Arzt im Krankenhaus – Traumberuf oder Alptraum?

BLOG: Medicine & More

Aude sapere!
Medicine & More

Wenn die Studenten der Humanmedizin nach fünf Jahren theoretischer Ausbildung im Praktischen Jahr (PJ) voller Elan und Tatendrang den ersten Kontakt mit dem klinischen Alltag erleben, ist die Ernüchterung oft groß. In einem aktuellen TV-Bericht im ARD-Nachtmagazin berichten PJ’ler eindrücklich und realistisch von ihren Erfahrungen im Krankenhaus.

“Einige Illusionen zerplatzen wie Seifenblasen!”, klagt eine der Jungmedizinerinnen. Der O-Ton eines anderen PJ’lers hierzu: “Es ist nirgendwo ideal und es könnte auch noch viel schlimmer sein. Wir finden zwar leicht einen Arbeitsplatz, allerdings ist es deprimierend, wenn ehemalige Schulkameraden nun als Bankkaufmann pünktlich nach Hause gehen und dafür noch 120 Prozent mehr Geld verdienen als ein Arzt nach einem sechsjährigen Studium!”

Die Gründe für die düstere Einschätzung liegen auf der Hand. Bürokratie, Arbeitsverdichtung, unflexible Arbeitszeiten, schlechte Bezahlung, starre Hierarchien und die mangelnde Zeit, sich um Patienten zu kümmern, sind nur einige der Ursachen. Dabei werden Ärztinnen und Ärzte dringend gebraucht, nicht zuletzt da die Bevölkerung immer älter wird.

Rudolf Henke, Vorsitzender des Marburger Bundes, der größten europäischen Ärztevertretung, warnt in dem ARD-Interview vor einer Verschärfung des bestehenden Ärztemangels: “Nur wenn wir es schaffen, die Arbeitsbedingungen zu verbessern, wird auch die nächste Ärztegeneration mit Freude im Krankenhaus arbeiten. Sonst flüchten sie noch stärker ins Ausland oder in andere Bereiche wie beispielsweise die Industrie.” Der Marburger Bund setzt sich in der aktuellen Tarifrunde für die rund 55.000 Klinikärzte an den 800 kommunalen Krankenhäusern vor allem für mehr Lohn und die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie ein.

“Ein Traumberuf, wobei man manchmal zwischendurch in der Realität aufwacht!” schließt einer der Nachwuchsärzte, während seine Kollegin meint: “Dieser Alptraum wäre auf Dauer nichts für mich!”

Der ARD-Bericht ist im Internet unter http://www.tagesschau.de/multimedia/video/video666904.html zu sehen.

Karin Schumacher

Veröffentlicht von

Dr. Karin Schumacher bloggt als Trota von Berlin seit 2010 bei den SciLogs. Nach dem Studium der Humanmedizin in Deutschland und Spanien promovierte sie neurowissenschaftlich und forschte immunologisch in einigen bekannten Forschungsinstituten, bevor sie in Europas größter Universitätsfrauenklinik eine Facharztausbildung in Frauenheilkunde und Geburtshilfe abschloss. Hierbei wuchs das Interesse an neuen Wegen in der Medizin zu Prävention und Heilung von Krankheiten durch eine gesunde Lebensweise dank mehr Achtsamkeit für sich und seine Umwelt, Respekt und Selbstverantwortung. Die Kosmopolitin ist leidenschaftliche Bergsportlerin und Violinistin und wenn sie nicht gerade fotografiert, schreibt oder liest, dann lernt sie eine neue Sprache. Auf Twitter ist sie übrigens als @med_and_more unterwegs.

20 Kommentare

  1. Meiner Meinung nach wissen angehende Ärzte genau über ihren zukünftigen Alltag und Arbeitszeiten bescheid, wenn sie also Probleme damit haben, dann sollten sie es evtl. in Betracht ziehen, eine andere Lösung zu finden, sprich eben etwas anderes zu studieren. Das klingt zwar hart, aber wenn man die Arbeitsbedingungen der Ärzte verbessern will, müsste man gleich die Arbeitsbedingungen sämtlicher Naturwissenschaftler mit reformieren. Als angehender Doktor oder Laborleiter hat man es nämlich genauso schwer.

  2. Geld

    Da stellst sich mir die Frage, wer soll das alles bezahlen, um den Forderungen von R. Henke nachzukommen?

