschliesslich in der unteren Abfolge, dem FA. Die Abfolge wird durch eine marine Transgression vom Südosten zum Nordwesten gekennzeichnet. Es folgen Deltaablagerungen auf fluviatile Sedimente. Die Uranerzlagerstaetten finden sich ausschliesslich in den Delta-Sedimenten, Am Uebergang von fluviatilem zu Delta-Milieu (Gauthier-Lafaye & Weber 1989).

Es herrschen zwei Typen von Lagerstaetten vor. Ein gewöhnliches, niedriggradiges Erz mit nur rund 0,1 – 1 % Urangehalt und ein hochgradiges Erz mit Urangehalten von 1 bis zu 10 %. Dabei ist das hochgradige Erz an tektonischen Störungen gebunden und stellt Erzkörper von 5 – 20 Metern länge und 0,3 – 2 Metern Mächtigkeit dar. Das hochgradige Erz ist hier von besonderem Interesse, denn es stellt die Erzkörper mit den abnormalen Isotopenverhältnissen. Altersdatierungen an diesen Erzen ergeben je nach Autor eine Alter von 2000 – 2100 Ma (Hagemann et al. 1974) bis zu 1700 Ma (Lancelot et al. 1975).
Das gewöhnliche Erz ist mit organischem Material vergesellschaftet. Dieses organische Material besteht aus Bitumen mit einem Wasserstoff-Kohlenstoffverhaeltnis von weniger als 0,5 Atomprozent. In diesen bituminoesen Partikeln liegt die Pechblende als mikroskopische (1 – 10 µm) Einschlüsse vor (Gauthier-Lafaye & Weber 1989). Das hochgradige Erz findet sich dagegen mehr in den Bruchstellen des Sandsteins. Das Uran kommt als Pechblende und teilweise auch als Coffinit vor und ist niemals mit organischem Material vergesellschaftet. Dagegen kommen in diesen Bereichen auch Sulfide vor. Die Bildung dieses Erzes wird als Oxidations – Reduktionsprozess interpretiert, der in stark brekziösem gewoehnlichem Erz stattgefunden hat (Gauthier-Lafaye & Weber 1989).

Im Proterozoikum befand sich also im Bereich des heutigen Oklo ein grosses Flussdelta. Im oberen Einzugsbereich des Flusses wurden die kristallinen Gesteine des Basements erodiert. Dabei gelangten auch Schwerminerale ins Wasser, wo sie sich anreicherten. Vor rund 2 Milliarden Jahren begann sich unter dem Einfluss der Aktivitaet von Cyanobakterien der Chemismus des Wassers langsam zu ändern. Der Sauerstoffgehalt des Wassers nahm zu. Jetzt ist Uran in seiner reduzierten Form nicht wasserlöslich, wohingegen die oxidierte Form leicht gelöst werden kann. Diese leicht löslichen Uranyl-Ionen konnte der Strom in das Gebiet seines Mündungsdeltas transportieren. Dort befanden sich viele organische Stoffe, das der Sauerstoffgehalt des Wassers wieder abnahm und das Uran reduziert wurde. Ein anderes Modell der Urananreicherung im Delta schlägt Lovelock (1991) vor. Hier sollen Algenmatten die Fähigkeit besessen haben, Uran anzureichern. Eine Vermutung, die durch die organischen Partikel in den gewöhnlichen Erzen gestärkt wird.

Die uranhaltigen Sedimente wurden im Laufe der Zeit immer tiefer begraben. So wurde verhindert, das sich das Uran unter sauerstoffhaltigen Bedingungen wieder loesen konnte. Als sich das Uran im Bereich der hochgradigen Erze genug angereichert hatte, konnte die Kettenreaktion starten. Durch die Störungen konnte Wasser eindringen, welches als Moderator die schnellen Neutronen genügend abbremste.

Literatur

Bodu, R., Bouzigues, H., Morrin, N. & Pfiffelmann, J.P. 1972: Sur l´existence d´anomalies isotopiques recontrées dans l´uranium du Gabon. Acad. Sci. Paris, Contemptes Rendus v. 275 p. 1731-1732.

