Goodbye, Walter Breuning!

Medicine & More
Die Welt trauert um einen ihrer Veteranen. Der bislang amtierende älteste Mann der Erde, Walter Breuning, ist gestern im Alter von 114 Jahren im US-Bundesstaat Montana gestorben. Sein Erfolgsrezept für ein langes, glückliches und gesundes Leben war äußerst simpel: Regelmäßige Beschäftigung für Körper und Geist und nicht zu viel essen.
 
Auch wenn einiges für eine genetische Prädisposition für ein langes Leben spricht, sind viele Gründe noch unbekannt, warum einige Menschen weit über 100 Jahre alt werden. Ein relativ karges Leben ohne großen Überfluss scheint jedenfalls günstig zu sein, denn der Mann, der am 21. September 1896 in Melrose im US-Bundesstaat Minnesota das Licht der Welt erblickte, führte ein nicht immer leichtes, jedoch bescheidenes Leben.
 
In den letzten 50 Jahren nahm er täglich nur zwei Mahlzeiten zu sich und hielt dabei seinen BMI bei etwa 19 konstant. Er arbeitete zunächst bei der Bahn und nach seiner Pensionierung im Alter von 67 Jahren noch weitere 33 Jahre für eine Wohltätigkeitsorganisation, bewegte sich regelmäßig und mäßigte sich beim Essen. In einem Interview, das er in 2007 anlässlich seines 110. Geburtstags im "The Rainbow"-Seniorendorf in Great Falls (US-Bundesstaat Montana) gab, riet er: "Wenn Sie zu dick sind, sollten Sie unbedingt abnehmen. Früher mussten wir uns viel mehr bewegen. Es gab keine Autos oder Schulbusse, wir mussten immerzu laufen."
 
Mittlerweile konnten Wissenschaftler auch seine Ansichten bezüglich der Ernährung bestätigen. So zeigte ein Forscherteam um Professor Tomas Prolla von der Universität Wisconsin-Madison / USA, dass eine kalorienreduzierte Kost das Leben verlängert – zumindest bei Mäusen. Die Arbeit wurde im Fachmagazin Cell veröffentlicht und beschäftigt sich insbesondere mit dem Enzym Sirt3 und seinem Einfluss auf den Alterungsprozess bei Lebewesen. Sirtuine sind Enzyme, die Eiweiße verändern können. Durch eine Diät steigt der Sirt3-Spiegel im Körper an. Dieses Enzym ist dann in der Lage, die so genannten "freien Radikale", die für Alterungsprozesse in Zellen verantwortlich gemacht werden, zu binden und damit außer Gefecht zu setzen.
Walter Breuning brauchte keine Mausmodelle – er lebte ganz einfach sein Erfolgskonzept. Er war glücklich dabei und blieb selbst bis ins hohe Alter hinein gesund. Im Alter von 64 Jahren erkrankte er an Darmkrebs. Er besiegte die Krankheit und erkrankte erst wieder mit 107 Jahren: Da stürzte er und brach sich das Becken.
 
35 Jahre lang war er mit seiner Frau verheiratet, die Ehe blieb kinderlos. Als seine Frau 1957 starb, heiratete er nicht mehr, da "zweite Ehen meist schief gehen" und selbst "erste Ehen heutzutage schon oft scheitern". Der Mann, der bis zum stolzen Alter von 103 Jahren Zigarren rauchte und nur damit aufhörte, "weil es im Heim verboten war zu rauchen", konnte eine Menge Lebensweisheiten ansammeln, die er freimütig an die jüngeren Generationen weitergab. In einem Interview im vergangenen Jahr, kurz vor seinem 114. Geburtstag, sagte er: "Menschen zu helfen ist das Beste, das Sie in der Welt tun können. Damit tun Sie auch gleichzeitig sich selbst etwas Gutes."
 
Die Welt ist um einen großen alten Mann ärmer geworden. Rest in peace, Walter Breuning. 
 

Karin Schumacher

Veröffentlicht von

Dr. Karin Schumacher bloggt als Trota von Berlin seit 2010 bei den SciLogs. Nach dem Studium der Humanmedizin in Deutschland und Spanien promovierte sie neurowissenschaftlich und forschte immunologisch in einigen bekannten Forschungsinstituten, bevor sie in Europas größter Universitätsfrauenklinik eine Facharztausbildung in Frauenheilkunde und Geburtshilfe abschloss. Hierbei wuchs das Interesse an neuen Wegen in der Medizin zu Prävention und Heilung von Krankheiten durch eine gesunde Lebensweise dank mehr Achtsamkeit für sich und seine Umwelt, Respekt und Selbstverantwortung. Die Kosmopolitin ist leidenschaftliche Bergsportlerin und Violinistin und wenn sie nicht gerade fotografiert, schreibt oder liest, dann lernt sie eine neue Sprache. Auf Twitter ist sie übrigens als @med_and_more unterwegs.

3 Kommentare

  1. Methusaleh Foundation, Aubrey de Grey

    Walter Breuning ist im Alter von 113Jahren besser dran als mancher 80-Jährige. Warum also nicht noch älter werden? Genau damit beschäftigt sich Aubrey de Grey. Es ist beinahe ein biblischer Wunsch: So alt werden wie Methusalem. Und nicht unmöglich. Allerdings unmöglich ohne genetische Manipulation. Es wird geschehen. Ob es gut ist wisse wir noch nicht.

  2. selektive Wahrheit

    Das hohe Alter wird neben der genetischen Prädisposition ausschließlich dem mäßigen Essen, viel Bewegung und guten sozialen Beziehungen zugeschrieben. Die einzige weitere bedeutende Konstante in seinem Leben – das Zigarrenrauchen – wird dagegen nicht positiv vermerkt. Dabei ist doch allgemein bekannt: Rauch konserviert. 😉

  3. Unsterblichkeit

    Bei 1000fragen gab es eine lange und heftige Diskussion zum Thema:

    “Haben Sie auch Angst, unsterblich zu werden?”

    http://www.1000fragen.de/dialog/diskussion/frage.php?qid=81

    Ich persönlich wäre gerne unsterblich,

    während 1000fragen eher einen christlich-konservativen Standpunkt vertrat.

    Die Akzeptanz des Todes sinkt proportional zur Restlebenszeit.

    Deshalb ändern auch überzeugte Gegner der biologischen Unsterblichkeit spätestens 30 Minuten vor ihrem Tode ihre Meinung.

    Diagramm:

    http://members.chello.at/karl.bednarik/MORTLEBE.PNG

    Ich selbst bin 65 Jahre alt, aber ich bin schon vor 54 Jahren zur Ablehnung meines Todes gelangt.

    Meine 694 Text-Beiträge findet man hier:

    http://www.1000fragen.de/dialog/diskussion/nutzerprofil.php?uid=398

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