    Seit Jahren gibt es als Pflichtversicherter immer weniger Leistung und zum “gerechten” Ausgleich, werden die Beiträge teurer. Die Praxisgebühr kommt noch hinzu. Einige Medikamente müssen vollends selbst bezahlt werden. Zudem ist der Beitrag nicht mehr 50:50 zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber aufgeteilt. Wahrscheinlich wird sich das Verhältnis weiter zu Seiten des Arbeitnehmers verschlechtern. Wo soll das noch enden? Ist zu wenig Geld im “Pott” der Versicherer oder versackt es irgendwo, wo es nicht hingehört? Ständig die Beiträge zu erhöhen und/oder Leistungen einschränken kann es auch nicht sein.

  3. Traumberuf

    Der Vergleich zwischen Naturwissenschaftlern und Ärzten braucht mehr als Zahlen.

    Aber auch Zahlen sind interessant: Ich zitiere zunächst aus dem Newsletter 03/2009 des Hochschulverbandes:

    “So verdienten Ärzte, die vom arztspezifischen Tarifvertrag des Marburger Bundes erfasst werden, monatlich bis zu 2.400 Euro mehr als ihre Kollegen mit Aufgaben in der klinischen Forschung, aber auch die vorklinischen und naturwissenschaftlichen Mitarbeiter, die nach dem deutlich ungünstigeren Tarifvertrag der Länder (TV-L) vergütet werden.”

    Weiter kann man dort lesen, dass das Gehalt für einen W2-Professor in Berlin bei 3650 und 3890 Euro im Westen bzw. Osten liegt – übrigens für den W2-Medizinprofessor wie den Naturwissenschaftler.

    Vergleichen wir noch die angestellten Lehrer in Berlin, liegen die auch über einen W2-Hochschullehrer mit rund 3846 Euro brutto im Monat.

    Also nochmal: ein Lehrer verdient mehr als ein W2-Professor! Der W2 mehr als W1 und der mehr als ein Postdoc und der wieder mehr als ein Doktorand.

    Wobei ein “normaler” Lehrer meist Mitte 20 anfängt, der Hochschullehrer im Schnitt 15-20 Jahre später, und nur gut 40% der habilitierten einen Job in Akademia finden …

    Soviel zu den nackten Zahlen.

    Dieser Vergleich Hochschullehrer-Lehrer deutet auch gleich Gründe an. Es fehlen Lehrer aber keine Kandidaten für Professuren. Ich gönne daher jedem Lehrer sein höheres Gehalt vom Herzen. Das ist gut so.

    Wissenschaftler wie Ärzte *verdienen* Ansehen!
    (wie die Lehrer auch, aber eben nicht ganz so viel. Auch darüber mag man streiten)

    Wenn Ärzte fehlen, sollte in meinen Augen mit weniger Arbeitsbelastung und dann auch mit aufgebesserten Gehalt gegengesteuert werden. Krank ohne Arzt sein, will niemand, das ist keine Frage.

    Wenn aber Ärzte ihrem Traumberuf nachgehen und sich wundern, dass Bankkaufleute für weniger Arbeit mehr Geld bekommen, dann würde ich mich an deren Stelle fragen, wieviel mir der Traumberuf Wert ist und gegebenenfalls umsatteln. Beklagen würde ich nicht, dass jemand, der anderes tut, mehr bekommt.

    Das kommt doch auch gut heraus am Ende des Beitrages.

    PS: @Trota von Berlin: Übrigens auch noch ein herzliches Willkommen bei den Brainlogs aus Berlin!

  4. Deutsche Unikliniken

    Wo ich bisher hinter die Kulissen gucken konnte (N = 2), da graute es mir auch — und die Geschichten, die man so von anderen Orten hört, die bestätigen das.

    Aber wo ich als Patient auf der Bühne stand, da waren doch stets motivierte Ärzte/Ärztinnen, die ihren Beruf ernst genommen haben. Dafür: Hut ab!

  5. @ Martin: Geld

    Soso, wir können also eben mal 700 Milliarden Euro locker machen, um die Spielschulden von ein paar Bankern zu schultern, aber unsere Ärzte richtig ausbilden, bezahlen und anstellen, das sollen wir nicht können?