Bonhomme, M, Gauthier-Lafaye, F. & Weber, F. 1982: An example of lower Proterozoic sediments: The Francevillain in Gabon. Precambrian Res. V.18, p. 87-102.

Cowan, G. A. 1976. A Natural Fission Reactor, Scientific American, 235:36.

Gauthier_Lafaye, F. & Weber, F. 1989: The Francvillian (Lower Proterozoic) Uranium Ore Deposits of Gabon. Econ. Geol. 84, p. 2267 – 2285.

Gauthier-Lafayette, F., Weber, F. & Ohmoto, H. (1989): Natural Fission Reactors of Oklo. Econ. Geol. 84, 2286 – 2295.

Hagemann, R., Lucas, M., Nief, G. & Roth, E. 1974. Mesures isotopiques du rubidium et du strontium et essais de mesure de l´age de la mineralisation de l´uranium du réacteur naturel de l´Oklo. Earth Planet. Sci. Letters, V.23, p. 170 – 176.

Lancelot, J.R., Vitrac, A. & Allegre, C.J. 1975. The Oklo natural reactor: Age and evolution studies by U-Pb and Rb-Sr systematics. Earth and Planet. Sci. Letters V 25, p. 189 – 196.

Lovelock, J. 1991. Das Gaia-Prinzip. Artemis, Zuerich, Muenchen, p. 166f.

Naudet, R. 1978a. Etude paramétrique de la criticité des réacteurs naturels. in: The natural fission reactors. Int. Atomic Energy Agency, Wien, p. 589-600.

Naudet, R. 1978b. Conclusion sur le déroulement du phénomène. in: The natural fission reactors. Int. Atomic Enetgy Agency, Wien, 715-734.

Weber, F. 1968: Une série du precambrienne du Gabon: Le Francevillian. Sédimentologie, géochimie, relations avec le gites minéraux associés. Strasbourg, Services Cartes Géol. Alsace-Lorraine Mém. 28, 328 p.

Gunnar Ries studierte in Hamburg Mineralogie und promovierte dort am Geologisch-Paläontologischen Institut und Museum über das Verwitterungsverhalten ostafrikanischer Karbonatite. Er arbeitet bei der CRB Analyse Service GmbH in Hardegsen. Hier geäußerte Meinungen sind meine eigenen

Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Tsunami

    Lieber Herr Ries,

    gestern hat RWE-Chef Großmann in BILD behauptet, bei uns könne kein Tsunami auftreten. Nun wurde ja 1755 Lissabon von einem Tsunami getroffen, auch Venedig hat einmal einen Tsunami überstanden, und vor rund 8000 Jahren hat die Storrega Hangabrutschung vor Norwegen einen riesigen Tsunami ausgelöst, der mit ca. 20 Meter Höhe über die Shetland-Inseln gerauscht ist. Dies nur aus meinem Gedächtnis ohne Recherche (hoffentlich trotzdem richtig) – aber vielleicht könnten Sie als Geowissenschaftler dazu einen Blogbeitrag recherchieren, wie die Tsunami-Gefährdung an den europäischen Küsten aussieht? Immerhin stehen in Europa auch einige Kernkraftwerke praktisch direkt am Strand, z.B. Sizewell.

  2. Mittelmeerraum

    Dazu kommen noch die zahlreichen Vulkane im Mittelmeerraum.

    Bei Santorin ist es bereits passiert, und beim Vesuv kommt es sicher wieder einmal zu einem größeren Ausbruch.

    Laienfrage:

    Kann man die ozeanische Kruste so anbohren, dass ein Endlager für nuklearen Abfall sicher in eine Subduktionszone gezogen wird, und in die Richtung zum Erdinneren verschwindet?

    Die Geschwindigkeit der Subduktion soll etwa 2 bis 8 Zentimeter pro Jahr betragen.

    Das wären dann etwa 2 bis 8 Kilometer in 100.000 Jahren.

    Bis der in der ozeanischen Kruste gebundene Wasserdampf wieder bei den Vulkanen heraus kommt, ist die Strahlung längst abgeklungen.

  3. Tsunamis in Europa

    Ich habe mal über einen Tsunami im Severn-Ästuar in historischer Zeit geschrieben.

    Das betrifft allerdings die deutschen Kernkraftwerke wohl nicht, weil die Deutsche Bucht zu flach für nen Tsunami ist. Die Atlantikküsten sind aber prinzipiell gefährdet.

    Allerdings sind große Tsunamis hier Mangels Subduktionszonen weit weniger häufig als in Japan, und kein Tsunami der Welt wird jemals, sagen wir, Biblis erreichen. Insofern ist das, was Großmann zum Tsunami-Risiko deutscher Kraftwerke sagt, nicht ganz falsch.

  4. Tsunamis in Mitteleuropa

    Das mit der Storrega-Rutschung ist richtig, und die Folgen haben zumindest Grpßbritannien wohl auch getroffen. Für die Norseeküste von Deutschland weis ich da nichts, hier wären schwere Sturmfluten wohl wahrscheinlicher. was die niedrige Wassertiefe der Nordsee angeht, würde sie wohl eingermaßen vor Tsunamis schützen. Ich kann da ja mal ein wenih suchen.

    Endlager in Subduktionszonen, nun, ja. Prinzipiell wäre das zeugs dann wierder da, wo es mal herkam. Mit einer gewissen Chance, dass irgendwelche Nachfahren es wieder aufs Tablett bekommen. Man müsste erstens sehr tief bohren, damit es auch subduziert wird, und nicht im akkretionären keil auftaucht. Tweitens wird zumindest ein Teil der subduzierten Platte wegen des Wassergehalts auch schnell im Erdmantel aufgeschmolzen und speisst die explosiven Vulkane in den angrenzenden magmatischen Gürteln. Eine reelle Chance, zumindest die langlebigen Nuklide weit zu verteilen, auch wenn das Problem wohl erst in einigen Millioenen Jahren auftritt. Technisch würde e sicher eine ziemliche Herausforderungs ein, in einigen Kilometern Wassertiefe ein Endlager einzurichten.

  5. Tsunami in Mitteleuropa

    lt. Wikipedia (http://de.wikipedia.org/…Vierwaldst%C3%A4ttersee) gibt es sogar Tsunamis in Binnenseen: Nach dem Erdbeben vom 18. September 1601 entstanden Tsunamis im Vierwaldstättersee mit vermutlich bis zu 4 Meter hohen Flutwellen.In anderen Seen sollten solche Phänomene also ebenfalls nicht völlig unmöglich sein.

  6. gunnar
    hoffe der Umzug liegt hinter dir
    bitte gib mir eine aktuelle mailadresse

    schön wär es wenn dz nach zarrentin kommen kannst
    und vergiss die Geschiebekunde nicht
    gruss werner aus H

  7. Tsunamis im Mittelmeer

    Bei geoarchäologischen Arbeiten im Mittelmeerraum durfte ich schon mehrfach potentielle Tsunamiablagerungen in Rammkernbohrsonden betrachten und mitanalysieren.

    Ein drastisches Beispiel: die Stadt Helike (Golf von Korinth). 373 v. Chr. zerstörte erst ein heftiges Erdbeben die antike Siedlung. Darauf folgte wohl ein Tsunami, der alles ins Meer spülte.

    Gibt man bei Google Scholar nur die Begriffe Tsunami und Mittelmeer ein finden sich etliche Publikationen.