  6. Dr. Glukose

    Also wenn ich wählen könnte, geschätzter Dr. Glukose, dann wäre es mir als (potentiellem) Patienten doch am liebsten, wenn die Verbesserung der Arbeitsbedingungen bei den Ärzten beginnt. Wenn jemand in irgendeinem Labor was verschusselt, weil er oder sie unbedingt noch in der 20. Arbeitsstunde eine wichtige Analyse machen muss: Nun gut. Das ist das in der Regel nicht mein Schaden. Wenn aber eine Ärztin oder ein Arzt mich unters Messer nimmt, dann wäre es mir schon recht, wenn sie oder er gut ausgeschlafen wäre und nicht gerade die 36. Stunde eines Bereitschaftsdienstes absolviert und drüber nachdenkt, dass er oder sie als Bankkaufmann jetzt erstens friedlich im Bett schlummern würde und zweitens mehr Geld auf dem Konto hätte. Ich arbeite in der Raumfahrtindustrie. Wenn bei uns jemand zehn Stunden nach Arbeitsbeginn immer noch am Satelliten oder der Rakete rumschraubt, dann gibt es schon beim ersten Mal eine nett formulierte Mail der Personalabteilung das doch bitte in Zukunft zu unterlassen. Schließlich geht es um Multimillionenwerte. Ich möchte auch gerne so sorgsam behandelt werden, wie eine teure Sache. Mindestens.

  7. @ Schleim

    Mal so eben haben wir die Milliarden nicht locker gemacht. Es wurden ganz locker Schulden gemacht und die Rechnung werden wir noch bezahlen müssen.

    Bleibt meine Frage, woher soll das Geld kommen? Mehr Schulden? Die Beitragszahler stärker zur Kasse bitten? Gibt es wirklich zu wenig Geld im “Topf” des Gesundheitswesen, daß die Beiträge immer weiter steigen oder hat der “Topf” ein Loch?

  8. Die Zeiten ändern sich – es wird besser

    In Zeiten des Ärztemangels bewegen sich die Kliniken in vielen Bereichen. Personalmanagement hat hier mittlerweile in vielen Häusern eine besonder Bedeutung bekommen.

    Weiterbildungsstrukturen werden überprüft und verbessert. Das Nachwuchsmanagement wird auf komplett neue Wege gebracht. Schaut doch mal auf Veranstaltungen wie “Perspektiven und Karriere” vom Deutschen Ärzteblatt (www.perspektiven-und-karriere.de) oder “docsteps” vom Maburger Bund (www.docsteps.de)

  9. Positive Mitgestaltung der Zukunft!

    @ Dr. Glukose: Ich kenne das Problem der prekär beschäftigten Naturwissenschaftler auf halben Doktorandenstellen mit Drittmittelfinanzierung, die manchmal nur über wenige Monate gesichert ist, nur zu gut. Das ist ungerecht und nicht im Sinne einer guten Forschung. Aber so lange der Nachwuchs mitspielt, wird sich auch an diesen Missständen nichts ändern. Es liegt an uns selbst, dies mitzugestalten und und zum Positiven zu ändern. Jammern allein hilft jedenfalls nicht!

    Genauso wie wir eine Kontrolle der Facharztweiterbildung brauchen, bedarf es meiner Meinung nach einer Evaluation der Doktorandenstellen: Jeder Doktorvater, genau wie jeder Weiterbilder in der Medizin, müsste seine Beschäftigten an eine zentrale Stelle melden. Durch jährliche anonyme Evaluationen sowohl durch die Betreuer als auch durch die Schüler würden Auswüchse wie sechsjährige Doktorarbeiten oder unstrukturierte Facharztweiterbildungen unwahrscheinlicher bzw. kontrollierbarer. In der Schweiz hat sich ein solches System für die Facharztausbildung schon lange bewährt.

    Zwar gab es auch in Deutschland vor kurzem eine Weiterbildungsbewertung durch die Assistenten in der Facharztausbildung, aber schon allein die Methode war ein Witz: Die Assistenten mussten sich von ihren Chefs einen Code hierfür abholen, der entweder gar nicht erst rausgerückt oder aber aus Angst vor negativen Folgen für die weitere Karriere oft nicht abgeholt wurde. Nur so lassen sich die geringe Beteiligung und die erstaunlich guten Ergebnisse der Evaluation erklären: http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?id=68064.

    @ Markus und Stephan: Danke!

    @ Eugen: Wie es scheint sind Raketen und Satelliten wertvoller als Menschen. Denn ich bekomme weder eine E-Mail noch etwas zu essen oder zu trinken, selbst wenn ich als Arzt in die 14. OP-Stunde gehe. Im Gegenteil – auch das sollte uns nachdenklich stimmen.