    Eine ernüchternde Erfahrung diese geoarchäologische Forschung. Mensch und Umwelt pflegten noch nie einen harmonischen Umgang…

  8. Höfliche Nachfrage

    Sehr geehrter Herr Ries ! Ich bin Knut Wüstenhöfer : Deutscher Schriftsteller :
    Genres : Politische Gedichte und ” Sachbuch ” : Mir gefällt Ihr Artikel zu dem Naturreaktor von Oklo ausgezeichnet.
    Nun meine Fragen :
    1) Wieveile Naturreaktoren gibt es auf diesem Planeten ? 2) wo liegen sie ?
    3) Und wieviele davon sind noch aktiv ?
    Vielen Dank für Ihre hochinteressanten Auskünfte : Mit freundlichen grüßen Ihr Knut Wüstenhöfer .

  9. Radioakt. Abfälle in Tiefseegräben ents.

    @ Karl Bednarik schrieb:

    “Kann man die ozeanische Kruste so anbohren, dass ein Endlager für nuklearen Abfall sicher in eine Subduktionszone gezogen wird, und in die Richtung zum Erdinneren verschwindet?”

    Der renommierte Professor Geologe David Oldroyd (New South Wales, Australien) hat zu Ihrer vermeintlich laienhaften Frage, ob man nuklearen Abfall in Subduktionszonen entsorgen kann, folgendes geschrieben:

    “(…)Einige – wohl stärker dem Hauruckdenken verhaftete – Vertreter der Atomindustrie haben den Vorschlag gemacht, radiaktive Abfälle in einen der Tiefseegräben zu werfen, in denen die Subduktion erfolgen soll, dann werde das gefährliche Material im Bauch der Erde verschwinden und auf diese Weise elegant ‘entsorgt’. Aber selbst wenn die Subduktionsgeschwindigkei für diese Aufgabe tehoretisch ausreichen sollte, fragt sich doch, ob wir solch ein Risiko wirklich auf uns nehmen und das gefährliche Material in eine theoretische Entität kippen wollen. (…)”

    aus: Die Biographie der Erde – Zur Wissenschaftsgeschichte der Geologie (1998)

  10. @ Knut Wüstenhöfer

    Soweit ich weiß, sind nur die Reaktoren in und um Oklo bekannt, hier wurden allerdings wohl 16 unterschiedliche Einzelreaktoren identifiziert. Aktiv ist keiner mehr, denn dafür reicht der Gehalt an U-235 im natürlichen Uran nicht mehr aus. Die Reaktoren in Oklo waren zuletzt wohl vor 1800 Millionen Jahren aktiv. Der theoretisch letzte Zeitpunkt, an dem ein natürlicher Reaktor auf der Erde existiert haben könnte, war wohl vor knapp 400 Millionen Jahren, als der Gehalt an U-235 bei 1% Gesamturan lag.

  11. da liegt also seit 2 Milliarden Jahren Atom-Müll rum und kein Grüner dreht durch?

    das Zeug liegt da die ganze Zeit in der selben Stelle wo es entstanden ist, seit der Hälfte der Erdgeschichte und hier haben die Angst etwas Müll einzubutteln, weil es ja wieder raus könnte?

  12. Man darf nicht vergessen, dass in Deutschland auch Uran abgebaut wurde (siehe Wismut). Es gibt hier also natürliche Uranvorkommen einige Meter unter der Erde. Somit kann man auch Atommüll auf bzw. unter dem eigenen Boden Endlagern. Man könnte die Menschen die direkt da drüber wohnen lediglich umsiedeln. Man darf nicht vergessen, dass die Menschheit in wenigen Jahrhunderten versuchen wird andere Planeten zu besiedeln. Vielleicht oder bestimmt wird man bis dahin in der Lage sein das nukleare Material anderweitig zu entsorgen oder es sogar noch als Rohstoff zu nutzen. Es ist und bleibt Panikmache mit Gewalt und ohne Rücksicht auf Verluste aus der Atomkraft auszusteigen wenn doch die Nachbarländer, teilweise in Grenznähe, Atomkraftwerke betreiben. Wenn dort was passiert nützt es nichts selber keine zu haben. Ein Ausstieg wäre zwar sinnvoll aber nicht auf die Schnelle und es müsste für alle Länder, zumindest in Europa gelten.

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