    @ Martin: Der Finanztopf des Gesundheitswesens ist schon seit geraumer Zeit ein Sieb, das immer mehr Löcher bekommt und von dem sich viele gut bedienen. Ich werde darüber an anderer Stelle berichten, da das jetzt den Rahmen sprengen würde.

    @ aerztestellen: Die Zeiten ändern sich und um vor allem Nachwuchsärzte wieder stärker in Deutschland zu halten, wurde der „Arzt im Praktikum“, diese 18-monatige Ausbeutung junger Ärzte für einen Hungerlohn, vor einiger Zeit abgeschafft. Man hofft, dass der Nachwuchs sich möglichst rasch etabliert, im Idealfall eine Familie gründet und im Lande bleibt. Diese Rechnung geht bislang jedoch nur bedingt auf. Denn die Jugend ist nicht immer naiv und die Langzeitprognose ist weiterhin schlecht. Ein Oberarzt mit 15 Jahren Berufserfahrung und diversen Zusatzqualifikationen hat sich bei einer 100-Stunden-Woche mit 2 bis 3 Nachtdiensten in der Woche ohne Freizeitausgleich bei einem Jahresbruttoeinkommen von 80.000 Euro weit von seinem Traumjob entfernt. Auch die Niederlassung wird eine immer unattraktivere Alternative. So wagen selbst dann noch viele den Schritt ins Ausland, wo es ihnen besser geht. Es lebe die Globalisierung der Medizin!

    Deutsche Patienten sollten sich deswegen heute schon mit dem Gedanken anfreunden, in Zukunft auf Rumänisch, Polnisch oder einer anderen ihnen unbekannten Sprache von ihrem Arzt des Vertrauens begrüßt zu werden. Zumindest im operativen Bereich einiger Kliniken ersetzen sie heute schon oft als Gastärzte und billige Arbeitskräfte weite Teile der geflohenen deutsch sprechenden Medizinerschaft. Initiativen vom Deutschen Ärzteblatt und vom Marburger Bund nicht nur zur Nachwuchsförderung sind daher dringend notwendig und nur zu begrüßen.

  10. “Aber so lange der Nachwuchs mitspielt”

    “…wird sich auch an diesen Missständen nichts ändern. Es liegt an uns selbst, dies mitzugestalten und zum Positiven zu ändern.”

    Auch wenn es schwer fällt, genau diese Courage ist in meinen Augen sehr wichtig. Ich versuche das sowohl selbst umzusetzen als auch den Jüngeren anzutrainieren.

    Ich freue mich schon auf diesen Blog!

    Ich wünschte mir einen vergleichbaren Blog zum Thema (Natur)Wissenschaftler.

  11. Ich stimme dem zu, dass dringend etwas an den Zuständen in den Krankenhäusern in Deutschland getan werden muss. Gerade im Informatiosnzeitalter haben Mediziner immer mehr Möglichkeiten andere Wege zu gehen, als den Weg als “normaler” Arzt im Krankenhaus.

    Man sieht die Auswirkungen ja schon heutzutage an den Zuständen in den Krankenhäusern. Wenn hier nicht schnellstens etwas getan wird, bekommen wir in Deutschland mächtige Probleme!

  12. (Natur)Wissenschaftler und Mediziner

    @ Markus: Schön, dass wir hier nicht allein zu sein scheinen! Nur so lassen sich Dinge zum Besseren ändern. Und auch was die (Natur)Wissenschaftler betrifft – ich arbeite selbst seit langem mit ihnen, um auch mal darüber zu bloggen…

    @ leila: Vielen Dank für den Kommentar. Die Probleme in den Krankenhäusern werden immer größer, so dass sich die Gesellschaft langsam fragen muss, ob sie die Zukunft tatsächlich in der Fließbandmedizin sieht. Sollte das nicht der Fall sein, sollte sich jede/r einzelne fragen, was er /sie dagegen tun will und kann.

  13. @ Trota von Berlin

    ich find das echt gut von dir, dass du sowas ansprichst und darüber bloggst. Das ist ein ernstzunehmendes Thema aber dummerweise wird das nicht so publiziert. Viele (ich glaube vor allem Patienten) wissen gar nicht wirklich, wie schlecht es um unser Gesundheitssystem steht. Sie glauben der Apothekenzeitung und denken es ist getan, wenn sie sich das Medikament, welches da beworben wird, kaufen.

    Deinen letzten Satz den du an Leila geschrieben hast, finde ich sehr wichtig. Aber ich denke, dass man als einzelner nicht viel bewirken kann, man müsste echt als geschlossene “Mannschaft” (mir fehlt gerade das Wort) dagegen angehen, sonst ändert sich nichts. Ich denke, der erste Schritt ist getan, indem du das veröffentlichst, es bei der Tagesschau (leider zu einer echt doofen Uhrzeit) thematisiert wurde. Es müssen jetzt aber mehr Schritte folgen…

  14. @Nabila H.

    Vielen Dank für den Kommentar. Sicher können nicht alle Patienten genau so wenig wie alle Ärzte und die ganzen anderen am Gesundheitssystem Beteiligten in einen Topf gesteckt werden.
    Aber auch ich habe es sehr oft beobachtet, dass Menschen, die sich nicht selten über Jahrzehnte hinweg überhaupt nicht für ihre Gesundheit interessiert haben, plötzlich vor den Ärzten stehen und denken, mit ein paar Tabletten oder einer Operation ließe sich ihre Gesundheit wieder ähnlich wie ihr Auto reparieren.
    Dank des medizinischen Fortschritts funktioniert diese Therapie der Symptome sogar immer häufiger – zumindest für eine gewisse Zeit, bis dann beispielsweise die Nebenwirkungen der Behandlung zu den nächsten Problemen führen. Eine Heilung der Ursachen ist damit jedoch nicht möglich. Das geht nur, wenn auch der Patient selbst Verantwortung übernimmt.
    Das Gesundheitssystem verdient bislang recht gut an diesem System und wird daher sicher nicht viel ändern wollen. Auch die Ärzte leben davon und freuen sich besonders über chronisch kranke Privatpatienten. Die kritischeren Ärzte wandern aus oder ab in andere Bereiche und interessieren sich dann auch nicht mehr für die Verbesserung des Gesundheitssystems.
    Eine rühmliche Ausnahme ist z.B. der humorvollste Arzt Deutschlands, Eckart von Hirschhausen.
    Ich denke, dass die Presse ein hervorragendes Medium ist, um auf die Missstände hinzuweisen, Lösungen anzubieten und vielleicht sogar eine starke ‘Mannschaft’ zu bilden – vorausgesetzt man kennt tatsächlich das System und dessen Spielregeln. Das Internet bietet hierfür jedenfalls sehr gute Möglichkeiten.

  15. @ Trota von Berlin

    aber mal ganz im ernst, wie viele sind schon kritisch genug oder hinterfragen das System?
    Nicht so viele, wie man ggf. denken möge. Naja und da ich davon ausgehe, dass es nicht so viele sind, denke ich nicht, dass die sich übers Internet informieren würden. Ich glaube ehrlich gesagt, dass nur Leute die was mit Medizinern oder Medizinischen Berufen zu tun haben, dass System und die Spielregeln kennen. Ich vermute, wenn man 500 Leute oder mehr auf der Straße ansprechen würde, keiner genau sagen könnte, ob im letzt-besuchten Krankenhaus (als Patient) sagen könnte, ob da Hierarchie herrscht oder Laissez Faire dominiert/e. Die könnten bestimmt noch nicht einmal einschätzen, wie lange ihr zu-behandelnder-Arzt wohl schon arbeitet. Es dreht sich schließlich bei vielen (ich denke, vorallem bei den Undankbaren Patienten) um sie. Hauptsache sie werden gesund, Kasse zahlt und wie es dem Arzt gesundheitlich geht ist Latte, hauptsache er macht sein Job richtig.

  16. @Nabila H.: Unterschied?

    “Hauptsache sie werden gesund, Kasse zahlt und wie es dem Arzt gesundheitlich geht ist Latte, hauptsache er macht sein Job richtig.”

    Ist das nicht bei jeder Dienstleistung so? Warum sollten Patientien sich gegenüber Ärzten anders verhalten?

    Ich hoffe, Sie wollen mir nicht erzählen, Medizin sei eine Kunst?

  17. Barbiere und deren Kundschaft…

    @ Nabila H.: Na ja, Jack Welch zufolge dürften es maximal 20 Prozent sein, die kritisch und gut genug sind, um das System zu hinterfragen. Aber die sollten eigentlich auch reichen, um etwas zu verändern. Das Problem ist nur, dass die 10 bis 20 Prozent am anderen Ende, die so genannten „Zitronen“ in den Krankenhäusern unserer Zeit leider nicht wie in anderen Unternehmen aussortiert, sondern oft sogar noch richtig Karriere machen.

    Von Außenstehenden kann man nicht erwarten, dass sie das System durchschauen. Selbst als Patient bekommt man nur Bruchteile vom eigentlichen Geschehen mit. Einem Patienten ist also gar nicht bewusst, dass sein Doktor, der ihn gerade operiert, schon seit 24 Stunden auf den Beinen ist. Auch ich würde das übrigens als total absurd abtun, wenn ich nicht selbst mit eigenen Augen sehen würde, dass das tatsächlich auch heute noch trotz anderer Gesetze täglich praktiziert wird – oft sogar freiwillig! Noch dazu lassen sich diese „hoch gebildeten“ Akademiker auch heute noch Hierarchien wie beim preußischen Militär gefallen. Die Hüter der Gesundheit treten ihre eigene Gesundheit mit Füßen und unterwerfen sich in blindem Gehorsam ihren Vorgesetzten. Warum?

    Klar ist, dass die wahren Heiler und die wirklich Kranken dabei leider oft auf der Strecke bleiben. Eine solche Medizin hat immer seltener etwas mit Heilkunst zu tun.

    Um das Selbstbedienungssystem Gesundheitswesen abzuschaffen, müssten auch gesetzlich Versicherte sehen, was es tatsächlich bedeutet und kostet, gut behandelt zu werden. Bei allen anderen Dienstleistungsbetrieben muss man wohl etwas mehr als symbolische 10 Euro im Quartal bezahlen.

    @ Elmar Diederichs: Medizin sollte sich wie alle anderen Dienstleistungen auch vor allem am Kunden orientieren. Früher waren es die Barbiere und Friseure, die als Wundärzte arbeiteten und Chirurgie heißt ja nichts anderes als „Handwerk“.

    Den Ärzten und insbesondere den Chefs unter ihnen würde ich deswegen als Weiterbildungsmaßnahme statt des von einer Pharmafirma gesponserten Kongresses in Rom auch einmal ein einwöchiges Praktikum in einem Friseursalon empfehlen. Unter anderem zur Rückbesinnung auf die Wurzeln. Vielleicht würde das helfen.

  18. Stellenangebote für Arzt

    Es ist ein Drama, auf der einen Seite finden Jung Mediziner keine anständigen Arzt Stellenangebote und auf der anderen Seite bleiben massiv Arzt Stellen, vor allem auf dem Land, unbesetzt, weil sie unattraktiv sind. Aber es geht ja noch weiter, selbst jedes Arzt Stellenangebot mit den hungrigen Arzt Job suchenden Uniabgängern besetzt sind, fehlen immer noch viele. Die Menschen, die dem Job als Arzt nachgehen wollen, gibt es auch zur Genüge, nur stellt der Bund nicht genug Mittel an die Unis, sodass diese Stellenangebote für Arzt, also in die medizinischen Fakultäten investieren.

  19. Das ist ja nun leider darüber hinaus kein Phänomen, das sich nur auf die Ärzte bezieht. Im Kontext von Privatisierung und Gewinnmaximierung ist es nunmal logische Konsequenz, dass Arbeitszeiten nach oben und die (materielle oder immaterielle) Vergütung nach unten hin angeglichen wird. In diesem System bleiben größtenteils dann nur noch die Leute übrig, die das aus Karriere- oder sonstigen Gründen mit sich machen lassen und denen die Konsequenzen für sich selbst, ihre Familie und übrigens auch ihre Patienten nicht so wichtig sind.

    Niemand will von einem übermüdeten Arzt behandelt werden, jeder möchte, dass Ärzte mehr Zeit für die Patienten haben. Aber gleichzeitig möchten wir scheinbar Aktien von Krankenhauskonzernen kaufen und möglichst viel Gewinn damit machen.

    Das passt nicht zusammen.

  20. Ich denke es kommt zum einen stark darauf an, wie man sich darauf einstellt, aber auch wie sich die Branche entwickelt. Krankenhäuser ohne Umlagerungshilfen zum Beispiel schonen das eigene Personal nicht und arbeiten zudem auch nicht besonders effizient. Es muss der Vorteil von zufriedener Arbeit gesehen werden. Das kann auch Effizient schaffen.

Schreibe einen Kommentar